Quellen der Menschheit

Ahirbudhnya Saṃhitā

Paṭala 39: atha sarvaphalasādhanamahābhiṣekavidhānaṃ nāma ekonacatvāriṃśo'dhyāyaḥ Die Anweisung zur Großen Weihe (Mahābhiṣeka), die alle Ziele erwirkt (39. Kapitel)

Vollständig übersetzt (einzigartiges, nicht repetitives Ritual). Quelle: Archive.org in.ernet.dli.2015.322565, Band 2.

[kenaikena prayogeṇa sarvārthasiddhiriti praśnaḥ] śrīnāradaḥ| bhagavanbrūhi sarvajña yenaikenaiva karmaṇā| sarve rogā vinaśyanti kena sarve ca śatravaḥ||1|| kena sarvārthasiddhiḥ syājjagatkena vaśaṃ bhavet| vibhūtirvipulā kena prāpyate karmaṇā vada||2|| [taduttarakathanārambhaḥ] ahirbudhnyaḥ| śrūyatāṃ cāvadhānena śuddhyametanmahāmune| [tatra mahābhiṣekākhyakarmavidhiḥ] rājñaśca mantriṇāṃ caiva sarveṣāmadhikāriṇām|| padātsvasmādupārūḍhakāmānāṃ paramaṃ padam||4|| anyeṣāṃ laukikānāṃ ca yatkiṃcidrājchatāṃ tathā| kāryaṃ mahābhiṣekākhyaṃ karma svārthasādhakam||5||

Śrī-Nārada [sprach]: »O Erhabener, Allwissender, sage mir: durch welche einzige Handlung werden alle Krankheiten vernichtet, wodurch alle Feinde? Wodurch entsteht die Erfüllung aller Ziele, wodurch wird die Welt untertan? Wodurch wird reicher Wohlstand erlangt - durch welche Handlung, sage es!« Ahirbudhnya [antwortete]: »Höre aufmerksam, dies Lautere, o großer Weiser. Für den König, die Minister und alle Amtsträger, die von ihrer eigenen Stufe aus nach der höchsten Stufe streben, sowie für andere, weltliche Menschen und ebenso für Königreich-Suchende ist die als ›Mahābhiṣeka‹ (Große Weihe) bezeichnete Handlung zu vollziehen, die den eigenen Zweck erwirkt.«

Rahmen: Nārada fragt nach der einen Handlung, die alle Krankheiten, Feinde besiegt und alle Ziele erwirkt. Antwort: das Mahābhiṣeka-Ritual (Große Weihe), anwendbar für König, Minister, Amtsträger und Reichssuchende gleichermaßen.

[tadaṅgatayā sthānādiviśeṣavidhiḥ] āsudevākhyodyānamaṇḍape mandire'thavā| same pavitritetale maṅgalāṣṭakasaṃyute||6|| vikīrya kuśāṃstatra navabhāgābhisaṃmitān| māhendramaṇḍalaṃ nyasya bāhyato jātipuṣpakaiḥ||7|| madhye sudarśanaṃ yantramuktenaiva tu vartmanā| vinyasedgandhapuṣpaiśca tanmadhye ca suśobhanam||8|| tanmadhye vinyasenmantrī yantrabimbamanuttamam| tasyāgre mūlamantreṇa kumbhaṃ tantupariṣkṛtam||9|| āvāhayedgandhatoye navaratnasamanvitam| candanāgurukarpūrakāśmīrakṣodamaṇḍitam||10|| akṣataiśca parikṣiptaṃ śuddhakṣaumābhiveṣṭitam| gandhapuṣpasumākīrṇaṃ dhūpadīpasamanvitam||11|| mukhāntare tathā kāryaṃ kumbhakuṇḍe svalaṃkṛte| pratiṣṭhāpyāṣṭadigbhāge pūrṇakumbhānalaṃkṛtān||12|| ācakrāditrimantrāyairagniprākārakāntakaiḥ| prāgādi vinyasenmantrī pratyekaṃ pūjayettataḥ||13|| [prāgādidikṣu madhye cāgnikuṇḍavidhiḥ] sarvatra kumbhaprāgbhāgeṣvagnikuṇḍāni vinyaset| prāsādalakṣaṇaṃ kuṇḍaṃ madhye kuryātsvalaṃkṛtam||14|| [prāgādyagnikuṇḍānāṃ lakṣaṇabhedakathanam] prācyāṃ diśi catuṣkoṇamāgneyyāṃ tu trikoṇakam| yāmye tvardhendusaṃkāśaṃ naiṛtyāṃ yonisaṃnibham||15|| vāruṇyāṃ padmasaṃkāśaṃ vāyavyāmaṣṭakoṇakam| vṛttamuttaradigbhāge caiśānyāṃ tu ṣaḍaśrakam||16|| [diśāhomeṣu vaiṣṇavartvigvaraṇam] vaiṣṇavānṛtvijaścāṣṭau diśāṃ homeṣu yojayet| madhye tu sādhako mantrī juhuyājjvalite'nale||

In einem dem Gott [Vāsudeva] geweihten Garten-Pavillon oder Tempel, auf ebenem, gereinigtem Boden, mit den acht Glücksverheißungen versehen, nachdem man dort Kuśa-Gras, in neun Abschnitte geteilt, ausgestreut hat, zeichne man das Mahendra-Maṇḍala und umgebe es außen mit Jāti-Blüten; in der Mitte stelle man auf die genannte Weise das Sudarśana-Yantra auf, mit Duftstoffen und Blumen, und darin das schön geschmückte Bild. In dessen Mitte stelle der Mantra-Kundige das höchste Yantra-Abbild auf; davor, mit dem Wurzelmantra, ein mit Fäden umwickeltes Gefäß; er rufe [den Gott] mit duftendem, mit den neun Juwelen versehenem Wasser herbei, geschmückt mit Sandelholz-, Aloe-, Kampfer- und Safranpulver, mit ungeschältem Reis umgeben, mit reinem Leinen umwickelt, mit Duftstoffen und Blüten bestreut, mit Weihrauch und Licht versehen; am oberen Rand mache man ebenso im schön geschmückten Gefäß-Feuerbecken [eine Öffnung]. Nachdem man in den acht Himmelsrichtungen geschmückte, volle Gefäße aufgestellt hat, mit den drei Cakra-Mantras, beginnend im Osten, bringe der Mantra-Kundige jedem einzeln Verehrung dar. Überall, vor den Gefäßen, stelle man Feuerbecken auf; in der Mitte errichte man ein tempelförmiges, geschmücktes Feuerbecken. Im Osten [sei es] viereckig, im Südosten dreieckig, im Süden halbmondförmig, im Südwesten yoniförmig, im Westen lotosförmig, im Nordwesten achteckig, im Norden kreisförmig, im Nordosten sechseckig. Die Vaiṣṇava-Priester ordne man den Opferhandlungen in den acht Richtungen zu; in der Mitte aber opfere der übende Mantra-Kundige selbst ins lodernde Feuer.

Detaillierte Beschreibung der Maṇḍala-, Kumbha- und Feuerbecken-Anlage für das Mahābhiṣeka: acht Feuerbecken in den Himmelsrichtungen, jedes mit einer der Richtung zugeordneten geometrischen Form (Quadrat, Dreieck, Halbmond, Yoni, Lotos, Achteck, Kreis, Sechseck) - eine der detailliertesten Yantra-Geometrie-Beschreibungen im bisherigen Werk.

pratyekaṃ juhuyādājyairlakṣottarasahasrakam| sarvatra mūlamantreṇa juhuyāddhyānapūrvakam||18|| [kumbhābhimantraṇavidhiḥ] homānte devamabhyarcya sarvakumbheṣu sādhakaḥ| spṛṣṭvā tu taṃ japenmantraṃ sādhyanāmapuṭīkṛtam|| aṣṭottarasahasraṃ tu sarvatra vidhivattataḥ| niveśayenmahāyantrasaṃmukhaṃ sādhyamāsane||20|| [prathamaṃ prāgādikumbhajairabhiṣekaḥ] tato bherīninādaiśca śaṅkhakāhalanisvanaiḥ| sahitaṃ snāpayedenaṃ prācyāyaiḥ kumbhavāribhiḥ||21|| [tataḥ pūrṇakumbhajalenābhiṣekaḥ] paścānmadhyamakādāya pūrṇakumbhaṃ svalaṃkṛtam| tadvāriṇā'bhiṣicyānte mantraṃ mantrī japatsvayam|| [yathoktābhiṣekeṇa sarvakilbiṣanivṛttipūrvakasarvakāmāvāptiḥ] tatastenābhiṣekeṇa nirdhūtāśeṣakilbiṣaḥ| rājate himasaṃrodhānnirmukta iva bhāskaraḥ||23|| sarvāṃstairanaghānkāmānṛcchate svayameva hi| vinā rājārhametena nārhedanyābhiṣecanam|| evaṃ mahābhiṣeke tu kṛte pūrṇe mahātmanā| yasya yadvāñchitaṃ tasya hastasthaṃ tanna saṃśayaḥ||25||

Jedem einzeln [der acht Priester] opfere man mit Ghee überaus zahlreich [?]; überall opfere man mit dem Wurzelmantra unter Meditation. Nach dem Opfer verehre der Übende den Gott in allen Gefäßen; nachdem er das Hauptgefäß berührt hat, murmle er den mit dem Namen des zu Behandelnden umschlossenen Mantra, überall je tausendundacht[mal], vorschriftsmäßig; dann setze er den zu Behandelnden dem großen Yantra gegenüber auf einen Sitz. Dann bade man ihn, begleitet von Paukenklang und Muschelhorn- und Kesselpaukenschall, mit dem Wasser der östlichen Gefäße; danach nehme man das geschmückte, volle mittlere Gefäß und besprenge ihn am Ende mit dessen Wasser, während der Mantra-Kundige selbst den Mantra murmelt. Durch diese Weihe, aller Verfehlungen entledigt, erstrahlt der Geweihte wie die von Wolken befreite Sonne. Er selbst erlangt dadurch alle seine sündenfreien Wünsche; ohne dies ist keine andere Weihe für einen König geeignet. Wenn so die Große Weihe vollständig durch den Großmütigen vollzogen ist, liegt, was auch immer jemand wünscht, zweifellos in seiner Hand.

Kernprozedur des Mahābhiṣeka: gestaffelte Opferungen, doppelte Besprengung (erst mit den acht Richtungsgefäßen, dann mit dem zentralen Hauptgefäß), universelle Sündentilgung und Wunscherfüllung. Zahlenangabe in V.17f. (lakṣottarasahasrakam) OCR-unsicher, mit [?] markiert.

[tatphalakathanam, sarvakāmaprāptiḥ] āyuṣkāmī tathā''yuṣyamārogyārthī tadaśnute| athārthī cārthamāpnoti paśukāmastathā paśūn||26|| aputraḥ putramāpnoti nirvairo guṇavānbhavet| kanyārthī labhate kanyāṃ jigīṣurjayamaśnute||27|| svapadaṃ padahīnastu padārthī paramaṃ padam| annakāmaśca bahutramatha cāśnute yaśaḥ||28|| kimatra bahunoktena yadyanmanasi vartate| tattatsadyaḥ samāpnoti nātra kāryā vicāraṇā|| [ante sādhakārcanavidhiḥ] evaṃ kṛtābhiṣekastu pūrṇakāmo'tha mānavaḥ| suvarṇabahuratnaiśca vastramālyānulepanaiḥ||30|| arcayetsādhakaṃ samyagdadyāddhenuṃ savatsakām| tasmai śiṣṭaṃ ca yadramyamabhiṣekaparicchadam||31|| tacca dadyāttathā pātrīṃ pāyasenābhipūritām| [ṛtvijāṃ brāhmaṇānāṃ ca paritoṣaṇavidhiḥ] pratyekaṃ niṣkadānena toṣayedṛtvijo'khilān| tarpayedbrāhmaṇānanyānyathāśakti samāhitaḥ||32|| iti śrīpāñcarātre tantrarahasye ahirbudhnyasaṃhitāyāṃ sarvaphalasādhanamahābhiṣekavidhānaṃ nāma ekonacatvāriṃśo'dhyāyaḥ| oṃ| (āditaḥ ślokāḥ 2481)

Wer sich Lebensdauer wünscht, erhält Lebensdauer; wer Gesundheit begehrt, erlangt sie; wer nach Reichtum verlangt, erhält Reichtum; wer sich Vieh wünscht, erhält Vieh; der Sohnlose erhält einen Sohn, wird feindlos und tugendhaft; wer eine Tochter wünscht, erlangt eine Tochter; wer siegen will, erlangt den Sieg; wer seinen verlorenen Rang zurückwill, erhält seinen Rang, wer nach höchstem Rang strebt, den höchsten Rang; wer nach reichlicher Speise verlangt, erlangt auch Ruhm. Was soll hier viel gesagt werden: was immer im Sinn vorhanden ist, das alles erlangt man sogleich - daran ist kein Zweifel zu hegen. So wird der Mensch, nachdem die Weihe an ihm vollzogen ist, mit allen Wünschen erfüllt; mit Gold, vielerlei Juwelen, Gewändern, Girlanden und Salben verehre er sodann gebührend den ausführenden Übenden; er gebe ihm eine Kuh mit Kalb sowie das übrige, prächtige Weihezubehör; auch gebe er eine mit Milchreis gefüllte Schale; jeden der Priester erfreue er mit einer Niṣka-Goldgabe; die übrigen Brahmanen erfreue er, gesammelt, nach Vermögen. So [endet] in der ehrwürdigen Pāñcarātra-Tantrarahasya, der Ahirbudhnya-Saṃhitā, das Kapitel mit dem Namen ›Die Anweisung zur Großen Weihe (Mahābhiṣeka), die alle Ziele erwirkt‹, das 39. Kapitel. Oṃ. (Von Anfang an: 2481 Verse.)

Abschließende Universalliste der durch das Mahābhiṣeka erfüllbaren Wünsche (Lebensdauer, Gesundheit, Reichtum, Nachkommenschaft, Sieg, Rang, Ruhm) sowie die abschließenden Gaben an Priester und Brahmanen. Kolophon bestätigt 2481 Verse seit Werksbeginn (32 Verse in diesem Kapitel).

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