Während sie das von Mayas Zauberkunst geschaffene Bergversteck durchsuchten, verstrich ihnen der Monat, der als Frist vom König festgesetzt worden war.
Als sie dann die Frühlingsbäume erblickten, deren Wipfel von der Last der Blüten schwer und von hunderten Ranken überzogen waren, wurden sie von Furcht ergriffen.
te vasaṃtam anuprāptaṃ prativedya parasparam |
naṣṭasaṃdeśakālārthā nipetur dharaṇītale ||
Als sie einander bewusst machten, dass der Frühling angebrochen war, sanken sie, da sie den Zweck und die Frist ihres Auftrags verfehlt hatten, zu Boden.
Wort für Wort
te vasaṃtam anuprāptam
dass der Frühling angebrochen sei
prativedya parasparam
einander bewusst machend
naṣṭasaṃdeśakālārthāḥ
den Zweck und die Frist des Auftrags verfehlt habend
tataḥ tān kapivṛddhāṃś ca śiṣṭāṃś caiva vanaukasaḥ |
vācā madhurayābhāṣya yathāvad anumānya ca ||
sa tu siṃharṣabhaskaṃdhaḥ pīnāyatabhujaḥ kapiḥ |
yuvarājo mahāprājña aṃgado vākyam abravīt ||
Da wandte sich, nachdem er jene älteren Affen und die disziplinierten Waldbewohner mit sanften Worten angesprochen und gebührend besänftigt hatte, jener Affe mit den Schultern eines Löwenstiers und kräftigen, langen Armen, der hochweise Kronprinz Aṅgada, mit folgenden Worten.
›Auf Befehl des Affenkönigs sind wir alle ausgezogen; ein voller Monat ist für uns, die wir in der Höhle weilten, verstrichen. Merkt ihr Affen das nicht?‹
Wort für Wort
śāsanāt kapirājasya
auf Befehl des Affenkönigs
vayam sarve vinirgatāḥ
sind wir alle ausgezogen
māsaḥ pūrṇaḥ bilasthānām
ein voller Monat ist für die in der Höhle Weilenden
›Ihr alle seid unvergleichlich in euren Taten, eure Tapferkeit ist in allen Himmelsrichtungen bekannt; ihr zogt aus, mich an die Spitze stellend, vom Falbäugigen (Sugrīva) beauftragt.‹
›Nun, da unser Auftrag nicht erfüllt ist, müssen wir zweifellos sterben; denn wer könnte glücklich sein, der den Befehl des Affenkönigs nicht ausgeführt hat?‹
āsmin atīte kāle tu sugrīveṇa kṛte svayam |
prāyopaveśanaṃ yuktaṃ sarveṣāṃ ca vanaukasām ||
›Da nun diese von Sugrīva selbst festgesetzte Frist verstrichen ist, ziemt es sich für uns alle Waldbewohner, uns niederzusetzen und den Hungertod zu wählen.‹
›Sugrīva ist von Natur aus streng, nun im Stand eines Herrschers gefestigt; er wird uns allen nicht verzeihen, wenn wir mit einem Vergehen zurückkehren.‹
apravṛttau ca sītāyāḥ pāpam eva kariṣyati |
tasmāt kṣamam ihādyaiva gaṃtuṃ prāyopaviśanam ||
tyaktvā putrāṃś ca dārāṃś ca dhanāni ca gṛhāṇi ca |
dhruvaṃ naḥ hiṃsate rājā sarvān pratigatān itaḥ ||
vadhenāpratirūpeṇa śreyān mṛtyur ihaiva naḥ |
›Und da wir keine Nachricht von Sītā haben, wird er uns gewiss Böses antun; darum ziemt es sich, noch heute hier den Hungertod anzutreten. Denn nachdem wir Söhne, Frauen, Reichtum und Häuser verlassen haben, wird der König uns allen, die wir von hier zurückkehren, gewiss Schaden zufügen; ein unwürdiger Tod durch seine Hand – besser ist uns der Tod hier an diesem Ort.‹
na ca ahaṃ yauvarājyena sugrīveṇābhiṣecitaḥ |
narendreṇābhiṣikto'smi rāmeṇākliṣṭakarmaṇā |
sa pūrvaṃ baddhavairo māṃ rājā dṛṣṭvā vyatikramam ||
ghātayiṣyati daṇḍena tīkṣṇena kṛtaniścayaḥ |
›Und ich wurde nicht von Sugrīva zum Kronprinzen geweiht; geweiht wurde ich von dem Herrscher der Menschen, Rāma von unermüdlichen Taten. Jener König, der schon zuvor Feindschaft gegen mich gehegt hat, wird, meine Verfehlung erblickend, entschlossen mit harter Strafe mich töten.‹
›Was nützen mir die Freunde, wenn sie mein Unglück am Ende meines Lebens mit ansehen müssen? Ebenhier, am heiligen Ufer des Ozeans, werde ich mich zum Hungertod niedersetzen.‹
tīkṣṇaḥ prakṛtyā sugrīvaḥ priyā raktaś ca rāghavaḥ |
samīkṣyākṛtakāryāṃs tu tasmiṃś ca samaye gate ||
adṛṣṭāyāṃ ca vaidehyāṃ dṛṣṭvā caiva samāgatān |
rāghavapriyakāmāya ghātayiṣyaty asaṃśayam |
›Sugrīva ist von Natur streng, und Rāghava ist seiner Geliebten zugetan; wenn sie sehen, dass unsere Aufgabe unerfüllt blieb, diese Frist verstrichen ist, und Vaidehī nicht gefunden wurde, wird er, sobald er uns zurückgekehrt sieht, uns Rāghava zuliebe ohne Zweifel töten.‹
ihaiva sītām anvīkṣya pravṛttim upalabhya vā |
na cet gacchāma taṃ vīraṃ gamiṣyāmo yamakṣayam ||
›Wenn wir, ohne hier entweder Sītā gefunden oder eine Nachricht über sie erlangt zu haben, zu jenem Helden gehen, so werden wir in Yamas Reich eingehen.‹
plavaṃgamānāṃ tu bhayārditānāṃ śrutvā vacas tāra idam babhāṣe |
alaṃ viṣādena bilaṃ praviśya vasāma sarve yadi rocate vaḥ ||
Nachdem er die von Furcht gequälten Worte der Affen gehört hatte, sprach Tāra dies: ›Genug der Verzweiflung – lasst uns, wenn es euch gefällt, alle in die Höhle eintreten und dort wohnen.‹
Wort für Wort
plavaṃgamānām tu bhayārditānām
der von Furcht gequälten Affen
śrutvā vacaḥ tāraḥ idam babhāṣe
nachdem er die Worte gehört hatte, sprach Tāra dies
alam viṣādena
genug der Verzweiflung
bilam praviśya vasāma sarve yadi rocate vaḥ
lasst uns alle die Höhle betreten und wohnen, wenn es euch gefällt
idaṃ hi māyāvihitaṃ sudurgamaṃ prabhūtavṛkṣodakabhojyapeyam |
ihāsti naḥ naiva bhayaṃ puraṃdarān na rāghavād vānararājato'pi vā ||
›Denn dieser durch Zauberkunst geschaffene Ort ist sehr schwer zugänglich, reich an Bäumen, Wasser, Speise und Trank; hier haben wir keinerlei Furcht, weder vor Purandara, noch vor Rāghava, noch selbst vor dem Affenkönig.‹
śrutvāṃgadasyāpi vaco'nukūlam ūcuś ca sarve harayaḥ pratītāḥ |
yathā na hanyema tathā vidhānam asaktam adyaiva vidhīyatāṃ naḥ ||
Nachdem sie auch Aṅgadas zustimmende Worte gehört hatten, sprachen alle Affen, überzeugt: ›Es soll für uns noch heute ein Plan gemacht werden, ungehindert, so dass wir nicht getötet werden.‹
Wort für Wort
śrutvā aṃgadasya api vacaḥ anukūlam
nachdem sie auch Aṅgadas zustimmende Worte gehört hatten
ūcuḥ ca sarve harayaḥ pratītāḥ
sprachen alle Affen, überzeugt
yathā na hanyema tathā vidhānam
ein Plan, damit wir nicht getötet werden
asaktam adya eva vidhīyatām naḥ
er soll noch heute ungehindert für uns gemacht werden