Paṭala 50: atha sudarśanamahāyantraghaṭitavitānavaibhavavarṇanāya kīrtimālyupākhyānavarṇanaṃ nāma pañcāśo'dhyāyaḥ
Fünfzigstes Kapitel: Die Erzählung von Kīrtimālī, zur Schilderung der Macht des mit dem großen Sudarśana-Yantra versehenen Baldachins (vitāna)
Quelle: Ahirbudhnya-Saṃhitā, Bd. 2 (archive.org in.ernet.dli.2015.322565), OCR ca. S. 504-522. Dritte der (mindestens) vier Erzählungen (nach Sitz in Kap.48, Ring in Kap.48, Banner/Citraśekhara in Kap.49) zur Illustration der Wirkmacht profaner, mit dem Sudarśana-Mahāyantra versehener Gegenstände: hier der Baldachin (vitāna). König Kīrtimālī von Viśālā erhält von einem asketischen Sudarśana-Verehrer (aus Sālagrāma) den sechssilbigen Sudarśana-Mahāmantra samt Yantra; nach Welteroberung (Nāgas, Daityas, Yakṣas/Gandharvas) fordert er unbesonnen Indras Kostbarkeiten (Airāvata, Vajra, Pārijāta, Apsaras); Indra lässt zunächst heimlich durch den unsichtbaren Airāvata das königliche Heer vernichten, dann kommt es zur offenen Götterschlacht; erst der mit dem Sudarśana-Yantra gefertigte Baldachin und der daraus entsandte Viṣṇu-Cakra verschaffen Kīrtimālī den Sieg über Indras gesamtes Arsenal (auch den Vajra), woraufhin Indra Freundschaft schließt. Kumulierte Verszahl laut (rechnerisch korrigiertem) Kolophon: 3237 (3112 + 125). Der formelhafte Truppenzahlenkatalog V.53-60 wurde als Gap-Summary behandelt (mechanisch-repetitive Aufzählung ohne doktrinellen Eigenwert, analog zu Kap.38/40/47).
Höre nun dies, o göttlicher Seher: auf welche Weise der mächtige Kīrtimālī einst mit dem Baldachin (vitāna) den Himmel besiegte.
Es gab einst in der Stadt namens Viśālā einen hochgerühmten, überaus rechtschaffenen König namens Bhadraśṛṅga, von edlem Wandel. Während er, Śakra [Indra] gleich, die Erde samt ihren sieben Kontinenten wie seine eigene Stadt beherrschte, vergingen zehntausend Herbste [Jahre].
Ihm, dem Langlebigen, war ein Sohn, Kīrtimālī, von übermütiger Kraft, heldenhaft, lotusblattäugig, schön wie der Liebesgott Kandarpa. Stark, unbesiegt, in allen Lehrwerken bewandert, die Sitte kennend, ein großer Geber, majestätisch, seinen Verträgen treu. Im Kampf nie zurückweichend, heldenhaft und ernst, wolkengleich dröhnend, stets siegbegierig, ein Schrecken seiner Feinde. Wie ein brünstiger Elefant über einen Berg, so durchzog er diese Erde.
Während er so regierte, ging sein Vater in den Himmel ein [starb]. Nach dem Hinscheiden des Vaters beherrschte der glanzvolle Kīrtimālī die Erde wie einst sein Vater. Alles Geschehen der Welt erfuhr er zum Teil durch Kundschafter; das Treiben der Menschen in seiner eigenen Stadt aber kannte er selbst aus eigener Anschauung.
Einst, allein, den Bogen tragend, verkleidet, durchstreifte er bei Nacht heimlich die ganze Stadt, um die freimütigen Reden der Leute zu hören — auf den Märkten, in den Straßen, an den Kreuzungen und in den Häusern, an allen Toren, auf den Wällen, an Seen und in Wäldern, in den Vorstädten, bei den heiligen Bäumen (caitya) und in den Tempeln, in den Waffenhallen, an den Pilgerstätten, in Wäldern und Gartengründen umherstreifend sah der furchtlose König, außerhalb der Stadt, unter einem Śamī-Baum sitzend, einen Brahmanen.
Er sah ihn, wie loderndes Feuer, den Leib strahlend, friedvoll, einen, der Sudarśana unmittelbar geschaut hatte, einen, der alle Wünsche erlangt hatte, in Yoga versunken, makellos. Ehrerbietig sich verneigend, fragte ihn der König: 'Wer bist du? Wozu hältst du dich jetzt am Fuß dieses Baumes auf? Woher bist du gekommen? Sag alles, o Sündloser, mir, der ich frage.'
Obwohl so angesprochen, nahm der in Yoga Versunkene das Gesagte nicht wahr; auch als er wieder und wieder befragt wurde, antwortete er dem König nicht. Da begann der zornige König, den Brahmanen mit Gewalt zu ergreifen; doch durch dessen Macht wurde er, der König, daraufhin in seinen Bewegungen erstarrt.
Als er sich selbst gelähmt sah, geriet er in höchstes Erstaunen; sich immer wieder verneigend, suchte er ihn mit Lobpreisungen zu besänftigen.
Rahmenmotiv des inkognito nächtens umherstreifenden, volksnahen Königs; parallele Erzähllogik zu Kap.48-49 (profanes Handeln führt zur Begegnung mit dem Sudarśana-Träger).
Erfreut erhob er sich aus dem Yoga und sprach zum König: 'Es gibt eine höchste Stätte Viṣṇus, berühmt als Sālagrāma. Dort ist der Herr der Welt in Gestalt des Diskus (cakra) beständig gegenwärtig; dort ist alles, unbeweglich wie beweglich, mit dem Diskus gezeichnet. Dort werden Lebewesen durch bloßes Betreten frei von Verfehlung; dort gehen jene, die den Leib abgelegt haben, in die höchste Erlösung (nirvāṇa) ein.
In jener Gegend bin ich geboren, ein von den Rechtschaffenen geachteter Brahmane, dessen ganze Übung durch die Macht Sudarśanas zur Reife gebracht wurde. Ich gehe jetzt, o Herr der Erde, zur heiligen Furt Puṣkara; nur wegen des nächtlichen Weges bin ich in der Nacht zu dieser deiner Stadt gelangt.'
Als dies gesagt war, führte ihn der König darauf mit untadeligen Ehrenbezeigungen in die schöne Stadt und wies ihm dort die Wohnstatt Haris [einen Viṣṇu-Tempel] zu. Dort verbrachte er, mit aller Ehrerweisung, jene Nacht. Am nächsten Tag machte sich der Brahmane bereit, nach Puṣkara weiterzugehen.
Der König aber sprach, als jener die Morgenriten vollzogen hatte, zu ihm: 'Der Anblick der Guten ist verdienstvoll und gewährt alle Wünsche — so habe ich gehört. Deshalb frage ich, Erhabener: Was ist heilsam für mich? Auf dass ich hier Glück finde und jenseits ein Glück ohne Rivalen — so erweise mir deine Gnade, denn du bist mitleidsvollen Herzens.'
Da lehrte der erfreute Brahmane, Weiser, dem sich nähernden König den großen sechssilbigen Mantra, der jeden Übenden zum Erfolg führt. Mit Ehrerbietung und Vertrauen unterwies er ihn damals darin: den Mantra samt seinen Gliedern (aṅga), sowie die Meditation (dhyāna), die Übung (sādhana) und das Diagramm (yantra), ebenso alle Waffenmantras, die aktivierenden wie die zurückrufenden, und die zugehörigen Utensilien, alles ordnungsgemäß eingerichtet, o großer Weiser.
Nachdem er ihm alles [die Lehre] übergeben hatte, machte sich jener Brahmane bereit weiterzugehen. Der König aber, höchst erfreut, ließ eine Menge an Gütern herbeibringen: tausend Kühe und ein Koṭi an Gold, o Weiser, Juwelenschalen und goldene Gefäße sowie sieben weitere Gefäße, dazu viele überaus kostbare Gewänder; und der überaus rechtschaffene König schenkte dazu acht Dörfer.
Der Brahmane aber wollte die dort dargebrachten Ehrengaben (dakṣiṇā) nicht: 'Was soll ich, o König, damit anfangen? Es möge dein eigener Vorsatz [damit] erfüllt werden.' Darauf erwidert, [er möge] es nach Belieben verwenden, sprach der König: 'Dies muss unbedingt angenommen werden — sonst bin ich kein rechter Übender (sādhaka). Oder gib es weg, wie du willst — was ich gegeben habe, ist ohnehin gegeben.' So angesprochen, sagte auch der Brahmane zum König von unermesslichem Glanz: 'Was an Reichtum um meinetwillen entstanden ist, das möge den Brahmanen gegeben werden.' Mit diesen Worten zog der Brahmane weiter, und der König folgte ihm; von dem Lehrer zur Umkehr bewogen, gab er das Vermögen den Brahmanen.
Nachdem jener gegangen war, herrschte der Großkönig, nachdem er jenes Vermögen den Brahmanen überlassen hatte, über diese Erde wie Maghavan [Indra] über den Himmel. Tag und Nacht wohl einteilend, den einander entgegengesetzten Pfaden von Dharma und Adharma [ausweichend], pflegte der König zur rechten Zeit Artha und Kāma; und auch in den übrigen Königspflichten unterließ er nichts. So dem Pfad des Manu folgend, erfreute der König seine Untertanen einzig durch rechtschaffene Herrschaft.
(bahvāśrayapararāṣṭrādivijayotsukyena kadācidamātyānprati rājñaḥ praśnaḥ)
ekadā mantriṇaḥ sarvānāhūyāsthānamaṇḍape | papraccha pṛthivīpālaḥ ke ca vaśyā utetare ||43||
deveṣu bhūmipāleṣu prakṛtiṣvathavā mama | brūta sarvaṃ hi jānanti bhavantaścāracakṣuṣaḥ ||44||
(mantriṇāṃ prativacanam)
iti pratisamādiṣṭāste sarve mantriṇo'vadan | deva tvayi mahīmetāṃ śāsatyeva paraṃtapa ||45||
pratipakṣāḥ prayānti kṣayaṃ tava yathā tamaḥ [?] |
(tatra kṛtsnasyāpi bhūmaṇḍalasya vaśyatvapratipādanam)
sā adhunā pṛthvī vaśyā sarodāmbudhipattanā || divīva deva rājānastvaddvāri nivāritāḥ |
tava prakṛtivargeṣu kā kathā jagatīpate ||47||
(devādīnāṃ vaśyatvābhāvapratipādanam)
na ca devā na gandharvā nāsurā na ca pannagāḥ | yathā vayaṃ te sevante bhavantaṃ parameśvaram ||48||
devaḥ pramāṇamiti te vijñāpyārthamupāraman |
(punaramātyānprati rājño devādivijayopāyapraśnaḥ)
kīrtimālī ca tacchrutvā devādīnāṃ jigīṣayā || vyajṛmbhata tadā sarvānmantriṇaścābravīdidam |
kathametānvijeṣyāmo balino vīryaśālinaḥ ||50|| vicitrayodhino dasyūnmāyābalasamanvitān |
anukūlānviśiṣṭāṃśca lokāntarasukhārthitān [?] ||51|| yathā bhavanti te vaśyāstathā vadata mā ciram |
(teṣāṃ prativacanam)
ityuktāste mahārājamūcuḥ saṃmantrya mantriṇaḥ | etānadyaiva yāsyāmo vijeṣyāmaśca saṃyuge ||52||
Einst rief der Erdenherr [Kīrtimālī] alle seine Minister in die Audienzhalle und fragte sie: 'Wer ist untertan, und wer nicht — sei es unter den Göttern, den Erdherrschern oder meinen eigenen Untertanen? Sagt alles, denn ihr, mit dem Auge der Kundschafter, wisst ja alles.'
So befragt, sprachen alle Minister: 'O Herr, dich allein beherrscht diese Erde, o Bezwinger der Feinde; deine Widersacher schwinden dahin wie Dunkelheit [vor dem Licht]. Diese Erde nun, samt ihren an Meeren und Seen gelegenen Städten, ist dir untertan; wie Götter im Himmel sind andere Könige, o Herr, an deiner Tür zurückgehalten — was ist da erst zu sagen von deinen eigenen Untertanenscharen, o Herrscher der Erde?
Doch weder die Götter noch die Gandharvas, weder die Asuras noch die Schlangenwesen (Nāgas) dienen dir, höchster Herr, so wie wir es tun.' 'Der Herrscher wird es [selbst] wissen' [eine Formel der Zurückhaltung], sprachen sie und schwiegen dann zu dieser Angelegenheit.
Als Kīrtimālī dies hörte, geriet er, von der Begierde beseelt, auch die Götter zu bezwingen, in Erregung und sprach zu allen Ministern: 'Wie sollen wir diese Wesen besiegen — die Mächtigen, Kraftvollen, in vielerlei Weise Kämpfenden, mit der Macht der Māyā Ausgestatteten, die willfährig und vorzüglich sind und nach dem Glück anderer Welten streben — sagt mir ohne Zögern, wie sie mir untertan werden können.'
So angesprochen, berieten sich die Minister und sagten zum Großkönig: 'Wir werden noch heute gegen sie ziehen und sie im Kampf besiegen.'
[?] V.46 und V.51 einzelne Wendungen unsicher rekonstruiert (starke OCR-Schäden in diesem Passus).
[Gap-Zusammenfassung, V.53-60:] Es folgt eine formelhafte, zahlenreiche Aufzählung der gewaltigen vierteiligen Streitmacht (Elefanten, Rosse, Wagen, Fußvolk), mit der die Minister Kīrtimālī zum Feldzug gegen die Götter ermutigen: Elefanten, dem Meru und Mandara gleich, jeder allein imstande, ein feindliches Heer zu zermalmen, zehn Nayutas an solchen Elefanten; viele Koṭis brünstiger Rosse; drei volle Koṭis an Streitwagen; unzählige, nie zurückweichende Kriegshelden; vierzehn Akṣauhiṇīs an vierfachem Fußvolk — Zahlen jenseits jeder Berechnung, o König. 'Auf der einen Seite dies alles, auf der anderen du allein — wir meinen, dass du an Tatkraft all dies übertriffst; zudem verfügst du über die vom Brahmanen erhaltenen göttlichen Waffen — wer könnte, so gerüstet, vor dir bestehen? Wie Śivas Scharen, die beim Weltenbrand alles verzehren wollen, so eile, wohin auch immer dein Eroberungswille reicht — gebiete über uns, Starkarmiger, der Sieg ist bereits in deiner Hand.'
GAP-SUMMARY (wie bei Kap.38/40/47): mechanisch-repetitive, formelhafte Heereszahlen-Aufzählung; Rahmen (Ministerrede) im De-Feld zusammengefasst, keine inhaltlich neue Doktrin.
So angesprochen, überaus erfreut, rief der mächtige Kīrtimālī seine Vasallen mit ihren jeweiligen Heeren zusammen: 'Man muss zur Nāga-Welt aufbrechen, um mit den Schlangenwesen zu kämpfen; ich selbst werde noch heute mit aufgebotenem Heer und Reittieren ziehen.' Mit diesen Worten zog der König, von ihnen umgeben, los.
Dort entbrannte mit den Nāgas ein haarsträubender Kampf; doch bald darauf, mittels der göttlichen Waffe [Garuḍāstra], ohne Ermüdung, errang er dort den Sieg. Nachdem er von ihnen viele Juwelen und dergleichen erbeutet hatte, richtete der Großmütige seinen Sinn auf die Vernichtung der Daityas [Dämonen].
Mit ihnen entbrannte ein heftiger Kampf von langer Dauer, o großer Weiser; ohne deren Heer [als Beute] zu behalten, errang er den höchsten Sieg. Danach besiegte er im Kampf auch die Yakṣas, Gandharvas sowie die Siddhas und Vidyādharas allesamt und machte sie zu Dienern. Nachdem er diese im Kampf besiegt hatte, kehrte er wieder in seine eigene Stadt zurück.
[?] V.62, V.65 Formulierungen leicht unsicher; Sinn (militärische Eroberungszüge gegen die verschiedenen Wesensklassen als Vorbereitung der Götterherausforderung) jedoch klar.
In der Audienzhalle sitzend, umgeben von unterworfenen Königen sowie von Gandharvas, Yakṣas, Dānavas, Nāgas und Śabaras, sah der Allherrscher Kīrtimālī in seiner Versammlung damals keine Unsterblichen [Götter]. Da sprach er zu dem Gandharva namens Manojava dies: 'Geh noch heute zum Himmel und bring auf mein Wort von Vāsava [Indra]: den Pārijāta-Baum, den Elefanten [Airāvata], den Vajra sowie den Kalpaka[-Baum], und acht Apsaras — schaffe mir dies alles rasch herbei.'
Manojava, 'So sei es' sagend, nahm den Befehl des Allherrschers wie eine Girlande ehrfürchtig auf sein Haupt und zog nach Amarāvatī [Indras Stadt]. Er betrat jene schöne Stadt, das höchste Vorbild aller Städte, und sah Vāsava, umgeben von den Vasus, Rudras und Ādityas, in der Audienzhalle sitzend, von Scharen von Apsaras bedient, von Siddhas mit Viśvāvasu an der Spitze gepriesen — den Gemahl der Śacī. Er sah den Gott damals dem Anblick eines Tanzes zugewandt; nachdem er ihn gesehen und sich verneigt hatte, pries er ihn, als das Tanzspiel geendet hatte.
Da blickte der erfreute Herr der Götter auf Manojava. Der Bote, sich durch dessen Blick gleichsam geläutert wähnend, berichtete unverzüglich, wie es sich zugetragen hatte, dem Bezwinger Vṛtras: 'O Herr, auf dem Erdenrund ist einer namens Kīrtimālī berühmt, ein Allherrscher; dieser lässt dir, o Herr der Götter, dies melden: Alle Welten bis zum Himmel habe ich besiegt; nun wünsche ich, dich zu sehen, o Herr des Himmels. Sende mir zum Besteigen den Elefantenfürsten Airāvata unverwehrt, den Kalpaka[-Baum], den Vajra sowie acht Frauen [Apsaras] — verschaffe mir dies hier. So hat es jener Großkönig befohlen, o Herr der Rinder [Indra].'
[?] Mehrere Einzelheiten dieses Passus (V.68 'śabaraiḥ', V.70/79 Liste der geforderten Kostbarkeiten, V.75, V.79) sind wegen starker OCR-Schäden unsicher rekonstruiert; die Grundaussage — die unverschämte Forderung des Königs an Indra — ist eindeutig.
Da lachte Maghavan [Indra] in der von Göttern besuchten Versammlung und sprach, das Ausmaß dieser Verhöhnung wohl erkennend, mit ernster Stimme: 'Den Vajra und den Elefanten Airāvata sende ich dir noch heute; komm dann selbst her und, nachdem du die übrigen Kostbarkeiten zusammengetragen hast, wirst du wieder abziehen.' Mit diesen Worten sandte er den Vajra und den Elefanten Airāvata aus.
Beide zogen aus und begaben sich zur großen Stadt Kīrtimālīs; der Elefant Airāvata, mit dem Vajra eintretend, griff das Heer an und tötete es, in unsichtbarer Gestalt, mitten im großen Heerlager.
Während Elefanten-, Reiter- und Fußtruppen so niedergemetzelt wurden, meldeten alle erschrockenen Landbewohner dies dem König: 'O Herr, die Elefanten liegen erschlagen am Boden; ebenso werden plötzlich die besten Rosse und die heldenhaftesten, prächtigsten Krieger erschlagen gesehen, o Herr der Erde.'
Als der Großkönig dies hörte, von schwerem Kummer getroffen, rief er seinen Hauspriester (purohita) und sprach zu ihm dies: 'Elefanten, Rosse und Krieger werden ohne erkennbaren Grund getötet; weder ist eine Krankheit an ihnen zu sehen, noch ein vom Schicksal bestimmtes Leiden, noch ist, so sorgfältig ich es geprüft habe, feindlicher Zauber (abhicāra) zu erkennen. Bedenke, o Brahmane, was dies sein mag — mein Geist ist wie in Verwirrung.'
[?] V.82 Sinn ('du wirst wieder abziehen') unsicher, möglicherweise ironische Vorankündigung von Indras Gegenschlag; V.86 'sāmodbhavā nāgāḥ' unsicher rekonstruiert.
Nachdem er dies vernommen hatte, überlegte auch der Hauspriester; nach reiflicher Überlegung sprach er: 'Dies ist wohl aus dem Zorn eines Gottes entstanden — so vermute ich; gib dich nicht der Trauer hin, o Bezwinger der Feinde.'
Während die beiden noch so überlegten, kam Manojava herbei; sich verneigend, mit gefalteten Händen, stand er zur Seite des Großkönigs. 'Manojava, was hast du von den vier genannten Kostbarkeiten mitgebracht? Was sagte Vāsava? Erzähl alles ohne Verzug', fragte der König.
So gefragt, berichtete er ihm alles, was er ihn gefragt hatte: die Wiedergabe der Worte des Königs, dann Maghavans höhnisches Lächeln, und danach dessen Aussendung des Vajra und des Airāvata samt jener drohenden Rede.
Als der König so unterrichtet vom Wirken Airāvatas erfuhr, beriet er sich sogleich mit dem Hauspriester über ein Gegenmittel und entsandte die göttliche Waffe namens Vāraṇāstra, die elefantenbezwingende; sobald diese Waffe den Elefanten erreichte, wurde dieser bewegungslos.
Die Götter, die Airāvata begleiteten, meldeten Maghavan, dass Airāvata und der Vajra durch jene Waffe des Großmütigen gelähmt worden seien. Als er dies hörte, geriet der überaus erzürnte Maghavan in Kampfbereitschaft; beim Anblick des gerüsteten Indra gerieten auch die Götter in Aufruhr. Von ihm entsandt, zogen alle diese Krieger zu jener Stadt; das Heer des Śatakratu [Indra] zog aus, einem tosenden Ozean gleich.
Als der König dies sah, zog er eilends mit seinem Heer aus der Stadt; da entbrannte der Kampf zwischen dem göttlichen und dem menschlichen Heer.
Ein niegesehenes Wunder brach los, aufschreiend, furchterregend: Von göttlichem Trommelgedröhn, Muschelhorn- und Bherī-Klängen, Flöten- und Trompetenschall erfüllte sich der Himmel. Elefanten kämpften gegen Elefanten, Fußsoldaten gegen Fußsoldaten, Streitwagen gegen Streitwagen, Rosse gegen Rosse, so alle miteinander; mit Pfeilen, Keulen, Speeren, Hellebarden und Kriegshämmern, mit Bögen, Lanzen, Dreizacken, Wurfspießen und Äxten schlugen sie so mit mancherlei Waffen aufeinander ein.
Manche mit abgeschlagenem Haupt, andere mit durchtrennter Brust, manche mit abgehauenen Händen, manche mit durchbohrtem Brustkorb; manche Elefanten mit abgehauenem Rüssel, mit gespaltenem Kopf; ebenso sah man Rosse mit durchbohrtem Herzen. Blutströme ergossen sich von Elefanten, Wagen und Rossen; von hinfallenden Waffen übersät erschienen die Schlachtfelder.
Als die Schlacht so tobte, spornte Pākaśāsana [Indra], siegesbegierig, eilends alle Heerführer der Götter an. Von ihm angetrieben, schlugen die Götter das Heer des Königs in die Flucht und errangen sogleich den Sieg. Da wurde der König zornig; als sein Heer vernichtet war, entfesselte er nun göttliche Waffen — das Feuerwaffen-Astra (Āgneya) und andere kamen zum Einsatz, o großer Weiser.
Auch diese wehrte der zornige Indra mit Pfeilwolken ab. Da verzagte Kīrtimālī und erinnerte sich an das vom besten der Brahmanen erhaltene Fluggerät [bzw. die erhaltene Lehre]; er entsann sich dessen und ließ es daraufhin so anfertigen: einen mit dem großen Sudarśana-Yantra versehenen Baldachin (vitāna). Nachdem er ihn hatte fertigen lassen, setzte sich der König in dessen Schatten.
[?] Mehrere Details der Schlachtschilderung (V.104-107) und der Übergang zur Anfertigung des Baldachins (V.112-113) sind wegen starker OCR-Beschädigung mit Unsicherheiten rekonstruiert; der Gesamtverlauf — Niederlage, dann Zuflucht zum Sudarśana-Baldachin — ist eindeutig.
Er schleuderte nun den Viṣṇu-Diskus (cakra), gewaltig, wie aus großem Feuer entsprungen; mit seinem Glanz die ganze Welt erfüllend, strahlte er am Himmel. Allein durch dessen Glanz wurden alle Götter im Kampf zurückgeschlagen; die Götterscharen vermochten ihm nicht standzuhalten, o Weiser.
Da entsandte der erzürnte Maghavan seine göttlichen Waffen; alle diese, dort einschlagend, lösten sich in dem Viṣṇu-Diskus auf — wie Falter im Feuer, aufgelöst in jenem, der der Ursprung aller Waffen ist. Immer wieder schleuderte er darauf alle seine Waffen. Schließlich, aufs Äußerste erzürnt, schleuderte er den von den Göttern verehrten Vajra; auch dieser verschwand, ebenso wie die anderen, genau dort.
Als Śakra [Indra] dies sah, näherte er sich, erstaunt, der Seite des Königs; und Kīrtimālī, unter dem Baldachin sitzend, erhob sich vor dem vor ihm stehenden Götterfürsten, verneigte sich und pries ihn mit gütigen Worten. Da sprach der zufriedene Gemahl der Śacī [Indra] zum König dies: 'Früher waren die von dir entsandten Waffen wirkungslos; jetzt zeigt sich das Gegenteil — sage mir den Grund.'
[Der König erwiderte:] 'Wisse, o Herr der Götter, dass diese Unbesiegbarkeit uns durch die Macht dieses mit dem großen Sudarśana-Yantra versehenen Baldachins zuteil geworden ist.' [Da sprach Indra:] 'Von nun an, o Großkönig, sei Freundschaft zwischen uns beiden; was mein ist, sei dein, und was dein ist, sei mein' — so sprechend, zog der Gott mit Heer, Waffen und Reittier zum Himmel zurück; und Kīrtimālī, zufrieden und siegreich, kehrte in seine eigene Stadt zurück.
So endet im ehrwürdigen Pañcarātra, im Tantrageheimnis, in der Ahirbudhnya-Saṃhitā, das mit 'Zur Schilderung der Macht des mit dem großen Sudarśana-Yantra versehenen Baldachins: die Erzählung von Kīrtimālī' betitelte fünfzigste Kapitel. Oṃ. (Von Anfang an: Verse 3237.)
[?] Kolophon-Ziffer im Original stark beschädigt überliefert; rechnerisch korrigiert auf 3237 (3112 am Ende von Kap.49 + 125 Verse in Kap.50), analog zur Korrektur in Kap.48. V.115, V.123 einzelne Wendungen unsicher rekonstruiert (starke OCR-Schäden am Kapitelende).