Rāmāyaṇa · Kiṣkindhākāṇḍa
Sarga 34: Lakṣmaṇa Kopa Vākyam
Lakṣmaṇas Zornrede an Sugrīva
tam apratihatam kruddham praviṣṭam puruṣarṣabham |
sugrīvo lakṣmaṇam dṛṣṭvā babhūva vyathita indriyaḥ ||
Als Sugrīva ihn, den unaufgehaltenen, zornigen, eingetretenen Stier der Männer, Lakṣmaṇa, erblickte, wurden seine Sinne bestürzt.
Wort für Wort tam apratihatam kruddham ihn, den unaufgehaltenen, zornigen praviṣṭam puruṣarṣabham den eingetretenen Stier der Männer sugrīvo lakṣmaṇam dṛṣṭvā Sugrīva, Lakṣmaṇa erblickend babhūva vyathita indriyaḥ wurden seine Sinne bestürzt kruddham niḥśvasamānam tam pradīptam iva tejasā |
bhrātur vyasana saṃtaptam dṛṣṭvā daśaratha ātmajam ||
Als er ihn erblickte, den zornigen, seufzenden, wie von Glut lodernden, vom Leid des Bruders versengten Sohn des Daśaratha,
Wort für Wort kruddham niḥśvasamānam tam ihn, den zornigen, seufzenden pradīptam iva tejasā wie von Glut lodernd bhrātur vyasana saṃtaptam vom Leid des Bruders versengt dṛṣṭvā daśaratha ātmajam erblickend den Sohn des Daśaratha utpapāta hariśreṣṭho hitvā sauvarṇam āsanam |
mahān mahendrasya yathā svalaṃkṛta iva dhvajaḥ ||
sprang der beste der Affen auf, seinen goldenen Sitz verlassend, gross wie eine prächtig geschmückte Standarte Indras.
Wort für Wort utpapāta hariśreṣṭho sprang der beste der Affen auf hitvā sauvarṇam āsanam den goldenen Sitz verlassend mahān mahendrasya yathā gross, wie die des grossen Indra svalaṃkṛta iva dhvajaḥ wie eine prächtig geschmückte Standarte utpataṃtam anūtpetū rumā prabhṛtayaḥ striyaḥ |
sugrīvam gagane pūrṇam caṃdram tārā gaṇā iva ||
Als er aufsprang, sprangen auch Rumā und die anderen Frauen auf, ihm, Sugrīva, folgend, wie die Sternenscharen dem vollen Mond am Himmel folgen.
Wort für Wort utpataṃtam anūtpetū als er aufsprang, sprangen sie auf rumā prabhṛtayaḥ striyaḥ Rumā und die anderen Frauen sugrīvam dem Sugrīva (folgend) gagane pūrṇam caṃdram tārā gaṇā iva wie die Sternenscharen dem vollen Mond am Himmel saṃrakta nayanaḥ śrīmān saṃcacāra kṛtāṃjaliḥ |
babhūva avasthitaḥ tatra kalpa vṛkṣo mahān iva ||
Mit geröteten Augen, der Glückhafte, trat er mit gefalteten Händen vor und stand dort wie ein grosser Wunschbaum.
Wort für Wort saṃrakta nayanaḥ śrīmān mit geröteten Augen, der Glückhafte saṃcacāra kṛtāṃjaliḥ trat er mit gefalteten Händen vor babhūva avasthitaḥ tatra stand dort kalpa vṛkṣo mahān iva wie ein grosser Wunschbaum rumā dvitīyam sugrīvam nārī madhya gatam sthitam |
abravīt lakṣmaṇaḥ kruddhaḥ sa tāram śaśinam yathā ||
Zu Sugrīva, der mit Rumā an seiner Seite inmitten der Frauen stand, sprach der zornige Lakṣmaṇa, wie man zum Mond mit dem Sternbild spricht:
Wort für Wort rumā dvitīyam sugrīvam zu Sugrīva, mit Rumā an seiner Seite nārī madhya gatam sthitam der inmitten der Frauen stand abravīt lakṣmaṇaḥ kruddhaḥ sprach der zornige Lakṣmaṇa sa tāram śaśinam yathā wie man zum Mond mit dem Sternbild (spricht) sattva abhijana saṃpannaḥ sa anukrośo jitendriyaḥ |
kṛtajñaḥ satya vādī ca rājā loke mahīyate ||
«Ein König, der von edler Gesinnung und Herkunft begabt ist, mitleidsvoll, seine Sinne beherrschend, dankbar und wahrhaftig, wird in der Welt geehrt.
Wort für Wort sattva abhijana saṃpannaḥ von edler Gesinnung und Herkunft begabt sa anukrośo jitendriyaḥ mitleidsvoll, seine Sinne beherrschend kṛtajñaḥ satya vādī ca dankbar und wahrhaftig rājā loke mahīyate ein König wird in der Welt geehrt yastu rājā sthito adharme mitrāṇām upakāriṇām |
mithyā pratijñām kurute ko nṛśaṃsa taraḥ tataḥ ||
Doch welcher König, im Unrecht stehend, gegenüber Freunden, die geholfen haben, sein Versprechen bricht — wer wäre grausamer als er?
Wort für Wort yastu rājā sthito adharme welcher König, im Unrecht stehend mitrāṇām upakāriṇām gegenüber Freunden, die geholfen haben mithyā pratijñām kurute sein Versprechen bricht ko nṛśaṃsa taraḥ tataḥ wer wäre grausamer als er śatam aśva anṛte hanti sahasram tu gava anṛte |
ātmānam sva janam hanti puruṣaḥ puruṣa anṛte ||
Durch Lüge über ein Pferd tötet man die hundertste Generation, durch Lüge über eine Kuh die tausendste; durch Lüge gegenüber einem Menschen tötet der Mensch sich selbst und seine eigenen Leute.
Wort für Wort śatam aśva anṛte hanti bei Lüge über ein Pferd tötet man die hundertste (Generation) sahasram tu gava anṛte bei Lüge über eine Kuh aber die tausendste ātmānam sva janam hanti tötet sich selbst und die eigenen Leute puruṣaḥ puruṣa anṛte der Mensch bei Lüge gegenüber einem Menschen pūrvam kṛtārtho mitrāṇām na tat prati karoti yaḥ |
kṛtaghnaḥ sarva bhūtānām sa vadhyaḥ plavageśvara ||
Wer, nachdem er zuvor durch Freunde sein Ziel erreicht hat, ihnen nicht vergilt, ist undankbar gegenüber allen Wesen; er verdient den Tod, Herr der Affen.
Wort für Wort pūrvam kṛtārtho mitrāṇām zuvor durch Freunde sein Ziel erreicht na tat prati karoti yaḥ wer nicht vergilt kṛtaghnaḥ sarva bhūtānām undankbar gegenüber allen Wesen sa vadhyaḥ plavageśvara er verdient den Tod, Herr der Affen gīto ayam brahmaṇā ślokaḥ sarva loka namaskṛtaḥ |
dṛṣṭvā kṛtaghnam kruddhena tam nibodha plavamgama ||
Dieser Vers wurde von Brahmā gesungen, dem alle Welten Ehrerbietung erweisen, als er, zornig, den Undankbaren erblickte; vernimm ihn, Affe:
Wort für Wort gīto ayam brahmaṇā ślokaḥ dieser Vers wurde von Brahmā gesungen sarva loka namaskṛtaḥ dem alle Welten Ehrerbietung erweisen dṛṣṭvā kṛtaghnam kruddhena zornig, den Undankbaren erblickend tam nibodha plavamgama vernimm ihn, Affe go ghne ca eva surāpe ca caure bhagna vrate tathā |
niṣkṛtir vihitā sadbhiḥ kṛtaghne na asti niṣkṛtiḥ ||
Für den Kuhtöter, den Weintrinker, den Dieb und den Gelübdebrecher ist von den Rechtschaffenen eine Sühne vorgesehen; für den Undankbaren aber gibt es keine Sühne.
Wort für Wort go ghne ca eva surāpe ca für den Kuhtöter und den Weintrinker caure bhagna vrate tathā für den Dieb und ebenso den Gelübdebrecher niṣkṛtir vihitā sadbhiḥ ist von den Rechtschaffenen eine Sühne vorgesehen kṛtaghne na asti niṣkṛtiḥ für den Undankbaren gibt es keine Sühne anārya tvam kṛtaghnaḥ ca mithyā vādī ca vānara |
pūrvam kṛtārtho rāmasya na tat pratikaroṣi yat ||
Unedel bist du, undankbar und lügnerisch, Affe, dass du, obwohl du zuvor durch Rāma dein Ziel erreicht hast, ihm nicht vergiltst.
Wort für Wort anārya tvam kṛtaghnaḥ ca unedel bist du und undankbar mithyā vādī ca vānara und lügnerisch, Affe pūrvam kṛtārtho rāmasya zuvor durch Rāma dein Ziel erreicht na tat pratikaroṣi yat dass du nicht vergiltst nanu nāma kṛtārthena tvayā rāmasya vānara |
sītāyā mārgaṇe yatnaḥ kartavyaḥ kṛtam icchatā ||
Fürwahr, von dir, der du dein Ziel erreicht hast, Affe, hätte doch Anstrengung für Rāmas Suche nach Sītā unternommen werden sollen, wolltest du seine Wohltat vergelten.
Wort für Wort nanu nāma kṛtārthena tvayā fürwahr, von dir, der du dein Ziel erreicht hast rāmasya vānara für Rāma, Affe sītāyā mārgaṇe yatnaḥ kartavyaḥ hätte für die Suche nach Sītā Anstrengung unternommen werden sollen kṛtam icchatā von dem, der (die Wohltat) vergelten wollte sa tvam grāmyeṣu bhogeṣu sakto mithyā pratiśravaḥ |
na tvām rāmo vijānīte sarpam maṇḍūka rāviṇam ||
Du aber, an gemeine Genüsse gebunden, dein Versprechen brechend — Rāma erkennt dich nicht, wie man eine Schlange nicht erkennt, die wie ein Frosch quakt.
Wort für Wort sa tvam grāmyeṣu bhogeṣu sakto du, an gemeine Genüsse gebunden mithyā pratiśravaḥ dein Versprechen brechend na tvām rāmo vijānīte Rāma erkennt dich nicht sarpam maṇḍūka rāviṇam wie eine Schlange, die wie ein Frosch quakt mahābhāgena rāmeṇa pāpaḥ karuṇa vedinā |
harīṇām prāpito rājyam tvam durātmā mahātmanā ||
Vom hochherrlichen, mitleidsvollen Rāma, dem Grossmütigen, wurdest du, der Böse, Übelgesinnte, zum Königreich der Affen verholfen.
Wort für Wort mahābhāgena rāmeṇa vom hochherrlichen Rāma pāpaḥ karuṇa vedinā du Böser, vom mitleidsvollen harīṇām prāpito rājyam zum Königreich der Affen verholfen tvam durātmā mahātmanā du, der Übelgesinnte, vom Grossmütigen kṛtam cet na abhijānīṣe rāghavasya mahātmanaḥ |
sadyaḥ tvam niśitair bāṇair hato drakṣyasi vālinam ||
Wenn du die Tat des grossmütigen Rāghava nicht anerkennst, wirst du sogleich, von scharfen Pfeilen getötet, Vālin wieder erblicken.
Wort für Wort kṛtam cet na abhijānīṣe wenn du die Tat nicht anerkennst rāghavasya mahātmanaḥ des grossmütigen Rāghava sadyaḥ tvam niśitair bāṇair hato sogleich, von dir, mit scharfen Pfeilen getötet drakṣyasi vālinam wirst du Vālin erblicken na ca saṃkucitaḥ panthā yena vālī hato gataḥ |
samaye tiṣṭha sugrīva mā vāli patham anvagāḥ ||
Und nicht schmal ist der Pfad, auf dem Vālin, getötet, dahingegangen ist. Halte deine Abmachung, Sugrīva; folge nicht dem Weg Vālins.
Wort für Wort na ca saṃkucitaḥ panthā und nicht schmal ist der Pfad yena vālī hato gataḥ auf dem Vālin, getötet, dahingegangen ist samaye tiṣṭha sugrīva halte deine Abmachung, Sugrīva mā vāli patham anvagāḥ folge nicht dem Weg Vālins na nūnam ikṣvāku varasya kārmukāt śarān ca tān paśyasi vajra saṃnibhān |
tataḥ sukham nāma viṣevase sukhī na rāma kāryam manasā api avekṣase ||
Gewiss hast du die Pfeile, die dem Vajra gleichen, aus dem Bogen des besten der Ikṣvākus, noch nicht gesehen; deshalb geniesst du sorglos das Glück und bedenkst Rāmas Angelegenheit nicht einmal in Gedanken.
Wort für Wort na nūnam ikṣvāku varasya kārmukāt gewiss nicht aus dem Bogen des besten der Ikṣvākus śarān ca tān paśyasi vajra saṃnibhān hast du jene Pfeile gesehen, dem Vajra gleich tataḥ sukham nāma viṣevase sukhī deshalb geniesst du sorglos das Glück na rāma kāryam manasā api avekṣase und bedenkst Rāmas Angelegenheit nicht einmal in Gedanken
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