Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Kiṣkindhākāṇḍa

Sarga 62: Niśākara Vara Pradānam Niśākaras Prophezeiung und Trost für Sampāti

evam uktvā muniśreṣṭham arudad bhṛśaduḥkhitaḥ | atha dhyātvā muhūrtaṃ tu bhagavān idam abravīt ||

Nachdem er so gesprochen hatte, weinte er, tief betrübt, zu dem besten der Weisen; da, nachdem er einen Augenblick nachgesonnen hatte, sprach der Ehrwürdige dies.

Wort für Wort
evam uktvā muniśreṣṭham
so zum besten der Weisen gesprochen
arudat bhṛśaduḥkhitaḥ
weinte er, tief betrübt
atha dhyātvā muhūrtam tu
da, nachdem er einen Augenblick nachgesonnen hatte
bhagavān idam abravīt
sprach der Ehrwürdige dies

pakṣau ca te prapakṣau ca punar anyau bhaviṣyataḥ | cakṣuṣī caiva prāṇāś ca vikramaś ca balaṃ ca te ||

›Deine Flügel und ihre Schwungfedern werden von neuem wachsen; und ebenso deine Augen, dein Lebensatem, deine Tapferkeit und deine Kraft.‹

Wort für Wort
pakṣau ca te prapakṣau ca
deine Flügel und ihre Schwungfedern
punaḥ anyau bhaviṣyataḥ
werden von neuem entstehen
cakṣuṣī caiva prāṇāḥ ca
und deine Augen und dein Lebensatem
vikramaḥ ca balam ca te
und deine Tapferkeit und deine Kraft

purāṇe sumahat kāryaṃ bhaviṣyaṃ hi mayā śrutam | dṛṣṭaṃ me tapasā caiva śrutvā ca viditaṃ mama ||

›Denn ein überaus großes, in alten Überlieferungen vorhergesagtes Werk habe ich vernommen; ich habe es durch meine Askese geschaut, und durch Hörensagen ist es mir bekannt.‹

Wort für Wort
purāṇe sumahat kāryam
ein in alten Überlieferungen überaus großes Werk
bhaviṣyam hi mayā śrutam
ein Künftiges habe ich vernommen
dṛṣṭam me tapasā caiva
gesehen von mir durch Askese
śrutvā ca viditam mama
und durch Hören ist es mir bekannt

rājā daśaratho nāma kaścid ikṣvākuvardhanaḥ | tasya putro mahātejā rāmo nāma bhaviṣyati ||

›Es wird einen König namens Daśaratha geben, einen Mehrer des Ruhms der Ikṣvākus; sein Sohn, von großem Glanz, wird Rāma heißen.‹

Wort für Wort
rājā daśarathaḥ nāma kaścit
ein König namens Daśaratha
ikṣvākuvardhanaḥ
ein Mehrer der Ikṣvākus
tasya putraḥ mahātejāḥ
sein Sohn, von großem Glanz
rāmaḥ nāma bhaviṣyati
wird Rāma heißen

araṇyaṃ ca saha bhrātrā lakṣmaṇena gamiṣyati | tasmin arthe niyuktaḥ san pitrā satyaparākramaḥ ||

›Er wird, zusammen mit seinem Bruder Lakṣmaṇa, in den Wald ziehen, von seinem Vater zu diesem Zweck beauftragt, er, von wahrhafter Tapferkeit.‹

Wort für Wort
araṇyam ca saha bhrātrā
in den Wald, zusammen mit dem Bruder
lakṣmaṇena gamiṣyati
mit Lakṣmaṇa wird er ziehen
tasmin arthe niyuktaḥ san
zu diesem Zweck beauftragt
pitrā satyaparākramaḥ
vom Vater, er von wahrhafter Tapferkeit

nairṛto rāvaṇo nāma tasya bhāryāṃ hariṣyati | rākṣasendro janasthānād avadhyaḥ suradānavaiḥ ||

›Ein Rākṣasa namens Rāvaṇa, der Herr der Rākṣasas, unbezwingbar von Göttern und Dānavas, wird ihm seine Gattin aus Janasthāna entführen.‹

Wort für Wort
nairṛtaḥ rāvaṇaḥ nāma
ein Rākṣasa namens Rāvaṇa
tasya bhāryām hariṣyati
wird seine Gattin entführen
rākṣasendraḥ janasthānāt
der Herr der Rākṣasas, aus Janasthāna
avadhyaḥ suradānavaiḥ
unbezwingbar von Göttern und Dānavas

sā ca kāmaiḥ pralobhyantī bhakṣyair bhojyaiś ca maithilī | na bhokṣyati mahābhāgā duḥkhamagnā yaśasvinī ||

›Und sie, die Maithilī, obwohl mit Leckerbissen und Speisen, die sie sich wünschen könnte, gelockt, wird, in Kummer versunken, die glorreiche, hochbeglückte, nicht essen.‹

Wort für Wort
sā ca kāmaiḥ pralobhyantī
und sie, mit Wünschen gelockt
bhakṣyaiḥ bhojyaiḥ ca maithilī
mit Leckerbissen und Speisen, die Maithilī
na bhokṣyati mahābhāgā
wird nicht essen, die Hochbeglückte
duḥkhamagnā yaśasvinī
in Kummer versunken, die Glorreiche

paramānnaṃ ca vaidehyā jñātvā dāsyati vāsavaḥ | yad annam amṛtaprakhyaṃ surāṇām api durlabham ||

›Und Vāsava wird, ihre Lage erkennend, der Vaidehī eine überaus vortreffliche Speise geben — eine Speise, die dem Nektar gleicht, selbst für die Götter schwer zu erlangen.‹

Wort für Wort
paramānnam ca vaidehyā
und die vortrefflichste Speise der Vaidehī
jñātvā dāsyati vāsavaḥ
erkennend, wird Vāsava geben
yat annam amṛtaprakhyam
eine Speise, dem Nektar gleich
surāṇām api durlabham
selbst für die Götter schwer erlangbar

tad annaṃ maithilī prāpya vijñāyendrād idaṃ tv iti | agram uddhṛtya rāmāya bhūtale nirvapiṣyati ||

›Nachdem die Maithilī jene Speise erhalten hat und erkannt hat: ›Dies ist von Indra‹, wird sie, den ersten Teil herausnehmend, ihn für Rāma auf der Erde ausgießen.‹

Wort für Wort
tat annam maithilī prāpya
jene Speise erhaltend, die Maithilī
vijñāya indrāt idam tu iti
erkennend: dies ist von Indra
agram uddhṛtya rāmāya
den ersten Teil herausnehmend, für Rāma
bhūtale nirvapiṣyati
wird sie auf der Erde ausgießen

yadi jīvati me bhartā lakṣmaṇo vāpi devaraḥ | devatvaṃ gatayor vāpi tayor annam idaṃ tv iti ||

›(Sie wird sagen:) »Wenn mein Gatte lebt, oder mein Schwager Lakṣmaṇa, oder wenn die beiden in den Zustand der Götter eingegangen sind — für sie sei diese Speise.«‹

Wort für Wort
yadi jīvati me bhartā
wenn mein Gatte lebt
lakṣmaṇaḥ vā api devaraḥ
oder auch der Schwager Lakṣmaṇa
devatvam gatayoḥ vā api
oder wenn beide in den Götterstand eingegangen sind
tayoḥ annam idam tu iti
für sie sei diese Speise, so

eṣyaṃti preṣitās tatra rāmadūtāḥ plavaṃgamāḥ | ākhyeyā rāmamahiṣī tvayā tebhyo vihaṃgama ||

›Dorthin werden entsandte Affen-Boten Rāmas kommen; ihnen soll, o Vogel, Rāmas Gemahlin von dir gezeigt werden.‹

Wort für Wort
eṣyaṃti preṣitāḥ tatra
dorthin werden entsandt kommen
rāmadūtāḥ plavaṃgamāḥ
die Affen-Boten Rāmas
ākhyeyā rāmamahiṣī tvayā
von dir soll Rāmas Gemahlin gezeigt werden
tebhyaḥ vihaṃgama
ihnen, o Vogel

sarvathā tu na gaṃtavyam īdṛśaḥ kva gamiṣyasi | deśakālau pratīkṣasva pakṣau tvaṃ pratipatsyase ||

›Auf keinen Fall aber sollst du gehen — wohin würdest du auch gehen, so wie du bist? Warte auf den rechten Ort und die rechte Zeit; du wirst deine Flügel wiedererlangen.‹

Wort für Wort
sarvathā tu na gaṃtavyam
auf keinen Fall sollst du gehen
īdṛśaḥ kva gamiṣyasi
so wie du bist, wohin würdest du gehen
deśakālau pratīkṣasva
warte auf Ort und Zeit
pakṣau tvam pratipatsyase
du wirst die Flügel wiedererlangen

utsaheyam ahaṃ kartum adyaiva tvāṃ sapakṣakam | iha sthas tvaṃ tu lokānāṃ hitaṃ kāryaṃ kariṣyasi ||

›Ich könnte dir noch heute deine Flügel zurückgeben; doch indem du hier verweilst, wirst du eine den Welten zuträgliche Aufgabe vollbringen.‹

Wort für Wort
utsaheyam aham kartum
ich könnte machen
adya eva tvām sapakṣakam
dich noch heute geflügelt
iha sthaḥ tvam tu
hier verweilend aber du
lokānām hitam kāryam kariṣyasi
wirst du eine den Welten zuträgliche Aufgabe vollbringen

tvayāpi khalu tat kāryaṃ tayoś ca nṛpaputrayoḥ | brāhmaṇānāṃ gurūṇāṃ ca munīnāṃ vāsavasya ca ||

›Auch von dir wird jene Aufgabe vollbracht werden — eine Aufgabe für jene beiden Königssöhne, für Brahmanen, für die Ältesten, für die Weisen und für Vāsava.‹

Wort für Wort
tvayā api khalu tat kāryam
auch von dir wird jene Aufgabe (vollbracht)
tayoḥ ca nṛpaputrayoḥ
für jene beiden Königssöhne
brāhmaṇānām gurūṇām ca
für Brahmanen und für die Ältesten
munīnām vāsavasya ca
für die Weisen und für Vāsava

icchāmy ahaṃ api draṣṭuṃ bhrātarau rāmalakṣmaṇau | necche ciraṃ dhārayituṃ prāṇāṃs tyakṣye kalevaram | maharṣis tu tad abravīd idaṃ dṛṣṭatattvārthadarśinaḥ ||

›Auch ich wünsche, die beiden Brüder Rāma und Lakṣmaṇa zu sehen; ich wünsche nicht, mein Leben noch lange festzuhalten — ich werde meinen Leib aufgeben.‹ Doch der große Weise, der die Wahrheit der Dinge erschaute, sprach dies.

Wort für Wort
icchāmi aham api draṣṭum
auch ich wünsche zu sehen
bhrātarau rāmalakṣmaṇau
die beiden Brüder Rāma und Lakṣmaṇa
na icche ciram dhārayitum prāṇān
ich wünsche nicht, das Leben lange festzuhalten
tyakṣye kalevaram
ich werde den Leib aufgeben
maharṣiḥ tu tat abravīt
der große Weise aber sprach dies
idam dṛṣṭatattvārthadarśinaḥ
er, der die Wahrheit der Dinge erschaute

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