Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Kiṣkindhākāṇḍa

Sarga 16: Vāli Vadhaḥ Der Fall Vālins

tām evam bruvatīm tārām tārādhipa nibha ānanām | vālī nirbhartsayāmāsa vacanam ca idam abravīt || 4-16-1

Diese so sprechende Tārā, deren Antlitz dem Mondherrn glich, schalt Vālī und sprach folgende Worte:

Wort für Wort
tām evam bruvatīm tārām
diese so sprechende Tārā
tārādhipa nibha ānanām
deren Antlitz dem Mondherrn glich
vālī nirbhartsayāmāsa
Vālī schalt
vacanam ca idam abravīt
und sprach dieses Wort

garjato asya ca susaṃrabdham bhrātuḥ śatror viśeṣataḥ | marṣayiṣyāmi kena kāraṇena varānane || 4-16-2

'Aus welchem Grund, o Schönantlitzige, sollte ich es ertragen, dass dieser mein Bruder, der zum Feind geworden ist, so heftig erregt brüllt?'

Wort für Wort
garjato asya ca susaṃrabdham
dass dieser so heftig erregt brüllt
bhrātuḥ śatror viśeṣataḥ
des Bruders, besonders eines Feindes
marṣayiṣyāmi kena kāraṇena
aus welchem Grund sollte ich ertragen
varānane
o Schönantlitzige

adharṣitānām śūrāṇām samareṣu anivartinām | dharṣaṇām arṣaṇam bhīru maraṇāt atiricyate || 4-16-3

'Für unangefochtene Helden, die im Kampf nicht zurückweichen, ist es, o Furchtsame, schlimmer als der Tod, wenn man ihnen Schmach zufügt.'

Wort für Wort
adharṣitānām śūrāṇām
für unangefochtene Helden
samareṣu anivartinām
die im Kampf nicht zurückweichen
dharṣaṇām arṣaṇam bhīru
das Zufügen von Schmach, o Furchtsame
maraṇāt atiricyate
übertrifft den Tod

soḍhum na ca samartho aham yuddha kāmasya saṃyuge | sugrīvasya ca saṃraṃbham hīna grīvasya garjatam || 4-16-4

'Ich bin nicht fähig, im Kampf die Herausforderung des kampflustigen Sugrīva mit dem mageren Nacken und sein heftiges Gebrüll zu ertragen.'

Wort für Wort
soḍhum na ca samartho aham
ich bin nicht fähig zu ertragen
yuddha kāmasya saṃyuge
im Kampf, des Kampflustigen
sugrīvasya ca saṃraṃbham
und die Erregung Sugrīvas
hīna grīvasya garjatam
des Brüllenden mit dem mageren Nacken

na ca kāryo viṣādaḥ te rāghavam prati mat kṛte | dharmajñaḥ ca kṛtajñaḥ ca katham pāpam kariṣyati || 4-16-5

'Und du solltest wegen Rāghava um meinetwillen keinen Kummer hegen; wie sollte ein Rechtskundiger und Dankbarer eine Sünde begehen?'

Wort für Wort
na ca kāryo viṣādaḥ te
und du solltest keinen Kummer hegen
rāghavam prati mat kṛte
gegenüber Rāghava, um meinetwillen
dharmajñaḥ ca kṛtajñaḥ ca
der Rechtskundige und Dankbare
katham pāpam kariṣyati
wie sollte er eine Sünde begehen

nivartasva saha strībhiḥ katham bhūyo anugacchasi | sauhṛdam darśitam tāvat mayi bhaktiḥ tvayā kṛtā || 4-16-6

'Kehre um mit den Frauen; warum folgst du mir noch weiter? Deine Zuneigung hast du mir bereits gezeigt, deine Ergebenheit mir erwiesen.'

Wort für Wort
nivartasva saha strībhiḥ
kehre um mit den Frauen
katham bhūyo anugacchasi
warum folgst du weiter
sauhṛdam darśitam tāvat
die Zuneigung ist bereits gezeigt
mayi bhaktiḥ tvayā kṛtā
die Ergebenheit mir von dir erwiesen

prati yotsyāmi aham gatvā sugrīvam jahi saṃbhramam | darpam ca asya vineṣyāmi na ca prāṇair viyokṣyate || 4-16-7

'Ich werde gehen und gegen Sugrīva kämpfen — lege deine Aufregung ab; ich werde seinen Hochmut brechen, doch werde ich ihn nicht um sein Leben bringen.'

Wort für Wort
prati yotsyāmi aham gatvā
ich werde gehen und dagegen kämpfen
sugrīvam jahi saṃbhramam
gegen Sugrīva, lege die Aufregung ab
darpam ca asya vineṣyāmi
und ich werde seinen Hochmut brechen
na ca prāṇair viyokṣyate
und er wird nicht seines Lebens beraubt

aham hi aji sthitasya asya kariṣyāmi yat īpsitam | vṛkṣaiḥ muṣṭi prahāraiḥ ca pīḍitaḥ prati yāsyati || 4-16-8

'Ich werde mit ihm, wenn er im Kampf steht, gerade das tun, was er verlangt hat; mit Bäumen und Faustschlägen gepeinigt, wird er wieder umkehren.'

Wort für Wort
aham hi aji sthitasya asya
ich werde ihm, der im Kampf steht
kariṣyāmi yat īpsitam
tun, was er verlangt hat
vṛkṣaiḥ muṣṭi prahāraiḥ ca
mit Bäumen und Faustschlägen
pīḍitaḥ prati yāsyati
gepeinigt wird er zurückgehen

na me garvitam āyastam sahiṣyati durātmavān | kṛtam tāre sahāyatvam darśitam sauhṛdam mayi || 4-16-9

'Der Übelgesinnte wird meine mit Anstrengung erlangte Überlegenheit nicht ertragen können, o Tārā; du hast deine Hilfsbereitschaft erwiesen und deine Zuneigung mir gezeigt.'

Wort für Wort
na me garvitam āyastam
meine mit Anstrengung erlangte Überlegenheit nicht
sahiṣyati durātmavān
wird der Übelgesinnte ertragen
kṛtam tāre sahāyatvam
die Hilfsbereitschaft ist erwiesen, Tārā
darśitam sauhṛdam mayi
die Zuneigung mir gezeigt

śāpitā asi mama prāṇaiḥ nivartasva janena ca | alam jitvā nivartiṣye tam aham bhrātaram raṇe || 4-16-10

'Bei meinem Leben beschwöre ich dich: kehre um mit dem Gefolge. Genug — nachdem ich ihn im Kampf besiegt habe, werde ich, meinen Bruder, zurückkehren.'

Wort für Wort
śāpitā asi mama prāṇaiḥ
bei meinem Leben beschwöre ich dich
nivartasva janena ca
kehre um mit dem Gefolge
alam jitvā nivartiṣye
genug, nachdem ich gesiegt habe, werde ich zurückkehren
tam aham bhrātaram raṇe
ich, meinen Bruder, im Kampf

tam tu tārā pariṣvajya vālinam priya vādinī | cakāra rudatī mandam dakṣiṇā sā pradakṣiṇam || 4-16-11

Da umarmte Tārā, die liebevoll Sprechende, den Vālin, und die Rechtschaffene umschritt ihn weinend, leise klagend, von rechts nach links.

Wort für Wort
tam tu tārā pariṣvajya
ihn aber Tārā umarmend
vālinam priya vādinī
den Vālin, die liebevoll Sprechende
cakāra rudatī mandam
tat sie, leise weinend
dakṣiṇā sā pradakṣiṇam
die Rechtschaffene die Umschreitung

tataḥ svastyayanam kṛtvā maṃtravit vijaya eṣiṇī | aṃtaḥpuram saha strībhiḥ praviṣṭā śoka mohitā || 4-16-12

Dann, nachdem sie, die die Zaubersprüche kannte und um seinen Sieg bemüht war, ein Segensritual vollzogen hatte, betrat sie, von Kummer betäubt, mit den Frauen das Frauengemach.

Wort für Wort
tataḥ svastyayanam kṛtvā
dann ein Segensritual vollziehend
maṃtravit vijaya eṣiṇī
die Zaubersprüche kannte, um den Sieg bemüht
aṃtaḥpuram saha strībhiḥ
das Frauengemach mit den Frauen
praviṣṭā śoka mohitā
betrat sie, von Kummer betäubt

praviṣṭāyām tu tārāyām saha strībhiḥ svam ālayam | nagaryā niryayau kruddho mahā sarpa iva śvasan || 4-16-13

Als Tārā mit den Frauen in ihre Gemächer eingetreten war, verließ er zornig die Stadt, wie eine große Schlange zischend.

Wort für Wort
praviṣṭāyām tu tārāyām
als Tārā aber eingetreten war
saha strībhiḥ svam ālayam
mit den Frauen in ihre Wohnung
nagaryā niryayau kruddho
verließ er zornig die Stadt
mahā sarpa iva śvasan
wie eine große Schlange zischend

sa niḥśvasya mahāroṣo vālī parama vegavān | sarvataḥ cārayan dṛṣṭim śatru darśana kāṃkṣayā || 4-16-14

Er, Vālī, von gewaltigem Zorn erfüllt und höchst schnell, seufzte und ließ seinen Blick, um den Feind zu erblicken, überallhin schweifen.

Wort für Wort
sa niḥśvasya mahāroṣo
er, aufseufzend, von gewaltigem Zorn
vālī parama vegavān
Vālī, höchst schnell
sarvataḥ cārayan dṛṣṭim
überallhin den Blick schweifen lassend
śatru darśana kāṃkṣayā
aus Verlangen, den Feind zu sehen

sa dadarśa tataḥ śrīmān sugrīvam hema piṅgalam | susaṃvītam avaṣṭabdham dīpyamānam iva analam || 4-16-15

Da erblickte der Glanzvolle den goldgelben Sugrīva, wohlgerüstet und fest dastehend, wie ein loderndes Feuer strahlend.

Wort für Wort
sa dadarśa tataḥ śrīmān
er erblickte da, der Glanzvolle
sugrīvam hema piṅgalam
den goldgelben Sugrīva
susaṃvītam avaṣṭabdham
wohlgerüstet, fest dastehend
dīpyamānam iva analam
wie ein loderndes Feuer

tam sa dṛṣṭvā mahābāhuḥ sugrīvam paryavasthitam | gāḍham paridadhe vāso vālī parama kopinaḥ || 4-16-16

Als er, der Starkarmige, jenen dastehenden Sugrīva sah, gürtete Vālī, von höchstem Zorn erfüllt, sein Gewand fest um sich.

Wort für Wort
tam sa dṛṣṭvā mahābāhuḥ
ihn sehend, der Starkarmige
sugrīvam paryavasthitam
den dastehenden Sugrīva
gāḍham paridadhe vāso
gürtete fest das Gewand
vālī parama kopinaḥ
Vālī, von höchstem Zorn

sa vālī gāḍha saṃvīto muṣṭim udyamya vīryavān | sugrīvam eva abhimukho yayau yoddhum kṛta kṣaṇaḥ || 4-16-17

Fest gerüstet, die Faust erhoben, ging der tapfere Vālī, zum Kampf entschlossen, geradewegs auf Sugrīva zu.

Wort für Wort
sa vālī gāḍha saṃvīto
er, Vālī, fest gerüstet
muṣṭim udyamya vīryavān
die Faust erhebend, der Tapfere
sugrīvam eva abhimukho
Sugrīva zugewandt
yayau yoddhum kṛta kṣaṇaḥ
ging, zum Kampf entschlossen

śliṣṭam muṣṭim samudyamya saṃrabdhataram āgataḥ | sugrīvo api samuddiśya vālinam hema mālinam || 4-16-18

Auch Sugrīva, die geballte Faust erhoben, kam höchst erregt heran, auf den goldbekränzten Vālin zielend.

Wort für Wort
śliṣṭam muṣṭim samudyamya
die geballte Faust erhebend
saṃrabdhataram āgataḥ
kam höchst erregt heran
sugrīvo api samuddiśya
auch Sugrīva, zielend auf
vālinam hema mālinam
den goldbekränzten Vālin

tam vālī krodha tāmrākṣaḥ sugrīvam raṇa kovidam | āpataṃtam mahā vegam idam vacanam abravīt || 4-16-19

Vālī, dessen Augen vor Zorn rot glühten, sprach zu jenem im Kampf erfahrenen, mit gewaltiger Wucht heranstürmenden Sugrīva folgende Worte:

Wort für Wort
tam vālī krodha tāmrākṣaḥ
ihn, Vālī, dessen Augen zornrot waren
sugrīvam raṇa kovidam
zu Sugrīva, im Kampf erfahren
āpataṃtam mahā vegam
der mit großer Wucht heranstürmte
idam vacanam abravīt
sprach dieses Wort

eṣa muṣṭir mahān baddho gāḍhaḥ suniyata aṃguliḥ | mayā vega vimuktaḥ te prāṇān ādāya yāsyati || 4-16-20

'Diese große, fest geballte Faust mit fest zusammengelegten Fingern wird, von mir mit voller Wucht entsandt, dir das Leben nehmen und davongehen.'

Wort für Wort
eṣa muṣṭir mahān baddho
diese große, geballte Faust
gāḍhaḥ suniyata aṃguliḥ
fest, mit fest zusammengelegten Fingern
mayā vega vimuktaḥ te
von mir mit Wucht entsandt, dir
prāṇān ādāya yāsyati
wird das Leben nehmend gehen

evam uktaḥ tu sugrīvaḥ kruddho vālinam abravīt | tava ca eṣa haran prāṇān muṣṭiḥ patatu mūrdhani || 4-16-21

So angesprochen, erwiderte der zornige Sugrīva dem Vālin: 'Und diese meine Faust soll auf dein Haupt fallen und dir das Leben nehmen!'

Wort für Wort
evam uktaḥ tu sugrīvaḥ
so angesprochen, Sugrīva
kruddho vālinam abravīt
zornig sprach er zu Vālin
tava ca eṣa haran prāṇān
und diese, dir das Leben nehmend
muṣṭiḥ patatu mūrdhani
möge die Faust auf das Haupt fallen

tāḍitaḥ tena tam kruddhaḥ samabhikramya vegataḥ | abhavat śoṇita udgārī sāpīḍa iva parvataḥ || 4-16-22

Von ihm geschlagen, stürzte der Zornige mit Wucht auf ihn los und begann Blut zu speien, wie ein Berg mit Erzadern, die austreten.

Wort für Wort
tāḍitaḥ tena tam kruddhaḥ
von ihm geschlagen, der Zornige, ihn
samabhikramya vegataḥ
mit Wucht angreifend
abhavat śoṇita udgārī
wurde Blut speiend
sāpīḍa iva parvataḥ
wie ein Berg mit Erzadern

sugrīveṇa tu niḥśaṃkam sālam utpāṭya tejasā | gātreṣu abhihato vālī vajreṇa iva mahā giriḥ || 4-16-23

Ohne Zaudern riss Sugrīva mit aller Kraft einen Sāla-Baum aus und traf damit Vālins Glieder, wie ein gewaltiger Berg vom Donnerkeil getroffen.

Wort für Wort
sugrīveṇa tu niḥśaṃkam
von Sugrīva aber ohne Zaudern
sālam utpāṭya tejasā
ein Sāla-Baum mit Kraft ausgerissen
gātreṣu abhihato vālī
an den Gliedern getroffen, Vālī
vajreṇa iva mahā giriḥ
wie ein gewaltiger Berg vom Donnerkeil

sa tu vṛkṣeṇa nirbhagnaḥ sāla tāḍana vihvalaḥ | guru bhāra bhara ākrāntā nauḥ sasārthā iva sāgare || 4-16-24

Durch den Baum zerschmettert und vom Schlag des Sāla-Stammes benommen, taumelte er wie ein mit schwerer Last beladenes Schiff samt Fracht auf dem Meer.

Wort für Wort
sa tu vṛkṣeṇa nirbhagnaḥ
er aber, durch den Baum zerschmettert
sāla tāḍana vihvalaḥ
vom Schlag des Sāla benommen
guru bhāra bhara ākrāntā
von schwerer Last befallen
nauḥ sasārthā iva sāgare
wie ein Schiff mit Fracht auf dem Meer

tau bhīma bala vikrāntau suparṇa sama veginau | prayuddhau ghora vapuṣau candra sūryau iva aṃbare || 4-16-25

Die beiden, von furchtbarer Kraft und Tapferkeit, so schnell wie Garuḍa, kämpften mit furchterregender Gestalt wie Mond und Sonne am Himmel.

Wort für Wort
tau bhīma bala vikrāntau
die beiden von furchtbarer Kraft und Tapferkeit
suparṇa sama veginau
so schnell wie Garuḍa
prayuddhau ghora vapuṣau
kämpfend, furchterregender Gestalt
candra sūryau iva aṃbare
wie Mond und Sonne am Himmel

parasparam amitra ghnau cchidra anveṣaṇa tatparau | tato avardhata vālī tu bala vīrya samanvitaḥ || 4-16-26

Einander bekämpfend, darauf bedacht, die Schwäche des anderen zu finden — da gewann Vālī, mit Kraft und Tapferkeit ausgestattet, mehr und mehr die Oberhand.

Wort für Wort
parasparam amitra ghnau
einander bekämpfend
cchidra anveṣaṇa tatparau
darauf bedacht, eine Schwäche zu finden
tato avardhata vālī tu
da wuchs aber Vālī
bala vīrya samanvitaḥ
mit Kraft und Tapferkeit ausgestattet

sūrya putro mahāvīryaḥ sugrīvaḥ parihīyata | vālinā bhagna darpaḥ tu sugrīvo manda vikramaḥ | vālinam prati sāmarṣo darśayāmāsa rāghavam | 4-16-27

Der Sohn der Sonne, der überaus tapfere Sugrīva, geriet ins Hintertreffen; von Vālin an Hochmut gebrochen und in seiner Tapferkeit geschwächt, zeigte sich Sugrīva, gegen Vālin erzürnt, dem Rāghava.

Wort für Wort
sūrya putro mahāvīryaḥ
der Sohn der Sonne, überaus tapfer
sugrīvaḥ parihīyata
Sugrīva geriet ins Hintertreffen
vālinā bhagna darpaḥ tu
von Vālin an Hochmut gebrochen
sugrīvo manda vikramaḥ vālinam prati sāmarṣo darśayāmāsa rāghavam
Sugrīva, in Tapferkeit geschwächt, gegen Vālin erzürnt, zeigte sich dem Rāghava

vṛkṣaiḥ sa śākhaiḥ śikharaiḥ vajra koṭi nibhaiḥ nakhaiḥ | muṣṭibhiḥ jānubhiḥ padbhiḥ bāhubhiḥ ca punaḥ punaḥ | tayoḥ yudddham abhūt ghoram vṛtra vāsavoḥ iva || 4-16-28

Mit Bäumen, Ästen, Felsspitzen, mit Krallen, die dem Donnerkeil glichen, mit Fäusten, Knien, Füßen und Armen kämpften sie immer wieder — ihr Kampf wurde furchtbar wie der zwischen Vṛtra und Indra.

Wort für Wort
vṛkṣaiḥ sa śākhaiḥ śikharaiḥ
mit Bäumen, Ästen, Felsspitzen
vajra koṭi nibhaiḥ nakhaiḥ
mit Krallen, dem Donnerkeil gleich
muṣṭibhiḥ jānubhiḥ padbhiḥ bāhubhiḥ ca punaḥ punaḥ
mit Fäusten, Knien, Füßen und Armen, immer wieder
tayoḥ yudddham abhūt ghoram vṛtra vāsavoḥ iva
ihr Kampf wurde furchtbar, wie der zwischen Vṛtra und Indra

tau śoṇitātkau yudhyetām vānārau van cāriṇau | meghau iva mahā śabdaiḥ tarjamānau parasparam || 4-16-29

Die beiden blutbefleckten, im Wald wandelnden Affen kämpften, einander mit gewaltigem Getöse bedrohend wie zwei Gewitterwolken.

Wort für Wort
tau śoṇitātkau yudhyetām
die beiden blutbefleckten kämpften
vānārau van cāriṇau
die im Wald wandelnden Affen
meghau iva mahā śabdaiḥ
wie zwei Wolken mit großem Getöse
tarjamānau parasparam
einander bedrohend

hīyamānam atha apaśyat sugrīvam vānareśvaram | prekṣamāṇam diśaḥ ca eva rāghavaḥ sa muhur muhur || 4-16-30

Da sah Rāghava, wie der Herr der Affen, Sugrīva, unterlag und immer wieder hilfesuchend nach allen Seiten blickte.

Wort für Wort
hīyamānam atha apaśyat
da sah er den Unterliegenden
sugrīvam vānareśvaram
Sugrīva, den Herrn der Affen
prekṣamāṇam diśaḥ ca eva
und der die Richtungen betrachtete
rāghavaḥ sa muhur muhur
Rāghava, ihn, immer wieder

tato rāmo mahātejā ārtam dṛṣṭvā harīśvaram | sa śaram vīkṣate vīro vālino vadha kāṃkṣayā || 4-16-31

Da, den bedrängten Herrn der Affen sehend, griff der gewaltige, heldenhafte Rāma nach einem Pfeil, in der Absicht, Vālin zu töten.

Wort für Wort
tato rāmo mahātejā
da Rāma, der Gewaltige
ārtam dṛṣṭvā harīśvaram
den bedrängten Herrn der Affen sehend
sa śaram vīkṣate vīro
er, der Held, griff nach einem Pfeil
vālino vadha kāṃkṣayā
mit dem Wunsch, Vālin zu töten

tato dhanuṣi saṃdhāya śaram āśī viṣa upamam | pūrayāmāsa tat cāpam kāla cakram iva antakaḥ || 4-16-32

Dann legte er auf den Bogen einen Pfeil, der einem Schlangengift glich, und spannte den Bogen, wie der Todesgott sein Rad der Zeit.

Wort für Wort
tato dhanuṣi saṃdhāya
dann auf den Bogen legend
śaram āśī viṣa upamam
einen Pfeil, dem Schlangengift gleich
pūrayāmāsa tat cāpam
spannte er jenen Bogen
kāla cakram iva antakaḥ
wie der Tod sein Rad der Zeit

tasya jyātala ghoṣeṇa trastāḥ patraratheśvarāḥ | pradudruvur mṛgāḥ ca eva yugāṃta iva mohitāḥ || 4-16-33

Von dem Klatschen seiner Bogensehne gegen die Handfläche erschreckt, flohen die Herren der Vögel, und auch die Rehe liefen davon, betäubt wie beim Weltuntergang.

Wort für Wort
tasya jyātala ghoṣeṇa
von dem Klatschen seiner Sehne und Handfläche
trastāḥ patraratheśvarāḥ
erschreckt, die Herren der Vögel
pradudruvur mṛgāḥ ca eva
und auch die Rehe liefen davon
yugāṃta iva mohitāḥ
betäubt wie beim Weltuntergang

muktastu vajra nirghoṣaḥ pradīpta aśani saṃnibhaḥ | rāghaveṇa mahā bāṇo vāli vakṣasi pātitaḥ || 4-16-34

Der von Rāghava abgeschossene große Pfeil, der wie der Donnerkeil dröhnte und einem lodernden Blitz glich, traf Vālins Brust.

Wort für Wort
muktastu vajra nirghoṣaḥ
abgeschossen, wie der Donnerkeil dröhnend
pradīpta aśani saṃnibhaḥ
einem lodernden Blitz gleich
rāghaveṇa mahā bāṇo
der große Pfeil, von Rāghava
vāli vakṣasi pātitaḥ
auf Vālins Brust gelenkt

tataḥ tena mahātejā vīrya yuktaḥ kapīśvaraḥ | vegena abhihato vālī nipapāta mahī tale || 4-16-35

Da stürzte, von jenem gewaltigen, kraftbegabten Pfeil mit Wucht getroffen, der Herr der Affen, Vālī, zu Boden.

Wort für Wort
tataḥ tena mahātejā
da von jenem Gewaltigen
vīrya yuktaḥ kapīśvaraḥ
mit Kraft ausgestattet, der Herr der Affen
vegena abhihato vālī
mit Wucht getroffen, Vālī
nipapāta mahī tale
stürzte zu Boden

indra dhvaja iva uddhūta paurṇa māsyām mahītale | aśvayuk samaye māsi gata sattvo vicetanaḥ | bāṣpa saṃruddha kaṇṭhastu vālī ca ārta svaraḥ śanaiḥ || 4-16-36

Wie eine Indra-Standarte, die am Vollmondtag im Monat Āśvayuja niedergerissen zu Boden fällt, so fiel Vālī, seiner Kraft beraubt und besinnungslos, seine Kehle von Tränen erstickt, mit leisem, schmerzerfülltem Klagelaut.

Wort für Wort
indra dhvaja iva uddhūta
wie eine niedergerissene Indra-Standarte
paurṇa māsyām mahītale
am Vollmondtag auf den Erdboden
aśvayuk samaye māsi
zur Zeit des Monats Āśvayuja
gata sattvo vicetanaḥ bāṣpa saṃruddha kaṇṭhastu vālī ca ārta svaraḥ śanaiḥ
kraftlos und besinnungslos, die Kehle von Tränen erstickt, fiel Vālī mit leiser, schmerzerfüllter Stimme

narottamaḥ kāla yugāṃtakopamam śarottamam kāṃcana rūpyabhūṣitam | sasarja dīptam tam amitra mardanam sa dhūmamagnim mukhato yathā haraḥ || 4-16-37

Der Beste der Männer entließ jenen leuchtenden, feindzermalmenden, mit Gold und Silber geschmückten vortrefflichen Pfeil, der dem Feuer der Weltzeit-Zerstörung glich, wie Śiva das rauchige Feuer aus seinem Mund entlässt.

Wort für Wort
narottamaḥ kāla yugāṃtakopamam
der Beste der Männer, der dem Weltzeit-Feuer gleichenden
śarottamam kāṃcana rūpyabhūṣitam
vortrefflichen, mit Gold und Silber geschmückten Pfeil
sasarja dīptam tam amitra mardanam
entließ jenen leuchtenden, feindzermalmenden
sa dhūmamagnim mukhato yathā haraḥ
wie Śiva das rauchige Feuer aus dem Mund

atha ukṣitaḥ śoṇita toya visravaiḥ supuṣpita aśoka iva acalodgataḥ | vicetano vāsava sūnur āhave prabhrañśita indra dhvajavat kṣitim gataḥ || 4-16-38

Da, benetzt von Strömen des Blutes, wie ein aus dem Berg emporragender, voll erblühter Aśoka-Baum, sank der Sohn Indras, besinnungslos im Kampf, wie eine gestürzte Indra-Standarte zu Boden.

Wort für Wort
atha ukṣitaḥ śoṇita toya visravaiḥ
da, benetzt von Strömen des Blutes
supuṣpita aśoka iva acalodgataḥ
wie ein aus dem Berg emporragender, voll erblühter Aśoka
vicetano vāsava sūnur āhave
besinnungslos, der Sohn Indras, im Kampf
prabhrañśita indra dhvajavat kṣitim gataḥ
ging zu Boden wie eine gestürzte Indra-Standarte

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