Paṭala 57: atha jyotiścakramantrārthanirūpaṇaṃ nāma saptapañcāśo 'dhyāyaḥ
Siebenundfünfzigstes Kapitel: Darlegung des Sinns der Jyotiścakra-Mantras (Gāyatrī, Jātavedase-Triṣṭubh und Tryambaka-Anuṣṭubh)
Quelle: Ahirbudhnya-Saṃhitā, Bd. 2 (archive.org in.ernet.dli.2015.322565), OCR ca. S. 599–612, Devanāgarī-OCR, stark verrauscht; sa-Feld in IAST rekonstruiert, unsichere Stellen mit [?]. Ausgehend vom „Lichtrad“ (Jyotiścakra, Kap. 23) legt Ahirbudhnya die drei berühmten vedischen Mantras aus, die dort verborgen sind: die Gāyatrī (Savitṛ, Bhargas, Deva, Dhīmahi), die Triṣṭubh „jātavedase sunavāma somam …“ (Soma = das gebundene Selbst, Agni = Gott) und die Anuṣṭubh „tryambakaṃ yajāmahe …“ (Selbstübergabe und Loslösung von der Fessel). Zugleich werden wie im vorigen Kapitel die durch Umkehr der Mantras entstehenden Geschosse (astra) angedeutet. Die in Klammern gesetzten Zwischenüberschriften stammen von den Herausgebern der Adyar-Ausgabe.
dhyātaṃ sakṛd bhavānekakoṭyaghaughaṃ haraty alam | sudarśanasya tad divyaṃ bhargo devasya dhīmahi ||
(tatra prathamaṃ gāyatryarthaprapañcane tacchabdasya bhagavatsaṃkalparūpasudarśanaparatvanirūpaṇam)
ahibudhnyaḥ |
yat tu jyotirmayaṃ pūrvaṃ jyotiścakre nidarśitam | sāvitraṃ nāma yaj jyotis tat sāvitrīsamāhvayam ||1||
tasya vyākhyām imāṃ samyag gadato me niśāmaya | saṃkalpaḥ kathito yaḥ sa sudarśanasamāhvayaḥ ||2||
yā sā mūrtir mahāśakter vaiṣṇavyāḥ koṭibhāgajā | śuddhāśuddhamayair bhāvais tanute vistṛṇāti tām ||3||
pratisaṃcaralekhāyāṃ tām ayad eva tāṃ punaḥ | tāyate tatra tatraiva bhūlayaśe dhārakātmanā ||4||
pramāṇatvena bhūyaś ca tattadarthatayā punaḥ | atas tad iti saṃkalpaḥ procyate vaiṣṇavaḥ paraḥ ||5||
(savitṛśabdasya jagatkāraṇatva-bhogamokṣapradatvādiguṇaviśiṣṭaparamapuruṣaparatvam)
prasoti sakalāś ceṣṭāḥ prasūte sakalaṃ jagat | bhavater gatikānyatvāt tarater dānakarmaṇaḥ ||6||
gato hy avati sarvatra ṣaḍbhiḥ kānto guṇaiḥ paraḥ | bhogāpavargayor dātā savitety nirucyate ||7||
(vareṇyaśabdasyopāsyatvaparatvam)
vareḥ neyaṃ vareṇyaṃ tu varā dhyātāra īritāḥ | varaṇīyaṃ vareṇyaṃ vā varaṃ nayati tat param ||8||
(bhargaḥśabdasya tacchabdavivakṣitasudarśananiṣṭhaguṇaviśeṣaparatvam)
bhargas tejaḥ samākhyātaṃ prabhāvaḥ kartṛrūpatā | bharatīdaṃ jagat kṛtsnaṃ saṃbharaty api ceśvarān ||9||
ramayaty api kṛtsnaṃ rāti cārtham abhīpsitam | gamayaty api tannāśaṃ syati bandham aśeṣataḥ ||10||
bharjayaty akhilaṃ kaṣṭaṃ bhrasjater enasaṃ tathā | ato bhargaḥ paraṃ viṣṇoḥ saṃkalpaṃ vidur adbhutam ||11||
Ahirbudhnya sprach: Das Licht, das früher im Jyotiścakra [Lichtrad, Kap. 23] dargelegt wurde, das „sāvitra“ genannte Licht, das den Namen „Sāvitrī“ trägt – dessen Erklärung vernimm nun von mir, der ich sie recht darlege. Der „Saṅkalpa“ [Entschluss, Wille], der genannt wurde, heißt „Sudarśana“. Jene Gestalt der großen Viṣṇu-Śakti, die aus einem Kotitel [Zehnmillionstel] hervorging, entfaltet und dehnt sie [die Schöpfung] durch reine und unreine Zustände aus; in der Linie der Wiederauflösung [pratisaṃcara] [?] … und wird [wieder] an jeweils eigener Stelle als Trägerin [dhāraka] ausgedehnt [?]; und wiederum als Erkenntnismittel und als jeweiliger Gegenstand. Daher wird „tat“ [„jenes“] als der höchste viṣṇuitische Saṅkalpa bezeichnet.
„Savitṛ“ [Erzeuger]: er bringt alle Bewegungen hervor („prasoti“), er gebiert das ganze Weltall; [vom Verb] bhū [werden] (mit dem Sinn von Bewegung [?]) und tṛ [hinübertragen] (mit dem Sinn des Gebens); [oder:] „gata“ [der Gegangene?] schützt (avati) überall, ist mit sechs Eigenschaften [guṇas] begehrenswert, der Höchste, der Geber von Genuss und Erlösung – so wird „Savitṛ“ [etymologisch] erklärt. „Vareṇya“ [der Wählenswerte]: die „Varas“ sind die Meditierenden [?]; wählenswert oder zu verehren: er führt zum höchsten Guten. „Bhargas“ heißt Glanz, Macht, das Handeln-als-Täter: er trägt (bharati) die gesamte Welt und trägt auch die Herren; er erfreut (ramayati) das Ganze und schenkt (rāti) das erwünschte Gut; er lässt (gamayati) deren Untergang gehen und zerschneidet (syati) die Fessel ganz; er röstet (bharjayati, √bhrajj) alles Leid und ebenso die Sünde. Daher kennen sie „bhargas“ als den wunderbaren höchsten Saṅkalpa Viṣṇus.
[?] V.4 im OCR nur bruchstückhaft lesbar („pratisaṃcaralekhāyāṃ tām ayad eva“); Deutung unsicher. V.6b „gatikānyatvāt“ und V.7a „gato hy avati“ unsicher (Varianten „gatā“/„gato“). V.8a „vareḥ neyam“ unsicher (Ausgangsverb √vṛ „wählen“ bzw. √vṛ „bedecken“). V.10a „kṛtsnaṃ“ (OCR „kṣatsarvam“) nach Sinn. V.11a „bhrasjater enasam“ (OCR „nehasaṃ“) nach Sinn. Die Etymologie von „bhargas“ zerlegt bha-ra-ga: bharati (trägt), ramayati (erfreut), gamayati (lässt gehen).
„Deva“ [Gott] bedeutet „Erleuchter“ (dyotana) aller Wesen, der selbst stets Leuchtende; er reinigt alles Nichtwissen und alles andere, die ganze Welt; darum ist dieses Ganze in ihm eingewoben wie Perlen auf einer Schnur; „īta“, „īraṇa“ und „īḍya“ [angerufen, bewegend, preiswürdig] [?]. „Deva“ heißt somit Viṣṇu, der Höchste Selbst, der Ewige. „Dhīmahi“ [„wir meditieren“]: hier bedeutet „dhī“ Erkenntnis, Nachsinnen und Sich-Vergegenwärtigen. „Dhiyaḥ“ [„die Einsichten“]: die von der Einsicht ausgehenden Tätigkeiten; „pracodana“ [das Antreiben] ist Anregung.
Zusammenfassender Satzsinn: Er, der allmächtige Savitṛ, der Gott, der ganz aus Bewusstsein besteht, der Allwissende, Herr, möge jene, jene Einsichten antreiben, [er,] die unvergängliche Ursache der Tätigkeiten von Schöpfung, Erhalt, Auflösung und Schutz. Den Saṅkalpa dieses Gottes, „Bhargas“ genannt, verehren wir. So wird der Sinn der Gāyatrī gesagt, die den Singenden schützt („gāyantaṃ trāyate“). Wer in beiden Dämmerungen [sie] verrichtet, erlangt höchste Brahmanenschaft; außerhalb tausendfach geübt [?], [bewirkt sie] in einem Monat das Gelingen [?]. Sie schützt vor großer Sünde und vor jedem Übel. Dreifach sind die unvergänglichen Mahāvyāhṛtis [„bhūḥ bhuvaḥ suvaḥ“], denen das Oṃ vorangeht; und diese [Gāyatrī ist] dreiteilig (tripadā): diese Dreiheit ist höchst reinigend.
Die Wesenheit (sattā) aller Wesen, die höhere und niedere Kraft Viṣṇus: sie heißt „bhūḥ“ [wörtlich Werden/Erde], weil diese Welt von selbst wird; die, welche [das Werden?] fortsetzend selbst diese Welt behütet, wird von den Guten „bhuvaḥ“ genannt, die die erschaffene Welt beschützende; und die, die den Guten beständig das Vortrefflichere, nämlich Genuss und Erlösung, hervorbringt, wird von den Guten „suvaḥ“ genannt – so die Vyāhṛti aufgrund ihrer Kraft.
Nun ein Hinweis auf die in der Gāyatrī verborgenen Geschosse (astra) wie das Brahmaśiras: Verse-Viertel für Verse-Viertel umgekehrt (pratiloma), „tad“ [als Beginn] und die Rik: das Geschoss „Brahmadaṇḍa“; wortweise [umgekehrt] wird das Geschoss „Brahmaśiras“ genannt; laut-weise das „Brāhma-Geschoss“, [das] aus der Umkehr der Vokale [entsteht]; „Subrahmāstra“, Vernichter aller Feinde; [und eine Reihe von Silbenbausteinen, mit denen das siebensilbige „Atibrāhma“-Geschoss und ein einsilbiges göttliches „ānanda“ gebildet werden]. So ist der Unterschied dieser Rik, in dem Umfang wie er hier gezeigt ist, dargelegt.
[?] V.13 „īta īraṇa īḍyaś ca vanitaḥ“ verderbt; V.18 „sādhinaḥ“ unsicher; V.21b–22 („bhūtvarātim samāsthāya“, „vasīyo“, „vyāhṛtir vīryataḥ“) verderbt. V.23–28: die Silben-Bausteine (ānanda, varuṇa, aprameya, caturgati, śaṅkha) sind Kürzel des Mantra-Verfahrens (vgl. Kap. 56: Umkehr eines Mantras ergibt ein astra, Vorwärtsfolge beruhigt); im OCR nicht sicher zu entziffern, daher nur sinngemäß wiedergegeben. Verszahl-Ziffern 21–22 fehlen im OCR.
Nun vernimm den Sinn dieser Triṣṭubh „jātavedase …“ [Ṛgveda 1.99.1: „Dem Jātavedas wollen wir Soma pressen …“]. „Jātavedas“: der, der alles Entstandene (jāta-jāta) in jedem Wesen stets kennt („veda“); „jāta“ ist das von Natur her Vollendete, sein Wissen, allezeit; „veda“ ist die Wesenheit (sattā) der großen Śakti, gekennzeichnet vom Pulsieren der Wonne; jene Göttin, die ihm stets aus dem Höchsten hervortritt, ist die Zuflucht der Welten. „Veda“ [kann auch] Überlegen heißen, und Überlegen [ist] vielfältiges Handeln: jenes Handeln, das bei Viṣṇu hervortritt, ist sein Alles-Wirken. Der Allwissende, Allmächtige, All-Tuende, der Puruṣottama ist als „Jātavedas“ bezeichnet.
„Soma“ ist das Selbst, [nämlich] das gebundene Selbst: das wird durch Unwissenheit in allen Schößen [Geburten] stets „gepresst/geboren“ (sūyate). „Sunavāma“ [„wir wollen pressen“]: hier wird damit die Herstellung der Eignung [des gebundenen Selbst, Diener Gottes zu sein] gesagt. Das Auspressen (√su) des eigenen Saftes des Soma ist ein Trennen; mit dem zu Saft gewordenen Soma ist das Opfer vollziehbar. Dieser Satzsinn des ersten Pāda ist ein Gleichnis: Wie man beim Opfer dem Jātavedas [Agni] den Soma presst, so trennt der Seher, der sich selbst dem Höchsten geben will, sein Selbst durch Unterscheidungserkenntnis (prasaṅkhyāna), das aus Gleichmut und Unebenheit [von Freude und Leid] hervorgeht, dem Wesen nach von Leib, Sinnesorganen, Denkorgan, Lebenshauch, Verstand und [den drei] Guṇas. So sich selbst dem Jātavedas hingebend, wird er, in ihm stehend, mit ihm gleichgesinnt, und durch das eigene [Wesen] will er den Sinn erkennen: [damit] ist der Sinn des Wortes „namaḥ“ auf andere Weise gezeigt.
Nun vernimm den Sinn des zweiten Pāda [„arātīyato ni dahāti vedaḥ“]: „arātīyan“ ist, wer sich wie ein Feind verhält; das ist als „Fessel“ bezeichnet, deren Grund falsches Erkennen ist. Deren „veda“ [Besitz/Wesenheit] gilt als die anfanglose Wesenheit der Kraft der Guṇas; der ewige Jātavedas verbrenne, um den gepressten Soma anzunehmen, selbst diese [Wesenheit] der Fessel, die jenem entgegensteht; er, nachdem er die Wesenheit, die im Verhaftetsein an die Guṇas besteht, gänzlich verbrannt hat [?], möge uns durch alle zu meidenden Untiefen (durgāṇi) hinüberführen. Auch hier wird Jātavedas mit dem Wort „agni“ bezeichnet: „er führt (nayati) das ganze Weltall, das zu ihm gekommen [und sich ihm] anvertraut hat, zu sich selbst“ – so wird das Wort „agni“ erklärt: der Agni, der Führer, führt die zu ihm hinzutretende Seele zu seinem eigenen höchsten Ort; er, der Jātavedas, führt uns über alle Untiefen.
[?] V.3 (33) „sa hy avidyāvaśāt“ (OCR „sa śayavidyāvahāt“) nach Sinn; V.40 „arātīyann iti proktaḥ“ (OCR „arātīyān kartuḥ“) unsicher; V.42 „dagdhvā“ (OCR „baddhvā“) nach Sinn; „heyatattvāni … akhilāni“ (OCR „heyatalāni … pāra-yalilāni“) verderbt. V.44 „aṅgīkāram“ unsicher. V.31: die Ziffer fehlt im OCR (Verszählung 31/32 rekonstruiert). Der vedische Text „jātavedase sunavāma somam …“ wird nur sinngemäß zitiert. Die Auslegung folgt dem Schema: Soma = gebundenes Selbst, Agni = Gott, Somapressen = Selbsthingabe.
Hier ist das Gleichnis „wie ein Schiff“: der Strom ist der große Ozean (sindhu); wie der Schiffer einen im Schiff sitzenden Mann mit dem Schiff hinüberbringt, [so ist] mit dem Wortpaar „duritā(ni) … ati“ das Hinübersetzen über das Unheil [gemeint]: „durita“ heißt Missstand (dausthya), der aus Wind, Regen usw. entsteht; „über das Unheil hinweg, immer wieder“ wird gesagt; das Übel, das Wind und Regen usw. [bringen], vermeidend, bringe der Schiffer den im Schiff sitzenden Mann über das Meer. So [ist es mit] dem Ehrwürdigen Agni Jātavedas, Hari selbst: das „durita“ [Unheil], die Anhäufung [rāśi-saṃghāta] [?], die die Erlösung verhindert, ganz und die Untiefe meidend, führe er hinüber zum Ziel [tattva-paddhati, „Weg zur Wahrheit“]. Aus dem Gleichnis „wie ein Schiff“ [folgt]: dem Menschen bleibt nur das Wissen um das Mittel; alles andere ist, wie beim Schiffer, Sache Haris.
[Es folgen die in diesem Mantra verborgenen Geschosse:] Umgekehrt Viertel für Viertel heißt es „Pāvaka-Geschoss“ (Feuer); wortweise, das „Jātavedas“-[Geschoss], das āgneya, ist laut-weise [aufgebaut]; vokalweise umgekehrt heißt es „Atyāgneya“. [Es folgen Zusammensetzungen aus den Silbenbausteinen caturgati, aprameya, udaya, sūkṣma, dharmeya, varāha, śaṅkha, piṇḍastha, ādideva, ānanda, varuṇa – die jeweiligen Silbenzahlen (fünfzehn, acht, drei, zwei usw.) sind im OCR teilweise verderbt.] Diese beiden Umkehrungen dienen der vollständigen Beruhigung und dem Heil (śānti-svastyayana). So ist dir die Weise der Triṣṭubh in Kürze dargelegt.
[?] V.47–48 „duritātyayaḥ“, „parihṛtya“ nach Sinn; V.50 „rāśisaṃghātam“ (OCR „rāsaṃghātam“) unsicher, möglich „rāgasaṃghātam“. V.52–61: technische Silbenlisten, im OCR stark verderbt; die eckige Klammer im 60./61. Vers-Bereich markiert eine ausgefallene bzw. stark entstellte Halbzeile. V.62 (Halbvers) hat im OCR keine Ziffer. Die Vers-Nummerierung folgt den OCR-Ziffern (52–63). Die lange Anmerkung der Herausgeber zur Prapatti-Lehre (Fußnote zu V.51) ist Kommentar und wurde nicht zur Grundlage der Übersetzung gemacht.
Nun vernimm die reinigende höchste Weise der Anuṣṭubh [„tryambakaṃ yajāmahe sugandhiṃ puṣṭivardhanam …“, Ṛgveda 7.59.12]. Wille (icchā), Erkenntnis (jñāna) und Tat (kriyā) sind die drei Mütter der Welt; wer diese drei als mächtige, die Welt erzeugende [Kräfte] besitzt, ist als „tryambaka“ [„Dreimütter-Besitzer“] zu erkennen: der, der mit Erkenntnis, Kraft und Tat ausgestattet ist.
„Yajāmahe“: Das Opfern (yajati) ist das Weggeben einer Gabe im Blick auf eine bestimmte Gottheit. „Sugandhi“ [„wohlriechend“]: der, dessen Duft (gandha) schön ist, heißt „sugandhi“; wer alles Schöne anzeigt, wird „sugandhi“ genannt; er, der alle Wirklichkeitsprinzipien (tattva) mit seinem eigenen Glanz gut durchduftet (gandhayati) und sie durch Durchdringung zu seinem eigenen Wesen macht – auch Duft usw. und alle Elemente, Erde usw. –, dessen Schönheit [ist es], dass sie unter der Macht des Gottes, des Herrschers, stehen: dieser wird „sugandhi“ genannt, das Wissens-Selbst, der Allwissende, der Gebieter. „Puṣṭivardhana“ [„Gedeihen-Mehrer“]: „puṣṭi“ [Gedeihen] heißt Fülle, nämlich jene aus Seiendem und Nichtseiendem bestehende Śakti Viṣṇus, die aus Viṣṇu besteht; er webt (vayati) sie selbst: durch seinen Saṅkalpa bringt er sie hervor, breitet sie in vielerlei Gestalt aus, hält und lenkt sie und zieht sie schließlich wieder ein; daher wird Viṣṇu, der Ehrwürdige, „puṣṭivardhana“ genannt.
Sinn des ersten Teils: Den, der die Gestalt von Wille, Erkenntnis und Tat hat, den „Schönen“ genannten, den Welt-Lieben, der durch [Erweis] seiner Gestalt seine Herrschaft kundtut, den Reinen, ganz aus Bewusstsein Bestehenden, Höchsten, den Herrn aller Welten, den Puruṣa, den Lotosäugigen – ihm, als der eigenen Gottheit, opfern wir die beste Gabe, „das Selbst“ genannt: dies ist der Sinn des ersten Teils des Mantras „yajāmahe“. Nun der zweite Teil: „Mṛtyu“ [Tod] wurde in der Erklärung des „Mṛtyumṛtyu“ [Kap. 54–56] schon erläutert. Der, der sein Selbst und das Seine diesem Gott, dem Höchsten Selbst, übergeben hat, [spricht:] „Ich möchte aus dem Kreislauf, aus dem großen Ozean vielfältigen Leids, befreit werden, wie die reife Gurke von ihrer Bindung [Stiel] gelöst wird [urvārukam iva]; wie sie vom Tod gelöst wird, so möge ich von der Fessel befreit werden“: er wünscht Standfestigkeit in der Übergabe [saṃnyāsa]: „nicht vom Unsterblichen (amṛta)“ [„mā 'mṛtāt“], d.h. nicht von jenem Brahman, dem ich mich hingegeben habe, möge ich je gelöst werden; das Heil (kṣema) sei mein.
So ist der Sinn der Anuṣṭubh gesagt: heilvoll, aus Brahman-Sein bestehend. Die drei Lichter (jyotis) sind [damit] dargelegt, und dieses ist die Dreiheit der Versmaße [Gāyatrī, Triṣṭubh, Anuṣṭubh].
So endet im Pāñcarātra-Tantrarahasya, in der Ahirbudhnya-Saṃhitā, das siebenundfünfzigste Kapitel: Darlegung des Sinns der Jyotiścakra-Mantras. Oṃ. (Von Anfang an: 3710 Verse.)
[?] V.66–69: die Verszahlen 68–69 fehlen im OCR; V.70 „vayati“ (Weben) unsicher; V.76 „aṅgeṣāt“ unsicher (Vedisches Vorbild: urvārukam iva bandhanān mṛtyor mukṣīya māmṛtāt). Das Kapitel deutet die drei Mantras (Gāyatrī, Jātavedase-Triṣṭubh, Tryambaka-Anuṣṭubh) als die „drei Lichter“ des Jyotiścakra (vgl. Kap. 23): Sudarśana als göttlicher Saṅkalpa (Gāyatrī), Selbsthingabe als Soma-Opfer an Agni-Viṣṇu (Triṣṭubh), Loslösung aus der Fessel bei bleibender Bindung an Brahman (Anuṣṭubh). Kolophon-Summe 3710 = 3631 + 79.