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Ahirbudhnya Saṃhitā

Paṭala 20: Mantragrahaṇādidīkṣāvidhānam Zwanzigstes Kapitel – Die Anordnung der Einweihung, beginnend mit dem Empfang des Mantra

Das Kapitel behandelt den gesamten dīkṣā-Vorgang: die Kennzeichen des rechten Ācārya und des rechten Schülers, die einjährige Prüfungszeit (V.1-13); eine hochtechnische, an mehreren Stellen OCR-verderbte Aṅga-/Kara- und spätere Saṃhāra-/Sṛṣṭi-Nyāsa-Prozedur zur Einsetzung der Mantra-Silben an Fingern, Händen und Körper (V.14-18, V.26-39, mit [Anm.] zusammengefasst); die mythologische Herleitung des Sudarśana-Mantra aus dem Atharva-Veda durch Ahirbudhnyas zehntausendjährige Askese auf Geheiß Saṅkarṣaṇas (V.21-25); das eigentliche Läuterungsritual und die Mantra-Übertragung vom Guru an den Schüler (V.40-48); und schließlich strenge Beschränkungen des Mantra-Gebrauchs (nur zum Schutz von Welt, Reich und König, niemals aus Gewinnsucht) samt Vorschriften zu Ort, Körperreinigung und Japa-/Homa-Zahlen der Vorbereitungsriten sowie ein abschließendes Geheimhaltungsgebot (V.49-58). Quelle: archive.org/DLI in.ernet.dli.2015.487334 (Adyar, Rāmānujācārya 1926); die OCR-Qualität schwankt stark zwischen den narrativen Passagen (gut lesbar) und den dichten Nyāsa-Verfahrensversen (mehrfach [?] und [Anm.] nötig).

oṃ | atha mantragrahaṇādidīkṣāvidhānaṃ nāma viṃśo'dhyāyaḥ | dhyātaṃ sakṛd bhavān ekakoṭivyādhoghahārī hare [?] | sudarśanasya tad divyaṃ bhargo devasya dhīmahi || (tatrādāvācāryalakṣaṇam) ahirbudhnyaḥ | vedavedāntatattvajño vidhāsthānavicakṣaṇaḥ | ūhāpohavidhānajño devapitṛkriyāparaḥ ||1|| avaktā cāpavādānām akartā pāpakarmaṇām | amatsarī parotkarṣe paraduḥkhe kṛpāparaḥ ||2|| dayāvān sarvabhūteṣu hṛṣṭaḥ parasukhodaye | puṇyeṣu muditāyukta upekṣāvān kubuddhiṣu ||3|| tapaḥsaṃtoṣarucādyo yogasvādhyāyatatparaḥ | pātrāpātravidhānajñas tantrāntaravicakṣaṇaḥ ||4|| tantrāṇām antaraṅgaś ca mantrāṇāṃ hṛdayatalavit [?] | padavākyapramāṇajño hetuvādavicakṣaṇaḥ ||5|| sāmānyasyāpavādasya vettā yantravicakṣaṇaḥ | kuṇḍamaṇḍalabhedajñaḥ kriyākāṇḍavicakṣaṇaḥ ||6|| adhyātmajñānakuśalaḥ śānto dānto jitendriyaḥ | sadanvayavayaḥsaṃbhūta ācāryo nāma vaiṣṇavaḥ ||7||

Oṃ. Nun [folgt] das zwanzigste Kapitel mit dem Namen 'Die Anordnung der Einweihung, beginnend mit dem Empfang des Mantra'. Einmal betrachtet, vertreibt er, o Hari, zehnmillionenfache Scharen [von Übeln] [?] – jenen göttlichen Glanz des Herrn Sudarśana wollen wir erschauen [Anm.: Diese einleitende Dhyāna-Strophe, dem Muster der Gāyatrī nachgebildet ('...bhargo devasya dhīmahi'), ist im OCR stark verderbt und wird nur sinngemäß wiedergegeben]. (Zunächst die Kennzeichen des Ācārya) Ahirbudhnya sprach: Wer die Wahrheit von Veda und Vedānta kennt, die Orte und Weisen [ritueller Handlung] durchschaut, die Methode des Erwägens und Verwerfens [von Gründen] kennt und den Riten für Götter und Ahnen zugetan ist – (V.1) wer nicht verleumdet und keine sündigen Taten begeht, nicht neidisch ist auf fremden Erfolg und bei fremdem Leid Mitgefühl zeigt, (V.2) wer Mitleid mit allen Wesen hat, sich freut, wenn anderen Glück widerfährt, an verdienstvollen Taten Freude hat und Gleichmut gegenüber Übelgesinnten bewahrt, (V.3) wer an Askese und Zufriedenheit und dergleichen Gefallen findet, Yoga und vedischem Selbststudium zugetan ist, die Regeln über würdige und unwürdige Empfänger kennt und andere Tantras zu durchschauen vermag, (V.4) wer das innerste Wesen der Tantras erfasst und das 'Herz' [den Kerngehalt] der Mantras versteht [?], die Beweiskraft von Wort und Satz kennt und in der Beweisführung (hetuvāda) bewandert ist, (V.5) wer die allgemeine Regel und ihre Ausnahme kennt, die Yantras [rituellen Diagramme] durchschaut, die Unterschiede von Feuergrube und Maṇḍala kennt und im Bereich der Ritualhandlung (kriyākāṇḍa) bewandert ist, (V.6) wer in spirituellem Wissen (adhyātma-jñāna) geschickt, friedvoll, selbstbeherrscht und mit gebändigten Sinnen ist, aus guter Abstammung und gutem Lebensalter hervorgegangen [?] – ein solcher wird ein vaiṣṇavischer Ācārya genannt. (V.7)

Kapitelbeginn 'Mantragrahaṇādi-dīkṣāvidhānam' (Die Einweihungsordnung, beginnend mit dem Mantra-Empfang): einleitende Dhyāna-Strophe und die siebenfachen Kennzeichen des rechten Ācārya (Gelehrsamkeit, ethische Integrität, Mitgefühl, rituelle und logische Kompetenz).

(atha śiṣyalakṣaṇam) ācāryam āśrayec chiṣyaḥ śrotriyo'rthī samāhitaḥ | vinayavrataśālī ca dvijātiḥ saṃskṛtaḥ śuciḥ ||8|| brahmacaryaparo dhīmān svadāranirato'thavā | acchalena yathāvat svakṛtākṛtanivedakaḥ ||9|| saṃsārāṅgāramadhyasthaḥ pacyamānaḥ svakarmabhiḥ | bhavantaṃ śaraṇaṃ prāpta upasanno'smy adhīhi bhoḥ ||10|| ity evaṃ pratipadyeta śiṣya ācāryasattamam |

(Nun die Kennzeichen des Schülers) Der Schüler, der sich einem Ācārya anschließen soll, sei ein Kenner der vedischen Schriftüberlieferung (śrotriya), ein wahrhaft Suchender, gesammelten Geistes; der Demut und Gelübde pflegt, zweifach geboren, [rituell] geweiht und rein ist. (V.8) Er sei der Keuschheit zugetan und weise, oder aber, [wenn verheiratet,] allein seiner eigenen Gattin zugetan; ohne Hintergedanken lege er wahrheitsgemäß offen, was er getan und nicht getan hat. (V.9) Inmitten der Glut des Weltenkreislaufs (saṃsāra) stehend, von seinen eigenen Taten gleichsam verzehrt, [spreche er zum Ācārya]: 'Ich bin zu dir als meiner Zuflucht gekommen, ich habe mich [dir] genaht – belehre mich, o Herr!' (V.10) So möge der Schüler sich dem besten der Ācāryas nahen.

Die Kennzeichen des rechten Schülers (śrotriya, Keuschheit bzw. eheliche Treue, aufrichtige Selbstoffenbarung) und seine formelhafte Bitte um Belehrung an den Ācārya.

(atha dīkṣākramaḥ) ity evaṃ saṃprapannāya śiṣyāyācchalavādine ||11|| pratyakṣābhiḥ parokṣābhir upapattibhir anekadhā | bodhitāyaikarūpāya rahasyāmnāyagopine ||12|| arūkṣāyānasūyāya kṣobhamohādaseviné [?] | saṃvatsaraṃ parīkṣeta paritaḥ parito dhiyā ||13|| niṣkampāya vaded vidyāṃ yāvatī yādṛśī ca sā | (aṅganyāsakaranyāsau) mantrakāmodito devyāṃ [?] vinyased vapuṣi svake ||14|| aṅganyāsakaranyāsau mantravarṇaiḥ samācaret | padme saptakoṣṭham ekaikaṃ trimantreṇa trirūpiṇā ||15|| evaṃ pāṇitaladvandvam aṅgulīṣv atha vinyaset | ubhābhyāṃ madhyamābhyāṃ tūbhayos tistiparvaṇi [?] ||16|| tārakaṃ tārikāṃ lakṣmīṃ praṇavādyantagāṃ nyaset | praṇavāditrayaṃ somaṃ madhyame'ṅguṣṭhaparvaṇi ||17|| sabinduṃ vinyaset prāṇam evaṃ tarjanīparvaṇi | nyased arṇāṃs tṛtīyādīn aṅguṣṭhāntaraparvasu ||18|| khaḍgaṃ paramāc tu nyased agre'ṅgulīṣv atha [?] | (ṛṣyādīnāṃ sthānabhedaḥ) ṛṣiṃ śirasi vinyasyec chando vadanagocaram ||19|| nārāyaṇam anādyantaṃ devatāṃ hṛdaye smaret | (parasūkṣmasthūlamantrarṣibhedaḥ) parākārasya mantrasya paramātmā ṛṣiḥ smṛtaḥ ||20|| saṃkarṣaṇas tu sūkṣmasya sthūlasyāhaściraḥ [?] smṛtaḥ |

(Nun der Ablauf der Einweihung) Für einen solchen Schüler, der sich so [dem Ācārya] genaht hat und ohne Hintergedanken spricht, (V.11) der auf vielerlei Weise durch unmittelbare und mittelbare Beweisgründe belehrt worden ist [?], der eine feste Gesinnung hat und der die geheime Überlieferung (rahasyāmnāya) zu hüten weiß, (V.12) der nicht barsch, nicht neidisch, nicht der Erregung und Verblendung ergeben ist [?] – ihn soll [der Ācārya] ein Jahr lang von allen Seiten mit Bedacht prüfen. (V.13) Erweist er sich als unerschütterlich, so lehre er ihm die Wissenschaft (vidyā), so viel und von welcher Art sie auch sei. (Die Anordnung [der Silben] an Gliedern und Händen) [Von Verlangen nach dem Mantra erfüllt (?)] versetze man [die Silben] der Göttin in den eigenen Körper. (V.14) Die Anordnung an Gliedern und an den Händen vollziehe man mit den Mantra-Silben: in je einem der sieben Fächer des [gedachten] Lotos setze man [die Silbe] mit dem dreifachen Mantra in dreifacher Gestalt. (V.15) Ebenso versetze man sie sodann in das Paar der Handflächen und in die Finger: mit beiden Mittelfingern, an je drei Gliedern beider [Finger] [?]. (V.16) Tāraka, Tārikā und Lakṣmī setze man, [die Silbe Oṃ] am Anfang und Ende tragend; die dreifache Silbe Oṃ [praṇava] samt Mond[-silbe] am mittleren Glied des Daumens. (V.17) Mit dem Bindu [Anusvāra] versetze man ebenso den 'Lebenshauch' [prāṇa-Silbe] am Glied des Zeigefingers; die dritte und die folgenden Silben setze man an die übrigen Glieder zwischen den Fingern. (V.18) Das 'Schwert' [Khaḍga-Silbe] endlich setze man an die Fingerspitzen [?]. [Anm.: Die Verse 14-18 beschreiben eine hochtechnische Anordnung von Mantra-Silben (Tāraka, Tārikā, Lakṣmī, Praṇava, Bindu u.a.) auf einzelne Finger- und Handglieder im Rahmen des Aṅga-/Kara-Nyāsa. Die OCR-Qualität ist hier besonders schlecht; der Sinn des Abschnitts – eine rituelle 'Einkleidung' der Hände mit Mantra-Silben – ist jedoch klar.] (Die verschiedenen Sitze von Ṛṣi usw.) Den Ṛṣi [Seher] setze man [in Gedanken] auf den Kopf, das Versmaß (chandas) in den Bereich des Mundes, (V.19) Nārāyaṇa, den Anfangs- und Endlosen, gedenke man als Gottheit im Herzen. (Der Unterschied des Ṛṣi je nach der transzendenten, subtilen und groben Form des Mantra) Für die transzendente (para) Form des Mantra gilt das Höchste Selbst (Paramātman) als Ṛṣi, (V.20) für die subtile [Form] aber Saṅkarṣaṇa, für die grobe [Form] Ahaściras [?, Lesung unsicher] als Ṛṣi.

Der einjährige Prüfungszeitraum des Schülers; die hochtechnische, OCR-schwer beschädigte Aṅga-/Kara-Nyāsa-Anordnung der Mantra-Silben an Fingern und Händen (V.14-18, mit [Anm.] zusammengefasst); die Zuordnung von Ṛṣi, Chandas und Devatā zu den drei Mantra-Stufen.

(darśanamantrasyātharvaṇavedasāratamatvam) atharvāṅgiraso nāma pañca śākhā mahāmune ||21|| tāsu tirohito divyaḥ kṛtānto mantrarāṭ svayam | (saṃkarṣaṇājñayā'hirbudhnyena tad uddharaṇam) mayā etad yugādau tu taptvā varṣāyutaṃ tapaḥ ||22|| divyāt saṃkarṣaṇādeśāt parameṇa samādhinā | sarva ātharvaṇo vedo mathitas tu śanaiḥ śanaiḥ ||23|| mathyamānāt tatas tasmād adho ghṛtam ivoddhṛtaḥ | mantro'yaṃ saparīvāraḥ sāṅgopāṅgaḥ sanātanaḥ ||24|| sthūlasya mantranāthasya tato māṃ ṛṣim ūcire [?] | devīṃ brāhmīṃ tathā [chando?] gāyatrī chanda ucyate | paraḥ sūkṣmas tathā sthūlaḥ paramātmā ca devatā ||25||

(Daß dieses geoffenbarte Mantra die eigentliche Essenz des Atharva-Veda ist) Der Atharvāṅgirasa[-Veda], o großer Weiser, hat, wie es heißt, fünf Zweige (śākhā); (V.21) in ihnen lag der göttliche, absolute König der Mantras selbst verborgen. (Seine Gewinnung durch Ahirbudhnya auf Geheiß Saṅkarṣaṇas) Nachdem ich am Anfang dieses Weltzeitalters zehntausend Jahre lang Askese geübt hatte, (V.22) habe ich auf göttliches Geheiß Saṅkarṣaṇas, durch höchste meditative Versenkung, den gesamten Atharva-Veda ganz allmählich gebuttert [wörtl. gequirlt, wie Butter aus Milch gewonnen]; (V.23) und aus diesem Gequirlten wurde, wie von oben abgeschöpfte Butter, dieses ewige Mantra samt seinem Gefolge, vollständig mit Haupt- und Nebengliedern, emporgehoben. (V.24) Für die grobe Form des Mantra-Herrn nannte man darauf mich als Ṛṣi [?]; als Gottheit [gilt] die Göttin Brāhmī, als Versmaß wird die Gāyatrī genannt; für die transzendente [Form gilt ebenso das oben Genannte], für die subtile und die grobe [Form je eigene Zuordnungen] – das Höchste Selbst aber [insgesamt] als Gottheit. (V.25) [Anm.: Vers 25 ist im OCR stark verderbt; die genaue Zuordnung von Ṛṣi, Chandas und Devatā zu den drei Mantra-Stufen (sthūla/sūkṣma/para) bleibt im Detail unsicher.]

Die mythologische Herkunft des Sudarśana-Mantra: Ahirbudhnya gewinnt es durch zehntausendjährige Askese und meditative Versenkung, auf Geheiß Saṅkarṣaṇas, durch 'Quirlen' des gesamten Atharva-Veda.

(dehe saṃhāranyāsakramaḥ) vinyased atha gātreṣu mantranāthaṃ sanātanam ||26|| parasūkṣmādibhāvena somāgnirgladyutim [?] | praṇavāditrayaṃ mūrdhni rephe somam eva ca ||27|| āsye sūryaṃ gale khaṃ ca hṛdi raṃ nābhigaṃ tu huṃ | bhasmādhāre tu phaṭkāraṃ tārādi tritayaṃ hṛdi ||28|| nābhau samūrugaṃ haṃ ca pādayoḥ saṃ haṃ vaktre phaṭ śirodeśe tataḥ sarvātma[tattvaṃ smaret?] ||29|| (aṅgopāṅganyāsaḥ) hṛdayādīny athāṅgāni sveṣu sthāneṣu vinyaset | upāṅgeṣu tathā nyāsaṃ māntravarṇaiḥ samācaret ||30|| (dehasya tredhā vibhāvanam) sthūlasūkṣmaparatvena dehaṃ vidyāt tatas tridhā | aṅgapratyaṅgakośāḍhyaṃ sthūlaṃ sthūlam ucyate ||31|| puryaṣṭakaṃ tu sūkṣmākhyaṃ paramāṇava ucyate | vahnikoṭisaṃkāśaṃ jvālākoṭisahasrakṛt ||32|| trividhe mantranāthe'sminn trividhaṃ bhāvayed vapuḥ | tejo divyaṃ mahacchubhraṃ manaḥsvaṃ hrasvam avyayam ||33|| [zwei Versviertel im Original stark verderbt] ||34|| tatas tac cakramadhyākṣasomasūryānalātmani ||35|| bhajāyitvā svam ātmānaṃ dhyānāsanasamāśrayet [?] | (atha sṛṣṭinyāsaḥ) tataḥ parādibhāvasthān mantranāthān sanātanāt | tenaiva kramayogena tanūs tāḥ visṛjet punaḥ ||36|| tāsu sthāpya cātmānaṃ punar nyāsaṃ samācaret | īdṛśo dehādigo nyāso yāvat pūrvam udāhṛtaḥ ||37|| (atha śiṣyāvekṣaṇam) atha mantratanur divyo mantrātmā mantrasārathiḥ | viṣṇusaṃkalpajaṃ rūpaṃ vahan sodarcanaṃ vapuḥ ||38|| netraiḥ śiṣyam avekṣeta bahukendumayaiḥ kramāt | (śiṣyasya saṃhāranyāsaḥ) atha sthūlādibhāvena dehena mantreṇa taddhiyā | pūrvoktakramayogena śiṣyātmānaṃ parātmani ||39||

(Die Ordnung der Auflösungs-Anordnung [Saṃhāra-Nyāsa] am eigenen Körper) Sodann versetze man an den Gliedern den ewigen Mantra-Herrn; (V.26) entsprechend der transzendenten, subtilen usw. Seinsweise [versetze man Silben von] Soma und Feuer [?] – die dreifache Silbe Oṃ am Scheitel, das 'Repha' [den Buchstaben r] und ebenso den Mond. (V.27) Im Gesicht die Sonnen[-silbe], im Hals den Raum[-laut] (khaṃ), im Herzen das 'raṃ', am Nabel das 'hūṃ'; an der Aschestätte [dem untersten Punkt] das 'phaṭ', die dreifache Tāraka-Silbe im Herzen. (V.28) Am Nabel [die Silbe] 'saṃ', an den Oberschenkeln 'haṃ', an den Füßen 'saṃ', 'haṃ' im Gesicht, 'phaṭ' am Scheitel – sodann gedenke man des Alls als des eigenen Selbst [?]. (V.29) [Anm.: Die Verse 26-29 beschreiben eine sehr technische Saṃhāra-Nyāsa-Anordnung von Bīja-Silben (Oṃ, Hūṃ, Phaṭ, Saṃ, Haṃ u.a.) auf einzelne Körperstellen; die OCR ist an mehreren Stellen unsicher, der Sinn – eine rituelle Durchdringung des Körpers mit den Mantra-Silben von Kopf bis Fuß – ist aber klar erkennbar.] (Die Anordnung an Haupt- und Nebengliedern) Herz und die übrigen Glieder [des Mantra] versetze man an ihre [entsprechenden] Stellen [am Körper]; ebenso vollziehe man die Anordnung an den Nebengliedern mit den Mantra-Silben. (V.30) (Die dreifache Betrachtung des Körpers) Man erkenne den Körper als dreifach, unterschieden nach grober, subtiler und transzendenter Beschaffenheit: der mit Gliedern, Untergliedern und Hüllen (kośa) versehene [Körper] wird der 'grobe' genannt. (V.31) Der 'Puryaṣṭaka' [die 'Stadt der acht', die feinstoffliche Hülle] aber wird als 'subtil' bezeichnet, [strahlend] wie zehn Millionen Feuer, tausendfach zehnmillionenfach an Flammen. (V.32) In diesem dreifachen Mantra-Herrn stelle man sich das dreifache [entsprechende] Körperbild vor: göttliches, großes, strahlend-weißes Licht [für die para-Form]; ein geistiges, kurzes, unvergängliches [Licht für die sūkṣma-Form]. (V.33) [Anm.: Vers 34 ist im Original so stark verderbt, dass eine zuverlässige Wort-für-Wort-Übersetzung nicht möglich ist; dem Zusammenhang nach wird hier vermutlich die dritte, grobe Körperform beschrieben.] Sodann [versenke man sich] in der Mitte jenes Rades [cakra], [umgeben von] Auge, Mond, Sonne und Feuer [?]; (V.35) nachdem man so sein eigenes Selbst [dem Mantra-Herrn] zugeeignet hat [?], nehme man Zuflucht zur Meditationshaltung [?]. (Nun die Schöpfungs-Anordnung [Sṛṣṭi-Nyāsa]) Sodann entlasse man aus dem ewigen Mantra-Herrn, der in seiner transzendenten usw. Seinsweise verharrt, in ebendemselben Stufengang die [Silben] wieder als ausgedehnte Körper [tanu]; (V.36) und nachdem man darin sein eigenes Selbst verortet hat, vollziehe man die Anordnung von neuem. So verläuft die auf den Körper bezogene Anordnung, soweit sie zuvor beschrieben wurde. (V.37) (Nun die Betrachtung des Schülers) Sodann, mit dem Mantra als göttlichem Leib, die Mantra-Seele, der Mantra-Wagenlenker, einen aus Viṣṇus Willen entstandenen, strahlenden Leib tragend, (V.38) betrachte er den Schüler mit Blicken, die gleichsam aus vielen Monden bestehen, der Reihe nach. (Die Auflösungs-Anordnung des Schülers) Sodann löse man, mit grober usw. Seinsweise, mit dem Körper, mit dem Mantra und mit jener Gesinnung, in der zuvor beschriebenen Reihenfolge, die Seele des Schülers in das Höchste Selbst auf. (V.39)

Hochtechnische, teils stark OCR-beschädigte Saṃhāra- und Sṛṣṭi-Nyāsa-Verfahren (Bīja-Silben-Einsetzung am Körper, dreifache Körper-Visualisierung sthūla/sūkṣma/para, V.34 wegen Verderbnis nicht übersetzbar) sowie die Betrachtung und rituelle Auflösung des Schülers in den Ācārya.

nimajjayity ādyaṃ tu karma sarvaṃ samācaret | manasā śuṣkadagdhotthe śiṣyadehe tathā tathā ||40|| vinyaset kramayogena mantranyāsaṃ dhiyā tataḥ | (atha mantropadeśaḥ) atha tasyopadeṣṭavyaḥ sahāṅgo mantranāyakaḥ ||41|| sādhaḥ sapratipattiś ca yo yo bhāvaḥ purodditaḥ | evaṃ gṛhītamātre tu mantranāthe sanātane ||42|| utpadyate svayaṃ citte pratyayo devanirmitaḥ | (atha śiṣyakṛtyam) samyag itthaṃ gṛhītena mantreṇānena mantravit ||43|| kṛtārthaṃ manyamānaḥ svaṃ gurave'tha nivedayet | ātmānam atha cātmīyaṃ yatkiṃcid uta vidyate ||44|| vinā pāpam aniṣṭaṃ ca svaṃ tasmai nivedayet | evaṃ nivedya manvīta kṛtārtho'ham iti svayam ||45|| divyadhiyo hy acchalena mantraḥ svena prakārataḥ | bhāvasya tāratamyena tattaddīkṣādisādhanam ||46|| dīkṣayā dīkṣayitā'tha pātrayitvā'thavā dhiyā | saṃskāreṇātharvaṇena yadvā saṃskāramantrataḥ ||47|| mantro'yam upadeṣṭavyo guruṇā guruseviṇaḥ | itthaṃ grahaṇasiddhena sādhanenātha vāgyataḥ ||48|| mantreṇānena siddhena kuryāl lokahitaṃ sudhīḥ |

Man vollziehe die ganze Zeremonie, beginnend mit dem [rituellen] 'Untertauchen' – so wie [im Geiste vorgestellt] der Körper des Schülers gleichsam ausgedörrt und verbrannt aufersteht [Anm.: gemeint ist eine rituelle Läuterung, bei der der alte, 'sündige' Körper des Schülers in der Meditation verbrannt und ein neuer, geläuterter Körper geschaffen wird – ein verbreitetes tantrisches Motiv]. (V.40) Dann versetze man in der [üblichen] Reihenfolge die Mantra-Anordnung mit entsprechender Gesinnung. (Nun die Unterweisung in das Mantra) Sodann soll ihm der Herr der Mantras samt seinen Gliedern mitgeteilt werden. (V.41) Wenn der Mantra-Herr, der Ewige, so eben erst empfangen worden ist – mit rechter Gesinnung und richtigem Verständnis, wie zuvor jeweils beschrieben –, (V.42) dann entsteht im Geist [des Schülers] von selbst eine gottgewirkte Gewissheit (pratyaya). (Nun die Pflicht des Schülers) Wenn der Mantra-Kundige das Mantra so recht empfangen hat, (V.43) halte er sich für [seinen Zweck] erfüllt und lege sodann dem Guru [alles] offen: sich selbst und was ihm sonst an Eigenem gehört – (V.44) mit Ausnahme dessen, was sündig und unheilvoll ist – lege er ihm dar. Nachdem er dies so dargelegt hat, denke er von sich selbst: 'Ich bin nun am Ziel!' (V.45) Von göttlicher Gesinnung erfüllt, ohne Hintergedanken, [wirkt] das Mantra auf seine je eigene Weise; je nach dem Grad der [inneren] Gesinnung [des Schülers gibt es] jeweils verschiedene Mittel der Einweihung usw. (V.46) Sei es durch [förmliche] Einweihung, durch bloße Eignungserklärung mit dem Geist, durch eine Weihe nach der Atharvan[-Tradition], oder durch ein [einfaches] Weihe-Mantra – (V.47) dieses Mantra soll vom Guru dem [Schüler] mitgeteilt werden, der dem Guru dient, wenn dieser durch ein solches, im rechten Empfangen vollendetes Mittel [als geeignet erscheint], und [zwar] mit gezügelter Rede. (V.48) Mit diesem vollendeten Mantra möge der Weise [dann] zum Wohl der Welt wirken.

Das rituelle 'Untertauchen'/Läuterungsritual, die eigentliche Mantra-Übertragung (upadeśa) vom Guru an den Schüler und die Pflicht des Schülers, sich dem Guru mit allem, was er besitzt, restlos zu offenbaren.

(kṣudrārthaṃ mantro na prayojyaḥ) na jātu yasya kasyāpi kṣudrasyārthasya vā kṛte ||49|| laukike'rthe vidhiḥ kāryaḥ kṣudrakṛtyaṃ hi tat smṛtam | (mantraprayogaviṣayāḥ) trailokyasyātha rakṣāyai bhuvaś caikasya vā kṛte ||50|| rāṣṭrasya vā'tha rājño vā rājamātrasya vā kṛte | bhāvāyaiva vidhiḥ kāryo naivābhāvāya karhicit ||51|| (mantrapuraścaraṇārthadeśavidhiḥ) parvate vā nadītīre viṣṇor āyatane'pi vā | ṛṣīṇām āśrame vā'pi siddhānām ālaye'pi vā ||52|| gavām āyatane vā'pi brahmāyatana eva vā | (kṛcchrādibhiḥ śarīraśodhanam) tribhiḥ kṛcchrair viśodhya svaṃ gāyatrīniyutena vā ||53|| tribhir vā brahmakūrcais tu snānaiḥ sārvartucoditaiḥ | (puraścaraṇāṅganiyamāḥ) aharekaṃ harer bimbam āpīḍam avalokayet [?] ||54|| tato bhaikṣaḥ haviṣyāśī yāvakenota vartayet | payovrato haviṣyāśī yathā vā śaknuyān naraḥ ||55|| (mantrajapādisaṃkhyā) japel lakṣāṇi ṣaṇmantrī juhuyāc ca yutāni ṣaṭ | tāvac ca tarpayet toyair brāhmaṇān atha tarpayet ||56|| (mantrasiddhiḥ) acchalenaiti [?] tasya mantranāthaḥ prasīdati | (tena lokasaṃrakṣā) prasannenātha mantreṇa rakṣā lokānukampayā ||57|| rājārthitena vai kāryā nārthakārpaṇyataḥ kvacit | iti te darśitaḥ samyaṅ mantranāthasya vistaraḥ | (mantrānadhikāriṇaḥ) nādāntaiḥ śravaṇīyo'yaṃ naiva yāhṛdātādaroḥ [?] ||58|| iti śrīpāñcarātre tantrarahasye ahirbudhnyasaṃhitāyāṃ mantragrahaṇādidīkṣāvidhānaṃ nāma viṃśo'dhyāyaḥ | oṃ | (āditaḥ ślokāḥ 1227)

(Das Mantra darf nicht für nichtige Zwecke verwendet werden) Niemals, um irgendjemandes oder gar eines nichtigen Zweckes willen [darf dieses Mantra verwendet werden]; (V.49) für weltliche Angelegenheiten soll stattdessen das [gewöhnliche] Ritual angewandt werden – das gilt als 'nichtiges Tun'. (Die rechten Anwendungsbereiche des Mantra) Nur zum Schutz der drei Welten oder auch nur einer einzigen Welt; (V.50) oder zum Schutz eines Reiches, eines Königs oder eines königlichen Beamten – nur zum Zweck des Bestehens soll das Ritual vollzogen werden, niemals zum Zweck der Vernichtung. (V.51) (Die Vorschrift über den rechten Ort für die Vorbereitungsriten des Mantra [puraścaraṇa]) Auf einem Berg, am Flussufer, auch in einem Viṣṇu-Tempel, im Aśrama von Weisen oder auch in der Wohnstätte von Siddhas, (V.52) auch in einem Kuh-Gehege oder in einer Brahmanen-Siedlung – (Die Reinigung des Körpers durch Kṛcchra-Büßungen u.a.) nachdem man sich selbst durch dreifache Kṛcchra-Buße gereinigt hat, oder durch zehntausendfache Gāyatrī[-Rezitation], (V.53) oder durch dreifache Brahma-Kūrca-Büßungen, mit den zu jeder Jahreszeit vorgeschriebenen Bädern – (Die Nebenregeln der Vorbereitungsriten) sodann betrachte man täglich einmal das Bildnis Haris, [den Kopf] mit einem Stirnband geschmückt [?]. (V.54) Danach lebe man von erbettelter Opferspeise oder ernähre sich von Gerstenbrei; oder, dem Milchgelübde folgend, von Opferspeise lebend – je nachdem, was der Mensch zu leisten vermag. (V.55) (Die Anzahl der Mantra-Rezitationen usw.) Der Sechs-Silben-Mantra-Kundige rezitiere [das Mantra] hunderttausendmal und opfere es sechshunderttausendmal [im Feuer]; ebenso oft spende er Wasser[-Opfer] und speise sodann Brahmanen. (V.56) (Die Vollendung des Mantra) Durch solch arglose [Hingabe] [?] wird der Herr der Mantras ihm gnädig. (Der Weltenschutz durch dieses [vollendete Mantra]) Mit dem so gnädig gewordenen Mantra gewähre man dann aus Mitgefühl für die Welt Schutz – (V.57) dies geschehe wahrlich auf Bitten eines Königs, niemals aber aus Geldgier. Damit ist euch die ausführliche Darlegung des Mantra-Herrn in gebührender Weise gezeigt worden. (Wer zum Hören dieses [Mantra] nicht berechtigt ist) Dies soll nicht von Unbeherrschten gehört werden, auch nicht von dem, der ohne rechte Herzenshingabe ist [?]. (V.58) So endet im ehrwürdigen Pāñcarātra, im Tantrarahasye, in der Ahirbudhnya-Saṃhitā das zwanzigste Kapitel mit dem Namen 'Die Anordnung der Einweihung, beginnend mit dem Empfang des Mantra'. Oṃ. (Von Anfang an gezählt: 1227 Verse)

Strikte Beschränkung des Mantra-Gebrauchs auf den Schutz von Welt, Reich und König – niemals aus Gewinnsucht; Vorschriften zu Ort, Körperreinigung und Japa-/Homa-Zahlen der Vorbereitungsriten (puraścaraṇa); Abschluss und Geheimhaltungsgebot. Kapitelende bei kumulativ 1227 Versen.

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