Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Kiṣkindhākāṇḍa

Sarga 64: Sāgara Darśana Viṣādaḥ Der Anblick des Ozeans und Aṅgadas Aufruf zum Sprung

ākhyātā gṛdhrarājena samutplutya plavaṃgamāḥ | saṃgatāḥ prītisaṃyuktā vineduḥ siṃhavikramāḥ ||

Vom Geierkönig unterrichtet, sprangen die Affen auf, kamen zusammen, von Freude erfüllt, und brüllten löwengleich in ihrer Kraft.

Wort für Wort
ākhyātā gṛdhrarājena
vom Geierkönig unterrichtet
samutplutya plavaṃgamāḥ
aufspringend, die Affen
saṃgatāḥ prītisaṃyuktā
zusammengekommen, von Freude erfüllt
vineduḥ siṃhavikramāḥ
brüllten sie löwengleich

saṃpāteḥ vacanaṃ śrutvā harayo rāvaṇakṣayam | hṛṣṭāḥ sāgaram ājagmuḥ sītādarśanakāṃkṣiṇaḥ ||

Nachdem sie Sampātis Worte über Rāvaṇas Wohnstatt gehört hatten, kamen die Affen freudig zum Ozean, begierig, Sītā zu erblicken.

Wort für Wort
saṃpāteḥ vacanam śrutvā
Sampātis Worte gehört habend
harayaḥ rāvaṇakṣayam
die Affen, von Rāvaṇas Wohnstatt
hṛṣṭāḥ sāgaram ājagmuḥ
kamen freudig zum Ozean
sītādarśanakāṃkṣiṇaḥ
begierig, Sītā zu erblicken

abhikramya tu taṃ deśaṃ dadṛśur bhīmavikramāḥ | kṛtsnaṃ lokasya mahataḥ pratibiṃbam iva sthitam ||

Als sie sich jenem Ort näherten, erblickten jene von furchterregender Kraft ihn, der dort stand wie ein Spiegelbild der ganzen großen Welt.

Wort für Wort
abhikramya tu tam deśam
jenem Ort sich nähernd
dadṛśuḥ bhīmavikramāḥ
erblickten die von furchterregender Kraft
kṛtsnam lokasya mahataḥ
der ganzen großen Welt
pratibiṃbam iva sthitam
wie ein Spiegelbild dastehend

dakṣiṇasya samudrasya samāsādyottarāṃ diśam | saṃniveśaṃ tataḥ cakruḥ sahitā vānarottamāḥ ||

Nachdem sie das nördliche Ufer des südlichen Ozeans erreicht hatten, richteten die besten der Affen dort gemeinsam ihr Lager ein.

Wort für Wort
dakṣiṇasya samudrasya
des südlichen Ozeans
samāsādya uttarām diśam
das nördliche Ufer erreichend
saṃniveśam tataḥ cakruḥ
richteten sie dort das Lager ein
sahitā vānarottamāḥ
gemeinsam die besten der Affen

prasuptam iva cānyatra krīḍantam iva cānyataḥ | kvacit parvatamātraiś ca jalarāśibhir āvṛtam || saṃkulaṃ dānavendraiś ca pātālatalavāsibhiḥ | romaharṣakaraṃ dṛṣṭvā viṣeduḥ kapikuṃjarāḥ |

Bald schien er zu schlafen, bald an anderer Stelle zu spielen; hier und dort von berggroßen Wassermassen bedeckt, überfüllt von Dānava-Fürsten und Bewohnern der Unterwelt — als sie ihn erblickten, haarsträubend wie er war, verfielen die gewaltigen Affen in Verzweiflung.

Wort für Wort
prasuptam iva ca anyatra
bald wie schlafend an anderer Stelle
krīḍantam iva ca anyataḥ
bald wie spielend anderswo
kvacit parvatamātraiḥ ca
hier von berggroßen
jalarāśibhiḥ āvṛtam
Wassermassen bedeckt
saṃkulam dānavendraiḥ ca
überfüllt von Dānava-Fürsten
pātālatalavāsibhiḥ
und Bewohnern der Unterwelt
romaharṣakaram dṛṣṭvā
ihn haarsträubend erblickend
viṣeduḥ kapikuṃjarāḥ
verfielen die gewaltigen Affen in Verzweiflung

ākāśam iva duṣpāraṃ sāgaraṃ prekṣya vānarāḥ | viṣeduḥ sahitā sarve kathaṃ kāryam iti bruvan ||

Als die Affen den Ozean erblickten, grenzenlos wie der Himmel, verzweifelten sie alle gemeinsam und sprachen: ›Wie soll dies bewerkstelligt werden?‹

Wort für Wort
ākāśam iva duṣpāram
grenzenlos wie der Himmel
sāgaram prekṣya vānarāḥ
den Ozean erblickend, die Affen
viṣeduḥ sahitā sarve
verzweifelten alle gemeinsam
katham kāryam iti bruvan
und sprachen: wie soll es getan werden

viṣaṇṇāṃ vāhinīṃ dṛṣṭvā sāgarasya nirīkṣaṇāt | āśvāsayāmāsa harīn bhayārtān harisattamaḥ ||

Als er das vom Anblick des Ozeans mutlos gewordene Heer sah, tröstete der beste der Affen die von Furcht bedrängten Affen.

Wort für Wort
viṣaṇṇām vāhinīm dṛṣṭvā
das mutlose Heer sehend
sāgarasya nirīkṣaṇāt
vom Anblick des Ozeans
āśvāsayāmāsa harīn
tröstete er die Affen
bhayārtān harisattamaḥ
von Furcht bedrängt, der beste der Affen

na viṣāde manaḥ kāryaṃ viṣādo doṣavattaraḥ | viṣādo hanti puruṣaṃ bālaṃ kruddha ivoragaḥ ||

›Der Geist soll sich nicht der Verzweiflung hingeben; Verzweiflung ist überaus schädlich. Verzweiflung vernichtet einen Menschen, wie eine erzürnte Schlange ein Kind.‹

Wort für Wort
na viṣāde manaḥ kāryam
der Geist soll sich nicht der Verzweiflung hingeben
viṣādaḥ doṣavattaraḥ
Verzweiflung ist überaus schädlich
viṣādaḥ hanti puruṣam
Verzweiflung vernichtet den Menschen
bālam kruddhaḥ iva uragaḥ
wie eine erzürnte Schlange ein Kind

yo viṣādaṃ prasahate vikrame samupasthite | tejasā tasya hīnasya puruṣārtho na sidhyati ||

›Wen die Verzweiflung überwältigt, wenn Tatkraft gefordert ist, dessen Glanz schwindet, und das Ziel des Mannes gelingt nicht.‹

Wort für Wort
yaḥ viṣādaḥ prasahate
wen die Verzweiflung überwältigt
vikrame samupasthite
wenn Tatkraft gefordert ist
tejasā tasya hīnasya
dessen, der des Glanzes beraubt ist
puruṣārthaḥ na sidhyati
gelingt das Ziel des Mannes nicht

tasyāṃ rātryāṃ vyatītāyām aṃgado vānaraiḥ saha | harivṛddhaiḥ samāgamya punar maṃtram amaṃtrayat ||

Als jene Nacht verstrichen war, kam Aṅgada mit den älteren Affen zusammen und beriet sich abermals mit ihnen.

Wort für Wort
tasyām rātryām vyatītāyām
als jene Nacht verstrichen war
aṃgadaḥ vānaraiḥ saha
Aṅgada mit den Affen
harivṛddhaiḥ samāgamya
mit den älteren Affen zusammenkommend
punaḥ maṃtram amaṃtrayat
beriet sich abermals

sā vānarāṇāṃ dhvajinī parivāryāṃgadaṃ babhau | vāsavaṃ parivāryeva marutāṃ vāhinī sthitā ||

Jenes Heer der Affen, Aṅgada umringend, erstrahlte, wie das Heer der Maruts, das Vāsava umringend dasteht.

Wort für Wort
sā vānarāṇām dhvajinī
jenes Heer der Affen
parivārya aṃgadam babhau
Aṅgada umringend, erstrahlte es
vāsavam parivārya iva
wie Vāsava umringend
marutām vāhinī sthitā
das Heer der Maruts dasteht

ko'nyas tāṃ vānarīṃ senāṃ śaktaḥ staṃbhayituṃ bhavet | anyatra vālitanayād anyatra ca hanūmataḥ ||

Wer anders, außer dem Sohn Vālins und außer Hanumān, könnte imstande sein, dieses Affenheer zu bändigen?

Wort für Wort
kaḥ anyaḥ tām vānarīm senām
wer anders dieses Affenheer
śaktaḥ staṃbhayitum bhavet
könnte imstande sein zu bändigen
anyatra vālitanayāt
außer dem Sohn Vālins
anyatra ca hanūmataḥ
und außer Hanumān

tataḥ tān harivṛddhāṃś ca tac ca sainyam ariṃdamaḥ | anumānyāṃgadaḥ śrīmān vākyam arthavad abravīt ||

Da, nachdem er jene älteren Affen und jenes Heer beruhigt hatte, sprach der glanzvolle Feindebezwinger Aṅgada ein bedeutungsvolles Wort.

Wort für Wort
tataḥ tān harivṛddhān ca
da jene älteren Affen
tat ca sainyam ariṃdamaḥ
und jenes Heer, der Feindebezwinger
anumānya aṃgadaḥ śrīmān
nachdem er beruhigt hatte, der glanzvolle Aṅgada
vākyam arthavat abravīt
sprach ein bedeutungsvolles Wort

ka idānīṃ mahātejā laṃghayiṣyati sāgaram | kaḥ kariṣyati sugrīvaṃ satyasaṃdham ariṃdamam ||

›Wer von großem Glanz wird nun über den Ozean springen? Wer wird sein Wort gegenüber Sugrīva, dem Feindebezwinger, wahr machen?‹

Wort für Wort
kaḥ idānīm mahātejāḥ
wer nun, von großem Glanz
laṃghayiṣyati sāgaram
wird über den Ozean springen
kaḥ kariṣyati sugrīvam
wer wird für Sugrīva erfüllen
satyasaṃdham ariṃdamam
dem wahrhaftigen, dem Feindebezwinger

ko vīro yojanaśataṃ laṃghayeta plavaṃgamāḥ | imāṃś ca yūthapān sarvān mocayet ko mahābhayāt ||

›Welcher Held, o Affen, könnte hundert Yojanas überspringen? Wer könnte all diese Heerführer von ihrer großen Furcht befreien?‹

Wort für Wort
kaḥ vīraḥ yojanaśatam
welcher Held hundert Yojanas
laṃghayeta plavaṃgamāḥ
könnte überspringen, o Affen
imān ca yūthapān sarvān
und all diese Heerführer
mocayet kaḥ mahābhayāt
wer könnte befreien von großer Furcht

kasya prasādād dārāṃś ca putrāṃś caiva gṛhāṇi ca | ito nivṛttāḥ paśyema siddhārthāḥ sukhino vayam ||

›Durch wessen Gnade könnten wir, von hier zurückgekehrt, mit erfülltem Auftrag glücklich unsere Frauen, Söhne und Häuser wiedersehen?‹

Wort für Wort
kasya prasādāt dārān ca
durch wessen Gnade Frauen
putrān caiva gṛhāṇi ca
und Söhne und Häuser
itaḥ nivṛttāḥ paśyema
von hier zurückgekehrt könnten wir sehen
siddhārthāḥ sukhinaḥ vayam
mit erfülltem Auftrag, glücklich wir

kasya prasādād rāmaṃ ca lakṣmaṇaṃ ca mahābalam | abhigacchema saṃhṛṣṭāḥ sugrīvaṃ ca mahābalam ||

›Durch wessen Gnade könnten wir, hoch erfreut, vor Rāma treten, und vor den mächtigen Lakṣmaṇa, und vor den mächtigen Sugrīva?‹

Wort für Wort
kasya prasādāt rāmam ca
durch wessen Gnade Rāma
lakṣmaṇam ca mahābalam
und den mächtigen Lakṣmaṇa
abhigacchema saṃhṛṣṭāḥ
könnten wir hoch erfreut treten vor
sugrīvam ca mahābalam
und den mächtigen Sugrīva

yadi kaścit samartho vaḥ sāgaraplavane hariḥ | sa dadātv iha naḥ śīghraṃ puṇyām abhayadakṣiṇām ||

›Wenn irgendein Affe unter euch fähig ist, den Ozean zu überspringen, so möge er uns hier rasch seine heilbringende, furchtstillende Zusage geben.‹

Wort für Wort
yadi kaścit samarthaḥ vaḥ
wenn irgendeiner von euch fähig ist
sāgaraplavane hariḥ
zum Überspringen des Ozeans, ein Affe
sa dadātu iha naḥ śīghram
so möge er uns hier rasch geben
puṇyām abhayadakṣiṇām
seine heilbringende, furchtstillende Zusage

aṃgadasya vacaḥ śrutvā na kaścit kiṃcid abravīt | stimiteva abhavat sarvā sā tatra harivāhinī ||

Als sie Aṅgadas Worte gehört hatten, sagte niemand irgendetwas; jenes ganze Affenheer wurde dort wie erstarrt.

Wort für Wort
aṃgadasya vacaḥ śrutvā
Aṅgadas Worte gehört habend
na kaścit kiṃcit abravīt
sagte niemand irgendetwas
stimitā iva abhavat sarvā
wurde ganz wie erstarrt
sā tatra harivāhinī
jenes Affenheer dort

punar eva aṃgadaḥ prāha tān harīn harisattamaḥ | sarve balavatāṃ śreṣṭhā bhavanto dṛḍhavikramāḥ | vyapadeśyakule jātāḥ pūjitāś cāpy abhīkṣṇaśaḥ ||

Abermals sprach Aṅgada, der beste der Affen, zu jenen Affen: ›Ihr alle seid die Vorzüglichsten unter den Mächtigen, von fester Tapferkeit, aus rühmlichen Geschlechtern geboren und wiederholt geehrt worden.‹

Wort für Wort
punaḥ eva aṃgadaḥ prāha
abermals sprach Aṅgada
tān harīn harisattamaḥ
zu jenen Affen, der beste der Affen
sarve balavatām śreṣṭhāḥ
alle seid ihr die Vorzüglichsten unter den Mächtigen
bhavantaḥ dṛḍhavikramāḥ
ihr, von fester Tapferkeit
vyapadeśyakule jātāḥ
aus rühmlichen Geschlechtern geboren
pūjitāḥ ca api abhīkṣṇaśaḥ
und wiederholt geehrt

na hi vo gamane saṃgaḥ kadācid api kasyacid bhavet | bruvadhvaṃ yasya yā śaktiḥ plavane plavagarṣabhāḥ ||

›Denn wahrlich, niemals dürfte es für irgendeinen von euch ein Hindernis zum Gehen geben. Sagt, ihr Stiere unter den Affen, wessen Sprungkraft wie groß ist.‹

Wort für Wort
na hi vaḥ gamane saṃgaḥ
denn nicht sei euch beim Gehen ein Hindernis
kadācit api kasyacit bhavet
zu irgendeiner Zeit für irgendeinen
bruvadhvam yasya yā śaktiḥ
sagt, wessen Kraft welche ist
plavane plavagarṣabhāḥ
zum Sprung, ihr Stiere unter den Affen

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