Rāmāyaṇa · Kiṣkindhākāṇḍa
Sarga 46: Sugrīva Pṛthivī Paryaṭana Kathanam
Sugrīvas Erzählung von seiner Flucht um die Erde
gateṣu vānarendreṣu rāmaḥ sugrīvam abravīt |
katham bhavān vijānīte sarvam vai maṇḍalam bhuvaḥ ||
Als die Affenfürsten fortgezogen waren, sprach Rāma zu Sugrīva: „Wie kennst du den ganzen Erdkreis so genau?“
Wort für Wort gateṣu vānarendreṣu als die Affenfürsten fortgezogen waren rāmaḥ sugrīvam abravīt sprach Rāma zu Sugrīva katham bhavān vijānīte wie kennst du sarvam vai maṇḍalam bhuvaḥ fürwahr den ganzen Erdkreis sugrīvaḥ ca tato rāmam uvāca praṇata ātmavān |
śrūyatām sarvam ākhyāsye vistareṇa vaco mama ||
Und Sugrīva, sich verneigend, der Beherrschte, sprach da zu Rāma: „Höre alles; ich werde dir meine Erzählung ausführlich vortragen.
Wort für Wort sugrīvaḥ ca tato rāmam uvāca und Sugrīva sprach dann zu Rāma praṇata ātmavān sich verneigend, der Beherrschte śrūyatām sarvam ākhyāsye höre alles, ich werde erzählen vistareṇa vaco mama ausführlich mein Wort yadā tu duṃdubhim nāma dānavam mahiṣa ākṛtim |
parikālayate vālī malayam prati parvatam ||
Als Vālin einst den Dānava namens Dundubhi, der die Gestalt eines Büffels hatte, zum Berg Malaya hin verfolgte,
Wort für Wort yadā tu duṃdubhim nāma als aber den Dānava namens Dundubhi dānavam mahiṣa ākṛtim den Dānava von Büffelgestalt parikālayate vālī verfolgte Vālin malayam prati parvatam zum Berg Malaya hin tadā viveśa mahiṣo malayasya guhām prati |
viveśa vālī tatra api malayam tat jighāṃsayā ||
da drang der Büffel in eine Höhle des Malaya ein; auch Vālin drang dort hinein, in seiner Absicht ihn zu töten.
Wort für Wort tadā viveśa mahiṣo da drang der Büffel ein malayasya guhām prati in eine Höhle des Malaya viveśa vālī tatra api auch Vālin drang dort ein malayam tat jighāṃsayā in jenen Malaya, mit der Absicht zu töten tato aham tatra nikṣipto guhā dvāri vinītavat |
na ca niṣkramate vālī tadā saṃvatsare gate ||
Da wurde ich dort am Höhleneingang postiert wie ein gehorsamer Diener; und Vālin kam nicht heraus, obwohl ein ganzes Jahr verstrichen war.
Wort für Wort tato aham tatra nikṣipto da wurde ich dort postiert guhā dvāri vinītavat am Höhleneingang, wie ein Gehorsamer na ca niṣkramate vālī und Vālin kam nicht heraus tadā saṃvatsare gate obwohl ein Jahr verstrichen war tataḥ kṣataja vegena āpupūre tadā bilam |
tat aham vismito dṛṣṭvā bhrātuḥ śoka viṣa arditaḥ ||
Da füllte sich die Höhle mit einem Schwall von Blut; als ich das erblickte, war ich bestürzt, gequält vom Gift der Trauer um meinen Bruder.
Wort für Wort tataḥ kṣataja vegena da mit einem Schwall von Blut āpupūre tadā bilam füllte sich die Höhle tat aham vismito dṛṣṭvā dies bestürzt erblickend bhrātuḥ śoka viṣa arditaḥ vom Gift der Trauer um den Bruder gequält atha aham gata buddhiḥ tu suvyaktam nihato guruḥ |
śilā parvata saṃkāśā bila dvāri mayā kṛtā ||
Da dachte ich mir sogleich: „Der Ehrwürdige ist ganz offenbar getötet worden“; und ich versperrte den Höhleneingang mit einem Felsblock, der einem Berg glich.
Wort für Wort atha aham gata buddhiḥ tu da dachte ich sogleich suvyaktam nihato guruḥ ganz offenbar ist der Ehrwürdige getötet worden śilā parvata saṃkāśā mit einem bergesgleichen Felsblock bila dvāri mayā kṛtā wurde von mir der Höhleneingang versperrt aśaknuvan niṣkramitum mahiṣo vinaśiṣyati |
tato aham āgām kiṣkiṃdhām nirāśaḥ tasya jīvite ||
Nicht mehr imstande herauszukommen, wird der Büffel zugrunde gehen. Dann kehrte ich nach Kiṣkindhā zurück, ohne Hoffnung auf sein Leben.
Wort für Wort aśaknuvan niṣkramitum nicht imstande herauszukommen mahiṣo vinaśiṣyati wird der Büffel zugrunde gehen tato aham āgām kiṣkiṃdhām dann kehrte ich nach Kiṣkindhā zurück nirāśaḥ tasya jīvite ohne Hoffnung auf sein Leben rājyam ca sumahat prāpya tārām ca rumayā saha |
mitraiḥ ca sahitaḥ tatra vasāmi vigata jvaraḥ ||
Nachdem ich das überaus große Königreich erlangt hatte, wohnte ich dort mit Tārā zusammen mit Rumā und meinen Freunden, frei von Fieber der Sorge.
Wort für Wort rājyam ca sumahat prāpya das überaus große Königreich erlangend tārām ca rumayā saha mit Tārā, zusammen mit Rumā mitraiḥ ca sahitaḥ tatra mit den Freunden zusammen dort vasāmi vigata jvaraḥ wohnte ich, frei von Fieber ājagāma tato vālī hatvā tam dānavarṣabhaḥ |
tato aham adadām rājyam gauravāt bhaya yaṃtritaḥ ||
Dann kam Vālin zurück, nachdem er jenen Dānavastier getötet hatte; da gab ich ihm das Königreich zurück, aus Ehrfurcht und von Angst gebunden.
Wort für Wort ājagāma tato vālī dann kam Vālin zurück hatvā tam dānavarṣabhaḥ nachdem er jenen Dānavastier getötet hatte tato aham adadām rājyam da gab ich das Königreich zurück gauravāt bhaya yaṃtritaḥ aus Ehrfurcht, von Angst gebunden sa mām jighāṃsuḥ duṣṭātmā vālī pravyathita indriyaḥ |
parikālayate krodhāt dhāvaṃtam sacivaiḥ saha ||
Doch jener bösgesinnte Vālin, mich zu töten trachtend, mit erregten Sinnen, verfolgte mich im Zorn, wie ich mit meinen Ministern floh.
Wort für Wort sa mām jighāṃsuḥ duṣṭātmā er, mich zu töten trachtend, der Bösgesinnte vālī pravyathita indriyaḥ Vālin, mit erregten Sinnen parikālayate krodhāt verfolgte im Zorn dhāvaṃtam sacivaiḥ saha den Fliehenden, zusammen mit den Ministern tato aham vālinā tena sānubandhaḥ pradhāvitaḥ |
nadīḥ ca vividhāḥ paśyan vanāni nagarāṇi ca ||
Da floh ich, von jenem Vālin verfolgt, unaufhörlich, vielerlei Flüsse, Wälder und Städte erblickend,
Wort für Wort tato aham vālinā tena da ich von jenem Vālin sānubandhaḥ pradhāvitaḥ unaufhörlich verfolgt, floh nadīḥ ca vividhāḥ paśyan vielerlei Flüsse erblickend vanāni nagarāṇi ca Wälder und Städte ādarśa tala saṃkāśā tato vai pṛthivī mayā |
alāta cakra pratimā dṛṣṭā goṣpadavat tadā kṛtā ||
Fürwahr, die Erde erschien mir dann wie eine Spiegelfläche; sie glich dem kreisenden Feuerbrand und wurde mir da wie eine Kuhtritt-Spur.
Wort für Wort ādarśa tala saṃkāśā wie eine Spiegelfläche tato vai pṛthivī mayā fürwahr, die Erde von mir alāta cakra pratimā dem kreisenden Feuerbrand gleich dṛṣṭā goṣpadavat tadā kṛtā erblickt, wurde da wie eine Kuhtritt-Spur pūrvam diśām tato gatvā paśyāmi vividhān drumān |
parvatān sa darīn ramyān sarāṃsi vividhāni ca ||
Nachdem ich dann in die östliche Richtung gezogen war, sah ich vielerlei Bäume, liebliche Berge mit ihren Schluchten und mancherlei Seen.
Wort für Wort pūrvam diśām tato gatvā dann in die östliche Richtung gezogen paśyāmi vividhān drumān sah ich vielerlei Bäume parvatān sa darīn ramyān liebliche Berge mit ihren Schluchten sarāṃsi vividhāni ca und mancherlei Seen udayam tatra paśyāmi parvatam dhātu maṇḍitam |
kṣīrodam sāgaram caiva nityam apsara ālayam ||
Dort sah ich den Sonnenaufgangsberg, geschmückt mit Erzadern, und auch das Milchmeer, die ewige Wohnstatt der Apsaras.
Wort für Wort udayam tatra paśyāmi dort sah ich den Sonnenaufgangsberg parvatam dhātu maṇḍitam den Berg, geschmückt mit Erzadern kṣīrodam sāgaram caiva und auch das Milchmeer nityam apsara ālayam die ewige Wohnstatt der Apsaras parikālyamānaḥ tadā vālinā abhidrutaḥ hi aham |
punaḥ āvṛtya sahasā prasthito aham tadā vibho ||
Von Vālin verfolgt, fürwahr angegriffen, wandte ich mich da unversehens um und machte mich, o Mächtiger, wieder auf den Weg.
Wort für Wort parikālyamānaḥ tadā verfolgt damals vālinā abhidrutaḥ hi aham von Vālin fürwahr angegriffen, ich punaḥ āvṛtya sahasā wieder unversehens umkehrend prasthito aham tadā vibho machte ich mich damals auf, o Mächtiger diśaḥ tasyāḥ tato bhūyaḥ prasthito dakṣiṇam disham |
vindhya pādapa saṃkīrṇām candana druma śobhitām ||
Von jener Richtung zog ich dann weiter in die südliche Richtung, dicht bewachsen mit Vindhya-Bäumen, geschmückt mit Sandelbäumen.
Wort für Wort diśaḥ tasyāḥ tato bhūyaḥ von jener Richtung dann weiter prasthito dakṣiṇam disham zog ich in die südliche Richtung vindhya pādapa saṃkīrṇām dicht bewachsen mit Vindhya-Bäumen candana druma śobhitām geschmückt mit Sandelbäumen druma śaila antare paśyan bhūyo dakṣiṇato aparām |
aparām ca diśam prāpto vālinā samabhidrutaḥ ||
Zwischen Bäumen und Bergen umherblickend, gelangte ich weiter, von Süden aus, in eine andere Richtung, von Vālin weiterhin verfolgt.
Wort für Wort druma śaila antare paśyan zwischen Bäumen und Bergen umherblickend bhūyo dakṣiṇato aparām weiter, von Süden aus, in eine andere aparām ca diśam prāpto und gelangte in eine andere Richtung vālinā samabhidrutaḥ von Vālin verfolgt sa paśyan vividhān deśān astam ca giri sattamam |
prāpya ca astam giri śreṣṭham uttaram saṃpradhāvitaḥ ||
Vielerlei Länder erblickend und den vortrefflichen Untergangsberg, und nachdem ich jenen herrlichen Untergangsberg erreicht hatte, eilte ich weiter nach Norden.
Wort für Wort sa paśyan vividhān deśān er, vielerlei Länder erblickend astam ca giri sattamam und den vortrefflichen Untergangsberg prāpya ca astam giri śreṣṭham und jenen herrlichen Untergangsberg erreichend uttaram saṃpradhāvitaḥ eilte ich nach Norden himavaṃtam ca merum ca samudram ca tathā uttaram |
yadā na vinde śaraṇam vālinā samabhidrutaḥ ||
Den Himavat, den Meru und ebenso das nördliche Meer erreichte ich; und als ich, von Vālin weiterhin verfolgt, keine Zuflucht fand,
Wort für Wort himavaṃtam ca merum ca den Himavat und den Meru samudram ca tathā uttaram und ebenso das nördliche Meer yadā na vinde śaraṇam als ich keine Zuflucht fand vālinā samabhidrutaḥ von Vālin verfolgt tato mām buddhi saṃpanno hanumān vākyam abravīt |
idānīm me smṛtam rājan yathā vālī harīśvaraḥ ||
da sprach der kluge Hanumān zu mir dieses Wort: „Jetzt erinnere ich mich, o König, dass Vālin, der Affenherrscher,
Wort für Wort tato mām buddhi saṃpanno da zu mir, der Kluge hanumān vākyam abravīt Hanumān sprach dieses Wort idānīm me smṛtam rājan jetzt erinnere ich mich, o König yathā vālī harīśvaraḥ dass Vālin, der Affenherrscher mataṃgena tadā śapto hi asmin āśrama maṇḍale |
praviśet yadi vai vālī mūrdhā asya śatadhā bhavet ||
einst von Mataṅga verflucht wurde: sollte Vālin jemals in dieses Einsiedlerhain-Gebiet eindringen, so würde fürwahr sein Haupt in hundert Stücke zerspringen.
Wort für Wort mataṃgena tadā śapto damals von Mataṅga verflucht hi asmin āśrama maṇḍale fürwahr in diesem Einsiedler-Gebiet praviśet yadi vai vālī sollte Vālin fürwahr eindringen mūrdhā asya śatadhā bhavet würde sein Haupt hundertfach zerspringen tatra vāsaḥ sukho asmākam nirudvigno bhaviṣyati |
tataḥ parvatam āsādya ṛśyamūkam nṛpātmaja ||
Dort wird unser Aufenthalt glücklich und ungestört sein.“ Da erreichte ich, o Königssohn, den Berg Ṛśyamūka,
Wort für Wort tatra vāsaḥ sukho asmākam dort wird unser Aufenthalt glücklich nirudvigno bhaviṣyati ungestört sein tataḥ parvatam āsādya dann den Berg erreichend ṛśyamūkam nṛpātmaja den Ṛśyamūka, o Königssohn na viveśa tadā vālī mataṃgasya bhayāt tadā |
evam mayā tadā rājan pratyakṣam upalakṣitam |
pṛthivī maṇḍalam sarvam guhām asmi āgataḥ tataḥ ||
und Vālin drang da nicht ein, aus Furcht vor Mataṅga. So habe ich, o König, den ganzen Erdkreis mit eigenen Augen wahrgenommen, und dann kam ich zu dieser Höhle.“
Wort für Wort na viveśa tadā vālī da drang Vālin nicht ein mataṃgasya bhayāt tadā aus Furcht vor Mataṅga evam mayā tadā rājan so von mir, o König, damals pratyakṣam upalakṣitam mit eigenen Augen wahrgenommen pṛthivī maṇḍalam sarvam den ganzen Erdkreis guhām asmi āgataḥ tataḥ dann kam ich zu dieser Höhle
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