Rāmāyaṇa · Kiṣkindhākāṇḍa
Sarga 60: Niśākara Saṃvādaḥ
Sampātis Begegnung mit dem Weisen Niśākara
tataḥ kṛtodakaṃ snātaṃ taṃ gṛdhraṃ hariyūthapāḥ |
upaviṣṭā girau ramye parivārya samantataḥ ||
Als jener Geier dann die Wasserspende vollzogen und gebadet hatte, setzten sich die Affen-Heerführer auf dem lieblichen Berg nieder, ihn allseits umringend.
Wort für Wort tataḥ kṛtodakam snātam dann, nachdem er die Wasserspende vollzogen und gebadet hatte tam gṛdhram hariyūthapāḥ jenen Geier die Affen-Heerführer upaviṣṭā girau ramye setzten sich auf dem lieblichen Berg nieder parivārya samantataḥ ihn allseits umringend tam aṃgadam upāsīnaṃ taiḥ sarvair haribhir vṛtam |
janitapratyayo harṣāt saṃpātiḥ punar abravīt ||
Zu Aṅgada, der dort saß, umgeben von all jenen Affen, sprach Sampāti, dessen Zuversicht aus Freude geboren war, abermals.
Wort für Wort tam aṃgadam upāsīnam zu jenem sitzenden Aṅgada taiḥ sarvaiḥ haribhiḥ vṛtam von all jenen Affen umgeben janitapratyayaḥ harṣāt dessen Zuversicht aus Freude geboren war saṃpātiḥ punaḥ abravīt sprach Sampāti abermals kṛtvā niḥśabdam ekāgrāḥ śṛṇvaṃtu harayo mama |
tathyaṃ saṃkīrtayiṣyāmi yathā jānāmi maithilīm ||
›Werdet still und einsgerichtet, ihr Affen, und höret mich; ich werde wahrheitsgemäß erzählen, wie ich von der Maithilī weiß.‹
Wort für Wort kṛtvā niḥśabdam ekāgrāḥ still und einsgerichtet werdend śṛṇvaṃtu harayaḥ mama sollen die Affen mich hören tathyam saṃkīrtayiṣyāmi ich werde wahrheitsgemäß erzählen yathā jānāmi maithilīm wie ich von der Maithilī weiß asya vindhyasya śikhare patito'smi purānagha |
sūryatāpaparītāṃgo nirdagdhaḥ sūryaraśmibhiḥ ||
›Einst fiel ich auf den Gipfel dieses Vindhya, o Makelloser, meinen Leib von der Sonnenglut überwältigt, von den Sonnenstrahlen verbrannt.‹
Wort für Wort asya vindhyasya śikhare auf den Gipfel dieses Vindhya patitaḥ asmi purā anagha fiel ich einst, o Makelloser sūryatāpaparītāṃgaḥ mein Leib von Sonnenglut überwältigt nirdagdhaḥ sūryaraśmibhiḥ verbrannt von den Sonnenstrahlen labdhasaṃjñas tu ṣaḍrātrād vivaśo vihvalann iva |
vīkṣamāṇo diśaḥ sarvā nābhijānāmi kiṃcana ||
›Erst nach sechs Nächten kam ich wieder zu Bewusstsein, hilflos, wie benommen; ich blickte nach allen Richtungen, erkannte aber nichts.‹
Wort für Wort labdhasaṃjñaḥ tu ṣaḍrātrāt erst nach sechs Nächten zu Bewusstsein gekommen vivaśaḥ vihvalan iva hilflos, wie benommen vīkṣamāṇaḥ diśaḥ sarvāḥ nach allen Richtungen blickend na abhijānāmi kiṃcana erkannte ich nichts tataḥ tu sāgarāñ śailān nadīḥ sarvāḥ sarāṃsi ca |
vanāni ca pradeśāṃś ca samīkṣya matir āgatā ||
›Dann, als ich die Ozeane, Berge, alle Flüsse und Seen, die Wälder und Gegenden betrachtete, kehrte mein Verstand zurück.‹
Wort für Wort tataḥ tu sāgarān śailān dann die Ozeane und Berge nadīḥ sarvāḥ sarāṃsi ca alle Flüsse und Seen vanāni ca pradeśān ca und die Wälder und Gegenden samīkṣya matiḥ āgatā betrachtend, kehrte mein Verstand zurück hṛṣṭapakṣigaṇākīrṇaḥ kandaroderakūṭavān |
dakṣiṇasyodadheḥ tīre vindhyo'yam iti niścitaḥ ||
›Von frohen Vogelscharen erfüllt, mit Höhlen und Klüften und Gipfeln versehen, am Ufer des südlichen Ozeans — ich stellte fest: ›Dies ist der Vindhya.‹«‹
Wort für Wort hṛṣṭapakṣigaṇākīrṇaḥ von frohen Vogelscharen erfüllt kandaroderakūṭavān mit Höhlen, Klüften und Gipfeln versehen dakṣiṇasya udadheḥ tīre am Ufer des südlichen Ozeans vindhyaḥ ayam iti niścitaḥ stellte ich fest: dies ist der Vindhya āsīc cātrāśramaṃ puṇyaṃ suraiḥ api supūjitam |
ṛṣir niśākaro nāma yasmin ugratapā abhavat ||
›Und hier gab es eine heilige Einsiedelei, selbst von den Göttern hochgeehrt, in welcher ein Weiser namens Niśākara lebte, der strenge Askese übte.‹
Wort für Wort āsīt ca atra āśramam puṇyam und hier gab es eine heilige Einsiedelei suraiḥ api supūjitam selbst von den Göttern hochgeehrt ṛṣiḥ niśākaraḥ nāma ein Weiser namens Niśākara yasmin ugratapāḥ abhavat in welcher er strenge Askese übte aṣṭau varṣasahasrāṇi tenāsmin ṛṣiṇā girau |
vasato mama dharmajña svargate tu niśākare ||
›Achttausend Jahre lang weilte ich, o Rechtskundiger, mit diesem Weisen auf diesem Berg, bis Niśākara in den Himmel einging.‹
Wort für Wort aṣṭau varṣasahasrāṇi achttausend Jahre lang tena asmin ṛṣiṇā girau mit diesem Weisen auf diesem Berg vasataḥ mama dharmajña weilte ich, o Rechtskundiger svargate tu niśākare bis Niśākara in den Himmel einging avatīrya ca vindhyāgrāt kṛcchreṇa viṣamāc chanaiḥ |
tīkṣṇadarbhāṃ vasumatīṃ duḥkhena punar āgataḥ ||
›Nachdem ich mühevoll und langsam vom unwegsamen Gipfel des Vindhya herabgestiegen war, kam ich unter Beschwerden wieder auf die mit scharfem Kuśa-Gras bedeckte Erde.‹
Wort für Wort avatīrya ca vindhyāgrāt vom Gipfel des Vindhya herabsteigend kṛcchreṇa viṣamāt śanaiḥ mühevoll, vom unwegsamen, langsam tīkṣṇadarbhām vasumatīm auf die mit scharfem Kuśa-Gras bedeckte Erde duḥkhena punaḥ āgataḥ kam ich unter Beschwerden wieder tam ṛṣiṃ draṣṭukāmo'smi duḥkhenābhyāgato bhṛśam |
jaṭāyuṣā mayā caiva bahuśo'bhigato hi saḥ ||
›Ich war begierig, jenen Weisen zu sehen, und war, sehr bekümmert, herbeigekommen; und ihn hatten Jaṭāyu und ich oft besucht.‹
Wort für Wort tam ṛṣim draṣṭukāmaḥ asmi ich war begierig, jenen Weisen zu sehen duḥkhena abhyāgataḥ bhṛśam sehr bekümmert herbeigekommen jaṭāyuṣā mayā caiva von Jaṭāyu und mir bahuśaḥ abhigataḥ hi saḥ war er oft besucht worden tasyāśramapadābhyāśe vavur vātāḥ sugandhinaḥ |
vṛkṣo nāpuṣpitaḥ kaścid aphalo vā na dṛśyate ||
›In der Nähe seiner Einsiedeleigründe wehten duftende Winde; kein Baum war dort zu sehen, der ohne Blüten oder ohne Früchte war.‹
Wort für Wort tasya āśramapadābhyāśe in der Nähe seiner Einsiedeleigründe vavuḥ vātāḥ sugandhinaḥ wehten duftende Winde vṛkṣaḥ na apuṣpitaḥ kaścit kein Baum war ohne Blüten aphalaḥ vā na dṛśyate noch war einer ohne Früchte zu sehen upetya cāśramaṃ puṇyaṃ vṛkṣamūlam upāśritaḥ |
draṣṭukāmaḥ pratīkṣe ca bhagavaṃtaṃ niśākaram ||
›Als ich zur heiligen Einsiedelei gekommen war, suchte ich Zuflucht am Fuß eines Baumes und wartete, begierig ihn zu sehen, auf den ehrwürdigen Niśākara.‹
Wort für Wort upetya ca āśramam puṇyam zur heiligen Einsiedelei gekommen vṛkṣamūlam upāśritaḥ suchte ich Zuflucht am Fuß eines Baumes draṣṭukāmaḥ pratīkṣe ca begierig ihn zu sehen, wartete ich bhagavaṃtam niśākaram auf den ehrwürdigen Niśākara atha paśyāmi dūrasthaṃ ṛṣiṃ jvalitatejasam |
kṛtābhiṣekaṃ durdharṣam upāvṛttam udaṅmukham ||
›Da sah ich in der Ferne den Weisen, glühend vor Glanz, der sein rituelles Bad vollzogen hatte, unangreifbar, zurückkehrend, nach Norden gewandt.‹
Wort für Wort atha paśyāmi dūrastham da sah ich in der Ferne ṛṣim jvalitatejasam den vor Glanz glühenden Weisen kṛtābhiṣekam durdharṣam der sein Bad vollzogen hatte, unangreifbar upāvṛttam udaṅmukham zurückkehrend, nach Norden gewandt tam ṛkṣāḥ sṛmarā vyāghrāḥ siṃhā nānāsarīsṛpāḥ |
parivāryopagacchanti dātāraṃ prāṇino yathā ||
›Bären, Hirsche, Tiger, Löwen und mancherlei Kriechtiere umringten und näherten sich ihm, wie lebende Wesen sich einem Wohltäter nähern.‹
Wort für Wort tam ṛkṣāḥ sṛmarāḥ vyāghrāḥ ihn Bären, Hirsche, Tiger siṃhāḥ nānāsarīsṛpāḥ Löwen und mancherlei Kriechtiere parivārya upagacchanti umringen und nähern sich dātāram prāṇinaḥ yathā wie lebende Wesen einem Wohltäter tataḥ prāptam ṛṣiṃ jñātvā tāni sattvāni vai yayuḥ |
praviṣṭe rājani yathā sarvaṃ sāmātyakaṃ balam ||
›Als sie dann erkannten, dass der Weise angekommen war, zogen sich jene Wesen zurück, so wie, wenn ein König eintritt, sein gesamtes Gefolge samt Ministern und Heer.‹
Wort für Wort tataḥ prāptam ṛṣim jñātvā als sie erkannten, dass der Weise angekommen war tāni sattvāni vai yayuḥ zogen jene Wesen sich zurück praviṣṭe rājani yathā so wie, wenn ein König eintritt sarvam sāmātyakam balam sein ganzes Gefolge samt Ministern und Heer ṛṣis tu dṛṣṭvā māṃ tuṣṭaḥ praviṣṭaś cāśramaṃ punaḥ |
muhūrtamātrān nirgamya tataḥ kāryam apṛcchata ||
›Der Weise, als er mich sah, war erfreut und betrat abermals seine Einsiedelei; nach nur einem Augenblick trat er wieder heraus und fragte mich darauf nach meinem Anliegen.‹
Wort für Wort ṛṣiḥ tu dṛṣṭvā mām tuṣṭaḥ der Weise, mich sehend, erfreut praviṣṭaḥ ca āśramam punaḥ betrat abermals die Einsiedelei muhūrtamātrāt nirgamya nach nur einem Augenblick heraustretend tataḥ kāryam apṛcchata fragte er darauf nach dem Anliegen saumya vaikalyatāṃ dṛṣṭvā romṇāṃ te nāvagamyate |
agnidagdhau imau pakṣau prāṇāś cāpi śarīrake ||
›»Sanfter, da ich die Entstellung deiner Federn sehe, wird mir nicht klar: sind diese beiden Flügel vom Feuer verbrannt, und ist dein Lebensatem noch im Leib?«‹
Wort für Wort saumya vaikalyatām dṛṣṭvā Sanfter, die Entstellung sehend romṇām te na avagamyate deiner Federn, wird mir nicht klar agnidagdhau imau pakṣau sind diese beiden Flügel vom Feuer verbrannt prāṇāḥ ca api śarīrake und ist der Lebensatem noch im Leib gṛdhrau dvau dṛṣṭapūrvau me mātariśvasamau jave |
gṛdhrāṇāṃ caiva rājānau bhrātarau kāmarūpiṇau ||
›»Zwei Geier habe ich zuvor gesehen, dem Wind gleich an Geschwindigkeit, beide Könige der Geier, Brüder, die nach Belieben ihre Gestalt wandeln können.«‹
Wort für Wort gṛdhrau dvau dṛṣṭapūrvau me zwei Geier habe ich zuvor gesehen mātariśvasamau jave dem Wind gleich an Geschwindigkeit gṛdhrāṇām caiva rājānau beide Könige der Geier bhrātarau kāmarūpiṇau Brüder, die die Gestalt wandeln können jyeṣṭho'vitā tvaṃ tu saṃpāte jaṭāyur anujas tava |
mānuṣaṃ rūpam āsthāya gṛhṇītāṃ caraṇau mama ||
›»Du, Sampāti, bist der Ältere, der Beschützer, und Jaṭāyu ist dein jüngerer Bruder; in menschlicher Gestalt pflegtet ihr beide meine Füße zu ergreifen.«‹
Wort für Wort jyeṣṭhaḥ avitā tvam tu du bist der ältere, der Beschützer saṃpāte jaṭāyuḥ anujaḥ tava Sampāti, Jaṭāyu ist dein jüngerer Bruder mānuṣam rūpam āsthāya menschliche Gestalt annehmend gṛhṇītām caraṇau mama pflegtet ihr meine Füße zu ergreifen kiṃ te vyādhisamutthānaṃ pakṣayoḥ patanaṃ katham |
daṇḍo vā ayaṃ dhṛtaḥ kena sarvam ākhyāhi pṛcchataḥ ||
›»Welche Krankheit hat dich befallen? Wie sind deine Flügel abgefallen? Oder von wem wurde diese Strafe verhängt? Erzähle mir alles, da ich frage.«‹
Wort für Wort kim te vyādhisamutthānam welche Krankheit hat dich befallen pakṣayoḥ patanam katham wie ist das Fallen der Flügel geschehen daṇḍaḥ vā ayam dhṛtaḥ kena oder wurde diese Strafe von wem verhängt sarvam ākhyāhi pṛcchataḥ erzähle alles, da ich frage
Interaktive Leseansicht des ganzen Werks
← Sarga 59 Sarga 61 →