Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Kiṣkindhākāṇḍa

Sarga 63: Saṃpāti Pakṣa Prādurbhāvaḥ Die Wiedererlangung von Sampātis Flügeln und der Aufbruch nach Süden

etair anyaiś ca bahubhir vākyair vākyaviśāradaḥ | māṃ praśasyābhyanujñāpya praviṣṭaḥ sa svam ālayam ||

Mit diesen und vielen anderen Worten, jener redekundige, mich lobend und sich verabschiedend, kehrte er in seine eigene Wohnstatt zurück.

Wort für Wort
etaiḥ anyaiḥ ca bahubhiḥ vākyaiḥ
mit diesen und vielen anderen Worten
vākyaviśāradaḥ
der Redekundige
mām praśasya abhyanujñāpya
mich lobend und sich verabschiedend
praviṣṭaḥ sa svam ālayam
kehrte er in seine eigene Wohnstatt zurück

kaṃdarāt tu visarpitvā parvatasya śanaiḥ śanaiḥ | aham viṃdhyaṃ samāruhya bhavataḥ pratipālaye ||

Dann, nachdem ich langsam, ganz langsam aus der Bergeshöhle gekrochen war, erklomm ich den Vindhya und habe auf euch gewartet.

Wort für Wort
kaṃdarāt tu visarpitvā
aus der Höhle kriechend
parvatasya śanaiḥ śanaiḥ
des Berges, ganz langsam
aham viṃdhyam samāruhya
ich, den Vindhya erklimmend
bhavataḥ pratipālaye
habe ich auf euch gewartet

adya tv etasya kālasya sāgraṃ varṣaśataṃ gatam | deśakālapratīkṣo'smi hṛdi kṛtvā muneḥ vacaḥ ||

Nun sind seit jener Zeit mehr als hundert Jahre vergangen; ich habe auf den rechten Ort und die rechte Zeit gewartet, die Worte des Weisen im Herzen bewahrend.

Wort für Wort
adya tu etasya kālasya
nun seit jener Zeit
sāgram varṣaśatam gatam
sind mehr als hundert Jahre vergangen
deśakālapratīkṣaḥ asmi
ich habe auf Ort und Zeit gewartet
hṛdi kṛtvā muneḥ vacaḥ
die Worte des Weisen im Herzen bewahrend

mahāprasthānam āsādya svargate tu niśākare | māṃ nirdahati saṃtāpo vitarkair bahubhir vṛtam ||

Als Niśākara die große letzte Wanderung angetreten und in den Himmel gegangen war, verzehrte mich Kummer, von vielen Zweifeln umgeben.

Wort für Wort
mahāprasthānam āsādya
die große letzte Wanderung antretend
svargate tu niśākare
als Niśākara in den Himmel gegangen war
mām nirdahati saṃtāpaḥ
verzehrte mich der Kummer
vitarkaiḥ bahubhiḥ vṛtam
von vielen Zweifeln umgeben

uditāṃ maraṇe buddhiṃ munivākyair nivartaye | buddhir yā tena me dattā prāṇānāṃ rakṣaṇe mama || sā me apanayate duḥkhaṃ dīptevāgniśikhā tamaḥ |

Den in mir aufgestiegenen Entschluss zum Tod wendete ich durch die Worte des Weisen ab; der Entschluss, den er mir zur Bewahrung meines Lebens gab, vertreibt meinen Kummer, wie eine lodernde Feuerflamme die Finsternis.

Wort für Wort
uditām maraṇe buddhim
den zum Tod aufgestiegenen Entschluss
munivākyaiḥ nivartaye
wendete ich durch die Worte des Weisen ab
buddhiḥ yā tena me dattā
der Entschluss, der mir von ihm gegeben wurde
prāṇānām rakṣaṇe mama
zur Bewahrung meines Lebens
sā me apanayate duḥkham
dieser vertreibt meinen Kummer
dīptā iva agniśikhā tamaḥ
wie eine lodernde Feuerflamme die Finsternis

budhyatā ca mayā vīryaṃ rāvaṇasya durātmanaḥ | putraḥ saṃtarjito vāgbhir na trātā maithilī katham |

Und da ich die Macht des bösen Rāvaṇa erkannte, dachte ich: ›Der Sohn wurde mit Worten zurechtgewiesen — wie sollte da die Maithilī nicht gerettet werden können?‹

Wort für Wort
budhyatā ca mayā vīryam
und da ich die Macht erkannte
rāvaṇasya durātmanaḥ
des bösen Rāvaṇa
putraḥ saṃtarjitaḥ vāgbhiḥ
der Sohn wurde mit Worten zurechtgewiesen
na trātā maithilī katham
wie sollte die Maithilī nicht gerettet werden

tasyā vilapitaṃ śrutvā tau ca sītāviyojitau | na me daśarathasnehāt putreṇotpāditaṃ priyam |

Als ich von ihrem Wehklagen gehört hatte, und von den beiden, die von Sītā getrennt waren, wurde mir durch meine Zuneigung zum Sohn des Daśaratha keine Freude bereitet.

Wort für Wort
tasyāḥ vilapitam śrutvā
als ich ihr Wehklagen gehört hatte
tau ca sītāviyojitau
und die beiden von Sītā Getrennten
na me daśarathasnehāt
nicht durch meine Zuneigung zu Daśaratha
putreṇa utpāditam priyam
wurde durch den Sohn Freude bereitet

tasya tv evaṃ bruvāṇasya saṃhatair vānaraiḥ saha | utpetatus tadā pakṣau samakṣaṃ vanacāriṇām |

Während er so sprach, zusammen mit den versammelten Affen, sprossen ihm da, vor den Augen der Waldbewohner, seine beiden Flügel wieder hervor.

Wort für Wort
tasya tu evam bruvāṇasya
während er so sprach
saṃhataiḥ vānaraiḥ saha
zusammen mit den versammelten Affen
utpetatuḥ tadā pakṣau
sprossen da die beiden Flügel hervor
samakṣam vanacāriṇām
vor den Augen der Waldbewohner

sa dṛṣṭvā svāṃ tanuṃ pakṣair udgatair aruṇacchadaiḥ | praharṣam atulaṃ lebhe vānarān ca idam abravīt |

Als er seinen eigenen Leib mit hervorgesprossenen, rötlich gefiederten Flügeln sah, erlangte er unvergleichliche Freude und sprach dies zu den Affen.

Wort für Wort
sa dṛṣṭvā svām tanum
er, seinen eigenen Leib sehend
pakṣaiḥ udgataiḥ aruṇacchadaiḥ
mit hervorgesprossenen, rötlich gefiederten Flügeln
praharṣam atulam lebhe
erlangte unvergleichliche Freude
vānarān ca idam abravīt
und sprach dies zu den Affen

niśākarasya rājarṣeḥ prabhāvād amitaujasaḥ | ādityaraśminirdagdhau pakṣau punar upasthitau |

›Durch die Macht des königlichen Weisen Niśākara, von unermesslicher Kraft, sind meine beiden Flügel, die von den Sonnenstrahlen verbrannt waren, wieder erschienen.‹

Wort für Wort
niśākarasya rājarṣeḥ
des königlichen Weisen Niśākara
prabhāvāt amitaujasaḥ
durch die Macht des Unermesslichen
ādityaraśminirdagdhau pakṣau
die von Sonnenstrahlen verbrannten Flügel
punaḥ upasthitau
sind wieder erschienen

yauvane vartamānasya mamāsīd yaḥ parākramaḥ | tam eva adya avagacchāmi balaṃ pauruṣam eva ca |

›Die Tapferkeit, die ich in meiner Jugendzeit besaß — eben diese verspüre ich heute wieder, samt meiner Kraft und Manneskraft.‹

Wort für Wort
yauvane vartamānasya
während meiner Jugendzeit
mama āsīt yaḥ parākramaḥ
die Tapferkeit, die ich besaß
tam eva adya avagacchāmi
eben diese verspüre ich heute
balam pauruṣam eva ca
Kraft und Manneskraft ebenso

sarvathā kriyatāṃ yatnaḥ sītām adhigamiṣyatha | pakṣalābho mamāyaṃ vaḥ siddhipratyayakārakaḥ |

›Auf jede Weise soll Anstrengung unternommen werden — ihr werdet Sītā finden; diese Wiedererlangung meiner Flügel ist euch ein Unterpfand des sicheren Gelingens.‹

Wort für Wort
sarvathā kriyatām yatnaḥ
auf jede Weise soll Anstrengung unternommen werden
sītām adhigamiṣyatha
ihr werdet Sītā finden
pakṣalābhaḥ mama ayam
diese meine Wiedererlangung der Flügel
vaḥ siddhipratyayakārakaḥ
ist euch ein Unterpfand des Gelingens

iti uktvā tān harīn sarvān saṃpātiḥ patagottamaḥ | utpapāta gireḥ śṛṃgāj jijñāsuḥ khagamo gatim |

Nachdem er so zu all jenen Affen gesprochen hatte, erhob sich Sampāti, der beste der Vögel, begierig seinen Flug zu erproben, vom Berggipfel in den Himmel.

Wort für Wort
iti uktvā tān harīn sarvān
nachdem er so zu allen Affen gesprochen hatte
saṃpātiḥ patagottamaḥ
Sampāti, der beste der Vögel
utpapāta gireḥ śṛṃgāt
erhob sich vom Berggipfel
jijñāsuḥ khagamaḥ gatim
begierig, der Vogel, seinen Flug zu erproben

tasya tad vacanaṃ śrutvā pratisaṃhṛṣṭamānasāḥ | babhūvur hariśārdūlā vikramābhyudayonmukhāḥ ||

Als sie seine Worte gehört hatten, wurden die Tiger unter den Affen, ihr Herz von erneuter Freude erfüllt, begierig, ihre Tapferkeit zu entfalten.

Wort für Wort
tasya tat vacanam śrutvā
als sie seine Worte gehört hatten
pratisaṃhṛṣṭamānasāḥ
ihr Herz von erneuter Freude erfüllt
babhūvuḥ hariśārdūlāḥ
wurden die Tiger unter den Affen
vikramābhyudayonmukhāḥ
begierig, ihre Tapferkeit zu entfalten

atha pavanasamānavikramāḥ plavagavarāḥ pratilabdhapauruṣāḥ | abhijitabhimukhāṃ diśaṃ yayur janakasutāparimārgaṇonmukhāḥ ||

Da zogen jene besten der Affen, an Tapferkeit dem Wind gleich, ihre Manneskraft wiedererlangt, in Richtung des günstigen Sternbilds Abhijit, begierig, die Tochter Janakas zu suchen.

Wort für Wort
atha pavanasamānavikramāḥ
da, an Tapferkeit dem Wind gleich
plavagavarāḥ pratilabdhapauruṣāḥ
die besten der Affen, ihre Manneskraft wiedererlangt
abhijitabhimukhām diśam yayuḥ
zogen in Richtung des Sternbilds Abhijit
janakasutāparimārgaṇonmukhāḥ
begierig, die Tochter Janakas zu suchen

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