Rāmāyaṇa · Kiṣkindhākāṇḍa
Sarga 56: Sampāti Darśanam
Die Begegnung mit dem Geier Sampāti
upaviṣṭāḥ tu te sarve yasmin prāyaṃ giristhale |
harayo gṛdhrarājaś ca taṃ deśam upacakrame ||
Während all jene Affen an jenem Bergort zum Hungertod niedersaßen, näherte sich der König der Geier jenem Ort.
Wort für Wort upaviṣṭāḥ tu te sarve während all jene niedersaßen yasmin prāyam giristhale an jenem Bergort zum Hungertod harayaḥ gṛdhrarājaḥ ca die Affen, und der König der Geier tam deśam upacakrame näherte sich jenem Ort sāṃpātir nāma nāmnā tu cirajīvī vihaṃgamaḥ |
bhrātā jaṭāyuṣaḥ śrīmān prakhyātabalapauruṣaḥ ||
Sampāti mit Namen, ein langlebiger Vogel, der glanzvolle Bruder Jaṭāyus, berühmt für seine Kraft und Tapferkeit.
Wort für Wort sāṃpātiḥ nāma nāmnā tu Sampāti mit Namen genannt cirajīvī vihaṃgamaḥ ein langlebiger Vogel bhrātā jaṭāyuṣaḥ śrīmān der glanzvolle Bruder Jaṭāyus prakhyātabalapauruṣaḥ berühmt für Kraft und Tapferkeit kaṃdarād abhiniṣkramya sa vindhyasya mahāgireḥ |
upaviṣṭān harīn dṛṣṭvā hṛṣṭātmā giram abravīt ||
Nachdem er aus einer Höhle des großen Berges Vindhya hervorgekommen war und die dort sitzenden Affen erblickt hatte, sprach er, im Herzen erfreut, zu dem Berg.
Wort für Wort kaṃdarāt abhiniṣkramya aus einer Höhle hervorkommend sa vindhyasya mahāgireḥ er, des großen Berges Vindhya upaviṣṭān harīn dṛṣṭvā die sitzenden Affen erblickend hṛṣṭātmā giram abravīt im Herzen erfreut sprach er zum Berg vidhir hi kila naraṃ loke vidhānenānuvartate |
yathāyaṃ vihito bhakṣyaś cirān mahyam upāgataḥ ||
›Das Schicksal, so heißt es, folgt dem Menschen in dieser Welt nach der Bestimmung — so wie mir diese für mich bestimmte Speise nun endlich, nach langer Zeit, zugekommen ist.‹
Wort für Wort vidhiḥ kila naram loke das Schicksal, heißt es, dem Menschen in der Welt vidhānena anuvartate folgt gemäß der Bestimmung yathā ayam vihitaḥ bhakṣyaḥ so wie diese bestimmte Speise cirāt mahyam upāgataḥ mir nach langer Zeit zugekommen ist paraṃparāṇāṃ bhakṣiṣye vānarāṇāṃ mṛtaṃ mṛtam |
uvācaitad vacaḥ pakṣī tān nirīkṣya plavaṃgamān ||
›Ich werde diese Affen nacheinander verzehren, sobald jeder gestorben ist.‹ So sprach der Vogel, die Affen betrachtend.
Wort für Wort paraṃparāṇām bhakṣiṣye nacheinander werde ich verzehren vānarāṇām mṛtam mṛtam der Affen, jeden Gestorbenen uvāca etat vacaḥ pakṣī sprach der Vogel dieses Wort tān nirīkṣya plavaṃgamān jene Affen betrachtend tasya tad vacanaṃ śrutvā bhakṣalubdhasya pakṣiṇaḥ |
aṃgadaḥ paramāyasto hanūmaṃtam atha abravīt ||
Als Aṅgada diese Worte des nach Nahrung gierigen Vogels gehört hatte, sprach er, zutiefst bekümmert, zu Hanumān:
Wort für Wort tasya tat vacanam śrutvā als er diese Worte gehört hatte bhakṣalubdhasya pakṣiṇaḥ des nach Nahrung gierigen Vogels aṃgadaḥ paramāyastaḥ Aṅgada, zutiefst bekümmert hanūmaṃtam atha abravīt sprach da zu Hanumān paśya sītāgṛdhrāpadeśena sākṣād vaivasvato yamaḥ |
imaṃ deśam anuprāpto vānarāṇāṃ vipattaye ||
›Sieh: unter dem Vorwand ›der Geier von Sītā‹ ist in Wahrheit Yama selbst, der Sohn des Vivasvat, an diesen Ort gekommen, zum Verderben der Affen.‹
Wort für Wort paśya sītāgṛdhrāpadeśena sieh, unter dem Vorwand des Sītā-Geiers sākṣāt vaivasvataḥ yamaḥ in Wahrheit Yama, der Sohn des Vivasvat imam deśam anuprāptaḥ ist an diesen Ort gekommen vānarāṇām vipattaye zum Verderben der Affen rāmasya na kṛtaṃ kāryaṃ na kṛtaṃ rājaśāśanam |
harīṇām iyam ajñātā vipattiḥ sahasāgatā ||
›Rāmas Aufgabe ist unerfüllt, der Befehl des Königs unausgeführt geblieben; und nun ist über die Affen unversehens dieses ungeahnte Verderben hereingebrochen.‹
Wort für Wort rāmasya na kṛtam kāryam Rāmas Aufgabe ist unerfüllt na kṛtam rājaśāśanam der Königsbefehl unausgeführt harīṇām iyam ajñātā dieses den Affen ungeahnte vipattiḥ sahasā āgatā Verderben ist plötzlich gekommen vaidehyāḥ priyakāmena kṛtaṃ karma jaṭāyuṣā |
gṛdhrarājena yat tatra śrutaṃ vas tad aśeṣataḥ ||
›Die Tat, die aus Liebe zu Vaidehī von Jaṭāyu, dem König der Geier, vollbracht wurde — ihr habt davon dort vollständig gehört.‹
Wort für Wort vaidehyāḥ priyakāmena aus Liebe zu Vaidehī kṛtam karma jaṭāyuṣā die von Jaṭāyu vollbrachte Tat gṛdhrarājena yat tatra die vom Geierkönig dort śrutam vaḥ tat aśeṣataḥ von euch vollständig gehört wurde tathā sarvāṇi bhūtāni tiryagyonigatāny api |
priyaṃ kurvanti rāmasya tyaktvā prāṇān yathā vayam ||
›Ebenso tun alle Wesen, selbst die im Tierschoß geborenen, was Rāma lieb ist, indem sie ihr Leben aufgeben, so wie wir.‹
Wort für Wort tathā sarvāṇi bhūtāni ebenso alle Wesen tiryagyonigatāni api selbst die im Tierschoß geborenen priyam kurvanti rāmasya tun, was Rāma lieb ist tyaktvā prāṇān yathā vayam ihr Leben aufgebend, wie wir anyonyam upakurvanti snehakāruṇyayaṃtritāḥ |
tatas tasyopakārārthaṃ tyajatātmānam ātmanā ||
›Von Liebe und Mitleid gebunden, helfen sie einander; darum gebt um seinetwillen euch selbst aus eigenem Willen hin.‹
Wort für Wort anyonyam upakurvanti sie helfen einander snehakāruṇyayaṃtritāḥ von Liebe und Mitleid gebunden tataḥ tasya upakārārtham darum um seinetwillen tyajata ātmānam ātmanā gebt euch selbst aus eigenem Willen hin priyaṃ kṛtvā hi rāmasya dharmajñena jaṭāyuṣā |
rāghavārthe pariśrāntā vayaṃ saṃtyaktajīvitāḥ ||
›Denn nachdem der rechtskundige Jaṭāyu das getan hat, was Rāma lieb war, haben auch wir, im Dienst Rāghavas erschöpft, unser Leben aufgegeben.‹
Wort für Wort priyam kṛtvā hi rāmasya nachdem er getan hat, was Rāma lieb war dharmajñena jaṭāyuṣā der rechtskundige Jaṭāyu rāghavārthe pariśrāntāḥ vayam wir, im Dienst Rāghavas erschöpft saṃtyaktajīvitāḥ unser Leben aufgegeben habend kāṃtārāṇi prapannāḥ sma na ca paśyāma maithilīm |
sa sukhī gṛdhrarājas tu rāvaṇena hato raṇe |
muktaś ca sugrīvabhayād gataś ca paramāṃ gatim ||
›Wir sind in die Wildnis geraten und haben doch die Maithilī nicht gesehen; jener Geierkönig aber war glücklich zu nennen — von Rāvaṇa im Kampf erschlagen, wurde er von der Furcht vor Sugrīva befreit und erlangte den höchsten Zustand.‹
Wort für Wort kāṃtārāṇi prapannāḥ sma wir sind in die Wildnis geraten na ca paśyāma maithilīm und haben die Maithilī nicht gesehen sa sukhī gṛdhrarājaḥ tu jener Geierkönig aber war glücklich rāvaṇena hataḥ raṇe von Rāvaṇa im Kampf erschlagen muktaḥ ca sugrīvabhayāt und befreit von der Furcht vor Sugrīva gataḥ ca paramām gatim und erlangte den höchsten Zustand jaṭāyuṣo vināśena rājño daśarathasya ca |
haraṇena ca vaidehyāḥ saṃśayaṃ harayo gatāḥ ||
›Durch den Untergang Jaṭāyus und des Königs Daśaratha, und durch die Entführung Vaidehīs, sind die Affen in Gefahr geraten.‹
Wort für Wort jaṭāyuṣaḥ vināśena durch den Untergang Jaṭāyus rājñaḥ daśarathasya ca und des Königs Daśaratha haraṇena ca vaidehyāḥ und durch die Entführung Vaidehīs saṃśayam harayaḥ gatāḥ sind die Affen in Gefahr geraten rāmalakṣmaṇayor vāsām araṇye saha sītayā |
rāghavasya ca bāṇena vālinaś ca tathā vadhaḥ ||
›(Sie sprachen von) dem Aufenthalt Rāmas und Lakṣmaṇas im Wald zusammen mit Sītā, und ebenso von der Tötung Vālins durch Rāghavas Pfeil.‹
Wort für Wort rāmalakṣmaṇayoḥ vāsām dem Aufenthalt Rāmas und Lakṣmaṇas araṇye saha sītayā im Wald zusammen mit Sītā rāghavasya ca bāṇena und durch Rāghavas Pfeil vālinaḥ ca tathā vadhaḥ und ebenso die Tötung Vālins rāmakopād aśeṣāṇāṃ rākṣasāṃ ca tathā vadham |
kaikeyyā varadānena idaṃ ca vikṛtaṃ kṛtam ||
›Und die Tötung sämtlicher Rākṣasas durch Rāmas Zorn, und dieses Unheil, das durch die Gewährung des Segens an Kaikeyī entstanden ist.‹
Wort für Wort rāmakopāt aśeṣāṇām durch Rāmas Zorn über sämtliche rākṣasām ca tathā vadham und ebenso die Tötung der Rākṣasas kaikeyyā varadānena durch die Gewährung des Segens an Kaikeyī idam ca vikṛtam kṛtam und dieses Unheil, das entstand tad asukham anukīrtitaṃ vaco bhuvi patitāṃś ca nirīkṣya vānarān |
bhṛśacakitamatir mahāmatiḥ kṛpaṇam udāhṛtavān sa gṛdhrarājaḥ ||
Nachdem er diese unselige Kunde vernommen und die zu Boden gesunkenen Affen erblickt hatte, sprach jener großgesinnte Geierkönig, tief bestürzt, ein klägliches Wort.
Wort für Wort tat asukham anukīrtitam vacaḥ diese unselige, vernommene Kunde bhuvi patitān ca nirīkṣya vānarān und die zu Boden gesunkenen Affen erblickend bhṛśacakitamatiḥ mahāmatiḥ tief bestürzt, der großgesinnte kṛpaṇam udāhṛtavān sa gṛdhrarājaḥ sprach jener Geierkönig ein klägliches Wort tat tu śrutvā tadā vākyam aṃgadasya mukhodgatam |
abravīd vacanaṃ gṛdhras tīkṣṇatuṇḍo mahāsvanaḥ ||
Nachdem er jene Worte gehört hatte, die aus Aṅgadas Mund gekommen waren, sprach der scharfschnäbelige, lautstimmige Geier dieses Wort.
Wort für Wort tat tu śrutvā tadā vākyam als er dann jene Worte gehört hatte aṃgadasya mukhodgatam aus Aṅgadas Mund hervorgekommen abravīt vacanam gṛdhraḥ sprach der Geier das Wort tīkṣṇatuṇḍaḥ mahāsvanaḥ scharfschnäbelig, lautstimmig ko'yaṃ girā ghoṣayati prāṇaiḥ priyatarasya me |
jaṭāyuṣo vadhaṃ bhrātuḥ kaṃpayann iva me manaḥ ||
›Wer ist es, der mit lauter Stimme den Tod Jaṭāyus verkündet, meines Bruders, der mir lieber ist als das eigene Leben, und so gleichsam meinen Geist erschüttert?‹
Wort für Wort kaḥ ayam girā ghoṣayati wer ist es, der mit Stimme verkündet prāṇaiḥ priyatarasya me meines Bruders, der mir lieber als das Leben ist jaṭāyuṣaḥ vadham bhrātuḥ den Tod des Bruders Jaṭāyu kaṃpayan iva me manaḥ gleichsam meinen Geist erschütternd kathaṃ āsīj janasthāne yuddhaṃ rākṣasagṛdhrayoḥ |
nāmadheyam idaṃ bhrātuś cirasyādya mayā śrutam ||
›Wie kam es in Janasthāna zu dem Kampf zwischen dem Rākṣasa und dem Geier? Diesen Namen meines Bruders habe ich heute, nach so langer Zeit, gehört.‹
Wort für Wort katham āsīt janasthāne wie war es in Janasthāna yuddham rākṣasagṛdhrayoḥ der Kampf zwischen Rākṣasa und Geier nāmadheyam idam bhrātuḥ diesen Namen des Bruders cirasya adya mayā śrutam habe ich heute, nach langer Zeit, gehört iccheyaṃ giridurgāc ca bhavadbhir avatāritum |
yavīyaso guṇajñasya ślāghanīyasya vikramaiḥ ||
›Ich wünschte, von euch aus dieser Bergfeste heruntergebracht zu werden, um mehr von meinem jüngeren Bruder zu hören, dem Kenner der rechten Werte, der wegen seiner Tapferkeit zu preisen ist.‹
Wort für Wort iccheyam giridurgāt ca ich wünschte von der Bergfeste bhavadbhiḥ avatāritum von euch heruntergebracht zu werden yavīyasaḥ guṇajñasya des jüngeren, des Kenners der Werte ślāghanīyasya vikramaiḥ des wegen seiner Tapferkeit zu preisenden atidīrghasya kālasya parituṣṭo'smi kīrtanāt |
tad iccheyam ahaṃ śrotuṃ vināśaṃ vānararṣabhāḥ ||
›Nach so überaus langer Zeit bin ich schon durch die bloße Erwähnung erfreut; darum möchte ich, ihr Stiere unter den Affen, von seinem Untergang hören.‹
Wort für Wort atidīrghasya kālasya nach so überaus langer Zeit parituṣṭaḥ asmi kīrtanāt bin ich durch die Erwähnung erfreut tat iccheyam aham śrotum darum möchte ich hören vināśam vānararṣabhāḥ vom Untergang, ihr Stiere unter den Affen bhrātur jaṭāyuṣas tasya janasthānanivāsinaḥ |
tasyaiva ca mama bhrātuḥ sakhā daśarathaḥ katham ||
›Von meinem Bruder Jaṭāyu, der in Janasthāna wohnte; und wie erging es Daśaratha, dem Freund eben dieses meines Bruders?‹
Wort für Wort bhrātuḥ jaṭāyuṣaḥ tasya von jenem meinem Bruder Jaṭāyu janasthānanivāsinaḥ der in Janasthāna wohnte tasya eva ca mama bhrātuḥ und eben dieses meines Bruders sakhā daśarathaḥ katham der Freund Daśaratha, wie erging es ihm yasya rāmaḥ priyaḥ putro jyeṣṭho gurujanapriyaḥ |
sūryāṃśudagdhapakṣatvān na śaknomi visarpitum |
iccheyaṃ parvatād asmād avatartum ariṃdamāḥ ||
›...(Daśaratha), dessen lieber Sohn Rāma war, der Älteste, den Ältesten teuer. Da meine Flügel von den Sonnenstrahlen verbrannt sind, kann ich nicht fliegen; ich wünschte, ihr Bezwinger der Feinde, von diesem Berg heruntergebracht zu werden.‹
Wort für Wort yasya rāmaḥ priyaḥ putraḥ dessen lieber Sohn Rāma war jyeṣṭhaḥ gurujanapriyaḥ der Älteste, den Ältesten teuer sūryāṃśudagdhapakṣatvāt da meine Flügel von den Sonnenstrahlen verbrannt sind na śaknomi visarpitum kann ich nicht fliegen iccheyam parvatāt asmāt ich wünschte von diesem Berg avatartum ariṃdamāḥ heruntergebracht zu werden, ihr Bezwinger der Feinde
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