tam āśu vegena durāsadena tu abhiplutām śoka mahārṇavena |
paśyan tadā vāli anujaḥ tarasvī bhrātruḥ vadhena apratimena tepe || 4-24-1
Als er sah, wie sie, jäh und mit unwiderstehlicher Wucht, vom gewaltigen Ozean des Kummers überflutet wurde, litt der tatkräftige jüngere Bruder Vālins wegen der beispiellosen Tötung des Bruders.
Wort für Wort
tam āśu vegena durāsadena tu
jäh, mit unwiderstehlicher Wucht
abhiplutām śoka mahārṇavena
überflutet vom gewaltigen Ozean des Kummers
paśyan tadā vāli anujaḥ tarasvī
sie sehend, da der tatkräftige jüngere Bruder Vālins
Als er sich ihm näherte, der den Bogen hielt und einen erhabenen, dem Schlangengift gleichenden Pfeil, sprach er zu dem ruhmreichen, mit den Zeichen versehenen, dastehenden Rāghava folgendermaßen:
Wort für Wort
sa tam samāsādya gṛhīta cāpam
er, ihm sich nähernd, der den Bogen hielt
udāttam āśī viṣa tulya bāṇam
und einen erhabenen, dem Schlangengift gleichenden Pfeil
yathā pratijñātam idam narendra kṛtam tvayā dṛuṣṭa phalam ca karma |
mama adya bhogeṣu narendra sūno mano nivṛttam hata jivitena || 4-24-4
'So wie es versprochen war, ist diese Tat von dir vollbracht worden, und ihre Frucht ist sichtbar, o Herrscher. Mir aber, o Sohn eines Königs, hat sich der Sinn heute von den Freuden abgewandt, da ich das Leben eines anderen ausgelöscht sah.'
Wort für Wort
yathā pratijñātam idam narendra
wie versprochen, dies, o Herrscher
kṛtam tvayā dṛuṣṭa phalam ca karma
von dir vollbracht, die Tat mit sichtbarer Frucht
mama adya bhogeṣu narendra sūno
mir heute an den Freuden, o Königssohn
mano nivṛttam hata jivitena
hat sich der Sinn abgewandt, durch das ausgelöschte Leben
asyām mahiṣyām tu bhṛśam rudatyām pure ati vikrośati duḥkha tapte |
hate nṛpe saṃśayite aṃgade ca na rāma rājye ramate mano me || 4-24-5
'Während diese Königin heftig weint, während die Stadt in Schmerz gepeinigt laut klagt, während der König getötet ist und Aṅgada in Gefahr schwebt, findet mein Sinn, o Rāma, kein Gefallen mehr am Königreich.'
Wort für Wort
asyām mahiṣyām tu bhṛśam rudatyām
während diese Königin heftig weint
pure ati vikrośati duḥkha tapte
während die vom Schmerz gepeinigte Stadt laut klagt
hate nṛpe saṃśayite aṃgade ca
während der König getötet und Aṅgada in Gefahr ist
na rāma rājye ramate mano me
findet mein Sinn, o Rāma, kein Gefallen am Königreich
krodhād amarṣād ativipradharṣād bhrātur vadho me anumataḥ purastāt |
hate tu idānīm hari yūdhape asmin sutīkṣṇam ikṣvāku vara pratapsye || 4-24-6
'Aus Zorn, aus Unduldsamkeit über die schwere Beleidigung habe ich zuvor der Tötung des Bruders zugestimmt; nun aber, da dieser Anführer der Affen getötet ist, quäle ich mich furchtbar, o Bester der Ikṣvākus.'
Wort für Wort
krodhād amarṣād ativipradharṣād
aus Zorn, Unduldsamkeit, aus schwerer Beleidigung
bhrātur vadho me anumataḥ purastāt
wurde die Tötung des Bruders zuvor von mir gebilligt
hate tu idānīm hari yūdhape asmin
nun aber, da dieser Anführer der Affen getötet ist
śreyo adya manye mama śaila mukhye tasmin hi vāsaḥ ciram ṛṣyamūke |
yathā tathā vartayataḥ sva vṛtyā na imam nihatya tridivasaya lābhaḥ || 4-24-7
'Ich halte es nun für besser, lange auf jenem Berggipfel, dem Ṛṣyamūka, zu wohnen, mich irgendwie von meinem eigenen Lebensunterhalt erhaltend, als durch die Tötung dieses den Gewinn des Himmels zu erlangen.'
Wort für Wort
śreyo adya manye mama
besser halte ich heute für mich
śaila mukhye tasmin hi vāsaḥ ciram ṛṣyamūke
das lange Wohnen auf jenem Berggipfel, dem Ṛṣyamūka
na tvā jighāṃsāmi cara iti yat mām ayam mahātmā matimān uvāca |
tasya eve tat rāma vaco anurūpam idam vacaḥ karma ca me anurūpam || 4-24-8
'Was er, der hochgesinnte, kluge, zu mir sprach: "Ich will dich nicht töten, geh" — das war ein Wort, das ihm entsprach; doch dieses mein Wort und meine Tat entsprechen mir nicht, o Rāma.'
Wort für Wort
na tvā jighāṃsāmi cara iti
'ich will dich nicht töten, geh' so
yat mām ayam mahātmā matimān uvāca
was dieser Hochgesinnte, Kluge zu mir sprach
tasya eve tat rāma vaco anurūpam
dies war jenem Wort entsprechend, Rāma
idam vacaḥ karma ca me anurūpam
dieses Wort und meine Tat aber entsprechen mir (nicht)
'Wie könnte je ein Bruder die Tötung eines Bruders von so großen Tugenden wünschen, o Rāma, wenn er das ganze Ausmaß des Leids des Königs bedenkt — selbst wenn er von Begierde getrieben ist?'
Wort für Wort
bhrātā katham nāma mahā guṇasya
wie könnte ein Bruder eines von so großen Tugenden
vadho hi me mato na asīt sva mahātmyā avyatikramāt |
mama āsīt buddhiḥ durātmyāt prāṇa hārī vyatikramaḥ || 4-24-10
'Denn seine Tötung war von mir nicht beabsichtigt, da ich seine eigene Hochherzigkeit nicht anzweifelte; aus meiner eigenen Übelgesinntheit entstand die lebensraubende Übertretung.'
'Wie ein von einem Baumast Zerbrochener, klagte ich einen Augenblick lang; nachdem er mich getröstet hatte, sagte er zu mir: "Tu es nicht noch einmal."'
bhrātṛtvam ārya bhāvaḥ ca dharmaḥ ca anena rakṣitaḥ |
mayā krodhaḥ ca kāmaḥ ca kapitvam ca pradarśitam || 4-24-12
'Brüderlichkeit, edle Gesinnung und Rechtschaffenheit wurden von ihm gewahrt; von mir aber wurden Zorn, Begierde und bloßes Affenwesen zur Schau gestellt.'
'Ich bin, o Freund, in eine Sünde geraten, die man nicht bedenken, meiden, nicht wünschen und nicht ansehen sollte — durch die Tötung des Bruders, wie Indra durch die Tötung des Sohnes des Tvaṣṭṛ.'
Wort für Wort
aciṃtanīyam parivarjanīyam
die nicht zu bedenkende, zu meidende
anīpsanīyam na anvekṣaṇīyam
die nicht zu wünschende, nicht anzusehende
prāpto asmi pāpmānam vayasya
bin ich in eine Sünde geraten, Freund
bhrātuḥ vadha tvāṣṭra vadhāt iva indraḥ
durch die Tötung des Bruders, wie Indra durch die Tötung des Sohnes des Tvaṣṭṛ
pāpmānam indrasya mahī jalam ca vṛkṣāḥ ca kāmam jagṛhuḥ striyaḥ ca |
ko nāma pāpmānam imam saheta śākhā mṛgasya pratipattum icchet || 4-24-14
'Indras Sünde nahmen die Erde, das Wasser, die Bäume, und die Frauen freiwillig auf sich; wer aber wollte diese Sünde, die eines Baumtiers, auf sich nehmen wollen?'
'Ich verdiene weder diese Ehrung durch die Untertanen noch das Amt des Thronfolgers, geschweige denn das Königtum, nachdem ich eine solche mit Unrecht und mit dem Untergang meines Geschlechts verbundene Tat begangen habe, o Rāghava.'
Wort für Wort
nā arhāmi sanmānam imam prajānām
ich verdiene nicht diese Ehrung der Untertanen
na yauva rājyam kuta eva rājyam
noch das Amt des Thronfolgers, geschweige das Königtum
adharma yuktam kula nāśa yuktam
mit Unrecht verbunden, mit dem Untergang des Geschlechts verbunden
'Ich bin der Täter einer verabscheuungswürdigen, niederträchtigen, der Welt schädlichen Sünde; dieser gewaltige Kummer strömt über mich, wie ein Wasserschwall von Regen in eine Senke.'
Wort für Wort
pāpasya kartā asmi vigarhitasya
ich bin der Täter einer verabscheuungswürdigen Sünde
kṣudrasya loka apakṛtasya loke
einer niederträchtigen, der Welt schädlichen, in der Welt
'Ein Elefant, gebildet aus meiner Sünde, dessen Rüssel der Brudermord ist, dessen übriges Körperhaar der Kummer ist, dessen Rüsselhand, Augen, Kopf und Stoßzähne aus Sünde bestehen, trifft mich, stolz und angeschwollen wie ein Flussufer.'
Wort für Wort
sodarya aghātā apara gātra vālaḥ
dessen Rüssel der Brudermord, dessen Körperhaar der Rest
saṃtāpa hasta akṣi śiro viṣāṇaḥ
dessen Rüsselhand, Augen, Kopf, Stoßzähne der Kummer sind
'Ach, dies ist unerträglich, o Bester der Männer! Mein rechtes Verhalten kehrt sich in meinem Herzen um, wie Gold, das im Feuer erhitzt, seine Farbe verliert und zu Schlacke wird, o Rāghava.'
Wort für Wort
aṃho batedam nṛ vara aviṣahya
ach, dies ist unerträglich, o Bester der Männer
nivartate me hṛdi sādhu vṛttam
kehrt sich mein rechtes Verhalten in meinem Herzen um
mahā balānām hari yūthapānām idam kulam rāghava man nimittam |
asya aṃgadasya api ca śoka tāpāt artha sthita prāṇam itīva manye || 4-24-19
'Dieses Geschlecht der überaus starken Anführer der Affenschar wird, meinetwegen, o Rāghava — ich meine, dass sogar Aṅgadas Leben nur noch aus dem Grunde des Kummers und Schmerzes weiterbesteht.'
Wort für Wort
mahā balānām hari yūthapānām
der überaus starken Anführer der Affenschar
idam kulam rāghava man nimittam
dieses Geschlecht, o Rāghava, meinetwegen
asya aṃgadasya api ca śoka tāpāt
und auch dieses Aṅgada, aus Kummer und Schmerz
artha sthita prāṇam itīva manye
dessen Leben nur noch aus einem Grund besteht, so meine ich
sutaḥ sulabhaḥ sujanaḥ suvaśyaḥ kutaḥ tu putraḥ sadṛśaḥ aṃgadena |
na ca api vidyeta sa vīra deśo yasmin bhavet sodara saṃnikarṣaḥ || 4-24-20
'Ein Sohn ist leicht zu erlangen, ein guter, gehorsamer — doch woher ein Sohn wie Aṅgada? Und es gibt keinen Ort, o Held, an dem die Nähe eines Bruders wiederhergestellt werden könnte.'
Wort für Wort
sutaḥ sulabhaḥ sujanaḥ suvaśyaḥ
ein Sohn ist leicht zu erlangen, ein guter, gehorsamer
adya aṃgado vīra varo na jīvet jīveta mātā pari pālanārtham |
vinā tu putram paritāpa dīnā sā naiva jīvet it niścitam me || 4-24-21
'Wollte der beste der Helden, Aṅgada, heute nicht mehr leben, so müsste seine Mutter um seiner Pflege willen weiterleben; doch ohne den Sohn, von Kummer erschöpft, würde sie gewiss nicht leben — das ist meine feste Überzeugung.'
Wort für Wort
adya aṃgado vīra varo na jīvet
wollte heute Aṅgada, der beste Held, nicht leben
jīveta mātā pari pālanārtham
müsste die Mutter um der Pflege willen leben
vinā tu putram paritāpa dīnā
doch ohne den Sohn, von Kummer erschöpft
sā naiva jīvet it niścitam me
würde sie gewiss nicht leben, das ist meine feste Meinung
so aham pravekṣyāmi ati dīptam agnim bhratrā ca putreṇa ca sakhyam icchan |
ime viceṣyanti hari pravīrāḥ sītām nideśe parivartamānāḥ || 4-24-22
'So will ich denn in das lodernde Feuer eingehen, um mit meinem Bruder und Aṅgada als Sohn vereint zu sein; diese tapferen Affen aber werden, deinem Befehl gehorchend, weiter nach Sītā suchen.'
kṛtsnam tu te setsyati kāryam etat mayi api atīte manujendra putra |
kulasya hantāram ajīvana arham rāma anujānīhi kṛta agasam mām || 4-24-23
'Auch nach meinem Tode wird diese ganze Aufgabe für dich erfüllt werden, o Sohn eines Menschenkönigs. Lass mich, den Zerstörer meines Geschlechts, der zu leben nicht wert ist, ziehen, o Rāma — vergib mir meine Schuld.'
Wort für Wort
kṛtsnam tu te setsyati kāryam etat
diese ganze Aufgabe wird für dich erfüllt werden
mayi api atīte manujendra putra
auch nachdem ich vergangen bin, o Sohn des Menschenkönigs
kulasya hantāram ajīvana arham
mich, den Zerstörer des Geschlechts, der nicht zu leben wert ist
rāma anujānīhi kṛta agasam mām
lass mich ziehen, Rāma, mich, der eine Schuld begangen hat
Als der beste der Raghus, Rāma, der Töter feindlicher Helden, so das Wort des bedrängten jüngeren Bruders Vālins gehört hatte, füllten sich seine Augen mit Tränen, und er war einen Augenblick verstört.
Wort für Wort
iti evam ārtasya raghu pravīraḥ
so, des Bedrängten, der beste der Raghus
śrutvā vaco vāli jaghanya jasya
das Wort des jüngeren Bruders Vālins gehört habend
saṃjāta bāṣpa para vīra hantā rāmo
der Töter feindlicher Helden, Rāma, dessen Tränen entstanden
In diesem Augenblick, umherblickend, der geduldige Herrscher der Erde, der Beschützer der Welt, erblickte Rāma, aufmerksam geworden, die weinende, im Unglück versunkene Tārā.
Wort für Wort
tasmin kṣaṇe abhīkṣṇam avekṣamāṇaḥ
in diesem Augenblick immer wieder umherblickend
kṣiti kṣamāvān bhuvanasya goptā
der geduldige Herrscher der Erde, der Beschützer der Welt
Sie, die Schönäugige, deren Herr ein Löwe unter den Affen gewesen war, ihren Gatten umarmend, dort liegend, wurde von den führenden Ministern aufgerichtet, sie, die von unverzagtem Wesen, die Königin der Affen.
Wort für Wort
tām cāru netrām kapi siṃha nāthām
sie, die Schönäugige, deren Herr ein Löwe der Affen war
patim samāśliṣya tada śayānām
den Gatten umarmend, dort liegend
utthāpayāmāsuḥ adīna sattvām
wurde aufgerichtet, sie von unverzagtem Wesen
maṃtri pradhānāḥ kapi rāja patnīm
von den führenden Ministern, die Königin der Affen
Sie, sich sträubend, während sie umarmt und von der Nähe ihres Gatten weggeführt wurde, erblickte Rāma, mit Pfeil und Bogen in der Hand, durch seinen eigenen Glanz leuchtend wie die Sonne.
su saṃvṛttam pārthiva lakṣaṇaiḥ ca tam cāru netram mṛgaśāva netrā |
adṛṣṭa pūrvam puruṣa pradhānam ayam sa kākutstha iti prajajñe || 4-24-28
Sie, deren Augen denen eines jungen Rehs glichen, erkannte den, der mit königlichen Zeichen ausgestattet war, den Schönäugigen, den Ersten unter den Männern, den sie zuvor nie gesehen hatte, als eben jenen Kākutstha.
Wort für Wort
su saṃvṛttam pārthiva lakṣaṇaiḥ ca
gut versehen mit königlichen Zeichen
tam cāru netram mṛgaśāva netrā
ihn, den Schönäugigen, sie mit den Augen eines jungen Rehs
Zu ihm, dem Indra gleichenden, unbezwingbaren, hochherzigen, ging die edle Tārā, von Schmerz gequält, ins Unglück geraten, überaus rasch, vor Verwirrung zitternd.
Wort für Wort
tasya indra kalpasya durāsadasya
zu ihm, dem Indra gleichenden, unbezwingbaren
mahānubhāvasya samīpam āryā
in die Nähe des Hochherzigen, die Edle
ārta ati tūrṇam vyasanam prapannā
von Schmerz gequält, überaus rasch, ins Unglück geraten
Zu ihm herantretend, dem reinen Wesens, mit vom Kummer erschüttertem Körper, sprach die kluge Tārā zu Rāma, dessen Ziel im Kampf, in dem er sich hervorgetan hatte, erreicht war, folgende Worte:
Wort für Wort
tam sā samāsādya viśuddha sattvam
zu ihm herantretend, dem von reinem Wesen
śokena saṃbhrāṃta śarīra bhāvā
mit vom Kummer erschüttertem Körperzustand
manasvinī vākyam uvāca tārā
die kluge Tārā sprach das Wort
rāmam raṇa utkarṣaṇa labdha lakṣyam
zu Rāma, dessen Ziel im Kampf, in dem er sich hervortat, erreicht war
tvam aprameyaḥ ca durāsadaḥ ca jitendriyaḥ ca uttama dharmakaḥ ca |
akṣīṇa kīrtiḥ ca vicakṣaṇaḥ ca kṣiti kṣamavān kṣatajopamā akṣaḥ || 4-24-31
'Du bist unermesslich und unbezwingbar, sinnenbeherrscht und von höchster Rechtschaffenheit, von unvergänglichem Ruhm und scharfsinnig, geduldig wie die Erde, mit Augen, dem geronnenen Blut gleich.'
Wort für Wort
tvam aprameyaḥ ca durāsadaḥ ca
du bist unermesslich und unbezwingbar
jitendriyaḥ ca uttama dharmakaḥ ca
sinnenbeherrscht und von höchster Rechtschaffenheit
akṣīṇa kīrtiḥ ca vicakṣaṇaḥ ca
von unvergänglichem Ruhm und scharfsinnig
kṣiti kṣamavān kṣatajopamā akṣaḥ
geduldig wie die Erde, mit dem geronnenen Blut gleichenden Augen
'Du, mit Bogen und Pfeil in der Hand, überaus stark, mit gewaltiger Körperkraft ausgestattet, hast, die menschliche Körperentwicklung überschreitend, eine himmlische Körperentwicklung angenommen.'
ena eva bāṇena hataḥ priyo me tena eva bāṇena hi mām jahi hi |
hatā gamiṣyāmi samīpam asya na mām vinā vīra rameta vālī || 4-24-33
'Mit eben diesem Pfeil wurde mein Geliebter getötet — mit eben diesem Pfeil töte auch mich; getötet werde ich zu ihm gelangen, denn ohne mich, o Held, wird sich Vālī nicht wohlfühlen.'
Wort für Wort
ena eva bāṇena hataḥ priyo me
mit eben diesem Pfeil wurde mein Geliebter getötet
svarge api padma amala patra netra sametya saṃprekṣya ca mām apaśyan |
na hi eṣa uccāvaca tāmra cūḍā vicitra veṣāḥ apsaro abhajiṣyat || 4-24-34
'Selbst im Himmel würde er, mit den lotusreinen Augen, mich, wenn er mich nicht bei sich fände, nicht suchen; niemals würde er sich den mannigfaltig geschmückten, rotscheiteligen Apsaras zuwenden.'
Wort für Wort
svarge api padma amala patra netra
selbst im Himmel, er mit den lotusreinen Augen
sametya saṃprekṣya ca mām apaśyan
herangekommen, umherblickend, mich nicht sehend
na hi eṣa uccāvaca tāmra cūḍā
würde er nicht die mannigfaltigen, rotscheiteligen
tvam vettha tāvat vanitā vihīnaḥ prāpnoti duḥkham puruṣaḥ kumāraḥ |
tat tvam prajānan jahi mām na vālī duḥkham mama adarśanajam bhajeta || 4-24-36
'Du weißt jedenfalls, welches Leid ein von seiner Frau getrennter Mann, selbst noch jung, erleidet; da du dies weißt, töte mich, damit Vālī nicht das aus meinem Nichtsehen entstehende Leid erfahre.'
Wort für Wort
tvam vettha tāvat vanitā vihīnaḥ
du weißt jedenfalls, wie einer, der Frau beraubt
prāpnoti duḥkham puruṣaḥ kumāraḥ
Leid erlangt, ein junger Mann
tat tvam prajānan jahi mām
da du dies weißt, töte mich
na vālī duḥkham mama adarśanajam bhajeta
damit Vālī nicht das aus meinem Nichtsehen entstehende Leid erfahre
yat ca api manyeta bhavān mahātmā strī ghāta doṣaḥ tu bhaven na mahyam |
ātmā iyam asya iti hi mām jahi tvam na strī vadhaḥ syāt manujendra putra || 4-24-37
'Und wenn du, Hochgesinnter, meinst, dass das Vergehen des Frauenmordes an dir haften bliebe — dies trifft für mich nicht zu: "sie ist sein eigenes Selbst" — so töte mich; es wäre kein Frauenmord, o Sohn des Menschenkönigs.'
Wort für Wort
yat ca api manyeta bhavān mahātmā
und wenn du, Hochgesinnter, meinst
strī ghāta doṣaḥ tu bhaven na mahyam
dass das Vergehen des Frauenmordes nicht für mich gelte
ātmā iyam asya iti hi mām jahi tvam
'sie ist sein Selbst' — so töte mich
na strī vadhaḥ syāt manujendra putra
es wäre kein Frauenmord, o Sohn des Menschenkönigs
śāstra prayogāt vividhāḥ ca vedāt ananya rūpāḥ puruṣasya dārāḥ |
dāra pradānāt na hi dānam anyat pradṛśyate jñānavatām hi loke || 4-24-38
'Gemäß der Anwendung der Lehrschriften und den mannigfaltigen Veden gilt die Ehefrau als von keiner anderen Gestalt als der ihres Mannes; und es gibt für die Wissenden in der Welt keine höhere Gabe als die Hingabe der Ehefrau.'
Wort für Wort
śāstra prayogāt vividhāḥ ca vedāt
gemäß der Anwendung der Lehrschriften und der mannigfaltigen Veden
ananya rūpāḥ puruṣasya dārāḥ
ist die Ehefrau von keiner anderen Gestalt als der des Mannes
dāra pradānāt na hi dānam anyat
es gibt keine andere Gabe als die Hingabe der Ehefrau
tvam ca api mām tasya mama priyasya pradāsyase dharmam avekṣya vīra |
anena dānena na lapsyase tvam adharma yogam mama vīra ghātāt || 4-24-39
'Auch du, o Held, wirst mich, im Hinblick auf den Dharma, jenem meinem Geliebten zurückgeben; durch diese Gabe wirst du keine Verbindung mit Unrecht durch meine Tötung erlangen.'
Wort für Wort
tvam ca api mām tasya mama priyasya
auch du wirst mich jenem meinem Geliebten
pradāsyase dharmam avekṣya vīra
zurückgeben, den Dharma erwägend, Held
anena dānena na lapsyase tvam
durch diese Gabe wirst du nicht erlangen
adharma yogam mama vīra ghātāt
eine Verbindung mit Unrecht durch meine Tötung, Held
ārtām anāthām apanīyamānām evam gatām na arhasi mām ahantum |
aham hi mātaṃga vilāsa gāminā plavaṃgamānām ṛṣabheṇa dhīmatā |
vinā varārhottama hema mālinā ciram na śakṣyāmi narendra jīvitum || 4-24-40
'Mich, die Bedrängte, Schutzlose, so weggeführte, solltest du nicht töten wollen; denn ich werde ohne den mit Elefantengang schreitenden, klugen Stier der Affen, den mit der goldenen Girlande, o Bester unter den Würdigen, nicht mehr lange leben können, o Herrscher der Menschen.'
Wort für Wort
ārtām anāthām apanīyamānām
mich, die Bedrängte, Schutzlose, Weggeführte
evam gatām na arhasi mām ahantum
so ergangen, solltest du mich nicht töten wollen
aham hi mātaṃga vilāsa gāminā
denn ich, ohne den mit Elefantengang schreitenden
plavaṃgamānām ṛṣabheṇa dhīmatā vinā varārhottama hema mālinā ciram na śakṣyāmi narendra jīvitum
den klugen Stier der Affen, den mit der goldenen Girlande, werde nicht mehr lange leben können, o Herrscher der Menschen
iti evam uktaḥ tu vibhuḥ mahātmā tārām samāśvāsya hitam babhāṣe |
mā vīra bhārye vimatim kuruṣva loko hi sarvo vihito vidhātrā || 4-24-41
So angesprochen, tröstete der hochgesinnte Herr Tārā und sprach ein heilsames Wort: 'Fasse keinen solchen verzweifelten Entschluss, o Gattin des Helden; denn die ganze Welt ist vom Schöpfer so eingerichtet worden.'
Wort für Wort
iti evam uktaḥ tu vibhuḥ mahātmā
so angesprochen, der hochgesinnte Herr
tārām samāśvāsya hitam babhāṣe
tröstete Tārā und sprach ein heilsames Wort
mā vīra bhārye vimatim kuruṣva
fasse keinen verzweifelten Entschluss, Gattin des Helden
tam caiva sarvam sukha duḥkha yogam loko abravīt tena kṛtam vidhātrā |
trayo api lokā vihitam vidhānam na ati kramante vaśagā hi tasya || 4-24-42
'Diese gesamte Verbindung von Glück und Leid, sagt man, wurde von jenem Schöpfer geschaffen; selbst die drei Welten überschreiten nicht die von ihm festgesetzte Ordnung, ihm unterworfen.'
prītim parām prāpsyasi tām tathā eva putraḥ ca te prapsyati yauva rājyam |
dhātra vidhānam vihitam tathā eva na śūra patnyaḥ paridevayanti || 4-24-43
'Du wirst höchste Freude erlangen, ebenso wird dein Sohn das Amt des Thronfolgers erlangen; so ist die vom Schöpfer festgesetzte Ordnung — Gattinnen von Helden klagen nicht so.'
Wort für Wort
prītim parām prāpsyasi tām
du wirst höchste Freude erlangen
tathā eva putraḥ ca te prapsyati yauva rājyam
ebenso wird dein Sohn das Amt des Thronfolgers erlangen
āśvāsitā tena mahatmanā tu prabhāva yuktena paraṃtapena |
sā vīra patnī dhvanatā mukhena suveṣa rūpā virarām tārā || 4-24-44
Von diesem hochgesinnten, mit Macht ausgestatteten Feindebezwinger getröstet, verstummte Tārā, die Gattin des Helden, ihr Mund noch von leisem Klagen erfüllt, sie, von schönem Wuchs und Gestalt.
Wort für Wort
āśvāsitā tena mahatmanā tu
von diesem Hochgesinnten aber getröstet
prabhāva yuktena paraṃtapena
mit Macht ausgestattet, dem Feindebezwinger
sā vīra patnī dhvanatā mukhena
sie, die Gattin des Helden, mit noch klagendem Mund