deva gaṃdharva putraiḥ ca vānaraiḥ kāma rūpibhiḥ |
divya mālya ambara dhāraiḥ śobhitām priya darśanaiḥ ||
Geschmückt mit Affen, die Söhnen von Göttern und Gandharven glichen, die nach Belieben ihre Gestalt wechseln konnten, göttliche Girlanden und Gewänder tragend, lieblich anzusehen.
Wort für Wort
deva gaṃdharva putraiḥ ca
und den Söhnen von Göttern und Gandharven (gleichenden)
vānaraiḥ kāma rūpibhiḥ
mit Affen, die nach Belieben ihre Gestalt wechseln
mit einem von starken, waffentragenden Affen bewachten Tor, mit göttlichen Blüten bedeckt, mit einem strahlenden, aus geschmolzenem Gold gefertigten Torbogen —
Er, der Rechtschaffene, durch sieben mit Fahrzeugen und Sitzen versehene Umfriedungen hindurchgehend, erblickte das grosse, wohlbewachte innere Gemach.
dṛṣṭvā abhijana saṃpannāḥ tatra mālya kṛta srajaḥ |
vara mālya kṛta vyagrā bhūṣaṇa uttama bhūṣitāḥ ||
Von edler Herkunft, dort mit gewundenen Girlanden aus Blüten, eifrig mit ausgezeichneten Blumenketten befasst, mit vortrefflichem Schmuck geschmückt, erblickte er sie.
Von der Wucht des Zorns erregt, liess der Held, nachdem er den Klang des Schmucks gehört hatte, seine Bogensehne erklingen und erfüllte die Himmelsrichtungen mit diesem Klang.
Sie, straucheind, ihre Augen vom Rausch getrübt, mit herabhängendem Gürtel an goldenem Faden, von guten Zeichen versehen, ihre Gliederschlankheit geneigt, ging Tārā zu Lakṣmaṇa hin.
sa tām samīkṣya eva hari īśa patnīm |
tasthau udāsīnatayā mahātmā |
avāṅmukho ābhūt manujendra putraḥ |
strī sannikarṣāt vinivṛtta kopam ||
Als der Grossmütige sie erblickte, die Gattin des Affenherrn, stand er in Zurückhaltung da; der Sohn des Menschenkönigs wandte sein Gesicht ab, seinen Zorn wegen der Nähe einer Frau zurückhaltend.
Sie, durch den Weingenuss ihrer Scheu enthoben, und durch den freundlichen Blick des Königssohns ermutigt, sprach Tārā ein von Zuneigung kühnes, bedeutungsvolles, versöhnliches Wort:
kim kopa mūlam manujendra putra |
kaḥ te na santiṣṭhati vāk nideśe |
kaḥ śuṣka vṛkṣam vanam āpatantam |
davāgnim āsīdati nirviśaṃkaḥ ||
«Was ist die Wurzel deines Zorns, Sohn des Menschenkönigs? Wer hält sich nicht an deinen Befehl? Wer nähert sich unbekümmert dem im dürren Wald einherziehenden Waldbrand?
Wort für Wort
kim kopa mūlam manujendra putra
was ist die Wurzel des Zorns, Sohn des Menschenkönigs
kim ayam kāma vṛttaḥ te lupta dharmārtha saṃgrahaḥ |
bhartā bhartṛ hite yukte na ca evam avabudhyase ||
«Ist dieser dein Gatte, der Lust ergeben, dessen Sorge um Recht und Nutzen vernachlässigt ist — bist du dir dessen, was für den Gatten zuträglich ist, so gar nicht bewusst?
dharma lopo mahān tāvat kṛte hi aprati kurvataḥ |
artha lopaḥ ca mitrasya nāśe guṇavato mahān ||
Grosse Vernachlässigung des Rechts liegt vor, wenn man für eine erwiesene Tat nichts vergilt; und ein grosser Verlust an Nutzen entsteht beim Verlust eines tugendhaften Freundes.
mitram hi artha guṇa śreṣṭham satya dharma parāyaṇam |
tat dvayam tu parityaktam na tu dharme vyavasthitam ||
Denn ein Freund ist der beste Wert an Nutzen, der Wahrheit und der Pflicht ergeben; doch dieses beides ist aufgegeben, er steht nicht auf der Seite der Pflicht.
Bei dieser so gearteten, begonnenen Angelegenheit ist von uns nun das weitere zu tun; was zu tun ist, solltest du, die du das wahre Wesen der Sache kennst, darlegen.»
Sie, nachdem sie sein von Natur aus süsses, mit Recht und Nutzen im Einklang stehendes Wort vernommen hatte, sprach Tārā, in der Sache des Königssohns wohl bewandert, ihm erneut ein vertrauensvolles Wort:
Wort für Wort
sā tasya dharmārtha samādhi yuktam
sie, sein mit Recht und Nutzen im Einklang stehendes
na kopa kālaḥ kṣitipāla putra |
na ca api kopaḥ sva jane vidheyaḥ |
tvat artha kāmasya janasya tasya |
pramādam api arhasi vīra soḍhum ||
«Dies ist nicht die Zeit für Zorn, Sohn des Erdenhüters; auch sollte Zorn nicht gegenüber den eigenen Leuten geübt werden. Die Nachlässigkeit dieses Mannes, der um deinetwillen von Verlangen erfüllt ist, solltest du ertragen, Held.
Wort für Wort
na kopa kālaḥ kṣitipāla putra
dies ist nicht die Zeit für Zorn, Sohn des Erdenhüters
na ca api kopaḥ sva jane vidheyaḥ
auch sollte Zorn nicht gegen die eigenen Leute geübt werden
tvat artha kāmasya janasya tasya
dieses Mannes, der um deinetwillen von Verlangen erfüllt ist
pramādam api arhasi vīra soḍhum
solltest du auch die Nachlässigkeit ertragen, Held
Wie könnte einer von so hervorragenden Tugenden, Prinz, gegenüber einem Wesen von geringerer Art in Zorn geraten? Wer deinesgleichen würde denn in die Gewalt des Zorns geraten, du, dessen Wesen von Selbstbeherrschung, der Frucht der Askese, gehalten wird?
Wort für Wort
kopam katham nāma guṇa prakṛṣṭaḥ
wie könnte der an Tugenden Hervorragende Zorn
kumāra kuryāt apakṛṣṭa sattve
hegen, Prinz, gegenüber einem geringeren Wesen
kaḥ tvat vidhaḥ kopa vaśam hi gacche
wer deinesgleichen würde in die Gewalt des Zorns geraten
sattva avaruddhaḥ tapasaḥ prasūtiḥ
dessen Wesen von der Frucht der Askese gehalten wird
jānāmi kopam hari vīra bandhoḥ |
jānāmi kāryasya ca kāla saṃgam |
jānāmi kāryam tvayi yat kṛtam naḥ |
tat ca api jānāmi yat atra kāryam ||
Ich kenne den Zorn des Bruders des Affenhelden, ich kenne den Zusammenhang der Sache mit der Zeit; ich weiss, was uns durch dich getan wurde, und ich weiss auch, was hier zu tun ist.
tat ca api jānāmi yathā aviṣahyam |
balam naraśreṣṭha śarīrajasya |
jānāmi yasmin ca jane avabaddham |
kāmena sugrīvam astakam adya ||
Und ich weiss auch, wie unwiderstehlich die aus dem Körper entstehende Kraft ist, bester der Männer; ich weiss auch, an wen Sugrīva heute von der Liebe gebunden ist, gänzlich gefesselt.
Wort für Wort
tat ca api jānāmi yathā aviṣahyam
und ich weiss auch, wie unwiderstehlich
balam naraśreṣṭha śarīrajasya
die aus dem Körper entstehende Kraft ist, bester der Männer
na kāma taṃtre tava buddhiḥ asti |
tvam vai yathā manyu vaśam prapannaḥ |
na deśa kālau hi na ca artha dharmau |
avekṣate kāma ratiḥ manuṣyaḥ ||
Dein Verstand kennt sich nicht in den Angelegenheiten der Liebe aus, so wie du der Gewalt des Zorns verfallen bist; denn ein Mensch, der der Liebeslust ergeben ist, achtet weder auf Ort und Zeit noch auf Nutzen und Pflicht.
Wort für Wort
na kāma taṃtre tava buddhiḥ asti
dein Verstand kennt sich nicht in den Angelegenheiten der Liebe aus
tvam vai yathā manyu vaśam prapannaḥ
so wie du der Gewalt des Zorns verfallen bist
na deśa kālau hi na ca artha dharmau
weder auf Ort und Zeit noch auf Nutzen und Pflicht
tam kāma vṛttam mama sannikṛṣṭam |
kāma abhiyogāt ca vimukta lajjam |
kṣamasva tāvat para vīra hantaḥ |
tava bhrātarma vānara vaṃśa nātham ||
Verzeih ihm daher, o Bezwinger feindlicher Helden, ihm, der der Lust ergeben, mir nahe ist und durch die Verstrickung in die Liebe seine Scham verloren hat — deinem Bruder, dem Herrn des Affengeschlechts.
Wort für Wort
tam kāma vṛttam mama sannikṛṣṭam
ihm, der Lust ergeben, mir nahe
kāma abhiyogāt ca vimukta lajjam
und durch die Verstrickung in Liebe die Scham verloren hat
maharṣayo dharma tapobhirāmāḥ |
kāmā anukāmāḥ prati baddha mohāḥ |
ayam prakṛtyā capalaḥ kapiḥ tu |
katham na sajjeta sukheṣu rājā ||
Selbst grosse Weise, an Pflicht und Askese erfreut, geraten in Verstrickungen der Verwirrung, den Begierden folgend — wie sollte da dieser Affe, von Natur aus wankelmütig, als König nicht an Vergnügungen hängen bleiben?»
Wort für Wort
maharṣayo dharma tapobhirāmāḥ
selbst grosse Weise, an Pflicht und Askese erfreut
kāmā anukāmāḥ prati baddha mohāḥ
geraten, den Begierden folgend, in gebundene Verwirrung
ayam prakṛtyā capalaḥ kapiḥ tu
dieser Affe aber, von Natur aus wankelmütig
katham na sajjeta sukheṣu rājā
wie sollte er als König nicht an Vergnügungen hängen
iti evam uktvā vacanam mahārtham |
sā vānarī lakṣmaṇam aprameyam |
punaḥ sa khedam mada vihvalākṣī |
bhartur hitam vākyam idam babhāṣe ||
Nachdem sie, die Affenfrau, dieses so bedeutungsvolle Wort zu dem unermesslichen Lakṣmaṇa gesagt hatte, sprach sie, ihre Augen vom Rausch getrübt, erneut dieses für ihren Gatten zuträgliche Wort:
Wort für Wort
iti evam uktvā vacanam mahārtham
dieses bedeutungsvolle Wort gesagt habend
sā vānarī lakṣmaṇam aprameyam
sie, die Affenfrau, zu dem unermesslichen Lakṣmaṇa
punaḥ sa khedam mada vihvalākṣī
erneut, ihre Betrübnis, ihre Augen vom Rausch getrübt
Denn es sind bereits gewaltig kräftige Affen gekommen, die nach Belieben ihre Gestalt wechseln können, zu Hunderttausenden von Zehnmillionen, Bewohner mancherlei Berge.
Wort für Wort
āgatā hi mahā vīryā harayaḥ
gekommen sind fürwahr die gewaltig kräftigen Affen
mit göttlichem Schmuck an bunt geschmückten Gliedern, von göttlicher Gestalt, ruhmreich, göttliche Girlanden und Gewänder tragend, wie den unbezwingbaren Indra,
Wort für Wort
divya ābharaṇa citrāṃgam
mit göttlichem Schmuck an bunt geschmückten Gliedern
rumām tu vīraḥ parirabhya gāḍham |
vara āsanastho vara hema varṇaḥ |
dadarśa saumitrim adīna sattvam |
viśāla netraḥ sa viśāla netram ||
Der Held, Rumā fest umarmend, auf dem ausgezeichneten Sitz thronend, von der Farbe erlesenen Goldes, mit weiten Augen, erblickte den Sohn der Sumitrā von unverzagtem Mut, ebenfalls mit weiten Augen.
Wort für Wort
rumām tu vīraḥ parirabhya gāḍham
der Held, Rumā fest umarmend
vara āsanastho vara hema varṇaḥ
auf dem ausgezeichneten Sitz thronend, von der Farbe erlesenen Goldes
dadarśa saumitrim adīna sattvam
erblickte den Sohn der Sumitrā von unverzagtem Mut