Paṭala 48: atha śrīsudarśanamahāyantraghaṭitāsanā-ṅgulīya-darpaṇa-prabhāvavarṇanaṃ nāmāṣṭācatvāriṃśo'dhyāyaḥ
Über die Kraft von Sitz, Ring und Spiegel, gefertigt mit dem großen Sudarśana-Yantra (48. Kapitel)
Vollständig übersetzt. Drei Beispielerzählungen dazu, wie profane Gegenstände allein durch das Sudarśana-Yantra zu Erfolgsmitteln werden: König Hārāpīḍa/Muktāpīḍa, dessen sinnenverfallenes Reich durch einen yantra-gefertigten Thronsitz (mit ausführlicher Viṣṇu-Lakṣmī-Meditation und einem breiten Katalog weiterer Mantra-Anwendungen) gerettet wird; König Viśāla, der durch einen yantra-gefertigten Ring Yamas Todesboten abwehrt; König Sunanda/Sunīti, dessen von einer Schlangenjungfrau entführter Sohn Sumati mithilfe eines yantra-gefertigten Spiegels aus der Schlangenwelt (Bhogavatī, Vāsukis Reich) zurückgeholt wird, samt Kampf gegen Vāsukis Heer und versöhnlichem Ausgang. Quelle: Archive.org in.ernet.dli.2015.322565, Band 2 (in diesem Kapitelbereich stellenweise stark OCR-beschädigt).
[Die Frage, ob es zur Erwirkung der gewünschten Ziele außer Japa usw. noch andere Mittel gibt] Nārada [sprach]: Du hast mir, Herr, alles erklärt – Japa, Homa, Verehrung und dergleichen, die Weihe (abhiṣeka), die Große Befriedung (mahāśānti) und deren Vollzugsvorschrift. Bewirkt [allein] die Form des Cakra, des Śārṅgin, mit alledem alle Ziele – oder gibt es, ohne dieses, [dennoch] die Erwirkung des Gewünschten, oder nicht? [Die Darlegung der drei[fachen] Mittel: Sitz usw.] Ahirbudhnya [sprach]: Auch ohne diese [Riten] erlangten andere Könige ihr gewünschtes Ziel – durch den Sitz, den Ring, den Spiegel, das Banner und den Baldachin; mit weitreichenden Reichtümern, den Göttern gleich, [waren] Muktāpīḍa, Viśāla, Sunanda, Citraśekhara und Kīrtimālī Könige, die die ganze Erde beschützten. [Dass Muktāpīḍa und die anderen durch Sitz usw. je ihr eigenes Ziel erlangten] Allein durch den Sitz bezwang Muktāpīḍa einst die Erde; Viśāla, der Herr der Erde, besiegte den Tod durch den Ring; Sunanda [erreichte] die Schlangenwelt allein durch den Spiegel; durch das Banner besiegte Citraśekhara das Dämonenheer; Kīrtimālī erlangte durch den Baldachin den dritten Himmel. [Die Frage, wie bloße Gegenstände wie Sitz usw. zu Mitteln wurden] Nārada [sprach]: Wie wurden bloße [Gegenstände] wie der Sitz zu Mitteln des zu Erreichenden? Erkläre mir dies, Gebieter, dieses große Wunder. [Um die Kraft des Sitzes zu schildern, der Beginn der Erzählung von Hārāpīḍa] Ahirbudhnya [sprach]: Hārāpīḍa, von großem Glanz, ein König, Sohn des Dhūśravas [war es] –
[?] Der Name des Königs schwankt im Quelltext zwischen ,Hārāpīḍa' (hier, V.9) und ,Muktāpīḍa' (V.4-8); vermutlich ein und dieselbe Person mit zwei Namen bzw. eine OCR-Verwechslung – beide Namensformen werden, wie in der Quelle, unverändert nebeneinander stehen gelassen.
pitaryuparate pṛthvīṃ bubhuje sāgarāmbarām||9|| [hārāpīḍasya rājño viṣayāsaktatayā rājye dharmavicyutiḥ] nijāntaḥpurayoṣitsu viṣayāsaktamānasaḥ| anālocitasadaṅgo rājā rājīvarocanaḥ||10|| prajāstadviṣaye tena dharmavicyutimācaran| [ata eva rājyakṣobhaḥ] kṣubdhaṃ ca hṛtaṃ ca tat| tasmai prakṛtayaḥ sarvā rājñe kṣobhaṃ vyajijñapan| bubudhe na sa tenāpi madhumaithunavihvalaḥ||12|| [tadānīṃ sapurodhasāmamātyānāṃ mantraṇaprakāraḥ] tataḥ purodhasā sārdhamamātyāḥ saṃnyamantrayan| rājā tu viṣayāsakto rājyaṃ dasyubhirāṣkṛtam|| iti saṃcintya te sarve guruṃ prāpya mahādyutim| bhavatprasādājjeṣyāmo nānyā kāpyasti no gatiḥ|| [purodhasā vasiṣṭhopadiṣṭopāyānuṣṭhānam] ityuktastaiḥ purodhāstu tathaivetyāha tānprati| ityuktvā yantraghaṭitaṃ viṣṭaraṃ ratnamaṇḍitam||15|| vasiṣṭhoktena mārgeṇa cakārāsmai mahādbhutam| tasminnāropayāmāsa rājānamavadhāritam||16||
Nachdem sein Vater dahingeschieden war, genoss er die von den Ozeanen umgürtete Erde. [Dass König Hārāpīḍa durch Sinnenverfallenheit von der Rechtsordnung abfiel] Auf die Frauen seines eigenen inneren Gemachs versessenen Sinnes, ohne die Staatsangelegenheiten zu bedenken, geriet der König mit den lotosgleichen Augen [in Verfall]; die Untertanen taten es ihm in dieser Hinsicht gleich und fielen von der Rechtsordnung ab. [Daher auch die Erschütterung des Reiches] Es wurde erschüttert und ausgeplündert. Alle Ratgeber teilten dem König die Unruhe mit, doch er, von Wein und Liebesgenuss betäubt, nahm es nicht wahr. [Die Art der Beratung des Purohita mit den Ministern zu jener Zeit] Da beratschlagten sich der Purohita und die Minister miteinander: ,Der König aber ist den Sinnesgenüssen verfallen, das Reich ist von Räubern überrannt' – so überlegend, gingen sie alle zum hochglänzenden Guru: ,Durch deine Gnade werden wir siegen, es gibt für uns keinen anderen Weg.' [Dass der Purohita das von Vasiṣṭha gelehrte Mittel anwendet] So von ihnen angesprochen, sagte der Purohita ihnen ebenso zu. So sprechend, fertigte er nach der von Vasiṣṭha gelehrten Methode für ihn einen wunderbaren, mit einem Yantra ausgestatteten, edelsteingeschmückten Thronsitz an; darauf ließ er den fest entschlossenen König Platz nehmen.
[Die besondere Unterweisung des Purohita an den König] Man solle in den vier Himmelsrichtungen der Reihe nach die vedischen Zweige rezitieren lassen, mit Segenssprüchen und Glückwünschen, mit Gesang, Musik und Tänzern; der Weise solle das unerschöpfliche, nektargleiche Wasser des Kalaśa bedenken, [und sich vorstellen, wie] aus dessen Mitte ein goldener, achtblättriger Lotos emporsteigt, [darauf] eine vierarmige, dreiäugige, lotostragende, goldglänzende [Gestalt], mit allem Schmuck bedeckt, von Perlenketten umstrahlt, mit Diadem, Halskette, Armreifen und dergleichen geschmückt, gelbes Gewand tragend, sanft, mit heiterem, glückverheißendem Antlitz, mit Hüftgürtel versehen, von zwei Ohrringen erstrahlend, mit dem Śrīvatsa-Zeichen auf der Brust, den Gemahl der Śrī, den Glücksspender, die Wohnstatt der Śrī, stets mit Glanz gesehen, mit Augen wie rote Lotosblüten, mit Nabel-Lotos, von edler Gestalt, den Kummer der Verehrer lindernd – Hari. In dessen rechtem Schoß stelle man sich Lakṣmī sitzend vor. Der aus dem Mantra bestehende Körper ist zugleich das durch das Mantra Bezeichnete – jener Herr selbst; darauf stelle man sich ihn, bis hin zum ,Eingegangenen', als mantragestaltig vor. So meditierend, rezitiere man das Mantra täglich hundertmal; nach zehntausendachtmaliger Rezitation besprenge man den eigenen Leib – sogleich wird man von den unheilvollen Planeten und den Dämonen befriedet.
Wem man Lebensdauer und Wohlstand wünsche, den soll man damit besprengen; ein Kundiger soll zuerst alle Priester ehren, sodann die Brahmanen zufriedenstellen und ihnen die vortrefflichste Ehrengabe reichen – so soll man sowohl für sich selbst als auch für andere wirken. Als Ehrengabe sind hierbei hundert Goldstücke zu geben. [Besondere Verbote dabei] Man soll das Haar nicht schütteln, nicht scheren, das Bade-Tuch nicht berühren, sich nicht auf geweihtes Wasser stellen; der Kundige schmücke sich danach [angemessen] und betrachte glückverheißende Dinge, darunter die sechs [Arten von] Glücksfrauen [?]. Am eigenen Geburtsgestirn trage man weiße Kleidung; an Freitagen vollziehe man es siebenfach – dann gehen die gefassten Wünsche gewiss und unfehlbar in Erfüllung; auch beim Heiraten vollziehe man es, wer nach Glück strebt – es vernichtet alle Sünde. [Weitere Mittel für besondere Wünsche an derselben Stelle] Stehend, mit gefalteten Händen, morgens hundertundachtmal [das Mantra rezitierend], besprenge man, nachdem man Wasser damit geweiht hat, sein Haupt – es vernichtet die Sünde. Wer Reichtum begehrt, opfere mit Blumen jeglicher Art; welche Farbe die geopferte Blume hat, in solcher Farbe erlangt man ein Gewand. [Das Mittel für den, der Regen begehrt] Wer Regen wünscht, lege an einem reinen, mit Kuhmist bestrichenen Ort mit rotem Stoff ein Maṇḍala an; vor dem Maṇḍala stelle er einen neuen, mit einem Faden umwickelten, mit duftendem Wasser gut gefüllten Kumbha auf; dann rufe er, gesammelten Sinnes, die Sonne in den strahlenden Kumbha herbei und verehre den darin [gegenwärtigen] Viṣṇu wie zuvor als bester der Praktizierenden; er opfere dort hundertundacht [Portionen] wohlgeratenen Milchreis, meditiere einsinnigen Geistes zur Erfolgserwirkung und rezitiere das Mantra tausendfach. So verfahre er sieben oder auch zwölf Tage; dann, zufrieden, lässt der Herr großen Regen niedergehen. Durch ein Opfer mit Vetasa-[Rohr] allein entsteht auf jeden Fall Regen; nüchtern, mit feuchtem Gewand, still, rezitiere, wer Regen begehrt, stets [das Mantra] – nach sieben Tagen entsteht durch göttliches Gebot gewaltiger Regen. Durch ein Opfer mit Asche oder auch durch gründliches Besprengen kann der Geschickte den Regen auch wieder abwenden – die Befriedung soll vom Verständigen [bei Bedarf] vollzogen werden. [Die Frucht des täglichen Japa usw.] Wer aber das Mantra täglich, nach dem Morgenbad, tausendfach rezitiert, dessen körperliche Gesundheit und Tatkraft mehren sich stets; bei ständigem [täglichem] Japa, von Milch lebend, die Sinne beherrschend, und mit nach Kräften täglich zehntausendfacher Verehrung erlangt man unvergleichliche Vollkommenheit, verbunden mit den aṇimā-und-anderen [übernatürlichen] Kräften. Wer einen Tag und eine Nacht fastet und dann geweihtes Kuhurin trinkt, täglich achttausendmal [rezitierend], wird von aller Sünde befreit; wer die fünf Kuhprodukte (pañcagavya) trinkt und fünf Tage rezitiert, wird sogleich selbst von Brahmanenmord und allen anderen Sünden befreit. Wer alle Samenkörner, zweifach geweiht, tausendfach [besprengt] aussät, dem entsteht ohne Zweifel großer Erntereichtum; auch mit Ghee und Milch [besprengt und] auf diese vortreffliche Weise rezitiert, gewährt der zufriedene Herr das im Herzen Gewünschte. Der Kundige esse täglich mit dem Mantra besprochene und geweihte Speise; sitzend, dieses [Werk] verrichtend, übe er stets rechtmäßiges Tun. [Dass durch den vorgeschriebenen Vollzug das Reich des Königs frei von Gefahren wurde] So unterwiesen, tat er dies einen Monat lang; dadurch wurden alle seine Feinde vernichtet, ebenso [alle] Krankheiten, und dadurch wurde sein von den Ozeanen umgürtetes Land frei von [jeder] Gefahr.
[?] Einzelne Kāmya-Anwendungen (u.a. V.29 ,die sechs Glücksfrauen', V.44 die genaue Wiederholungszahl beim Kuhurin-Ritual) sind aus stark verderbtem OCR-Text rekonstruiert und bleiben in Details unsicher.
[Der Beginn der Erzählung von Viśāla, um die Kraft des Rings zu zeigen] Da war ein König namens Viśākha, in der Stadt Viśāla wohnend; er, ein Mann von rechtem Wesen, herrschte damals über die vom Ozean umgürtete Erde. [Die Beschreibung von Viśākhas Tugenden] Wahrheitsliebend, allen gleich gesinnt, ein rechter Verwandter, ohne Hass, der Rechtsordnung zugetan, im zwanzigsten Lebensjahr weilend, ein Verehrer der Brahmanen, seine Untertanen erfreuend, besonnen, den Göttern und Ahnen ergeben. [Die Klage seiner Mutter, nachdem sie eine körperlose Stimme gehört hatte, die den Tod ihres Sohnes ankündigte] Während er so, o Weiser, vom Vater getrennt lebte, hörte die Mutter eine aus dem Himmelsraum kommende, das Herz raubende Stimme: ,Am kommenden vierten Tag wird dein Sohn zum Tode eingehen' – dies gehört, klagte sie überaus heftig. [Dass der König, den Grund ihres Weinens erfahrend, sie tröstete und dann zur Einsiedelei des Weisen ging] Dies hörend, sprach er, gesammelten Sinnes, zu seiner Mutter: ,Weshalb weinst du so?' – so gedrängt gefragt, erzählte sie ihm den Vorfall. Er, hochherzig, sprach zu ihr ,Fürchte dich nicht' und begab sich zur Einsiedelei des Weisen. [Die Mitteilung des Vorfalls an den Weisen] Den in Askese Verharrenden erblickend, verneigte er sich und sprach: ,Meine Mutter hat solch eine erstaunliche, körperlose Stimme vernommen.' [Die Belehrung des Weisen über das Gegenmittel] So von ihm angesprochen, sagte der weise Hauspriester: ,Trage einen mit dem großen Sudarśana-Yantra gefertigten Ring; wer ihn allein schon im Sinn trägt, besiegt ohne Zweifel den Tod.' [Der Vollzug durch den König nach dieser Unterweisung] So unterwiesen, ließ er sich den Ring fertigen und trug ihn. [Die darauffolgende Begegnung des Königs mit Yamas Dienern] Während Viśāla diesen kunstvoll gefertigten Ring trug, kamen die zu jener Zeit von der Zeit [Yama] ausgesandten, furchterregend anzuschauenden Diener, um ihm ohne Hindernis das Leben zu nehmen. [Dass die Diener sich ihm wegen der Kraft des Rings nicht nähern konnten und aus der Ferne flohen] Sie vermochten sich ihm wegen der Kraft des Rings nicht einmal zur Seite zu nähern; und als die erbitterten Diener eben ihre Fesseln nach ihm werfen wollten, flohen sie, von den aus der großen Radnabe des Cakra hervorbrechenden mannigfachen Waffen bedrängt, sogleich in alle Richtungen zurück, wie sie gekommen waren. [Das Erstaunen Yamas und der übrigen über den Sieg des Königs über den vorzeitigen Tod] Da gerieten die Götter, mitsamt der Zeit [Yama] selbst, in Erstaunen: ,Durch die Macht Sudarśanas hat dieser den Tod überwunden!'
[Um die Kraft des Spiegels zu schildern, die Erzählung von Sunanda] Ebenso höre, großer Weiser, die Kraft des Spiegels: Es war einst ein König namens Sunīti in der Stadt Chāgala, [der] am Ende des Tretā-Zeitalters die Erde beherrschte. [Dass Sunīti nach langer Zeit einen Sohn namens Sumati erlangte] Nach langer Zeit, nachdem er Indra [durch ein Opfer] verehrt hatte, erlangte er einen Sohn; er nannte ihn Sumati, [und dieser] wuchs Tag für Tag heran. [Wie der volljährig gewordene Königssohn von der Schlangenjungfrau Ramā betört und in die Schlangenwelt entführt wurde] Sodann, glanzvoll, erlangte er mit der Zeit die Jugendreife; in kurzer Zeit wurde er gelehrt und der Waffenkunde kundig. Eines Tages ging er zum Vergnügen in den Lustgarten außerhalb [der Stadt]; dort erblickte er eine bezaubernde, von Schönheit und Jugend strahlende [Frau]. Da er eine solche nie zuvor gesehen hatte, verfiel er beim Anblick, von Liebesverlangen ergriffen, gänzlich der Betörung; sie nahm Sumati [mit sich] und begab sich in ihre eigene Behausung – durch Zauberkraft betörte sie ihn und trat [mit ihm] in die Schlangenwelt ein. [Dass er dort Anaṅgamañjarī, Vāsukis Tochter, heiratete und dort lange Zeit verweilte] Dort führte Ramā ihn in die liebliche Schlangenkönigsstadt Bhogavatī ein und übergab Sumati der Anaṅgamañjarī; diese, ihn erblickend, hocherfreut, erwählte Sumati zum Gatten. Er, jene Welt, jene Stadt und jene bezaubernde Schlangenjungfrau erblickend, geriet in Erstaunen; er heiratete sie, Anaṅgamañjarī, nach der Gandharva-Ehesitte und ergötzte sich [mit ihr], seine ganze Habe, Stadt und seinen Vater vergessend. [Dass der König, betrübt durch die Trennung von seinem Sohn, überall nach ihm suchen ließ] Unterdessen, als der Sohn nicht zurückkehrte, sprach der König, von höchster Eile ergriffen, zu seinen Ministern: ,Mein einziger, mit Mühe erlangter, geliebter Sohn soll hereingeführt werden; nur mit ihm zusammen werde ich essen, sonst nichts anderes' – so befahl er. Dies hörend, brachen sie nach allen Richtungen auf – gesandte Minister, Kundschafter, Boten und andere, mit Eile Begabte; in den Zwischenrichtungen, den Himmelsrichtungen, den Winkeln, auf Bergen, im Wasser, in Flüssen, in Dörfern, Städten, auf Feldern und Reisfeldern, in Handelsplätzen und Wäldern, an Pilgerstätten suchten sie überall – doch keiner von ihnen erblickte Sumati, und so meldeten sie es dem König. [Dass der König schließlich, da der Sohn nicht gefunden wurde, das Fastengelübde annahm] Dies hörend, von Kummer verzehrt, viel klagend, der Herrscher, von großem innerem Leid gequält, [legte er] das Fastengelübde [ab]. [Dass währenddessen der Purohita zur Einsiedelei Kaṇvas ging und ihm das Geschehene mitteilte] Während der Großkönig so vom Kummer überwältigt war, ging der Purohita zu seinem Guru Kaṇva, der am Ufer der Tamasā wohnte, und berichtete ihm das Geschehene um den Königssohn. [Dass der Weise durch Yoga-Kraft alles unmittelbar schaute und das Geschick des Prinzen offenbarte] Dies hörend, wurde er von Mitleid ergriffen; durch Yoga aus [seiner Versenkung] erhoben, nachdem er das Geschick des Prinzen erschaut hatte, erzählte der Weise ihm das ganze Geschehene: Es gab eine überaus prächtige Stadt namens Bhogavatī in der Unterwelt des Schlangenkönigs Vāsuki von unermesslichem Glanz; dort hatte er eine Tochter namens Anaṅgamañjarī, von Schönheit und Anmut begabt, die mit der Zeit die Jugendreife erlangte. Vāsuki hatte beschlossen: ,Wem sie zu eigen sein möchte, dem werde ich sie geben' – dies vernehmend, zogen ihre Gefährtinnen umher, einen ihr ebenbürtigen Bräutigam suchend, fanden ihn jedoch nicht, weder in der Schlangenwelt noch auf der Erde, so [lange] sie mit diesem Wunsch umherstreiften. Dort nun, Sumati erblickend, den bezaubernden Königssohn, dem Liebesgott gleich, sprachen sie zu ihr: ,Dir ebenbürtig auf Erden, an Glanz Indra gleich, ist [nur] dieser – und er kann nicht durch Güte und dergleichen [allein] hergebracht werden.' Dies vernehmend, sprachen sie: ,So bringt ihn eilends her' – und aus Sehnsucht nach dieser Verbindung gerieten sie in größte Sorge. Da beratschlagten sie sich, die Gefährtinnen, mit Ramā, die der Zauberkunst kundig war: ,Betöre ihn durch Zauberkraft und bring ihn, den Bezaubernden, hierher' – so sprachen sie zu ihr, und sie, wie geheißen, brachte ihn durch Zauberkraft her; Sumati aber heiratete sie [Anaṅgamañjarī] und ergötzt sich dort nun [mit ihr]. [Die Belehrung, dass zur Entführung des Prinzen allein der mit dem Sudarśana-Yantra gefertigte Spiegel das Mittel ist] Ohne das Werk des Zurückholens gibt es, außer durch die Macht Sudarśanas, für dies kein anderes Mittel; deshalb werde ich [Kaṇva] ihn dadurch zurückholen. Fertige aus Gold das große Sudarśana-Yantra als Spiegel an; auf dem zuvor genannten Weg wird er ihn dadurch ohne Verzug herbeibringen. So sprechend, übte er [Kaṇva] selbst wieder überaus strenge Askese. [Dass durch den vorgeschriebenen Vollzug dem König die Fähigkeit zuteilwurde, in die Schlangenwelt zu gelangen] Der Purohita ging hinaus und berichtete dem König alles; der König, höchst erfreut, ließ den mit dem Yantra versehenen Spiegel anfertigen, stellte ihn vorn auf seinem Wagen auf und begab sich zum Höhleneingang [der Unterwelt]. Durch die Kraft des Spiegels vermochte Sunanda [wie er nun genannt wird] dorthin zu gelangen.
[?] Der Name des Vaters/Königs schwankt im Quelltext zwischen ,Sunīti' (V.65) und ,Sunanda' (V.95 sowie in Kap.47/48-Titel); vermutlich derselbe König mit zwei Namensformen, wie in der Quelle unverändert übernommen. Einzelne stark OCR-beschädigte Halbverse (u.a. V.87 Kontext) sinngemäß rekonstruiert.
[Das übergroße Erstaunen des Königs beim Anblick der wunderbaren Schlangenwelt] Er trat in die Welt der Schlangen ein, die einer zweiten Himmelswelt glich, und geriet, deren Herrlichkeit erblickend, in höchstes Erstaunen. [Dass er den Prinzen samt Gattin aus Bhogavatī in seine eigene Stadt zurückführte] Dort trat er, überaus liebevoll, in die liebliche Schlangenkönigsstadt Bhogavatī ein und führte seinen Sohn zurück; Sumati, mit seiner Gattin seinen Vater zu sehen begehrend, verließ [die Stadt] mit seiner Frauenschar wie der Liebesgott [mit seiner Schar]. Der König, der Feindevernichter, ließ ihn samt den Schlangenjungfrauen auf dem vortrefflichen Wagen aufsteigen und brach zu seiner Stadt auf. [Dass währenddessen der erzürnte Vāsuki zum Kampf auszog] Als Vāsuki vernahm, der Herr der Erde führe seinen Schwiegersohn und seine Tochter ohne seine [Vāsukis] Erlaubnis aus dem inneren Gemach fort, zog er, von höchstem Zorn ergriffen, mit einem Heer von Schlangen umgeben aus. Er, den Königstiger erblickend, rief: ,Halt, halt! Wohin gehst du, meine Tochter und meinen Schwiegersohn von hier mitnehmend?' [Dass der König durch die Kraft des mit dem Sudarśana-Yantra gefertigten Spiegels den Sieg errang] Sunanda, dies vernehmend, hielt seinen vortrefflichen Wagen an und wählte statt dessen den Spiegel: ,Vernichte das feindliche Heer!' Da entfuhr diesem sogleich die göttliche Waffe Prasvāpana-Āgneya, und das Einschläferungs-[Astra] durchdrang das Schlangenheer, sodass es einschlief; das Feuer-Astra aber begann, mit Macht jene Stadt zu verbrennen. [Dass der besiegte Vāsuki, Zuflucht suchend, den König ehrte] Dies erblickend, nahm der Schlangenkönig Zuflucht bei ihm: ,Nicht alles war uns bekannt – dies möge verziehen werden, Gebieter; nun, da ich dies überaus Gefährliche erkannt habe, kehre zum Frieden zurück. Nimm diese überaus wertvollen Juwelen, o Glanzvoller, diese Tochter und tausend weitere Schlangenfrauen an dich, zieh die göttliche Waffe zurück und magst [in Frieden] gehen.' [Dass der König, nachdem er dem um Zuflucht bittenden Vāsuki seinen Wunsch erfüllt hatte, mit seinem Gefolge in seine eigene Stadt einzog] Sunanda, dem zustimmend, war auf das Zurückziehen [der Waffe] bedacht; sodann nahm der König, sein Ziel erreicht habend, seinen Sohn, die großen Juwelen und die auserlesenen Frauen an sich, verabschiedete sich [von Vāsuki] und zog in seine Stadt ein. So lautet im glorreichen Pāñcarātra, im Tantrarahasya, in der Ahirbudhnya-Saṃhitā das achtundvierzigste Kapitel, betitelt: ,Die Darlegung der Kraft von Sitz, Ring und Spiegel, gefertigt mit dem großen Sudarśana-Yantra'. Oṃ. (Von Anfang an [gezählte] Verse: 3045)
[?] Die Kolophon-Zahl ist im Quelltext als ,2045' (2045) OCR-verlesen, was angesichts der kumulativ 2936 Verse am Ende von Kap.47 und der 109 Verse dieses Kapitels rechnerisch nicht stimmen kann; korrigiert zu ,3045' (3045 = 2936+109), da 3 und 2 in dieser Devanāgarī-OCR erfahrungsgemäß leicht verwechselt werden.