sa bhūmau nyasta sarvāṃgaḥ tapta kāṃcana bhūṣaṇaḥ |
apatat deva rājasya mukta raśmir iva dhvajaḥ || 4-17-2
Er, dessen sämtliche Glieder auf die Erde hingestreckt wurden, mit Schmuck aus geglühtem Gold, fiel wie die Standarte des Götterkönigs, deren Halteseil gelöst wurde.
Wort für Wort
sa bhūmau nyasta sarvāṃgaḥ
er, dessen sämtliche Glieder auf die Erde gelegt wurden
śakra dattā varā mālā kāncanī ratna bhūṣitā |
dadhāra hari mukhyasya prāṇān tejaḥ śriyam ca sā || 4-17-5
Die von Indra geschenkte, vortreffliche goldene, mit Edelsteinen geschmückte Girlande erhielt dem Ersten der Affen sein Leben, seinen Glanz und seine Schönheit.
tasya mālā ca dehaḥ ca marmaghātī ca yaḥ śaraḥ |
tridhā iva racitā lakṣmīḥ patitasya api śobhate || 4-17-7
Seine Girlande und sein Leib und der Pfeil, der seine lebenswichtige Stelle traf — diese dreifache, gleichsam kunstvoll gestaltete Schönheit erstrahlte selbst an dem Gefallenen.
tam tathā patitam saṃkhye gata arciṣam iva analam |
yayātim iva puṇyānte deva lokāt paricyutam || 4-17-9
Ihn, der so im Kampf gefallen war, wie ein Feuer, dessen Flamme erloschen ist, wie Yayāti, als sein Verdienst erschöpft war und er aus der Götterwelt herabgestürzt wurde,
Er, am Boden liegend, an Glanz und Lebenskraft geschwächt, getroffen, fast bewusstlos, sprach mit sinnvoller Rede zu dem im Kampf Stolzen, dem einst so Stolzen:
Wort für Wort
sa bhūmau alpatejosuḥ
er, am Boden, mit geschwächtem Glanz und Lebenskraft
'Du bist der berühmte Sohn eines Herrschers der Menschen, lieblich anzusehen — welchen Verdienst hast du dir erworben, indem du einen von dir Abgewandten getötet hast, während ich, im Kampf mit einem anderen ganz vertieft, durch dich den Tod fand?'
Wort für Wort
tvam narādhipateḥ putraḥ
du bist der Sohn eines Herrschers der Menschen
prathitaḥ priya darśanaḥ
berühmt, lieblich anzusehen
parāṅmukha vadham kṛtvā ko atra prāptaḥ tvayā guṇaḥ
welchen Verdienst hast du erlangt, einen Abgewandten tötend
'Selbstbeherrschung, Gleichmut, Geduld, Rechtschaffenheit, Standhaftigkeit, Wahrhaftigkeit und Tapferkeit sowie Bestrafung von Übeltätern — das, o König, sind die Tugenden der Könige.'
tān guṇān saṃprādhārya aham agryam ca abhijanam tava |
tārayā pratiṣiddho api sugrīveṇa samāgataḥ || 4-17-20
'In der Überzeugung, dass du diese Tugenden besitzt, und in Anbetracht deiner erhabenen Abstammung, trat ich, obwohl Tārā mich davon abhielt, mit Sugrīva ins Bündnis.'
na mām anyena saṃrabdham pramattam veddhum arhasi |
iti me buddhir utpannā babhūva adarśane tava || 4-17-21
'Du solltest mich nicht töten, während ich mit einem anderen im Kampfeifer, unachtsam bin' — so entstand in mir der Gedanke, weil ich dich bisher nicht gesehen hatte.'
'Ich habe nicht erkannt, dass du, obwohl dein wahres Wesen verdorben ist, eine Fahne des Dharma vorschützend in Wahrheit unrecht handelst, ein Übeltäter, verdeckt wie ein mit Gras überwachsener Brunnen.'
Wort für Wort
na tvām vinihata ātmānam
ich habe dich nicht als (im Innern) verdorben erkannt
'Ich habe dich nicht erkannt als einen, der das Gewand der Rechtschaffenen trägt, während er böse ist, wie ein verborgenes Feuer, verhüllt unter dem Schein des Dharma.'
viṣaye vā pure vā te yadā pāpam karomi aham |
na ca tvām avajāne ahaṃ kasmāt tvam haṃsi akilbiṣam || 4-17-24
'Wann habe ich in deinem Reich oder deiner Stadt ein Unrecht begangen? Und ich habe dich nie missachtet — weshalb also tötest du mich, den Schuldlosen?'
phala mūla aśanam nityam vānaram vana gocaram |
mām iha apratiyudhyantam anyena ca samāgatam || 4-17-25
'mich, der ich stets von Wurzeln und Früchten lebe, einen Affen, der im Wald umherstreift, der ich hier nicht gegen dich kämpfte, sondern mit einem anderen im Kampf war,'
tvam narādhipateḥ putraḥ pratītaḥ priyadarśanaḥ |
lingam api asti te rājan dṛśyate dharma samhitam || 4-17-26
'Du bist der angesehene Sohn eines Herrschers der Menschen, lieblich anzusehen; auch trägst du, o König, die äußeren Zeichen, die auf Rechtschaffenheit hinweisen.'
'Welcher im Geschlecht der Kṣatriyas Geborene, gelehrt und frei von Zweifeln, würde, unter dem äußeren Zeichen der Rechtschaffenheit verborgen, eine grausame Tat begehen?'
'Rāma, du bist im Geschlecht der Rāghavas geboren und wirst als rechtschaffen gepriesen — warum läufst du, unheilvoll unter heilvoller Gestalt verborgen, so umher?'
sāma dānam kṣamā dharmaḥ satyam dhṛti parākramau |
pārthivānām guṇā rājan daṇḍaḥ ca api apakāriṣu || 4-17-29
'Versöhnlichkeit, Freigebigkeit, Geduld, Rechtschaffenheit, Wahrheit, Standhaftigkeit und Tapferkeit — das, o König, sind die Tugenden der Könige, sowie Bestrafung der Übeltäter.'
'Wir, o Rāma, sind Waldbewohner, Tiere, die sich von Wurzeln und Früchten ernähren — dies ist unsere natürliche Beschaffenheit; du aber bist ein Mensch, ein Herrscher der Menschen.'
na te asti apacitiḥ dharme na arthe buddhir avasthitā |
indriyaiḥ kāma vṛttaḥ san kṛṣyase manujeśvara || 4-17-34
'Du hast keine Ehrfurcht vor dem Dharma, dein Verstand ist nicht auf den rechten Nutzen gerichtet; von deinen Sinnen und deiner Begierde beherrscht, wirst du fortgerissen, o Herrscher der Menschen.'
'Was wirst du, o Kākutstha, inmitten der Rechtschaffenen sagen, nachdem du mich, den Schuldlosen, hier mit einem Pfeil getötet und eine verabscheuungswürdige Tat begangen hast?'
Wort für Wort
hatvā bāṇena kākutstha
mit einem Pfeil getötet, o Kākutstha
mām iha anaparādhinam
mich hier, den Schuldlosen
kim vakṣyasi satām madhye
was wirst du inmitten der Rechtschaffenen sagen
karma kṛtvā jugupsitam
nachdem du eine verabscheuungswürdige Tat begangen hast
'Ein Königsmörder, ein Brahmanenmörder, ein Kuhtöter, ein Dieb, wer sich am Töten von Lebewesen erfreut, ein Gottesleugner und wer vor dem älteren Bruder heiratet — sie alle gehen in die Hölle;'
adhāryam carma me sadbhī romāṇi asthi ca varjitam |
abhakṣyāṇi ca māṃsāni tvat vidhaiḥ dharmacāribhiḥ || 4-17-38
'Mein Fell darf von den Rechtschaffenen nicht getragen werden, meine Haare und Knochen sind ausgeschlossen, und mein Fleisch darf von Menschen deiner Art, die den Dharma pflegen, nicht gegessen werden —'
Wort für Wort
adhāryam carma me sadbhī
mein Fell darf von den Rechtschaffenen nicht getragen werden
'nur fünf Krallentiere sind für Brahmanen und Kṣatriyas als Speise erlaubt, o Rāghava: das Stachelschwein, der Igel, die Waran-Eidechse, der Hase und als fünftes die Schildkröte.'
carma ca asthi ca me rājan na spṛśanti manīṣiṇaḥ |
abhakṣyāni ca māṃsāni so aham paṃca nakho hataḥ || 4-17-40
'Weder mein Fell noch meine Knochen berühren die Weisen, o König, und mein Fleisch ist ungenießbar; und dennoch bin ich, obwohl ein Fünf-Krallen-Tier, das nicht dazugehört, getötet worden.'
tārayā vākyam ukto aham satyam sarvajñayā hitam |
tad atikramya mohena kālasya vaśam āgataḥ || 4-17-41
'Ich wurde von Tārā, die alles weiß, mit einem wahren, heilsamen Wort angesprochen; doch ich überschritt es aus Verblendung und geriet in die Gewalt der Zeit.'
tvayā nāthena kākutstha na sanāthā vasuṃdharā |
pramadā śīla saṃpūrṇā pati eva ca vidharmiṇā || 4-17-42
'Mit dir als Herrn, o Kākutstha, ist die Erde nicht wahrhaft beschützt — wie eine tugendhafte Frau nicht wahrhaft beschützt ist, wenn ihr Gatte selbst rechtlos ist.'
'Wie konntest du, ein Betrüger, Ränkeschmied, Niederträchtiger, dessen Herz scheinbar demütig, doch verlogen ist, ein solcher Übeltäter, von dem hochgesinnten Daśaratha geboren werden?'
Wort für Wort
śaṭho naikṛtikaḥ kṣudro
Betrüger, Ränkeschmied, Niederträchtiger
mithyā praśrita mānasaḥ
dessen Herz falsch demütig ist
katham daśarathena tvam
wie konntest du von Daśaratha
jātaḥ pāpo mahātmanā
als Übeltäter geboren werden, von dem Hochgesinnten
'Von dir, dessen sittlicher Zaum zerrissen ist, der die Rechtschaffenheit der Guten überschreitet, von dir, dem Elefanten Rāma, der den Zügel des Dharma abgeworfen hat, wurde ich getötet.'
aśubham ca api ayuktam ca satām ca eva vigarhitam |
vakṣyase ca īdṛśam kṛtvā sadbhiḥ saha samāgataḥ || 4-17-45
'Ein solches unheilvolles, unrechtes und von den Guten verurteiltes Werk hast du vollbracht — was wirst du sagen, wenn du wieder mit Rechtschaffenen zusammentriffst?'
udāsīneṣu yo asmāsu vikramo ayam prakāśitaḥ |
apakāriṣu te rāma na evam paśyāmi vikramam || 4-17-46
'Diese Tapferkeit, die du an mir gezeigt hast, obwohl ich dir gegenüber gleichgültig war — eine solche Tapferkeit gegenüber deinen wahren Übeltätern sehe ich, Rāma, bei dir nicht.'
sugrīva priya kāmena yad aham nihataḥ tvayā |
mām eva yadi pūrvam tvam etad artham acodayaḥ |
maithilim aham eka āhnā tava ca ānītavān bhaveḥ || 4-17-49
'Dass du mich getötet hast, um Sugrīva einen Gefallen zu tun — hättest du dich zuvor an mich, an eben mich, mit diesem Anliegen gewandt, so hätte ich dir binnen eines einzigen Tages Maithilī zurückgebracht.'
Wort für Wort
sugrīva priya kāmena
aus dem Verlangen, Sugrīva einen Gefallen zu tun
yad aham nihataḥ tvayā
dass ich von dir getötet wurde
mām eva yadi pūrvam tvam etad artham acodayaḥ
hättest du zuvor eben mich mit diesem Anliegen angesprochen
maithilim aham eka āhnā tava ca ānītavān bhaveḥ
hätte ich dir Maithilī binnen eines Tages zurückgebracht
rākṣasam ca durātmānām tava bhārya apahāriṇam |
kaṇṭhe baddhvā pradadyām te anihatam rāvaṇam raṇe || 4-17-50
'Und den Rākṣasa mit dem bösen Herzen, den Räuber deiner Gattin, hätte ich, ihn am Hals gefesselt, dir übergeben — Rāvaṇa, ohne dass er im Kampf getötet werden müsste.'
'Selbst wenn Maithilī in den Fluten des Ozeans oder in der Unterwelt verborgen wäre, hätte ich sie auf deinen Befehl herbeigebracht, wie eine weiße Maultierstute.'
'Es wäre angemessen gewesen, dass Sugrīva das Königtum erlangt, nachdem ich in den Himmel eingegangen wäre; unangemessen aber ist es, dass ich durch dich mit Unrecht im Kampf getötet wurde.'
So gesprochen habend, mit ausgetrocknetem Mund, von dem Pfeilschlag gepeinigt, verstummte der hochgesinnte Sohn des Affenkönigs, während er Rāma, der der Sonne glich, betrachtete.