Paṭala 18: Mantroddhāraḥ
Achtzehntes Kapitel – Die Extraktion der Mantras
Anleitung zur silbenweisen Konstruktion des Sudarśana-Großmantras aus den in Kap.17 katalogisierten Phonem-Epitheta: Extraktion des Śakti-Mantras (V.1-12), Beschreibung der Sudarśana-Śakti in zehn-/vier-/sechssilbiger Form (V.13-18), Konstruktion des 5. und 6. Samenworts (bīja) in je drei Zuständen fein/grob/mittel (V.19-29), die 16-silbige Sudarśana-Gāyatrī mit Herleitung von Puruṣa- und Śrī-Sūkta (V.30-33), eine dichte Beschreibung der Śakti-Natur (V.34-38), die 7-/8-/9-silbigen Formen und der einsilbige 'König aller Glied-Mantras' (V.39-44), sowie ein abschließender Lobpreis auf das schützende Rad-Mantra (V.45-48). [Anm.: Stark technischer, formelhafter Mantra-Konstruktionstext; mehrere dichte/beschädigte Passagen (V.7-8, V.17-18, V.34-38) wegen OCR-Schäden nur im Gesamtsinn bzw. mit [?]-Markierungen wiedergegeben, nicht als lückenlos gesicherte Wort-für-Wort-Übertragung.]
Das meditierte, in einer einzigen Erscheinung zehnmillionenfach blitzende, Śiva[-artige] [Licht] – jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarśana wollen wir erschauen [Anrufungsvers, wortgleich mit dem Kapitel-16-Motto]. (Zunächst: die Extraktion des Śakti-Mantras) Ahirbudhnya sprach: Man soll zuerst die Śakti extrahieren, die in Agni-Soma-Wesen weilt, in Viṣṇu weilend, in der höchsten Seele weilend, wiederum die Alldurchdringende berührend. Nachdem er das Herz der Vāṇī [der Sprachgöttin] genommen hat, soll er es mit der inneren Seele verbinden; nachdem er es wiederum mit dem Herzlaut vereinigt hat, soll er das Paar der Zischlaute (ūṣman) verbinden. (V.2) Er gedenke der großen Śakti mit den fünf Punkten (pañcabindu), sodann ihres Sitzes; er gedenke wiederum in Gedanken jener, die sich auf den Herrn des Himmelsraums (Vyomeśa) stützt. (V.3) (Kurz gefasst: ihre Macht) Diese göttliche große Śakti, geschmückt mit Mond, Sonne und Feuer, heißt Māyā, [die Kraft] Viṣṇus, [?] von emporragender Herrschermacht. Durch ihre grob-, fein- und höchststoffliche Natur wird diese Śakti bestimmt; sie ist der Ursprung aller Sudarśana-Mantras, o großer Weiser. (V.5) Von allen aus Viṣṇus Willensentschluss geformten [Gestalten] und den anderen vaiṣṇavischen [Mantras] auf Erden – sie ist die höchste [Kraft] der Śakti, sie ist das Ich-Prinzip (ahantā), sie ist die höchste [Kraft] Haris. (V.6) [?: V.7-8, sehr technische, unsichere Verse über die 'Knospe' (koraka) mannigfaltiger Wort- und Sinngehalte entsprechend jenem Willensentschluss, gebildet aus sechs Lauten an Anfang und Ende der Vokalpaare, verbunden mit der eigenen Śakti.] (Die Extraktion des Sudarśana-Großmantras) Nachdem er im Geiste jene vaiṣṇavische Śakti bis zur Zufriedenheit geübt hat, soll der makellose Weise das große Sudarśana-Mantra extrahieren: das im Śakti-Herzen befindliche Unsterbliche soll er mit [dem Laut] Aprameya bezeichnen; (V.9) jene göttliche innere Seele, die höchste Seele, soll er sogleich mit dem ersten [Laut] verbinden, die allein in jenem weilt. (V.10) Der Weise gedenke des allein darin weilenden Soma und des darin weilenden [Prinzips], des alle Welten tragenden und des darin weilenden Wonne[-Prinzips]. (V.11) Nachdem er das wirkende Feuer (kārapāvaka), das die Brennstoffe böser Sünde verzehrt, genommen hat, soll er es eben mit dem Alldurchdringenden, vielfach Erscheinenden, verbinden. (V.12)
Kapitelbeginn 'Mantroddhāra' (Mantra-Extraktion): Anleitung, wie das Sudarśana-Großmantra silbenweise aus den in Kap.17 katalogisierten Phonem-Epitheta (Viṣṇu-Namen) zusammengesetzt wird. V.7-8 wegen OCR-Schäden nur im Gesamtsinn wiedergegeben.
Die zehnsilbige (daśākṣarī) große Wissenschaft, die Śakti Sudarśana, ist heilbringend (śivam); von grob-, fein- und höchststofflicher Gestalt, die Verkörperung von Viṣṇus Willensentschluss. (V.13) Sie, die den jeweiligen mannigfaltigen Willensentschluss, sei er seiend oder nichtseiend, hervorbringt, dem gesamten Wesen Viṣṇus folgend – ist die höchste Sudarśana-Verfassung. Sie, die vom Äther bis zur Erde der Unterscheidung der Wesenheiten folgt – die feine Sudarśana-Śakti, welche Ursache und Wirkung unterscheidet. Sie, deren Wesen die Vernichtung der Finsternis der jeweiligen bösen Göttinnenscharen ist, reich an der Gestalt des groben Rades – ist Viṣṇus Willensverfassung. Diese vierbuchstabige [Mantra-Form], vollständig durch die in Vokalen und Konsonanten gegründeten Laute, ist der Ursprung aller Erfolge, das Kennwort ihrer Eigennatur [?]. (V.17) [?: V.18] Jenseits davon befinden sich weitere Silben ihres Zustands; durch diese beiden [Gruppen] ergibt sich jene sechssilbige Wissenschaft, die Welten-Bewirkerin. (V.18)
Beschreibung der Sudarśana-Śakti in ihren zehn-, vier- und sechssilbigen Mantra-Formen. V.17-18 (technische Silbenkonstruktion) im Scan unsicher, [?] markiert.
(Die dreifache Darlegung des fünften Samenworts) Nachdem er die höchste Seele genommen hat, soll er sie mit dem Aufgang (udaya) verbinden; das wohlgereinigte Grundprinzip (pradhāna) soll er extrahieren – das höchste fünfte Samenwort. (V.19) Jenes, versehen mit dem Udāma-Laut, wird das feine fünfte Samenwort genannt, mit Lebensatem versehen, Stütze der Welt, Vernichter von Übeltat und Dämonen. (V.20) Das grobe fünfte Samenwort aber ist das unübertreffliche Sudarśana[-Wort]. (Nun die Darlegung des sechsten Samenworts) Jenes furchtbare Sāṅkarṣaṇa-Prinzip, der Śārṅga-Bogen, die höchste Waffe – (V.21) soll er mit 'Aprameya' und allein mit dem Mondlicht (candrikā) verbinden; jenes höchste, sechste [Samenwort], glanzreich in Sudarśana – (V.22) als das in allen Lehrschriften gegründete, unermessliche Glanzprinzip: dies ist, o Nārada, die im sechsten Samenwort begründete Verfassung, wie erklärt. (V.23) Jenes, von Gestalt des vollen Auges, von unübertrefflicher Fülle-Herrschaft, ausgebreitet, vom ersten [Laut] durchdrungen, glänzend als Alles-Sättigender – (V.24) wird das feine, sechste, höchste Sudarśana-Samenwort genannt; und es breitet sich mit Wohlwollen aus, indem es wiederum das All sättigt. Dies ist dir der mittlere Zustand, das feine Sechste, aufgezeigt. Śvetā genannt, alldurchdringend erfasst, allein durch Wonne gekennzeichnet – (V.27) ist dir, o weiser Nārada, das grobe Sechste als Wissenschaft bezeichnet. So wie ein Feldbestellender, der einen Baumstumpf gefällt, verbrannt und die Asche ausgeblasen hat, (V.28) und, nach Frucht verlangend, die Samen mit Wasser ausgestreut, sie gesättigt, seine Mühsal beendet, mannigfache Frucht erlangend, (V.29) überaus Wonne erlangt – so [wirkt] dieses höchste Sechste, o Weiser.
Konstruktion des 5. und 6. Samenworts (bīja) des Sudarśana-Mantras, jeweils in drei Zuständen (fein/grob/mittel), mit einem Gleichnis vom fruchtbringenden Ackerbau für die Wirkung des groben sechsten Bīja.
So ist dir die Sudarśana-Śakti erklärt, jene sechzehnsilbige [Mantra-Form]. Von ihrer eigenen Kraft durchdrungen, wird sie diese Gāyatrī genannt. (V.30) (Nochmals: die Erhabenheit des Śakti-Mantras) Diese Sudarśana-Śakti, die die Samen des Daseinskreislaufs vernichtet – wiederholt, verehrt, geopfert, meditiert – errettet fürwahr den Übenden. (V.31) Ihr besonderes [?] viertes Samenwort, der höchste Kern, wird als die auf sie bezogene, mondwesenhafte Śakti erinnert. (Die Entfaltung von Puruṣa-Sūkta und Śrī-Sūkta aus dem ersten und zweiten Buchstaben des Śakti-Mantras) Aus dem allerersten Buchstaben ist das Puruṣa-Sūkta [der Hymnus vom Urmenschen] hergeleitet; aus dem zweiten Buchstaben entstanden ist das, o Weiser, was Śrī-Sūkta genannt wird. (V.33) (Kurz gefasste Beschreibung des Mantra-Sinns) [Anm.: V.34-38 im Scan stark komprimiert/beschädigt.] Als 'Sahasrārtha' (Tausendfach-Bedeutung) wird das Wissen erinnert, das man 'Sahasrāra' nennt [...]; als unendlich, als Lebensatem wird jenes bezeichnet; als das höchste Wissen wird es bezeichnet, ewig rein, makellos. (V.35) Die aus Erkenntnis und Wirkkraft bestehende Śakti ist so die Sudarśana-Kraft (kalā), die, nachdem sie selbst zum Wohl der Welt zum erhabenen Aufgang gelangt ist, (V.36) lebensatem- und sonnenhaft geworden, die höchste Seele verkörpernd, nachdem sie alles Übel für immer vernichtet hat, das Universum sättigt. (V.37) Rein (śvetā), überaus heiter, erfreut sie sich selbst beständig an Wonne, [ausgedrückt] durch zusammengefügte, umfangreiche Sätze, Laute und Wörter. (V.38)
Zusammenfassung: 16-silbige Sudarśana-Gāyatrī, Herleitung von Puruṣa- und Śrī-Sūkta aus den ersten beiden Buchstaben des Śakti-Mantras, abschließend eine dichte, teils gap-summarierte Beschreibung der erkenntnis-/wirkkraftvollen Natur der Śakti.
(Die siebensilbige Sudarśana[-Form]) Von der Praṇava-Silbe [Oṃ] durchdrungen, wird diese als die siebensilbige [Form] erinnert. (V.39) (Die achtsilbige Sudarśana[-Form]) Und von ihrer eigenen Śakti durchdrungen, wird diese als die achtsilbige [Form] erinnert. (Die neunsilbige Sudarśana[-Form]) Wiederum mit Einsicht (dhī) vereint, wird diese als die neunsilbige [Form] erinnert. (Nun, zum Zweck der Gliedervollendung, ein Ein-Silben-Gliedmantra) Nun vernimm, zum Zweck der Vollendung der Glieder dieses [Mantras], ein einzelnes Glied: zuerst soll er den Mondstrahl [-Laut] extrahieren und mit 'Aprameya' schmücken. (V.40) Die alle Welten tragende [Silbe], verbunden mit der Wirkkraft des Grundprinzips, von Wonne durchdrungen – soll er als zweiten Kern extrahieren. (V.42) Sodann, nachdem er das Vierfach-Bewegte genommen hat, soll er es mit 'Aprameya' schmücken; danach, nachdem er auch das Unsterbliche genommen hat, geschmückt mit dem Nektar-Träger – (V.43) sodann mit Wonne verbunden, soll er die höchste Seele extrahieren. Dieses von Wonne erfüllte Mantra ist der König aller Glied-Mantras. (V.44) Mit über die Maßen glänzenden, blütenstrahlengleichen [Strahlen], mit dem Glanz von zehntausend Sonnen, dem Urgott gleich an Leuchtkraft – (V.45) stets zufrieden, das Mantra-Wesen, im feinen Zustand so erklärt; mit dem Glanz der Karāla-Gestalt, mit dem blitzenden Diskus als Waffe versehen [?] – (V.46) nachdem es alle Übel mit seiner eigenen Glut vernichtet hat, beschützt es, von Mond-Sonne-Feuer-Gestalt, die drei Welten. So ist die grobe, göttliche Erscheinungsweise des Rad-Mantras erklärt. Dies soll er mit mannigfachen Samenwörtern in seiner Gliederfolge bereiten; wie er das Rad-Mantra verbinden soll, das vernimm nun von mir. (V.48) So endet im ehrwürdigen Pāñcarātra, im Tantrarahasya, in der Ahirbudhnya-Saṃhitā das achtzehnte Kapitel mit dem Namen 'Die Extraktion der Mantras'. Om. (Von Anfang an gezählt: 1103 Verse)
Abschluss: 7-/8-/9-silbige Sudarśana-Formen, Konstruktion des einsilbigen 'Königs aller Glied-Mantras', abschließender Lobpreis auf die schützende Kraft des Rad-Mantras (Cakramantra), Überleitung zum folgenden Kapitel (Aṅga-Mantra-Extraktion, Kap.19).