Paṭala 39: atha sarvaphalasādhanamahābhiṣekavidhānaṃ nāma ekonacatvāriṃśo'dhyāyaḥ
Die Anweisung zur Großen Weihe (Mahābhiṣeka), die alle Ziele erwirkt (39. Kapitel)
Vollständig übersetzt (einzigartiges, nicht repetitives Ritual). Quelle: Archive.org in.ernet.dli.2015.322565, Band 2.
Śrī-Nārada [sprach]: »O Erhabener, Allwissender, sage mir: durch welche einzige Handlung werden alle Krankheiten vernichtet, wodurch alle Feinde? Wodurch entsteht die Erfüllung aller Ziele, wodurch wird die Welt untertan? Wodurch wird reicher Wohlstand erlangt - durch welche Handlung, sage es!« Ahirbudhnya [antwortete]: »Höre aufmerksam, dies Lautere, o großer Weiser. Für den König, die Minister und alle Amtsträger, die von ihrer eigenen Stufe aus nach der höchsten Stufe streben, sowie für andere, weltliche Menschen und ebenso für Königreich-Suchende ist die als ›Mahābhiṣeka‹ (Große Weihe) bezeichnete Handlung zu vollziehen, die den eigenen Zweck erwirkt.«
Rahmen: Nārada fragt nach der einen Handlung, die alle Krankheiten, Feinde besiegt und alle Ziele erwirkt. Antwort: das Mahābhiṣeka-Ritual (Große Weihe), anwendbar für König, Minister, Amtsträger und Reichssuchende gleichermaßen.
In einem dem Gott [Vāsudeva] geweihten Garten-Pavillon oder Tempel, auf ebenem, gereinigtem Boden, mit den acht Glücksverheißungen versehen, nachdem man dort Kuśa-Gras, in neun Abschnitte geteilt, ausgestreut hat, zeichne man das Mahendra-Maṇḍala und umgebe es außen mit Jāti-Blüten; in der Mitte stelle man auf die genannte Weise das Sudarśana-Yantra auf, mit Duftstoffen und Blumen, und darin das schön geschmückte Bild. In dessen Mitte stelle der Mantra-Kundige das höchste Yantra-Abbild auf; davor, mit dem Wurzelmantra, ein mit Fäden umwickeltes Gefäß; er rufe [den Gott] mit duftendem, mit den neun Juwelen versehenem Wasser herbei, geschmückt mit Sandelholz-, Aloe-, Kampfer- und Safranpulver, mit ungeschältem Reis umgeben, mit reinem Leinen umwickelt, mit Duftstoffen und Blüten bestreut, mit Weihrauch und Licht versehen; am oberen Rand mache man ebenso im schön geschmückten Gefäß-Feuerbecken [eine Öffnung]. Nachdem man in den acht Himmelsrichtungen geschmückte, volle Gefäße aufgestellt hat, mit den drei Cakra-Mantras, beginnend im Osten, bringe der Mantra-Kundige jedem einzeln Verehrung dar. Überall, vor den Gefäßen, stelle man Feuerbecken auf; in der Mitte errichte man ein tempelförmiges, geschmücktes Feuerbecken. Im Osten [sei es] viereckig, im Südosten dreieckig, im Süden halbmondförmig, im Südwesten yoniförmig, im Westen lotosförmig, im Nordwesten achteckig, im Norden kreisförmig, im Nordosten sechseckig. Die Vaiṣṇava-Priester ordne man den Opferhandlungen in den acht Richtungen zu; in der Mitte aber opfere der übende Mantra-Kundige selbst ins lodernde Feuer.
Detaillierte Beschreibung der Maṇḍala-, Kumbha- und Feuerbecken-Anlage für das Mahābhiṣeka: acht Feuerbecken in den Himmelsrichtungen, jedes mit einer der Richtung zugeordneten geometrischen Form (Quadrat, Dreieck, Halbmond, Yoni, Lotos, Achteck, Kreis, Sechseck) - eine der detailliertesten Yantra-Geometrie-Beschreibungen im bisherigen Werk.
Jedem einzeln [der acht Priester] opfere man mit Ghee überaus zahlreich [?]; überall opfere man mit dem Wurzelmantra unter Meditation. Nach dem Opfer verehre der Übende den Gott in allen Gefäßen; nachdem er das Hauptgefäß berührt hat, murmle er den mit dem Namen des zu Behandelnden umschlossenen Mantra, überall je tausendundacht[mal], vorschriftsmäßig; dann setze er den zu Behandelnden dem großen Yantra gegenüber auf einen Sitz. Dann bade man ihn, begleitet von Paukenklang und Muschelhorn- und Kesselpaukenschall, mit dem Wasser der östlichen Gefäße; danach nehme man das geschmückte, volle mittlere Gefäß und besprenge ihn am Ende mit dessen Wasser, während der Mantra-Kundige selbst den Mantra murmelt. Durch diese Weihe, aller Verfehlungen entledigt, erstrahlt der Geweihte wie die von Wolken befreite Sonne. Er selbst erlangt dadurch alle seine sündenfreien Wünsche; ohne dies ist keine andere Weihe für einen König geeignet. Wenn so die Große Weihe vollständig durch den Großmütigen vollzogen ist, liegt, was auch immer jemand wünscht, zweifellos in seiner Hand.
Kernprozedur des Mahābhiṣeka: gestaffelte Opferungen, doppelte Besprengung (erst mit den acht Richtungsgefäßen, dann mit dem zentralen Hauptgefäß), universelle Sündentilgung und Wunscherfüllung. Zahlenangabe in V.17f. (lakṣottarasahasrakam) OCR-unsicher, mit [?] markiert.
Wer sich Lebensdauer wünscht, erhält Lebensdauer; wer Gesundheit begehrt, erlangt sie; wer nach Reichtum verlangt, erhält Reichtum; wer sich Vieh wünscht, erhält Vieh; der Sohnlose erhält einen Sohn, wird feindlos und tugendhaft; wer eine Tochter wünscht, erlangt eine Tochter; wer siegen will, erlangt den Sieg; wer seinen verlorenen Rang zurückwill, erhält seinen Rang, wer nach höchstem Rang strebt, den höchsten Rang; wer nach reichlicher Speise verlangt, erlangt auch Ruhm. Was soll hier viel gesagt werden: was immer im Sinn vorhanden ist, das alles erlangt man sogleich - daran ist kein Zweifel zu hegen. So wird der Mensch, nachdem die Weihe an ihm vollzogen ist, mit allen Wünschen erfüllt; mit Gold, vielerlei Juwelen, Gewändern, Girlanden und Salben verehre er sodann gebührend den ausführenden Übenden; er gebe ihm eine Kuh mit Kalb sowie das übrige, prächtige Weihezubehör; auch gebe er eine mit Milchreis gefüllte Schale; jeden der Priester erfreue er mit einer Niṣka-Goldgabe; die übrigen Brahmanen erfreue er, gesammelt, nach Vermögen. So [endet] in der ehrwürdigen Pāñcarātra-Tantrarahasya, der Ahirbudhnya-Saṃhitā, das Kapitel mit dem Namen ›Die Anweisung zur Großen Weihe (Mahābhiṣeka), die alle Ziele erwirkt‹, das 39. Kapitel. Oṃ. (Von Anfang an: 2481 Verse.)
Abschließende Universalliste der durch das Mahābhiṣeka erfüllbaren Wünsche (Lebensdauer, Gesundheit, Reichtum, Nachkommenschaft, Sieg, Rang, Ruhm) sowie die abschließenden Gaben an Priester und Brahmanen. Kolophon bestätigt 2481 Verse seit Werksbeginn (32 Verse in diesem Kapitel).