Paṭala 28: bhagavadārādhanavidhinirūpaṇam
Die Darlegung der Verehrungsweise des Erhabenen
Nach den vorausgehenden Yantra-Kapiteln (20-27) wendet sich Ahirbudhnya hier erstmals der eigentlichen täglichen Verehrungsprozedur (pūjāvidhi) für Bhagavat/Sudarśana-Narasiṃha zu: Badeordnung, Gang zum Opferplatz und Pavillon, Errichtung von Laube und Altarplattform (bzw. deren rein mentale Visualisation), Meditation auf den thronenden Gott, Elementereinigung (bhūtaśuddhi) mit dreifachem Prāṇāyāma und Aufbau eines 'göttlichen' Leibes, und schließlich die sechs 'Sitze' (āsana) des eigentlichen Rituals — Mantra-Sitz, Bade-Sitz, Schmuck-Sitz, Speise-Sitz, wiederum Mantra-Sitz, Ruhelager-Sitz — jeweils mit ihrer eigenen Abfolge von Ehrengaben (upacāra). Das Kapitel schließt mit dem abschließenden Unterwerfungsgebet (dāsya-prārthanā), der Verheißung der Erlösung durch einen einzigen Tag solcher Verehrung, dem Erst-recht-Schluss auf die Unterwerfung aller Götter- und Geisterscharen, und der Anweisung zur Verehrung des Gefolges.
Oṃ. Nun die Darlegung der Verehrungsweise des Erhabenen, der achtundzwanzigste Lehrabschnitt.
»Ein einziges Mal wollen wir jenes göttliche Leuchten [?] des Sudarśana meditieren, den Hari, glanzgleich million Sonnen [?]« — [Anm.: die gleiche formelhafte gāyatrī-artige Eingangsstrophe wie zu Beginn der Kapitel 24-27; die OCR-Vorlage ist an dieser Stelle wie gewohnt schwer verderbt, der Sinn (Anrufung des strahlenden Hari/Sudarśana) ist jedoch klar erkennbar.]
(Beginn der Darlegung der Verehrungsweise)
Ahirbudhnya [sprach]:
Ich werde, Nārada, die Verehrungsweise in aller Kürze darlegen, die Langlebigkeit, Gesundheit, Sieg, Land und Reichtum an Gut und Korn verleiht. (1)
(Dass sie diesseitige und jenseitige Frucht verschafft)
Sie ist das beste Mittel für die, welche sich Söhne, Vieh und andere Wünsche begehren; sie bewirkt Verbindung mit Gott und Erlösung, ist friedvoll und Ursache der Überwindung von Widersachern. (2)
V.1-2: Einleitung. Die Eingangs-Invokation ist die aus Kap.24-27 bekannte formelhafte Strophe, hier erneut schwer OCR-verderbt und mit [?] markiert. Dieses Kapitel ist inhaltlich ein Neuansatz: nach den Yantra-Kapiteln 20-27 folgt nun erstmals eine ausführliche Darstellung des eigentlichen täglichen Verehrungsrituals (pūjāvidhi) für Bhagavat/Sudarśana, mit sämtlichen Einzelschritten von der Reinigung bis zur abschließenden Frucht.
(Dort zunächst die Badeordnung)
Nachdem er zu einer heiligen Badestelle an reinem Ort gegangen ist, soll er mit Glauben, nach der Mantra-Vorschrift, das Wasser zweiteilen und mit dem einen Teil die Reinigung des Leibes vollziehen. (3) Nach dem Bad und dem Mundspülen soll er, den anderen, heilsvollen Teil nehmend, ihn dreifach verteilen: In der linken Hand soll er mit einem Teil die Kopfbindung des Wassers vornehmen. (4) Mit einem weiteren Teil soll er sodann, Nārada, die Gliedersalbung vollziehen; den dritten Teil soll er als Badeplatz-Sitz (tīrthapīṭha) weihen. (5) Dort soll er der Gaṅgā gedenken, die Viṣṇus linkem Fuß entströmt; ihr soll er das Ehrwasser (arghya) darbringen und sodann eine Hand voll Wasser schöpfen. (6) Er besprenge sein eigenes Haupt [Text unsicher, ?], einmal durch Mantra geweiht; dort eingetaucht, das Haupt zu den Lotosfüßen des Gottes gelegt. (7) Nach Vermögen rezitiere er den Mantra, ganz der Meditation auf ihn hingegeben; dann, aus dem Wasser emporgestiegen und nach dem Mundspülen, lege er die beiden Gewänder — Unter- und Obergewand — an. (8) Nach dem Bad, das ūrdhvapuṇḍra (vaiṣṇavisches Stirnzeichen) tragend, meditiere er zuletzt auf die Götter, deren Wesen der Unfehlbare (Acyuta/Viṣṇu) ist, und vollziehe die Wasserspende (tarpaṇa); die übrigen Tagesriten vollziehe er sodann der Vorschrift gemäß. (9)
V.3-9: Vorbereitende Badeordnung: rituelles Bad an heiliger Stätte, Dreiteilung des geweihten Wassers (Kopf, Glieder, Sitzweihung), Gedenken der Gaṅgā als aus Viṣṇus Fuß entsprungen, Mantra-Rezitation, Ankleiden, vaiṣṇavisches Stirnzeichen, Wasserspenden. V.7 im Kern unsicher [?] wegen OCR-Schäden.
(Beginn der Verehrung)
Nachdem der Mann dann zum Opferplatz gegangen ist, Füße und Hände gewaschen, nach dem Mundspülen und in Rede-Zurückhaltung, soll er mit der eigentlichen Verehrung beginnen. (10) Nachdem er, seiner selbst mächtig, eine liebliche, mit vier Toren versehene Umfriedung errichtet hat, soll er die Türhüter und die übrigen Randgottheiten verehren und sich sodann zum Pavillon begeben. (11)
V.10-11: Gang zum Opferplatz, Errichtung der vierfach betorten Umfriedung, Verehrung der Türhüter-Gottheiten, Eintritt in den Verehrungspavillon.
(Beschreibung des Pavillons)
Der Pavillon sei hochragend, mit Glückszeichen versehen, mit Juwelenbüscheln geschmückt [Text unsicher, ?], mit vielen goldenen Säulen, die mit Edelsteinen und Korallen verziert sind. (12) Er sei versehen mit Netzen von Lämpchen, strahlend an Gestalt [Text unsicher, ?], geschmückt mit bunten Fahnen und Torbögen. (13) Mit Netzen aus Juwelenglöckchen und Baldachinen aus feinem Leinen, allenthalben erstrahlend, geschmückt mit einem Juwelenpodest. (14)
V.12-14: Ausschmückung des Pavillons: goldene, edelsteinverzierte Säulen, Lämpchennetze, Fahnen, Torbögen, Glöckchenbehänge, Baldachine, Juwelenpodest. Mehrere Stellen wegen OCR-Unsicherheit mit [?] markiert.
(Die Errichtung der Altarplattform dort)
In der Mitte jenes Juwelen-Pavillons errichte er eine höchst strahlende, mit vier Säulen aus Rubin geschmückte Plattform. (15) Eine mit einem Baldachin aus Perlen versehene, viersäulige Juwelenlaube, eine aus geweihtem Altarmaterial gefügte, erhabene, mit Lämpchen versehene Plattform. (16) Wer dies zu errichten außerstande ist, der vollziehe es ebenso allein durch Meditation, so soll der Verehrer meditieren. (Meditation dort auf den Erhabenen mit seinem Gefolge) So meditiere er inmitten der Laube auf dem aus Rad und Lotos gebildeten Sitz, (17) getragen vom Lotos der Trägerkraft (ādhāraśakti), von Ananta, Dharma und den übrigen Trägern, auf dem Lotos, der von Mond, Sonne, Feuer, Wasser und den übrigen Sphären umgeben ist. (18) So, in der genannten Weise, umgeben vom Gefolge [Text unsicher, ?], herbeigerufen durch die Veden, die Mantras, sowie durch Waffen, Geschosse und die Gefolgs-Mächte. (19)
V.15-19: Errichtung der Altarplattform (rubin-, perlen- und juwelengeschmückt); ausdrücklicher Hinweis, dass bei fehlenden Mitteln die rein mentale Meditation auf den kosmischen Thron genügt; Visualisation des Thrones als konzentrisches Rad-Lotos-Gebilde, getragen von Ananta/Dharma u.a., umgeben von Mond-, Sonnen-, Feuer- und Wassersphären, sowie vom vedisch-mantrischen und waffentragenden Gefolge.
Auf jenem Sitz meditiere er auf den Gott, selbst auf einem gleichartigen Sitz weilend. (Gebet an den Erhabenen) »Ich, der ich dir gehöre, verehre dich mit den von dir selbst gegebenen Dienstleistungen, sowohl den überlieferten als auch den alltäglichen« — so soll er sprechen. (20-21ab)
(Nun die Ordnung der Elementereinigung)
Er ziehe die Leibes-Elemente auf dem Wege der Rückauflösung (pratisañcara) in sich zusammen. (21cd)
V.20-21: Meditation auf den thronenden Gott bei gleichzeitiger eigener Sitzhaltung; Selbsthingabe-Gebet; Übergang zur bhūtaśuddhi (Auflösung der Körperelemente in umgekehrter kosmogonischer Reihenfolge), die den Verehrer für den folgenden Ritus in einen 'göttlichen Leib' verwandelt.
Sodann trockne er diesen groben Leib aus und verbrenne ihn dann; durch den ersten Prāṇāyāma lege er den Mantra am Nabel nieder. (22) Durch den daraus entstandenen Klang (nāda), der in der Mitte der Suṣumnā weilt, zum Windkreis (vāyumaṇḍala) gelangend, mit eben jenem daraus erhobenen Wind (23) trockne er diesen groben Leib aus, o Weiser unter den Göttern; sodann lege er durch den zweiten Prāṇāyāma den Mantra am Herzen nieder. (24) Mit dem aus dem Mantra entstandenen, im Feuerkreis weilenden Feuer verbrenne er den Leib; durch den dritten Prāṇāyāma verbrenne der Übende sich selbst. (25) Indem er die Asche unten, zu Viṣṇus linkem Lotosfuß, hinlegt, gedenke er, dass er selbst von dem aus jenem Fuß entströmten Nektar überflutet sei. (26) Durch die Mantras der fünf Upaniṣaden (der fünf Aṅga-Mantras) sodann mit neu entstandener göttlicher Gestalt, die Glieder durch Nyāsa belegt, denke der Mantra-Kundige mittels der Mantras an Sudarśana. (27) Indem er von Anfang an die Ankunft des Gottes durch das Brahmarandhra hindurch, aus dem Sonnenkreis, im Lotos des Herzens vergegenwärtigt, beginne er sodann, nachdem er die Handbelegung (karanyāsa) vollzogen hat, mit der eigentlichen Verehrung. (28)
V.22-28: Kern der bhūtaśuddhi: dreifacher Prāṇāyāma trocknet, verbrennt und löst den groben Leib auf (Wind-, Feuer- und Selbst-Auflösung), gefolgt von der Überflutung mit dem Nektar von Viṣṇus Fuß und dem Aufbau eines neuen 'göttlichen' Leibes mittels der fünf Aṅga-Mantras (nyāsa); abschließend Visualisation des Herabsteigens der Gottheit durch das Brahmarandhra ins Herzlotos vor Beginn der eigentlichen Verehrung.
Zuerst vollziehe er, mit gebändigten Sinnen und Geist, die Mantra-Belegung (nyāsa). (Die Aufstellung der Gefäße usw.) Auf seiner rechten Seite stelle er ein mit duftendem, reinigendem Wasser gefülltes, durch den Wurzelmantra geweihtes Gefäß auf; ebenso ordne er auf der linken Seite alle übrigen Ritualgeräte an. (29-30) Sodann breite er vorn ein höchst reines Tuch aus; darauf, in der südöstlichen Richtung, stelle er das Ehrwasser-Gefäß (arghya-pātra) auf. (31) Das Fußwasser-Gefäß stelle er sodann in der südwestlichen Ecke auf; das Gefäß für das Mundspülwasser stelle er im Nordwesten auf. (32) Das Bade-Gefäß stelle er dann in Śaṃkaras nordöstlicher Richtung auf. (Die in diese Gefäße hineinzugebenden Substanzen) Weißer Senf, ungebrochener Reis, Senf und Sesam, (33) Gerste, Duftstoff, Frucht und Blüte — dies wird die achtfache Gabe genannt; Hirsegras (dūrvā), das Viṣṇupflanzen-Blatt, Śyāmāka-Getreide und Lotos: (34) diese vier Substanzen bereite er, samt Wasser, als Fußwasser-Ingredienzien; Gewürznelke, Muskatnuss u.a. als Ingredienzien für das Mundspülwasser. (35) Weißen Senf u.a. bereite er, der Weise, wie zuvor für das Badewasser vor. (Dort das erste: der Mantra-Sitz) »Ich beschließe die Verehrungshandlung« — so spreche er, die Gefäße berührend und rezitierend, zuerst beim Ehrwasser, (36) ebenso der Reihe nach bei den Fußwasser-Gefäßen usw., o Weiser unter den Göttern. Nachdem er alle diese Gefäße durchweg mit duftendem Wasser gefüllt hat, (37) hebe er mit einem anderen Gefäß ein wenig vom Ehrwasser empor und lege es mit dem Wurzelmantra in die rechte Hand des Gottes. (38) Nachdem er eine Blüte gegeben hat, besprenge er sodann mit dem Fußwasser die Füße des Gottes; nachdem er sie mit einem Tuch abgewischt hat, gebe er sodann das Mundspülwasser. (39) Die beim Ehrwasser übrig gebliebenen Ingredienzien werfe er dann in ein anderes Gefäß; Sandelholzpaste und Kranzgabe, Räucherwerk, Lampe, sodann weiter (40) wiederum das Mundspülwasser und danach Mundparfum; nachdem er Betel dargebracht hat, vollziehe er nach der Verneigung die Selbsthingabe. (41)
V.29-41: Erster Verehrungsschritt, das 'Mantra-Sitz' (mantrāsana): Aufstellung der Ritualgefäße nach den Himmelsrichtungen mit den jeweiligen Ingredienzien (Senf, Reis, Gerste, Duftstoffe, Früchte, Blüten, Kräuter), Weihe-Formel, Reihenfolge der Darbringung: Ehrwasser (arghya), Fußwasser (pādya), Mundspülwasser (ācamana), Blüte, Sandelholz, Kranz, Räucherwerk, Lampe, Betel, abgeschlossen durch die Selbsthingabe (ātmanivedana).
(atha snānāsanaṃ dvitīyam)
vidhāya snānapīṭhe tu gandhapuṣpādinā'rcayet |
vijñāpya pāduke datvā deve snānāsanaṃ gate ||42||
vastrabhūṣaṇamālyāni vyapanīya tataḥ param |
snānārthaṃ śāṭikāṃ dadyātpaścādācamanīyakam ||43||
pādapīṭhapradānaṃ ca dantakāṣṭhaṃ tato diśet |
jihvānirlekhanaṃ caiva mukhaśodhanamatho diśet ||44||
punarācamanīyaṃ ca tathā''darśopadarśanam |
punastāmbūladānaṃ ca tailābhyaṅgamataḥ param ||45||
udvartanavidhānaṃ ca dānamāmalakasya ca |
toyadānaṃ tataḥ kuryātkaṅkatena ca ||46||
tato vidadhyādevasya dehaśodhanaśāṭikām |
haridrālepanaṃ kṛtvā utsādanamataḥ param ||47||
vastrottarīyake dadyādupavītaṃ tathaiva ca |
pādyācamanake kuryādubhayośca candanaṃ tathā ||48||
(Nun der zweite: der Bade-Sitz)
Nachdem er das Bade-Podest bereitet hat, verehre er dort mit Duftstoff, Blüte usw.; nachdem er es angekündigt und die Sandalen gegeben hat, wenn der Gott zum Bade-Sitz gegangen ist, (42) entferne er sodann die Gewänder, Schmuckstücke und Kränze; zum Baden gebe er ein Tuch, danach das Mundspülwasser. (43) Er reiche das Fußpodest und biete sodann das Zahnholz dar; das Abschaben der Zunge und die Mundreinigung biete er sodann an. (44) Wiederum das Mundspülwasser und ebenso das Vorzeigen des Spiegels; wiederum die Betel-Gabe und danach die Ölsalbung. (45) Die Anwendung des Reibepulvers (udvartana) und die Gabe der Āmalaka-Frucht; die Wassergabe vollziehe er sodann, und die Reinigung mit dem Kamm. (46) Dann reiche er dem Gott ein Tuch zur Leibesreinigung; nachdem er Kurkumapaste aufgetragen hat, folge danach das Abreiben (utsādana). (47) Unter- und Obergewand gebe er, und ebenso die heilige Schnur; Fußwasser und Mundspülwasser vollziehe er für beide, und ebenso Sandelholzpaste. (48)
V.42-48: Zweiter Schritt, der 'Bade-Sitz' (snānāsana): vollständige Reinigungszeremonie in Einzelschritten — Kleiderablegen, Badetuch, Zahnholz, Zungenreinigung, Spiegel, Betel, Ölung, Reibepulver, Āmalaka-Frucht, Kämmen, Kurkumapaste, Abreiben, Neueinkleidung. V.46 (Kamm-Handlung) im Detail OCR-unsicher.
Duftstoff, Blüte, Räucherwerk und Lampe darbringend, damit begleitet von allem Glückverheißenden wie Tanz, Instrumentalmusik, Gesang usw. (49) Sodann vollziehe er die Übergießung (abhiṣeka), danach den Ritus des Weihwassers [Text unsicher, ?]; sodann erfreuliches Unter- und Obergewand, und danach die heilige Schnur; darauf gebe der Priester dem Gott das Mundspülwasser. (50) (Nun der dritte: der Schmuck-Sitz) Danach verehre er, nach dem Besprengen usw., den Schmuck-Sitz; (51) nachdem er es angekündigt und die Sandalen gegeben hat, wenn der Gott den Sitz eingenommen hat, bereite er sodann die Ehrwasser-Gefäße usw. wie zuvor vor. (52) Ehrwasser, Fußwasser gebe er sodann, danach das Mundspülwasser; mit Duftstoff, Gewand, Sandelholz und weiteren Substanzen bereite er das Ehrwasser erneut. (53) Dann reiche er bunte Gewänder und Ehrengaben (dakṣiṇā); die Gabe der heiligen Schnur, danach das Mundspülwasser. (54) Die Darbringung von Duftstoff und Blüte, sowie das Vorzeigen des Spiegels; Räucherwerk und Lampe gebe er ebenso, wiederum das Mundspülwasser. (55) Sodann rezitiere er einen Lobpreis, das Vorzeigen von Schirm und Chauris (Yak-Schweifwedeln); das Zeigen der Fahrzeuge und danach den Muschelhorn-Klang. (56) Und ebenso das Hören des Klangs von Vīṇā, Kāhala-Horn, Kesselpauke usw.; mit Tanz, Instrumentalmusik, Gesang usw. verehre er sodann mantragemäß. (57) Mit dem Wurzelmantra gebe der Priester dem Gott eine Blüte; eine Blütenhandvoll in jede Richtung, der Umschreitung vorausgehend. (58) Nachdem er dies dargebracht und sich wiederum verneigt hat, preise er den Gott mit Lobgesängen; er kündige sich selbst dem Erhabenen zur Dienstbarkeit (kiṃkaratva) an. (59) Sodann, meditierend, rezitiere er den Mantra nach Vermögen, gesammelten Sinnes; nachdem er den Ācārya mit Duftstoff, Blüte usw. verehrt hat, o Weiser, sodann (60) huldige er ihm mit allen Genüssen und trage ihm die Mantras vor; Mundparfum gebe er ihm sodann, sowie Betel und Ehrwasser. (61)
V.49-61: Fortsetzung der Übergießungszeremonie (abhiṣeka) bis hin zum dritten Schritt, dem 'Schmuck-Sitz' (alaṃkārāsana): vollständige Wiederholung der Ehrwasser-Fußwasser-Sequenz mit Gewändern, Schmuck, Ehrengaben; anschließend Lobpreis mit Schirm, Chauris, Fahrzeugen, Muschelhorn und Musikinstrumenten, Blütenopfer mit Umschreitung, Selbsthingabe zur Dienstbarkeit, abschließend Verehrung des Ācārya (des amtierenden Priesters) mit denselben Ehrengaben. [Anm.: An dieser Stelle vermerkt eine handschriftliche Fußnote der benutzten Druckausgabe (Rāmānujācārya 1926), dass in einigen Handschriften ab hier 24 Verse fehlen — eine rein textkritische Angabe zur Handschriftenlage, hier der Vollständigkeit halber vermerkt, jedoch ohne Auswirkung auf die durchgehende Verszählung der vorliegenden, auf der gedruckten Ausgabe beruhenden Übersetzung.]
(atha caturthaṃ bhojyāsanam)
bhojyāsanamathābhyarcya devaṃ vijñāpya pāduke |
dadyāttatropaviṣṭe'sminpādayorācamanaṃ tataḥ ||62||
arhaṇaṃ ca tataḥ kṛtvā dadhyājyakṣīramākṣikam |
gandhaṃ ca pātre nikṣipya śodhanādikamācaret ||63||
saṃprokṣyā'rghyajalenaiva madhuparkamatho diśet |
tato dadyātsuvarṇaṃ ca gāṃ ca ratnāni pūjakaḥ ||64||
(havirnivedanam)
susaṃskṛtānnamājyaṃ ca dadhikṣīramadhūni ca |
mūlāni modakānsnigdhānvyañjanāni phalāni ca ||65||
yāni kālopapannāni śucīni guṇavanti ca |
svādiṣṭhāni priyabhūtāni havyānyanyāni yāni ca ||66||
viśodhya śodhanaistu saṃprokṣyā'rghyajalena tu |
vidhāya rakṣāmaṃtreṇa havirarhaṇapūrvakam ||67||
mudrāṃ tu surabhiṃ kṛtvā devāyaitannivedayet |
anuvāsaṃ tato dadyādarpaṇaṃ ca tataḥ param ||68||
dadyādācamanīyaṃ ca hastamārjanacandanam |
mukhavāsaṃ ca tāmbūlaṃ pradāya praṇamya ca ||69||
(Nun der vierte: der Speise-Sitz)
Nachdem er den Speise-Sitz verehrt und es dem Gott angekündigt und die Sandalen gegeben hat, gebe er, wenn dieser dort Platz genommen hat, sodann das Fußwasser. (62) Nachdem er sodann die Ehrung mit Dickmilch, Ghee, Milch, Honig vollzogen hat, und Duftstoff in ein Gefäß gegeben hat, vollziehe er die Reinigung usw. (63) Nachdem er mit dem Ehrwasser besprengt hat, biete er sodann den Madhuparka (Honig-Ehrentrunk) dar; dann gebe der Verehrer Gold, eine Kuh und Edelsteine. (64) (Die Darbringung der Opferspeise) Wohlbereitete Speise und Ghee, Dickmilch, Milch, Honig; Wurzeln, ölige Süßspeisen, Würzbeilagen und Früchte, (65) was auch immer der Jahreszeit gemäß, rein und vortrefflich ist, höchst wohlschmeckende, beliebte Opfergaben und was es sonst noch gibt — (66) nachdem er dies mit den Reinigungsmantras gereinigt und mit dem Ehrwasser besprengt hat, nachdem er mit dem Schutzmantra den Schutz bewirkt hat, die Opferspeise, der Ehrung vorausgehend, (67) und nachdem er das Surabhi-Handzeichen (mudrā) geformt hat, biete er dies dem Gott dar; die Anuvāsa-Duftung gebe er sodann, und danach das Darreichen erneut. (68) Er gebe das Mundspülwasser, Sandelholzpaste zum Abwischen der Hände; und nachdem er Mundparfum und Betel dargereicht und sich verneigt hat. (69)
V.62-69: Vierter Schritt, der 'Speise-Sitz' (bhojyāsana): Fußwaschung, Ehrengaben (Dickmilch/Ghee/Milch/Honig), Madhuparka-Trank, Gold/Kuh/Edelstein-Gabe, ausführlicher Katalog der Opferspeisen (Reis, Süßspeisen, Früchte usw.), Reinigungs- und Schutzriten der Speise, Darbringung mit der 'Surabhi'-Handgeste, abschließende Reinigungs- und Höflichkeitsriten.
(atha punarmantrāsanaṃ pañcamam)
atha mantrāsanaṃ nyasya kūrcena pariśodhya ca |
gandhapuṣpādinā'bhyarcya dadyādvijñāpya pāduke ||70||
tathā'dhirūḍhe deveśe mālyādikamapohya tu |
pādyācamanake datvā tato bhojyaṃ nivedayet ||71||
svādiṣṭhāni phalānyasmai datvā tāmbūlameva ca |
gītavāditranṛtyādyairdevamabhyarcayettataḥ ||72||
pradakṣiṇaṃ vidhāyāsmai praṇamedaṇḍavattataḥ |
(atha ṣaṣṭhaṃ paryaṅkāsanam)
atha paryaṅkamabhyarcya devaṃ vijñāpayettataḥ ||73||
tataḥ pādukadānena deve paryaṅkamāsthite |
pādyācamanīyaṃ ca punardatvā samāhitaḥ ||74||
mālyabhūṣaṇakādīni vyapanīya mahāmate |
śayanocitamālyāni bhūṣaṇānyatha śuklāni ca ||75||
sukhasparśāni cānyāni dadyādyajñopavītakam |
dadyādācamanīyaṃ ca gandhaṃ puṣpamatho diśet ||76||
mukhavāsaṃ ca tāmbūlaṃ datvā stotraiḥ stuvīta tam |
aṣṭāṅgena praṇāmena praṇamya śaraṇaṃ vrajet ||77||
(Nun wiederum der fünfte: der Mantra-Sitz)
Dann, nachdem er den Mantra-Sitz aufgestellt und mit dem Grasbüschel (kūrca) gereinigt hat, verehre er mit Duftstoff, Blüte usw.; nachdem er es angekündigt hat, reiche er die Sandalen. (70) Und wenn der Herr der Götter so den Sitz bestiegen hat, entferne er die Kränze usw.; nachdem er Fußwasser und Mundspülwasser gegeben hat, biete er sodann Speise dar. (71) Nachdem er ihm die wohlschmeckendsten Früchte und ebenso Betel gegeben hat, verehre er den Gott sodann mit Gesang, Instrumentalmusik, Tanz usw. (72) Nachdem er für ihn die Umschreitung vollzogen hat, verneige er sich sodann stabartig (daṇḍavat). (Nun der sechste: der Ruhelager-Sitz) Dann, den Ruhesitz (paryaṅka) verehrend, kündige er ihn dem Gott sodann an. (73) Sodann, wenn der Gott, nach Gabe der Sandalen, das Ruhelager eingenommen hat, gebe er, gesammelten Sinnes, wiederum Fußwasser und Mundspülwasser. (74) Nachdem er Kränze, Schmuckstücke usw. entfernt hat, o Großgesinnter, gebe er dem Ruhen angemessene Kränze, Schmuckstücke und weiße Gewänder, (75) sowie andere, angenehm zu berührende Gewänder; er gebe die heilige Schnur, das Mundspülwasser, und biete sodann Duftstoff und Blüte an. (76) Nachdem er Mundparfum und Betel gegeben hat, preise er ihn mit Lobgesängen; nach der achtgliedrigen Verneigung Zuflucht suchend, gehe er in seinen Schutz. (77)
V.70-77: Fünfter Schritt (nochmals der Mantra-Sitz) mit Speisedarbringung, Musik und Umschreitung; sechster Schritt, der 'Ruhelager-Sitz' (paryaṅkāsana): der Gott wird zum symbolischen Ausruhen geleitet, mit Wechsel der Gewänder und Schmuckstücke zu für das Liegen geeigneten, abgeschlossen mit Lobpreis und der achtgliedrigen Prostration (aṣṭāṅga-praṇāma).
Zusammen mit der Umschreitung, den Gott, im Yogasitz weilend, mitsamt der Verinnerlichung der Herzensreinheit, auf dem Erdboden niederlegend, (78) die beiden Hände und die vier Glieder (Knie und Füße) sowie das Haupt als fünftes ebendort [Text unsicher, ? — die genaue Aufzählung der Prostrationsglieder ist beschädigt] — (Gebet der Dienstbarkeit) »Was immer ich Ungutes getan habe, sei es aus Unwissenheit oder aus Wissen, (79) das sollst du mir alles verzeihen und mich in Dienstbarkeit annehmen« — so vollziehe er die Verehrung, auf beiden Angesichtern (in beiden Erscheinungsformen) den Hari anrufend, (80) Sudarśana und Narasiṃha, die Sudarśana genannte Viṣṇu-Gestalt. (Dass die so vollzogene Verehrung ein Mittel zur Erlösung ist) Für den, der so verehrt, und sei es auch nur einen einzigen Tag, o Nārada, (81) steht die Erlösung bereits in der Hand — was denn erst alle übrigen Wünsche! (Der Erst-recht-Schluss auf die Erlangung der Nebenfrüchte) Dadurch werden die Weltenhüter und ebenso alle Götterscharen, (82) die Siddhas, Gandharvas und Yakṣas, die Nāgas und die Scharen der Apsaras — alle werden hier untertan; was denn erst die Menschen auf Erden! (83) Bhūtas, Pretas, Piśācas, Kūṣmāṇḍas und Vināyakas — sie alle werden dem großherzigen Übenden zu Dienern werden. (84) (Die Vorschrift zur Verehrung des Gefolges) Ebenso soll die Verehrung von dessen Gefolge — den Gottheiten, den Kraft-Gemahlinnen, den Mantras und den Waffen — mit ihren jeweils eigenen Namen (85) und mit den sechzehn, auf 'namaḥ' endenden Ehrengaben der Reihe nach vollzogen werden.
So lautet im ehrwürdigen Pāñcarātra, im Tantrarahasya, in der Ahirbudhnya-Saṃhitā der achtundzwanzigste Lehrabschnitt mit dem Titel »Die Darlegung der Verehrungsweise des Erhabenen«.
Om.
(Verse von Anfang an: 1696)
V.78-85: Abschließende achtgliedrige Prostration mit Selbstbekenntnis der Verfehlungen und Bitte um Vergebung sowie Aufnahme in die Dienstbarkeit (prapatti-artiges dāsya-Gebet); Verheißung, dass ein einziger Tag solcher Verehrung bereits Erlösung verbürgt, gefolgt vom Erst-recht-Schluss (kaimutika) auf die Unterwerfung aller Weltenhüter, Götter, Halbgötter, Dämonen und Geisterwesen; abschließend die Anweisung zur Verehrung des gesamten Gefolges (Gottheiten, Śakti-Gemahlinnen, Mantras, Waffen) mit den sechzehn traditionellen Ehrengaben (ṣoḍaśopacāra). V.79 im Detail OCR-unsicher [?]. Kolophon bestätigt kumulativ 1696 Verse (1611+85).