Paṭala 33: śrīsudarśanaprabhāvavarṇane maṇiśekharopākhyānavarṇanam
Die Erzählung von der Erscheinung der Macht des heiligen Sudarśana im Rahmen der Maṇiśekhara-Legende
Dieses Kapitel bildet inhaltlich einen deutlichen Neueinsatz: Nach den vorangegangenen Yantra- und Yoga-Kapiteln kehrt es zur Grundfrage nach dem Wesen Sudarśanas selbst zurück. Im ersten Teil (V.1-23) identifiziert Ahirbudhnya das Cakra-Prinzip mit dem kosmischen Zeitrad, dem 'Welten-Rad' der 24 Sāṃkhya-Prinzipien und dem körperlichen Nabel-Rad, und erklärt sodann sämtliche Verehrungsgestalten der verschiedenen indischen Schulen (Śiva, Brahmā, Viṣṇu, Rudra, Buddha, Jina, der vedische Opfer-Puruṣa, der Puruṣa der Mīmāṃsā und des Sāṃkhya) für Erscheinungsformen ein und desselben höchsten Wesens — eine klassische inklusivistische Synthese der Pāñcarātra-Theologie. Im zweiten, weitaus umfangreicheren Teil (V.24-100) folgt als exemplarische Erzählung (itihāsa) die vollständige Legende von König Maṇiśekhara, der mithilfe des Weisen Durvāsas und des Hauspriesters Kratu durch die Verehrung des Sudarśana-Cakra in Sālagrāma den unbesiegbaren Dämon Vikaṭākṣa besiegt — eingebettet darin die ätiologische Erzählung von der Entstehung des heiligen Ortes Sālagrāma im Varāha-Avatāra. Das gesamte Kapitel wurde, als einzigartiges narratives und theologisches Material, vollständig übersetzt; zahlreiche Einzelstellen sind durch die OCR-Vorlage beschädigt und mit [?] gekennzeichnet, ohne dass der Gesamtzusammenhang der Erzählung dadurch unsicher wird. Kolophon bestätigt exakt 100 Verse in diesem Kapitel (kumulativ 1948+100=2048). Quelle weiterhin Vol.2 (in.ernet.dli.2015.322565).
Nun die Erzählung von der Erscheinung der Macht des heiligen Sudarśana [im Rahmen] der Maṇiśekhara-Legende, der dreiunddreißigste Lehrabschnitt.
[Anrufungsstrophe wie in den vorigen Kapiteln, OCR-verderbt, [?].]
(Wiederholung des bisher Gesagten)
Śrī-Nārada sprach: Erhabener, alles wurde [von dir] dargelegt — das Wesen, ebenso die Eigenschaften, die Gefolgschaften und die Mantras, für das Königreich, samt den Gottheiten. (1) Mit den [verschiedenen] Kräften (śakti), den mannigfaltigen Kreisen (maṇḍala) und den vielfältigen Lotos[-diagrammen] wurde diese unübertreffliche Yantra-Gestalt im Einzelnen dargelegt. (2) O höchster Herr, für alle Lebewesen [und] Kasten, besonders aber für den Kṣatriya, wurde das Yantra zum Schutz verkündet. (3)
(Die Frage nach dem noch nicht Gesagten)
Die Herrlichkeit dieses Yantra-Königs wurde früher [von dir] dargelegt. Doch was ist Sudarśana selbst, was ist er zusammen mit seiner Gefolgschaft? (4) Zerstreue diesen meinen Zweifel, da du, o Herr, der Allwissende bist.
(Beginn der ausführlichen Antwort darauf)
Ahirbudhnya sprach: Diese Macht Sudarśanas wurde von mir bisher nur in Kürze dargelegt. Höre nun, göttlicher Weiser, diese ausführlich vorgetragene Darlegung. (6) Diese Fülle an Gefolgschaft ist im Allgemeinen den großen [Göttern] eigen [Text unsicher, ?].
(Dass alles die Natur Sudarśanas hat)
Daher besteht die ganze Welt, das Bewegliche und Unbewegliche, aus dem Diskus (Cakra).
(Dass eben der Diskus die Natur des Zeitrades hat)
Höre zuerst von der Zeit (kāla), die, ohne Anfang und Ende, die Natur des Rades hat. (8)
V.1-8: Kapiteleröffnung mit Rückverweis auf die vorangegangenen Yantra-Kapitel (20-29): Nārada bittet nun um das Wesen Sudarśanas selbst, nicht nur seiner äußeren Yantra-Form und Gefolgschaft. Ahirbudhnya leitet die 'ausführliche Darlegung' damit ein, dass die gesamte Welt — das Bewegliche wie das Unbewegliche — von der Natur des Diskus (Cakra) ist, und führt zunächst das kosmische 'Zeitrad' (kālacakra) als erste Konkretisierung ein.
(Die Darlegung des Wesens des Zeitrades)
Das unvergängliche, mit drei Naben und sechs Felgen versehene Rad, das aus dem Jahr (saṃvatsara) besteht — das wird das Zeitrad (kālacakra) genannt. (9)
(Dass alles der Macht des Zeitrades unterworfen ist)
In dessen Macht steht das Universum, das aus Belebtem und Unbelebtem besteht.
(Dass der höchste Gott der Lenker des Zeitrades ist)
Der Gott, der die Gestalt des Rades trägt, lässt eben dieses [Rad] sich drehen. (10)
(Die Darlegung des Wesens des Welten-Rades)
Von der Unmanifestierten (avyakta) bis zu den [gröbsten] Besonderheiten [der Elemente] — dies wird als sein Wesen erklärt; es ist mit einer aus den vierundzwanzig [Sāṃkhya-Prinzipien] gebildeten, im Puruṣa gründenden Felge versehen. (11)
(Dass der höchste Gott dessen Antreiber ist)
Dies wird als das 'Welten-Rad' bekannt, und er selbst treibt es an.
(Die Einheit des höchsten Gottes mit dem Nabel-Rad)
Durch das zwölfspeichige Nabel-Rad wird das verkörperte Wesen gehalten. (12) Durch eben dieses, in Gestalt des Rades befindliche [Prinzip], wird der Körper getragen [?].
(Die Schlussfolgerung, dass der höchste Gott der Antreiber ist)
Daher ist Janārdana der Antreiber von allem. (13) Er, glanzvoll in Sudarśana-Gestalt, ohne Anfang, [die] Quelle und [das] Vergehen [von allem];
(Dass eben er die Ursache von Entstehung, Bestand und Vergehen der Welt ist)
der Erhabene, von der Natur der Erkenntnis, die Verkörperung der vollständigen sechs [göttlichen] Eigenschaften (ṣāḍguṇya). (14) Eben er ist der Schöpfer, Erhalter und Beender aller Wesen.
(Dass eben er in Śiva-Gestalt von den Śaivas verehrt wird)
Eben er, der Weise, wird in Gestalt Śivas von den Śaivas verehrt. (15)
V.9-15: Kosmologische Entfaltung der Cakra-Natur des Höchsten: das 'Zeitrad' (kālacakra, mit drei Naben und sechs Felgen — vermutlich auf die drei Jahreszeiten-Gruppen bzw. sechs Jahreszeiten anspielend), das 'Welten-Rad' (jagaccakra, aus den 24 Sāṃkhya-Prinzipien gebildet) und das im Körper befindliche zwölfspeichige 'Nabel-Rad' (nābhicakra, vgl. bereits Kap.32) werden als drei Erscheinungsweisen ein und desselben, vom höchsten Gott angetriebenen kosmischen Prinzips identifiziert. Es folgt der Beginn der Reihe von Identifikationen des Höchsten mit den Göttern der verschiedenen Schulen, beginnend mit Śiva.
(tasyaiva brahmarūpeṇa jagatsṛṣṭikartṛtvam)
sa eva brahmarūpeṇa sṛjatyetaccarācaram |
(tasyaiva svāṃśarūpeṇa jagatpālakatvam)
sa eva prāṇayatyetadviṣṇubhūtvā janārdanaḥ ||16||
(tasyaiva rudrarūpeṇa saṃhartṛtvam)
sa eva rudrarūpeṇa saṃharatyakhilaṃ jagat |
(tasyaiva buddharūpatvam)
buddhātmanā ca bauddhānāṃ sa eva jagati sthitaḥ ||
(tasyaiva digambararūpatvam)
sa eva jainānāṃ cāpi nirāvaraṇarūpadhṛk |
(tasyaiva jinarūpatvam)
sa eva cārvākamate [?] jineśvaravapurdharaḥ ||18||
(tasyaiva yajñapuruṣarūpatvam)
sa eva yājñikānāṃ ca yajñapuruṣasaṃjñakaḥ |
(mīmāṃsakamate puruṣasyaivopāsyatvam)
mīmāṃsakaḥ sa evāyamupāsyatvena codyate ||19||
(kāpilamate tasyaiva puruṣarūpatvam)
kāpilaḥ puruṣatvena sa evākhyāyate vibhuḥ |
(tattadrūpatvenāsyaiva sarvarūpatvam)
upāsyatvena ye prāhurye tattadrūpadharaiḥ ||20||
teṣāṃ manīṣitaṃ sarvaṃ sa evāśu prayacchati |
(devādirūpadhāraṇādapi cakrarūpadhāraṇaṃ bhagavataḥ priyatamam)
eteṣāmeva devānāṃ svatanūnāṃ janārdanaḥ ||21||
paraṃ prīṇāti bhagavāṃścakrarūpadharo hariḥ |
(tatra hetunirūpaṇam)
svataḥsamādhitattvasya pareṣāṃ ca nirvahaṇe ||22||
idameva vapuradhatte sudarśanamayaṃ hariḥ | rahasyametatkathitaṃ bhakto'sīti tapodhana ||23||
(Dass eben er in Brahmā-Gestalt der Schöpfer der Welt ist)
Eben er erschafft in Brahmā-Gestalt dieses Bewegliche und Unbewegliche.
(Dass eben er in seiner eigenen Teilgestalt der Erhalter der Welt ist)
Eben er, Janārdana, belebt dies, indem er zu Viṣṇu wird. (16)
(Dass eben er in Rudra-Gestalt der Zerstörer ist)
Eben er zerstört in Rudra-Gestalt die gesamte Welt.
(Dass eben er die Gestalt des Buddha hat)
Und als Seele des Buddha steht eben er, für die Buddhisten, in der Welt.
(Dass eben er die Gestalt des 'Gewandlosen' trägt)
Eben er trägt auch für die Jainas die 'unverhüllte' [nackte, digambara] Gestalt.
(Dass eben er die Jina-Gestalt hat)
Eben er trägt [selbst noch für andere Schulen, ?] den Leib des Herrn Jina. (18)
(Dass eben er die Gestalt des Opfer-Puruṣa hat)
Und eben er ist für die Opferpriester der sogenannte 'Opfer-Puruṣa'.
(Dass nach der Mīmāṃsā-Lehre eben der Puruṣa zu verehren ist)
Eben dieser wird von den Mīmāṃsakas als der zu Verehrende gelehrt. (19)
(Dass nach der Kāpila-Lehre eben er die Puruṣa-Gestalt hat)
Eben er, der Alldurchdringende, wird von den Anhängern Kapilas als 'Puruṣa' bezeichnet.
(Dass eben er, in jeweils verschiedenen Gestalten, alle Gestalten ist)
Wen auch immer die verschiedenen Schulen in ihren jeweiligen Gestalten als den zu Verehrenden bezeichnen, (20) — all ihre Wünsche gewährt eben er unverzüglich.
(Dass dem Erhabenen das Tragen der Diskus-Gestalt lieber ist als selbst das der Götter-Gestalten)
Doch mehr als diese eigenen Gestalten der Götter (21) erfreut sich der Erhabene, Hari, daran, die Diskus-Gestalt zu tragen.
(Die Darlegung des Grundes dafür)
Denn dies dient sowohl der eigenen Verwirklichung der Wahrheit als auch der Vollbringung der Aufgaben für andere [?]. (22) Eben diesen aus Sudarśana bestehenden Leib nimmt Hari an. Dieses Geheimnis wurde dir mitgeteilt, weil du ein Verehrer bist, o Askese-Reicher. (23)
V.16-23: Fortsetzung und Abschluss der Identifikationsreihe: Brahmā (Schöpfung), Viṣṇu (Erhaltung als 'eigene Teilgestalt'), Rudra (Zerstörung), der Buddha, der nackte Jina der Jainas, der 'Opfer-Puruṣa' der vedischen Opferpriester, der von den Mīmāṃsakas verehrte Puruṣa und der von den Sāṃkhya-Anhängern (Kāpila) gelehrte Puruṣa — sämtliche als verschiedene Verehrungsgestalten ein und desselben höchsten Wesens entlarvt, eine für die Pāñcarātra-Theologie charakteristische inklusivistische Synthese aller religiösen und philosophischen Systeme. Von allen diesen Gestalten sei jedoch die Diskus-Gestalt (Sudarśana) dem Erhabenen selbst die liebste — dies als 'Geheimnis' an den Verehrer Nārada weitergegeben, und Überleitung zur folgenden exemplarischen Erzählung (itihāsa). V.18 (Cārvāka-Bezug) philosophiegeschichtlich auffällig, da die Cārvāka-Materialisten klassischerweise jede Gottheit ablehnen; möglicherweise Textverderbnis oder polemische Zuspitzung des Verfassers, mit [?] markiert.
(Ein Beispiel dazu: eine alte Geschichte)
Höre, Sohn der Götter, von mir erzählt, ein Geschehnis der Vorzeit: Es gab einen königlichen Weisen namens Durga, rechtschaffen, von fester Tapferkeit, (24) den glanzvollen Sohn des Pramaganda, wohnhaft in der Stadt Naicāśākhapura, der der Ordnung gemäß die aus den sieben Kontinenten (dvīpa) bestehende Erde regierte. (25) Vatsā mit Namen war seine Hauptgemahlin, von vortrefflicher Schönheit; mit ihr zeugte er den Sohn Maṇiśekhara. (26) Und auch dieser Maṇiśekhara, nachdem er das erste Lebensalter durchschritten hatte, war von liebreizender Gestalt, tapfer, gelehrt und ein Bezwinger der Feinde. (27) Nachdem der Herr Durga seinen Sohn, der der Herrschaft über alle Welten würdig war, dort auf dem Thron eingesetzt hatte, ging er selbst zur Askese in den Wald. (28) Wie einst sein Vater regierte er nun die vom Ozean umgebene Erde. (29) Ihm wurden [in der Folge, ?] sieben hochherzige Söhne geboren; und Maṇiśekhara beherrschte die gesamte Erde. (30)
V.24-30: Beginn der exemplarischen Erzählung (itihāsa): Der rechtschaffene König Durga, Sohn des Pramaganda, herrscht über die siebeninselige Erde von seiner Stadt Naicāśākhapura aus; sein Sohn Maṇiśekhara mit der Gemahlin Vatsā wird eingesetzt, während Durga sich zur Askese zurückzieht; Maṇiśekhara regiert vorbildlich und zeugt sieben Söhne. V.30 im OCR unklar [?], sinngemäß als Fortsetzung der Herrschaftsbeschreibung wiedergegeben. Diese Rahmenhandlung führt zum eigentlichen Kern der Erzählung: der Bedrohung durch den Dämon Vikaṭākṣa.
(Die Entstehung des Dämons Vikaṭākṣa und dessen Bedrängung der Untertanen)
Zu jener Zeit entstand ein alle Lebewesen in Schrecken versetzender Asura (Dämon), bekannt unter dem Namen Vikaṭākṣa, der von Brahmā einen Gnadenerweis erhalten hatte. (31) Von eben diesem großen Dämon wurde die gesamte Erde bedrängt; und weiterhin wurde die Erde bedrängt noch unter dessen Sohn, Enkel und Urenkel. (32) Diese schrecklichen Dämonen, zu Tausenden, von furchtbarer Gestalt, von Vikaṭākṣa beauftragt, bedrängten alle Wesen. (33) Manche vertrieben sie in die Flucht, manche töteten sie, selbst Asketen; die für die Zweifachgeborenen (Brahmanen) gebotenen ständigen Opferhandlungen zerstörten sie. (34) Sie hinderten die vorgeschriebenen Handlungen aller Kasten und der jeweils in den vier Lebensstadien Befindlichen, ausnahmslos. (35) Alle Juwelen, die es auf der Erde gab, und die reichlichen Schätze ließ sich der große Dämon Vikaṭākṣa selbst darbringen. (36) Da meldeten alle von diesem Übeltäter bedrängten Untertanen dieses Geschehnis dem Erdenherrscher Maṇiśekhara. (37) Von großem Zorn ergriffen, fasste der lotosäugige König den Entschluss, gegen den großen Dämon Vikaṭākṣa in den Kampf zu ziehen. (38) Nachdem er alle Soldaten versammelt hatte, rüstete er sie aus; als seine Minister, versammelt, seine Kriegsrüstung erblickten, (39) sagten sie, unerschrocken, im Hinblick auf seinen Feldzug: 'Einst erlangte dieser Übeltäter von dem durch seine Askese zufriedengestellten Schöpfer (Brahmā) [den Segen]: (40) Von welchen Feinden auch immer du im Kampf herausgefordert wirst — durch diese sollst du unbesiegbar sein.' Nachdem Brahmā gesagt hatte 'so sei es', wurde Vikaṭākṣa über die Maßen hochmütig. (41)
V.31-41: Der Dämon Vikaṭākṣa, mit einem Unverwundbarkeits-Segen Brahmās ausgestattet (unbesiegbar durch jeden, der ihm im Kampf entgegentritt), unterdrückt über Generationen hinweg (durch ihn selbst, seinen Sohn, Enkel und Urenkel) die gesamte Erde: Zerstörung der Opfer, Behinderung aller Kasten- und Lebensstadien-Pflichten, Raub der Reichtümer. Als die geplagten Untertanen sich an König Maṇiśekhara wenden, rüstet dieser zum Krieg — woraufhin ihn seine Minister vor der Aussichtslosigkeit eines direkten militärischen Angriffs warnen, da Vikaṭākṣas Segen ihn gegen jeden im offenen Kampf begegnenden Gegner unbesiegbar macht.
(Wie die Minister den König zurückhalten; Beratung mit dem Hauspriester)
Daher wurde er von den ihm entgegengetretenen Feinden unbesiegbar. Darum, o König, ziehe auch du deine Kriegsrüstung gegen ihn zurück.' (42) Nachdem er diese von den Ministern vorgetragene Rede vernommen hatte, ließ der Herrscher der Erde von der Kriegsrüstung ab. (43) Nachdem der König den makellosen [Hauspriester] Kratu herbeigerufen hatte, beriet er sich mit diesem Kenner der Ratschläge (mantravid). (44-45)
(Die Frage nach dem Mittel, diesen großen Dämon zu besiegen)
'Mit welchem Mittel, Erhabener, könnten wir jenen schwer zu Bezwingenden besiegen? Sage es, damit alle irdischen Untertanen wieder in Frieden leben mögen.' (46)
(Die Antwort darauf)
So von ihm, dem Herrscher der Erde, befragt, sprach der Hauspriester, nachdem er lange nachgedacht hatte, zu Maṇiśekhara: (47) 'In der Tat ist er, hochmütig durch den [Brahmā-]Segen, im Kampf nicht zu besiegen — außer durch den Erhabenen Viṣṇu, den Träger von Muschelhorn, Diskus und Keule, (48) der dunkelblauen Regenwolke gleich [an Farbe], mit Augen wie geöffnete Lotosblüten, unermesslich, unendlich, den Gott der Götter, den Herrn der Welt [?], (49) von hohen, heilvollen Eigenschaften, den höchsten Vernichter des Dämonenstolzes [?] — es gibt in der Welt kein anderes Mittel, das ihm gleichkäme, o Herr der Erde. (50) Darum nimm, o König, aus eigenem Antrieb Zuflucht zu ihm, dem Gott, der die Gestalt des Diskus trägt und dem Schutz seiner Verehrer geweiht ist. (51) Das Mittel, ihn zu erlangen, kennt der vortreffliche Weise Durvāsas; durch dessen Gnade wird man imstande sein, jenen Dämon zu vernichten. (52) Darum gehe jetzt zu ihm, dem für alle Wesen Furchterregenden [Durvāsas, gefürchtet für seinen Jähzorn].' Nachdem der höchst rechtschaffene König sich entschlossen hatte, 'so sei es', (53)
V.42-53: Der König gibt seinen Kriegsplan auf, beruft seinen Hauspriester Kratu und fragt nach einem Mittel gegen Vikaṭākṣa. Kratu erklärt, nur Viṣṇu in Diskus-Gestalt (mit den klassischen Insignien Muschelhorn, Diskus, Keule) könne helfen, und verweist auf den für seinen Zorn berüchtigten, aber hier als Kenner des rettenden Mittels auftretenden Weisen Durvāsas. Mehrere Verse (V.44-53) sind im OCR an Einzelstellen unsicher [?] (u.a. die genaue Epitheta-Reihe in V.49-50 und V.53), der Handlungsgang bleibt jedoch klar: der König beschließt, Durvāsas aufzusuchen.
(Das Aufsuchen Durvāsas'; die Erzählung des Geschehnisses durch König und Hauspriester; das Lob des Kratu)
Er zog, zusammen mit jenem Hauspriester, aus dieser Stadt hinaus, um den großen Weisen aufzusuchen, der auf einem lieblichen Gipfel des Himavat Askese übte, (54) gekleidet in reine Baumrinde, mit reiner heiliger Schnur, Jaṭā-Haarflechten und ein Fell tragend, friedvoll, gleich lodernder Feuersglut. (55) Zu diesem so verweilenden Weisen ging der König mit seinem Hauspriester. Als dieser vortreffliche Weise die beiden, König und Hauspriester, erblickte, (56) empfing er sie beide der Vorschrift gemäß mit Willkommensgruß und sprach: 'Warum seid ihr an diesen Ort, mitten im Wald gelegen, gekommen? (57) Ich erkenne euch beide unmittelbar als Brahmane und Kṣatriya, beide von edler Gestalt; und dich, Held, erkenne ich als Maṇiśekhara, den Sohn des Pramaganda. (58) Wir haben gehört, dass die aus den sieben Kontinenten bestehende Erde deiner Herrschaft untertan ist. Ist es dir wohlergehend in allen deinen Pflichten des Reiches? (59) Beschützt du deine Untertanen recht, o Herrscher der Erde, selbst in deiner eigenen Pflicht stehend? Da du in Kratu einen solchen Hauspriester gefunden hast, was sollte dir da nicht gelingen? (60) [Denn er ist] ein den Veda mit den Hilfswissenschaften vollständig beherrschender Weiser, der Beste unter allen Asketen, friedvoll, selbstbeherrscht, rein, geduldig, wahrheitsredend, von festem Gelübde, kundig des Dharma, kundig aller Lehrschriften, erfahren in seinen Pflichten, (62) dankbar, von gutem Charakter, ein Priester, der selbst regelmäßig opfert, gesund, seiner eigenen Stadt zugetan, gegenüber allen gleichmütig, der Versenkung kundig, seherisch, höchst großzügig, standhaft, vom König geehrt, (63) von allen geschätzt, voll Glauben und Hingabe an den höchsten Menschen (Puruṣottama), kundig der sechs Verfahrensweisen der Staatskunst, erfahren in der rechten Führung, (64) geschickt, von edler Abkunft, ein ritueller Vollbringer, kundig seines eigenen Mantra, und mit anderen guten Eigenschaften ausgestattet — als solcher ist er als Hauspriester bekannt. (65) Ein solcher ist dieser Kratu, gleichsam ein zweiter Bṛhaspati in eigener Person; durch ihn magst du, Maṇiśekhara, alle deine Angelegenheiten bewältigen [?]. (66) Dennoch scheinst du wie einer gekommen, der von irgendwelchen Feinden gedemütigt wurde. Erzähle alles, o König: was ist der Grund deines Kommens?' (67)
V.54-67: König und Hauspriester suchen Durvāsas auf seinem Himavat-Gipfel auf; nach dem üblichen Willkommensritual erkennt der Weise die beiden sogleich und hält eine ausführliche Lobrede auf den Hauspriester Kratu (dessen zahlreiche Tugenden in klassischer Preis-Aufzählung aufgeführt werden), bevor er nach dem eigentlichen Grund des Besuchs fragt. Die Namensform 'Kratu' für den Hauspriester wird durch spätere Belegstellen (V.68 'Kratu-muni') im Text bestätigt.
(Der König schildert seine Notlage; Durvāsas beginnt die Erzählung vom Varāha-Avatāra)
Nachdem er so gesprochen hatte, verstummte der hochglänzende Asket. Da, von Kratu aufgefordert [?], sprach der König zu Durvāsas: (68) 'Die Angelegenheit meines Königreichs ist, vollständig erzählt, der Grund meines Kommens: mein eigenes Reich wird von dem Übeltäter Vikaṭākṣa bedrängt — (69) [ich berichte von] der Unbesiegbarkeit dieses großen Dämons durch [gewöhnliche] Feinde [infolge des Segens] Brahmās, [seinem] von Prajāpati erlangten Segen, und dem Wüten seiner Nachkommenschaft. (70) So [schilderte er] das vielfältige, von der Welt verabscheute Treiben jenes Dämons.' Nachdem er dies dargelegt hatte, verneigte er sich vor Durvāsas und sprach, von Demut erfüllt: (71) 'Sage mir das Mittel, ihn zu besiegen — ich habe bei dir Zuflucht genommen. Errette du den dem Dharma zugetanen König aus dieser Notlage. (72) Von dir allein werden die Welten seit jeher behütet, o Askese-Reicher.' Nachdem sie so gesprochen und sich vor dem vortrefflichen Weisen verneigt hatten, standen sie vor ihm. (73) Sie mit höchstem Mitleid betrachtend, gab er ihnen den [aus sechs Silben bestehenden, ?] höchsten Sudarśana-Mantra, der die Frucht der vier Lebensziele (Puruṣārtha) gewährt. (74) 'Mit diesem, durch eben diesen Hauspriester, erlange dein Verlangtes; denn eben der Hauspriester ist der Bewirker des sichtbaren und unsichtbaren Zwecks der Könige. (75) Besonders bei der Weihe, Verehrung usw. dieses Gottes [wirkt der Priester]; jeder Mangel dabei entsteht durch die Verfehlung des Hauspriesters. (76) Ebenso entsteht der Erfolg eben dieses Mantra in den Angelegenheiten des Königs, o Nārada, durch die übrigen priesterlichen Handlungen; dessen Erfolg hängt ebenso von diesen ab.' (77) Nachdem er dies gesagt hatte, erzählte ihnen der große Weise sodann ein Geschehnis der Vorzeit: 'Der erhabene Puruṣottama, die Eberform (Varāha) angenommen habend, (78)'
V.68-78: Der König schildert Durvāsas ausführlich seine Notlage; dieser gibt ihm und dem Hauspriester Kratu, von Mitleid bewegt, den Sudarśana-Mantra und betont die zentrale, unverzichtbare Rolle des Hauspriesters bei dessen Wirksamkeit — ein Motiv, das die im Pāñcarātra zentrale Stellung des Ācārya/Purohita unterstreicht. Anschließend beginnt Durvāsas, zur Begründung, warum gerade der Ort Sālagrāma für die Verehrung zu wählen sei, die Erzählung vom Eber-Avatāra (Varāha) einzuflechten. Mehrere Details (u.a. die genaue Silbenzahl des Mantra in V.74, 'ṣaḍguṇa' [?]) bleiben durch OCR-Verderbnis unsicher.
(Die Erzählung von der Entstehung Sālagrāmas im Varāha-Avatāra)
Er hob damals, im Varāha-Kalpa, die Erde aus den Wassern empor. Da sprach, höchst erfreut, die Göttin Vasundharā (Erde) zum Gott: (79) 'Zum Wohle derer, die dir auf dem Erdkreis stets zugetan sind, sollst du, o Herr der Welt, eine liebe Gestalt annehmend, [hier bleiben, ?]. (80)' So von der Göttin gebeten, wohnte Keśava seitdem im heiligen, 'Sālagrāma' genannten Bezirk der Erde. (81) [Dort weilt er] glanzvoll in Sudarśana-Gestalt, der Erhabene, seinen Verehrern zugetan; und ferner, o Göttin, durch seine eigene Größe, aus Mitleid mit seinen Verehrern, (82) ist Hari, auf die Bitte der Erde hin, dort gegenwärtig, seinen Wohnsitz habend. Was für Askese auch immer hier vollbracht wird, wird tausendfach [an Frucht] vermehrt. (83) Menschen, Tiere, Würmer und Vögel, die dort, mit den Zeichen von Muschelhorn und Diskus [gebrandmarkt], sterben — sie [erlangen Erlösung], ohne Zweifel [?]. Der lotosäugige Erhabene, die Sudarśana-Gestalt tragend, der Ozean guter, heilvoller Eigenschaften, ist dort stets gegenwärtig. (85) Die dort in jener Gegend Wohnenden — Erhabene, Götter, Tiere ebenso wie unbewegliche Bäume, alle mit dem Zeichen des Diskus [gebrandmarkt] — [erlangen dort Heil]. (86)
V.79-86: Der Ursprung der Heiligkeit von Sālagrāma: Als Viṣṇu in seinem Eber-Avatāra (Varāha) die Erde aus den Urwassern gehoben hatte, bat die dankbare Erdgöttin Vasundharā ihn, dauerhaft in liebevoller Gestalt auf der Erde zu verweilen; seitdem residiert Keśava/Viṣṇu in Sudarśana(-Diskus)-Gestalt am Ort Sālagrāma. Es folgt eine typische Tīrtha-Māhātmya-Passage über die vervielfachte Wirkung von Askese an diesem Ort und die erlösende Kraft, dort — mit den Zeichen von Muschelhorn und Diskus gebrandmarkt — zu sterben. Diese Begründung erklärt, warum Durvāsas den König gerade an diesen Ort zur Cakra-Verehrung weisen wird.
(Die durch Durvāsas gelehrte Verehrung Sudarśanas in Sālagrāma)
'Verehre du am heiligen Ufer der Sarasvatī, in Sālagrāma, Janārdana in Diskus-Gestalt, auf eben dem zuvor genannten Weg. (87) Durch dessen Gnade töte du deine Widersacher, die böse handeln; dann magst du das Land, von Feinden frei, regieren, wie zuvor.' Nachdem er dies zum König und dessen Hauspriester gesprochen hatte, verstummte der erhabene Durvāsas, der vortrefflichste unter den Weisen und der Beste der Selbstbeherrschten. (89) Da verbeugten sich der König und der Hauspriester vor ihm und zogen fort, in einem Himmelswagen nach Belieben aufsteigend, zur Stadt Naicāśākhapura. (90) Sodann begab er sich nach Sālagrāma und verehrte, nachdem er alle rituellen Materialien bereitgestellt hatte, den erhabenen Janārdana, den Herrn der Welt in Diskus-Gestalt, (91) eben durch den Hauspriester, gemäß dem Mantra; durch Verehrung (arcana), Rezitation (japa) und Meditation (dhyāna) betete der Herrscher der Erde. (92) Binnen eines Monats stellte er, mit höchster Hingabe, Hari zufrieden. Da erschien er, in Diskus-Gestalt, vor dem Herrscher der Erde. (93)
V.87-93: Durvāsas schließt seine Unterweisung mit der konkreten Anweisung zur Sudarśana-Verehrung in Sālagrāma; König und Hauspriester kehren heim und vollziehen einen Monat lang die vorgeschriebene Verehrung (arcana, japa, dhyāna) mit dem erhaltenen Mantra, woraufhin Hari selbst in seiner Diskus-Gestalt erscheint — der Höhepunkt der Erzählung wird damit eingeleitet.
(Die persönliche Erscheinung der Diskus-Gestalt; die Erschlagung Vikaṭākṣas)
[Der erschienene Gott trug] Keule, Musala-Keule, Muschelhorn, Diskus, Bogen, Fangseil, Elefantenhaken und Lotos in seinen acht göttlichen Armen, mit schönen Brauen und Augen [?], (94) reich an aufwärtsstehendem, tawnyfarbenem Haar, von roter Farbe, von großem Glanz, mit einem von Fangzähnen schrecklichen Antlitz, im Lotossitz thronend, (95) gekleidet in rote Gewänder, freudig, mit allem Schmuck geschmückt, mit himmlischen Girlanden auf der Brust anmutig geziert, mit hellem, sanftem Lächeln im Antlitz [?]. (96) Dann entstieg, aus dem Herzen kommend, aus Haris Brust, die Augen der Welt fesselnd [?], von leuchtenden, wellenartig sich ringelnden [Strahlen] umgeben, gleichsam vom Himmel herab, der höchste Diskus, überaus glänzend hervor. (97) Zunächst als einer, dann als zehn, dann als hundert derselben, der Reihe nach in die hundert Weltgegenden, dann als hunderttausend, als zehnmillionen — aus [seiner] Mundöffnung heraus vielfach [sich vervielfältigend] erfüllte er sodann mit [seinem] Glanz den gesamten Himmel. (98) Zugleich schlug er den Dämon Vikaṭākṣa, samt seinem starken Heer, nieder und vernichtete ihn; nachdem er hier seinen Zweck erfüllt hatte, verweilte er nur einen Augenblick und kehrte dann wieder [zu Hari] zurück. (99) Und so beherrschte Maṇiśekhara, von makellosem Ruhm, die Erde samt ihren Ozeanen und Wäldern, [nunmehr] Herr über alle bezwungenen Kontinente samt ihren Städten — so wie [Indra,] der Gemahl Śacīs, den Himmel samt seinen Göttern [beherrscht]. (100)
So lautet im ehrwürdigen Pāñcarātra, im Tantrarahasya, in der Ahirbudhnya-Saṃhitā der dreiunddreißigste Lehrabschnitt mit dem Titel »Die Erzählung von der Erscheinung der Macht des heiligen Sudarśana [im Rahmen] der Maṇiśekhara-Legende«.
Om.
(Verse von Anfang an: 2048)
V.94-100+Kolophon: Der Höhepunkt der Erzählung — die ausführliche, bildmächtige Beschreibung der erschienenen Gottesgestalt (achtarmig mit Keule, Musala, Muschelhorn, Diskus, Bogen, Fangseil, Elefantenhaken und Lotos, feuerfarben, im Lotossitz), gefolgt von der eigentlichen Wundertat: aus Haris Herzen/Brust tritt der Diskus selbst hervor und vervielfacht sich progressiv (1, 10, 100, 100.000, 10 Millionen) über den ganzen Himmel, bevor er in einem Augenblick den Dämon Vikaṭākṣa samt Heer vernichtet und zu Hari zurückkehrt. Maṇiśekhara regiert fortan makellos über die geeinte Erde, verglichen mit Indras Herrschaft über den Himmel. Kolophon bestätigt kumulativ 2048 Verse (1948+100) — das Kapitel weist damit exakt 100 Verse auf. Die metrisch anspruchsvolleren Schlussverse (V.97-99, in Upajāti-artigem Versmaß statt des sonst durchgehenden Anuṣṭubh) sind im OCR an mehreren Stellen stark verderbt [?] und wurden dem erkennbaren Sinn nach — die wunderbare Selbstvervielfältigung und Vernichtungstat des Cakra — rekonstruiert.