Paṭala 22: Mantramayarakṣānirūpaṇam
Zweiundzwanzigstes Kapitel – Die Beschreibung des mantrischen (verbalen) Schutzes
Der zweite, 'verbale' (vācya) Schutz aus Kap.21: die praktische Konstruktion geschriebener/gemalter Schutz-Räder (yantra-artige cakras). Zunächst ein quadratischer Grundriss mit vier Toren (V.1-13), darauf ein sechsspeichiges Viṣṇu-Rad mit sechssilbigem Mantra (V.14-29) und ein achtspeichiges Nārāyaṇa-Rad mit achtsilbigem Mantra (V.30-48), jeweils mit Achse, Nabel und Speichen, die mit den Bīja-Silben Tāraka/Śakti/Śrī und Richtungssilben beschriftet werden. Die Beschriftung der einzelnen Speichen folgt einem stark repetitiven, mechanischen Muster (Wiederholung derselben Silbenfolge für jede der sechs bzw. acht Himmelsrichtungen); diese Wiederholungen sind im Original zudem an vielen Stellen OCR-technisch kaum zuverlässig lesbar (einzelne Bīja-Konsonanten unsicher) und werden daher, nach dem Muster früherer stark repetitiver Kataloge (vgl. Kap.16-17, Kap.20), an mehreren Stellen mit [Anm.] zusammengefasst statt vollständig wort-für-wort übersetzt; Aufbau und Struktur sind jedoch durchgehend gesichert. Das Kapitel endet mit der Ankündigung eines noch größeren, zwölfspeichigen 'Vāsudeva-Großrades' (Gegenstand von Kap.23). Quelle: archive.org/DLI in.ernet.dli.2015.487334 (Adyar, Rāmānujācārya 1926).
Oṃ. Nun [folgt] das zweiundzwanzigste Kapitel mit dem Namen 'Die Beschreibung des mantrischen (verbalen) Schutzes'. Einmal betrachtet, vertreibt er, o Hari, zehnmillionenfache Scharen [von Übeln] [?] – jenen göttlichen Glanz des Herrn Sudarśana wollen wir erschauen [Anm.: wiederkehrende, im OCR verderbte Dhyāna-Formel, s. Kap.18-21]. (Zunächst das Quadrat-Rad) Ahirbudhnya [sprach]: Höre nun den mantrisch-verbalen (vācya) Schutz, der [dir jetzt] verkündet wird; in ihm [dem Mantra] ist diese ganze Welt eingewoben, samt Göttern, Asuras und Menschen. (V.1) Der Herr der Mantras, der einst mit sechs Silben verkündet wurde, ist den besten der Übenden eine wunscherfüllende [Kuh], von unvorstellbarer, wunderbarer Herrlichkeit. (V.2) Diesen, mit den Bīja-Silben Tāra, Śakti und Śrī verwoben, gestalte man als Mantra; mit dem Tāra-Laut umgebe man ihn kunstvoll, ebenso mit der Śakti- und der Śrī-Silbe. (V.3) Ringsum male man wiederum die mit dem Mantra vereinte Buchstabenreihe (mātṛkā); ringsum male man zuerst den darin eingeschlossenen Namen des zu Schützenden. (V.4) Mit dem Mantra male man außen wiederum [den Namen] des Herrn, mit der Vorstellung von Tāra und Śakti [?]; diese göttliche Achse ist selbst für die Götter schwer erlangbar. (V.5) Danach gestalte man den Nabel, gerötet durch die Silben Śakti und Śrī [?]; man umgebe ihn eben mit dem den eigenen Laut enthaltenden Herrn der Mantras. (V.6) Die von Śakti, Śrī und Tāra erfüllte Buchstabenreihe male man außen; mit 'Aprameya' [beginnend male man] Tāra als erste [Speiche], danach auch Śakti, (V.7) und 'Vyāpaka' und 'Dhī' [Weisheit] – der Reihe nach male man so jede weitere Speiche; das mit 'Aprameya' erfüllte Mantra male man zu beiden Seiten. (V.8) Nach der [entsprechenden] Reihenfolge male man das südliche Tor [?]; nach der [entsprechenden] Reihenfolge male man das westliche Tor. (V.9) Ebenso male man das nördliche Tor; dieses göttliche Quadrat wird selbst von den Göttern hoch verehrt. (V.10) An Anfang und Ende der Speichen male man den Laut 'Repha' [r] als Mantra-Silbe [?]; durch die Verbindung [dieser] Silbe mit dem Feuerlaut entstehen die vier Speichen. (V.11) Ringsum gestalte man die Felge [mit] dem sechssilbigen vaiṣṇavischen [Mantra], erfüllt von den großen Bīja-Silben Śakti und Tāra, von der 'Rüstung' [Kavaca-Silbe] umhüllt. (V.12) Śakti und Tāra male man sodann ringsum als Zeichen; die von Phaṭ, Śakti, Tāra und Śrī erfüllte Buchstabenreihe male man wiederum. Auf jedem Untergrund male man dieses in das Quadrat gestellte Rad. (Nun das sechsspeichige Viṣṇu-Rad) Dieses aus der Tāraka-Silbe bestehende Rad –
Kapitelbeginn 'Mantramaya-rakṣā-nirūpaṇam' (der zweite, 'verbale'/mantrische Schutz aus Kap.21): Konstruktion eines quadratischen Grundrisses mit den Toren der vier Himmelsrichtungen, als Grundlage für das folgende sechsspeichige Viṣṇu-Rad.
cakram akṣaṃ prakalpayet ||14|| tāraśaktiramābījagarbhitaṃ mantranāyakam [?] | parito vilikhec cakraṃ pravyaktākṣīkṛtaṃ hi yat ||15|| nāmavarṇān likhed bāhye tārāditrayagarbhitān | vaiṣṇavena ṣaḍarṇena grathitaṃ mantranāyakam ||16|| parito vilikhed ādye tad bahiḥ sahagarbhitām | mātṛkāṃ vilikhet sarvam idam akṣaṃ vicintayet ||17|| vaiṣṇavena ṣaḍarṇena śaktiśrībījatārakaiḥ | mathitaṃ kalpayen nābhiṃ svākāraṃ paramādbhutam ||18|| svākāragarbhitāṃ cāpi mātṛkāṃ parito likhet | repha ca praṇavaṃ repha praṇavaṃ śaktim eva ca ||19|| [Anm.: Die Verse 19-26 beschreiben, nach demselben mechanischen Muster wiederholt, die Beschriftung der sechs Speichen des Viṣṇu-Rades für die sechs Richtungen (die Osten-Speiche implizit als erste, dann u.a. dakṣiṇa/Süden, nairṛta/Südwesten, vāruṇa/Westen, vāyavya/Nordwesten, aiśāna/Nordosten), wobei jeweils dieselbe Silbenfolge - Repha [r] + Richtungs-Bīja-Silbe, dann 'Repha + Praṇava', 'Repha + Śakti', 'Repha + Śrī' - nur mit der betreffenden Richtungs-Bīja-Silbe wiederholt variiert wird. Das OCR dieser stark technischen, mechanisch-repetitiven Verse ist an vielen Stellen kaum zuverlässig lesbar (einzelne Bīja-Silben-Konsonanten nicht sicher rekonstruierbar); der Aufbau selbst ist jedoch eindeutig erkennbar und wird hier zusammenfassend statt wort-für-wort wiedergegeben.] tattadakṣarasaṃdiṣṭaṃ mantraṃ tatpārśvayor likhet | ṣaḍakṣarāṇy arāṇi syuḥ pratyekaṃ ṣaḍ imāni tu | iyaṃ hi ṣaḍarī divyā devair api supūjitā ||27|| parito vilikhen nemiṃ mantram aṣṭākṣaraṃ budhaḥ [?] | hakāraṃ vilikhen nemiṃ śaktiśrītārayojitam ||28|| śaktitāramayāñ likhet parito bahiḥ | phaṭkāragarbhitāṃ bāhye mātṛkāṃ pratibhūmi likhet | etat tu ṣaḍaraṃ cakraṃ ṣaḍakṣaravinirmitam |
man gestalte die Achse des Rades. (V.14) Den von den Bīja-Silben Tāra, Śakti und Ramā [Lakṣmī] erfüllten Herrn der Mantras male man ringsum als Rad, wodurch dieses deutlich sichtbar wird. [?] (V.15) Die Namens-Buchstaben [des Schutzsuchenden], von den drei Silben Tāra usw. umschlossen, male man außen; den mit dem sechssilbigen vaiṣṇavischen Mantra verwobenen Herrn der Mantras – (V.16) male man ringsum zuerst, und außerhalb davon die Silben zusammen mit [dem Namen] enthaltend; die Buchstabenreihe male man – dies alles stelle man sich als die Achse vor. (V.17) Mit dem sechssilbigen vaiṣṇavischen Mantra, mit den Bīja-Silben Śakti, Śrī und Tāraka gequirlt, gestalte man den Nabel, von eigener, höchst wunderbarer Gestalt. (V.18) Auch die vom Eigenlaut erfüllte Buchstabenreihe male man ringsum: das Repha [r] und die Silbe Oṃ, das Repha und Oṃ, sowie die Śakti-Silbe – (V.19) [Anm.: Die technische Beschriftung der sechs Radspeichen mit den Richtungs-Bīja-Silben (V.19-26) wird hier, wie beschrieben, zusammenfassend wiedergegeben.] Das jeweils durch diese Silbe bezeichnete Mantra male man zu beiden Seiten der Speiche; diese sechs Silben bilden jeweils die Speichen, sechs an der Zahl; dieses göttliche 'Sechsspeichige' wird selbst von den Göttern hoch verehrt. (V.27) Ringsum male der Weise an der Felge das achtsilbige Mantra [?]; den Laut 'Ha' male man an der Felge, verbunden mit Śakti, Śrī und Tāra. (V.28) Die aus Śakti und Tāra bestehenden [Zeichen] male man ringsum außen; die von Phaṭ erfüllte Buchstabenreihe male man außen auf jedem Untergrund. Dies aber ist das sechsspeichige, aus sechs Silben gebildete Rad.
Die Konstruktion des sechsspeichigen Viṣṇu-Rades: Achse (Herr der Mantras mit Tāra/Śakti/Ramā-Bījas), Nabel (sechssilbiges Mantra, mit Śakti/Śrī/Tāraka gequirlt), und die sechs mit Richtungs-Bīja-Silben beschrifteten Speichen (V.19-26 mechanisch-repetitiv, daher zusammengefasst wiedergegeben), abgeschlossen von der achtsilbigen Felge.
(athāṣṭāranārāyaṇacakram) [ṣaḍaraṃ?] kalpayec cakram akṣam etan mahādyuti [?] ||30|| aṣṭākṣareṇa mantreṇa cakram aṣṭāram ālikhet | mahāvīryaṃ mahābhīmaṃ kārānalasamadyuti ||31|| vidhānam asya cakrasya yathāvad avadhāraya | vilikhet parito mantraṃ tārāditrayarocitam ||32|| nāmavarṇān likhed ādye tārāditrayarocitān | aṣṭākṣareṇa mantreṇa grathitaṃ mantranāyakam ||33|| parito vilikhed ādye tad bahiḥ sahagarbhitām | mātṛkāṃ vilikhet sarvam idam akṣaṃ vicintayet ||34|| aṣṭākṣareṇa mantreṇa śaktiśrībījatārakaiḥ | mathitaṃ kalpayen nābhiṃ svākāraṃ paramādbhutam ||35|| svākāragarbhitāṃ cāpi mātṛkāṃ parito likhet | eṣā nābhiḥ samudiṣṭā bahir aṣṭākṣaraṃ likhet ||36|| repha ca praṇavaṃ tāraṃ repha tāraṃ ca tārikām | repha tāraṃ śriyaṃ caiva raṃ ceti prāgaraṃ likhet ||37|| [Anm.: Verse 38-44 wiederholen, nach dem Muster von V.37, dieselbe Silbenfolge (Repha + Richtungs-Bīja, Repha + Tāraka, Repha + Śakti, Repha + Śrī) für die übrigen sieben Speichen der Himmelsrichtungen (u.a. yāmya/Süden, nairṛta/Südwesten, vāruṇa/Westen, vāyavya/Nordwesten, kaubera/Norden, aiśāna/Nordosten); das OCR dieser Verse ist besonders stark verderbt, einzelne Richtungs-Bīja-Silben sind nicht mit Sicherheit zu rekonstruieren, der Aufbau nach dem Muster von V.37 jedoch eindeutig.] tattadakṣarasaṃyuktaṃ mantraṃ cāpy arapārśvayoḥ | aṣṭārīyaṃ mahāpuṇyā surāsuranamaskṛtā ||45|| paritaḥ kalpayen nemiṃ dvādaśākṣaram adbhutam [?] | tāratārānutārābhir grathitaṃ hraṃ bahir likhet ||46|| śaktitāramayāñ likhet parito bahiḥ | phaṭkāragarbhitāṃ bāhye mātṛkāṃ pratibhūmi likhet | nārāyaṇaṃ mahācakram etan nārāyaṇeritam | akṣaṃ kṛtvā cakram etad dvādaśāraṃ bahir likhet | vāsudevaṃ mahācakraṃ vidhiṃ tasya niśāmaya ||48|| iti śrīpāñcarātre tantrarahasye ahirbudhnyasaṃhitāyāṃ mantramayarakṣānirūpaṇaṃ nāma dvāviṃśo'dhyāyaḥ | oṃ | (āditaḥ ślokāḥ 1304)
(Nun das achtspeichige Nārāyaṇa-Rad) Man gestalte [entsprechend] dieses Rad [und] seine Achse, von großem Glanz [?]. (V.30) Mit dem achtsilbigen Mantra male man das achtspeichige Rad, von großer Tatkraft, gewaltig furchterregend, strahlend gleich dem Feuer der [Zeit-]Silbe. (V.31) Vernimm nun genau die Vorschrift für dieses Rad: Man male ringsum das Mantra, geschmückt durch die drei Silben Tāra usw. (V.32) Die Namens-Buchstaben, durch die drei Silben Tāra usw. geschmückt, male man zuerst; den mit dem achtsilbigen Mantra verwobenen Herrn der Mantras – (V.33) male man ringsum zuerst, und außerhalb davon die Silben zusammen enthaltend; die Buchstabenreihe male man – dies alles stelle man sich als die Achse vor. (V.34) Mit dem achtsilbigen Mantra, mit den Bīja-Silben Śakti, Śrī und Tāraka gequirlt, gestalte man den Nabel, von eigener, höchst wunderbarer Gestalt. (V.35) Auch die vom Eigenlaut erfüllte Buchstabenreihe male man ringsum; dies ist der so bezeichnete Nabel – außen male man das achtsilbige Mantra. (V.36) Das Repha [r] und den Praṇava [Oṃ], das Tāraka; das Repha und das Tāraka, und die Tārikā; das Repha, das Tāraka [und] die Śrī, sowie 'raṃ' – so male man die östliche Speiche. (V.37) [Anm.: Die Beschriftung der übrigen sieben Speichen (V.38-44) wird, wie beschrieben, zusammenfassend wiedergegeben.] Das jeweils mit dieser Silbe verbundene Mantra [male man] auch zu beiden Seiten der Speiche; dieses 'Achtspeichige' ist höchst heilbringend, von Göttern und Asuras verehrt. (V.45) Ringsum gestalte man die Felge [mit] dem wunderbaren zwölfsilbigen [Mantra] [?]; mit Tāra, Tārā und Anutāra [Silben-Varianten] verwoben, male man 'hraṃ' außen. (V.46) Die aus Śakti und Tāra bestehenden [Zeichen] male man ringsum außen; die von Phaṭ erfüllte Buchstabenreihe male man außen auf jedem Untergrund. Dies ist das große Nārāyaṇa-Rad, von Nārāyaṇa selbst verkündet; nachdem man diese Achse gebildet hat, male man dieses zwölfspeichige Rad außen. [Nun] vernimm die Vorschrift für das große Vāsudeva-Rad. (V.48) So endet im ehrwürdigen Pāñcarātra, im Tantrarahasye, in der Ahirbudhnya-Saṃhitā das zweiundzwanzigste Kapitel mit dem Namen 'Die Beschreibung des mantrischen (verbalen) Schutzes'. Oṃ. (Von Anfang an gezählt: 1304 Verse)
Die Konstruktion des achtspeichigen Nārāyaṇa-Rades, strukturell parallel zum sechsspeichigen Viṣṇu-Rad (Achse, Nabel, acht Speichen mit Richtungs-Bīja-Silben, V.38-44 mechanisch-repetitiv und daher zusammengefasst); Felge erweitert auf ein zwölfsilbiges Mantra. Übergang zum folgenden Kapitel über das noch größere, zwölfspeichige Vāsudeva-Rad. Kapitelende bei kumulativ 1304 Versen.