Die rege, jugendliche Frau, die Hausgenossin, die Nacht des Gottes Savitṛ, des Bhaga – gut anzurufen, voll gesammelter Schönheit, hat mit ihrer Größe Himmel und Erde erfüllt. [Anm.: das Wort "aśvakṣabhā" ist unsicherer Bedeutung]
ati viśvāny aruhad gambhiro varṣiṣṭham aruhanta śraviṣṭhāḥ uśatī rātry anu sā bhadrābhi tiṣṭhate mitra iva svadhābhiḥ
Über alles hinweg stieg die Tiefe empor, zum Höchsten stiegen die Ruhmvollsten; die begehrende Nacht folgt dem Lauf – sie, die Gütige, waltet mit eigener Wesensart wie Mitra. [Anm.: der Bildzusammenhang dieses Verses bleibt unsicher]
Wort für Wort
ati
über (Präverb)
viśvāny
alles (Akk.Pl.n.)
aruhad
stieg empor (Impf.)
gambhiro
die Tiefe (Nom.) [?]
varṣiṣṭham
zum Höchsten (Akk.)
aruhanta
stiegen (3.Pl.Impf.)
śraviṣṭhāḥ
die Ruhmvollsten (Nom.Pl.)
uśatī
die begehrende (Nom.f.)
rātry
Nacht (Nom.)
anu
dem Lauf folgend (Adv.)
sā
sie (Nom.)
bhadrābhi
bhadrā 'die Gütige' (Nom.) + abhi (Präverb zu tiṣṭhate 'waltet über') [Sandhi, kein Kompositum]
Dich, Erwählenswerte, grüße ich, Glückliche, Wohlgeborene; du bist gekommen, o Nacht – wohlgesinnt möchte ich hier sein. Beschütze uns, beschütze das für die Männer Geborene und was an Kuhbesitz zum Gedeihen gehört.
Des Löwen Kraft, o begehrende Nacht, des Zermalmenden, des Tigers, des Panthers Glanz hast du dir genommen, des Pferdes Röte, des Menschen Stimme – viele Gestalten nimmst du an, wenn du erstrahlst. [Anm.: "pīṃṣasya" ist ein unsicheres Wort]
śivāṃ rātrim anusūryaṃ ca himasya mātā suhavā no astu asya stomasya subhage ni bodha yena tvā vande viśvāsu dikṣu
Die heilsame Nacht, die der Sonne folgt, die Mutter des Frostes, sei uns gut anzurufen; vernimm, o Glückliche, dieses Loblied, mit dem ich dich in allen Richtungen preise.
An unserem Loblied, o leuchtende Nacht, erfreue dich wie ein König; wir möchten mit allen unseren Männern gedeihen, reich an allem Gut sein, wenn die Morgenröten dir folgend aufleuchten.
Wort für Wort
stomasya
am Loblied (Gen.)
no
unserem (Gen.)
vibhāvari
o leuchtende (Vok.)
rātri
o Nacht (Vok.)
rājeva
wie ein König (Nom.+iva)
joṣase
erfreue dich (2.Sg.Med.)
asāma
wir möchten sein (Opt.)
sarvavīrā
sarva 'alle' + vīrā 'Männer, Helden' → mit allen Männern/reich an Männern (Nom.Pl.) [Kompositum]
bhavāma
wir möchten sein (Opt.)
sarvavedaso
sarva 'alle' + vedasaḥ 'Güter, Habe' → reich an allem Gut (Nom.Pl.) [Kompositum]
vyuchantīr
aufleuchtend (Ptz.Nom.Pl.f.)
anūṣasaḥ
anu 'entlang, folgend' + uṣasaḥ 'Morgenröten' → die Morgenröten folgend (Nom.Pl.) [Kompositum]
śamyā ha nāma dadhiṣe mama dipsanti ye dhanā rātrīhi tān asutapā ya steno na vidyate yat punar na vidyate
'Ruhe' fürwahr ist der Name, den du trägst. Die, die meine Güter zu rauben trachten – sie mache, o Nacht, atemlos, so dass es keinen Dieb mehr gibt, so dass es keine Wiederkehr des Diebstahls gibt.
bhadrāsi rātri camaso na viṣṭo viṣvaṅ gorūpaṃ yuvatir bibharṣi cakṣuṣmatī me uśatī vapūmṣi prati tvaṃ divyā na kṣām amukthāḥ
Heilvoll bist du, o Nacht, wie ein gut gefüllter Becher; nach allen Seiten trägst du, jugendlich, deine Kuhgestalt. Sehend, begehrend hast du meine Gestalten wahrgenommen; du hast dich herabgesenkt, wie das Himmlische sich der Erde nähert. [Anm.: dieser Vers ist stark bildhaft und in seiner Konstruktion, besonders am Schluss, unsicher]
Wort für Wort
bhadrāsi
heilvoll bist du (bhadrā+asi)
rātri
o Nacht (Vok.)
camaso
Becher (Nom.)
na
wie
viṣṭo
gut gefüllt (Nom.) [?]
viṣvaṅ
nach allen Seiten
gorūpaṃ
Kuhgestalt (Akk.)
yuvatir
jugendlich (Nom.f.)
bibharṣi
trägst du (2.Sg.)
cakṣuṣmatī
sehend (Nom.f.)
me
meine (Gen.)
uśatī
begehrend (Nom.f.)
vapūmṣi
Gestalten (Akk.Pl.)
prati
(Präverb, wahrgenommen)
tvaṃ
du
divyā
das Himmlische (Nom.)
na
wie
kṣām
der Erde (Akk.)
amukthāḥ
hast du dich genähert/herabgesenkt [?] (2.Sg.Aor.)
pra pādau na yathāyati pra hastau na yathāśiṣat yo malimlur upāyati sa saṃpiṣṭo apāyati apāyati svapāyati śuṣke sthāṇāv apāyati
So dass er nicht mehr mit den Füßen gehen, nicht mehr mit den Händen greifen kann – wer als Schmutziger herankommt, der ziehe zermalmt wieder ab; er ziehe ab, er schlafe für immer ein, an dürrem Baumstumpf ziehe er ab.