Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Kiṣkindhākāṇḍa

Sarga 54: Hanumat Aṃgada Bhedanam Hanumāns Versuch, Aṅgada zu entzweien

tathā bruvati tāre tu tārādhipativarcasi | atha mene hṛtaṃ rājyaṃ hanumān aṃgadena tat ||

Während Tāra so sprach, dachte Hanumān, als er auf Aṅgada blickte, der den Glanz des Mondes besaß, dass dieser das Königreich an sich gerissen habe.

Wort für Wort
tathā bruvati tāre tu
während Tāra aber so sprach
tārādhipativarcasi
auf den mondgleich glänzenden (Aṅgada)
atha mene hṛtam rājyam
da dachte er, das Reich sei geraubt
hanumān aṃgadena tat
von Aṅgada, Hanumān

buddhyā hi aṣṭāṃgayā yuktaṃ caturbalasamanvitam | caturdaśaguṇaṃ mene hanumān vālinaḥ sutam ||

Denn Hanumān erachtete den Sohn Vālins als ausgestattet mit der achtfachen Klugheit, versehen mit der vierfachen Macht, begabt mit den vierzehn königlichen Eigenschaften.

Wort für Wort
buddhyā hi aṣṭāṃgayā yuktam
ausgestattet mit der achtfachen Klugheit
caturbalasamanvitam
versehen mit der vierfachen Macht
caturdaśaguṇam mene
erachtete ihn als vierzehnfach begabt
hanumān vālinaḥ sutam
Hanumān den Sohn Vālins

āpūryamāṇaṃ śaśvac ca tejobalaparākramaiḥ | śaśinaṃ śuklapakṣādau vardhamānam iva śriyā || bṛhaspatisamaṃ buddhyā vikrame sadṛśaṃ pituḥ | śuśrūṣamāṇaṃ tārasya śukrasyeva puraṃdaram || bhartur arthe pariśrāntaṃ sarvaśāstraviśāradaḥ | abhisaṃdhātum ārebhe hanumān aṃgadaṃ tataḥ ||

der stetig an Glanz, Kraft und Tapferkeit zunahm, gleich dem Mond, der zu Beginn der hellen Monatshälfte an Pracht wächst; an Weisheit Bṛhaspati gleich, an Tapferkeit seinem Vater ähnlich, Tāra dienend wie Purandara dem Śukra dient; erschöpft im Dienst seines Herrn — der in allen Lehrschriften bewanderte Hanumān begann daraufhin, Aṅgada auf die Probe zu stellen.

Wort für Wort
āpūryamāṇam śaśvat ca
der stetig zunahm
tejobalaparākramaiḥ
an Glanz, Kraft und Tapferkeit
śaśinam śuklapakṣādau
dem Mond zu Beginn der hellen Monatshälfte
vardhamānam iva śriyā
gleich, der an Pracht wächst
bṛhaspatisamam buddhyā
an Weisheit Bṛhaspati gleich
vikrame sadṛśam pituḥ
an Tapferkeit seinem Vater ähnlich
śuśrūṣamāṇam tārasya
Tāra dienend
śukrasya iva puraṃdaram
wie Purandara dem Śukra
bhartuḥ arthe pariśrāntam
erschöpft im Dienst seines Herrn
sarvaśāstraviśāradaḥ
der in allen Lehrschriften bewanderte
abhisaṃdhātum ārebhe
begann auf die Probe zu stellen
hanumān aṃgadam tataḥ
Hanumān den Aṅgada daraufhin

sa caturṇām upāyānāṃ tṛtīyam upavarṇayan | bhedayāmāsa tān sarvān vānarān vākyasaṃpadā ||

Indem er das dritte der vier Mittel der Staatskunst, nämlich die Zwietracht, anwandte, spaltete er durch die Kraft seiner Rede alle jene Affen.

Wort für Wort
sa caturṇām upāyānām
er der vier Mittel
tṛtīyam upavarṇayan
das dritte darlegend
bhedayāmāsa tān sarvān vānarān
spaltete er alle jene Affen
vākyasaṃpadā
durch die Kraft seiner Rede

teṣu sarveṣu bhinneṣu tato'bhīṣaya aṃgadam | bhīṣaṇair vividhair vākyaiḥ kopopāyasamanvitaiḥ ||

Nachdem er sie alle gespalten hatte, erschreckte er darauf Aṅgada mit mancherlei furchterregenden Worten, die die Methode des Zornerregens anwandten.

Wort für Wort
teṣu sarveṣu bhinneṣu
nachdem sie alle gespalten waren
tataḥ abhīṣaya aṃgadam
erschreckte er darauf Aṅgada
bhīṣaṇaiḥ vividhaiḥ vākyaiḥ
mit mancherlei furchterregenden Worten
kopopāyasamanvitaiḥ
die die Methode des Zornerregens anwandten

tvaṃ samarthataraḥ pitrā yuddhe tāreya vai dhruvam | dṛḍhaṃ dhārayituṃ śaktaḥ kapirājyaṃ yathā pitā ||

›O Sohn der Tārā, du bist im Kampf gewiss fähiger als dein Vater; du bist imstande, das Affenreich fest zu halten, wie einst dein Vater.‹

Wort für Wort
tvam samarthataraḥ pitrā
du bist fähiger als dein Vater
yuddhe tāreya vai dhruvam
im Kampf, o Sohn der Tārā, gewiss
dṛḍham dhārayitum śaktaḥ
imstande, es fest zu halten
kapirājyam yathā pitā
das Affenreich, wie dein Vater

nityam asthiracittā hi kapayo haripuṃgava | nājñāpyaṃ viṣahiṣyanti putradārān vinā tvayā ||

›Die Affen, o Stier unter den Affen, sind stets wankelmütigen Sinnes; ohne dich werden sie den Befehl nicht ertragen, ihn, der ohne Sohn und Frau dasteht.‹

Wort für Wort
nityam asthiracittāḥ hi
stets wankelmütigen Sinnes sind
kapayaḥ haripuṃgava
die Affen, o Stier unter den Affen
na ājñāpyam viṣahiṣyanti
sie werden den Befehl nicht ertragen
putradārān vinā tvayā
ohne dich, (ihn) ohne Sohn und Frau

tvāṃ na ete hi anuyuṃjeyuḥ pratyakṣaṃ pravadāmi te | yathāyaṃ jāṃbavān nīlaḥ suhotraś ca mahākapiḥ || na hy ahaṃ te ime sarve sāmadānādibhir guṇaiḥ | daṇḍena na tvayā śakyāḥ sugrīvād apakarṣitum |

›Diese hier werden dir nicht folgen — ich sage es dir offen — wie etwa jener Jāmbavān, Nīla und der große Affe Suhotra. Wahrlich, alle diese können von dir weder durch Versöhnung, Geschenke und dergleichen Mittel, noch durch Gewalt von Sugrīva abgebracht werden.‹

Wort für Wort
tvām na ete hi anuyuṃjeyuḥ
diese werden dir nicht folgen
pratyakṣam pravadāmi te
offen sage ich es dir
yathā ayam jāṃbavān nīlaḥ
wie dieser Jāmbavān, Nīla
suhotraḥ ca mahākapiḥ
und der große Affe Suhotra
na hi aham te ime sarve
wahrlich, alle diese
sāmadānādibhiḥ guṇaiḥ
durch Versöhnung, Geschenke und dergleichen
daṇḍena na tvayā śakyāḥ
noch durch Gewalt können sie von dir
sugrīvāt apakarṣitum
von Sugrīva abgebracht werden

vigṛhyāsanam apy āhur durbalena balīyasā | ātmarakṣākaras tasmān na vigṛhṇīta durbalaḥ ||

›Man sagt, dass selbst ein Thron, den der Stärkere dem Schwächeren gewaltsam entrissen hat, Verderben bringt; darum sollte der Schwächere, um sich selbst zu schützen, keinen Streit beginnen.‹

Wort für Wort
vigṛhya āsanam api āhuḥ
man sagt, selbst ein entrissener Thron
durbalena balīyasā
vom Stärkeren dem Schwächeren
ātmarakṣākaraḥ tasmāt
darum, um sich selbst zu schützen
na vigṛhṇīta durbalaḥ
sollte der Schwächere keinen Streit beginnen

yāṃ ca imāṃ manyase dhātrīm etad bilam iti śrutam | etal lakṣmaṇabāṇānām īṣat kāryaṃ vidāraṇe ||

›Und diese Erde, die du als Amme betrachtest — diese Höhle, wie sie genannt wird — deren Aufspaltung ist für Lakṣmaṇas Pfeile nur eine geringfügige Aufgabe.‹

Wort für Wort
yām ca imām manyase dhātrīm
und diese, die du als Amme betrachtest
etat bilam iti śrutam
diese Höhle, wie sie genannt wird
etat lakṣmaṇabāṇānām
dies ist für Lakṣmaṇas Pfeile
īṣat kāryam vidāraṇe
eine geringfügige Aufgabe im Zerspalten

svalpaṃ hi kṛtam indreṇa kṣipatā hy aśaniṃ purā | lakṣmaṇo niśitair bāṇair bhindyāt patrapuṭaṃ yathā ||

›Denn nur eine geringe Leistung war es einst, als Indra seinen Blitz schleuderte; Lakṣmaṇa könnte sie mit scharfen Pfeilen so leicht durchbohren wie eine Blatthülle.‹

Wort für Wort
svalpam hi kṛtam indreṇa
denn nur gering war die Tat Indras
kṣipatā hi aśanim purā
der einst den Blitz schleuderte
lakṣmaṇaḥ niśitaiḥ bāṇaiḥ
Lakṣmaṇa mit scharfen Pfeilen
bhindyāt patrapuṭam yathā
könnte durchbohren wie eine Blatthülle

lakṣmaṇasya ca nārācā bahavaḥ santi tadvidhāḥ | vajrāśanisamasparśā girīṇām api dārakāḥ ||

›Und Lakṣmaṇa besitzt viele derartige Eisenpfeile, die dem Berühren nach Blitz und Donnerkeil gleichen, die selbst Berge zu spalten vermögen.‹

Wort für Wort
lakṣmaṇasya ca nārācāḥ
und Lakṣmaṇas Eisenpfeile
bahavaḥ santi tadvidhāḥ
es gibt viele derartige
vajrāśanisamasparśāḥ
dem Berühren nach Blitz und Donnerkeil gleich
girīṇām api dārakāḥ
selbst Berge zu spalten vermögend

avasthāne yadaiva tvam āsiṣyasi paraṃtapa | tadaiva harayaḥ sarve tyakṣyanti kṛtaniścayāḥ ||

›In dem Augenblick, in dem du dich niedersetzt, o Feindevernichter, in eben diesem Augenblick werden dich alle Affen, fest entschlossen, verlassen.‹

Wort für Wort
avasthāne yadā eva tvam
sobald du dich niedersetzt
āsiṣyasi paraṃtapa
o Feindevernichter
tadā eva harayaḥ sarve
in eben diesem Augenblick alle Affen
tyakṣyanti kṛtaniścayāḥ
werden dich fest entschlossen verlassen

smaraṃtaḥ putradārāṇāṃ nityodvignā bubhukṣitāḥ | kheditā duḥkhaśayyābhis tvāṃ kariṣyanti pṛṣṭhataḥ ||

›Da sie sich stets an ihre Söhne und Frauen erinnern, beständig unruhig und hungrig, erschöpft von ihren elenden Lagern, werden sie dich zurücklassen.‹

Wort für Wort
smaraṃtaḥ putradārāṇām
sich an Söhne und Frauen erinnernd
nityodvignāḥ bubhukṣitāḥ
stets unruhig und hungrig
kheditāḥ duḥkhaśayyābhiḥ
erschöpft von elenden Lagern
tvām kariṣyanti pṛṣṭhataḥ
werden sie dich zurücklassen

sa tvaṃ hīnaḥ suhṛdbhiś ca hitakāmaiś ca baṃdhubhiḥ | tṛṇād api bhṛśodvignaḥ spaṃdamānād bhaviṣyasi ||

›Du dann, ohne Freunde und ohne die dir wohlgesinnten Verwandten, wirst noch aufgeregter sein als selbst ein zitternder Grashalm.‹

Wort für Wort
sa tvam hīnaḥ suhṛdbhiḥ ca
du dann, ohne Freunde
hitakāmaiḥ ca baṃdhubhiḥ
und ohne wohlgesinnte Verwandte
tṛṇāt api bhṛśodvignaḥ
aufgeregter noch als ein Grashalm
spaṃdamānāt bhaviṣyasi
als ein zitternder wirst du sein

aty ugravegā niśitā ghorā lakṣmaṇasāyakāḥ | apavṛttaṃ jighāṃsanto mahāvegā durāsadāḥ ||

›Überaus heftig in ihrer Wucht, scharf und furchtbar sind Lakṣmaṇas Pfeile, von großer Geschwindigkeit, schwer abzuwehren, darauf aus, selbst den zu töten, der sich abgewandt hat.‹

Wort für Wort
ati ugravegāḥ niśitāḥ ghorāḥ
überaus heftig, scharf und furchtbar
lakṣmaṇasāyakāḥ
Lakṣmaṇas Pfeile
apavṛttam jighāṃsantaḥ
darauf aus, den Abgewandten zu töten
mahāvegāḥ durāsadāḥ
von großer Geschwindigkeit, schwer abzuwehren

asmābhis tu gataṃ sārdhaṃ vinītavad upasthitam | ānupūrvyāt tu sugrīvo rājye tvāṃ sthāpayiṣyati ||

›Gehst du aber mit uns zusammen, dich in Demut einfindend, so wird Sugrīva dich der Reihe nach im Königreich einsetzen.‹

Wort für Wort
asmābhiḥ tu gatam sārdham
mit uns zusammen gegangen
vinītavat upasthitam
dich in Demut einfindend
ānupūrvyāt tu sugrīvaḥ
der Reihe nach wird Sugrīva
rājye tvām sthāpayiṣyati
dich im Königreich einsetzen

dharmarājaḥ pitṛvyas te prītikāmo dṛḍhavrataḥ | śuciḥ satyapratijñaś ca sa tvāṃ jātu na nāśayet ||

›Dein Onkel ist ein rechtschaffener König, deiner Zuneigung begierig, fest in seinen Gelübden, rein und seinen Versprechen treu; er würde dich niemals vernichten.‹

Wort für Wort
dharmarājaḥ pitṛvyaḥ te
dein Onkel ist ein rechtschaffener König
prītikāmaḥ dṛḍhavrataḥ
deiner Zuneigung begierig, fest in Gelübden
śuciḥ satyapratijñaḥ ca
rein und seinen Versprechen treu
sa tvām jātu na nāśayet
er würde dich niemals vernichten

priyakāmaś ca te mātus tadartham cāsya jīvitam | tasyāpatyaṃ ca nāsty anyat tasmād aṃgada gamyatām ||

›Und er begehrt die Zuneigung deiner Mutter, und um ihretwillen allein lebt er noch; und er hat kein anderes Kind. Darum, Aṅgada, lass uns gehen.‹

Wort für Wort
priyakāmaḥ ca te mātuḥ
und er begehrt die Zuneigung deiner Mutter
tadartham ca asya jīvitam
und um ihretwillen ist sein Leben
tasya apatyam ca na asti anyat
und er hat kein anderes Kind
tasmāt aṃgada gamyatām
darum, Aṅgada, lass uns gehen

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks