Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Kiṣkindhākāṇḍa

Sarga 28: Varṣā Ṛtu Varṇanam Die Schilderung der Regenzeit

sa tadā vālinam hatvā sugrīvam abhiṣicya ca | vasan mālyavataḥ pṛṣṭe rāmo lakṣmaṇam abravīt ||

Nachdem er damals Vālin getötet und Sugrīva geweiht hatte, sprach Rāma, auf dem Rücken des Mālyavat weilend, zu Lakṣmaṇa:

Wort für Wort
sa tadā vālinam hatvā
er, nachdem er damals Vālin getötet hatte
sugrīvam abhiṣicya ca
und Sugrīva geweiht hatte
vasan mālyavataḥ pṛṣṭe
auf dem Rücken des Mālyavat weilend
rāmo lakṣmaṇam abravīt
sprach Rāma zu Lakṣmaṇa

ayam sa kālaḥ saṃprāptaḥ samayo adya jala āgamaḥ | saṃpaśya tvam nabho meghaiḥ saṃvṛtam giri saṃnibhaiḥ ||

«Diese Zeit ist nun gekommen, die Zeit des Wasserkommens ist heute da. Sieh den Himmel, von Wolken bedeckt, die Bergen gleichen.

Wort für Wort
ayam sa kālaḥ saṃprāptaḥ
diese Zeit ist gekommen
samayo adya jala āgamaḥ
heute ist die Zeit des Wasserkommens
saṃpaśya tvam nabho
sieh du den Himmel
meghaiḥ saṃvṛtam giri saṃnibhaiḥ
bedeckt von Wolken, den Bergen gleich

nava māsa dhṛtam garbham bhāskārasya gabhastibhiḥ | pītvā rasam samudrāṇām dyauḥ prasūte rasāyanam ||

Nachdem der Himmel neun Monate lang durch die Strahlen der Sonne die Leibesfrucht getragen und den Saft der Meere getrunken hat, gebiert er nun das Lebenselixier.

Wort für Wort
nava māsa dhṛtam garbham
die neun Monate getragene Leibesfrucht
bhāskārasya gabhastibhiḥ
durch die Strahlen der Sonne
pītvā rasam samudrāṇām
den Saft der Meere getrunken habend
dyauḥ prasūte rasāyanam
der Himmel gebiert das Lebenselixier

śakyam aṃbaram āruhya megha sopāna paṃktibhiḥ | kuṭaja arjuna mālābhiḥ alaṃkartum divākaram ||

Es scheint möglich, den Himmel, auf den Stufenreihen der Wolken emporsteigend, mit Girlanden von Kuṭaja und Arjuna zu schmücken, ja selbst die Sonne.

Wort für Wort
śakyam aṃbaram āruhya
möglich, den Himmel besteigend
megha sopāna paṃktibhiḥ
mit den Stufenreihen der Wolken
kuṭaja arjuna mālābhiḥ
mit Girlanden von Kuṭaja und Arjuna
alaṃkartum divākaram
zu schmücken, selbst die Sonne

saṃdhyā rāga utthitaiḥ tāmraiḥ aṃteṣu adhika pāṇḍuraiḥ | snigdhaiḥ abhra paṭa cchedaiḥ baddha vraṇam iva aṃbaram ||

Mit den von der Abendröte erhobenen kupferfarbenen, an den Rändern besonders weissen, glänzenden Wolkenfetzen-Streifen erscheint der Himmel wie mit Wundverbänden umwickelt.

Wort für Wort
saṃdhyā rāga utthitaiḥ tāmraiḥ
mit den von der Abendröte erhobenen kupferfarbenen (Streifen)
aṃteṣu adhika pāṇḍuraiḥ
an den Rändern besonders weiss
snigdhaiḥ abhra paṭa cchedaiḥ
mit den glänzenden Wolkenfetzen-Streifen
baddha vraṇam iva aṃbaram
der Himmel wie mit Wundverband umwickelt

manda māruta niḥśvāsam saṃdhyā caṃdana raṃjitam | āpāṇḍu jaladam bhāti kāma āturam iva aṃbaram ||

Mit dem sanften Windhauch als Seufzer, gefärbt vom Sandelrot der Abenddämmerung, erstrahlt der weissliche, wolkenbedeckte Himmel wie ein von Liebe Gequälter.

Wort für Wort
manda māruta niḥśvāsam
mit dem sanften Windhauch als Seufzer
saṃdhyā caṃdana raṃjitam
gefärbt vom Sandel(rot) der Dämmerung
āpāṇḍu jaladam bhāti
der weissliche, wolkenbedeckte (Himmel) erstrahlt
kāma āturam iva aṃbaram
der Himmel wie von Liebe gequält

eṣā gharma parikliṣṭā nava vāri pariplutā | sītā iva śoka saṃtaptā mahī bāṣpam vimuṃcati ||

Diese von der Sommerhitze gequälte, nun vom frischen Wasser überflutete Erde lässt, wie Sītā, vom Kummer versengt, Tränen fahren.

Wort für Wort
eṣā gharma parikliṣṭā
diese von der Hitze gequälte
nava vāri pariplutā
vom frischen Wasser überflutete
sītā iva śoka saṃtaptā mahī
die Erde, wie Sītā vom Kummer versengt
bāṣpam vimuṃcati
lässt Tränen fahren

megha udara vinirmuktāḥ karpūra dala śītalāḥ | śakyam aṃjalibhiḥ pātum vātāḥ ketaki gandhinaḥ ||

Aus dem Bauch der Wolken entlassen, kühl wie Kampferblätter, nach Ketaki duftend — diese Winde könnte man mit hohlen Händen trinken.

Wort für Wort
megha udara vinirmuktāḥ
aus dem Bauch der Wolke entlassen
karpūra dala śītalāḥ
kühl wie Kampferblätter
śakyam aṃjalibhiḥ pātum
man könnte mit hohlen Händen trinken
vātāḥ ketaki gandhinaḥ
die nach Ketaki duftenden Winde

eṣa phulla arjunaḥ śailaḥ ketakaiḥ adhivāsitaḥ | sugrīva iva śānta ariḥ dhārābhiḥ abhiṣicyate ||

Dieser Berg, mit blühenden Arjuna-Bäumen und Ketaki-Duft durchzogen, wird von den Regengüssen benetzt, wie Sugrīva, dessen Feind besänftigt ist.

Wort für Wort
eṣa phulla arjunaḥ śailaḥ
dieser Berg mit blühenden Arjuna-Bäumen
ketakaiḥ adhivāsitaḥ
von Ketaki durchduftet
sugrīva iva śānta ariḥ
wie Sugrīva, dessen Feind besänftigt ist
dhārābhiḥ abhiṣicyate
wird von den Güssen benetzt

megha kṛṣṇa ajina dharā dhārā yajña upavītinaḥ | māruta āpūrita guhāḥ prādhītā iva parvatāḥ ||

Die schwarzen Wolken gleich Antilopenfellen tragend, mit den Regengüssen als Opferschnur bekleidet, mit vom Wind erfüllten Höhlen — die Berge erscheinen wie Rezitierende.

Wort für Wort
megha kṛṣṇa ajina dharāḥ
die schwarzen Wolken wie Antilopenfelle tragend
dhārā yajña upavītinaḥ
mit den Güssen als Opferschnur bekleidet
māruta āpūrita guhāḥ
mit vom Wind erfüllten Höhlen
prādhītā iva parvatāḥ
die Berge wie Rezitierende

kaśābhiḥ iva haimībhiḥ vidyudbhiḥ iva tāḍitam | antaḥ stanita nirghoṣam savedanam iva aṃbaram ||

Wie mit goldenen Peitschen, mit Blitzen geschlagen, mit innerem Donnergrollen — der Himmel erscheint wie schmerzerfüllt.

Wort für Wort
kaśābhiḥ iva haimībhiḥ
wie mit goldenen Peitschen
vidyudbhiḥ iva tāḍitam
mit Blitzen wie geschlagen
antaḥ stanita nirghoṣam
mit innerem Donnergetön
savedanam iva aṃbaram
der Himmel wie schmerzerfüllt

nīla megha āśritā vidyut sphuraṃtī pratibhāti me | sphuraṃtī rāvaṇasya aṃke vaidehī iva tapasvinī ||

Der zuckende Blitz, an der blauen Wolke haftend, erscheint mir wie die zuckende, arme Vaidehī im Schoss Rāvaṇas.

Wort für Wort
nīla megha āśritā vidyut
der an der blauen Wolke haftende Blitz
sphuraṃtī pratibhāti me
zuckend erscheint er mir
sphuraṃtī rāvaṇasya aṃke
zuckend im Schoss Rāvaṇas
vaidehī iva tapasvinī
wie die arme Vaidehī

imāḥ tā manmathavatām hitāḥ pratihatā diśaḥ | anuliptā iva ghanaiḥ naṣṭa graha niśā karāḥ ||

Diese Himmelsrichtungen, den von Liebe Ergriffenen zuträglich, sind verhüllt, wie mit Wolken gesalbt, wobei Planeten und Mondlicht verschwunden sind.

Wort für Wort
imāḥ tā manmathavatām hitāḥ
diese, den von Liebe Ergriffenen zuträglichen
pratihatā diśaḥ
verschlossenen Himmelsrichtungen
anuliptā iva ghanaiḥ
wie mit Wolken gesalbt
naṣṭa graha niśā karāḥ
mit verschwundenen Planeten und Mondlicht

kvacit bāṣpa abhisaṃruddhān varṣa āgama samutsukān | kuṭajān paśya saumitre puṣṭitān giri sānuṣu | mama śoka abhibhūtasya kāma saṃdīpanān sthitān ||

Sieh, Sohn der Sumitrā, hier und dort auf den Berghängen die Kuṭaja-Bäume, wie erstickt von Nebel, begierig auf den Regenanbruch, blühend, die für mich, den vom Kummer Überwältigten, die Liebe entflammend dastehen.

Wort für Wort
kvacit bāṣpa abhisaṃruddhān
hier von Dunst wie erstickte
varṣa āgama samutsukān
auf das Regenkommen begierige
kuṭajān paśya saumitre puṣṭitān giri sānuṣu
sieh die blühenden Kuṭaja-Bäume auf den Berghängen, Sohn der Sumitrā
mama śoka abhibhūtasya kāma saṃdīpanān sthitān
die für mich, den vom Kummer Überwältigten, die Liebe entflammend dastehen

rajaḥ praśāṃtam sa himo adya vāyuḥ nidāgha doṣa prasarāḥ praśāṃtāḥ | sthitā hi yātrā vasudhā adhipānām pravāsino yāṃti narāḥ sva deśān ||

Der Staub ist heute gestillt, der Wind kühl, die Übel der Sommerhitze sind vergangen; die Feldzüge der Erdenherrscher stehen still, und die in der Fremde weilenden Männer kehren in ihre eigenen Länder zurück.

Wort für Wort
rajaḥ praśāṃtam sa himo adya vāyuḥ
der Staub ist gestillt, kühl heute der Wind
nidāgha doṣa prasarāḥ praśāṃtāḥ
die Ausbreitungen der Sommerhitze-Übel sind gestillt
sthitā hi yātrā vasudhā adhipānām
die Feldzüge der Erdenherrscher stehen still
pravāsino yāṃti narāḥ sva deśān
die in der Fremde weilenden Männer kehren in ihre Länder zurück

saṃprasthitā mānasa vāsa lubdhāḥ priya anvitāḥ saṃprati cakravākaḥ | abhīkṣṇa varṣa udaka vikṣateṣu yānāni mārgeṣu na saṃpatanti ||

Begierig nach dem Wohnen am Mānasa-See, brechen die Cakravāka-Vögel jetzt mit ihren Gefährten auf; auf den vom ständigen Regenwasser zerfurchten Wegen kommen keine Wagen mehr voran.

Wort für Wort
saṃprasthitā mānasa vāsa lubdhāḥ
aufgebrochen, nach dem Wohnen am Mānasa-See begierig
priya anvitāḥ saṃprati cakravākaḥ
mit ihren Lieben, jetzt die Cakravāka-Vögel
abhīkṣṇa varṣa udaka vikṣateṣu
auf den vom ständigen Regenwasser zerfurchten
yānāni mārgeṣu na saṃpatanti
Wegen kommen die Wagen nicht voran

kvacit prakāśam kvacid aprakāśam nabhaḥ prakīrṇā aṃbu dharam vibhāti | kvacit kvacit parvata saṃniruddham rūpam yathā śānta mahārṇavasya ||

Hier hell, dort dunkel, mit verstreuten Wolken erstrahlt der Himmel; hier und dort von Bergen begrenzt gleicht seine Gestalt einem beruhigten grossen Ozean.

Wort für Wort
kvacit prakāśam kvacid aprakāśam
hier hell, dort dunkel
nabhaḥ prakīrṇā aṃbu dharam vibhāti
der Himmel mit verstreuten Wolken erstrahlt
kvacit kvacit parvata saṃniruddham
hier und dort von Bergen begrenzt
rūpam yathā śānta mahārṇavasya
seine Gestalt wie ein beruhigter grosser Ozean

vyāmiśritam sarja kadaṃba puṣpaiḥ navam jalam parvata dhātu tāmram | mayūra kekābhiḥ anuprayātam śaila apagāḥ śīghrataram vahanti ||

Vermischt mit Sarja- und Kadamba-Blüten, gerötet vom frischen Wasser mit Bergmineralien, begleitet vom Ruf der Pfauen — die Bergflüsse strömen nun schneller dahin.

Wort für Wort
vyāmiśritam sarja kadaṃba puṣpaiḥ
vermischt mit Sarja- und Kadamba-Blüten
navam jalam parvata dhātu tāmram
das frische, von Bergmineralien gerötete Wasser
mayūra kekābhiḥ anuprayātam
begleitet vom Ruf der Pfauen
śaila apagāḥ śīghrataram vahanti
die Bergflüsse strömen schneller

rasa ākulam ṣaṭpada saṃnikāśam prabhujyate jaṃbu phalam prakāmam | aneka varṇam pavana avadhūtam bhūmau patati āmra phalam vipakvam ||

Voll von Saft, an Farbe den Bienen gleich, wird die Jambu-Frucht nach Herzenslust verzehrt; vielfarbig, vom Wind geschüttelt, fällt die reife Mangofrucht zu Boden.

Wort für Wort
rasa ākulam ṣaṭpada saṃnikāśam
voll von Saft, den Bienen an Farbe gleich
prabhujyate jaṃbu phalam prakāmam
die Jambu-Frucht wird nach Herzenslust verzehrt
aneka varṇam pavana avadhūtam
vielfarbig, vom Wind geschüttelt
bhūmau patati āmra phalam vipakvam
die reife Mangofrucht fällt zu Boden

vidyut patākāḥ sa balāka mālāḥ śailendra kūṭa ākṛti saṃnikāśāḥ | garjanti meghāḥ samudīrṇa nādā matta gajendrā iva saṃyugasthāḥ ||

Mit Blitzen als Bannern, mit Kranichreihen als Girlanden, in der Gestalt von Berggipfeln — die Wolken donnern mit erhobenem Getön, wie brünstige Elefantenfürsten im Kampf.

Wort für Wort
vidyut patākāḥ sa balāka mālāḥ
mit Blitzen als Bannern, mit Kranichreihen als Girlanden
śailendra kūṭa ākṛti saṃnikāśāḥ
in Gestalt von Berggipfeln
garjanti meghāḥ samudīrṇa nādā
die Wolken donnern mit erhobenem Getön
matta gajendrā iva saṃyugasthāḥ
wie brünstige, im Kampf stehende Elefantenfürsten

varṣa udaka āapyāyita śādvalāni pravṛtta nṛtta utsava barhiṇāni | vanāni nirvṛṣṭa balāhakāni paśya aparāhṇeṣu adhikam vibhānti ||

Die Wälder, deren Wiesen vom Regenwasser genährt sind, in denen die Pfauen ein Tanzfest begonnen haben, aus denen sich die Wolken ausgeregnet haben — sieh, wie sie am Nachmittag besonders erstrahlen.

Wort für Wort
varṣa udaka āapyāyita śādvalāni
deren Wiesen vom Regenwasser genährt sind
pravṛtta nṛtta utsava barhiṇāni
in denen ein Tanzfest der Pfauen begonnen hat
vanāni nirvṛṣṭa balāhakāni
die Wälder, aus denen sich die Wolken ausgeregnet haben
paśya aparāhṇeṣu adhikam vibhānti
sieh, am Nachmittag erstrahlen sie besonders

sam ud vahantaḥ salila ati bhāram balākino vāri dharā nadantaḥ | mahatsu śṛṃgeṣu mahī dharāṇām viśramya viśramya punaḥ prayānti ||

Die übergrosse Last des Wassers emportragend, von Kranichen begleitet, donnernd, ruhen sich die Wasserwolken auf den grossen Gipfeln der Berge immer wieder aus und ziehen dann weiter.

Wort für Wort
sam ud vahantaḥ salila ati bhāram
die übergrosse Wasserlast emportragend
balākino vāri dharā nadantaḥ
von Kranichen begleitet, die donnernden Wasserwolken
mahatsu śṛṃgeṣu mahī dharāṇām
auf den grossen Gipfeln der Berge
viśramya viśramya punaḥ prayānti
ruhend und wieder ruhend ziehen sie weiter

megha abhikāmā parisaṃpatantī sammoditā bhāti balāka paṃktiḥ | vāta avadhūtā vara pauṇḍarīkī laṃba iva mālā rucira aṃbarasya ||

Nach den Wolken verlangend, umherfliegend, erstrahlt freudig die Reihe der Kraniche, vom Wind bewegt, wie eine herabhängende, herrliche Girlande aus weissen Lotusblüten am schönen Himmel.

Wort für Wort
megha abhikāmā parisaṃpatantī
nach den Wolken verlangend, umherfliegend
sammoditā bhāti balāka paṃktiḥ
freudig erstrahlt die Kranichreihe
vāta avadhūtā vara pauṇḍarīkī
vom Wind bewegte, herrliche weisse Lotus(-Girlande)
laṃba iva mālā rucira aṃbarasya
wie eine herabhängende Girlande des schönen Himmels

bāla indragoptā aṃtara citritena vibhāti bhūmiḥ nava śādvalena | gātra anupṛktena śuka prabheṇa nārī iva lākṣa ukṣita kaṃbalena ||

Bunt gesprenkelt mit jungen Indragopa-Käfern, erstrahlt die Erde mit ihrem frischen, papageienfarbenen Gras, wie eine Frau mit einer am Körper anliegenden, mit Lack besprengten Wolldecke.

Wort für Wort
bāla indragoptā aṃtara citritena
bunt gesprenkelt mit jungen Indragopa-Käfern
vibhāti bhūmiḥ nava śādvalena
die Erde erstrahlt mit frischem Gras
gātra anupṛktena śuka prabheṇa
mit dem am Körper anliegenden, papageienfarbenen
nārī iva lākṣa ukṣita kaṃbalena
wie eine Frau mit lackbesprengter Wolldecke

nidrā śanaiḥ keśavam abhyupaiti drutam nadī sāgaram abhyupaiti | hṛṣṭā balākā ghanam abhyupaiti kāntā sa kāmā priyam abhyupaiti ||

Der Schlaf naht sich langsam Keśava; rasch eilt der Fluss dem Meer entgegen; der frohe Kranich eilt der Wolke entgegen; die liebevolle Geliebte eilt ihrem Liebsten entgegen.

Wort für Wort
nidrā śanaiḥ keśavam abhyupaiti
der Schlaf naht sich langsam Keśava
drutam nadī sāgaram abhyupaiti
rasch eilt der Fluss dem Meer entgegen
hṛṣṭā balākā ghanam abhyupaiti
der frohe Kranich eilt der Wolke entgegen
kāntā sa kāmā priyam abhyupaiti
die liebevolle Geliebte eilt dem Liebsten entgegen

jātā vanāntāḥ śikhi supranṛttā jātāḥ kadaṃbāḥ sa kadaṃba śākhāḥ | jātā vṛṣā goṣu samāna kāmā jātā mahī sasya vana abhirāmā ||

Die Waldesränder sind entstanden, wo die Pfauen schön tanzen; Kadamba-Bäume sind entstanden mit ihren Zweigen; Stiere sind entstanden, gleicher Begierde bei den Kühen; die Erde ist entstanden, lieblich durch Feld und Wald.

Wort für Wort
jātā vanāntāḥ śikhi supranṛttā
entstanden die Waldesränder, wo die Pfauen schön tanzen
jātāḥ kadaṃbāḥ sa kadaṃba śākhāḥ
entstanden die Kadamba-Bäume mit ihren Zweigen
jātā vṛṣā goṣu samāna kāmā
entstanden die Stiere, gleicher Begierde bei den Kühen
jātā mahī sasya vana abhirāmā
entstanden die Erde, lieblich durch Feld und Wald

vahanti varṣanti nadanti bhānti dhyāyanti nṛtyanti samāśvasanti | nadyo ghanā matta gajā vana antāḥ priyā vihīnāḥ śikhinaḥ plavaṃgāḥ ||

Sie strömen, sie regnen, sie donnern, sie erstrahlen, sie sinnen, sie tanzen, sie atmen auf — die Flüsse, die Wolken, die brünstigen Elefanten, die Waldesgründe, die von der Geliebten getrennten Pfauen und die Affen.

Wort für Wort
vahanti varṣanti nadanti bhānti
sie strömen, regnen, donnern, erstrahlen
dhyāyanti nṛtyanti samāśvasanti
sie sinnen, tanzen, atmen auf
nadyo ghanā matta gajā vana antāḥ
die Flüsse, Wolken, brünstigen Elefanten, Waldesgründe
priyā vihīnāḥ śikhinaḥ plavaṃgāḥ
die von der Geliebten getrennten Pfauen und Affen

praharṣitāḥ ketaka puṣpa gandham āghrāya mattā vana nirjhareṣu | prapāta śabda ākulitā gajendrāḥ sārdham mayūraiḥ sa madā nadanti ||

Hocherfreut, den Duft der Ketaka-Blüten einatmend, berauscht an den Waldbächen, verwirrt vom Getöse der Wasserfälle, brüllen die Elefantenfürsten zusammen mit den Pfauen in ihrer Brunst.

Wort für Wort
praharṣitāḥ ketaka puṣpa gandham
hocherfreut, den Duft der Ketaka-Blüten
āghrāya mattā vana nirjhareṣu
einatmend, berauscht an den Waldbächen
prapāta śabda ākulitā gajendrāḥ
vom Getöse der Wasserfälle verwirrte Elefantenfürsten
sārdham mayūraiḥ sa madā nadanti
zusammen mit den Pfauen brüllen sie in Brunst

dhārā nipātaiḥ abhihanyamānāḥ kadaṃba śākhāsu vilaṃbamānāḥ | kṣaṇa arjitam puṣpa rasa avagāḍham śanair madam ṣaṭ caraṇāḥ tyajanti ||

Getroffen vom Fall der Regengüsse, an den Kadamba-Zweigen hängend, geben die Bienen langsam den im Augenblick erworbenen, in Blütensaft getauchten Rausch auf.

Wort für Wort
dhārā nipātaiḥ abhihanyamānāḥ
getroffen vom Fall der Regengüsse
kadaṃba śākhāsu vilaṃbamānāḥ
an den Kadamba-Zweigen hängend
kṣaṇa arjitam puṣpa rasa avagāḍham
den im Augenblick erworbenen, in Blütensaft getauchten
śanair madam ṣaṭ caraṇāḥ tyajanti
geben die Bienen langsam den Rausch auf

aṃgāra cūrṇa utkara saṃnikāśaiḥ phalaiḥ suparyāpta rasaiḥ samṛddhaiḥ | jaṃbū drumāṇām pravibhānti śākhā nipīyamānā iva ṣaṭpada oghaiḥ ||

Mit Früchten, die einem Haufen glühender Kohlenglut gleichen, überreich an Saft, erstrahlen die Zweige der Jambu-Bäume, wie von Bienenscharen ausgesogen.

Wort für Wort
aṃgāra cūrṇa utkara saṃnikāśaiḥ
gleich einem Haufen glühender Kohlenglut
phalaiḥ suparyāpta rasaiḥ samṛddhaiḥ
mit Früchten, überreich an Saft
jaṃbū drumāṇām pravibhānti śākhā
die Zweige der Jambu-Bäume erstrahlen
nipīyamānā iva ṣaṭpada oghaiḥ
wie von Bienenscharen ausgesogen

taḍit patākābhiḥ alaṃkṛtānām udīrṇa gaṃbhīra mahā ravāṇām | vibhānti rūpāṇi balāhakānām raṇa utsukānām iva vāraṇānām ||

Geschmückt mit Blitzen als Bannern, mit erhobenem, tiefem, gewaltigem Gebrüll erstrahlen die Gestalten der Regenwolken wie kampflustige Elefanten.

Wort für Wort
taḍit patākābhiḥ alaṃkṛtānām
geschmückt mit Blitzen als Bannern
udīrṇa gaṃbhīra mahā ravāṇām
mit erhobenem, tiefem, gewaltigem Gebrüll
vibhānti rūpāṇi balāhakānām
die Gestalten der Wolken erstrahlen
raṇa utsukānām iva vāraṇānām
wie kampflustige Elefanten

mārga anugaḥ śaila vana anusārī saṃprasthito megha ravam niśamya | yuddha abhikāmaḥ pratināda śankī matto gajendraḥ pratisaṃnivṛttaḥ ||

Der brünstige, dem Weg folgende, durch Berg und Wald ziehende Elefantenfürst kehrt, als er den Donner der Wolke vernimmt und, kampfbegierig, ein Echo argwöhnt, wieder um.

Wort für Wort
mārga anugaḥ śaila vana anusārī
dem Weg folgend, durch Berg und Wald ziehend
saṃprasthito megha ravam niśamya
aufgebrochen, den Wolkendonner vernehmend
yuddha abhikāmaḥ pratināda śankī
kampfbegierig, ein Echo argwöhnend
matto gajendraḥ pratisaṃnivṛttaḥ
kehrt der brünstige Elefantenfürst um

kvacit pragītā iva ṣaṭpada oghaiḥ kvacit pravṛttā iva nīla kaṇṭhaiḥ | kvacit pramattā iva vāraṇa indraiḥ vibhāti aneka āśrayiṇo vanāntā ||

Hier wie besungen von Bienenscharen, dort wie ertönend von den blaukehligen Pfauen, dort wie berauscht von den Elefantenfürsten — so erstrahlen die von mancherlei Wesen bewohnten Waldesränder.

Wort für Wort
kvacit pragītā iva ṣaṭpada oghaiḥ
hier wie besungen von Bienenscharen
kvacit pravṛttā iva nīla kaṇṭhaiḥ
dort wie ertönend von den Blaukehligen
kvacit pramattā iva vāraṇa indraiḥ
dort wie berauscht von den Elefantenfürsten
vibhāti aneka āśrayiṇo vanāntā
so erstrahlen die von vielen bewohnten Waldesränder

kadaṃba sarjā arjuna kaṃdala āḍhyā vanānta bhūmi madhu vāri pūrṇā | mayūra mattā abhiruta pravṛttaiḥ apāna bhūmi pratimā vibhāti ||

Reich an Kadamba-, Sarja-, Arjuna- und Kandala-Bäumen, mit süssem Wasser gefüllt, erstrahlt der Boden der Waldesgründe, mit dem Geschrei der berauschten Pfauen erklingend, gleich einer Trinkhalle.

Wort für Wort
kadaṃba sarjā arjuna kaṃdala āḍhyā
reich an Kadamba-, Sarja-, Arjuna-, Kandala-Bäumen
vanānta bhūmi madhu vāri pūrṇā
der Waldboden, mit süssem Wasser gefüllt
mayūra mattā abhiruta pravṛttaiḥ
mit dem Geschrei der berauschten Pfauen
apāna bhūmi pratimā vibhāti
erstrahlt gleich einer Trinkhalle

muktā samābham salilam patat vai sunirmalam patra puṭeṣu lagnam | hṛṣṭā vivarṇa cchadanā vihaṃgāḥ surendra dattam tṛṣitāḥ pibanti ||

Das perlenreine, herabfallende, in Blattbechern hängengebliebene Wasser trinken die durstigen, freudigen, bunt gefiederten Vögel, das von Indra gegebene.

Wort für Wort
muktā samābham salilam patat
das perlengleiche, herabfallende Wasser
sunirmalam patra puṭeṣu lagnam
ganz rein, in Blattbechern hängengeblieben
hṛṣṭā vivarṇa cchadanā vihaṃgāḥ
die frohen, bunt gefiederten Vögel
surendra dattam tṛṣitāḥ pibanti
trinken durstig das von Indra Gegebene

ṣatpada taṃtrī madhura abhidhānam plavaṃgam udīrita kaṇṭha tālam | āviṣkṛtam megha mṛdaṃga nādaiḥ vaneṣu saṃgītam iva pravṛttam ||

Mit dem Bienensummen als süsser Saitenmusik, mit dem von den Affen erhobenen Kehlklang als Takt, mit dem Donner der Wolke als Trommelschlag — in den Wäldern scheint ein Konzert im Gange zu sein.

Wort für Wort
ṣatpada taṃtrī madhura abhidhānam
mit dem Bienensummen als süsse Saitenmusik
plavaṃgam udīrita kaṇṭha tālam
mit dem von den Affen erhobenen Kehl-Takt
āviṣkṛtam megha mṛdaṃga nādaiḥ
offenbart durch den Wolkendonner als Trommelschlag
vaneṣu saṃgītam iva pravṛttam
in den Wäldern scheint ein Konzert im Gange

kvacit pranṛttaiḥ kvacit un nadadbhiḥ kvacit ca vṛkṣa agra niṣaṇṇa kāyaiḥ | vyālaṃba barha ābharaṇaiḥ mayūraiḥ vaneṣu saṃgitam iva pravṛttam ||

Hier tanzend, dort schreiend, dort auf Baumwipfeln sitzend, mit ihrem herabhängenden Federschmuck als Zierde — mit den Pfauen scheint in den Wäldern ein Konzert im Gange.

Wort für Wort
kvacit pranṛttaiḥ kvacit un nadadbhiḥ
hier tanzend, dort schreiend
kvacit vṛkṣa agra niṣaṇṇa kāyaiḥ
dort auf Baumwipfeln sitzend
vyālaṃba barha ābharaṇaiḥ mayūraiḥ
mit den Pfauen, deren Federschmuck herabhängt
vaneṣu saṃgitam iva pravṛttam
in den Wäldern scheint ein Konzert im Gange

svanaiḥ ghanānām plavagāḥ prabuddhā vihāya nidrām cira saṃniruddhām | aneka rūpā ākṛti varṇa nādā nava aṃbu dhārā abhihatā nadanti ||

Durch das Getöse der Wolken erweckt, den lange zurückgehaltenen Schlaf aufgebend, rufen die Affen, von mancherlei Gestalt, Farbe und Ruf, vom frischen Wasserguss getroffen.

Wort für Wort
svanaiḥ ghanānām plavagāḥ prabuddhā
durch das Getöse der Wolken erweckte Affen
vihāya nidrām cira saṃniruddhām
den lange zurückgehaltenen Schlaf aufgebend
aneka rūpā ākṛti varṇa nādā
von mancherlei Gestalt, Form, Farbe und Ruf
nava aṃbu dhārā abhihatā nadanti
vom frischen Wasserguss getroffen, rufen sie

nadyaḥ samudvāhita cakravākā taṭāni śīrṇāni apavāhayitvā | dṛptā nava prābhṛta pūrṇa bhogā drutam sva bhartāram upopa yānti ||

Die Flüsse, ihre Cakravāka-Vögel mit sich tragend, die zerbröckelten Ufer fortschwemmend, stolz, angefüllt mit frischer Speise, eilen rasch zu ihrem eigenen Gatten.

Wort für Wort
nadyaḥ samudvāhita cakravākā
die Flüsse, ihre Cakravāka-Vögel mit sich tragend
taṭāni śīrṇāni apavāhayitvā
die zerbröckelten Ufer fortschwemmend
dṛptā nava prābhṛta pūrṇa bhogā
stolz, angefüllt mit frischer Speise
drutam sva bhartāram upopa yānti
eilen rasch zu ihrem eigenen Gatten

nīleṣu nīlā nava vāri pūrṇā megheṣu meghāḥ pravibhānti saktāḥ | davāgni dagdheṣu davāgni dagdhāḥ śaileṣu śailā iva baddha mūlāḥ ||

Auf den blauen Bergen erscheinen blaue, mit frischem Wasser gefüllte, aneinander haftende Wolken; auf den vom Waldbrand versengten Bergen erscheinen versengte Berge, gleichsam festgewurzelt.

Wort für Wort
nīleṣu nīlā nava vāri pūrṇā
auf den blauen (Bergen) blaue, mit frischem Wasser gefüllte
megheṣu meghāḥ pravibhānti saktāḥ
auf den Wolken erstrahlen aneinander haftende Wolken
davāgni dagdheṣu davāgni dagdhāḥ
auf den vom Waldbrand versengten (Bergen) versengte (Berge)
śaileṣu śailā iva baddha mūlāḥ
auf den Bergen Berge, wie festgewurzelt

pramatta saṃnādadita barhiṇāni sa śakragopa akula śādvalāni | caranti nīpa arjuna vāsitāni gajāḥ suramyāṇi vana antarāṇi ||

Durch die berauscht schreienden Pfauen ertönend, mit den von Indragopa-Käfern bedeckten Wiesen, nach Nīpa- und Arjuna-Bäumen duftend, durchstreifen die Elefanten die überaus reizvollen Waldinneren.

Wort für Wort
pramatta saṃnādadita barhiṇāni
ertönend von den berauscht schreienden Pfauen
sa śakragopa akula śādvalāni
mit den von Indragopa-Käfern bedeckten Wiesen
caranti nīpa arjuna vāsitāni
durchstreifen die nach Nīpa und Arjuna duftenden
gajāḥ suramyāṇi vana antarāṇi
die Elefanten die überaus reizvollen Waldinneren

nava aṃbu dhāra āhata kesarāṇi drutam parityajya saroruhāṇi | kadaṃba puṣpāṇi sa kesarāṇi navāni hṛṣṭā bhramarāḥ pibanti ||

Ihre vom frischen Wasserguss getroffenen Staubgefässe rasch verlassend, trinken die frohen Bienen von den frischen Kadamba-Blüten mit ihren Staubgefässen.

Wort für Wort
nava aṃbu dhāra āhata kesarāṇi
die vom frischen Wasserguss getroffenen Staubgefässe
drutam parityajya saroruhāṇi
die Lotusblüten rasch verlassend
kadaṃba puṣpāṇi sa kesarāṇi
die Kadamba-Blüten mit ihren Staubgefässen
navāni hṛṣṭā bhramarāḥ pibanti
die frohen Bienen trinken von den frischen

mattā gajendrā muditā gavendrā vaneṣu vikrāṃtatarā mṛgendrāḥ | ramyā nagendrā nibhṛtā narendrāḥ prakrīḍito vāri dharaiḥ surendraḥ ||

Berauscht die Elefantenfürsten, erfreut die Stierfürsten, kühner in den Wäldern die Löwenfürsten, lieblich die Bergfürsten, still die Menschenfürsten — Indra treibt sein Spiel mit den Wolken.

Wort für Wort
mattā gajendrā muditā gavendrā
berauscht die Elefantenfürsten, erfreut die Stierfürsten
vaneṣu vikrāṃtatarā mṛgendrāḥ
in den Wäldern kühner die Löwenfürsten
ramyā nagendrā nibhṛtā narendrāḥ
lieblich die Bergfürsten, still die Menschenfürsten
prakrīḍito vāri dharaiḥ surendraḥ
Indra treibt sein Spiel mit den Wasserträgern

meghāḥ samud bhūta samudra nādā mahājala oghaiḥ gagana avalaṃbāḥ | nadīḥ taṭākāni sarāṃsi vāpiḥ mahīm ca kṛtsnām apavāhayanti ||

Die Wolken, deren Getöse dem Meeresrauschen gleicht, am Himmel hängend mit ihren gewaltigen Wasserfluten, überschwemmen Flüsse, Teiche, Seen, Zisternen und die ganze Erde.

Wort für Wort
meghāḥ samud bhūta samudra nādā
die Wolken, deren Getöse dem Meer gleicht
mahājala oghaiḥ gagana avalaṃbāḥ
am Himmel hängend mit gewaltigen Wasserfluten
nadīḥ taṭākāni sarāṃsi vāpiḥ
Flüsse, Teiche, Seen, Zisternen
mahīm ca kṛtsnām apavāhayanti
und die ganze Erde überschwemmen sie

varṣa pravegā vipulā patanti pravānti vātāḥ samudīrṇa vegāḥ | pranaṣṭa kūlāḥ pravahanti śīghram nadyo jalam vipratipanna mārgāḥ ||

Die gewaltigen Regenschauer fallen mit Wucht herab, die Winde wehen mit erhobener Kraft; die Flüsse, ihre Ufer verloren, strömen rasch, ihr Wasser die Wege verlassend.

Wort für Wort
varṣa pravegā vipulā patanti
die gewaltigen Regenschauer fallen mit Wucht
pravānti vātāḥ samudīrṇa vegāḥ
die Winde wehen mit erhobener Kraft
pranaṣṭa kūlāḥ pravahanti śīghram
die Ufer verloren, strömen sie rasch
nadyo jalam vipratipanna mārgāḥ
die Flüsse, ihr Wasser die Wege verlassend

naraiḥ narendrā iva parvatendrāḥ surendra nītaiḥ pavana upanītaiḥ | ghana aṃbu kumbhaiḥ abhiṣicyamānā rūpam śriyam svām iva darśayanti ||

Wie Könige von ihren Männern, werden die Bergfürsten von den durch Indra herbeigeführten, vom Wind getragenen Wasserkrügen der Wolken benetzt und zeigen so ihre eigene Schönheit.

Wort für Wort
naraiḥ narendrā iva parvatendrāḥ
wie Könige von Männern (bedient), die Bergfürsten
surendra nītaiḥ pavana upanītaiḥ
von Indra geführten, vom Wind herbeigetragenen
ghana aṃbu kumbhaiḥ abhiṣicyamānā
von den Wasserkrügen der Wolken benetzt
rūpam śriyam svām iva darśayanti
zeigen ihre eigene Schönheit und Pracht

ghana upagūḍham gaganam na tārā na bhāskaro darśanam abhyupaiti | navaiḥ jala oghaiḥ dharaṇī vitṛptā tamo viliptā na diśaḥ prakāśāḥ ||

Der von Wolken verhüllte Himmel zeigt weder Sterne noch die Sonne; die Erde ist gesättigt vom frischen Wasserstrom; von Dunkel überzogen, sind die Himmelsrichtungen nicht mehr sichtbar.

Wort für Wort
ghana upagūḍham gaganam
der von Wolken verhüllte Himmel
na tārā na bhāskaro darśanam abhyupaiti
zeigt weder Sterne noch die Sonne
navaiḥ jala oghaiḥ dharaṇī vitṛptā
die Erde gesättigt vom frischen Wasserstrom
tamo viliptā na diśaḥ prakāśāḥ
von Dunkel überzogen, nicht sichtbar die Himmelsrichtungen

mahānti kūṭāni mahī dharāṇām dhārā vidhautāni adhikam vibhānti | mahā pramāṇaiḥ vipulaiḥ prapātaiḥ mukta kalāpaiḥ iva laṃbamānaiḥ ||

Die grossen Gipfel der Berge, von den Regengüssen gewaschen, erstrahlen um so mehr, mit ihren gewaltigen, weiten Wasserfällen, wie mit herabhängenden Perlenschnüren.

Wort für Wort
mahānti kūṭāni mahī dharāṇām
die grossen Gipfel der Berge
dhārā vidhautāni adhikam vibhānti
von den Güssen gewaschen, erstrahlen um so mehr
mahā pramāṇaiḥ vipulaiḥ prapātaiḥ
mit gewaltig grossen, weiten Wasserfällen
mukta kalāpaiḥ iva laṃbamānaiḥ
wie mit herabhängenden Perlenschnüren

śailopala praskhalamāna vegāḥ śailottamānām vipulāḥ prapātāḥ | guhāsu saṃnādita barhiṇāsu hārā vikīryanta iva avabhānti ||

Über die Bergfelsen hinstürzend, erscheinen die gewaltigen Wasserfälle der höchsten Berge, in deren Höhlen die Pfauen ertönen, wie verstreute Perlenketten.

Wort für Wort
śailopala praskhalamāna vegāḥ
über die Bergfelsen hinstürzend
śailottamānām vipulāḥ prapātāḥ
die gewaltigen Wasserfälle der höchsten Berge
guhāsu saṃnādita barhiṇāsu
in deren Höhlen die Pfauen ertönen
hārā vikīryanta iva avabhānti
erscheinen wie verstreute Perlenketten

śīghra pravegā vipulāḥ prapātā nirdhauta śṛṃga upatalā girīṇām | muktā kalāpa pratimāḥ patanto mahā guha ustsaṃga talaiḥ dhriyante ||

Mit rascher Wucht fallen die gewaltigen Wasserfälle, die Gipfel und Hänge der Berge reinwaschend, gleich fallenden Perlenschnüren, und werden von den Schössen der grossen Höhlen aufgefangen.

Wort für Wort
śīghra pravegā vipulāḥ prapātā
mit rascher Wucht die gewaltigen Wasserfälle
nirdhauta śṛṃga upatalā girīṇām
die Gipfel und Hänge der Berge reinwaschend
muktā kalāpa pratimāḥ patanto
fallend, gleich Perlenschnüren
mahā guha ustsaṃga talaiḥ dhriyante
werden von den Schössen der grossen Höhlen aufgefangen

suratām arda vicchinnāḥ svarga strī hāra mauktikāḥ | patanti ca atulāḥ dikṣu toya dhārāḥ samantataḥ ||

Wie die beim Liebesspiel zerrissenen Perlenschnüre der Himmelsfrauen fallen die unvergleichlichen Wasserströme allseits in alle Himmelsrichtungen.

Wort für Wort
suratām arda vicchinnāḥ
beim Liebesspiel zerrissenen
svarga strī hāra mauktikāḥ
Perlen der Halsketten der Himmelsfrauen
patanti ca atulāḥ dikṣu
fallen die unvergleichlichen in die Richtungen
toya dhārāḥ samantataḥ
die Wasserströme allseits

vilīyamānaiḥ vihagaiḥ nimīladbhiḥ ca paṃkajaiḥ | vikasantyā ca mālatyā gato astam jñāyate raviḥ ||

An den sich zur Ruhe begebenden Vögeln, den sich schliessenden Lotusblüten und der sich öffnenden Mālatī-Blüte erkennt man, dass die Sonne untergegangen ist.

Wort für Wort
vilīyamānaiḥ vihagaiḥ
an den sich zur Ruhe begebenden Vögeln
nimīladbhiḥ ca paṃkajaiḥ
und den sich schliessenden Lotusblüten
vikasantyā ca mālatyā
und der sich öffnenden Mālatī-Blüte
gato astam jñāyate raviḥ
erkennt man, dass die Sonne untergegangen ist

vṛttā yātrā narendrāṇām senā pathi eva vartate | vairāṇi caiva mārgāḥ ca salilena samīkṛtāḥ ||

Die Feldzüge der Könige sind beendet, ihre Heere verbleiben auf dem Weg; Feindschaften und Wege sind gleichermassen durch das Wasser unpassierbar geworden.

Wort für Wort
vṛttā yātrā narendrāṇām
beendet die Feldzüge der Könige
senā pathi eva vartate
das Heer verbleibt eben auf dem Weg
vairāṇi caiva mārgāḥ ca
Feindschaften und Wege
salilena samīkṛtāḥ
durch das Wasser gleichgemacht (unpassierbar)

māsi prauṣṭhapade brahma brāhmaṇānām vivakṣatām | ayam adhyāya samayaḥ sāmagānām upasthitaḥ ||

Im Monat Prauṣṭhapada ist für die Brahmanen, die das Brahman rezitieren wollen, diese Zeit des Studiums für die Sāmaveda-Sänger nun gekommen.

Wort für Wort
māsi prauṣṭhapade
im Monat Prauṣṭhapada
brahma brāhmaṇānām vivakṣatām
für die Brahmanen, die das Brahman sprechen wollen
ayam adhyāya samayaḥ
diese Zeit des Studiums
sāmagānām upasthitaḥ
ist für die Sāmaveda-Sänger gekommen

nivṛtta karma āyatano nūnam saṃcita saṃcayaḥ | āṣāḍhīm abhyupagato bharataḥ kosala adhipaḥ ||

Gewiss hat Bharata, der Herrscher von Kosala, sein Tun ruhen lassen, Vorräte angesammelt und ist zum Āṣāḍha-Vollmondfest gegangen.

Wort für Wort
nivṛtta karma āyatano nūnam
gewiss, sein Tun ruhen lassend
saṃcita saṃcayaḥ
Vorräte angesammelt habend
āṣāḍhīm abhyupagato
zum Āṣāḍha(-Fest) gegangen
bharataḥ kosala adhipaḥ
Bharata, der Herrscher von Kosala

nūnam āpūryamāṇāyāḥ sarayvā vadhate rayaḥ | mām samīkṣya samāyāntam ayodhyāyā iva svanaḥ ||

Gewiss wächst die Strömung der sich füllenden Sarayū an, als sähe sie mich heimkommen, gleich dem Freudenlärm in Ayodhyā.

Wort für Wort
nūnam āpūryamāṇāyāḥ sarayvā
gewiss der sich füllenden Sarayū
vadhate rayaḥ
wächst die Strömung
mām samīkṣya samāyāntam
mich heimkommend erblickend
ayodhyāyā iva svanaḥ
wie der Lärm von Ayodhyā

imāḥ sphīta guṇā varṣāḥ sugrīvaḥ sukham aśnute | vijita ariḥ sa dāraḥ ca rājye mahati ca sthitaḥ ||

Diese reich gesegnete Regenzeit geniesst Sugrīva in Glück, seinen Feind besiegt, mit seiner Gattin vereint, im grossen Königreich befindlich.

Wort für Wort
imāḥ sphīta guṇā varṣāḥ
diese reich gesegnete Regenzeit
sugrīvaḥ sukham aśnute
Sugrīva geniesst sie in Glück
vijita ariḥ sa dāraḥ ca
den Feind besiegt, mit der Gattin
rājye mahati ca sthitaḥ
im grossen Reich befindlich

aham tu hṛta dāraḥ ca rājyāt ca mahataḥ cyutaḥ | nadī kūlam iva klinnam avasīdāmi lakṣmaṇa ||

Ich aber, meiner Gattin beraubt und aus dem grossen Königreich vertrieben, versinke wie ein aufgeweichtes Flussufer, Lakṣmaṇa.

Wort für Wort
aham tu hṛta dāraḥ ca
ich aber, der Gattin beraubt
rājyāt ca mahataḥ cyutaḥ
und aus dem grossen Reich vertrieben
nadī kūlam iva klinnam
wie ein aufgeweichtes Flussufer
avasīdāmi lakṣmaṇa
versinke ich, Lakṣmaṇa

śokaḥ ca mama vistīrṇo varṣāḥ ca bhṛśa durgamāḥ | rāvaṇaḥ ca mahān śatruḥ apāram pratibhāti me ||

Mein Kummer ist ausgedehnt, die Regenzeit ist überaus schwer zu durchqueren, und Rāvaṇa, der grosse Feind, erscheint mir unermesslich.

Wort für Wort
śokaḥ ca mama vistīrṇo
und mein Kummer ist ausgedehnt
varṣāḥ ca bhṛśa durgamāḥ
und die Regenzeit ist überaus schwer gangbar
rāvaṇaḥ ca mahān śatruḥ
und Rāvaṇa, der grosse Feind
apāram pratibhāti me
erscheint mir unermesslich

ayātrām caiva dṛṣṭvā imām mārgām ca bhṛśa durgamān | praṇate caiva sugrīve na mayā kiṃcit īritam ||

Da ich diese Unmöglichkeit des Feldzugs sehe und diese Wege als überaus schwer gangbar erkenne, und da Sugrīva sich unterworfen hat, habe ich nichts gesagt.

Wort für Wort
ayātrām caiva dṛṣṭvā imām
und diese Unmöglichkeit des Feldzugs sehend
mārgām ca bhṛśa durgamān
und diese überaus schwer gangbaren Wege
praṇate caiva sugrīve
und da Sugrīva sich unterworfen hat
na mayā kiṃcit īritam
ist von mir nichts gesagt worden

api ca ati parikliṣṭam cirāt dāraiḥ samāgatam | ātma kārya garīyastvāt vaktum na icchāmi vānaram ||

Auch will ich den Affen, der lange gequält war und erst kürzlich mit seiner Gattin wiedervereint ist, nicht ansprechen, weil das Betonen meiner eigenen Sache zu schwer wöge.

Wort für Wort
api ca ati parikliṣṭam
auch den überaus gequälten
cirāt dāraiḥ samāgatam
der lange nach mit der Gattin wiedervereinten
ātma kārya garīyastvāt
wegen der Schwere der eigenen Angelegenheit
vaktum na icchāmi vānaram
will ich den Affen nicht ansprechen

svayam eva hi viśramya jñātvā kālam upāgatam | upakāram ca sugrīvo vetsyate na atra saṃśayaḥ ||

Denn von selbst, wenn er sich ausgeruht und die gekommene Zeit erkannt hat, wird Sugrīva die Hilfe kennen — daran besteht kein Zweifel.

Wort für Wort
svayam eva hi viśramya
denn von selbst ausgeruht
jñātvā kālam upāgatam
die gekommene Zeit erkannt habend
upakāram ca sugrīvo vetsyate
wird Sugrīva die Hilfe kennen
na atra saṃśayaḥ
kein Zweifel darin

tasmāt kāla pratīkṣo aham sthito asmi śubha lakṣaṇa | sugrīvasya nadīnām ca prasādam abhikāṃkṣayan ||

Daher stehe ich, die Zeit erwartend, still, o Träger glücklicher Zeichen, indem ich Sugrīvas Gunst erhoffe, wie die der Flüsse.

Wort für Wort
tasmāt kāla pratīkṣo aham
daher, die Zeit erwartend, ich
sthito asmi śubha lakṣaṇa
stehe ich still, Träger glücklicher Zeichen
sugrīvasya nadīnām ca prasādam
Sugrīvas und der Flüsse Gunst
abhikāṃkṣayan
erhoffend

upakāreṇa vīro hi pratikāreṇa yujyate | akṛtajño apratikṛto hanti sattvavatām manaḥ ||

Denn eine Wohltat, Held, wird mit Gegenleistung verbunden; der Undankbare, der nichts vergilt, tötet das Herz der Edelgesinnten.»

Wort für Wort
upakāreṇa vīro hi
eine Wohltat, Held, wird
pratikāreṇa yujyate
mit Gegenleistung verbunden
akṛtajño apratikṛto
der Undankbare, der nicht vergilt
hanti sattvavatām manaḥ
tötet das Herz der Edelgesinnten

atha evam uktaḥ praṇidhāya lakṣmaṇaḥ kṛta aṃjaliḥ tat pratipūjya bhāṣitam | uvāca rāmam svabhirāma darśanam pradarśayan darśanam ātmanaḥ śubham ||

Da nun, so angesprochen, erkannte Lakṣmaṇa dies als recht, würdigte mit gefalteten Händen jene Rede und sprach zu dem an sich schon erfreulich anzusehenden Rāma, seine eigene gute Einsicht darlegend:

Wort für Wort
atha evam uktaḥ praṇidhāya
da so angesprochen, erkennend
lakṣmaṇaḥ kṛta aṃjaliḥ
Lakṣmaṇa mit gefalteten Händen
tat pratipūjya bhāṣitam
jene Rede gewürdigt habend
uvāca rāmam svabhirāma darśanam pradarśayan darśanam ātmanaḥ śubham
sprach zu Rāma, seine eigene gute Einsicht darlegend

yat uktam etat tava sarvam īpsitam nara indra kartā nacirā hari īśvaraḥ | śarat pratīkṣaḥ kṣamatām imam bhavān jala prapātam ripu nigrahe dhṛtaḥ ||

«Wie gesagt, wird der Herr der Affen all dies, was du wünschst, o Herrscher der Menschen, ohne Verzug vollbringen. Du sollst diese Regenzeit erwarten und geduldig ertragen, in der Bezwingung des Feindes fest entschlossen.»

Wort für Wort
yat uktam etat tava sarvam īpsitam
wie gesagt, all dies von dir Gewünschte
nara indra kartā nacirā hari īśvaraḥ
wird der Herr der Affen, o Herrscher der Menschen, ohne Verzug vollbringen
śarat pratīkṣaḥ kṣamatām imam bhavān
du sollst diese Herbstzeit erwarten und geduldig ertragen
jala prapātam ripu nigrahe dhṛtaḥ
den Regenguss, in der Feindbezwingung entschlossen

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