Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Kiṣkindhākāṇḍa

Sarga 30: Rāma Vilāpaḥ Lakṣmaṇa Roṣaḥ ca Rāmas Klage und Lakṣmaṇas Zorn

guhām praviṣṭe sugrīve vimukte gagane ghanaiḥ | varṣa rātre sthito rāmaḥ kāma śoka abhipīḍitaḥ ||

Als Sugrīva in die Höhle eingetreten war und der Himmel von den Wolken befreit war, verweilte Rāma in der Regennacht, von Liebeskummer gequält.

Wort für Wort
guhām praviṣṭe sugrīve
als Sugrīva in die Höhle eingetreten war
vimukte gagane ghanaiḥ
als der Himmel von Wolken befreit war
varṣa rātre sthito rāmaḥ
Rāma, in der Regennacht weilend
kāma śoka abhipīḍitaḥ
von Liebeskummer gequält

pāṇḍuram gaganam dṛṣṭvā vimalam candra maṇḍalam | śāradīm rajanīm caiva dṛṣṭvā jyotsna anulepanām ||

Als er den weisslichen Himmel und die klare Mondscheibe erblickte, und die herbstliche Nacht, mit Mondlicht überzogen, erblickte,

Wort für Wort
pāṇḍuram gaganam dṛṣṭvā
den weisslichen Himmel erblickend
vimalam candra maṇḍalam
die klare Mondscheibe
śāradīm rajanīm caiva dṛṣṭvā
und die herbstliche Nacht erblickend
jyotsna anulepanām
mit Mondlicht überzogen

kāma vṛttam ca sugrīvam naṣṭām ca janaka ātmajām | dṛṣṭvā kālam atītam ca mumoha parama āturaḥ ||

und den der Lust ergebenen Sugrīva und die verschwundene Tochter des Janaka und die verstrichene Zeit bedachte, wurde er ohnmächtig, überaus gequält.

Wort für Wort
kāma vṛttam ca sugrīvam
und Sugrīva, der Lust ergeben
naṣṭām ca janaka ātmajām
und die verschwundene Tochter des Janaka
dṛṣṭvā kālam atītam ca
und die verstrichene Zeit bedenkend
mumoha parama āturaḥ
wurde er ohnmächtig, überaus gequält

sa tu saṃjñām upāgamya muhūrtāt matimān nṛpaḥ | manaḥ sthām api vaidehīm ciṃtayāmāsa rāghavaḥ ||

Doch nachdem er nach einem Augenblick wieder zur Besinnung gekommen war, dachte der kluge Fürst Rāghava an die in seinem Geist weilende Vaidehī.

Wort für Wort
sa tu saṃjñām upāgamya
er aber, zur Besinnung gekommen
muhūrtāt matimān nṛpaḥ
nach einem Augenblick, der kluge Fürst
manaḥ sthām api vaidehīm
an die im Geist weilende Vaidehī
ciṃtayāmāsa rāghavaḥ
dachte Rāghava

dṛṣṭvā ca vimalam vyoma gata vidyut balāhakam | sārasa ārava saṃghuṣṭam vilalāpa ārtayā girā ||

Und als er den klaren Himmel erblickte, von dem Blitz und Wolken gewichen waren, widerhallend vom Rufen der Kraniche, klagte er mit gequälter Stimme:

Wort für Wort
dṛṣṭvā ca vimalam vyoma
und den klaren Himmel erblickend
gata vidyut balāhakam
von dem Blitz und Wolken gewichen
sārasa ārava saṃghuṣṭam
widerhallend vom Kranichruf
vilalāpa ārtayā girā
klagte er mit gequälter Stimme

āsīnaḥ parvatasya agre hema dhātu vibhūṣite | śāradam gaganam dṛṣṭvā jagāma manasā priyām ||

Auf dem mit Goldmineralien geschmückten Berggipfel sitzend, erblickte er den herbstlichen Himmel und eilte in Gedanken zu seiner Geliebten.

Wort für Wort
āsīnaḥ parvatasya agre
auf dem Berggipfel sitzend
hema dhātu vibhūṣite
mit Goldmineralien geschmückt
śāradam gaganam dṛṣṭvā
den herbstlichen Himmel erblickend
jagāma manasā priyām
eilte in Gedanken zur Geliebten

sārasa ārava saṃnādaiḥ sārasa ārava nādinī | yā āśrame ramate bālā sā adya me ramate katham ||

Sie, die sich an den Rufen der Kraniche erfreute und selbst wie ein Kranich rief, die sich in der Einsiedelei erfreute — wie sollte sie sich jetzt an mir erfreuen?

Wort für Wort
sārasa ārava saṃnādaiḥ
durch die Rufe der Kraniche
sārasa ārava nādinī
selbst wie ein Kranich rufend
yā āśrame ramate bālā
die junge Frau, die sich in der Einsiedelei erfreute
sā adya me ramate katham
wie sollte sie sich jetzt an mir erfreuen

puṣpitām ca āsanān dṛṣṭvā kāṃcanān iva nirmalān | katham sā ramate bālā paśyaṃtī mām apaśyatī ||

Wie könnte sich jene junge Frau erfreuen, wenn sie die blühenden, goldreinen Aśana-Bäume erblickt, während sie mich nicht mehr erblickt?

Wort für Wort
puṣpitām ca āsanān dṛṣṭvā
die blühenden Aśana-Bäume erblickend
kāṃcanān iva nirmalān
goldrein wie
katham sā ramate bālā
wie sollte sich jene junge Frau erfreuen
paśyaṃtī mām apaśyatī
sie sehend, mich nicht sehend

yā purā kalahaṃsānām svareṇa kala bhāṣiṇī | budhyate cāru sarvāṃgī sā adya me ramate katham ||

Sie, die einst durch den Klang der Gänse süss redend erwachte, die an allen Gliedern Schöne — wie sollte sie sich jetzt an mir erfreuen?

Wort für Wort
yā purā kalahaṃsānām svareṇa
die einst durch den Klang der Gänse
kala bhāṣiṇī budhyate
süss redend erwachte
cāru sarvāṃgī
die an allen Gliedern Schöne
sā adya me ramate katham
wie sollte sie sich jetzt an mir erfreuen

niḥsvanam cakravākānām niśamya sahacāriṇām | puṇḍarīkaviśālākṣī katham eṣā bhaviṣyati ||

Wenn sie den Klang der mit ihren Gefährten vereinten Cakravāka-Vögel vernimmt, wie wird es ihr ergehen, ihr, deren Augen weit wie Lotusblüten sind?

Wort für Wort
niḥsvanam cakravākānām
den Klang der Cakravāka-Vögel
niśamya sahacāriṇām
vernehmend, der mit Gefährten vereinten
puṇḍarīkaviśālākṣī
die, deren Augen weit wie Lotus sind
katham eṣā bhaviṣyati
wie wird es ihr ergehen

sarāṃsi sarito vāpīḥ kānanāni vanāni ca | tām vinā mṛgaśāvākṣīm caran na adya sukham labhe ||

Seen, Flüsse, Zisternen, Wälder und Haine durchstreifend, finde ich ohne sie, deren Augen einem Rehkitz gleichen, jetzt kein Glück.

Wort für Wort
sarāṃsi sarito vāpīḥ
Seen, Flüsse, Zisternen
kānanāni vanāni ca
Wälder und Haine
tām vinā mṛgaśāvākṣīm caran
ohne sie, deren Augen einem Rehkitz gleichen, umherstreifend
na adya sukham labhe
finde ich jetzt kein Glück

api tām mat viyogāt ca saukumāryāt ca bhāminīm | sudūram pīḍayet kāmaḥ śarat guṇa niraṃtaraḥ ||

Ach, möge die Liebe, unaufhörlich durch die Reize des Herbstes angefacht, jene liebliche Frau nicht allzu sehr quälen, durch die Trennung von mir und ihre Zartheit.

Wort für Wort
api tām mat viyogāt ca
möge sie durch die Trennung von mir
saukumāryāt ca bhāminīm
und durch ihre Zartheit, die liebliche Frau
sudūram pīḍayet kāmaḥ
nicht allzu sehr die Liebe quälen
śarat guṇa niraṃtaraḥ
unaufhörlich durch die Reize des Herbstes

evam ādi naraśreṣṭho vilalāpa nṛpātmajaḥ | vihaṃga iva sāraṃgaḥ salilam tridaśeśvarāt ||

So und noch mehr klagte der beste der Männer, der Königssohn, wie ein Vogel, der Wasser vom Herrn der Götter erhofft.

Wort für Wort
evam ādi naraśreṣṭho
so und dergleichen der beste der Männer
vilalāpa nṛpātmajaḥ
klagte der Königssohn
vihaṃga iva sāraṃgaḥ
wie ein Vogel (der Cātaka)
salilam tridaśeśvarāt
Wasser vom Herrn der Götter (erhoffend)

tataḥ caṃcūrya ramyeṣu phalārthī giri sānuṣu | dadarśa paryupāvṛtto lakṣmīvān lakṣmaṇo agrajam ||

Da, nachdem er auf den lieblichen Berghängen auf der Suche nach Früchten umhergestreift war, erblickte der glückhafte Lakṣmaṇa, zurückgekehrt, seinen älteren Bruder.

Wort für Wort
tataḥ caṃcūrya ramyeṣu
da, auf den lieblichen (Hängen) umherstreifend
phalārthī giri sānuṣu
auf der Suche nach Früchten auf den Berghängen
dadarśa paryupāvṛtto
erblickte, zurückgekehrt
lakṣmīvān lakṣmaṇo agrajam
der glückhafte Lakṣmaṇa den älteren Bruder

sa cintayā dussahayā parītam visaṃjñam ekam vijane manasvī | bhrātur viṣādāt tvarito ati dīnaḥ samīkṣya saumitriḥ uvāca rāmam ||

Als der besonnene Sohn der Sumitrā ihn erblickte, von unerträglichem Kummer erfasst, allein, wie besinnungslos, sprach er, eilig, überaus betrübt wegen der Verzweiflung seines Bruders, zu Rāma:

Wort für Wort
sa cintayā dussahayā parītam
ihn, von unerträglichem Kummer erfasst
visaṃjñam ekam vijane manasvī
besinnungslos, allein, der besonnene
bhrātur viṣādāt tvarito ati dīnaḥ
wegen der Verzweiflung des Bruders eilig, überaus betrübt
samīkṣya saumitriḥ uvāca rāmam
der Sohn der Sumitrā erblickend, sprach zu Rāma

kim ārya kāmasya vaśam gatena kim ātma pauruṣya parābhavena | ayam hriyā saṃhriyate samādhiḥ kim atra yogena nivartitena ||

«Was nützt es, Edler, der Macht der Liebe zu verfallen? Was nützt die Herabsetzung der eigenen Mannhaftigkeit? Diese Sammlung wird durch Scham verloren; was nützt hier ein Bemühen, das umgekehrt wirkt?

Wort für Wort
kim ārya kāmasya vaśam gatena
was nützt es, Edler, der Macht der Liebe zu verfallen
kim ātma pauruṣya parābhavena
was nützt die Herabsetzung der eigenen Mannhaftigkeit
ayam hriyā saṃhriyate samādhiḥ
diese Sammlung wird durch Scham zusammengehalten (verloren)
kim atra yogena nivartitena
was nützt hier ein umgekehrt wirkendes Bemühen

kriyābhiyogam manasaḥ prasādam samādhi yoga anugatam ca kālam | sahāya sāmarthyam adīna sattvaḥ sva karma hetum ca kuruṣva tāta ||

Wende dich der Tat zu, der Heiterkeit des Geistes, der der Sammlung entsprechenden Zeit, der Kraft der Verbündeten, und, ohne mutlosen Sinn, deiner eigenen Aufgabe, lieber Bruder.

Wort für Wort
kriyābhiyogam manasaḥ prasādam
der Tat, der Heiterkeit des Geistes
samādhi yoga anugatam ca kālam
und der der Sammlung entsprechenden Zeit
sahāya sāmarthyam adīna sattvaḥ
der Kraft der Verbündeten, ohne mutlosen Sinn
sva karma hetum ca kuruṣva tāta
wende dich deiner eigenen Aufgabe zu, lieber Bruder

na jānakī mānava vaṃśa nātha tvayā sanāthā sulabhā pareṇa | na ca agni cūḍām jvalitām upetya na dahyate vīra varārha kaścit ||

Nicht ist Jānakī, o Herr des Menschengeschlechts, obwohl von dir beschützt, für einen anderen leicht zu erreichen; und niemand, der die lodernde Feuerflamme berührt, bleibt unverbrannt, o vortrefflicher Held.»

Wort für Wort
na jānakī mānava vaṃśa nātha
nicht ist Jānakī, o Herr des Menschengeschlechts
tvayā sanāthā sulabhā pareṇa
von dir beschützt, für einen anderen leicht zu erreichen
na ca agni cūḍām jvalitām upetya
und niemand, der die lodernde Feuerflamme berührt
na dahyate vīra varārha kaścit
bleibt unverbrannt, vortrefflicher Held

salakṣaṇam lakṣmaṇam apradhṛṣyam svabhāvajam vākyam uvāca rāmaḥ | hitam ca pathyam ca naya prasaktam sasāma dharmārtha samāhitam ca ||

Zu dem mit guten Zeichen versehenen, unbezwingbaren Lakṣmaṇa sprach Rāma ein von Natur aus entstandenes Wort, heilsam, zuträglich, der Klugheit ergeben, mit Versöhnlichkeit, Recht und Nutzen verbunden:

Wort für Wort
salakṣaṇam lakṣmaṇam apradhṛṣyam
zu dem mit guten Zeichen versehenen, unbezwingbaren Lakṣmaṇa
svabhāvajam vākyam uvāca rāmaḥ
sprach Rāma ein von Natur aus entstandenes Wort
hitam ca pathyam ca naya prasaktam
heilsam, zuträglich, der Klugheit ergeben
sasāma dharmārtha samāhitam ca
mit Versöhnlichkeit, Recht und Nutzen verbunden

nissaṃśayam kāryam avekṣitavyam kriyā viśeṣo api anuvartitavyaḥ | na tu pravṛddhasya durāsadasya kumāra vīryasya phalam ca cintyam ||

«Ohne Zweifel muss die Sache beachtet werden, auch die besondere Art der Handlung muss befolgt werden; doch für einen, dessen Kraft schon gross und unbezwingbar geworden ist, o Prinz, muss auch die Frucht bedacht werden.

Wort für Wort
nissaṃśayam kāryam avekṣitavyam
ohne Zweifel muss die Sache beachtet werden
kriyā viśeṣo api anuvartitavyaḥ
auch die besondere Art der Handlung muss befolgt werden
na tu pravṛddhasya durāsadasya
doch nicht für den, dessen (Kraft) gross und unbezwingbar ist
kumāra vīryasya phalam ca cintyam
Prinz, auch die Frucht der Kraft muss bedacht werden

atha padma palāśa akṣīm maithilīm anucintayan | uvāca lakṣmaṇam rāmo mukhena pariśuṣyatā ||

Dann, an die lotusäugige Maithilī denkend, sprach Rāma mit vor Kummer vertrocknetem Gesicht zu Lakṣmaṇa:

Wort für Wort
atha padma palāśa akṣīm maithilīm
dann an die lotusäugige Maithilī
anucintayan
denkend
uvāca lakṣmaṇam rāmo
sprach Rāma zu Lakṣmaṇa
mukhena pariśuṣyatā
mit vertrocknendem Gesicht

tarpayitvā sahasrākṣaḥ salilena vasuṃdharām | nirvartayitvā sasyāni kṛta karmā vyavasthitaḥ ||

«Nachdem der Tausendäugige die Erde mit Wasser gesättigt und die Feldfrüchte hat reifen lassen, steht er, sein Werk vollbracht, nun still.

Wort für Wort
tarpayitvā sahasrākṣaḥ
der Tausendäugige, gesättigt habend
salilena vasuṃdharām
mit Wasser die Erde
nirvartayitvā sasyāni
die Feldfrüchte hat reifen lassen
kṛta karmā vyavasthitaḥ
sein Werk vollbracht, steht er still

dīrgha gaṃbhīra nirghoṣāḥ śaila druma purogamāḥ | visṛjya salilam meghāḥ pariśrāṃtā nṛpa ātmaja ||

Die Wolken, mit langem, tiefem Getöse, an Bergen und Bäumen vorbeigezogen, haben, nachdem sie ihr Wasser abgegeben haben, sich erschöpft, o Königssohn.

Wort für Wort
dīrgha gaṃbhīra nirghoṣāḥ
mit langem, tiefem Getöse
śaila druma purogamāḥ
an Bergen und Bäumen vorbeigezogen
visṛjya salilam meghāḥ
die Wolken, das Wasser abgegeben habend
pariśrāṃtā nṛpa ātmaja
sind erschöpft, Königssohn

nīla utpala dala śyāmaḥ śyāmī kṛtvā diśo daśa | vimadā iva mātaṃgāḥ śānta vegāḥ payo dharāḥ ||

Die Wolken, dunkel wie Blätter der blauen Lotusblüte, nachdem sie die zehn Himmelsrichtungen verdunkelt hatten, sind nun, wie entrauschte Elefanten, in ihrer Wucht besänftigt.

Wort für Wort
nīla utpala dala śyāmaḥ
dunkel wie Blätter der blauen Lotusblüte
śyāmī kṛtvā diśo daśa
die zehn Himmelsrichtungen verdunkelt habend
vimadā iva mātaṃgāḥ
wie entrauschte Elefanten
śānta vegāḥ payo dharāḥ
die Wolken, in ihrer Wucht besänftigt

jala garbhā mahā vegāḥ kuṭaja arjuna gaṃdhinaḥ | caritvā viratāḥ saumya vṛṣṭi vātāḥ samudyatāḥ ||

Die einst wasserschwangeren, gewaltigen, nach Kuṭaja und Arjuna duftenden Regenwinde, die einst emporgestiegen waren, sind nun, Sanfter, zur Ruhe gekommen.

Wort für Wort
jala garbhā mahā vegāḥ
wasserschwanger, gewaltig
kuṭaja arjuna gaṃdhinaḥ
nach Kuṭaja und Arjuna duftend
caritvā viratāḥ saumya
sind, nachdem sie gewirkt haben, zur Ruhe gekommen, Sanfter
vṛṣṭi vātāḥ samudyatāḥ
die einst emporgestiegenen Regenwinde

ghanānām vāraṇānām ca mayūrāṇām ca lakṣmaṇa | nādaḥ prasravaṇānām ca praśāntaḥ sahasā anagha ||

Das Getöse der Wolken, der Elefanten, der Pfauen und der Wasserfälle, Lakṣmaṇa, ist plötzlich verstummt, Sündloser.

Wort für Wort
ghanānām vāraṇānām ca
der Wolken und der Elefanten
mayūrāṇām ca lakṣmaṇa
und der Pfauen, Lakṣmaṇa
nādaḥ prasravaṇānām ca
und das Getöse der Wasserfälle
praśāntaḥ sahasā anagha
ist plötzlich verstummt, Sündloser

abhyāgataiḥ cāru viśāla pakṣaiḥ saraḥ priyaiḥ padma rajo avakīrṇaiḥ | mahā nadīnām pulina upayātaiḥ krīḍanti haṃsāḥ saha cakravākaiḥ ||

Mit den zurückgekehrten, schönen, breitflügeligen, die Seen liebenden, mit Lotusstaub bedeckten, zu den Sandbänken der grossen Flüsse gekommenen Gänsen spielen die Cakravāka-Vögel zusammen.

Wort für Wort
abhyāgataiḥ cāru viśāla pakṣaiḥ
mit den zurückgekehrten, schönen, breitflügeligen
saraḥ priyaiḥ padma rajo avakīrṇaiḥ
die Seen liebend, mit Lotusstaub bedeckt
mahā nadīnām pulina upayātaiḥ
zu den Sandbänken der grossen Flüsse gekommen
krīḍanti haṃsāḥ saha cakravākaiḥ
spielen die Gänse mit den Cakravāka-Vögeln

śākhāsu sapta cchada pādapānām prabhāsu tāra arka niśā karāṇām | līlāsu caiva uttama vāraṇānām śriyam vibhajya adya śarat pravṛttā ||

An den Zweigen der Saptacchada-Bäume, im Glanz der Sterne, der Sonne und des Mondes, und im Spiel der vortrefflichen Elefanten hat der Herbst heute seine Pracht verteilt und ist eingezogen.

Wort für Wort
śākhāsu sapta cchada pādapānām
an den Zweigen der Saptacchada-Bäume
prabhāsu tāra arka niśā karāṇām
im Glanz der Sterne, Sonne und des Mondes
līlāsu caiva uttama vāraṇānām
und im Spiel der vortrefflichen Elefanten
śriyam vibhajya adya śarat pravṛttā
hat der Herbst heute die Pracht verteilt und ist eingezogen

saṃprati aneka āśraya citra śobhā lakṣmīḥ śarat kāla guṇa upapannā | sūrya agra hasta pratibodhiteṣu padmākareṣu abhyadhikam vibhāti ||

Jetzt erstrahlt die Pracht des Herbstes, in vielerlei Gestalt bunt schön, besonders in den durch die vordersten Strahlen der Sonne erweckten Lotusteichen.

Wort für Wort
saṃprati aneka āśraya citra śobhā
jetzt in vielerlei Gestalt bunt schön
lakṣmīḥ śarat kāla guṇa upapannā
die Pracht des Herbstes, mit den Vorzügen der Zeit versehen
sūrya agra hasta pratibodhiteṣu
in den durch die vordersten Sonnenstrahlen erweckten
padmākareṣu abhyadhikam vibhāti
in den Lotusteichen erstrahlt sie besonders

sapta cchadānām kusumopa gaṃdhī ṣaṭ pāda vṛndaiḥ anugīyamānaḥ | matta dvipānām pavana anusārī darpam vineṣyan adhikam vibhāti ||

Der Wind, duftend vom Blütenduft der Saptacchada-Bäume, begleitet vom Gesang der Bienenscharen, dem Wind der berauschten Elefanten folgend, ihren Übermut dämpfend, erstrahlt er noch mehr.

Wort für Wort
sapta cchadānām kusumopa gaṃdhī
duftend vom Blütenduft der Saptacchada-Bäume
ṣaṭ pāda vṛndaiḥ anugīyamānaḥ
begleitet vom Gesang der Bienenscharen
matta dvipānām pavana anusārī
dem Wind der berauschten Elefanten folgend
darpam vineṣyan adhikam vibhāti
deren Übermut dämpfend, erstrahlt er noch mehr

abhyvṛṣṭā mahā meghaiḥ nirmalāḥ citra sānavaḥ | anuliptā iva ābhānti girayaḥ candra raśmibhiḥ ||

Von den grossen Wolken beregnet, mit ihren bunten, nun reinen Hängen, erscheinen die Berge, wie mit Mondstrahlen gesalbt.

Wort für Wort
abhyvṛṣṭā mahā meghaiḥ
von den grossen Wolken beregnet
nirmalāḥ citra sānavaḥ
mit bunten, reinen Hängen
anuliptā iva ābhānti girayaḥ
die Berge erscheinen wie gesalbt
candra raśmibhiḥ
mit Mondstrahlen

mada pragalbheṣu ca vāriṇeṣu gavām samūheṣu ca darpiteṣu | prasanna toyāsu ca nimna gāsu vibhāti lakṣmīḥ bahudhā vibhaktā ||

In den vor Brunst kühnen Elefanten, den stolzen Rinderherden, und den klarwasserigen Flüssen erstrahlt die Pracht, mannigfach verteilt.

Wort für Wort
mada pragalbheṣu ca vāriṇeṣu
in den vor Brunst kühnen Elefanten
gavām samūheṣu ca darpiteṣu
und den stolzen Rinderherden
prasanna toyāsu ca nimna gāsu
und in den klarwasserigen Flüssen
vibhāti lakṣmīḥ bahudhā vibhaktā
erstrahlt die Pracht, mannigfach verteilt

nabhaḥ samīkṣyā aṃbu dharaiḥ vimuktam vimukta barha ābharaṇā vaneṣu | priyāsu araktā vinivṛtta śobhā gata utsavā dhyāna parā mayūrāḥ ||

Den Himmel erblickend, von den Wolken befreit, haben die Pfauen in den Wäldern ihren Federschmuck abgelegt, ihren Geliebten nicht mehr zugetan, ihre Pracht vergangen, dem Nachsinnen ergeben.

Wort für Wort
nabhaḥ samīkṣyā aṃbu dharaiḥ vimuktam
den von Wolken befreiten Himmel erblickend
vimukta barha ābharaṇā vaneṣu
haben in den Wäldern ihren Federschmuck abgelegt
priyāsu araktā vinivṛtta śobhā
ihren Geliebten nicht zugetan, ihre Pracht vergangen
gata utsavā dhyāna parā mayūrāḥ
die Pfauen, ihr Fest vorüber, dem Nachsinnen ergeben

manojña gandhaiḥ priyakaiḥ analpaiḥ puṣpa ati bhāra avanata agra śākhaiḥ | suvarṇa gauraiḥ nayana abhirāmaiḥ udyotitān iva vana antarāṇi ||

Mit den herzerfreuend duftenden, zahlreichen Priyaka-Bäumen, deren Zweigspitzen sich unter der Last der Blüten neigen, golden-hell, augenerfreuend, erstrahlen die Waldesinneren wie erleuchtet.

Wort für Wort
manojña gandhaiḥ priyakaiḥ analpaiḥ
mit herzerfreuend duftenden, zahlreichen Priyaka-Bäumen
puṣpa ati bhāra avanata agra śākhaiḥ
deren Zweigspitzen sich unter der Blütenlast neigen
suvarṇa gauraiḥ nayana abhirāmaiḥ
golden-hell, augenerfreuend
udyotitān iva vana antarāṇi
erstrahlen die Waldesinneren wie erleuchtet

priya anvitānām nalinī priyāṇām vana priyāṇām kusuma uddhatānām | mada utkaṭānām mada lālasānām gaja uttamānam gatayo adya mandāḥ ||

Der von ihren Geliebten begleiteten, die Lotusteiche liebenden, den Wald liebenden, an Blütenduft berauschten, in ihrem Rausch gierigen vortrefflichen Elefanten Gang ist heute langsam geworden.

Wort für Wort
priya anvitānām nalinī priyāṇām
der von Geliebten begleiteten, die Lotusteiche liebenden
vana priyāṇām kusuma uddhatānām
den Wald liebenden, an Blüten berauschten
mada utkaṭānām mada lālasānām
in Brunst heftigen, in Rausch gierigen
gaja uttamānam gatayo adya mandāḥ
der vortrefflichen Elefanten Gang ist heute langsam

vyaktam nabhaḥ śastra vidhauta varṇam kṛśa pravāhāni nadī jalāni | kahlāra śitāḥ pavanāḥ pravānti tamo vimuktāḥ ca diśaḥ prakāśāḥ ||

Deutlich sichtbar ist der Himmel, wie mit einer Waffe rein gewaschen; schmal fliesst das Wasser der Flüsse; kühl von den Kahlāra-Lotusblüten wehen die Winde; von Dunkel befreit sind die Himmelsrichtungen sichtbar.

Wort für Wort
vyaktam nabhaḥ śastra vidhauta varṇam
der Himmel, seine Farbe wie mit einer Waffe reingewaschen, deutlich sichtbar
kṛśa pravāhāni nadī jalāni
schmal fliesst das Wasser der Flüsse
kahlāra śitāḥ pavanāḥ pravānti
kühl von Kahlāra-Lotus wehen die Winde
tamo vimuktāḥ ca diśaḥ prakāśāḥ
von Dunkel befreit sind die Himmelsrichtungen sichtbar

sūrya ātapa krāmaṇa naṣṭa paṃkā bhūmiḥ cira udghāṭita sāṃdra reṇuḥ | anyonya vaireṇa samāyutānām udyoga kālo adya nara adhipānām ||

Die Erde, ihr Schlamm durch das Vordringen der Sonnenglut vernichtet, ihr dichter Staub lange wieder aufgewirbelt — heute ist die Zeit des Feldzugs für die miteinander verfeindeten Könige gekommen.

Wort für Wort
sūrya ātapa krāmaṇa naṣṭa paṃkā bhūmiḥ
die Erde, ihr Schlamm durch die Sonnenglut vernichtet
cira udghāṭita sāṃdra reṇuḥ
ihr dichter Staub lange wieder aufgewirbelt
anyonya vaireṇa samāyutānām
der miteinander verfeindeten
udyoga kālo adya nara adhipānām
die Zeit des Feldzugs ist heute für die Könige (gekommen)

śarat guṇa āpyāyita rūpa śobhāḥ praharṣita pāṃśu samukṣita aṃgāḥ | mada utkaṭāḥ saṃprati yuddha lubdhā vṛṣā gavām madhya gatā nadanti ||

Durch die Vorzüge des Herbstes gestärkt an Gestalt und Schönheit, hocherfreut, ihre Glieder mit Staub bedeckt, brünstig, jetzt kampfgierig, brüllen die Stiere inmitten der Kühe.

Wort für Wort
śarat guṇa āpyāyita rūpa śobhāḥ
durch die Herbstvorzüge gestärkt an Gestalt und Schönheit
praharṣita pāṃśu samukṣita aṃgāḥ
hocherfreut, ihre Glieder mit Staub bedeckt
mada utkaṭāḥ saṃprati yuddha lubdhā
brünstig, jetzt kampfgierig
vṛṣā gavām madhya gatā nadanti
die Stiere brüllen inmitten der Kühe

sa manmadha tīvratara anurāgā kulānvitā manda gatiḥ kareṇuḥ | madānvitam saṃparivārya yāntam vaneṣu bhartāram anuprayāti ||

Die Elefantenkuh, von noch heftigerer Liebesglut ergriffen, aus edler Herkunft, langsamen Ganges, folgt ihrem in Brunst umherziehenden Gatten in den Wäldern.

Wort für Wort
sa manmadha tīvratara anurāgā
von noch heftigerer Liebesglut ergriffen
kulānvitā manda gatiḥ kareṇuḥ
aus edler Herkunft, langsamen Ganges, die Elefantenkuh
madānvitam saṃparivārya yāntam
dem in Brunst umherziehenden
vaneṣu bhartāram anuprayāti
folgt sie in den Wäldern dem Gatten

tyaktvā varāṇi ātma vibhūṣaṇāni barhāṇi tīra upagatā nadīnām | nirbhartsyamānā iva sāra oghaiḥ prayānti dīnā vimanā mayūrāḥ ||

Nachdem sie ihren vortrefflichen eigenen Schmuck, ihre Federn, abgelegt haben, ziehen die zu den Flussufern gekommenen Pfauen, wie von den Wasserfluten getadelt, betrübt und niedergeschlagen dahin.

Wort für Wort
tyaktvā varāṇi ātma vibhūṣaṇāni barhāṇi
ihren vortrefflichen eigenen Schmuck, die Federn, abgelegt habend
tīra upagatā nadīnām
zu den Flussufern gekommen
nirbhartsyamānā iva sāra oghaiḥ
wie von den Wasserfluten getadelt
prayānti dīnā vimanā mayūrāḥ
ziehen die betrübten, niedergeschlagenen Pfauen dahin

vitrāsya kāraṇḍava cakravākān mahā ravaiḥ bhinna kaṭā gajendrāḥ | sarassu baddha aṃbuja bhūṣaṇeṣu vikṣobhya vikṣobhya jalam pibanti ||

Die Elefantenfürsten, deren Schläfensaft fliesst, erschrecken mit ihrem gewaltigen Gebrüll die Kāraṇḍava-Enten und Cakravāka-Vögel und trinken, das Wasser immer wieder aufwühlend.

Wort für Wort
vitrāsya kāraṇḍava cakravākān
die Kāraṇḍava-Enten und Cakravāka-Vögel erschreckend
mahā ravaiḥ bhinna kaṭā gajendrāḥ
mit gewaltigem Gebrüll die Elefantenfürsten, deren Schläfensaft fliesst
sarassu baddha aṃbuja bhūṣaṇeṣu
in den mit Lotus geschmückten Seen
vikṣobhya vikṣobhya jalam pibanti
immer wieder aufwühlend trinken sie das Wasser

vyapeta paṃkajāsu sa vālukāsu prasanna toyāsu sa go kulāsu | sa sārasā rāva vināditāsu nadiṣu haṃsā nipatanti hṛṣṭāḥ ||

In den Flüssen, deren Lotusblüten vergangen sind, mit ihren Sandbänken, klarem Wasser, ihren Rinderherden und dem Rufen der Kraniche erklingend, lassen sich die Gänse freudig nieder.

Wort für Wort
vyapeta paṃkajāsu sa vālukāsu
deren Lotus vergangen ist, mit ihren Sandbänken
prasanna toyāsu sa go kulāsu
klarwasserig, mit ihren Rinderherden
sa sārasā rāva vināditāsu
erklingend vom Kranichruf
nadiṣu haṃsā nipatanti hṛṣṭāḥ
in den Flüssen lassen sich die Gänse freudig nieder

nadī ghana prasravaṇa udakānām ati pravṛddha anila barhiṇānām | plavaṃgamānām ca gata utsavānām dhruvam ravāḥ saṃprati saṃpraṇaṣṭāḥ ||

Gewiss sind jetzt die Rufe der Flüsse, der Wolken, der Wasserfälle, der einst vom heftigen Wind angetriebenen Pfauen und der Affen, deren Fest vorüber ist, gänzlich verstummt.

Wort für Wort
nadī ghana prasravaṇa udakānām
der Flüsse, Wolken, Wasserfälle
ati pravṛddha anila barhiṇānām
der vom heftigen Wind (angetriebenen) Pfauen
plavaṃgamānām ca gata utsavānām
und der Affen, deren Fest vorüber ist
dhruvam ravāḥ saṃprati saṃpraṇaṣṭāḥ
gewiss sind ihre Rufe jetzt gänzlich verstummt

aneka varṇāḥ suvinaṣṭa kāyāḥ nava uditeṣu aṃbudhareṣu naṣṭāḥ | kṣudha arditā ghora viṣā bilebhyaḥ cira uṣitā viprasaranti sarpāḥ ||

Die vielfarbigen Schlangen, deren Körper geschwächt sind, die verschwunden waren, als die Wolken aufstiegen, von Hunger gequält, mit furchtbarem Gift, kommen nun, lange verweilt, aus ihren Löchern hervor.

Wort für Wort
aneka varṇāḥ suvinaṣṭa kāyāḥ
die vielfarbigen, an Körper geschwächten (Schlangen)
nava uditeṣu aṃbudhareṣu naṣṭāḥ
verschwunden, als die Wolken aufstiegen
kṣudha arditā ghora viṣā
von Hunger gequält, mit furchtbarem Gift
bilebhyaḥ cira uṣitā viprasaranti sarpāḥ
lange verweilt, kommen die Schlangen aus den Löchern hervor

caṃcat candra kara sparśa harṣa unmīlita tārakā | aho rāgavatī saṃdhyā jahāti svayam aṃbaram ||

Durch die Berührung der zuckenden Mondstrahlen freudig erblühte Sterne — ach, die farbenprächtige Abenddämmerung verlässt von selbst den Himmel.

Wort für Wort
caṃcat candra kara sparśa harṣa
durch Berührung der zuckenden Mondstrahlen aus Freude
unmīlita tārakā
erblühte Sterne
aho rāgavatī saṃdhyā
ach, die farbenprächtige Abenddämmerung
jahāti svayam aṃbaram
verlässt von selbst den Himmel

rātriḥ śaśāṃka udita saumya vaktrā tārā gaṇa unmīlita cāru netrā | jyotsnā aṃśuka prāvaraṇā vibhāti nārī iva śukla aṃśuka saṃvṛta aṃgī ||

Die Nacht, mit dem aufgegangenen Mond als sanftem Antlitz, mit den Sternenscharen als schönen Augen, mit Mondlicht als Gewand bekleidet, erstrahlt wie eine Frau, deren Glieder von weissem Gewand umhüllt sind.

Wort für Wort
rātriḥ śaśāṃka udita saumya vaktrā
die Nacht, mit dem aufgegangenen Mond als sanftem Antlitz
tārā gaṇa unmīlita cāru netrā
mit der Sternenschar als schönen erblühten Augen
jyotsnā aṃśuka prāvaraṇā vibhāti
mit Mondlicht als Gewand bekleidet erstrahlt sie
nārī iva śukla aṃśuka saṃvṛta aṃgī
wie eine Frau, deren Glieder von weissem Gewand umhüllt sind

vipakva śāli prasavāni bhuktvā praharṣitā sārasa cāru paṃkti | nabhaḥ samākrāmati śīghra vegā vāta avadhūtā grathita iva mālā ||

Nachdem sie die reifen Reiskörner verzehrt haben, durchqueren die hocherfreuten, schönen Kranichreihen den Himmel mit raschem Flug, vom Wind bewegt, wie eine geflochtene Girlande.

Wort für Wort
vipakva śāli prasavāni bhuktvā
die reifen Reiskörner verzehrt habend
praharṣitā sārasa cāru paṃkti
die hocherfreute, schöne Kranichreihe
nabhaḥ samākrāmati śīghra vegā
durchquert den Himmel mit raschem Flug
vāta avadhūtā grathita iva mālā
vom Wind bewegt, wie eine geflochtene Girlande

supta eka haṃsam kumudaiḥ upetam mahā hradastham salilam vibhāti | ghanaiḥ vimuktam niśi pūrṇa candram tārā gaṇa kīrṇam iva aṃtarikṣam ||

Das Wasser des grossen Sees, worauf einzelne Gänse schlafen, mit Kumuda-Lotusblüten versehen, erstrahlt wie der nächtliche, von Wolken befreite, vom Vollmond und der Sternenschar übersäte Himmel.

Wort für Wort
supta eka haṃsam kumudaiḥ upetam
auf dem einzelne Gänse schlafen, mit Kumuda-Lotus versehen
mahā hradastham salilam vibhāti
das Wasser des grossen Sees erstrahlt
ghanaiḥ vimuktam niśi pūrṇa candram
der nächtliche, von Wolken befreite, vom Vollmond (erhellte)
tārā gaṇa kīrṇam iva aṃtarikṣam
wie der von der Sternenschar übersäte Himmel

prakīrṇa haṃsā akula mekhalānām prabuddha padma utpala mālinīnām | vāpīḥ uttamānām adhika adya lakṣmīḥ vara aṃganām iva bhūṣitānām ||

Die Zisternen, deren Uferreihen von verstreuten Gänsescharen bevölkert sind, deren Girlanden aus erwachten Lotus- und blauen Lotusblüten bestehen, haben heute besonderen Glanz, wie geschmückte, vortreffliche Frauen.

Wort für Wort
prakīrṇa haṃsā akula mekhalānām
deren Ufergürtel von verstreuten Gänsescharen bevölkert sind
prabuddha padma utpala mālinīnām
deren Girlanden aus erwachten Lotus- und blauen Lotusblüten (bestehen)
vāpīḥ uttamānām adhika adya lakṣmīḥ
die vortrefflichen Zisternen haben heute besonderen Glanz
vara aṃganām iva bhūṣitānām
wie geschmückte, vortreffliche Frauen

veṇu svara vyaṃjita tūrya miśraḥ pratyūṣa kāle anila saṃpravṛttaḥ | saṃmūrcchito gahvara go vṛṣāṇām anyonyam āpūrayati iva śabdaḥ ||

Der zur Morgendämmerung aufkommende Wind, gemischt mit dem Trompetenklang, erklingt, verschmolzen mit dem Gebrüll der Rinder und Stiere in den Schluchten, als würden sich die Klänge gegenseitig ergänzen.

Wort für Wort
veṇu svara vyaṃjita tūrya miśraḥ
gemischt mit dem durch Flötenklang begleiteten Trompetenklang
pratyūṣa kāle anila saṃpravṛttaḥ
der zur Morgendämmerung aufkommende Wind
saṃmūrcchito gahvara go vṛṣāṇām
verschmolzen mit dem Gebrüll der Rinder und Stiere in den Schluchten
anyonyam āpūrayati iva śabdaḥ
als würden sich die Klänge gegenseitig ergänzen

navaiḥ nadīnām kusuma prahāsaiḥ vyā dhūyamānaiḥ mṛdu mārutena | dhauta amala kṣauma paṭa prakāśaiḥ kūlāni kāśaiḥ upaśobhitāni ||

Mit den frischen, wie lachenden Blüten der Flüsse, sanft vom Wind bewegt, glänzend wie reingewaschenes, makelloses Leinengewand, sind die Ufer mit Kāśa-Gras geschmückt.

Wort für Wort
navaiḥ nadīnām kusuma prahāsaiḥ
mit den frischen, wie lachenden Blüten der Flüsse
vyā dhūyamānaiḥ mṛdu mārutena
sanft vom Wind bewegt
dhauta amala kṣauma paṭa prakāśaiḥ
glänzend wie reingewaschenes, makelloses Leinengewand
kūlāni kāśaiḥ upaśobhitāni
sind die Ufer mit Kāśa-Gras geschmückt

vana pracaṇḍā madhu pāna śauṇḍāḥ priya anvitāḥ ṣaṭ caraṇāḥ prahṛṣṭāḥ | vanesu mattāḥ pavana anu yātrām kurvanti padma āsana reṇu gaurāḥ ||

Die im Wald ungestüm nach Honig trinkenden, von ihren Geliebten begleiteten, hocherfreuten Bienen, bestäubt vom Blütenstaub der Lotussitze, folgen berauscht in den Wäldern dem Wind auf seinem Zug.

Wort für Wort
vana pracaṇḍā madhu pāna śauṇḍāḥ
im Wald ungestüm, dem Honigtrinken ergeben
priya anvitāḥ ṣaṭ caraṇāḥ prahṛṣṭāḥ
von Geliebten begleitet, die hocherfreuten Bienen
vanesu mattāḥ pavana anu yātrām kurvanti
in den Wäldern berauscht folgen sie dem Zug des Windes
padma āsana reṇu gaurāḥ
bestäubt vom Blütenstaub der Lotussitze

jalam prasannam kusuma prahāsam kraunca svanam śāli vanam vipakvam | mṛduḥ ca vāyuḥ vimalaḥ ca candraḥ śaṃsanti varṣa vyapanīta kālam ||

Das klare Wasser, die lachenden Blüten, der Ruf der Kraunca-Vögel, der reife Reiswald, der sanfte Wind und der klare Mond verkünden, dass die Zeit des Regens vorüber ist.

Wort für Wort
jalam prasannam kusuma prahāsam
das klare Wasser, die lachenden Blüten
kraunca svanam śāli vanam vipakvam
der Kraunca-Ruf, der reife Reiswald
mṛduḥ ca vāyuḥ vimalaḥ ca candraḥ
der sanfte Wind und der klare Mond
śaṃsanti varṣa vyapanīta kālam
verkünden, dass die Regenzeit vorüber ist

mīna upa saṃdarśita mekhalānām nadī vadhūnām gatayo adya maṃdāḥ | kānta upabhukta alasa gāminīnām prabhāta kāleṣu iva kāminīnām ||

Der Fluss-Bräute, deren Gürtel sich durch die Fische zeigen, Gang ist heute langsam geworden, wie der von ihrem Geliebten genossenen, matt schreitenden Liebenden am Morgen.

Wort für Wort
mīna upa saṃdarśita mekhalānām
deren Gürtel sich durch die Fische zeigen
nadī vadhūnām gatayo adya maṃdāḥ
der Fluss-Bräute Gang ist heute langsam
kānta upabhukta alasa gāminīnām
der vom Geliebten genossenen, matt schreitenden
prabhāta kāleṣu iva kāminīnām
wie der Liebenden am Morgen

sa cakravākāni sa śaivalāni kāśaiḥ dukūlaiḥ iva saṃvṛtāni | sa patra rekhāṇi sa rocanāni vadhū mukhāni iva nadī mukhāni ||

Mit ihren Cakravāka-Vögeln, ihrem Wassermoos, mit Kāśa-Gras wie mit feinem Tuch bedeckt, mit ihren Linienzeichnungen und ihrem Glanz gleichen die Flussmündungen den Gesichtern junger Bräute.

Wort für Wort
sa cakravākāni sa śaivalāni
mit ihren Cakravāka-Vögeln, ihrem Wassermoos
kāśaiḥ dukūlaiḥ iva saṃvṛtāni
mit Kāśa-Gras wie mit feinem Tuch bedeckt
sa patra rekhāṇi sa rocanāni
mit ihren Linienzeichnungen und ihrem Glanz
vadhū mukhāni iva nadī mukhāni
gleichen die Flussmündungen den Gesichtern der Bräute

praphulla bāṇa āsana citriteṣu prahṛṣṭa ṣaṭpadāni kūjiteṣu | gṛhīta cāpaḥ udyata daṇḍa caṇḍaḥ pracaṇḍa cāro adya vaneṣu kāmaḥ ||

In den mit blühenden Bāṇa-Bäumen bunten, vom Summen der hocherfreuten Bienen erfüllten Wäldern zieht heute Kāma, den Bogen ergriffen, den Stab erhoben, heftig, mit heftigem Gang, umher.

Wort für Wort
praphulla bāṇa āsana citriteṣu
in den mit blühenden Bāṇa-Bäumen bunten
prahṛṣṭa ṣaṭpadāni kūjiteṣu
vom Summen der hocherfreuten Bienen erfüllten
gṛhīta cāpaḥ udyata daṇḍa caṇḍaḥ
den Bogen ergriffen, den Stab erhoben, heftig
pracaṇḍa cāro adya vaneṣu kāmaḥ
mit heftigem Gang zieht heute Kāma durch die Wälder

lokam suvṛṣṭyā paritoṣayitva nadīḥ taṭākāni ca pūrayitvā | niṣpanna sasyām vasudhām ca kṛtvā tyaktvā nabhaḥ toya dharāḥ praṇaṣṭāḥ ||

Nachdem sie die Welt mit gutem Regen erfreut, die Flüsse und Teiche gefüllt und die Erde mit reifer Feldfrucht versehen haben, haben die Wolken den Himmel verlassen und sind verschwunden.

Wort für Wort
lokam suvṛṣṭyā paritoṣayitva
die Welt mit gutem Regen erfreut habend
nadīḥ taṭākāni ca pūrayitvā
die Flüsse und Teiche gefüllt habend
niṣpanna sasyām vasudhām ca kṛtvā
die Erde mit reifer Feldfrucht versehen habend
tyaktvā nabhaḥ toya dharāḥ praṇaṣṭāḥ
haben die Wolken den Himmel verlassen und sind verschwunden

darśayanti śaran nadyaḥ pulināni śanaiḥ śanaiḥ | nava saṃgama savrīḍā jaghanāni iva yoṣitaḥ ||

Die Herbstflüsse zeigen langsam, langsam ihre Sandbänke, wie schamhafte Frauen nach der ersten Vereinigung allmählich ihre Hüften zeigen.

Wort für Wort
darśayanti śaran nadyaḥ pulināni
die Herbstflüsse zeigen ihre Sandbänke
śanaiḥ śanaiḥ
langsam, langsam
nava saṃgama savrīḍā
nach der ersten Vereinigung schamhaft
jaghanāni iva yoṣitaḥ
wie Frauen (ihre) Hüften

prasanna salilāḥ saumya kurarābhiḥ vināditāḥ | cakravāka gaṇa ākīrṇā vibhāṃti salila āśayāḥ ||

Mit klarem Wasser, Sanfter, vom Rufen der Fischadler erklingend, mit Scharen von Cakravāka-Vögeln bedeckt, erstrahlen die Gewässer.

Wort für Wort
prasanna salilāḥ saumya
mit klarem Wasser, Sanfter
kurarābhiḥ vināditāḥ
vom Rufen der Fischadler erklingend
cakravāka gaṇa ākīrṇā
mit Scharen von Cakravāka-Vögeln bedeckt
vibhāṃti salila āśayāḥ
erstrahlen die Gewässer

anyonya baddha vairāṇām jigīṣūṇām nṛpātmaja | udyoga samayaḥ saumya pārthivānām upasthitaḥ ||

Für die miteinander verfeindeten, siegbegierigen Könige, o Königssohn, Sanfter, ist die Zeit des Feldzugs nun gekommen.

Wort für Wort
anyonya baddha vairāṇām jigīṣūṇām
der miteinander verfeindeten, siegbegierigen
nṛpātmaja saumya
Königssohn, Sanfter
udyoga samayaḥ pārthivānām
die Zeit des Feldzugs für die Könige
upasthitaḥ
ist gekommen

iyam sā prathamā yātrā pārthivānām nṛpātmaja | na ca paśyāmi sugrīvam udyogam vā tathā vidham ||

Dies ist die erste Zeit für die Feldzüge der Könige, o Königssohn; doch ich sehe bei Sugrīva keinen derartigen Eifer.

Wort für Wort
iyam sā prathamā yātrā
dies ist die erste Zeit für den Feldzug
pārthivānām nṛpātmaja
der Könige, Königssohn
na ca paśyāmi sugrīvam
doch ich sehe bei Sugrīva nicht
udyogam vā tathā vidham
einen derartigen Eifer

asanāḥ sapta parṇāḥ ca kovidārāḥ ca puṣpitāḥ | dṛśyante bandhujīvāḥ ca śyāmāḥ ca giri sānuṣu ||

Man sieht die blühenden Asana-, Saptaparṇa- und Kovidāra-Bäume, ebenso die Bandhujīva-Blumen und die dunklen Bäume auf den Berghängen.

Wort für Wort
asanāḥ sapta parṇāḥ ca kovidārāḥ ca puṣpitāḥ
die blühenden Asana-, Saptaparṇa- und Kovidāra-Bäume
dṛśyante
man sieht
bandhujīvāḥ ca śyāmāḥ ca
und die Bandhujīva-Blumen und die dunklen (Bäume)
giri sānuṣu
auf den Berghängen

haṃsa sārasa cakrāhvaiḥ kuraraiḥ ca samaṃtataḥ | pulināni avakīrṇāni nadīnām paśya lakṣmaṇa ||

Sieh, Lakṣmaṇa, die Sandbänke der Flüsse, allseits übersät mit Gänsen, Kranichen, Cakravāka-Vögeln und Fischadlern.

Wort für Wort
haṃsa sārasa cakrāhvaiḥ kuraraiḥ ca
mit Gänsen, Kranichen, Cakravāka-Vögeln und Fischadlern
samaṃtataḥ
allseits
pulināni avakīrṇāni nadīnām
die übersäten Sandbänke der Flüsse
paśya lakṣmaṇa
sieh, Lakṣmaṇa

catvāro vārṣikā māsā gatā varṣa śata upamāḥ | mama śoka abhitaptasya tathā sītām apaśyataḥ ||

Vier Regenmonate sind vergangen, hundert Jahren gleich, für mich, der ich vom Kummer versengt bin und Sītā nicht sehe.

Wort für Wort
catvāro vārṣikā māsā gatā
vier Regenmonate sind vergangen
varṣa śata upamāḥ
hundert Jahren gleich
mama śoka abhitaptasya
für mich, den vom Kummer Versengten
tathā sītām apaśyataḥ
und Sītā nicht Sehenden

cakravākī iva bhartāram pṛṣṭato anugatā vanam | viṣamam daṇḍakāraṇyam udyāna vanam iva ca aṃganā ||

Wie eine Cakravākī-Vögelin ihrem Gatten folgend, ist die Frau mir in den unwegsamen Daṇḍaka-Wald gefolgt, als wäre er ein Lustgarten.

Wort für Wort
cakravākī iva bhartāram
wie eine Cakravākī dem Gatten
pṛṣṭato anugatā vanam
folgte sie mir in den Wald
viṣamam daṇḍakāraṇyam
den unwegsamen Daṇḍaka-Wald
udyāna vanam iva ca aṃganā
wie einen Lustgarten, die Frau

priyā vihīne duḥkha ārte hṛta rājye vivāsite | kṛpām na kurute rājā sugrīvo mayi lakṣmaṇa ||

Mit mir, der ich meiner Geliebten beraubt, von Leid gequält, meines Reiches beraubt und verbannt bin, hat König Sugrīva kein Mitleid, Lakṣmaṇa.

Wort für Wort
priyā vihīne duḥkha ārte
mit dem der Geliebten beraubten, von Leid gequälten
hṛta rājye vivāsite
des Reiches beraubten, verbannten
kṛpām na kurute rājā sugrīvo
hat König Sugrīva kein Mitleid
mayi lakṣmaṇa
mit mir, Lakṣmaṇa

anātho hṛta rājyo ayam rāvaṇena ca dharṣitaḥ | dīno dūra gṛhaḥ kāmī mām caiva śaraṇam gataḥ ||

'Dieser da, herrenlos, seines Reiches beraubt, von Rāvaṇa geschädigt, elend, fern von seiner Heimat, von Liebesverlangen erfüllt, hat bei mir Zuflucht gesucht' —

Wort für Wort
anātho hṛta rājyo ayam
dieser herrenlose, seines Reiches beraubte
rāvaṇena ca dharṣitaḥ
und von Rāvaṇa geschädigte
dīno dūra gṛhaḥ kāmī
elend, fern von seiner Heimat, von Liebesverlangen erfüllt
mām caiva śaraṇam gataḥ
hat bei mir Zuflucht gesucht

iti etaiḥ kāraṇaiḥ saumya sugrīvasya durātmanaḥ | aham vānara rājasya paribhūtaḥ paraṃtapa ||

aus diesen Gründen, Sanfter, werde ich von dem übelgesinnten Sugrīva, dem Affenkönig, geringgeschätzt, Feindebezwinger.

Wort für Wort
iti etaiḥ kāraṇaiḥ saumya
aus diesen Gründen, Sanfter
sugrīvasya durātmanaḥ
des übelgesinnten Sugrīva
aham vānara rājasya paribhūtaḥ
werde ich von dem Affenkönig geringgeschätzt
paraṃtapa
Feindebezwinger

sa kālam parisaṃkhyāya sītāyāḥ parimārgaṇe | kṛtārthaḥ samayam kṛtvā durmatiḥ na avabudhyate ||

Er, obwohl er die Zeit für die Suche nach Sītā festgesetzt hatte, sein eigenes Ziel erreicht, den Vertrag geschlossen, der Bösgesinnte, erkennt sie nicht.

Wort für Wort
sa kālam parisaṃkhyāya
er, die Zeit festgesetzt habend
sītāyāḥ parimārgaṇe
für die Suche nach Sītā
kṛtārthaḥ samayam kṛtvā
sein Ziel erreicht, den Vertrag geschlossen
durmatiḥ na avabudhyate
der Bösgesinnte erkennt (die verstrichene Zeit) nicht

sa kiṣkiṃdhām praviśya tvam brūhi vānara puṃgavam | mūrkham grāmya sukhe saktam sugrīvam vacanāt mama ||

Betritt du Kiṣkindhā und sprich in meinem Namen zu dem törichten, an gemeinen Freuden hängenden Affenfürsten Sugrīva:

Wort für Wort
sa kiṣkiṃdhām praviśya tvam
betritt du Kiṣkindhā
brūhi vānara puṃgavam
sprich zu dem Affenfürsten
mūrkham grāmya sukhe saktam
dem törichten, an gemeinen Freuden hängenden
sugrīvam vacanāt mama
zu Sugrīva, in meinem Namen

arthinām upapannānām pūrvam ca api upakāriṇām | āśām saṃśrutya yo hanti sa loke puruṣādhamaḥ ||

'Wer die Hoffnung derer, die etwas erbitten, die dazu berechtigt sind und zuvor selbst geholfen haben, zunichtemacht, nachdem er sie ihnen versprochen hat, der ist der niedrigste Mensch auf der Welt.

Wort für Wort
arthinām upapannānām
derer, die bitten, die berechtigt sind
pūrvam ca api upakāriṇām
und zuvor geholfen haben
āśām saṃśrutya yo hanti
wer die (versprochene) Hoffnung zunichtemacht
sa loke puruṣādhamaḥ
der ist der niedrigste Mensch auf der Welt

śubham vā yadi vā pāpam yo hi vākyam udīritam | satyena parigṛhṇāti sa vīraḥ puruṣottamaḥ ||

Wer aber, sei es gut oder schlecht, das gesprochene Wort mit Wahrhaftigkeit einhält, der ist ein Held, der beste der Menschen.

Wort für Wort
śubham vā yadi vā pāpam
sei es gut oder schlecht
yo hi vākyam udīritam
wer das gesprochene Wort
satyena parigṛhṇāti
mit Wahrhaftigkeit einhält
sa vīraḥ puruṣottamaḥ
der ist der Held, der beste der Menschen

kṛtārthā hi akṛtārthānām mitrāṇām na bhavanti ye | tān mṛtān api kravyādāḥ kṛtaghnān na upabhuṃjate ||

Wer, sein eigenes Ziel erreicht, nicht mehr für die Freunde da ist, deren Ziel noch nicht erreicht ist — solche Undankbare verzehren selbst die Aasfresser nicht, auch wenn sie tot sind.

Wort für Wort
kṛtārthā hi akṛtārthānām mitrāṇām
die, ihr Ziel erreicht, für Freunde, deren Ziel nicht erreicht ist
na bhavanti ye
nicht (mehr) da sind
tān mṛtān api kravyādāḥ
diese Toten selbst die Aasfresser
kṛtaghnān na upabhuṃjate
die Undankbaren verzehren sie nicht

nūnam kāṃcana pṛṣṭhasya vikṛṣṭasya mayā raṇe | draṣṭum icchasi cāpasya rūpam vidyut gaṇa upamam ||

Gewiss möchtest du die Gestalt meines goldrückigen, im Kampf gespannten Bogens sehen, der Blitzen gleicht,

Wort für Wort
nūnam kāṃcana pṛṣṭhasya
gewiss des goldrückigen
vikṛṣṭasya mayā raṇe
von mir im Kampf gespannten
draṣṭum icchasi cāpasya rūpam
möchtest du die Gestalt des Bogens sehen
vidyut gaṇa upamam
der Blitzen gleicht

ghoram jyā tala nirghoṣam kruddhasya mama saṃyuge | nirghoṣam iva vajrasya punaḥ saṃśrotum icchasi ||

möchtest du wieder das furchtbare Getöse der Sehne meines Bogens hören, im Kampf, wenn ich zornig bin, dem Getöse des Vajra gleich.

Wort für Wort
ghoram jyā tala nirghoṣam
das furchtbare Getöse der Bogensehne
kruddhasya mama saṃyuge
von mir, zornig, im Kampf
nirghoṣam iva vajrasya
dem Getöse des Vajra gleich
punaḥ saṃśrotum icchasi
möchtest du wieder hören

kāmam evam gate api asya parijñāte parākrame | tvat sahāyasya me vīra na cintā syāt nṛpātmaja ||

Auch wenn es so gekommen ist — dessen Tapferkeit ist wohlbekannt —, gewiss brauchte ich mir, mit dir als Verbündetem, keine Sorge zu machen, Held, Königssohn.

Wort für Wort
kāmam evam gate api
auch wenn es so gekommen ist
asya parijñāte parākrame
dessen Tapferkeit wohlbekannt ist
tvat sahāyasya me vīra
mit dir als Verbündetem, Held
na cintā syāt nṛpātmaja
brauchte ich keine Sorge zu haben, Königssohn

yad artham ayam āraṃbhaḥ kṛtaḥ para puram jaya | samayam na abhijānāti kṛtārthaḥ plavageśvaraḥ ||

Der Herr der Affen, dessen Ziel erreicht ist, o Eroberer feindlicher Städte, erkennt nicht die Zeit für das Unternehmen, dessentwegen dieser Beginn gemacht wurde.

Wort für Wort
yad artham ayam āraṃbhaḥ kṛtaḥ
dessentwegen dieser Beginn gemacht wurde
para puram jaya
o Eroberer feindlicher Städte
samayam na abhijānāti
erkennt nicht die (rechte) Zeit
kṛtārthaḥ plavageśvaraḥ
der Herr der Affen, sein Ziel erreicht

varṣā samaya kālam tu pratijñāya harīśvaraḥ | vyatītān caturo māsān viharan na avabudhyate ||

Der Herr der Affen, obwohl er die Zeit der Regenperiode als Frist versprochen hat, bemerkt nicht, dass die vier Monate vergangen sind, während er sich vergnügt.

Wort für Wort
varṣā samaya kālam tu pratijñāya
obwohl er die Zeit der Regenperiode versprochen hat
harīśvaraḥ
der Herr der Affen
vyatītān caturo māsān
dass die vier Monate vergangen sind
viharan na avabudhyate
bemerkt er nicht, während er sich vergnügt

sa amātya pariṣat krīḍan pānam eva upasevate | śoka dīneṣu na asmāsu sugrīvaḥ kurute dayām ||

Er, spielend mit dem Rat seiner Minister, ergibt sich nur dem Trinken; mit uns, die wir vom Kummer niedergedrückt sind, hat Sugrīva kein Erbarmen.'

Wort für Wort
sa amātya pariṣat krīḍan
er, mit dem Ministerrat spielend
pānam eva upasevate
ergibt sich nur dem Trinken
śoka dīneṣu na asmāsu
mit uns, die wir vom Kummer niedergedrückt sind, nicht
sugrīvaḥ kurute dayām
hat Sugrīva Erbarmen

ucyatām gaccha sugrīvaḥ tvayā vīraḥ mahābala | mama roṣasya yat rūpam brūyāḥ ca enam idam vacaḥ ||

Geh, o starker Held, es soll Sugrīva von dir gesagt werden, welcher Art mein Zorn ist; sprich zu ihm dieses Wort:

Wort für Wort
ucyatām gaccha sugrīvaḥ
geh, es soll Sugrīva gesagt werden
tvayā vīraḥ mahābala
von dir, starker Held
mama roṣasya yat rūpam
welcher Art mein Zorn ist
brūyāḥ ca enam idam vacaḥ
sprich zu ihm dieses Wort

na sa saṃkucitaḥ paṃthā yena vālī hato gataḥ | samaye tiṣṭha sugrīva mā vāli patham anvagāḥ ||

'Jener Pfad, auf dem Vālin getötet dahingegangen ist, ist nicht schmal. Halte dich an die Abmachung, Sugrīva; folge nicht dem Weg Vālins.

Wort für Wort
na sa saṃkucitaḥ paṃthā
jener Pfad ist nicht schmal
yena vālī hato gataḥ
auf dem Vālin getötet dahingegangen ist
samaye tiṣṭha sugrīva
halte dich an die Abmachung, Sugrīva
mā vāli patham anvagāḥ
folge nicht dem Weg Vālins

eka eva raṇe vālī śareṇa nihato mayā | tvām tu satyāt atikrāṃtam haniṣyāmi sa bāndhavam ||

Vālin allein wurde von mir im Kampf mit einem Pfeil getötet; dich aber, wenn du von der Wahrheit abweichst, werde ich mitsamt deinen Verwandten töten.'

Wort für Wort
eka eva raṇe vālī
Vālin allein im Kampf
śareṇa nihato mayā
wurde von mir mit einem Pfeil getötet
tvām tu satyāt atikrāṃtam
dich aber, wenn du von der Wahrheit abweichst
haniṣyāmi sa bāndhavam
werde ich mitsamt den Verwandten töten

tat evam vihite kārye yat hitam puruṣarṣabha | tat tat brūhi naraśreṣṭha tvara kāla vyatikramaḥ ||

Sprich also, was in dieser so gearteten Angelegenheit nützlich ist, o Stier unter den Männern, du Bester der Menschen; beeile dich, denn die Zeit ist überschritten.»

Wort für Wort
tat evam vihite kārye
in dieser so gearteten Angelegenheit
yat hitam puruṣarṣabha
was nützlich ist, Stier der Männer
tat tat brūhi naraśreṣṭha
sprich das, Bester der Menschen
tvara kāla vyatikramaḥ
beeile dich, die Zeit ist überschritten

kuruṣva satyam mama vānareśvara pratiśrutam dharmam avekṣya śāśvatam | mā vālinam preta gato yama kṣayam tvam adya paśyeḥ mama coditaḥ śaraiḥ ||

«Erfülle mein versprochenes Wort, Herr der Affen, im Hinblick auf die ewige Pflicht; damit du nicht heute, von meinen Pfeilen getroffen, Vālin in Yamas Reich der Toten erblickst.»

Wort für Wort
kuruṣva satyam mama vānareśvara
erfülle mein Wort, Herr der Affen
pratiśrutam dharmam avekṣya śāśvatam
im Hinblick auf die versprochene, ewige Pflicht
mā vālinam preta gato yama kṣayam
damit nicht Vālin, ins Totenreich Yamas gegangen
tvam adya paśyeḥ mama coditaḥ śaraiḥ
du heute erblickst, von meinen Pfeilen getroffen

sa pūrvajam tīvra vivṛddha kopam lālapyamānam prasamīkṣya dīnam | cakāra tīvrām matim ugra tejā harīśvare mānava vaṃśa varthanaḥ ||

Als der Mehrer des Menschengeschlechts, von furchtbarer Macht, seinen älteren Bruder erblickte, dessen Zorn heftig gewachsen war, der so klagte, elend war, fasste er einen strengen Entschluss gegenüber dem Affenfürsten.

Wort für Wort
sa pūrvajam tīvra vivṛddha kopam
seinen älteren Bruder, dessen Zorn heftig gewachsen war
lālapyamānam prasamīkṣya dīnam
der so klagte, elend, erblickend
cakāra tīvrām matim ugra tejā
fasste einen strengen Entschluss, von furchtbarer Macht
harīśvare mānava vaṃśa varthanaḥ
gegenüber dem Affenfürsten, der Mehrer des Menschengeschlechts

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