Rāmāyaṇa · Kiṣkindhākāṇḍa
Sarga 12: Vāli Sugrīva Yuddham
Der erste Kampf zwischen Vāli und Sugrīva
etac ca vacanam śrutvā sugrīvasya subhāṣitam |
pratyayārtham mahātejā rāmo jagrāha kārmukam || 4-12-1
Nachdem er diese wohlgesprochenen Worte Sugrīvas gehört hatte, ergriff der gewaltige Rāma zum Beweis den Bogen.
Wort für Wort etac ca vacanam śrutvā und nachdem er dieses Wort gehört hatte sugrīvasya subhāṣitam Sugrīvas wohlgesprochenes pratyayārtham zum Zweck des Beweises mahātejā rāmaḥ der gewaltige Rāma jagrāha kārmukam ergriff den Bogen sa gṛhītvā dhanur ghoram śaram ekam ca mānadaḥ |
sālam uddiśya cikṣepa pūrayan sa ravaiḥ diśaḥ || 4-12-2
Er, der Ehrenwerte, ergriff den furchtbaren Bogen und einen einzigen Pfeil, zielte auf den Sāla-Baum und schoss ihn ab, die Himmelsrichtungen mit seinem Dröhnen erfüllend.
Wort für Wort sa gṛhītvā dhanur ghoram er, den furchtbaren Bogen ergreifend śaram ekam ca mānadaḥ und einen Pfeil, der Ehrenwerte sālam uddiśya cikṣepa auf den Sāla zielend, schoss ab pūrayan sa ravaiḥ diśaḥ die Richtungen mit Getöse erfüllend sa visṛṣṭo balavatā bāṇaḥ svarṇa pariṣkṛtaḥ |
bhittvā sālān giri prastham sapta bhūmim viveśa ha || 4-12-3
Der von dem Starken abgeschossene, goldverzierte Pfeil durchbohrte die Sāla-Bäume, den Bergabhang, und drang siebenfach in die Erde ein.
Wort für Wort sa visṛṣṭo balavatā der von dem Starken abgeschossene bāṇaḥ svarṇa pariṣkṛtaḥ der goldverzierte Pfeil bhittvā sālān giri prastham die Sāla-Bäume und den Bergabhang durchbohrend sapta bhūmim viveśa ha drang siebenfach in die Erde ein sāyakaḥ tu muhūrtena sālān bhittvā mahājavaḥ |
niṣpatya ca punaḥ tūrṇam tam eva praviveśa ha || 4-12-4
Der Pfeil aber durchbohrte in einem Augenblick mit gewaltiger Geschwindigkeit die Sāla-Bäume, flog hindurch und kehrte dann schnell wieder in den Köcher zurück.
Wort für Wort sāyakaḥ tu muhūrtena der Pfeil aber in einem Augenblick sālān bhittvā mahājavaḥ die Sāla-Bäume mit großer Geschwindigkeit durchbohrend niṣpatya ca punaḥ tūrṇam und schnell wieder heraustretend tam eva praviveśa ha kehrte eben dorthin zurück tān dṛṣṭvā sapta nirbhinnān sālān vānarapuṃgavaḥ |
rāmasya śara vegena vismayam paramam gataḥ || 4-12-5
Als der Stier unter den Affen die sieben durchbohrten Sāla-Bäume sah, geriet er wegen der Wucht von Rāmas Pfeil in höchstes Erstaunen.
Wort für Wort tān dṛṣṭvā sapta nirbhinnān sālān als er die sieben durchbohrten Sāla-Bäume sah vānarapuṃgavaḥ der Stier der Affen rāmasya śara vegena durch die Wucht von Rāmas Pfeil vismayam paramam gataḥ geriet in höchstes Erstaunen sa mūrdhnā nyapatat bhūmau pralaṃbīkṛta bhūṣaṇaḥ |
sugrīvaḥ parama prīto rāghavāya kṛtāṃjaliḥ || 4-12-6
Er, Sugrīva, dessen Schmuck herabhing, fiel höchst erfreut mit dem Kopf zu Boden und erwies Rāghava mit gefalteten Händen Ehrerbietung.
Wort für Wort sa mūrdhnā nyapatat bhūmau er fiel mit dem Kopf zu Boden pralaṃbīkṛta bhūṣaṇaḥ dessen Schmuck herabhing sugrīvaḥ parama prīto Sugrīva, höchst erfreut rāghavāya kṛtāṃjaliḥ zu Rāghava mit gefalteten Händen idam ca uvāca dharmajñam karmaṇā tena harṣitaḥ |
rāmam sarva astra viduṣām śreṣṭham śūram avasthitam || 4-12-7
Durch diese Tat erfreut, sprach er zu dem rechtskundigen Rāma, dem Besten unter den Kennern aller Waffen, der als Held dastand, folgendermaßen:
Wort für Wort idam ca uvāca und sprach dies dharmajñam karmaṇā tena harṣitaḥ zum Rechtskundigen, durch jene Tat erfreut rāmam sarva astra viduṣām śreṣṭham zu Rāma, dem Besten der Waffenkenner śūram avasthitam dem dastehenden Helden sa indrān api surān sarvām tvam bāṇaiḥ puruṣarṣabha |
samarthaḥ samare hantum kim punar vālinam prabho || 4-12-8
Du, o Stier unter den Männern, bist fähig, mit deinen Pfeilen sogar alle Götter samt Indra im Kampf zu töten – wieviel mehr erst Vālin, o Herr!
Wort für Wort sa indrān api surān sarvām selbst alle Götter samt Indra tvam bāṇaiḥ puruṣarṣabha du mit Pfeilen, o Stier der Männer samarthaḥ samare hantum fähig, im Kampf zu töten kim punar vālinam prabho wieviel mehr Vālin, o Herr yena sapta mahā sālā girir bhūmiḥ ca dāritāḥ |
bāṇena ekena kākutstha sthātā te ko raṇa agrataḥ || 4-12-9
O Kākutstha, wer könnte dir im Kampf standhalten, der du mit einem einzigen Pfeil sieben große Sāla-Bäume, den Berg und die Erde durchbohrt hast?
Wort für Wort yena sapta mahā sālā durch den sieben große Sāla-Bäume girir bhūmiḥ ca dāritāḥ der Berg und die Erde durchbohrt wurden bāṇena ekena kākutstha mit einem einzigen Pfeil, o Kākutstha sthātā te ko raṇa agrataḥ wer wird vor dir im Kampf standhalten adya me vigataḥ śokaḥ prītir adya parā mama |
suhṛdam tvām samāsādya mahendra varuṇopamam || 4-12-10
Heute ist mein Kummer geschwunden, heute ist meine Freude höchst, da ich dich, o dem Mahendra und Varuṇa gleicher Freund, gefunden habe.
Wort für Wort adya me vigataḥ śokaḥ heute ist mein Kummer geschwunden prītir adya parā mama meine Freude ist heute höchst suhṛdam tvām samāsādya da ich dich, den Freund, gefunden habe mahendra varuṇopamam der Mahendra und Varuṇa gleicht tam adya eva priyārtham me vairiṇam bhrātṛ rūpiṇam |
vālinam jahi kākutstha mayā baddho ayam aṃjaliḥ || 4-12-11
Töte noch heute, mir zuliebe, meinen Feind, der in Bruders Gestalt auftritt, den Vālin, o Kākutstha – hierzu falte ich die Hände.
Wort für Wort tam adya eva priyārtham me ihn, noch heute, mir zuliebe vairiṇam bhrātṛ rūpiṇam den Feind in Brudergestalt vālinam jahi kākutstha töte Vālin, o Kākutstha mayā baddho ayam aṃjaliḥ dies ist meine gefaltete Handhaltung tato rāmaḥ pariṣvajya sugrīvam priya darśanam |
pratyuvāca mahāprājño lakṣmaṇānugatam vacaḥ || 4-12-12
Da umarmte Rāma den lieblich anzusehenden Sugrīva, und der Hochweise sprach, während Lakṣmaṇa zuhörte, folgende Worte:
Wort für Wort tato rāmaḥ pariṣvajya da Rāma umarmend sugrīvam priya darśanam Sugrīva, den lieblich Anzusehenden pratyuvāca mahāprājño erwiderte der Hochweise lakṣmaṇānugatam vacaḥ ein Wort, dem Lakṣmaṇa folgte asmād gacchāma kiṣkindhām kṣipram gaccha tvam agrataḥ |
gatvā ca āhvaya sugrīva vālinam bhrātṛ gandhinam || 4-12-13
Von hier lass uns nach Kiṣkindhā gehen; geh du schnell voraus, und rufe dort, o Sugrīva, den Vālin heraus, der nur dem Namen nach dein Bruder ist.
Wort für Wort asmād gacchāma kiṣkindhām von hier lass uns nach Kiṣkindhā gehen kṣipram gaccha tvam agrataḥ geh du schnell voraus gatvā ca āhvaya sugrīva und rufe, o Sugrīva, wenn du dort bist vālinam bhrātṛ gandhinam Vālin, den nur dem Anschein nach Bruder sarve te tvaritam gatvā kiṣkindhām vālinaḥ purīm |
vṛkṣaiḥ ātmānam āvṛtya hi atiṣṭhan gahane vane || 4-12-14
Sie alle gingen eilends zu Kiṣkindhā, der Stadt Vālins, und hielten sich, sich mit Bäumen verbergend, im dichten Wald verborgen.
Wort für Wort sarve te tvaritam gatvā sie alle, eilends gegangen kiṣkindhām vālinaḥ purīm nach Kiṣkindhā, Vālins Stadt vṛkṣaiḥ ātmānam āvṛtya hi sich mit Bäumen verbergend atiṣṭhan gahane vane hielten sich im dichten Wald auf sugrīvo api vyanadad ghoram vālino hvāna kāraṇāt |
gāḍham parihito vegān nādaiḥ bhindan iva aṃbaram || 4-12-15
Sugrīva aber stieß, um Vālin herauszurufen, ein gewaltiges Gebrüll aus, fest gepanzert, mit solcher Wucht, dass er den Himmel zu zerreißen schien.
Wort für Wort sugrīvo api vyanadad ghoram Sugrīva aber brüllte gewaltig vālino hvāna kāraṇāt aus dem Grund, Vālin herbeizurufen gāḍham parihito vegān fest gepanzert, mit Wucht nādaiḥ bhindan iva aṃbaram mit seinen Schreien den Himmel gleichsam zerreißend tam śrutvā ninadam bhrātuḥ kruddho vālī mahābalaḥ |
niṣpapāta susaṃrabdho bhāskaro asta taṭāt iva || 4-12-16
Als der starke Vālī das Gebrüll seines Bruders hörte, stürmte er zornig und höchst erregt hervor, wie die Sonne, die vom Bergrand des Sonnenuntergangs herabstürzt.
Wort für Wort tam śrutvā ninadam bhrātuḥ dieses Gebrüll des Bruders hörend kruddho vālī mahābalaḥ zornig, der starke Vālī niṣpapāta susaṃrabdho stürmte höchst erregt hervor bhāskaro asta taṭāt iva wie die Sonne vom Untergangsrand tataḥ sutumulam yuddham vāli sugrīvayoḥ abhūt |
gagane grahayoḥ ghoram budha aṃgārakayoḥ iva || 4-12-17
Da entbrannte zwischen Vāli und Sugrīva ein höchst tumultartiger Kampf, furchtbar wie der zweier Planeten, Budha und Aṅgāraka, am Himmel.
Wort für Wort tataḥ sutumulam yuddham da ein höchst tumultartiger Kampf vāli sugrīvayoḥ abhūt entstand zwischen Vāli und Sugrīva gagane grahayoḥ ghoram furchtbar wie zwischen zwei Planeten am Himmel budha aṃgārakayoḥ iva wie Budha und Aṅgāraka talaiḥ aśani kalpaiḥ ca vajra kalpaiḥ ca muṣṭibhiḥ |
jaghnatuḥ samare anyonyam bhrātarau krodha mūrcchitau || 4-12-18
Mit Handflächen, dem Blitz gleich, und mit Fäusten, dem Donnerkeil gleich, schlugen die beiden Brüder, von Zorn übermannt, im Kampf aufeinander ein.
Wort für Wort talaiḥ aśani kalpaiḥ ca mit Handflächen, dem Blitz gleich vajra kalpaiḥ ca muṣṭibhiḥ und mit Fäusten, dem Donnerkeil gleich jaghnatuḥ samare anyonyam schlugen im Kampf aufeinander bhrātarau krodha mūrcchitau die beiden Brüder, vom Zorn überwältigt tato rāmo dhanuṣ pāṇiḥ tau ubhau samudaikṣata |
anyonya sadṛśau vīrau ubhau devau iva aśvinau || 4-12-19
Da betrachtete Rāma, den Bogen in der Hand, die beiden, die einander gleichenden Helden, wie die beiden Götter, die Aśvins.
Wort für Wort tato rāmo dhanuṣ pāṇiḥ da Rāma, den Bogen in der Hand tau ubhau samudaikṣata betrachtete die beiden anyonya sadṛśau vīrau die einander gleichenden Helden ubhau devau iva aśvinau wie die beiden Götter, die Aśvins yat na avagacchat sugrīvam vālinam vā api rāghavaḥ |
tato na kṛtavān buddhim moktum antakaram śaram || 4-12-20
Weil Rāghava weder Sugrīva noch Vālin voneinander unterscheiden konnte, fasste er nicht den Entschluss, den todbringenden Pfeil abzuschießen.
Wort für Wort yat na avagacchat sugrīvam weil er Sugrīva nicht unterschied vālinam vā api rāghavaḥ noch Vālin, Rāghava tato na kṛtavān buddhim deshalb fasste er nicht den Entschluss moktum antakaram śaram den todbringenden Pfeil abzuschießen etasmin antare bhagnaḥ sugrīvaḥ tena vālinā |
apaśyan rāghavam nātham ṛśyamūkam pradudruve || 4-12-21
Währenddessen, von Vālin geschlagen, floh Sugrīva, da er seinen Herrn Rāghava nicht helfen sah, zum Ṛśyamūka.
Wort für Wort etasmin antare bhagnaḥ sugrīvaḥ währenddessen der geschlagene Sugrīva tena vālinā von jenem Vālin apaśyan rāghavam nātham seinen Herrn Rāghava nicht sehend (helfend) ṛśyamūkam pradudruve floh zum Ṛśyamūka klānto rudhira sikta aṃgo prahāraiḥ jarjarī kṛtaḥ |
vālinā abhidrutaḥ krodhāt praviveśa mahāvanam || 4-12-22
Erschöpft, mit blutbespritzten Gliedern, durch die Schläge zermürbt, von Vālin im Zorn verfolgt, drang er in den großen Wald ein.
Wort für Wort klānto rudhira sikta aṃgo erschöpft, mit blutbespritzten Gliedern prahāraiḥ jarjarī kṛtaḥ durch Schläge zermürbt vālinā abhidrutaḥ krodhāt von Vālin im Zorn verfolgt praviveśa mahāvanam drang in den großen Wald ein tam praviṣṭam vanam dṛṣṭvā vālī śāpa bhayāt tataḥ |
mukto hi asi tvam iti uktvā sa nivṛtto mahābalaḥ || 4-12-23
Als der starke Vālī sah, dass er in den Wald eingedrungen war, sprach er aus Furcht vor dem Fluch: 'Du bist entkommen', und kehrte um.
Wort für Wort tam praviṣṭam vanam dṛṣṭvā als er ihn, in den Wald eingedrungen, sah vālī śāpa bhayāt tataḥ Vālī, da aus Furcht vor dem Fluch mukto hi asi tvam iti uktvā 'du bist entkommen' sagend sa nivṛtto mahābalaḥ kehrte der Starke um rāghavo api saha bhrātrā saha caiva hanūmatā |
tadeva vanam āgacchat sugrīvo yatra vānaraḥ || 4-12-24
Rāghava aber kam zusammen mit seinem Bruder und mit Hanumān zu eben jenem Wald, wo sich der Affe Sugrīva befand.
Wort für Wort rāghavo api saha bhrātrā Rāghava aber mit dem Bruder saha caiva hanūmatā und auch mit Hanumān tadeva vanam āgacchat kam zu eben jenem Wald sugrīvo yatra vānaraḥ wo der Affe Sugrīva (war) tam samīkṣya āgatam rāmam sugrīvaḥ saha lakṣmaṇam |
hrīmān dīnam uvāca idam vasudhām avalokayan || 4-12-25
Als Sugrīva Rāma zusammen mit Lakṣmaṇa herankommen sah, sprach er beschämt, zu Boden blickend, kleinlaut folgende Worte:
Wort für Wort tam samīkṣya āgatam rāmam als er den herangekommenen Rāma sah sugrīvaḥ saha lakṣmaṇam Sugrīva, zusammen mit Lakṣmaṇa hrīmān dīnam uvāca idam sprach beschämt kleinlaut dies vasudhām avalokayan zur Erde blickend āhvayasva iti mām uktvā darśayitvā ca vikramam |
vairiṇā ghātayitvā ca kim idānīm tvayā kṛtam || 4-12-26
Nachdem du zu mir gesagt hattest 'Rufe ihn heraus', und nachdem du mich deine Tapferkeit hattest zeigen lassen, und mich vom Feind niederschlagen ließest – was hast du nun getan?
Wort für Wort āhvayasva iti mām uktvā zu mir 'rufe heraus' sagend darśayitvā ca vikramam und Tapferkeit zeigen lassend vairiṇā ghātayitvā ca und vom Feind schlagen lassend kim idānīm tvayā kṛtam was hast du nun getan tām eva velām vaktavyam tvayā rāghava tattvataḥ |
vālinam na nihanmi iti tato na aham ito vraje || 4-12-27
Schon zu jener Zeit hättest du mir wahrheitsgemäß sagen sollen: 'Ich werde Vālin nicht töten' – dann wäre ich nicht von hier fortgegangen.
Wort für Wort tām eva velām vaktavyam gerade zu jener Zeit hätte gesagt werden sollen tvayā rāghava tattvataḥ von dir, o Rāghava, wahrheitsgemäß vālinam na nihanmi iti 'ich werde Vālin nicht töten' tato na aham ito vraje dann wäre ich nicht von hier gegangen tasya ca evam bruvāṇasya sugrīvasya mahātmanaḥ |
karuṇam dīnayā vācā rāghavaḥ punar abravīt || 4-12-28
Als der hochgesinnte Sugrīva so klagend mit kläglicher Stimme sprach, erwiderte Rāghava wiederum:
Wort für Wort tasya ca evam bruvāṇasya und als dieser so sprach sugrīvasya mahātmanaḥ des hochgesinnten Sugrīva karuṇam dīnayā vācā klagend mit kläglicher Stimme rāghavaḥ punar abravīt sprach Rāghava wiederum sugrīva śrūyatām tāta krodhaḥ ca vyapanīyatām |
kāraṇam yena bāṇo ayam sa mayā na visarjitaḥ || 4-12-29
Höre, lieber Sugrīva, und lege deinen Zorn ab – ich sage dir den Grund, weshalb ich jenen Pfeil nicht abgeschossen habe.
Wort für Wort sugrīva śrūyatām tāta höre, lieber Sugrīva krodhaḥ ca vyapanīyatām und der Zorn sei abgelegt kāraṇam yena bāṇo ayam den Grund, weshalb dieser Pfeil sa mayā na visarjitaḥ von mir nicht abgeschossen wurde alaṃkāreṇa veṣeṇa pramāṇena gatena ca |
tvam ca sugrīva vālī ca sadṛśau sthaḥ parasparam || 4-12-30
An Schmuck, Erscheinung, Größe und Gang gleicht ihr beide, du, Sugrīva, und Vālī, einander vollkommen.
Wort für Wort alaṃkāreṇa veṣeṇa an Schmuck, an Erscheinung pramāṇena gatena ca an Größe und an Gang tvam ca sugrīva vālī ca du, Sugrīva, und Vālī sadṛśau sthaḥ parasparam seid einander gleich svareṇa varcasā ca eva prekṣitena ca vānara |
vikrameṇa ca vākyaiḥ ca vyaktim vām na upalakṣaye || 4-12-31
An Stimme, Glanz, Blick, o Affe, an Tapferkeit und Worten konnte ich keinen Unterschied zwischen euch beiden erkennen.
Wort für Wort svareṇa varcasā ca eva an Stimme und auch an Glanz prekṣitena ca vānara und an Blick, o Affe vikrameṇa ca vākyaiḥ ca an Tapferkeit und an Worten vyaktim vām na upalakṣaye erkenne ich keinen Unterschied zwischen euch tato aham rūpa sādṛśyāt mohito vānarottama |
na utsṛjāmi mahāvegam śaram śatru nibarhaṇam || 4-12-32
Deshalb, o Bester der Affen, durch die Ähnlichkeit eurer Gestalt verwirrt, schoss ich den mit gewaltiger Wucht fliegenden, feindvernichtenden Pfeil nicht ab.
Wort für Wort tato aham rūpa sādṛśyāt deshalb ich, durch die Ähnlichkeit der Gestalt mohito vānarottama verwirrt, o Bester der Affen na utsṛjāmi mahāvegam schoss ich den mit großer Wucht (fliegenden) nicht ab śaram śatru nibarhaṇam den feindvernichtenden Pfeil jīvita antakaram ghoram sādṛśyāt tu viśaṃkitaḥ |
mūlaghāto na nau syāddhi dvayoḥ iti kṛto mayā || 4-12-33
Wegen der Ähnlichkeit besorgt, dass der furchtbare, lebenbeendende Pfeil nicht uns beiden, der Wurzel unseres Bündnisses, den Untergang bringen möge, habe ich so gehandelt.
Wort für Wort jīvita antakaram ghoram den furchtbaren, das Leben beendenden sādṛśyāt tu viśaṃkitaḥ aus Ähnlichkeit aber besorgt mūlaghāto na nau syāddhi dass nicht uns beiden Verderben werde dvayoḥ iti kṛto mayā für die beiden – so habe ich gehandelt tvayi vīra vipanne hi ajñān lāghavān mayā |
mauḍhyam ca mama bālyam ca khyāpitam syāt kapīsvara || 4-12-34
Wärest du, Held, umgekommen, so wäre durch meine Unbedachtsamkeit meine Torheit und Kindischkeit offenbar geworden, o Herr der Affen.
Wort für Wort tvayi vīra vipanne hi wenn du nämlich, Held, umgekommen wärst ajñān lāghavān mayā durch meine Unwissenheit und Leichtfertigkeit mauḍhyam ca mama bālyam ca meine Torheit und meine Kindischkeit khyāpitam syāt kapīsvara wäre offenbar geworden, o Herr der Affen datta abhaya vadho nāma pātakam mahat adbhutam |
aham ca lakṣmaṇaḥ ca eva sīta ca varavarṇinī || 4-12-35
Die Tötung dessen, dem man Schutz zugesagt hat, ist eine gewaltige, ungeheuerliche Sünde – ich, Lakṣmaṇa, und die schöngestaltete Sītā,
Wort für Wort datta abhaya vadho nāma die Tötung dessen, dem Schutz gewährt wurde pātakam mahat adbhutam ist eine gewaltige, ungeheuerliche Sünde aham ca lakṣmaṇaḥ ca eva ich und auch Lakṣmaṇa sīta ca varavarṇinī und Sītā, die Schönfarbige tvat adhīnā vayam sarve vane asmin śaraṇam bhavān |
tasmāt yudhyasva bhūyastvam mā śaṃkī ca vānara || 4-12-36
wir alle sind in diesem Wald von dir abhängig, du bist unsere Zuflucht. Darum kämpfe von neuem, und zweifle nicht, o Affe.
Wort für Wort tvat adhīnā vayam sarve wir alle sind von dir abhängig vane asmin śaraṇam bhavān in diesem Wald bist du die Zuflucht tasmāt yudhyasva bhūyastvam darum kämpfe du von neuem mā śaṃkī ca vānara und zweifle nicht, o Affe etan muhūrte tu mayā paśya vālinam āhave |
nirastam iṣuṇā ekena veṣṭamānam mahītale || 4-12-37
Sieh, wie ich noch in diesem Augenblick Vālin im Kampf mit einem einzigen Pfeil niederstrecke, sodass er sich am Boden wälzt.
Wort für Wort etan muhūrte tu mayā noch in diesem Augenblick von mir paśya vālinam āhave sieh Vālin im Kampf nirastam iṣuṇā ekena niedergeworfen mit einem einzigen Pfeil veṣṭamānam mahītale sich wälzend auf dem Erdboden abhijñānam kuruṣva tvam ātmano vānareśvara |
yena tvām abhijānīyām dvandva yuddham upāgatam || 4-12-38
Mache dir selbst ein Erkennungszeichen, o Herr der Affen, an dem ich dich erkennen kann, wenn du zum Zweikampf antrittst.
Wort für Wort abhijñānam kuruṣva tvam mache du dir ein Erkennungszeichen ātmano vānareśvara an dir selbst, o Herr der Affen yena tvām abhijānīyām durch das ich dich erkennen möge dvandva yuddham upāgatam der zum Zweikampf herangetreten ist gaja puṣpīm imām phullām utpāṭya śubha lakṣaṇām |
kuru lakṣmaṇa kaṇṭhe asya sugrīvasya mahātmanaḥ || 4-12-39
Reiße diese blühende, glückverheißende Gajapuṣpī-Blume aus und lege sie, Lakṣmaṇa, um den Hals dieses hochgesinnten Sugrīva.
Wort für Wort gaja puṣpīm imām phullām diese blühende Gajapuṣpī utpāṭya śubha lakṣaṇām ausreißend, die glückverheißende kuru lakṣmaṇa kaṇṭhe asya lege sie, Lakṣmaṇa, um dessen Hals sugrīvasya mahātmanaḥ des hochgesinnten Sugrīva tato giri taṭe jātām utpāṭya kusumāyutam |
lakṣmaṇo gaja puṣpīm tām tasya kaṇṭhe vyasarjayat || 4-12-40
Da riss Lakṣmaṇa die am Berghang gewachsene, blütenreiche Gajapuṣpī aus und legte sie ihm um den Hals.
Wort für Wort tato giri taṭe jātām da die am Berghang gewachsene utpāṭya kusumāyutam ausreißend, die blütenreiche lakṣmaṇo gaja puṣpīm tām Lakṣmaṇa jene Gajapuṣpī tasya kaṇṭhe vyasarjayat legte sie um dessen Hals sa tathā śuśubhe śrīmān latayā kaṇṭha saktayā |
mālayā iva balākānām sasaṃdhya iva toyadaḥ || 4-12-41
So erstrahlte er, der Glanzvolle, mit der um den Hals geschlungenen Ranke, wie eine Regenwolke bei Abenddämmerung mit einer Girlande aus Kranichen.
Wort für Wort sa tathā śuśubhe śrīmān so erstrahlte er, der Glanzvolle latayā kaṇṭha saktayā mit der um den Hals gehefteten Ranke mālayā iva balākānām wie mit einer Girlande aus Kranichen sasaṃdhya iva toyadaḥ wie eine Wolke bei Abenddämmerung vibhrājamāno vapuṣā rāma vākya samāhitaḥ |
jagāma saha rāmeṇa kiṣkiṃdhām punarāpa saḥ || 4-12-42
Strahlend an Gestalt, durch Rāmas Worte gefestigt, ging er mit Rāma zusammen und erreichte wieder Kiṣkindhā.
Wort für Wort vibhrājamāno vapuṣā strahlend an Gestalt rāma vākya samāhitaḥ durch Rāmas Wort gefestigt jagāma saha rāmeṇa ging zusammen mit Rāma kiṣkiṃdhām punarāpa saḥ erreichte wieder Kiṣkindhā
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