Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Kiṣkindhākāṇḍa

Sarga 36: Sugrīva Lakṣmaṇa Saṃvādaḥ Die Versöhnung von Sugrīva und Lakṣmaṇa

iti uktaḥ tārayā vākyam praśritam dharma saṃhitam | mṛdu svabhāvaḥ saumitriḥ pratijagrāha tat vacaḥ ||

So von Tārā angesprochen mit einem bescheidenen, mit Recht verbundenen Wort, nahm der Sohn der Sumitrā, von sanftem Wesen, jenes Wort an.

Wort für Wort
iti uktaḥ tārayā vākyam
so von Tārā mit dem Wort angesprochen
praśritam dharma saṃhitam
bescheiden, mit Recht verbunden
mṛdu svabhāvaḥ saumitriḥ
der Sohn der Sumitrā, von sanftem Wesen
pratijagrāha tat vacaḥ
nahm jenes Wort an

tasmin pratigṛhīte tu vākye hari gaṇa īśvaraḥ | lakṣmaṇāt sumahat trāsam vastram klinnam iva atyajat ||

Als jenes Wort angenommen war, liess der Herr der Affenschar seine überaus grosse Furcht vor Lakṣmaṇa fahren, wie man ein nasses Gewand ablegt.

Wort für Wort
tasmin pratigṛhīte tu vākye
als jenes Wort angenommen war
hari gaṇa īśvaraḥ
der Herr der Affenschar
lakṣmaṇāt sumahat trāsam
die überaus grosse Furcht vor Lakṣmaṇa
vastram klinnam iva atyajat
liess er fahren wie ein nasses Gewand

tataḥ kaṇṭha gatam mālyam citram bahu guṇam mahat | ciccheda vimadaḥ ca āsīt sugrīvo vānara īśvaraḥ ||

Da zerriss Sugrīva, der Herr der Affen, die grosse, bunte, mit vielen Strängen versehene Girlande, die um seinen Hals hing, und er war nun ernüchtert.

Wort für Wort
tataḥ kaṇṭha gatam mālyam
da die um den Hals gehende Girlande
citram bahu guṇam mahat
die bunte, mit vielen Strängen versehene, grosse
ciccheda vimadaḥ ca āsīt
zerriss er und war ernüchtert
sugrīvo vānara īśvaraḥ
Sugrīva, der Herr der Affen

sa lakṣmaṇam bhīma balam sarva vānara sattamaḥ | abravīt praśritam vākyam sugrīvaḥ saṃpraharṣayan ||

Er, der beste aller Affen, Sugrīva, sprach zu Lakṣmaṇa, dessen Kraft furchterregend war, ein bescheidenes Wort, ihn dabei erfreuend:

Wort für Wort
sa lakṣmaṇam bhīma balam
zu Lakṣmaṇa, dessen Kraft furchterregend war
sarva vānara sattamaḥ
er, der beste aller Affen
abravīt praśritam vākyam
sprach ein bescheidenes Wort
sugrīvaḥ saṃpraharṣayan
Sugrīva, ihn erfreuend

pranaṣṭā śrīḥ ca kīrtiḥ ca kapi rājyam ca śāśvatam | rāma prasādāt saumitre punaḥ ca āptam idam mayā ||

«Glück und Ruhm waren verloren, ebenso das dauerhafte Affenreich; durch Rāmas Gnade, Sohn der Sumitrā, habe ich dies alles wiedererlangt.

Wort für Wort
pranaṣṭā śrīḥ ca kīrtiḥ ca
verloren waren Glück und Ruhm
kapi rājyam ca śāśvatam
und das dauerhafte Affenreich
rāma prasādāt saumitre
durch Rāmas Gnade, Sohn der Sumitrā
punaḥ ca āptam idam mayā
habe ich dies wiedererlangt

kaḥ śaktaḥ tasya devasya khyātasya svena karmaṇā | tādṛśam pratikurvīta aṃśena api nṛpātmaja ||

Wer wäre imstande, diesem gottgleichen, durch seine eigene Tat berühmten Rāma auch nur zu einem Bruchteil zu vergelten, Königssohn?

Wort für Wort
kaḥ śaktaḥ tasya devasya
wer wäre imstande, diesem Gottgleichen
khyātasya svena karmaṇā
dem durch seine eigene Tat Berühmten
tādṛśam pratikurvīta
derartig zu vergelten
aṃśena api nṛpātmaja
auch nur zu einem Bruchteil, Königssohn

sītām prāpsyati dharmātmā vadhiṣyati ca rāvaṇam | sahāya mātreṇa mayā rāghavaḥ svena tejasā ||

Der rechtschaffene Rāghava wird Sītā wiedererlangen und Rāvaṇa töten, mit mir nur als nominellem Helfer, durch seine eigene Macht.

Wort für Wort
sītām prāpsyati dharmātmā
der rechtschaffene wird Sītā wiedererlangen
vadhiṣyati ca rāvaṇam
und wird Rāvaṇa töten
sahāya mātreṇa mayā
mit mir nur als Helfer
rāghavaḥ svena tejasā
Rāghava, durch seine eigene Macht

sahāya kṛtyam kim tasya yena sapta mahādrumāḥ | śailaḥ ca vasudhā caiva bāṇena ekena dāritāḥ ||

Was für eines Verbündeten bedarf er, der mit einem einzigen Pfeil sieben grosse Bäume, einen Berg und die Erde selbst durchbohrte?

Wort für Wort
sahāya kṛtyam kim tasya
was bedarf er der Hilfe
yena sapta mahādrumāḥ
durch den sieben grosse Bäume
śailaḥ ca vasudhā caiva
und ein Berg und die Erde selbst
bāṇena ekena dāritāḥ
mit einem einzigen Pfeil durchbohrt wurden

dhanur visphāramāṇasya yasya śabdena lakṣmaṇa | sa śailā kampitā bhūmiḥ sahāyaiḥ kim nu tasya vai ||

Durch dessen blossen Klang beim Spannen des Bogens, Lakṣmaṇa, die Erde mitsamt ihren Bergen erzitterte — was bedarf er wohl der Helfer?

Wort für Wort
dhanur visphāramāṇasya yasya
dessen, der den Bogen spannt
śabdena lakṣmaṇa
durch den Klang, Lakṣmaṇa
sa śailā kampitā bhūmiḥ
die mitsamt den Bergen erzitterte Erde
sahāyaiḥ kim nu tasya vai
was bedarf er wohl der Helfer

anuyātrām nara indrasya kariṣye aham naraṣabha | gacchato rāvaṇam hantum vairiṇam sa puraḥsaram ||

Ich werde dem Herrn der Menschen als Gefolgsmann dienen, o Stier unter den Menschen, wenn er auszieht, den feindlichen Rāvaṇa zu töten, ihm vorangehend.

Wort für Wort
anuyātrām nara indrasya
als Gefolgsmann des Herrn der Menschen
kariṣye aham naraṣabha
werde ich dienen, Stier der Menschen
gacchato rāvaṇam hantum
wenn er auszieht, Rāvaṇa zu töten
vairiṇam sa puraḥsaram
den feindlichen, ihm vorangehend

yadi kiṃcit atikrāntam viśvāsāt praṇayena vā | preṣyasya kṣamitavyam me na kaścin na aparādhyati ||

Wenn ich in Vertrauen oder Zuneigung etwas versäumt habe, so soll mir, deinem Diener, vergeben werden; niemand ist ohne Fehl.»

Wort für Wort
yadi kiṃcit atikrāntam
wenn etwas versäumt wurde
viśvāsāt praṇayena vā
aus Vertrauen oder aus Zuneigung
preṣyasya kṣamitavyam me
mir, deinem Diener, soll vergeben werden
na kaścin na aparādhyati
niemand ist ohne Fehl

iti tasya bruvāṇasya sugrīvasya mahātmanaḥ | abhavat lakṣmaṇaḥ prītaḥ premṇā ca idam uvāca ha ||

Als der grossmütige Sugrīva so sprach, wurde Lakṣmaṇa froh und sprach voller Zuneigung Folgendes:

Wort für Wort
iti tasya bruvāṇasya
als er so sprach
sugrīvasya mahātmanaḥ
der grossmütige Sugrīva
abhavat lakṣmaṇaḥ prītaḥ
wurde Lakṣmaṇa froh
premṇā ca idam uvāca ha
und sprach voller Zuneigung dies

sarvathā hi mama bhrātā sa nātho vānareśvara | tvayā nāthena sugrīva praśritena viśeṣataḥ ||

«Auf jeden Fall ist mein Bruder der Herr, Herr der Affen; durch dich als seinen Beschützer, Sugrīva, besonders da du so bescheiden bist,

Wort für Wort
sarvathā hi mama bhrātā
auf jeden Fall ist mein Bruder
sa nātho vānareśvara
der Herr, Herr der Affen
tvayā nāthena sugrīva
durch dich als Beschützer, Sugrīva
praśritena viśeṣataḥ
besonders da du bescheiden bist

yaḥ te prabhāvaḥ sugrīva yat ca te śaucam īdṛśam | arhaḥ tam kapi rājyasya śriyam bhoktum anuttamām ||

— deine Macht, Sugrīva, und deine derartige Lauterkeit — bist du würdig, diese unübertreffliche Herrlichkeit des Affenreichs zu geniessen.

Wort für Wort
yaḥ te prabhāvaḥ sugrīva
deine Macht, Sugrīva
yat ca te śaucam īdṛśam
und deine derartige Lauterkeit
arhaḥ tam kapi rājyasya
bist du würdig des Affenreichs
śriyam bhoktum anuttamām
die unübertreffliche Herrlichkeit zu geniessen

sahāyena ca sugrīva tvayā rāmaḥ pratāpavān | vadhiṣyati raṇe śatrūn acirāt na atra saṃśayaḥ ||

Und mit dir, Sugrīva, als Verbündetem wird der machtvolle Rāma die Feinde im Kampf bald töten, daran besteht kein Zweifel.

Wort für Wort
sahāyena ca sugrīva tvayā
und mit dir, Sugrīva, als Verbündetem
rāmaḥ pratāpavān
der machtvolle Rāma
vadhiṣyati raṇe śatrūn acirāt
wird die Feinde im Kampf bald töten
na atra saṃśayaḥ
kein Zweifel daran

dharmajñasya kṛtajñasya saṃgrāmeṣu anivartinaḥ | upapannam ca yuktam ca sugrīva tava bhāṣitam ||

Von einem, der die Pflicht kennt, dankbar ist und im Kampf nicht zurückweicht, ist dein gesprochenes Wort, Sugrīva, angemessen und passend.

Wort für Wort
dharmajñasya kṛtajñasya
des Pflichtkundigen, des Dankbaren
saṃgrāmeṣu anivartinaḥ
des im Kampf nicht Zurückweichenden
upapannam ca yuktam ca
angemessen und passend
sugrīva tava bhāṣitam
dein gesprochenes Wort, Sugrīva

doṣajñaḥ sati sāmarthye ko anyo bhāṣitum arhati | varjayitvā mama jyeṣṭham tvām ca vānara sattama ||

Wer sonst, der seine Fehler kennt, obwohl er dazu fähig wäre, könnte so sprechen, abgesehen von meinem älteren Bruder und dir, bester der Affen?

Wort für Wort
doṣajñaḥ sati sāmarthye
der die Fehler kennt, obwohl fähig
ko anyo bhāṣitum arhati
wer sonst könnte so sprechen
varjayitvā mama jyeṣṭham
abgesehen von meinem älteren (Bruder)
tvām ca vānara sattama
und dir, bester der Affen

sadṛśaḥ ca asi rāmasya vikrameṇa balena ca | sahāyo daivataiḥ dattaḥ cirāya hari puṃgava ||

Und du bist Rāma an Kühnheit und Kraft ebenbürtig, ein von den Göttern seit langem bestimmter Helfer, bester der Affen.

Wort für Wort
sadṛśaḥ ca asi rāmasya
und du bist Rāma ebenbürtig
vikrameṇa balena ca
an Kühnheit und Kraft
sahāyo daivataiḥ dattaḥ
ein von den Göttern gegebener Helfer
cirāya hari puṃgava
seit langem, bester der Affen

kim tu śīghram ito vīra niṣkrāma tvam mayā saha | sāntvayasva vayasyam ca bhāryā haraṇa duḥkhitam ||

Doch komm rasch von hier heraus, Held, mit mir zusammen, und tröste deinen Altersgenossen, der durch den Raub seiner Gattin betrübt ist.

Wort für Wort
kim tu śīghram ito vīra
doch rasch von hier, Held
niṣkrāma tvam mayā saha
komm heraus, mit mir zusammen
sāntvayasva vayasyam ca
und tröste den Altersgenossen
bhāryā haraṇa duḥkhitam
der durch den Raub der Gattin betrübt ist

yat ca śoka abhibhūtasya śrutvā rāmasya bhāṣitam | mayā tvam paruṣāṇi uktaḥ tat kṣamasva sakhe mama ||

Und was ich, nachdem ich die Worte des vom Kummer überwältigten Rāma gehört hatte, dir an harten Worten gesagt habe, das verzeih mir, Freund.»

Wort für Wort
yat ca śoka abhibhūtasya
und was des vom Kummer überwältigten
śrutvā rāmasya bhāṣitam
Rāmas Worte gehört habend
mayā tvam paruṣāṇi uktaḥ
von mir dir Hartes gesagt wurde
tat kṣamasva sakhe mama
das verzeih mir, Freund

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