punareva abravīt prītaḥ rāghavam raghunandanam || 4-6-1
Wieder sprach der Erfreute zu Rāghava, der Freude der Raghus.
Wort für Wort
- punareva abravīt prītaḥ
- wieder sprach der Erfreute
- rāghavam raghunandanam
- zu Rāghava, der Freude der Raghus
Rāmāyaṇa · Kiṣkindhākāṇḍa
punareva abravīt prītaḥ rāghavam raghunandanam || 4-6-1
Wieder sprach der Erfreute zu Rāghava, der Freude der Raghus.
ayam ākhyāti te rāma sevakaḥ mantri sattamaḥ | hanumān yan nimittam tvam nirjanam vanam āgataḥ | lakṣmaṇena saha bhrātrā vasataḥ ca vane tava || 4-6-2
'Dieser hier, dein Diener und bester Ratgeber, Hanumān, wird dir berichten, weshalb du in diesen menschenleeren Wald gekommen bist und zusammen mit deinem Bruder Lakṣmaṇa im Wald weiltest.
rakṣasā apahṛtā bhāryā maithilī janaka ātmajā | tvayā viyuktā rudatī lakṣmaṇena ca dhīmatā || 4-6-3
Deine Gattin, die Tochter Janakas, die Maithilī, wurde von einem Rākṣasa geraubt, während sie, von dir und dem weisen Lakṣmaṇa getrennt, weinte.
antaram prepsunā tena hatvā gṛdhram jaṭāyuṣam | bhāryā viyogajam duḥkham prāpitaḥ tena rakṣsā || 4-6-4
Von jenem Rākṣasa, der die Gelegenheit suchte, wurde der Geier Jaṭāyu getötet, und durch ihn wurde dir das aus der Trennung von der Gattin entstandene Leid zugefügt.
bharyā viyogajam duḥkham na cirāt tvam vimokṣyase | aham tām ānayiṣyāmi naṣṭām vedaśrutīm iva || 4-6-5
Von dem aus der Trennung von der Gattin entstandenen Leid wirst du bald befreit werden; ich werde sie zurückbringen, wie eine verlorene, überlieferte Weisheit.
rasātale vā vartantīm vartantīm vā nabhaḥ tale | aham ānīya dāsyāmi tava bhāryām arindama || 4-6-6
Sei sie in der Unterwelt oder im Luftraum - ich werde deine Gattin zurückbringen und sie dir übergeben, o Bezwinger der Feinde.
idam tathyam mama vacaḥ tvam avehi ca rāghava | na śakyā sā jarayitum api saḥ indraiḥ sura asuraiḥ | tava bhāryā mahābāho bhakṣyam viṣa kṛtam yathā | tyaja śokam mahābāho tām kāntām ānayāmi te || 4-6-7,8
Erkenne dieses mein Wort als wahr, o Rāghava: Deine Gattin kann selbst von Göttern und Dämonen samt ihrem Indra nicht verdaut werden, wie eine mit Gift versetzte Speise, o Starkarmiger. Lege deinen Kummer ab, o Starkarmiger, ich werde dir jene Geliebte zurückbringen.
anumānāt tu jānāmi maithilī sā na saṃśayaḥ | hriyamāṇā mayā dṛṣṭā rakṣasā rauudra karmaṇā || 4-6-9
Durch Rückschluss weiß ich, dass es ohne Zweifel Maithilī war, die ich sah, wie sie von einem Rākṣasa grausamer Tat geraubt wurde.
krośantī rāma rāmeti lakṣmaṇeti ca visvaram | sphurantī rāvaṇasya anke pannagendra vadhūḥ yathā || 4-6-10
Sie schrie mit gebrochener Stimme 'Rāma, Rāma' und 'Lakṣmaṇa', zappelnd in Rāvaṇas Armen, wie die Gattin eines Schlangenfürsten.
ātmanā pañcamam mām hi dṛṣṭvā śaila tale sthitam | uttarīyam tayā tyaktam śubhāni ābharaṇāni ca || 4-6-11
Als sie mich, an fünfter Stelle mit meinen Gefährten, am Fuße des Berges stehend erblickte, ließ sie ihr oberes Gewand und ihren schönen Schmuck herabfallen.
tāni asmābhiḥ gṛhītāni nihitāni ca rāghava | ānayiṣyāmi aham tāni pratyabhijñātum arhasi || 4-6-12
Diese wurden von uns aufgenommen und verwahrt, o Rāghava; ich werde sie herbeibringen, du solltest sie wiedererkennen.'
tam abravīt tataḥ rāmaḥ sugrīvam priya vādinam | ānayasva sakhe śīghram kim artham pravilambase || 4-6-13
Da sprach Rāma zu dem angenehm redenden Sugrīva: 'Bring sie rasch her, o Freund, weshalb zögerst du?'
evam uktaḥ tu sugrīvaḥ śailasya gahanām guhām | praviveśa tataḥ śīghram rāghava priya kāmyayā || 4-6-14
So angesprochen, betrat Sugrīva rasch die tiefe Höhle des Berges, um Rāghava eine Freude zu machen.
uttarīyam gṛhītvā tu sa tāni ābharaṇāni ca | idam paśya iti rāmāya darśayāmāsa vānaraḥ || 4-6-15
Nachdem er das obere Gewand und den Schmuck genommen hatte, zeigte er sie Rāma und sprach: 'Sieh dies hier.'
tato gṛhītvā vāsaḥ tu śubhāni ābharaṇāni ca | abhavat bāṣpa samruddhaḥ nīhāreṇa iva candramāḥ || 4-6-16
Als er dann das Gewand und den schönen Schmuck nahm, wurde er von Tränen erstickt, wie der Mond von Nebel verhüllt.
sītā sneha pravṛttena sa tu bāṣpeṇa dūṣitaḥ | hā priye iti rudan dhairyam utsṛjya nyapatat kṣitau || 4-6-17
Von den aus Liebe zu Sītā fließenden Tränen überwältigt, rief er weinend 'Ach, Geliebte!', ließ seine Standhaftigkeit fahren und fiel zu Boden.
hṛdi kṛtvā sa bahuśaḥ tam alaṃkāram uttamam | niśaśvāsa bhṛśam sarpaḥ bilastha iva roṣitaḥ || 4-6-18
Nachdem er den trefflichen Schmuck immer wieder an sein Herz gedrückt hatte, seufzte er heftig, wie eine im Bau befindliche, erzürnte Schlange.
avicchinna aśru vegaḥ tu saumitrim prekṣya pārśvataḥ | paridevayitum dīnam rāmaḥ sam upacakrame || 4-6-19
Mit ununterbrochenem Tränenfluss, den an seiner Seite stehenden Sohn der Sumitrā anblickend, begann Rāma kläglich zu klagen.
paśya lakṣmaṇa vaidehyā saṃtyaktam hriyamāṇayā | uttarīyam idam bhūmau śarīrād bhūṣaṇāni ca || 4-6-20
'Sieh, o Lakṣmaṇa, dieses von der geraubten Tochter Videhas fallengelassene obere Gewand hier am Boden und den Schmuck von ihrem Leib.
śādvalinyām dhruvam bhūmyām sītayā hriyamāṇayā | utsṛṣṭam bhūṣaṇām idam tathā rūpam hi dṛśyate || 4-6-21
Gewiss wurde dieser Schmuck von Sītā, während sie geraubt wurde, auf den grasbewachsenen Boden geworfen; denn seine Gestalt zeigt sich so.'
evam uktasaḥ tu rāmeṇa lakṣmaṇo vākyam idam abravīt | na aham jānāmi keyūre na aham jānāmi kuṇḍale | nūpure tu abhijanāmi nityam pāda abhivaṃdanāt || 4-6-22
So von Rāma angesprochen, sprach Lakṣmaṇa dieses Wort: 'Ich kenne die Armreifen nicht, ich kenne die Ohrringe nicht; die Fußreifen aber erkenne ich wieder, da ich beständig ihre Füße verehrt habe.'
tataḥ tu rāghavo vākyam sugrīvam idam abravīt | brūhi sugrīva kam deśam hriyantī lakṣitā tvayā | rakṣasā raudrarūpeṇa mama prāṇapriyā priyā || 4-6-23,24
Da sprach Rāghava zu Sugrīva dieses Wort: 'Sag, o Sugrīva, in welche Richtung du meine über alles geliebte Gattin, während sie von dem furchterregenden Rākṣasa geraubt wurde, hast entschwinden sehen.
kva vā vasati tat rakṣazḥ mahat vyasanadam mama | yan nimittam aham sarvān nāśayiṣyāmi rākṣasān || 4-6-25
Wo wohnt jener Rākṣasa, der mir dieses große Unheil bereitet hat, um dessentwillen ich alle Rākṣasas vernichten werde?
haratā maithilīm yena mām ca roṣayatā dhruvam | ātmano jīvita antāya mṛtyu dvāram apāvṛtam || 4-6-26
Durch das Rauben Maithilīs und dadurch, dass er mich gewiss erzürnt hat, hat er sich selbst das Tor zum Tod für sein Leben geöffnet.
mama dayita tamā hṛtā vanāt rajanicareṇa vimathya yena sā | kathaya mama ripum tam adya vai plavagapate yama sannidhim nayāmi || 4-6-27
Sag mir, o Herr der Affen, wer jener Nachtwandler ist, von dem meine überaus geliebte Gattin gewaltsam aus dem Wald geraubt wurde - noch heute werde ich diesen meinen Feind in die Nähe des Todesgottes befördern.'