Beruhigt sei der Himmel, beruhigt die Erde, beruhigt diese weite Luftregion; beruhigt seien die wellenreichen Wasser, beruhigt sollen uns die Pflanzen sein.
śāntāni pūrvarūpāṇi śāntaṃ no astu kṛtākṛtam śāntaṃ bhūtaṃ ca bhavyaṃ ca sarvam eva śam astu naḥ
Beruhigt seien die Vorzeichen, beruhigt sei uns, was getan und ungetan ist; beruhigt sei das Gewordene und das Werdende; alles zusammen sei uns heilsam.
Wort für Wort
śāntāni
beruhigt (Nom.Pl.n.)
pūrvarūpāṇi
die Vorzeichen (Nom.Pl.n.)
śāntaṃ
beruhigt (Nom.Sg.n.)
no
uns (Dat.Pl.)
astu
sei (3.Sg.Imperativ)
kṛtākṛtam
was getan und ungetan ist (Nom.Sg.n., Kompositum/Dvandva: kṛta 'getan' + a-kṛta 'ungetan')
Dieser höchste, durch das heilige Wort geschärfte Geist – durch den man das Schreckliche geschaffen hat, durch eben den sei uns Beruhigung. [Anm.: der Bezug des Duals „vāṃ“ auf den im Singular stehenden „manas“ ist im Text uneinheitlich]
Wort für Wort
idaṃ
dieser (Nom.Sg.n.)
yat
der/welcher (Nom.Sg.n.Rel.)
parameṣṭhinaṃ
höchste (Nom.Sg.n.)
mano
Geist (Nom.Sg.n.)
vāṃ
[Dual, unklarer Bezug] (Akk./Gen.Dual)
brahmasaṃśitam
durch das heilige Wort geschärft (Nom.Sg.n., Kompositum: brahman 'heiliges Wort' + saṃśita 'geschärft' → 'durch das Brahman geschärft')
imāni yāni pañcendriyāni manaḥṣaṣṭhāni me hṛdi brahmaṇā saṃśitāni yair eva sasṛje ghoraṃ tair eva śāntir astu naḥ
Diese meine fünf Sinne, mit dem Denken als sechstem, in meinem Herzen, durch das heilige Wort geschärft – durch die man das Schreckliche geschaffen hat, durch eben die sei uns Beruhigung.
Wort für Wort
imāni
diese (Nom.Pl.n.)
yāni
die (Nom.Pl.n.Rel.)
pañcendriyāni
fünf Sinne (Nom.Pl.n., Kompositum: pañca 'fünf' + indriya 'Sinnesvermögen' → fünf Sinne)
manaḥṣaṣṭhāni
mit dem Denken als sechstem (Nom.Pl.n., Kompositum: manas 'Denken, Geist' + ṣaṣṭha 'sechster' → 'das Denken als sechstes habend')
śaṃ no mitraḥ śaṃ varuṇaḥ śaṃ vivasvāṃ cham antakaḥ utpātāḥ pārthivāntarikṣāḥ śaṃ no divicarā grahāḥ
Heilsam sei uns Mitra, heilsam Varuṇa, heilsam Vivasvat, heilsam der Ender (Antaka); heilsam die irdischen und luftischen Vorzeichen, heilsam die am Himmel wandelnden Planeten.
Wort für Wort
śaṃ
heilsam
no
uns (Dat.Pl.)
mitraḥ
Mitra (Nom.Sg.)
śaṃ
heilsam
varuṇaḥ
Varuṇa (Nom.Sg.)
śaṃ
heilsam
vivasvāṃ
Vivasvat (Sonnengott, Nom.Sg.)
cham
heilsam (=śam)
antakaḥ
der Ender (Todesgott, Nom.Sg.)
utpātāḥ
die Vorzeichen (Nom.Pl.)
pārthivāntarikṣāḥ
die irdischen und luftischen (Nom.Pl., Kompositum/Dvandva: pārthiva 'irdisch' + āntarikṣa 'luftisch, zur Luftregion gehörig')
śaṃ no bhūmir vepyamānā śam ulkā nirhataṃ ca yat śaṃ gāvo lohitakṣīrāḥ śaṃ bhūmir ava tīryatīḥ
Heilsam sei uns die bebende Erde, heilsam die Sternschnuppe und was niedergeschlagen ist; heilsam die Kühe mit blutroter Milch, heilsam die Erde, wenn sie sich senkt. [Anm.: „ava tīryatīḥ“ ungewöhnliche Bildung, Sinn unsicher]
nakṣatram ulkābhihataṃ śam astu naḥ śaṃ no 'bhicārāḥ śam u santu kṛtyāḥ śaṃ no nikhātā valgāḥ śam ulkā deśopasargāḥ śam u no bhavantu
Ein von einer Sternschnuppe getroffenes Gestirn sei uns heilsam; heilsam seien uns die Verwünschungen, heilsam auch die Zauberwerke; heilsam die vergrabenen Zauberbündel; heilsam sollen uns Sternschnuppe und Landplagen sein.
Heilsam die Rudras, heilsam die Vasus, heilsam die Ādityas, heilsam die Feuer; heilsam uns die großen Seher, die Götter; heilsam die Götter, heilsam Bṛhaspati.
brahma prajāpatir dhātā lokā vedāḥ saptaṛṣayo 'gnayaḥ tair me kṛtaṃ svastyayanam indro me śarma yachatu brahmā me śarma yachatu viśve me devāḥ śarma yachantu sarve me devāḥ śarma yachantu
Das heilige Wort, Prajāpati, Dhātṛ, die Welten, die Veden, die sieben Ṛṣis, die Feuer – durch sie sei mir Heilsgang bereitet. Indra gewähre mir Schutz, das heilige Wort gewähre mir Schutz, alle Götter mögen mir Schutz gewähren, sämtliche Götter mögen mir Schutz gewähren.
pṛthivī śāntir antarikṣaṃ śāntir dyauḥ śāntir āpaḥ śāntir oṣadhayaḥ śāntir vanaspatayaḥ śāntir viśve me devāḥ śāntiḥ sarve me devāḥ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ śāntibhiḥ yad iha ghoraṃ yad iha krūraṃ yad iha pāpaṃ tac chāntaṃ tac chivaṃ sarvam eva śam astu naḥ
Die Erde ist Beruhigung, die Luftregion ist Beruhigung, der Himmel ist Beruhigung, die Wasser sind Beruhigung, die Pflanzen sind Beruhigung, die Bäume sind Beruhigung; alle Götter sind mir Beruhigung, sämtliche Götter sind mir Beruhigung – Beruhigung, Beruhigung, Beruhigung durch die Beruhigungen. Was hier schrecklich ist, was hier grausam ist, was hier böse ist – das sei beruhigt, das sei gütig; alles zusammen sei uns heilsam.