Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Kiṣkindhākāṇḍa

Sarga 8: Sugrīva Ātma Kathanam Sugrīva berichtet von seinem Leid

parituṣṭaḥ tu sugrīvaḥ tena vākyena harṣitaḥ | lakṣmaṇasya agrajam śūram idam vacanam abravīt || 4-8-1

Zufrieden und von jenem Wort erfreut, sprach Sugrīva zu dem tapferen älteren Bruder Lakṣmaṇas dieses Wort.

Wort für Wort
parituṣṭaḥ tu sugrīvaḥ
zufrieden aber Sugrīva
tena vākyena harṣitaḥ
von jenem Wort erfreut
lakṣmaṇasya agrajam śūram
zu dem tapferen älteren Bruder Lakṣmaṇas
idam vacanam abravīt
sprach er dieses Wort

sarvathā aham anugrāhyo devatānām na saṃśayaḥ | upapannaḥ guṇa upetaḥ sakhā yasya bhavān mama || 4-8-2

'Ich bin zweifellos in jeder Hinsicht von den Göttern begünstigt, da du, geziemend und mit Vorzügen ausgestattet, mein Freund bist.

Wort für Wort
sarvathā aham anugrāhyo
ich bin in jeder Hinsicht begünstigt
devatānām na saṃśayaḥ
von den Göttern, ohne Zweifel
upapannaḥ guṇa upetaḥ
geziemend, mit Vorzügen ausgestattet
sakhā yasya bhavān mama
dessen Freund du bist, für mich

śakyam khalu bhavet rāma sahāyena tvayā anagha | sura rājyam api prāptum sva rājyam kimuta prabho || 4-8-3

Mit dir als Helfer, o Rāma, o Makelloser, wäre es wahrlich möglich, sogar die Herrschaft der Götter zu erlangen - wie viel mehr das eigene Königreich, o Herr!

Wort für Wort
śakyam khalu bhavet rāma
möglich wäre es wahrlich, o Rāma
sahāyena tvayā anagha
mit dir als Helfer, o Makelloser
sura rājyam api prāptum
sogar die Herrschaft der Götter zu erlangen
sva rājyam kimuta prabho
wie viel mehr das eigene Reich, o Herr

so.aham sabhājyo bandhūnām suhṛdām caiva rāghava | yasya agni sākṣikam mitram labdham rāghava vaṃśajam || 4-8-4

So bin ich von meinen Verwandten und Freunden zu beglückwünschen, o Rāghava, da ich einen Freund gewonnen habe, mit dem Feuer als Zeugen, einen aus dem Geschlecht der Rāghavas Stammenden.

Wort für Wort
so.aham sabhājyo bandhūnām
so bin ich zu beglückwünschen von meinen Verwandten
suhṛdām caiva rāghava
und von meinen Freunden, o Rāghava
yasya agni sākṣikam mitram
dessen Freund, mit Feuer als Zeugen
labdham rāghava vaṃśajam
gewonnen wurde, aus dem Geschlecht der Rāghavas

aham api anurūpaḥ te vayasyo jñāsyase śanaiḥ | na tu vaktum samartho.aham tvayi ātmagatān guṇān || 4-8-5

Auch ich bin dir ein angemessener Gefährte, wie du allmählich erkennen wirst; doch bin ich nicht imstande, dir meine eigenen Vorzüge selbst darzulegen.

Wort für Wort
aham api anurūpaḥ te
auch ich bin dir angemessen
vayasyo jñāsyase śanaiḥ
als Gefährte wirst du es allmählich erkennen
na tu vaktum samartho.aham
doch bin ich nicht imstande zu sagen
tvayi ātmagatān guṇān
dir meine eigenen Vorzüge

mahātmanām tu bhūyiṣṭham tvat vidhānām kṛta ātmanām | niścalā bhavati prītiḥ dhairyam ātmavatām vara || 4-8-6

Bei den hochherzigen, geläuterten Männern deiner Art aber bleibt die Zuneigung meistenteils unerschütterlich, o Bester der Selbstbeherrschten, ihre Standhaftigkeit.

Wort für Wort
mahātmanām tu bhūyiṣṭham
bei den Hochherzigen meistenteils
tvat vidhānām kṛta ātmanām
bei den geläuterten Männern deiner Art
niścalā bhavati prītiḥ
bleibt die Zuneigung unerschütterlich
dhairyam ātmavatām vara
und die Standhaftigkeit, o Bester der Selbstbeherrschten

rajatam vā suvarṇam vā śubhāni ābharaṇāni ca | avibhaktāni sādhūnām avagacchanti sādhavaḥ || 4-8-7

Silber oder Gold und schönen Schmuck betrachten die Guten als ungeteilten Besitz mit den Guten.

Wort für Wort
rajatam vā suvarṇam vā
Silber oder Gold
śubhāni ābharaṇāni ca
und schönen Schmuck
avibhaktāni sādhūnām
als ungeteilten Besitz der Guten
avagacchanti sādhavaḥ
betrachten die Guten

āḍhyo vā api daridro vā duḥkhitaḥ sukhito.api vā | nirdoṣaḥ ca sadoṣaḥ ca vayasyaḥ paramā gatiḥ || 4-8-8

Ob reich oder arm, ob leidend oder froh, ob fehlerlos oder fehlerhaft - der Gefährte ist die höchste Zuflucht.

Wort für Wort
āḍhyo vā api daridro vā
ob reich oder arm
duḥkhitaḥ sukhito.api vā
ob leidend oder froh
nirdoṣaḥ ca sadoṣaḥ ca
fehlerlos und fehlerhaft
vayasyaḥ paramā gatiḥ
der Gefährte ist die höchste Zuflucht

dhana tyāgaḥ sukha tyāgo deśa tyāgo.api vā anaghaḥ | vayasyārthe pravartante sneham dṛṣṭvā tathā vidham || 4-8-9

Der Verzicht auf Reichtum, der Verzicht auf Glück, sogar der Verzicht auf die Heimat, o Makelloser - dies alles wird um des Gefährten willen unternommen, wenn man solche Zuneigung sieht.

Wort für Wort
dhana tyāgaḥ sukha tyāgo
Verzicht auf Reichtum, Verzicht auf Glück
deśa tyāgo.api vā anaghaḥ
sogar Verzicht auf die Heimat, o Makelloser
vayasyārthe pravartante
werden um des Gefährten willen unternommen
sneham dṛṣṭvā tathā vidham
wenn man solche Zuneigung sieht

tat tathā iti abravīt rāmaḥ sugrīvam priya darśanam | lakṣmaṇasya agrataḥ lakṣmyā vāsavasya iva dhīmataḥ || 4-8-10

'So sei es', sprach Rāma zu dem lieblich anzuschauenden Sugrīva, vor Lakṣmaṇa, an Glanz dem weisen Vāsava gleich.

Wort für Wort
tat tathā iti abravīt
'so sei es', sprach
rāmaḥ sugrīvam priya darśanam
Rāma zu dem lieblich anzuschauenden Sugrīva
lakṣmaṇasya agrataḥ
vor Lakṣmaṇa
lakṣmyā vāsavasya iva dhīmataḥ
an Glanz dem weisen Vāsava gleich

tato rāmam sthitam dṛṣṭvā lakṣmaṇam ca mahābalam | sugrīvaḥ sarvataḥ cakṣuḥ vane lolam apātayat || 4-8-11

Dann, nachdem er Rāma und den überaus kraftvollen Lakṣmaṇa dastehen gesehen hatte, ließ Sugrīva seinen unruhigen Blick überall im Wald umherschweifen.

Wort für Wort
tato rāmam sthitam dṛṣṭvā
dann, Rāma dastehend erblickend
lakṣmaṇam ca mahābalam
und den überaus kraftvollen Lakṣmaṇa
sugrīvaḥ sarvataḥ cakṣuḥ
Sugrīva ließ seinen Blick überall
vane lolam apātayat
im Wald unruhig umherschweifen

sa dadarśa tataḥ sālam avidūre harīśvaraḥ | supuṣpam īṣat patra āḍhyam bhramaraiḥ upaśobhitam || 4-8-12

Da erblickte der Herr der Affen unweit einen Sāla-Baum, wohlblühend, mit wenig Laub, von Bienen geschmückt.

Wort für Wort
sa dadarśa tataḥ sālam
er erblickte dann einen Sāla-Baum
avidūre harīśvaraḥ
unweit, der Herr der Affen
supuṣpam īṣat patra āḍhyam
wohlblühend, mit wenig Laub
bhramaraiḥ upaśobhitam
von Bienen geschmückt

tasya ekām parṇa bahulām śākhām bhaṃktvā suśobhitām | rāmasya āstīrya sugrīvo niṣasāda sa rāghavaḥ || 4-8-13

Nachdem er einen mit vielen Blättern versehenen, prächtigen Zweig davon abgebrochen hatte, breitete Sugrīva ihn für Rāma aus, und Rāghava setzte sich darauf.

Wort für Wort
tasya ekām parṇa bahulām
davon einen mit vielen Blättern versehenen
śākhām bhaṃktvā suśobhitām
Zweig, prächtig, abbrechend
rāmasya āstīrya sugrīvo
für Rāma ausbreitend, Sugrīva
niṣasāda sa rāghavaḥ
setzte sich Rāghava darauf

tau āsīnau tataḥ dṛṣṭvā hanūmān api lakṣmaṇam | sāla śākhām samutpāṭya vinītam upaveśayat || 4-8-14

Als er die beiden sitzen sah, riss auch Hanumān für Lakṣmaṇa, den Wohlerzogenen, einen Zweig des Sāla-Baumes ab und ließ ihn Platz nehmen.

Wort für Wort
tau āsīnau tataḥ dṛṣṭvā
als er die beiden sitzend sah
hanūmān api lakṣmaṇam
auch Hanumān, für Lakṣmaṇa
sāla śākhām samutpāṭya
einen Zweig des Sāla-Baumes ausreißend
vinītam upaveśayat
ließ er den Wohlerzogenen Platz nehmen

sukha upaviṣṭam rāmam tu prasannam udadhim yathā | sāla puṣpāva saṃkīrṇe tasmin girivara uttame || 4-8-15

Rāma, behaglich sitzend, wie ein ruhiges Meer, auf jenem trefflichsten Berg, der mit den Blüten des Sāla-Baumes übersät war,

Wort für Wort
sukha upaviṣṭam rāmam tu
Rāma, behaglich sitzend
prasannam udadhim yathā
wie ein ruhiges Meer
sāla puṣpāva saṃkīrṇe
übersät mit den Blüten des Sāla-Baumes
tasmin girivara uttame
auf jenem trefflichsten Berg

tataḥ prahṛṣṭaḥ sugrīvaḥ ślakṣṇayā śubhayā girā | uvāca praṇayād rāmam harṣa vyākulita akṣaram || 4-8-16

sprach der nun hocherfreute Sugrīva mit sanfter, schöner Stimme, aus Zuneigung, zu Rāma, mit vor Freude bewegten Worten.

Wort für Wort
tataḥ prahṛṣṭaḥ sugrīvaḥ
dann der hocherfreute Sugrīva
ślakṣṇayā śubhayā girā
mit sanfter, schöner Stimme
uvāca praṇayād rāmam
sprach aus Zuneigung zu Rāma
harṣa vyākulita akṣaram
mit vor Freude bewegten Worten

aham vinikṛto bhrātrā carāmi eṣa bhayārditaḥ | ṛṣyamūkam giri varam hṛta bhāryaḥ suduḥkhitaḥ || 4-8-17

'Von meinem Bruder betrogen, wandere ich hier, von Furcht gequält, um den trefflichen Berg Ṛṣyamūka, meiner Gattin beraubt, überaus leidgeplagt.

Wort für Wort
aham vinikṛto bhrātrā
von meinem Bruder betrogen
carāmi eṣa bhayārditaḥ
wandere ich hier, von Furcht gequält
ṛṣyamūkam giri varam
um den trefflichen Berg Ṛṣyamūka
hṛta bhāryaḥ suduḥkhitaḥ
meiner Gattin beraubt, überaus leidgeplagt

so.aham trastaḥ bhaye magnaḥ vane saṃbrānta cetanaḥ | vālinā nikṛtaḥ bhrātrā kṛta vairaḥ ca rāghava || 4-8-18

So lebe ich, erschreckt, in Furcht versunken, im Wald mit verstörtem Sinn, von meinem Bruder Vālin betrogen und mit ihm verfeindet, o Rāghava.

Wort für Wort
so.aham trastaḥ bhaye magnaḥ
so ich, erschreckt, in Furcht versunken
vane saṃbrānta cetanaḥ
im Wald mit verstörtem Sinn
vālinā nikṛtaḥ bhrātrā
von meinem Bruder Vālin betrogen
kṛta vairaḥ ca rāghava
und verfeindet, o Rāghava

vālinaḥ me bhaya ārtasya sarvaloka abhayaṃkara | mama api tvam anāthasya prasādam kartum arhasi || 4-8-19

O du, der du aller Welt Furchtlosigkeit gibst, gewähre auch mir, der ich vor Vālin von Furcht gequält und schutzlos bin, deine Gnade.

Wort für Wort
vālinaḥ me bhaya ārtasya
vor Vālin, mir, von Furcht Gequältem
sarvaloka abhayaṃkara
o du, der aller Welt Furchtlosigkeit gibt
mama api tvam anāthasya
auch mir, dem Schutzlosen
prasādam kartum arhasi
solltest du Gnade erweisen

evam uktaḥ tu tejasvī dharmajño dharma vatsalaḥ | pratyuvāca sa kākutsthaḥ sugrīvam prahasan iva || 4-8-20

So angesprochen, erwiderte der glanzvolle, rechtschaffenheitskundige, der Rechtschaffenheit zugetane Kākutstha dem Sugrīva, wie leicht lächelnd.

Wort für Wort
evam uktaḥ tu tejasvī
so angesprochen, der Glanzvolle
dharmajño dharma vatsalaḥ
der Rechtschaffenheitskundige, der Rechtschaffenheit Zugetane
pratyuvāca sa kākutsthaḥ
erwiderte Kākutstha
sugrīvam prahasan iva
dem Sugrīva, wie leicht lächelnd

upakāra phalam mitram apakāro ari lakṣaṇam | adya eva tam vadhiṣyāmi tava bhāryā apahāriṇam || 4-8-21

'Ein Freund erweist sich in der Hilfeleistung, ein Feind im Schaden, den er zufügt; noch heute werde ich jenen Räuber deiner Gattin töten.

Wort für Wort
upakāra phalam mitram
ein Freund, dessen Frucht die Hilfeleistung ist
apakāro ari lakṣaṇam
der Schaden ist das Kennzeichen des Feindes
adya eva tam vadhiṣyāmi
noch heute werde ich ihn töten
tava bhāryā apahāriṇam
den Räuber deiner Gattin

ime hi me mahābhāga patriṇaḥ tigma tejasaḥ | kārtikeya vana udbhūtāḥ śarā hema vibhūṣitāḥ || 4-8-22

Diese meine gefiederten Pfeile, o Hochgesegneter, von scharfer Wucht, entstanden im Wald des Kārtikeya, mit Gold geschmückt,

Wort für Wort
ime hi me mahābhāga
diese meine, o Hochgesegneter
patriṇaḥ tigma tejasaḥ
gefiederten, von scharfer Wucht
kārtikeya vana udbhūtāḥ
im Wald des Kārtikeya entstanden
śarā hema vibhūṣitāḥ
die Pfeile, mit Gold geschmückt

kanka patra paricchannā mahendra aśani sannibhāḥ | suparvāṇaḥ sutīkṣṇa agrā saroṣā bhujagā iva || 4-8-23

mit Falkenfedern befiedert, dem Blitz des großen Indra gleich, mit schönen Gliedern und scharfer Spitze, wie zornige Schlangen -

Wort für Wort
kanka patra paricchannā
mit Falkenfedern befiedert
mahendra aśani sannibhāḥ
dem Blitz des großen Indra gleich
suparvāṇaḥ sutīkṣṇa agrā
mit schönen Gliedern, scharfer Spitze
saroṣā bhujagā iva
wie zornige Schlangen

vāli sajñam amitram te bhrātaram kṛta kilbiṣam | śaraiḥ vinihatam paśya vikīrṇam iva parvatam || 4-8-24

sieh, wie deinen namens Vālin bekannten Feind, deinen Bruder, der Unrecht getan hat, von meinen Pfeilen niedergestreckt, wie einen zerstreuten Berg.'

Wort für Wort
vāli sajñam amitram te
deinen Feind namens Vālin
bhrātaram kṛta kilbiṣam
deinen Bruder, der Unrecht getan hat
śaraiḥ vinihatam paśya
sieh, von Pfeilen niedergestreckt
vikīrṇam iva parvatam
wie einen zerstreuten Berg

rāghavasya vacaḥ śrutvā sugrīvo vāhinī patiḥ | praharṣam atulam lebhe sādhu sādhviti ca abravīt || 4-8-25

Als er Rāghavas Wort gehört hatte, empfand Sugrīva, der Heerführer, unvergleichliche Freude und sprach: 'Wohl, wohl!'

Wort für Wort
rāghavasya vacaḥ śrutvā
als er Rāghavas Wort gehört hatte
sugrīvo vāhinī patiḥ
Sugrīva, der Heerführer
praharṣam atulam lebhe
empfand unvergleichliche Freude
sādhu sādhviti ca abravīt
und sprach: 'wohl, wohl'

rāma śoka abhibhūto aham śoka ārtānām bhavān gatiḥ | vayasya iti kṛtvā hi tvayi aham paridevaye || 4-8-26

'O Rāma, ich bin vom Kummer überwältigt; du bist die Zuflucht der vom Kummer Gequälten; da ich dich als Gefährten betrachte, klage ich bei dir.

Wort für Wort
rāma śoka abhibhūto aham
o Rāma, ich bin vom Kummer überwältigt
śoka ārtānām bhavān gatiḥ
du bist die Zuflucht der vom Kummer Gequälten
vayasya iti kṛtvā hi
da ich dich als Gefährten betrachte
tvayi aham paridevaye
klage ich bei dir

tvam hi pāṇi pradānena vayasyo me agni sākṣikam | kṛtaḥ prāṇaiḥ bahumataḥ satyena ca śapāmi aham || 4-8-27

Denn du bist durch das Reichen der Hand, mit dem Feuer als Zeugen, zu meinem Gefährten geworden, mir teurer als das Leben - dies schwöre ich bei der Wahrheit.

Wort für Wort
tvam hi pāṇi pradānena
denn du bist durch das Reichen der Hand
vayasyo me agni sākṣikam
mein Gefährte, mit Feuer als Zeugen
kṛtaḥ prāṇaiḥ bahumataḥ
geworden, mir teurer als das Leben
satyena ca śapāmi aham
und ich schwöre bei der Wahrheit

vayasya iti kṛtvā ca visrabdhaḥ pravadāmi aham | duḥkham antargatam tan me mano harati nityaśaḥ || 4-8-28

Und da ich dich als Gefährten betrachte, spreche ich vertrauensvoll; dieses in mir verborgene Leid nimmt mir beständig meinen Sinn.

Wort für Wort
vayasya iti kṛtvā ca
und da ich dich als Gefährten betrachte
visrabdhaḥ pravadāmi aham
spreche ich vertrauensvoll
duḥkham antargatam tan me
dieses in mir verborgene Leid
mano harati nityaśaḥ
nimmt beständig meinen Sinn

etāvat uktvā vacanam bāṣpa dūṣita locanaḥ | bāṣpa dūṣitayā vācā na uccaiḥ śknoti bhāṣitum || 4-8-29

Nachdem er so viel gesprochen hatte, mit von Tränen getrübten Augen, vermochte er mit von Tränen erstickter Stimme nicht mehr laut zu sprechen.

Wort für Wort
etāvat uktvā vacanam
nachdem er so viel gesprochen hatte
bāṣpa dūṣita locanaḥ
mit von Tränen getrübten Augen
bāṣpa dūṣitayā vācā
mit von Tränen erstickter Stimme
na uccaiḥ śknoti bhāṣitum
vermochte er nicht laut zu sprechen

bāṣpa vegam tu sahasā nadī vegam iva āgatam | dhārayāmāsa dhairyeṇa sugrīvaḥ rāma saṃnidhau || 4-8-30

Den plötzlich aufsteigenden Tränenstrom, wie die Flut eines Flusses, hielt Sugrīva durch Standhaftigkeit in Rāmas Gegenwart zurück.

Wort für Wort
bāṣpa vegam tu sahasā
den plötzlich aufsteigenden Tränenstrom
nadī vegam iva āgatam
wie die Flut eines Flusses gekommen
dhārayāmāsa dhairyeṇa
hielt er zurück durch Standhaftigkeit
sugrīvaḥ rāma saṃnidhau
Sugrīva, in Rāmas Gegenwart

sa nigṛhya tu tam bāṣpam pramṛjya nayane śubhe | viniḥśvasya ca tejasvī rāghavam punarūcivān || 4-8-31

Nachdem er die Tränen zurückgehalten und seine schönen Augen abgewischt hatte, sprach der Glanzvolle, seufzend, wieder zu Rāghava.

Wort für Wort
sa nigṛhya tu tam bāṣpam
nachdem er die Tränen zurückgehalten hatte
pramṛjya nayane śubhe
seine schönen Augen abwischend
viniḥśvasya ca tejasvī
und seufzend, der Glanzvolle
rāghavam punarūcivān
sprach er wieder zu Rāghava

purā aham valinā rāma rājyāt svāt avaropitaḥ | paruṣāṇi ca saṃśrāvya nirdhūto asmi balīyasā || 4-8-32

'Einst wurde ich, o Rāma, von Vālin aus meinem eigenen Königreich vertrieben; nachdem er mich mit harten Worten beschimpft hatte, wurde ich von dem Mächtigeren verstoßen.

Wort für Wort
purā aham valinā rāma
einst wurde ich, o Rāma, von Vālin
rājyāt svāt avaropitaḥ
aus meinem eigenen Königreich vertrieben
paruṣāṇi ca saṃśrāvya
und nachdem er mich mit harten Worten beschimpft hatte
nirdhūto asmi balīyasā
wurde ich von dem Mächtigeren verstoßen

hṛtā bhāryā ca me tena prāṇebhyo api garīyasī | suhṛdaḥ ca madīyā ye saṃyatā bandhaneṣu te || 4-8-33

Meine Gattin, mir teurer als das Leben, wurde von ihm geraubt, und meine Freunde, die ich hatte, wurden in Fesseln gelegt.

Wort für Wort
hṛtā bhāryā ca me tena
meine Gattin wurde von ihm geraubt
prāṇebhyo api garīyasī
mir teurer als das Leben
suhṛdaḥ ca madīyā ye
und meine Freunde, die
saṃyatā bandhaneṣu te
in Fesseln gelegt wurden

yatnavān ca sa duṣṭātmā mad vināśāya rāghava | bahuśaḥ tat prayuktāḥ ca vānarā nihatā mayā || 4-8-34

Und jener Bösartige ist eifrig auf meine Vernichtung bedacht, o Rāghava; die von ihm vielfach dazu entsandten Affen habe ich getötet.

Wort für Wort
yatnavān ca sa duṣṭātmā
und jener Bösartige ist eifrig bedacht
mad vināśāya rāghava
auf meine Vernichtung, o Rāghava
bahuśaḥ tat prayuktāḥ ca
und die vielfach dazu entsandten
vānarā nihatā mayā
Affen wurden von mir getötet

śaṃkayā etayā aham ca dṛṣṭvā tvām api rāghava | na upasarpāmi aham bhīto bhaye sarve hi bibhyati || 4-8-35

Aus eben diesem Argwohn nähere ich mich, aus Furcht, nicht einmal dir, o Rāghava, wenn ich dich erblicke; denn in Furcht fürchten sich alle.

Wort für Wort
śaṃkayā etayā aham ca
aus eben diesem Argwohn, und ich
dṛṣṭvā tvām api rāghava
selbst wenn ich dich erblicke, o Rāghava
na upasarpāmi aham bhīto
nähere ich mich nicht, erschreckt
bhaye sarve hi bibhyanti
denn in Furcht fürchten sich alle

kevalam hi sahāyā me hanumat pramukhāstvime | ataḥ aham dhārayāmi adya prāṇān kṛcchra gataḥ api san || 4-8-36

Allein diese hier, mit Hanumān an der Spitze, sind meine Helfer; deshalb erhalte ich, obwohl ich in Bedrängnis geraten bin, noch heute mein Leben.

Wort für Wort
kevalam hi sahāyā me
allein meine Helfer
hanumat pramukhāstvime
diese hier, mit Hanumān an der Spitze
ataḥ aham dhārayāmi adya prāṇān
deshalb erhalte ich heute mein Leben
kṛcchra gataḥ api san
obwohl ich in Bedrängnis geraten bin

ete hi kapayaḥ snigdhā mām rakṣanti samantataḥ | saha gacchanti gantavye nityam tiṣṭhanti ca sthite || 4-8-37

Diese liebevollen Affen beschützen mich ringsum; sie gehen mit mir, wenn ich gehen muss, und stehen beständig, wenn ich stehe.

Wort für Wort
ete hi kapayaḥ snigdhā
diese liebevollen Affen
mām rakṣanti samantataḥ
beschützen mich ringsum
saha gacchanti gantavye
sie gehen mit, wenn zu gehen ist
nityam tiṣṭhanti ca sthite
und stehen beständig, wenn ich stehe

saṃkṣepaḥ te eṣa me rāma kim uktvā vistaram hi te | sa me jyeṣṭho ripuḥ bhrātā vālī viśruta pauruṣaḥ || 4-8-38

Dies ist, in Kürze, o Rāma, meine Lage - wozu soll ich dir Ausführliches sagen? Jener mein älterer Bruder Vālin, von bekannter Mannhaftigkeit, ist mein Feind.

Wort für Wort
saṃkṣepaḥ te eṣa me rāma
dies ist, in Kürze, meine Lage, o Rāma
kim uktvā vistaram hi te
wozu soll ich dir Ausführliches sagen
sa me jyeṣṭho ripuḥ bhrātā
jener mein älterer Bruder, mein Feind
vālī viśruta pauruṣaḥ
Vālin, von bekannter Mannhaftigkeit

tad vināśe api me duḥkham pramṛṣṭam syāt anantaram | sukham me jīvitam caiva tad vināśa nibandhanam || 4-8-39

Bei seinem Verderben wäre mein Leid sogleich getilgt, und mein Leben würde glücklich, gebunden an sein Verderben.

Wort für Wort
tad vināśe api me duḥkham
bei seinem Verderben wäre mein Leid
pramṛṣṭam syāt anantaram
sogleich getilgt
sukham me jīvitam caiva
und mein Leben würde glücklich
tad vināśa nibandhanam
gebunden an sein Verderben

eṣa me rāma śokāntaḥ śoka ārtena niveditaḥ | duḥkhitaḥ sukhitaḥ vā api sakhyuḥ nityam sakhā gatiḥ || 4-8-40

Dies ist das Ende meines Kummers, o Rāma, von mir, dem vom Kummer Gequälten, dargelegt; ob leidend oder froh, der Gefährte ist stets die Zuflucht des Gefährten.'

Wort für Wort
eṣa me rāma śokāntaḥ
dies ist das Ende meines Kummers, o Rāma
śoka ārtena niveditaḥ
von dem vom Kummer Gequälten dargelegt
duḥkhitaḥ sukhitaḥ vā api
ob leidend oder froh
sakhyuḥ nityam sakhā gatiḥ
der Gefährte ist stets die Zuflucht des Gefährten

śrutvā etat ca vacaḥ rāmaḥ sugrīvam idam abravīt | kim nimittam abhūt vairam śrotum icchāmi tattvataḥ || 4-8-41

Als er dieses Wort gehört hatte, sprach Rāma zu Sugrīva: 'Aus welchem Grund ist die Feindschaft entstanden? Ich möchte dies der Wahrheit gemäß hören.

Wort für Wort
śrutvā etat ca vacaḥ rāmaḥ
als Rāma dieses Wort gehört hatte
sugrīvam idam abravīt
sprach er zu Sugrīva dieses
kim nimittam abhūt vairam
aus welchem Grund entstand die Feindschaft
śrotum icchāmi tattvataḥ
ich möchte dies der Wahrheit gemäß hören

sukham hi kāraṇam śrutvā vairasya tava vānara | ānantaryad vidhāsyāmi saṃpradhārya balābalam || 4-8-42

Denn nachdem ich leicht den Grund deiner Feindschaft gehört habe, o Affe, werde ich, sein Kräfteverhältnis erwägend, unverzüglich handeln.

Wort für Wort
sukham hi kāraṇam śrutvā
denn leicht, den Grund gehört habend
vairasya tava vānara
deiner Feindschaft, o Affe
ānantaryad vidhāsyāmi
werde ich unverzüglich handeln
saṃpradhārya balābalam
das Kräfteverhältnis erwägend

balavān hi mama amarṣaḥ śrutvā tvām avamānitam | vardhate hṛdaya utkampī prāvṛḍ vega iva aṃbhasaḥ || 4-8-43

Denn machtvoll wächst mein Zorn, als ich hörte, dass du gedemütigt wurdest; er lässt mein Herz erbeben, wie die Flut der Regenzeit anschwillt.

Wort für Wort
balavān hi mama amarṣaḥ
denn machtvoll ist mein Zorn
śrutvā tvām avamānitam
als ich hörte, dass du gedemütigt wurdest
vardhate hṛdaya utkampī
er wächst, mein Herz erbebend
prāvṛḍ vega iva aṃbhasaḥ
wie die Flut der Regenzeit anschwillt

hṛṣṭaḥ kathaya visrabdho yāvat āropyate dhanuḥ | sṛṣṭaḥ ca hi mayā bāṇo nirastaḥ ca ripuḥ tava || 4-8-44

Erzähle froh und vertrauensvoll, solange der Bogen gespannt wird; sobald mein Pfeil losgelassen ist, ist dein Feind auch schon vernichtet.'

Wort für Wort
hṛṣṭaḥ kathaya visrabdho
erzähle froh und vertrauensvoll
yāvat āropyate dhanuḥ
solange der Bogen gespannt wird
sṛṣṭaḥ ca hi mayā bāṇo
denn sobald mein Pfeil losgelassen ist
nirastaḥ ca ripuḥ tava
ist dein Feind vernichtet

evam uktaḥ tu sugrīvaḥ kākutsthena mahātmanā | praharṣam atulam lebhe caturbhiḥ saha vānaraiḥ || 4-8-45

So von dem hochherzigen Kākutstha angesprochen, empfand Sugrīva zusammen mit seinen vier Affen unvergleichliche Freude.

Wort für Wort
evam uktaḥ tu sugrīvaḥ
so angesprochen, Sugrīva
kākutsthena mahātmanā
von dem hochherzigen Kākutstha
praharṣam atulam lebhe
empfand unvergleichliche Freude
caturbhiḥ saha vānaraiḥ
zusammen mit seinen vier Affen

tataḥ prahṛ^iṣṭa vadanaḥ sugrīvaḥ lakṣmaṇāgraje | vairasya kāraṇam tattvam ākhyātum upacakrame || 4-8-46

Dann begann Sugrīva mit erfreutem Antlitz, dem älteren Bruder Lakṣmaṇas den wahren Grund der Feindschaft zu berichten.

Wort für Wort
tataḥ prahṛ^iṣṭa vadanaḥ
dann mit erfreutem Antlitz
sugrīvaḥ lakṣmaṇāgraje
Sugrīva, dem älteren Bruder Lakṣmaṇas
vairasya kāraṇam tattvam
den wahren Grund der Feindschaft
ākhyātum upacakrame
begann er zu berichten

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks