Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Kiṣkindhākāṇḍa

Sarga 33: Lakṣmaṇa Kiṣkiṃdhā Praveśaḥ Tārā Sāṃtvanam ca Lakṣmaṇa in Kiṣkindhā und Tārās Besänftigung

atha pratisaṃādiṣṭo lakṣmaṇaḥ paravīrahā | praviveśa guhām ramyām kiṣkiṃdhām rāma śāsanāt ||

Dann betrat Lakṣmaṇa, der Bezwinger feindlicher Helden, nachdem er zurückgeschickt worden war, die liebliche Höhlenstadt Kiṣkindhā, auf Rāmas Befehl.

Wort für Wort
atha pratisaṃādiṣṭo lakṣmaṇaḥ
dann, zurückgeschickt, Lakṣmaṇa
paravīrahā
der Bezwinger feindlicher Helden
praviveśa guhām ramyām kiṣkiṃdhām
betrat die liebliche Höhlenstadt Kiṣkindhā
rāma śāsanāt
auf Rāmas Befehl

dvārasthā harayaḥ tatra mahākāyā mahābalāḥ | babhūvuḥ lakṣmaṇam dṛṣṭvā sarve prāṃjalayaḥ sthitāḥ ||

Die an der Tür stehenden Affen dort, von gewaltigem Körper und grosser Kraft, standen alle mit gefalteten Händen da, als sie Lakṣmaṇa erblickten.

Wort für Wort
dvārasthā harayaḥ tatra
die an der Tür stehenden Affen dort
mahākāyā mahābalāḥ
von gewaltigem Körper und grosser Kraft
babhūvuḥ lakṣmaṇam dṛṣṭvā
wurden, Lakṣmaṇa erblickend
sarve prāṃjalayaḥ sthitāḥ
alle standen mit gefalteten Händen

niḥśvasantam tu tam dṛṣṭvā kruddham daśaratha ātmajam | babhūvuḥ harayaḥ trastā na ca enam paryavārayan ||

Als sie ihn, den Sohn des Daśaratha, seufzend und zornig sahen, erschraken die Affen und hielten ihn nicht auf.

Wort für Wort
niḥśvasantam tu tam dṛṣṭvā
ihn aber seufzend erblickend
kruddham daśaratha ātmajam
den zornigen Sohn des Daśaratha
babhūvuḥ harayaḥ trastā
wurden die Affen erschreckt
na ca enam paryavārayan
und hielten ihn nicht auf

sa tam ratnamayīm divyām śrīmān puṣpita kānanām | ramyām ratna samākīrṇām dadarśa mahatīm guhām ||

Der glückhafte Lakṣmaṇa erblickte jene juwelenbesetzte, göttliche, mit blühenden Hainen versehene, liebliche, mit Juwelen übersäte grosse Höhlenstadt.

Wort für Wort
sa tam ratnamayīm divyām śrīmān
der glückhafte jene juwelenbesetzte, göttliche
puṣpita kānanām
mit blühenden Hainen versehene
ramyām ratna samākīrṇām
liebliche, mit Juwelen übersäte
dadarśa mahatīm guhām
erblickte die grosse Höhlenstadt

harmya prāsāda saṃbādhām nānā ratnopaśobhitām | sarva kāma phalaiḥ vṛkṣaiḥ puṣpitaiḥ upaśobhitām ||

Dicht besetzt mit Palästen und Häusern, geschmückt mit mancherlei Juwelen, geschmückt mit blühenden Bäumen, die jede gewünschte Frucht trugen.

Wort für Wort
harmya prāsāda saṃbādhām
dicht besetzt mit Palästen und Häusern
nānā ratnopaśobhitām
geschmückt mit mancherlei Juwelen
sarva kāma phalaiḥ vṛkṣaiḥ
mit Bäumen jeder gewünschten Frucht
puṣpitaiḥ upaśobhitām
geschmückt mit blühenden

deva gaṃdharva putraiḥ ca vānaraiḥ kāma rūpibhiḥ | divya mālya ambara dhāraiḥ śobhitām priya darśanaiḥ ||

Geschmückt mit Affen, die Söhnen von Göttern und Gandharven glichen, die nach Belieben ihre Gestalt wechseln konnten, göttliche Girlanden und Gewänder tragend, lieblich anzusehen.

Wort für Wort
deva gaṃdharva putraiḥ ca
und den Söhnen von Göttern und Gandharven (gleichenden)
vānaraiḥ kāma rūpibhiḥ
mit Affen, die nach Belieben ihre Gestalt wechseln
divya mālya ambara dhāraiḥ
göttliche Girlanden und Gewänder tragend
śobhitām priya darśanaiḥ
geschmückt, lieblich anzusehen

candana agaru padmānām gandhaiḥ surabhi gandhitām | maireyāṇām madhūnām ca sammodita mahā pathām ||

Durchduftet vom Wohlgeruch von Sandelholz, Aloe und Lotusblüten, mit ihren grossen Strassen, erfüllt vom Duft von Maireya-Wein und Honigwein.

Wort für Wort
candana agaru padmānām gandhaiḥ
vom Duft von Sandelholz, Aloe und Lotus
surabhi gandhitām
durchduftet, wohlriechend
maireyāṇām madhūnām ca
und von Maireya-Wein und Honigwein
sammodita mahā pathām
erfüllt, mit ihren grossen Strassen

viṃdhya meru giri prakhyaiḥ prāsādaiḥ na eka bhūmibhiḥ | dadarśa giri nadyaḥ ca vimalāḥ tatra rāghavaḥ ||

Rāghava erblickte dort die Palastbauten, die dem Vindhya und dem Meru glichen, mit mehreren Stockwerken, und die klaren Bergflüsse.

Wort für Wort
viṃdhya meru giri prakhyaiḥ
dem Vindhya- und Meru-Berg gleichend
prāsādaiḥ na eka bhūmibhiḥ
mit Palästen, mit mehreren Stockwerken
dadarśa giri nadyaḥ ca vimalāḥ
erblickte die klaren Bergflüsse
tatra rāghavaḥ
dort Rāghava

aṃgadasya gṛham ramyam maindasya dvividasya ca | gavayasya gavākṣasya gajasya śarabhasya ca ||

Aṅgadas liebliches Haus, das des Mainda und des Dvivida, das des Gavaya, des Gavākṣa, des Gaja und des Śarabha,

Wort für Wort
aṃgadasya gṛham ramyam
Aṅgadas liebliches Haus
maindasya dvividasya ca
und das des Mainda und Dvivida
gavayasya gavākṣasya
das des Gavaya, des Gavākṣa
gajasya śarabhasya ca
und das des Gaja und Śarabha

vidyunmāleḥ ca saṃpāteḥ sūryākṣasya hanūmataḥ | vīrabāhoḥ subāhoḥ ca nalasya ca mahātmanaḥ ||

das des Vidyunmāli, des Saṃpāti, des Sūryākṣa, des Hanumān, des Vīrabāhu, des Subāhu und des grossmütigen Nala,

Wort für Wort
vidyunmāleḥ ca saṃpāteḥ
und das des Vidyunmāli, des Saṃpāti
sūryākṣasya hanūmataḥ
des Sūryākṣa, des Hanumān
vīrabāhoḥ subāhoḥ ca
des Vīrabāhu und Subāhu
nalasya ca mahātmanaḥ
und des grossmütigen Nala

kumudasya suṣeṇasya tāra jāmbavatoḥ tathā | dadhivaktrasya nīlasya supāṭala sunetrayoḥ ||

das des Kumuda, des Suṣeṇa, das von Tāra und Jāmbavat, das des Dadhivaktra, des Nīla, des Supāṭala und des Sunetra —

Wort für Wort
kumudasya suṣeṇasya
des Kumuda, des Suṣeṇa
tāra jāmbavatoḥ tathā
und ebenso von Tāra und Jāmbavat
dadhivaktrasya nīlasya
des Dadhivaktra, des Nīla
supāṭala sunetrayoḥ
des Supāṭala und Sunetra

eteṣām kapi mukhyānām rāja mārge mahātmanām | dadarśa gṛha mukhyāni mahāsārāṇi lakṣmaṇaḥ ||

die prächtigen, wichtigen Häuser dieser hervorragenden, grossmütigen Affen an der königlichen Strasse erblickte Lakṣmaṇa.

Wort für Wort
eteṣām kapi mukhyānām
dieser hervorragenden Affen
rāja mārge mahātmanām
der grossmütigen, an der königlichen Strasse
dadarśa gṛha mukhyāni
erblickte die wichtigen Häuser
mahāsārāṇi lakṣmaṇaḥ
die prächtigen, Lakṣmaṇa

pāṇḍura abhra prakāśāni gandha mālya yutāni ca | prabhūta dhana dhānyāni strī ratnaiḥ śobhitāni ca ||

Weiss glänzend wie Wolken, mit Duft und Girlanden versehen, reich an Gut und Getreide, geschmückt mit ausgezeichneten Frauen.

Wort für Wort
pāṇḍura abhra prakāśāni
weiss glänzend wie Wolken
gandha mālya yutāni ca
mit Duft und Girlanden versehen
prabhūta dhana dhānyāni
reich an Gut und Getreide
strī ratnaiḥ śobhitāni ca
und geschmückt mit ausgezeichneten Frauen

pāṇḍureṇa tu śailena parikṣiptam durāsadam | vānarendra gṛham ramyam mahendra sadana upamam ||

Von einem weissen Berg umgeben, uneinnehmbar, das liebliche Haus des Affenfürsten, dem Wohnsitz Indras gleichend,

Wort für Wort
pāṇḍureṇa tu śailena
von einem weissen Berg
parikṣiptam durāsadam
umgeben, uneinnehmbar
vānarendra gṛham ramyam
das liebliche Haus des Affenfürsten
mahendra sadana upamam
dem Wohnsitz Indras gleichend

śulkaiḥ prāsāda śikharaiḥ kailāsa śikhara upamaiḥ | sarva kāma phalaiḥ vṛkṣaiḥ puṣpitaiḥ upaśobhitam ||

mit weissen Palastgipfeln, dem Gipfel des Kailāsa gleichend, geschmückt mit blühenden Bäumen, die jede gewünschte Frucht trugen,

Wort für Wort
śulkaiḥ prāsāda śikharaiḥ
mit weissen Palastgipfeln
kailāsa śikhara upamaiḥ
dem Kailāsa-Gipfel gleichend
sarva kāma phalaiḥ vṛkṣaiḥ
mit Bäumen jeder gewünschten Frucht
puṣpitaiḥ upaśobhitam
geschmückt mit blühenden

mahendra dattaiḥ śrīmadbhiḥ nīla jīmūta saṃnibhaiḥ | divya puṣpa phalaiḥ vṛkṣaiḥ śīta cchāyaiḥ manoramaiḥ ||

mit von Indra selbst gegebenen, prächtigen, blauen Wolken gleichenden, göttliche Blüten und Früchte tragenden, kühlschattigen, herzerfreuenden Bäumen,

Wort für Wort
mahendra dattaiḥ śrīmadbhiḥ
von Indra gegeben, prächtig
nīla jīmūta saṃnibhaiḥ
blauen Wolken gleichend
divya puṣpa phalaiḥ vṛkṣaiḥ
mit Bäumen göttlicher Blüte und Frucht
śīta cchāyaiḥ manoramaiḥ
kühlschattig, herzerfreuend

haribhiḥ saṃvṛta dvāram balibhiḥ śastra pāṇibhiḥ | divya puṣpa āvṛtam śubhram tapta kāṃcana toraṇam ||

mit einem von starken, waffentragenden Affen bewachten Tor, mit göttlichen Blüten bedeckt, mit einem strahlenden, aus geschmolzenem Gold gefertigten Torbogen —

Wort für Wort
haribhiḥ saṃvṛta dvāram
das von Affen bewachte Tor
balibhiḥ śastra pāṇibhiḥ
von starken, waffentragenden
divya puṣpa āvṛtam śubhram
mit göttlichen Blüten bedeckt, strahlend
tapta kāṃcana toraṇam
mit einem Torbogen aus geschmolzenem Gold

sugrīvasya gṛham ramyam praviveśa mahābalaḥ | avāryamāṇaḥ saumitriḥ mahāabhram iva bhāskaraḥ ||

das liebliche Haus Sugrīvas betrat der mächtige Sohn der Sumitrā, unaufgehalten, wie die Sonne eine grosse Wolke durchdringt.

Wort für Wort
sugrīvasya gṛham ramyam
das liebliche Haus Sugrīvas
praviveśa mahābalaḥ
betrat der Mächtige
avāryamāṇaḥ saumitriḥ
unaufgehalten, der Sohn der Sumitrā
mahāabhram iva bhāskaraḥ
wie die Sonne eine grosse Wolke

sa sapta kakṣyā dharmātmā yāna āsana samāvṛtāḥ | praviśya sumahat guptam dadarśa aṃtaḥpuram mahat ||

Er, der Rechtschaffene, durch sieben mit Fahrzeugen und Sitzen versehene Umfriedungen hindurchgehend, erblickte das grosse, wohlbewachte innere Gemach.

Wort für Wort
sa sapta kakṣyā dharmātmā
er, der Rechtschaffene, durch sieben Umfriedungen
yāna āsana samāvṛtāḥ
mit Fahrzeugen und Sitzen versehene
praviśya sumahat guptam
hindurchgehend, das sehr grosse, bewachte
dadarśa aṃtaḥpuram mahat
erblickte das grosse innere Gemach

haima rājata paryankaiḥ bahubhiḥ ca vara āsanaiḥ | mahā arha āstaraṇa upetaiḥ tatra tatra samāvṛtam ||

Hier und dort umgeben von vielen goldenen und silbernen Betten und ausgezeichneten Sitzen, versehen mit sehr wertvollen Decken.

Wort für Wort
haima rājata paryankaiḥ
mit goldenen und silbernen Betten
bahubhiḥ ca vara āsanaiḥ
und vielen ausgezeichneten Sitzen
mahā arha āstaraṇa upetaiḥ
versehen mit sehr wertvollen Decken
tatra tatra samāvṛtam
hier und dort umgeben

praviśan eva satatam śuśrāva madhura svanam | taṃtrī gīta samākīrṇam sama tāla padākṣaram ||

Beim Eintreten hörte er beständig einen süssen Klang, erfüllt vom Gesang mit Saitenspiel, mit gleichmässigem Takt und deutlichen Silben.

Wort für Wort
praviśan eva satatam
beim Eintreten beständig
śuśrāva madhura svanam
hörte er einen süssen Klang
taṃtrī gīta samākīrṇam
erfüllt vom Gesang mit Saitenspiel
sama tāla padākṣaram
mit gleichmässigem Takt und deutlichen Silben

bahvīḥ ca vividha ākārā rūpa yauvana garvitāḥ | striyaḥ sugrīva bhavane dadarśa sa mahābalaḥ ||

Und viele Frauen von mancherlei Gestalt, stolz auf ihre Schönheit und Jugend, erblickte der Mächtige in Sugrīvas Wohnung.

Wort für Wort
bahvīḥ ca vividha ākārā
und viele von mancherlei Gestalt
rūpa yauvana garvitāḥ
stolz auf Schönheit und Jugend
striyaḥ sugrīva bhavane
Frauen in Sugrīvas Wohnung
dadarśa sa mahābalaḥ
erblickte der Mächtige

dṛṣṭvā abhijana saṃpannāḥ tatra mālya kṛta srajaḥ | vara mālya kṛta vyagrā bhūṣaṇa uttama bhūṣitāḥ ||

Von edler Herkunft, dort mit gewundenen Girlanden aus Blüten, eifrig mit ausgezeichneten Blumenketten befasst, mit vortrefflichem Schmuck geschmückt, erblickte er sie.

Wort für Wort
dṛṣṭvā abhijana saṃpannāḥ
erblickend, von edler Herkunft
tatra mālya kṛta srajaḥ
dort mit gewundenen Girlanden
vara mālya kṛta vyagrā
eifrig mit ausgezeichneten Girlanden befasst
bhūṣaṇa uttama bhūṣitāḥ
mit vortrefflichem Schmuck geschmückt

na atṛptān na ati ca vyagrān na anudātta paricchadān | sugrīva anucarān ca api lakṣayāmāsa lakṣmaṇaḥ ||

Auch Sugrīvas Gefolgsleute, die weder unzufrieden noch übermässig eifrig noch von unedlem Auftreten waren, nahm Lakṣmaṇa wahr.

Wort für Wort
na atṛptān na ati ca vyagrān
weder unzufrieden noch übermässig eifrig
na anudātta paricchadān
noch von unedlem Auftreten
sugrīva anucarān ca api
auch Sugrīvas Gefolgsleute
lakṣayāmāsa lakṣmaṇaḥ
nahm Lakṣmaṇa wahr

kūjitam nūpurāṇām ca kaṃcanīm niḥsvanam tathā | sa niśamya tataḥ śrīmān saumitriḥ lajjito abhavat ||

Als er das Klingen der Fussketten und den goldenen Klang vernahm, wurde der glückhafte Sohn der Sumitrā beschämt.

Wort für Wort
kūjitam nūpurāṇām ca
und das Klingen der Fussketten
kaṃcanīm niḥsvanam tathā
und ebenso den goldenen Klang
sa niśamya tataḥ śrīmān
dies vernehmend, der glückhafte
saumitriḥ lajjito abhavat
der Sohn der Sumitrā wurde beschämt

roṣa vega prakupitaḥ śrutvā ca ābharaṇa svanam | cakāra jyā svanam vīro diśaḥ śabdena pūrayan ||

Von der Wucht des Zorns erregt, liess der Held, nachdem er den Klang des Schmucks gehört hatte, seine Bogensehne erklingen und erfüllte die Himmelsrichtungen mit diesem Klang.

Wort für Wort
roṣa vega prakupitaḥ
von der Wucht des Zorns erregt
śrutvā ca ābharaṇa svanam
und den Klang des Schmucks gehört habend
cakāra jyā svanam vīro
liess der Held die Sehne erklingen
diśaḥ śabdena pūrayan
die Himmelsrichtungen mit dem Klang erfüllend

cāritreṇa mahābāhuḥ apakṛṣṭaḥ sa lakṣmanaḥ | tasthau ekāṃtam āśritya rāma śoka samanvitaḥ ||

Der starkarmige Lakṣmaṇa, durch das Anstandsgefühl zurückgezogen, stand, sich zur Seite haltend, vom Kummer Rāmas erfüllt.

Wort für Wort
cāritreṇa mahābāhuḥ
durch das Anstandsgefühl, der Starkarmige
apakṛṣṭaḥ sa lakṣmanaḥ
zurückgezogen, dieser Lakṣmaṇa
tasthau ekāṃtam āśritya
stand, sich zur Seite haltend
rāma śoka samanvitaḥ
vom Kummer Rāmas erfüllt

tena cāpa svanena atha sugrīvaḥ plavagādhipaḥ | vijñāya āgamanam trastaḥ sa cacāla vara āsanāt ||

Durch jenen Bogenklang erkannte Sugrīva, der Herr der Affen, das Kommen, und sprang, erschrocken, von seinem ausgezeichneten Sitz auf.

Wort für Wort
tena cāpa svanena atha
durch jenen Bogenklang da
sugrīvaḥ plavagādhipaḥ
Sugrīva, der Herr der Affen
vijñāya āgamanam trastaḥ
das Kommen erkennend, erschrocken
sa cacāla vara āsanāt
sprang er von dem ausgezeichneten Sitz auf

aṃgadena yathā mahyam purastāt prativeditam | suvyaktam eṣa saṃpraptaḥ saumitriḥ bhrātṛ vatsalaḥ ||

«Wie mir Aṅgada zuvor gemeldet hat, ist dies deutlich der Sohn der Sumitrā, der seinem Bruder zugetane, der angekommen ist» —

Wort für Wort
aṃgadena yathā mahyam
wie mir von Aṅgada
purastāt prativeditam
zuvor gemeldet wurde
suvyaktam eṣa saṃpraptaḥ
deutlich ist dieser angekommen
saumitriḥ bhrātṛ vatsalaḥ
der Sohn der Sumitrā, dem Bruder zugetan

aṃgadena samākhyato jyā svanena ca vānaraḥ | bubudhe lakṣmaṇam prāptam mukham ca asya vyaśuṣyata ||

durch Aṅgadas Meldung und durch den Klang der Sehne erkannte der Affe, dass Lakṣmaṇa angekommen war, und sein Gesicht wurde trocken vor Schreck.

Wort für Wort
aṃgadena samākhyato
durch Aṅgada gemeldet
jyā svanena ca vānaraḥ
und durch den Sehnenklang, der Affe
bubudhe lakṣmaṇam prāptam
erkannte, dass Lakṣmaṇa angekommen war
mukham ca asya vyaśuṣyata
und sein Gesicht wurde trocken

tataḥ tārām hari śreṣṭhaḥ sugrīvaḥ priya darśanām | uvāca hitam avyagra trāsa saṃbhrāṃta mānasaḥ ||

Da sprach der beste der Affen, Sugrīva, sein Geist von Furcht und Bestürzung erregt, zu Tārā, der lieblich Anzusehenden, zuträgliche Worte:

Wort für Wort
tataḥ tārām hari śreṣṭhaḥ
da zu Tārā, der beste der Affen
sugrīvaḥ priya darśanām
Sugrīva, zu der lieblich Anzusehenden
uvāca hitam
sprach Zuträgliches
avyagra trāsa saṃbhrāṃta mānasaḥ
sein Geist von Furcht und Bestürzung erregt

kim nu ruṭ kāraṇam subhru prakṛtyā mṛdu mānasaḥ | sa roṣa iva saṃprāpto yena ayam rāghavānujaḥ ||

«Was mag der Grund des Zorns sein, Schönbraue? Der jüngere Bruder Rāghavas, von Natur aus sanften Sinnes, ist wie von Zorn ergriffen —

Wort für Wort
kim nu ruṭ kāraṇam subhru
was ist der Grund des Zorns, Schönbraue
prakṛtyā mṛdu mānasaḥ
von Natur aus sanften Sinnes
sa roṣa iva saṃprāpto
er ist wie vom Zorn ergriffen
yena ayam rāghavānujaḥ
dieser jüngere Bruder Rāghavas

kim paśyasi kumārasya roṣa sthānam anindite | na khalu akāraṇe kopam āharet narapuṃgavaḥ ||

was, meinst du, ist der Grund für den Zorn des Prinzen, Tadellose? Denn ohne Grund würde der beste der Männer wohl kaum in Zorn geraten.

Wort für Wort
kim paśyasi kumārasya
was siehst du (als Grund) des Prinzen
roṣa sthānam anindite
für den Zorn, Tadellose
na khalu akāraṇe kopam
fürwahr nicht ohne Grund Zorn
āharet narapuṃgavaḥ
würde der beste der Männer hegen

yadi asya kṛtam asmābhiḥ budhyase kiṃcit apriyam | tat budhyā saṃpradhārya āśu kṣipram eva abhidhīyatām ||

Wenn du erkennst, dass wir ihm etwas Unangenehmes getan haben, so soll es, sorgfältig bedacht, rasch, sogleich gesagt werden.

Wort für Wort
yadi asya kṛtam asmābhiḥ
wenn ihm von uns getan
budhyase kiṃcit apriyam
du etwas Unangenehmes erkennst
tat budhyā saṃpradhārya
das mit Verstand bedacht
āśu kṣipram eva abhidhīyatām
rasch, sogleich soll es gesagt werden

athavā svayam eva enam draṣṭum arhasi bhāminī | vacanaiḥ svāṃtva yuktaiḥ ca prasādayitum arhasi ||

Oder du solltest ihn selbst aufsuchen, schöne Frau, und ihn mit versöhnlichen Worten besänftigen.

Wort für Wort
athavā svayam eva enam
oder ihn selbst
draṣṭum arhasi bhāminī
solltest du sehen, schöne Frau
vacanaiḥ svāṃtva yuktaiḥ ca
und mit versöhnlichen Worten
prasādayitum arhasi
solltest du besänftigen

tvat darśane viśuddha ātmā na sa kopam kariṣyati | na hi strīṣu mahātmānaḥ kvacit kurvanti dāruṇam ||

Beim Anblick von dir, rein von Herzen, wird er seinen Zorn nicht weiter hegen; denn grossmütige Menschen tun Frauen gegenüber niemals Grausames an.

Wort für Wort
tvat darśane viśuddha ātmā
beim Anblick von dir, rein von Herzen
na sa kopam kariṣyati
wird er den Zorn nicht hegen
na hi strīṣu mahātmānaḥ
denn Grossmütige gegenüber Frauen
kvacit kurvanti dāruṇam
tun niemals Grausames

tvayā svāṃtvaiḥ upakrāṃtam prasanna indriya mānasam | tataḥ kamalapatrākṣam drakṣyāami aham ariṃdamam ||

Von dir mit versöhnlichen Worten angesprochen, mit klaren Sinnen und Geist, werde ich dann den lotusäugigen Feindebezwinger sehen.»

Wort für Wort
tvayā svāṃtvaiḥ upakrāṃtam
von dir mit versöhnlichen Worten angesprochen
prasanna indriya mānasam
mit klaren Sinnen und Geist
tataḥ kamalapatrākṣam
dann den lotusäugigen
drakṣyāami aham ariṃdamam
werde ich sehen, den Feindebezwinger

sā praskhalaṃtī mada vihvala akṣī | pralaṃba kāṃcī guṇa hema sūtrā | salakṣaṇā lakṣmaṇa saṃnidhānam | jagāma tārā namita aṃga yaṣṭiḥ ||

Sie, straucheind, ihre Augen vom Rausch getrübt, mit herabhängendem Gürtel an goldenem Faden, von guten Zeichen versehen, ihre Gliederschlankheit geneigt, ging Tārā zu Lakṣmaṇa hin.

Wort für Wort
sā praskhalaṃtī mada vihvala akṣī
sie, straucheind, ihre Augen vom Rausch getrübt
pralaṃba kāṃcī guṇa hema sūtrā
mit herabhängendem Gürtel an goldenem Faden
salakṣaṇā lakṣmaṇa saṃnidhānam
von guten Zeichen, zu Lakṣmaṇas Nähe
jagāma tārā namita aṃga yaṣṭiḥ
ging Tārā, ihre Gliederschlankheit geneigt

sa tām samīkṣya eva hari īśa patnīm | tasthau udāsīnatayā mahātmā | avāṅmukho ābhūt manujendra putraḥ | strī sannikarṣāt vinivṛtta kopam ||

Als der Grossmütige sie erblickte, die Gattin des Affenherrn, stand er in Zurückhaltung da; der Sohn des Menschenkönigs wandte sein Gesicht ab, seinen Zorn wegen der Nähe einer Frau zurückhaltend.

Wort für Wort
sa tām samīkṣya eva hari īśa patnīm
er, sie erblickend, die Gattin des Affenherrn
tasthau udāsīnatayā mahātmā
stand der Grossmütige in Zurückhaltung
avāṅmukho ābhūt manujendra putraḥ
der Sohn des Menschenkönigs wandte das Gesicht ab
strī sannikarṣāt vinivṛtta kopam
seinen Zorn wegen der Nähe der Frau zurückhaltend

sā pāna yogāt ca nivṛtta lajjā | dṛṣṭi prasādāt ca narendra sūnoḥ | uvāca tārā praṇaya pragalbham | vākyam mahārtham parisāṃtva rūpam ||

Sie, durch den Weingenuss ihrer Scheu enthoben, und durch den freundlichen Blick des Königssohns ermutigt, sprach Tārā ein von Zuneigung kühnes, bedeutungsvolles, versöhnliches Wort:

Wort für Wort
sā pāna yogāt ca nivṛtta lajjā
sie, durch den Weingenuss ihrer Scheu enthoben
dṛṣṭi prasādāt ca narendra sūnoḥ
und durch den freundlichen Blick des Königssohns
uvāca tārā praṇaya pragalbham
sprach Tārā, von Zuneigung kühn
vākyam mahārtham parisāṃtva rūpam
ein bedeutungsvolles, versöhnliches Wort

kim kopa mūlam manujendra putra | kaḥ te na santiṣṭhati vāk nideśe | kaḥ śuṣka vṛkṣam vanam āpatantam | davāgnim āsīdati nirviśaṃkaḥ ||

«Was ist die Wurzel deines Zorns, Sohn des Menschenkönigs? Wer hält sich nicht an deinen Befehl? Wer nähert sich unbekümmert dem im dürren Wald einherziehenden Waldbrand?

Wort für Wort
kim kopa mūlam manujendra putra
was ist die Wurzel des Zorns, Sohn des Menschenkönigs
kaḥ te na santiṣṭhati vāk nideśe
wer hält sich nicht an deinen Wortbefehl
kaḥ śuṣka vṛkṣam vanam āpatantam
wer dem im dürren Wald einherziehenden
davāgnim āsīdati nirviśaṃkaḥ
Waldbrand nähert sich unbekümmert

sa tasya vacanam śrutvā sāṃtva pūrvam aśaṃkitaḥ | bhūyaḥ praṇaya dṛṣṭārtham lakṣmaṇo vākyam abravīt ||

Er, nachdem er ihr versöhnliches, unbedenkliches Wort gehört hatte, sprach Lakṣmaṇa erneut ein Wort, dessen Sinn von Zuneigung geleitet war:

Wort für Wort
sa tasya vacanam śrutvā
er, dieses Wort gehört habend
sāṃtva pūrvam aśaṃkitaḥ
versöhnlich zuerst, unbedenklich
bhūyaḥ praṇaya dṛṣṭārtham
erneut, dessen Sinn von Zuneigung geleitet
lakṣmaṇo vākyam abravīt
sprach Lakṣmaṇa das Wort

kim ayam kāma vṛttaḥ te lupta dharmārtha saṃgrahaḥ | bhartā bhartṛ hite yukte na ca evam avabudhyase ||

«Ist dieser dein Gatte, der Lust ergeben, dessen Sorge um Recht und Nutzen vernachlässigt ist — bist du dir dessen, was für den Gatten zuträglich ist, so gar nicht bewusst?

Wort für Wort
kim ayam kāma vṛttaḥ te
ist dieser dein (Gatte), der Lust ergeben
lupta dharmārtha saṃgrahaḥ
dessen Sorge um Recht und Nutzen vernachlässigt
bhartā bhartṛ hite yukte
der Gatte, in dem für den Gatten Zuträglichen
na ca evam avabudhyase
bist du dir dessen nicht bewusst

na ciṃtayati rājyārtham saḥ asmān śoka parāyaṇān | sa amātya pariṣat tāre kāmam eva upasevate ||

Er denkt nicht an die Angelegenheit des Reiches, an uns, die dem Kummer ergeben sind; er, Tārā, ergibt sich mit dem Rat seiner Minister nur der Lust.

Wort für Wort
na ciṃtayati rājyārtham
er denkt nicht an die Reichsangelegenheit
saḥ asmān śoka parāyaṇān
an uns, die dem Kummer ergeben sind
sa amātya pariṣat tāre
er, mit dem Ministerrat, Tārā
kāmam eva upasevate
ergibt sich nur der Lust

sa māsān catura kṛtvā pramāṇam plavageśvaraḥ | vyatītān tān mada udagro viharan na avabudhyate ||

Der Herr der Affen, der vier Monate als Frist festgesetzt hatte, bemerkt nicht, hoch im Rausch, sich vergnügend, dass sie vergangen sind.

Wort für Wort
sa māsān catura kṛtvā pramāṇam
er, vier Monate als Frist festgesetzt habend
plavageśvaraḥ
der Herr der Affen
vyatītān tān mada udagro
dass sie vergangen sind, hoch im Rausch
viharan na avabudhyate
sich vergnügend, bemerkt er nicht

na hi dharmārtha siddhyartham pānam evam praśasyate | pānāt arthasya kāmaḥ ca dharmaḥ ca parihīyate ||

Denn zur Erfüllung von Recht und Nutzen wird ein solches Trinken nicht gepriesen; durch Trinken werden Nutzen, Lust und Recht vernachlässigt.

Wort für Wort
na hi dharmārtha siddhyartham
denn zur Erfüllung von Recht und Nutzen
pānam evam praśasyate
wird ein solches Trinken gepriesen
pānāt arthasya kāmaḥ ca
durch Trinken werden Nutzen und Lust
dharmaḥ ca parihīyate
und Recht vernachlässigt

dharma lopo mahān tāvat kṛte hi aprati kurvataḥ | artha lopaḥ ca mitrasya nāśe guṇavato mahān ||

Grosse Vernachlässigung des Rechts liegt vor, wenn man für eine erwiesene Tat nichts vergilt; und ein grosser Verlust an Nutzen entsteht beim Verlust eines tugendhaften Freundes.

Wort für Wort
dharma lopo mahān tāvat
grosse Vernachlässigung des Rechts
kṛte hi aprati kurvataḥ
wenn für eine erwiesene Tat nicht vergolten wird
artha lopaḥ ca mitrasya nāśe
und Verlust an Nutzen beim Verlust des Freundes
guṇavato mahān
des tugendhaften, gross

mitram hi artha guṇa śreṣṭham satya dharma parāyaṇam | tat dvayam tu parityaktam na tu dharme vyavasthitam ||

Denn ein Freund ist der beste Wert an Nutzen, der Wahrheit und der Pflicht ergeben; doch dieses beides ist aufgegeben, er steht nicht auf der Seite der Pflicht.

Wort für Wort
mitram hi artha guṇa śreṣṭham
denn der Freund ist der beste Wert an Nutzen
satya dharma parāyaṇam
der Wahrheit und Pflicht ergeben
tat dvayam tu parityaktam
doch dieses beides ist aufgegeben
na tu dharme vyavasthitam
er steht nicht in der Pflicht

tat evam prastute kārye kāryam asmābhiḥ uttaram | yat kāryam kārya tattvajñe tvam udāhartum arhasi ||

Bei dieser so gearteten, begonnenen Angelegenheit ist von uns nun das weitere zu tun; was zu tun ist, solltest du, die du das wahre Wesen der Sache kennst, darlegen.»

Wort für Wort
tat evam prastute kārye
bei dieser so begonnenen Angelegenheit
kāryam asmābhiḥ uttaram
ist von uns das weitere zu tun
yat kāryam kārya tattvajñe
was zu tun ist, du Kennerin des Sachwesens
tvam udāhartum arhasi
solltest du darlegen

sā tasya dharmārtha samādhi yuktam | niśamya vākyam madhura svabhāvam | tārā gatārthe manujendra kārye | viśvāsa yuktam tam uvāca bhūyaḥ ||

Sie, nachdem sie sein von Natur aus süsses, mit Recht und Nutzen im Einklang stehendes Wort vernommen hatte, sprach Tārā, in der Sache des Königssohns wohl bewandert, ihm erneut ein vertrauensvolles Wort:

Wort für Wort
sā tasya dharmārtha samādhi yuktam
sie, sein mit Recht und Nutzen im Einklang stehendes
niśamya vākyam madhura svabhāvam
das von Natur aus süsse Wort vernehmend
tārā gatārthe manujendra kārye
Tārā, in der Sache des Königssohns bewandert
viśvāsa yuktam tam uvāca bhūyaḥ
sprach ihm erneut ein vertrauensvolles (Wort)

na kopa kālaḥ kṣitipāla putra | na ca api kopaḥ sva jane vidheyaḥ | tvat artha kāmasya janasya tasya | pramādam api arhasi vīra soḍhum ||

«Dies ist nicht die Zeit für Zorn, Sohn des Erdenhüters; auch sollte Zorn nicht gegenüber den eigenen Leuten geübt werden. Die Nachlässigkeit dieses Mannes, der um deinetwillen von Verlangen erfüllt ist, solltest du ertragen, Held.

Wort für Wort
na kopa kālaḥ kṣitipāla putra
dies ist nicht die Zeit für Zorn, Sohn des Erdenhüters
na ca api kopaḥ sva jane vidheyaḥ
auch sollte Zorn nicht gegen die eigenen Leute geübt werden
tvat artha kāmasya janasya tasya
dieses Mannes, der um deinetwillen von Verlangen erfüllt ist
pramādam api arhasi vīra soḍhum
solltest du auch die Nachlässigkeit ertragen, Held

kopam katham nāma guṇa prakṛṣṭaḥ | kumāra kuryāt apakṛṣṭa sattve | kaḥ tvat vidhaḥ kopa vaśam hi gacche | sattva avaruddhaḥ tapasaḥ prasūtiḥ ||

Wie könnte einer von so hervorragenden Tugenden, Prinz, gegenüber einem Wesen von geringerer Art in Zorn geraten? Wer deinesgleichen würde denn in die Gewalt des Zorns geraten, du, dessen Wesen von Selbstbeherrschung, der Frucht der Askese, gehalten wird?

Wort für Wort
kopam katham nāma guṇa prakṛṣṭaḥ
wie könnte der an Tugenden Hervorragende Zorn
kumāra kuryāt apakṛṣṭa sattve
hegen, Prinz, gegenüber einem geringeren Wesen
kaḥ tvat vidhaḥ kopa vaśam hi gacche
wer deinesgleichen würde in die Gewalt des Zorns geraten
sattva avaruddhaḥ tapasaḥ prasūtiḥ
dessen Wesen von der Frucht der Askese gehalten wird

jānāmi kopam hari vīra bandhoḥ | jānāmi kāryasya ca kāla saṃgam | jānāmi kāryam tvayi yat kṛtam naḥ | tat ca api jānāmi yat atra kāryam ||

Ich kenne den Zorn des Bruders des Affenhelden, ich kenne den Zusammenhang der Sache mit der Zeit; ich weiss, was uns durch dich getan wurde, und ich weiss auch, was hier zu tun ist.

Wort für Wort
jānāmi kopam hari vīra bandhoḥ
ich kenne den Zorn des Bruders des Affenhelden
jānāmi kāryasya ca kāla saṃgam
ich kenne den Zusammenhang der Sache mit der Zeit
jānāmi kāryam tvayi yat kṛtam naḥ
ich weiss, was uns durch dich getan wurde
tat ca api jānāmi yat atra kāryam
und ich weiss auch, was hier zu tun ist

tat ca api jānāmi yathā aviṣahyam | balam naraśreṣṭha śarīrajasya | jānāmi yasmin ca jane avabaddham | kāmena sugrīvam astakam adya ||

Und ich weiss auch, wie unwiderstehlich die aus dem Körper entstehende Kraft ist, bester der Männer; ich weiss auch, an wen Sugrīva heute von der Liebe gebunden ist, gänzlich gefesselt.

Wort für Wort
tat ca api jānāmi yathā aviṣahyam
und ich weiss auch, wie unwiderstehlich
balam naraśreṣṭha śarīrajasya
die aus dem Körper entstehende Kraft ist, bester der Männer
jānāmi yasmin ca jane avabaddham
ich weiss, an wen gebunden
kāmena sugrīvam astakam adya
Sugrīva von der Liebe heute gänzlich

na kāma taṃtre tava buddhiḥ asti | tvam vai yathā manyu vaśam prapannaḥ | na deśa kālau hi na ca artha dharmau | avekṣate kāma ratiḥ manuṣyaḥ ||

Dein Verstand kennt sich nicht in den Angelegenheiten der Liebe aus, so wie du der Gewalt des Zorns verfallen bist; denn ein Mensch, der der Liebeslust ergeben ist, achtet weder auf Ort und Zeit noch auf Nutzen und Pflicht.

Wort für Wort
na kāma taṃtre tava buddhiḥ asti
dein Verstand kennt sich nicht in den Angelegenheiten der Liebe aus
tvam vai yathā manyu vaśam prapannaḥ
so wie du der Gewalt des Zorns verfallen bist
na deśa kālau hi na ca artha dharmau
weder auf Ort und Zeit noch auf Nutzen und Pflicht
avekṣate kāma ratiḥ manuṣyaḥ
achtet der der Liebeslust ergebene Mensch

tam kāma vṛttam mama sannikṛṣṭam | kāma abhiyogāt ca vimukta lajjam | kṣamasva tāvat para vīra hantaḥ | tava bhrātarma vānara vaṃśa nātham ||

Verzeih ihm daher, o Bezwinger feindlicher Helden, ihm, der der Lust ergeben, mir nahe ist und durch die Verstrickung in die Liebe seine Scham verloren hat — deinem Bruder, dem Herrn des Affengeschlechts.

Wort für Wort
tam kāma vṛttam mama sannikṛṣṭam
ihm, der Lust ergeben, mir nahe
kāma abhiyogāt ca vimukta lajjam
und durch die Verstrickung in Liebe die Scham verloren hat
kṣamasva tāvat para vīra hantaḥ
verzeih ihm daher, Bezwinger feindlicher Helden
tava bhrātarma vānara vaṃśa nātham
deinem Bruder, dem Herrn des Affengeschlechts

maharṣayo dharma tapobhirāmāḥ | kāmā anukāmāḥ prati baddha mohāḥ | ayam prakṛtyā capalaḥ kapiḥ tu | katham na sajjeta sukheṣu rājā ||

Selbst grosse Weise, an Pflicht und Askese erfreut, geraten in Verstrickungen der Verwirrung, den Begierden folgend — wie sollte da dieser Affe, von Natur aus wankelmütig, als König nicht an Vergnügungen hängen bleiben?»

Wort für Wort
maharṣayo dharma tapobhirāmāḥ
selbst grosse Weise, an Pflicht und Askese erfreut
kāmā anukāmāḥ prati baddha mohāḥ
geraten, den Begierden folgend, in gebundene Verwirrung
ayam prakṛtyā capalaḥ kapiḥ tu
dieser Affe aber, von Natur aus wankelmütig
katham na sajjeta sukheṣu rājā
wie sollte er als König nicht an Vergnügungen hängen

iti evam uktvā vacanam mahārtham | sā vānarī lakṣmaṇam aprameyam | punaḥ sa khedam mada vihvalākṣī | bhartur hitam vākyam idam babhāṣe ||

Nachdem sie, die Affenfrau, dieses so bedeutungsvolle Wort zu dem unermesslichen Lakṣmaṇa gesagt hatte, sprach sie, ihre Augen vom Rausch getrübt, erneut dieses für ihren Gatten zuträgliche Wort:

Wort für Wort
iti evam uktvā vacanam mahārtham
dieses bedeutungsvolle Wort gesagt habend
sā vānarī lakṣmaṇam aprameyam
sie, die Affenfrau, zu dem unermesslichen Lakṣmaṇa
punaḥ sa khedam mada vihvalākṣī
erneut, ihre Betrübnis, ihre Augen vom Rausch getrübt
bhartur hitam vākyam idam babhāṣe
sprach dieses für den Gatten zuträgliche Wort

udyogaḥ tu cira ājñaptaḥ sugrīveṇa narottama | kāṃsya api vidheyena tava artha prati sādhane ||

«Der Aufbruch wurde jedoch schon lange von Sugrīva befohlen, bester der Männer, obwohl er dir untertan ist, zur Erfüllung deiner Sache.

Wort für Wort
udyogaḥ tu cira ājñaptaḥ
der Aufbruch wurde schon lange befohlen
sugrīveṇa narottama
von Sugrīva, bester der Männer
kāṃsya api vidheyena
obwohl er (dir) untertan ist
tava artha prati sādhane
zur Erfüllung deiner Sache

āgatā hi mahā vīryā harayaḥ kāma rūpiṇaḥ | koṭi śata sahasrāṇi nānā naga nivāsinaḥ ||

Denn es sind bereits gewaltig kräftige Affen gekommen, die nach Belieben ihre Gestalt wechseln können, zu Hunderttausenden von Zehnmillionen, Bewohner mancherlei Berge.

Wort für Wort
āgatā hi mahā vīryā harayaḥ
gekommen sind fürwahr die gewaltig kräftigen Affen
kāma rūpiṇaḥ
die nach Belieben ihre Gestalt wechseln
koṭi śata sahasrāṇi
zu Hunderttausenden von Zehnmillionen
nānā naga nivāsinaḥ
Bewohner mancherlei Berge

tat āgaccha mahābāho cāritram rakṣitam tvayā | acchalam mitra bhāvena satām darā avalokanam ||

So komm, starkarmiger, du, der du dein Anstandsgefühl bewahrt hast, ohne Falschheit, in freundschaftlicher Gesinnung, zur Begegnung der Guten.»

Wort für Wort
tat āgaccha mahābāho
so komm, Starkarmiger
cāritram rakṣitam tvayā
dein Anstandsgefühl von dir bewahrt
acchalam mitra bhāvena
ohne Falschheit, in freundschaftlicher Gesinnung
satām darā avalokanam
zur Begegnung der Guten

tārāyā ca abhyanujñāta tvarayā cā api coditaḥ | praviveśa mahābāhuḥ abhyaṃtaram arindamaḥ ||

Von Tārā ermächtigt und eilig aufgefordert, betrat der starkarmige Feindebezwinger das innere Gemach.

Wort für Wort
tārāyā ca abhyanujñāta
von Tārā ermächtigt
tvarayā cā api coditaḥ
und eilig aufgefordert
praviveśa mahābāhuḥ
betrat der Starkarmige
abhyaṃtaram arindamaḥ
das innere Gemach, der Feindebezwinger

tataḥ sugrīvam āsīnam kāṃcane parama āsane | mahāarha āstaraṇopete dadarśa āditya saṃnibham ||

Da erblickte er Sugrīva, sitzend auf einem goldenen, ausgezeichneten Sitz, mit sehr wertvollen Decken versehen, der Sonne gleichend,

Wort für Wort
tataḥ sugrīvam āsīnam
da Sugrīva, sitzend
kāṃcane parama āsane
auf einem goldenen, ausgezeichneten Sitz
mahāarha āstaraṇopete
mit sehr wertvollen Decken versehen
dadarśa āditya saṃnibham
erblickte er, der Sonne gleichend

divya ābharaṇa citrāṃgam divya rūpam yaśasvinam | divya mālyāṃbara dharam mahendram iva durjayam ||

mit göttlichem Schmuck an bunt geschmückten Gliedern, von göttlicher Gestalt, ruhmreich, göttliche Girlanden und Gewänder tragend, wie den unbezwingbaren Indra,

Wort für Wort
divya ābharaṇa citrāṃgam
mit göttlichem Schmuck an bunt geschmückten Gliedern
divya rūpam yaśasvinam
von göttlicher Gestalt, ruhmreich
divya mālyāṃbara dharam
göttliche Girlanden und Gewänder tragend
mahendram iva durjayam
wie den unbezwingbaren Indra

divya ābharaṇa mālyābhiḥ pramadābhiḥ samāvṛtam | saṃrabdhatara raktākṣo babhūva aṃtaka saṃnibhaḥ ||

umgeben von jungen Frauen mit göttlichem Schmuck und Girlanden — Lakṣmaṇa aber, noch heftiger erregt, mit geröteten Augen, wurde dem Todesgott gleich.

Wort für Wort
divya ābharaṇa mālyābhiḥ
mit göttlichem Schmuck und Girlanden
pramadābhiḥ samāvṛtam
umgeben von jungen Frauen
saṃrabdhatara raktākṣo
noch heftiger erregt, mit geröteten Augen
babhūva aṃtaka saṃnibhaḥ
wurde er dem Todesgott gleich

rumām tu vīraḥ parirabhya gāḍham | vara āsanastho vara hema varṇaḥ | dadarśa saumitrim adīna sattvam | viśāla netraḥ sa viśāla netram ||

Der Held, Rumā fest umarmend, auf dem ausgezeichneten Sitz thronend, von der Farbe erlesenen Goldes, mit weiten Augen, erblickte den Sohn der Sumitrā von unverzagtem Mut, ebenfalls mit weiten Augen.

Wort für Wort
rumām tu vīraḥ parirabhya gāḍham
der Held, Rumā fest umarmend
vara āsanastho vara hema varṇaḥ
auf dem ausgezeichneten Sitz thronend, von der Farbe erlesenen Goldes
dadarśa saumitrim adīna sattvam
erblickte den Sohn der Sumitrā von unverzagtem Mut
viśāla netraḥ sa viśāla netram
mit weiten Augen ihn, den mit weiten Augen

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