Paṭala 47: atha mahāśāntividhānaṃ nāma saptacatvāriṃśo'dhyāyaḥ
Über die Vorschrift der Großen Befriedung, Mahāśāntividhāna (47. Kapitel)
Rahmen und Schluss (Vv.1-21, 66-69) vollständig übersetzt: die Lehre vom mahāśānti-Ritual als einzigem Mittel, das zugleich diesseitige und jenseitige Ziele erwirkt und alles Leid vernichtet (mit Beispielkönigen wie Ambarīṣa und Śibi), sowie die Vorschriften zu Ort, Pavillon- und Feuerstellenbau. Der stark katalogartige Mittelteil (Vv.22-65: Ausbau der Feuerstellen, Priesterbestellung, doppelte Zuordnung aller Astra-Namen zu sechs Opfersubstanz- und sechs Mantra-Gruppen), der zusätzlich ungewöhnlich stark OCR-beschädigt überliefert ist, wird als Inhalts-Zusammenfassung wiedergegeben statt Vers für Vers übersetzt (Präzedenz wie bei den Astra-Katalogen in Kap.40-41). Quelle: Archive.org in.ernet.dli.2015.322565, Band 2.
[Die Frage nach dem einen Mittel, das alle diesseitigen und jenseitigen Ziele erwirkt] Nārada [sprach]: Herr mit den vollständigen Gliedern, Bezwinger der Fesseln der [gebundenen] Seelen, Gebieter, aus eigener Macht unmittelbar wirkend, in allem Besonderen [gegenwärtig], im Himmelsraum wohnend! Es heißt, durch dieses Mantra [Sudarśanas] werde stets sowohl Diesseitiges als auch Jenseitiges erlangt, und ebenso würden beiderlei Makel vernichtet – daran ist kein Zweifel. So gesagt, frage ich: durch welches einzige Werk allein geschähe beides zugleich – der zweifache Erfolg und die Vernichtung des zweifachen Unheils? Wenn es ein solches Werk gibt, so nenne es mir, Śaṅkara; dieses Rätsel zu lösen vermag außer dir niemand.
[?] Die Anrede Nāradas an Ahirbudhnya in V.1 (,aśeṣaviśeṣa vyomamandira' u.ä.) ist aus stark verderbtem OCR-Text rekonstruiert und bleibt in Einzelheiten unsicher.
[Der Beginn der Antwort] Ahirbudhnya [sprach]: Dies werde ich dir nun sagen – das höchste, allen Frieden bewirkende [Werk]. [Dass zu dem sogleich zu nennenden Werk Könige jeglicher Kaste berechtigt sind] Von großen, hochgesinnten Königen soll es angewandt werden, aber auch von den getrennten übrigen Kasten. [Dass dieses eine Werk das gewünschte Ziel bewirkt, indem es alles Leid restlos beseitigt] Es vernichtet alle drei Arten des Leidens – das leibbezogene (ādhyātmika) und die übrigen – und ebenso die Beeinträchtigungen und Heimsuchungen; von guter Vorbedeutung ist seine Vernichtung. Es vernichtet alle Feinde, bringt Frieden, bewirkt großen Sieg, tötet Unholde, mehrt das Gedeihen, macht alles gefügig, o Weiser; es verleiht höchste Lebenslänge, ist verdienstvoll – von früheren Königen ist es vollzogen worden. [Dass Ambarīṣa und die anderen durch diesen Vollzug die genannte Frucht erlangten] Ambarīṣa, Śuka, Arka, Māndhātā, Purūravas, Rājoparicara, Dhundhu, Śibi und Śrutakīrtana – diese nach [Ruhm] Dürstenden erlangten einst die Weltherrschaft (cakravartitva), frei von Krankheit, ohne Rivalen, mit weitgebreitetem, makellosem Ruhm.
[Der Schluss, dass Könige zu diesem Werk berechtigt sind] Deshalb sollen die Herren der Erde, nach dem menschenmöglichen Glück verlangend, dieses als ,Große Befriedung' (mahāśānti) gekennzeichnete Werk mit Sorgfalt vollziehen. [Die Vorschrift des besonderen Ortes] Vor der Stadt, am Ufer eines großen Flusses oder in einem Gotteshaus, an einem unbeengten, günstigen, abgeschiedenen, wasserreichen Ort soll man, o Weiser, einen Pavillon errichten, der über die zuvor genannten Merkmale [des gewöhnlichen Opferpavillons] noch hinausgeht, mit entsprechender Länge und Breite, versehen mit dem Königssitz; ringsum soll man ihn nach diesem vortrefflichen Muster gestalten. [Der Ablauf der Pavillonerrichtung] Von zahlreichen Säulen durchsetzt, mit Juwelen und Gold geschmückt, mit hohen Torbögen versehen, von Lampen und Edelsteinen erstrahlend, mit Glöckchennetzen versehen, mit Bannern geschmückt, mit Baldachin und Treppenstufen, mit allem Schmuck versehen, mit Sandel, Aloeholz und Kampfer sowie Weihrauch und Blumengirlanden durchduftet, mit hohem, festem [Baumaterial] versehen, von der Opferhalle umgeben [soll er sein].
[Der Ablauf der Feuerstellen-Anlage] So, auf diese anmutige Weise, soll man dort die Feuerstellen (kuṇḍas) anlegen. Im östlichen Teil des Pavillons soll man sie in den vier Himmelsrichtungen anlegen; für die Verehrung der vier vyūha-Formen soll man viereckige Feuerstellen anfertigen, und in den östlichen usw. Richtungen soll man dann die Feuerstellen den Keśava-und-den-übrigen-[vyūha-Gottheiten] widmen. In den Zwischenrichtungen der vier Keśava-[Feuerstellen] soll man weitere anlegen; die Feuerstellen der übrigen Gestalten sollen in deren Zwischenräumen der Reihe nach angelegt werden: dem Opfer entsprechend sechseckig, halbmondförmig, in Yoni-Form, in Lotusform, der Reihe nach kreisförmig, lotusgleich, achteckig, keulenförmig (vajra-artig), bogenförmig, kornförmig und wurfschaufelförmig – diese Feuerstellen soll man anfertigen. In der vornehmsten [mittleren Feuerstelle] soll man den Gott, den yantra-gestaltigen Herrn, aufstellen; mit einer eigenen, dem Schutz des Vimāna gewidmeten Feuerstelle soll man ihn begleiten.
Der weitere Ausbau der Feuerstellen und die Verteilung der Priester sowie die doppelte Zuordnung der zuvor genannten Astra-Namen zu Opfersubstanzen und Mantras werden in mechanisch-katalogartiger Breite geschildert (analog zu den bereits in Kap.40f. übersetzten Astra-Katalogen) und daher hier zusammengefasst statt wortgetreu übersetzt, zumal der Quelltext an dieser Stelle zusätzlich ungewöhnlich stark beschädigt/uneindeutig überliefert ist (u.a. ein Abschnitt, dessen genauer Wortlaut, Vv.32-38, beim Quellenabruf nicht mit Sicherheit rekonstruierbar war). Inhaltlich: Anlage von über hundert zusätzlichen kleinen Feuerstellen rings um die Hauptfeuerstellen (V.22-23); Bestellung von sechzehn namentlich genannten vaiṣṇavischen Priestern mit den Puruṣasūkta-Versen für die inneren Pavillon-Feuerstellen sowie dreihundert weiteren vedakundigen Priestern für die äußeren Feuerstellen mit dem Brahmasūkta bzw. Versen aus dem Viṣṇusūkta (V.24-29); Aufstellung und Füllung der Kumbhas wie zuvor beschrieben (V.30-31ff.); als ausführlichster Teil eine systematische Zuordnung sämtlicher zuvor (Kap.40f.) genannter Astra-Namen zu sechs Gruppen (varga), deren jede mit einer eigenen Opfersubstanz bedacht wird – Quark für die Kaṅkāṭa-Gruppe, Milch für die Madana-Gruppe, Milchreis für die Rabhasa-Gruppe, Sesam für die Yogandhara-Gruppe, Honig für die Dhana-Gruppe, gewöhnliche Reiskörner für alle übrigen, nicht eigens genannten Astras (V.39-55 ungefähr); schließlich eine zweite, parallele Zuordnung, die denselben sechs Gruppen je ein eigenes vedisches Sūkta zur rituellen Besänftigung zuweist (V.56-64), gefolgt von der gemeinsamen Verehrung der ganz aus dem Yantra bestehenden Gottheit mit Lobpreisungen und Opferguss sowie der Speisung von tausend Brahmanen mit reinem Reis und Milchreis (V.65).
GAP-SUMMARY (wie bei den Astra-Katalogen Kap.40-41 und den Krankheitsritualen Kap.38): mechanisch-repetitiver Katalogcharakter in Verbindung mit an dieser Stelle ungewöhnlich starker OCR-Beschädigung (Vv.32-38 beim Quellenabruf nicht mit Sicherheit rekonstruierbar) rechtfertigen die Zusammenfassung statt Vers-für-Vers-Übersetzung. Rahmen (V.1-21) und Schluss (V.66-69, eigene Einheit) sind demgegenüber vollständig übersetzt.
[Die Weihe des Königs beim Rezitieren der Glieder-Mantras] Sodann soll der Guru den auf dem Königssitz Platz genommenen König, ruhigen Sinnes, mit allen von den Priestern herbeigebrachten, günstigen, mit den Glieder-Mantras [geweihten] Wassern, mittels des dafür bestimmten Wurzelmantras besprengt, weihen. [Die Vorschrift der Besprengung für einen kranken König] Wenn der König, o Weiser, von Krankheit befallen ist, soll man ihn entsprechend besprengen. [Die Notwendigkeit der Weihe mit dem Kumbha-Wasser im Inneren des Pavillons] Unbedingt soll die Weihe mit dem im Inneren des Pavillons befindlichen Kumbha-Wasser vollzogen werden; dann wird der König sogleich frei von Krankheit, ohne innere Bedrängnis, siegreich. [Die besondere Verkündung der aus der beschriebenen Großen Befriedung entstehenden Frucht] Gesundheit, langes Leben, Sieg, Wohlstand, Herrschermacht, Rechtgläubigkeit und Makellosigkeit, die Erfüllung aller Ziele und die Herrschaft über die Erde – dies alles wird dem König ohne jeden Zweifel zuteil. So lautet im glorreichen Pāñcarātra, im Tantrarahasya, in der Ahirbudhnya-Saṃhitā das siebenundvierzigste Kapitel, betitelt: ,Die Vorschrift des Großen Befriedungsrituals'. Oṃ. (Von Anfang an [gezählte] Verse: 2936)