Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Kiṣkindhākāṇḍa

Sarga 3: Hanumat Rāma Saṃvādaḥ Hanumāns Begegnung mit Rāma

vaco vijñāya hanumān sugrīvasya mahātmanaḥ | parvatāt ṛṣyamūkāt tu pupluve yatra rāghavau || 4-3-1

Nachdem Hanumān das Wort des hochherzigen Sugrīva verstanden hatte, sprang er vom Berg Ṛṣyamūka dorthin, wo die beiden Rāghavas waren.

Wort für Wort
vaco vijñāya hanumān
nachdem Hanumān das Wort verstanden hatte
sugrīvasya mahātmanaḥ
des hochherzigen Sugrīva
parvatāt ṛṣyamūkāt tu
vom Berg Ṛṣyamūka aus
pupluve yatra rāghavau
sprang er dorthin, wo die Rāghavas waren

kapi rūpam parityajya hanumān mārutātmajaḥ | bhikṣu rūpam tato bheje śaṭhabuddhitayā kapiḥ || 4-3-2

Nachdem er seine Affengestalt abgelegt hatte, nahm Hanumān, der Sohn des Windgottes, aus listiger Klugheit die Gestalt eines Bettelmönchs an.

Wort für Wort
kapi rūpam parityajya
seine Affengestalt ablegend
hanumān mārutātmajaḥ
Hanumān, der Sohn des Windgottes
bhikṣu rūpam tato bheje
nahm dann die Gestalt eines Bettelmönchs an
śaṭhabuddhitayā kapiḥ
aus listiger Klugheit, der Affe

tataḥ ca hanumān vācā ślakṣṇayā sumanojñayā | vinītavat upāgamya rāghavau praṇipatya ca || 4-3-3

Da näherte sich Hanumān mit sanfter, überaus wohlklingender Stimme, wie ein wohlerzogener Diener, trat zu den beiden Rāghavas und verneigte sich.

Wort für Wort
tataḥ ca hanumān vācā
da Hanumān, mit einer Stimme
ślakṣṇayā sumanojñayā
sanft und überaus wohlklingend
vinītavat upāgamya
wie ein Ergebener sich nähernd
rāghavau praṇipatya ca
und sich vor den Rāghavas verneigend

ababhāṣe ca tau vīrau yathāvat praśaśaṃsa ca | saṃpūjya vidhivad vīrau hanumān vānarottamaḥ || 4-3-4

Er sprach zu den beiden Helden, wie es sich gebührte, und lobte sie; Hanumān, der Beste der Affen, ehrte die beiden Helden nach der Vorschrift.

Wort für Wort
ababhāṣe ca tau vīrau
er sprach zu den beiden Helden
yathāvat praśaśaṃsa ca
wie es sich gebührte, und lobte
saṃpūjya vidhivad vīrau
die beiden Helden nach der Vorschrift ehrend
hanumān vānarottamaḥ
Hanumān, der Beste der Affen

uvāca kāmato vākyam mṛdu satya parākramau | rājarṣi deva pratimau tāpasau saṃśita vratau || 4-3-5

Er sprach nach Belieben ein sanftes Wort: 'Ihr beiden, wahrhaft tapfer, königlichen Sehern und Göttern gleich, Büßer von fest gehaltenem Gelübde -

Wort für Wort
uvāca kāmato vākyam mṛdu
er sprach nach Belieben ein sanftes Wort
satya parākramau
ihr beiden, wahrhaft tapfer
rājarṣi deva pratimau
königlichen Sehern und Göttern gleich
tāpasau saṃśita vratau
Büßer mit fest gehaltenem Gelübde

deśam katham imam prāptau bhavantau vara varṇinau | trāsayantau mṛga gaṇān anyām ca vana cāriṇaḥ || 4-3-6

wie seid ihr, von so trefflichem Aussehen, an diesen Ort gelangt, indem ihr die Scharen des Wildes und andere Waldbewohner erschreckt?

Wort für Wort
deśam katham imam prāptau
wie seid ihr an diesen Ort gelangt
bhavantau vara varṇinau
ihr beiden, von trefflichem Aussehen
trāsayantau mṛga gaṇān
erschreckend die Scharen des Wildes
anyām ca vana cāriṇaḥ
und andere Waldbewohner

pampā tīra ruhān vṛkṣān vīkṣamāṇau samaṃtataḥ | imām nadīm śubha jalām śobhayantau tarasvinau || 4-3-7

Ihr betrachtet die am Ufer der Pampā wachsenden Bäume ringsum und zieret, ihr Kraftvollen, diesen Fluss mit dem schönen Wasser.

Wort für Wort
pampā tīra ruhān vṛkṣān
die am Ufer der Pampā wachsenden Bäume
vīkṣamāṇau samaṃtataḥ
betrachtend ringsum
imām nadīm śubha jalām
diesen Fluss mit dem schönen Wasser
śobhayantau tarasvinau
zieret ihr, die Kraftvollen

dhairyavantau suvarṇābhau kau yuvām cīra vāsasau | niḥśvasantau vara bhujau pīḍayantau imāḥ prajāḥ || 4-3-8

Standhaft, von goldenem Glanz, in Rindengewänder gekleidet - wer seid ihr beide, mit euren trefflichen Armen seufzend und diese Geschöpfe bedrängend?

Wort für Wort
dhairyavantau suvarṇābhau
standhaft, von goldenem Glanz
kau yuvām cīra vāsasau
wer seid ihr beide, in Rindengewänder gekleidet
niḥśvasantau vara bhujau
mit euren trefflichen Armen seufzend
pīḍayantau imāḥ prajāḥ
diese Geschöpfe bedrängend

siṃha viprekṣitau vīrau mahābala parākramau | śakra cāpa nibhe cāpe gṛhītvā śatru nāśanau || 4-3-9

Mit dem Blick eines Löwen, ihr Helden, von großer Kraft und Tapferkeit, Bogen wie Śakras Regenbogen haltend, Vernichter der Feinde -

Wort für Wort
siṃha viprekṣitau vīrau
mit dem Blick eines Löwen, ihr Helden
mahābala parākramau
von großer Kraft und Tapferkeit
śakra cāpa nibhe cāpe
Bögen, Śakras Regenbogen gleich
gṛhītvā śatru nāśanau
haltend, Vernichter der Feinde

śrīmantau rūpa saṃpannau vṛṣabha śreṣṭha vikramau | hasti hasta upama bhujau dyutimantau nararṣabhau || 4-3-10

Glanzvoll, von vollendeter Gestalt, an Kraft dem besten der Stiere gleich, mit Armen wie Elefantenrüssel, strahlend, ihr Stiere unter den Männern -

Wort für Wort
śrīmantau rūpa saṃpannau
glanzvoll, von vollendeter Gestalt
vṛṣabha śreṣṭha vikramau
an Kraft dem besten der Stiere gleich
hasti hasta upama bhujau
mit Armen wie Elefantenrüssel
dyutimantau nararṣabhau
strahlend, ihr Stiere unter den Männern

prabhayā parvata indraḥ asau yuvayoḥ avabhāsitaḥ | rājya arhau amara prakhyau katham deśam iha āgatau || 4-3-11

Von eurem Glanz wird dieser Herrscherberg erleuchtet - ihr, der Herrschaft würdig, den Unsterblichen gleich, wie seid ihr an diesen Ort gekommen?

Wort für Wort
prabhayā parvata indraḥ asau
durch euren Glanz dieser Herrscherberg
yuvayoḥ avabhāsitaḥ
von euch beiden erleuchtet
rājya arhau amara prakhyau
der Herrschaft würdig, den Unsterblichen gleich
katham deśam iha āgatau
wie seid ihr an diesen Ort gekommen

padma patra īkṣaṇau vīrau jaṭā maṇḍala dhāriṇau | anyonya sadṛśau vīrau deva lokāt iha āgatau || 4-3-12

Mit Augen wie Lotosblätter, ihr Helden, mit Kränzen verfilzten Haares, einander gleichend - seid ihr Helden aus der Götterwelt hierher gekommen?

Wort für Wort
padma patra īkṣaṇau vīrau
mit Augen wie Lotosblätter, ihr Helden
jaṭā maṇḍala dhāriṇau
mit Kränzen verfilzten Haares
anyonya sadṛśau vīrau
einander gleichend, ihr Helden
deva lokāt iha āgatau
aus der Götterwelt hierher gekommen

yadṛcchayeva saṃprāptau candra sūryau vasuṃdharām | viśāla vakṣasau vīrau mānuṣau deva rūpiṇau || 4-3-13

Wie zufällig auf die Erde herabgekommen, Mond und Sonne gleich, breitbrüstig, ihr Helden - seid ihr Menschen von göttlicher Gestalt?

Wort für Wort
yadṛcchayeva saṃprāptau
wie zufällig herabgekommen
candra sūryau vasuṃdharām
Mond und Sonne, auf die Erde
viśāla vakṣasau vīrau
breitbrüstig, ihr Helden
mānuṣau deva rūpiṇau
Menschen von göttlicher Gestalt

siṃha skandhau mahā utsāhau samadau iva govṛṣau | āyatāḥ ca suvṛttāḥ ca bāhavaḥ parighopamāḥ || 4-3-14

Mit Schultern wie ein Löwe, von großem Eifer, wie zwei brünstige Stiere - lang und wohlgerundet sind eure Arme, gleich Türriegeln.

Wort für Wort
siṃha skandhau mahā utsāhau
mit Löwenschultern, von großem Eifer
samadau iva govṛṣau
wie zwei brünstige Stiere
āyatāḥ ca suvṛttāḥ ca
lang und wohlgerundet
bāhavaḥ parighopamāḥ
die Arme, gleich Türriegeln

sarva bhūṣaṇa bhūṣārhāḥ kim artham na vibhūṣitāḥ | ubhau yogyau aham manye rakṣitum pṛthivīm imām || 4-3-15

Würdig jeglichen Schmuckes - warum seid ihr dann nicht geschmückt? Ich halte euch beide für geeignet, diese Erde zu beschützen,

Wort für Wort
sarva bhūṣaṇa bhūṣārhāḥ
würdig jeglichen Schmuckes
kim artham na vibhūṣitāḥ
warum seid ihr nicht geschmückt
ubhau yogyau aham manye
ich halte euch beide für geeignet
rakṣitum pṛthivīm imām
diese Erde zu beschützen

sa sāgara vanām kṛtsnām vindhya meru vibhūṣitām | ime ca dhanuṣī citre ślakṣṇe citra anulepane || 4-3-16

die ganze, von den Meeren umgürtete, von Vindhya und Meru geschmückte; und diese beiden bunten, glatten, mit bunten Salben bestrichenen Bögen -

Wort für Wort
sa sāgara vanām kṛtsnām
die ganze, von den Meeren umgürtete
vindhya meru vibhūṣitām
von Vindhya und Meru geschmückte
ime ca dhanuṣī citre
und diese beiden bunten Bögen
ślakṣṇe citra anulepane
glatt, mit bunten Salben bestrichen

prakāśete yathā indrasya vajre hema vibhūṣite | saṃpūrṇāḥ ca śitaiḥ bāṇaiḥ tūṇāḥ ca śubha darśanāḥ || 4-3-17

erstrahlen wie Indras mit Gold geschmückter Donnerkeil; und eure Köcher, voll von scharfen Pfeilen, sind schön anzusehen,

Wort für Wort
prakāśete yathā indrasya
erstrahlen wie Indras
vajre hema vibhūṣite
Donnerkeil, mit Gold geschmückt
saṃpūrṇāḥ ca śitaiḥ bāṇaiḥ
und voll von scharfen Pfeilen
tūṇāḥ ca śubha darśanāḥ
und die Köcher schön anzusehen

jīvita antakaraiḥ ghoraiḥ jvaladbhiḥ iva pannagaiḥ | mahā pramāṇau vipulau tapta hāṭaka bhūṣaṇau || 4-3-18

mit ihren furchtbaren, lebensbeendenden Pfeilen, wie lodernden Schlangen; von gewaltigem Maß, groß, mit geschmolzenem Gold geschmückt -

Wort für Wort
jīvita antakaraiḥ ghoraiḥ
mit den furchtbaren, lebensbeendenden
jvaladbhiḥ iva pannagaiḥ
wie lodernden Schlangen
mahā pramāṇau vipulau
von gewaltigem Maß, groß
tapta hāṭaka bhūṣaṇau
mit geschmolzenem Gold geschmückt

khaḍgau etau virājete nirmukta bhujagau iva | evam mām paribhāṣantam kasmād vai na abhi bhāṣataḥ || 4-3-19

diese beiden Schwerter erglänzen wie sich häutende Schlangen. Warum antwortet ihr mir nicht, obwohl ich so zu euch spreche?'

Wort für Wort
khaḍgau etau virājete
diese beiden Schwerter erglänzen
nirmukta bhujagau iva
wie sich häutende Schlangen
evam mām paribhāṣantam
mir, der ich so spreche
kasmād vai na abhi bhāṣataḥ
warum antwortet ihr nicht

sugrīvo nāma dharmātmā kaścit vānara puṃgavaḥ | vīro vinikṛto bhrātrā jagat bhramati duḥkhitaḥ || 4-3-20

'Es gibt einen gewissen hochherzigen Stier unter den Affen namens Sugrīva, einen Helden, der von seinem Bruder betrogen wurde und, leidgeplagt, durch die Welt irrt.

Wort für Wort
sugrīvo nāma dharmātmā
namens Sugrīva, der Hochherzige
kaścit vānara puṃgavaḥ
ein gewisser Stier unter den Affen
vīro vinikṛto bhrātrā
ein Held, von seinem Bruder betrogen
jagat bhramati duḥkhitaḥ
irrt leidgeplagt durch die Welt

prāptaḥ aham preṣitaḥ tena sugrīveṇa mahātmanā | rājñā vānara mukhyānām hanumān nāma vānaraḥ || 4-3-21

Ich bin gekommen, entsandt von jenem hochherzigen Sugrīva, dem König der führenden Affen; ich bin ein Affe namens Hanumān.

Wort für Wort
prāptaḥ aham preṣitaḥ tena
gekommen bin ich, entsandt von jenem
sugrīveṇa mahātmanā
von dem hochherzigen Sugrīva
rājñā vānara mukhyānām
dem König der führenden Affen
hanumān nāma vānaraḥ
ein Affe namens Hanumān

yuvābhyām sa hi dharmātmā sugrīvaḥ sakhyam icchati | tasya mām sacivam vittam vānaram pavanātmajam || 4-3-22

Jener hochherzige Sugrīva wünscht sich Freundschaft mit euch beiden; erkennt mich als seinen Ratgeber, den Affen, den Sohn des Windgottes,

Wort für Wort
yuvābhyām sa hi dharmātmā
mit euch beiden, jener Hochherzige
sugrīvaḥ sakhyam icchati
Sugrīva wünscht Freundschaft
tasya mām sacivam vittam
erkennt mich als seinen Ratgeber
vānaram pavanātmajam
den Affen, den Sohn des Windgottes

bhikṣu rūpa prati cchannam sugrīva priya kāraṇāt | ṛśyamūkāt iha prāptam kāmagam kāmacāriṇam || 4-3-23

der, um Sugrīva zu gefallen, die Gestalt eines Bettelmönchs angenommen hat, vom Ṛṣyamūka hierher gekommen, der nach Belieben geht und nach Belieben wandelt.

Wort für Wort
bhikṣu rūpa prati cchannam
in der Gestalt eines Bettelmönchs verborgen
sugrīva priya kāraṇāt
um Sugrīva zu gefallen
ṛśyamūkāt iha prāptam
vom Ṛṣyamūka hierher gekommen
kāmagam kāmacāriṇam
der nach Belieben geht und wandelt

evam uktvā tu hanumām tau vīrau rāma lakṣmaṇau | vākyajño vākya kuśalaḥ punaḥ na uvāca kiṃcana || 4-3-24

Nachdem er dies gesagt hatte, sprach Hanumān, der Redekundige, der Kundige der rechten Rede, zu den beiden Helden Rāma und Lakṣmaṇa nichts weiter.

Wort für Wort
evam uktvā tu hanumām
nachdem Hanumān dies gesagt hatte
tau vīrau rāma lakṣmaṇau
zu den beiden Helden Rāma und Lakṣmaṇa
vākyajño vākya kuśalaḥ
der Redekundige, kundig der rechten Rede
punaḥ na uvāca kiṃcana
sprach er nicht weiter etwas

etat śrutvā vacaḥ tasya rāmo lakṣmaṇam abravīt | prahṛṣṭa vadanaḥ śrīmān bhrātaram pārśvataḥ sthitam || 4-3-25

Als er dieses Wort gehört hatte, sprach der glanzvolle Rāma, mit erfreutem Antlitz, zu seinem an seiner Seite stehenden Bruder Lakṣmaṇa.

Wort für Wort
etat śrutvā vacaḥ tasya
als er dieses sein Wort gehört hatte
rāmo lakṣmaṇam abravīt
sprach Rāma zu Lakṣmaṇa
prahṛṣṭa vadanaḥ śrīmān
mit erfreutem Antlitz, der Glanzvolle
bhrātaram pārśvataḥ sthitam
zu seinem an der Seite stehenden Bruder

sacivo ayam kapīndrasya sugrīvasya mahātmanaḥ | tam eva kāṅkṣamāṇasya mama antikam iha āgataḥ || 4-3-26

'Dies ist der Ratgeber des Affenfürsten, des hochherzigen Sugrīva; um dessentwillen ich mich sehne, ist er hier zu mir gekommen.

Wort für Wort
sacivo ayam kapīndrasya
dies ist der Ratgeber des Affenfürsten
sugrīvasya mahātmanaḥ
des hochherzigen Sugrīva
tam eva kāṅkṣamāṇasya
um eben ihn, nach dem ich mich sehne
mama antikam iha āgataḥ
ist er hierher zu mir gekommen

tam abhyabhāṣa saumitre sugrīva sacivam kapim | vākyajñam madhuraiḥ vākyaiḥ sneha yuktam arindama || 4-3-27

Sprich zu ihm, o Sohn der Sumitrā, dem redekundigen Affen, dem Ratgeber Sugrīvas, mit süßen, liebevollen Worten, o Bezwinger der Feinde.

Wort für Wort
tam abhyabhāṣa saumitre
sprich zu ihm, o Sohn der Sumitrā
sugrīva sacivam kapim
dem Ratgeber Sugrīvas, dem Affen
vākyajñam madhuraiḥ vākyaiḥ
dem Redekundigen mit süßen Worten
sneha yuktam arindama
liebevoll, o Bezwinger der Feinde

na an ṛgveda vinītasya na a-yajurveda dhāriṇaḥ | na a-sāma veda viduṣaḥ śakyam evam vibhāṣitum || 4-3-28

Wer nicht im Ṛgveda geschult ist, wer den Yajurveda nicht in sich trägt, wer den Sāmaveda nicht kennt, der könnte unmöglich so sprechen wie er.

Wort für Wort
na an ṛgveda vinītasya
wer nicht im Ṛgveda geschult ist
na a-yajurveda dhāriṇaḥ
wer den Yajurveda nicht in sich trägt
na a-sāma veda viduṣaḥ
wer den Sāmaveda nicht kennt
śakyam evam vibhāṣitum
könnte nicht so sprechen

nūnam vyakaraṇam kṛtsnam anena bahudhā śrutam | bahu vyāharatā anena na kiṃcit apa śabditam || 4-3-29

Gewiss hat er die gesamte Grammatik in ihrer Vielfalt gehört; obwohl er viel gesprochen hat, ist ihm kein einziges Wort danebengeraten.

Wort für Wort
nūnam vyakaraṇam kṛtsnam
gewiss die gesamte Grammatik
anena bahudhā śrutam
von ihm vielfach gehört
bahu vyāharatā anena
von ihm, der viel gesprochen hat
na kiṃcit apa śabditam
ist nichts danebengeraten

na mukhe netrayoḥ ca api lalāṭe ca bhruvoḥ tathā | anyeṣu api ca sarveṣu doṣaḥ saṃviditaḥ kvacit || 4-3-30

Weder im Gesicht noch in den Augen, weder auf der Stirn noch in den Brauen, noch sonst irgendwo ist an ihm ein Fehler zu erkennen.

Wort für Wort
na mukhe netrayoḥ ca api
weder im Gesicht noch in den Augen
lalāṭe ca bhruvoḥ tathā
noch auf der Stirn, noch in den Brauen
anyeṣu api ca sarveṣu
und auch bei allem anderen
doṣaḥ saṃviditaḥ kvacit
ist irgendwo ein Fehler zu erkennen

avistaram asaṃdigdham avilambitam avyatham | uraḥstham kaṇṭhagam vākyam vartate madhyame svaram || 4-3-31

Nicht weitschweifig, nicht zweideutig, nicht zögerlich, nicht ängstlich - seine in der Brust wurzelnde, in der Kehle geformte Rede bewegt sich in mittlerer Tonlage.

Wort für Wort
avistaram asaṃdigdham
nicht weitschweifig, nicht zweideutig
avilambitam avyatham
nicht zögerlich, nicht ängstlich
uraḥstham kaṇṭhagam vākyam
die in der Brust wurzelnde, in der Kehle geformte Rede
vartate madhyame svaram
bewegt sich in mittlerer Tonlage

saṃskāra krama saṃpannām adbhutām avilambitām | uccārayati kalyāṇīm vācam hṛdaya harṣiṇīm || 4-3-32

Er spricht eine wohlgeformte, in rechter Folge gebildete, wunderbare, nicht zögerliche, herzerfreuende und holde Rede aus.

Wort für Wort
saṃskāra krama saṃpannām
wohlgeformt, in rechter Folge gebildet
adbhutām avilambitām
wunderbar, nicht zögerlich
uccārayati kalyāṇīm
er spricht eine holde aus
vācam hṛdaya harṣiṇīm
eine Rede, die das Herz erfreut

anayā citrayā vācā tristhāna vyaṃjanasthayāḥ | kasya na ārādhyate cittam udyat ase areḥ api || 4-3-33

Wessen Herz würde durch diese wundersame Rede, die in den drei Klangorten und Lauten gegründet ist, nicht gewonnen, selbst wenn er das Schwert gegen ihn erhoben hätte?

Wort für Wort
anayā citrayā vācā
durch diese wundersame Rede
tristhāna vyaṃjanasthayāḥ
die in den drei Klangorten und Lauten gegründet ist
kasya na ārādhyate cittam
wessen Herz würde nicht gewonnen
udyat ase areḥ api
selbst des Feindes, der das Schwert erhoben hat

evam vidho yasya dūto na bhavet pārthivasya tu | siddhyanti hi katham tasya kāryāṇām gatayo.anagha || 4-3-34

Wenn ein Herrscher keinen solchen Boten hat, wie sollten dann, o Makelloser, seine Unternehmungen zum Erfolg gelangen?

Wort für Wort
evam vidho yasya dūto
wessen Bote von solcher Art
na bhavet pārthivasya tu
nicht wäre, eines Herrschers
siddhyanti hi katham tasya
wie sollten dann gelingen
kāryāṇām gatayo.anagha
der Verlauf seiner Unternehmungen, o Makelloser

evam guṇa gaṇair yuktā yasya syuḥ kārya sādhakāḥ | tasya siddhyanti sarve.arthā dūta vākya pracoditāḥ || 4-3-35

Wessen erfolgbringende Werkzeuge mit solcher Fülle von Vorzügen ausgestattet sind, dessen Ziele gelingen alle, angetrieben durch die Worte seines Boten.

Wort für Wort
evam guṇa gaṇair yuktā
mit solcher Fülle von Vorzügen ausgestattet
yasya syuḥ kārya sādhakāḥ
dessen erfolgbringende Werkzeuge
tasya siddhyanti sarve.arthā
dessen Ziele gelingen alle
dūta vākya pracoditāḥ
angetrieben durch die Worte des Boten

evam uktaḥ tu saumitriḥ sugrīva sacivam kapim | abhyabhāṣata vākyajño vākyajñam pavanātmajam || 4-3-36

So angesprochen, erwiderte der redekundige Sohn der Sumitrā dem redekundigen Affen, dem Ratgeber Sugrīvas, dem Sohn des Windgottes.

Wort für Wort
evam uktaḥ tu saumitriḥ
so angesprochen, der Sohn der Sumitrā
sugrīva sacivam kapim
dem Ratgeber Sugrīvas, dem Affen
abhyabhāṣata vākyajño
erwiderte der Redekundige
vākyajñam pavanātmajam
dem redekundigen Sohn des Windgottes

viditā nau guṇā vidvan sugrīvasya mahātmanaḥ | tam eva ca avām mārgāvaḥ sugrīvam plavageśvaram || 4-3-37

'Bekannt sind uns beiden, o Kundiger, die Vorzüge des hochherzigen Sugrīva, und eben diesen Sugrīva, den Herrn der Affen, suchen wir beide.

Wort für Wort
viditā nau guṇā vidvan
bekannt sind uns beiden, o Kundiger
sugrīvasya mahātmanaḥ
die Vorzüge des hochherzigen Sugrīva
tam eva ca avām mārgāvaḥ
und eben ihn suchen wir beide
sugrīvam plavageśvaram
Sugrīva, den Herrn der Affen

yathā bravīṣi hanumān sugrīva vacanād iha | tat tathā hi kariṣyāvo vacanāt tava sattama || 4-3-38

Wie du, o Hanumān, hier auf Sugrīvas Wort sprichst, so werden wir beide es genau tun, auf dein Wort hin, o Bester.'

Wort für Wort
yathā bravīṣi hanumān
wie du sprichst, o Hanumān
sugrīva vacanād iha
hier auf Sugrīvas Wort
tat tathā hi kariṣyāvo
so werden wir es genau tun
vacanāt tava sattama
auf dein Wort hin, o Bester

tat tasya vākyam nipuṇam niśamya prahṛṣṭa rūpaḥ pavanātmajaḥ kapiḥ | manaḥ samādhāya jaya upapattau sakhyam tadā kartum iyeṣa tābhyām || 4-3-39

Als er dieses kluge Wort vernommen hatte, wurde der Affe, der Sohn des Windgottes, hocherfreut; seinen Sinn auf das Zustandekommen des Sieges richtend, wünschte er nun, mit den beiden Freundschaft zu schließen.

Wort für Wort
tat tasya vākyam nipuṇam niśamya
als er dieses seine kluge Rede vernommen hatte
prahṛṣṭa rūpaḥ pavanātmajaḥ kapiḥ
wurde der Affe, der Sohn des Windgottes, hocherfreut
manaḥ samādhāya jaya upapattau
seinen Sinn richtend auf das Zustandekommen des Sieges
sakhyam tadā kartum iyeṣa tābhyām
wünschte er dann, mit den beiden Freundschaft zu schließen

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks