Paṭala 35: saṃhārāstrasvarūpanirūpaṇam
Die Darlegung des Wesens der Vernichtungswaffen (Saṃhārāstras)
Gegenstück zu Kap.34 (dort die 'vorwärtstreibenden', pravartaka, Astra-Mantras): dieses Kapitel liefert 43 weitere Mantra-Konstruktionsvorschriften nach demselben mantroddhāra-Cipher-Verfahren, diesmal für die 'Vernichtungswaffen' (saṃhārāstra) im äußeren Bereich (aparāṅga) des Sudarśana-Yantra. Der Cipher-Katalog (V.5-80) wurde, wie bereits in Kap.34, als gap-summary behandelt - hier zusätzlich erschwert durch eine gegenüber Kap.34 nochmals deutlich höhere OCR-Fehlerdichte, die selbst ein einzelnes vollständig rekonstruierbares Beispiel verhinderte. Das Kapitel endet jedoch mit einem inhaltlich bedeutsamen, vollständig übersetzten Themenwechsel (V.81-99): einem an die Bhagavadgītā erinnernden Lobpreis Nāradas auf Ahirbudhnya, gefolgt von der Frage, ob die Astras körperhaft oder körperlos seien, und Ahirbudhnyas ausführlicher, bildreicher Bestätigung ihrer furchterregenden Körperhaftigkeit. Kolophon bestätigt exakt 99 Verse in diesem Kapitel (kumulativ 2153+99=2252). Quelle weiterhin Vol.2 (in.ernet.dli.2015.322565).
Nun die Darlegung des Wesens der Vernichtungswaffen (saṃhārāstra), der fünfunddreißigste Lehrabschnitt.
[Anrufungsstrophe wie in den vorigen Kapiteln, OCR-verderbt, [?].]
(Die Frage nach dem Wesen der Vernichtungswaffen)
Śrī-Nārada sprach: Erhabener, es wurde von dir zuvor vollständig dargelegt, dass die Vernichtungswaffen zum 'äußeren Bereich' (aparāṅga) Sudarśanas gehören, o Herr. (1) Meine Neugier gilt der Erkenntnis von deren Wesen; du sollst es vollständig darlegen, denn du bist mir gnädig gewogen.
(Beginn der Antwort darauf; hier ist der Text stark beschädigt)
Ahirbudhnya sprach: [... die Quelle ist an dieser Stelle unleserlich beschädigt, [?] ...]
V.1-4: Kapiteleröffnung. Nārada erinnert daran, dass die Vernichtungswaffen (saṃhārāstra) - im Unterschied zu den in Kap.34 behandelten 'vorwärtstreibenden' (pravartaka) Astras - zum 'äußeren Bereich' (aparāṅga, ein technischer Begriff der Yantra-Diagrammatik für den äußeren Ring des Sudarśana-Yantra, vgl. auch Kap.36) gehören, und bittet erneut um deren Mantra-Formeln. Der unmittelbare Übergang zur Antwort (V.3-4) ist im vorliegenden OCR-Digitalisat an dieser Stelle durch einen längeren unleserlichen Textabschnitt unterbrochen; eine sinnvolle Rekonstruktion ist hier nicht möglich und wird nicht versucht, [?].
(Zusammenfassende Übersicht der Vernichtungswaffen-Mantras, laufende Nummern 1-43, bei stark beschädigtem Quelltext)
Wie schon in Kap.34 folgen die Verse 5-80 exakt demselben Cipher-Schema (kodierte Silben-Bausteine, gefolgt von Kombinations- und Endsilben-Anweisung) für 43 weitere, einzeln benannte Mantras - diesmal jedoch zu den 'Vernichtungswaffen' (saṃhārāstra). Die Namensliste wird hier, aus zwei Gründen, als reine Übersicht statt als zeilengetreue Übersetzung wiedergegeben: erstens aus denselben inhaltlichen Gründen wie in Kap.34 (unübersetzbare Silben-Chiffren ohne Dekodierungsschlüssel), zweitens weil der Quelltext in diesem Kapitel noch erheblich stärker OCR-beschädigt ist als in Kap.34 - mehrere Passagen sind vollständig unleserlich, sodass selbst ein einzelnes repräsentatives Vollbeispiel (wie in 34.5-10 für Brahmāstra/Daṇḍacakra gezeigt) nicht verlässlich rekonstruierbar war. Erkennbare Namen in der überlieferten Reihenfolge: [Name des ersten Mantra unsicher, vielleicht 'Kṣavyavat'], Satyakīrti, [mehrere Namen zwischen Nr.3-9 unleserlich], Dṛḍhanābha, Saṃhāraka, Deśākṣa, Hārīṣa, Śatodara, Mahānābha, Dundunābha, Dhṛtimālya, Rucira, Pitṛsaumanasa, Vidhūta, Makara, Karavīrasama, Dhana, Dhānya, Jyotiṣām, Kṛśana, Nairāśya, Vimala, Yogaṃdhara, Vinidra, Naidra, Pramathana, Sāgnimālya, Kāmarūpa, Kāmarddhi, Mohana, Āvaraṇa, Jṛmbhaka, Sarvanāmaka, Bhṛśāśvatanayā (mit Bezug auf Vinatās Sohn, d.h. Garuḍa), Saṃdhāna und Vāruṇa als letztes (Nr.43).
V.5-80 (Sammeleinheit, gap-summary): Wie 34.11-99 ein mechanisch-repetitiver Cipher-Katalog, hier jedoch mit besonders hoher OCR-Fehlerdichte - mehrere Nummern (3-9, 15-16, 32, 34) und Einzelnamen bleiben trotz Bestapproximation unsicher, [?]. Die Gesamtzahl von 43 Mantras ergibt sich aus der laufenden Nummerierung im Quelltext (letzter Eintrag 'Vāruṇa' als Nr.43) und der Versspanne (V.5-80, danach folgt ab V.81 ein inhaltlicher Themenwechsel zu einer Rahmenerzählung, s. nächste Einheiten). Entsprechend der Projekt-Konvention wird bei derart dichter, nicht sinnvoll rekonstruierbarer OCR-Beschädigung eine ehrliche Bestapproximation mit ausführlicher [?]-Kennzeichnung gegeben, statt eine falsche Präzision vorzutäuschen.
(Nāradas Lobpreis Ahirbudhnyas aus dem Wunsch heraus, die Körperhaftigkeit oder Körperlosigkeit der Astras zu erfahren)
Śrī-Nārada sprach: Erhabener, Herr der Götter, von aller Welt Verehrter! (81) Du, dessen eigener Herr du bist, unermesslich an Wesen, dem Bereich des unfassbaren Wissens entzogen — dich preisend, erlangen alle Götter die ersehnte Frucht. Von dir ist alles entstanden, die Welt, das Bewegliche und Unbewegliche; von dir allein wird alles getragen und wieder eingezogen, o großer Herr (Maheśvara). (83) Du bist der Anfang aller Welten, doch selbst ohne Anfang, ganz aus der Welt bestehend; du bist der Puruṣa, du bist das Unmanifeste, du bist das Manifeste, o Betrachtender. Du bist das Opfer, der zu Verehrende, der Opfernde; du bist das Feuer, du bist die Opfergabe; du bist der Vaṣaṭkāra-Ruf, der Oṃkāra, und du bist ebenso der Veda. (85) Von dir eben, o großer Herr, gehen die Wesen aus; du bist das Werkzeug, die Ursache, der Handelnde, die Wirkung, die Handlung, die Frucht, o Allherrscher. Du bist das Vergangene, das Zukünftige und das Gegenwärtige, o höchster Herr; du bist eigenschaftslos, und doch auch die Eigenschaften annehmend bei der Erschaffung der Welt. (87) Du bist der Feinste der Feinen, und du bist der Größte der Großen; wer dir zugetan ist, o Gebieter, gelangt zum höchsten Ziel. (88) Wer dir nicht zugetan ist, geht geradewegs in die Hölle ein — dies ist deine ordnende Vielgestaltigkeit [?]. Kalā, Kāṣṭhā, Muhūrta und die übrigen Zeiteinheiten — all dies besteht aus dir als der Zeit. (89) Obwohl du, o Śaṃkara, stets in allen Wesen weilst, wirst du von deren Veränderungen nicht befleckt, wie das Lotosblatt vom Wasser. (90) 'Was soll ich noch tun, da du alles stets ordnest' [?] — du hast mir, dem Fragenden, das Wesen aller Astras dargelegt. (91)
(Die Frage nach der Körperhaftigkeit oder Körperlosigkeit der Astras)
Haben diese Waffen nun körperliche Gestalten, oder sind sie vielmehr körperlos? Du sollst, o Gebieter der Götter, diesen meinen Zweifel klären, o Allherrscher. (92)
V.81-92: Nach dem mechanischen Mantra-Katalog folgt ein inhaltlicher Neueinsatz: Nārada trägt einen ausführlichen, an die Bhagavadgītā (bes. Kap.9-10, vgl. auch BhG 9.16-17 zu Opfer/Feuer/Oṃkāra/Veda) erinnernden Lobpreis auf Ahirbudhnya vor, der ihn als Ursprung, Erhalter und Zerstörer aller Welten, als eigenschaftslos und doch alle Eigenschaften annehmend, als Zeit selbst und als vom Weltgeschehen unberührt (Lotosblatt-Gleichnis) feiert, bevor er die eigentliche, das Kapitel thematisch abschließende Frage stellt: Sind die zuvor aufgezählten Astras körperlich (mūrta) oder körperlos (amūrta)? V.83 und V.89/91 an Einzelstellen OCR-unsicher [?], der Gesamtsinn des Lobpreises bleibt jedoch klar erkennbar.
(Die Feststellung, dass sie körperhaft sind)
Ahirbudhnya sprach: Diejenigen [Astras], deren Glieder, Nārada, von furchtbarer Gestalt sind — mit entstellten, schrecklichen Fangzähnen, mit grimmigen Antlitzen, die die Menschen erschrecken, (93) furchtbar durch Haare, die Blitzbündeln gleichen, Nārada — (94) manche von Feuerfarbe, manche vom Glanz der Sonne, manche von weißer Farbe, manche feuergleich, mit gewaltigen, furchtbar gestalteten Armen gleich großen Sturmböcken, darin nach Belieben Waffen tragend, gewaltig und mächtig, (96) ungestüm, zermalmend, den Stolz der Feinde vernichtend, beständig sogar von den vortrefflichsten Göttern und Dämonen verehrt — (97) solche Glieder innehabend, wandeln die Astras, Nārada, nach Belieben umher, furchtlos vor jedem Gegner, (98) von unermesslicher Macht, furchterregend, mit loderndem Leib, mit erhobenen Waffen, mit ungehindertem Gang — so durchwandern die vornehmsten Astras unaufhörlich die Welten. (99)
So lautet im ehrwürdigen Pāñcarātra, im Tantrarahasya, in der Ahirbudhnya-Saṃhitā der fünfunddreißigste Lehrabschnitt mit dem Titel »Die Darlegung des Wesens der Vernichtungswaffen«.
Om.
(Verse von Anfang an: 2252)
V.93-99+Kolophon: Ahirbudhnyas Antwort auf die Frage aus V.92 - die Astras sind eindeutig körperhaft (mūrta): sie besitzen furchterregende, vielgestaltige Leiber (feuerfarben, sonnenfarben, weiß, mit blitzartigem Haar, gewaltigen Armen), tragen Waffen, wandeln frei und furchtlos durch die Welten und werden selbst von Göttern und Dämonen verehrt - eine bildmächtige, vollständig übersetzte Schlusspassage als Gegenstück zur mechanischen Mantra-Aufzählung des Kapitelhauptteils. Kolophon bestätigt kumulativ 2252 Verse (2153+99) - das Kapitel umfasst somit exakt 99 Verse.