Paṭala 43: atha jagackrātmakena sudarśanena śaṃkarāya svasvarūpa-pradarśanavarṇanaṃ nāma tricatvāriṃśo'dhyāyaḥ
Die Beschreibung, wie Sudarśana, dessen Wesen das Weltenrad ist, Śaṅkara seine eigene Gestalt zeigte (43. Kapitel)
Vollständig übersetzt. Enthält die zentrale narrative Identifikation des Erzählers Ahirbudhnya mit Śaṅkara/Rudra sowie den Beginn der Jalandhara-Rahmenerzählung (Fortsetzung in Kap.44). Quelle: Archive.org in.ernet.dli.2015.322565, Band 2.
[Die Frage, wie Sudarśana die Gestalt des Weltenrades hat] Śrī-Nārada [sprach]: Ich möchte dies wieder von dir hören, All-Herr: du hast einst gesagt, du seiest aus dem Weltenrad (jagaccakramaya) gebildet. Wie [geschah] das genau, erkläre mir, wann hat der Gott [sich so] gezeigt? Du allein bist der Kenner, kein anderer gibt es in den drei Welten. [In zwei Kapiteln, zur Beantwortung dessen durch eine Erzählung, zunächst die Darlegung, dass Götter usw. Förderer des Dharma-Pfades sind] Ahirbudhnya [sprach]: Die Götter, alle Weisen, Manu und dessen Söhne ebenso, die Könige und alle [vier] Stände sind Förderer des Dharma-Pfades. [Dass die Dānavas usw. Zerstörer des Dharma sind] Ebenso [sind] alle Dānavas, Bhūtas, Vetālas, Rākṣasas, grausame und sündige Menschen, furchtgestaltige Räuber, und andere Wesen, die in eine dämonische Geburt gelangt sind, Weiser – diese alle bewirken stets heftig die Zerstörung des Dharma. [Aus Sorge um ein Mittel zur Vernichtung der Sünder, Ahirbudhnyas Gang zum Meru-Gipfel] Daher, [denkend] ,wodurch mögen jene Übeltäter zugrunde gehen' – in höchste Sorge versunken, gelangte ich zum Meru-Gipfel. [Dort, während er in Versenkung verweilt, die Erscheinung eines besonderen Glanzes] Während ich dort in Versenkung verweilte, dort sitzend, erschien mir plötzlich ein schwer erblickbares, überaus strahlendes Licht. [Aus Furcht, nach dem Rezitieren des Ātharvaṇa-Mantras, das erneute Erblicken desselben] Darauf, bei dessen Anblick, sprach ich das Ātharvaṇa-Mantra; nachdem ich jenes große Mantra laut rezitiert hatte, erblickte ich jenes Licht wieder.
[Inmitten des Lichts die unmittelbare Schau der Sudarśana-Person, samt der Frage ,wer bist du' u.a.] In jenem strahlenden Glanz [erblickte ich] eine Person von dunkel-brauner Farbe, aufwärtsgerichteter Zeugungskraft, mit ungewöhnlichen Augen, einem tausendfachen Sonnenaufgang gleich, in der Mitte eines Rades mit tausend Speichen stehend, überaus erhaben, schwer erblickbar durch ihren Feuerkranz, ungetrübt – das war Sudarśana. Als ich ihn erblickte, [fragte ich]: ,Wer bist du, wer bin ich für dich' – so sprich zu mir, beides. [Der erfreute Herr verkündet seine eigene Gestalt] Da sprach jener erfreute Herr, der Schatz der Glanzkräfte: ,Ich bin der mit Namen Sudarśana Bekannte, höchster Gebieter, ein schwer zu erreichender Großkönig – das bin ich, Sudarśana, für dich. [Die Darlegung, dass er aus Vaikuṇṭha gekommen ist, aus der Absicht, dir, der du die erste rechte Sicht hast, Gnade zu erweisen, u.a.] Aus der Wohnstatt Vaikuṇṭha ausgezogen, bin ich gekommen, um dich zu sehen – dich, dem, ausgestattet mit der Verwirklichung des dreifachen Wesens, das nie zuvor Gesehene, Wunderbare zuteilwird: das ewig Verborgene, Geheime, von aller Welt Verehrte, das, aus dem Ozean der Veden durch das Quirlstock-Werkzeug der Hingabe herausgequirlt wie der Nektar aus dem Milchozean, von dir, höchster Herr, erlangt worden ist. Daher, als mantraverkörperter Gott zu dir gelangt – was soll ich für dich tun? Ich sehe nämlich keinen Unterschied zwischen dir und Dāmodara [Viṣṇu]; daher, wie ich mich diesem gegenüber verhielte, ebenso auch dir gegenüber, Śaṅkara.'
[Anm.: Sudarśana spricht hier Ahirbudhnya als mit Śaṅkara/Rudra wesensidentisch an und erklärt die Wesenseinheit Śivas und Viṣṇus (,kein Unterschied zwischen dir und Dāmodara') – ein für dieses pāñcarātrische Werk charakteristischer ökumenischer Zug.]
[Ahirbudhnyas Mitteilung an den Herrn über sein eigenes Anliegen] Nachdem er dies gesagt hatte und jener, einem tausendfachen Sonnenaufgang gleiche Gott, verstummt war, sprach ich, erstaunt, zu jenem von unvergleichlichem Glanz: ,Zahlreiche Sünder auf der Erde wirken der Zerstörung des Dharma entgegen; in dem Wunsch, sie zu bezwingen, suche ich nach einem Mittel. Während ich, so sorgenvoll, in Yoga verweilte, o Mantra-König, bist du erschienen – ich glaube, jene Aufgabe ist damit bereits vollbracht.' [Bitte um die Vernichtung der Daityas usw.] ,Daher, da die Guten von ihnen bedrängt werden, sollst du, allein durch mein bloßes Gedenken herbeikommend, mit Anstrengung das zu Bewirkende bewirken, Herr.' [Nachdem der Herr zugestimmt hatte, Ahirbudhnyas eigener Gang nach Kailāsa] Nachdem er ,So sei es' gesagt hatte und gegangen war, folgte auch ich zum Kailāsa. [Inzwischen, zur Tötung Jalandharas, Indras Beratung] Da, von dem Dānava namens Jalandhara bedrängt, beriet sich Vāsava [Indra] mit allen Marut-Scharen über die Unbezwingbarkeit jenes bösen Dānava durch Waffen; er fragte, durch wen man jenen Übeltäter, ihn betrachtend, vernichten könne. [Dort teilt Vāyu seine eigene Ansicht mit] Da erhob sich Vāyu und sprach zu Purandara [Indra]: ,Das ist wahr – dieser Großdämon ist durch Waffen nicht zu bezwingen; von Brahmā mit einem Segen beschenkt, freudig, mit Kraft und Tapferkeit ausgestattet, will er, wie ein aufgestiegener Kometenschweif, die ganze Welt verbrennen. Gegen den Herrn aller Welten, den glorreichen, unermesslichen, überaus glanzvollen Gott der Götter, den Großen Gott, Śaṅkara, den Erzeuger der Wesen, wurde von diesem grausamen Feind der Götter [eine Untat] verübt; gegen ihn ist Śaṅkara überaus erzürnt. Daher lasst uns zu ihm gehen, um jenen Übeltäter zu töten – lasst uns den Gott eben durch Bṛhaspati als Sprecher bitten; er allein kennt das, was hier nicht direkt zu sagen ist, o Herr.'
[Nachdem Indra Vāyus Rat angenommen hat, veranlasst er Bṛhaspati, zu Śaṅkara zu gehen] Nachdem er die Rede des Windes gehört hatte, sprach Vāsava: ,So sei es fest beschlossen.' Der überaus glanzvolle Herr, Bezwinger Pākas [Indra], trat dann zu Bṛhaspati, der dasaß, einem lodernden Feuer gleich, und sprach: ,Geh du zu dem den Pināka tragenden [Śiva], um Jalandhara zu töten; jener, überaus erzürnt gegen ihn, wird ihn zweifellos erschlagen. In allen Angelegenheiten der Götter bist du allein die letzte Zuflucht; darum möge der Gott, der Mondgekrönte auf dem Kailāsa, aufgesucht werden.' [Auf Indras Wort geht Bṛhaspati zum Kailāsa] Als Purandara, der Götterherr, so gesprochen hatte, sagte der von Śakra verehrte Herr des Wortes [Bṛhaspati] ,So sei es' zu und ging, frohen Herzens im Innern, zum Kailāsa-Gipfel. [Dort erblickt er Śaṅkara] Dort erblickte er mich, wie ich, zusammen mit den Göttern an überaus reizvollem Ort thronend, von Apsaras umgeben, auf dem Stier saß, den Sinn voll Staunen – er, der Herr, erblickte mich von fern, strahlend wie die aufgehende Sonne; nachdem er sich verneigt hatte, erhob sich der Herr des Wortes und pries mich. [Bṛhaspatis Hymnus an Śaṅkara, zur Tötung Jalandharas] ,Sei gnädig, Herr der Götter der Götter, sei gnädig, Gebieter der Welt! Sei gnädig, o Herr, der du das Leben aller Lebewesen beendest! Sei gnädig, erhabener Gott, sei gnädig, von den Göttern Verehrter! Sei gnädig, Ozean allumfassenden Wissens, höchster Herr! Verehrung dir, im Himmelsraum Wohnender, Verehrung dir, mit der Schlange Geschmückter! Verehrung dem höchst Heilvollen, Verehrung dem Zerstörer der drei Städte [Tripura]! Du bist der Schöpfer, du der Opferruf ,vaṣaṭ', du die Opfergabe, du das Opferfeuer; du selbst bist die Silbe Oṃ, du Indra, ebenso du Yama. Du der mit der Schlinge Bewaffnete [Varuṇa], du Soma, du die Täuschung [Nirṛti], ebenso du Vāyu; du die Sonne und die Vasus, du das All, das nach allen Seiten Gewandte. Du das Unentfaltete und der Große [mahat], du selbst auch der Ich-Macher [ahaṃkāra]; die feinstofflichsten Elemente, ebenso das Wissen und den Wissenden bist du. Was soll hier viel gesagt werden – diese bewegliche und unbewegliche Welt ist nichts als du; du allein, Herr der Wesen, bist die Ursache aller Ursachen. Dir, dessen Leib aus Erde, Wasser, Wind, Raum und Feuer, tausendfach strahlend, von den Feind-Opfernden dargebracht wird, erfüllt ist, der von den höchsten Weisen im Geiste erfasst wird, dem ewigen Vernichter der Furcht vor dem Dasein, dem Allgestaltigen, sei Verehrung!' So im ehrwürdigen Pāñcarātra, im Tantra-Geheimnis, in der Ahirbudhnya-Saṃhitā, das Kapitel betitelt ,Die Beschreibung, wie Sudarśana, dessen Wesen das Weltenrad ist, Śaṅkara seine eigene Gestalt zeigte' – das dreiundvierzigste Kapitel. Om. (Von Anfang an Verse: 2716)
[Anm.: Dieses Kapitel identifiziert den Erzähler Ahirbudhnya explizit mit Śaṅkara/Rudra selbst (er sitzt auf dem Stier, von Apsaras umgeben, wird von Bṛhaspati als Śiva angebetet) – die theologische Grundannahme des Werktitels ,Ahirbudhnya-Saṃhitā' (Ahirbudhnya = ,die Schlange der Tiefe', ein vedischer Rudra-Name) wird damit narrativ bestätigt. Die Bṛhaspati-Hymne endet mitten in der Jalandhara-Rahmenhandlung, die im folgenden 44. Kapitel fortgesetzt wird.]