Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Kiṣkindhākāṇḍa

Sarga 32: Hanumat Vākyam Hanumāns Ermahnung an Sugrīva

aṃgadasya vacaḥ śrutvā sugrīvaḥ sacivaiḥ saha | lakṣmaṇam kupitam śrutvā mumoca āsanam ātmavān ||

Nachdem Sugrīva Aṅgadas Worte gehört hatte, zusammen mit seinen Ministern, und gehört hatte, dass Lakṣmaṇa zornig war, verliess der Besonnene seinen Sitz.

Wort für Wort
aṃgadasya vacaḥ śrutvā
Aṅgadas Worte gehört habend
sugrīvaḥ sacivaiḥ saha
Sugrīva, zusammen mit den Ministern
lakṣmaṇam kupitam śrutvā
gehört habend, dass Lakṣmaṇa zornig war
mumoca āsanam ātmavān
verliess der Besonnene den Sitz

sa ca tān abravīt vākyam niścitya guru lāghavam | maṃtrajñān maṃtra kuśalo maṃtreṣu pariniṣṭhitaḥ ||

Und er, in Beratungen Kundige, in Beratungen Bewanderte, sprach zu jenen, die den Rat kannten, ein Wort, nachdem er das Gewicht der Sache bedacht hatte:

Wort für Wort
sa ca tān abravīt vākyam
und er sprach zu jenen das Wort
niścitya guru lāghavam
das Gewicht der Sache bedacht habend
maṃtrajñān maṃtra kuśalo
zu den Ratkundigen, der Ratkundige
maṃtreṣu pariniṣṭhitaḥ
in Beratungen bewandert

na me dur vyāhṛtam kiṃcit na api me dur anuṣṭhitam | lakṣmaṇo rāghava bhrātā kruddhaḥ kim iti ciṃtaye ||

«Ich habe nichts Schlechtes gesagt, noch habe ich etwas Schlechtes getan; ich frage mich, warum Lakṣmaṇa, Rāghavas Bruder, zornig ist.

Wort für Wort
na me dur vyāhṛtam kiṃcit
ich habe nichts Schlechtes gesagt
na api me dur anuṣṭhitam
noch habe ich etwas Schlechtes getan
lakṣmaṇo rāghava bhrātā kruddhaḥ
Lakṣmaṇa, Rāghavas Bruder, ist zornig
kim iti ciṃtaye
warum, frage ich mich

asuhṛdbhiḥ mama amitraiḥ nityam antara darśibhiḥ | mama doṣān asaṃbhūtān śrāvito rāghavānujaḥ ||

Von meinen Nicht-Freunden, meinen Feinden, die stets meine Schwachstellen suchen, wurde dem jüngeren Bruder Rāghavas wohl von erfundenen Fehlern meinerseits berichtet.

Wort für Wort
asuhṛdbhiḥ mama amitraiḥ
von meinen Nicht-Freunden, meinen Feinden
nityam antara darśibhiḥ
die stets meine Schwachstellen suchen
mama doṣān asaṃbhūtān
von meinen erfundenen Fehlern
śrāvito rāghavānujaḥ
wurde dem jüngeren Bruder Rāghavas berichtet

atra tāvat yathā buddhi sarvaiḥ eva yathā vidhi | bhāvasya niścayaḥ tāvat vijñeyo nipuṇam śanaiḥ ||

Hierbei soll zunächst, wie es der Verstand gebietet, von allen ordnungsgemäss der wahre Sachverhalt sorgfältig, langsam erkannt werden.

Wort für Wort
atra tāvat yathā buddhi
hierbei zunächst, wie es der Verstand gebietet
sarvaiḥ eva yathā vidhi
von allen ordnungsgemäss
bhāvasya niścayaḥ tāvat
der wahre Sachverhalt zunächst
vijñeyo nipuṇam śanaiḥ
soll sorgfältig, langsam erkannt werden

na khalu asti mama trāso lakṣmaṇān na api rāghavāt | mitram tu asthāna kupitam janayati eva saṃbhramam ||

Fürwahr, ich habe keine Furcht vor Lakṣmaṇa noch vor Rāghava; doch ein Freund, der ohne Grund zornig ist, erzeugt eben Verwirrung.

Wort für Wort
na khalu asti mama trāso
fürwahr, ich habe keine Furcht
lakṣmaṇān na api rāghavāt
vor Lakṣmaṇa noch vor Rāghava
mitram tu asthāna kupitam
doch ein Freund, ohne Grund zornig
janayati eva saṃbhramam
erzeugt eben Verwirrung

sarvathā sukaram mitram duṣkaram pratipālanam | anityatvāt tu cittānām prītiḥ alpe api bhidyate ||

Auf jeden Fall ist ein Freund leicht zu gewinnen, aber schwer zu bewahren; denn wegen der Unbeständigkeit der Herzen zerbricht die Zuneigung selbst wegen Geringfügigem.

Wort für Wort
sarvathā sukaram mitram
auf jeden Fall ist ein Freund leicht (zu gewinnen)
duṣkaram pratipālanam
schwer ist die Bewahrung
anityatvāt tu cittānām
denn wegen der Unbeständigkeit der Herzen
prītiḥ alpe api bhidyate
zerbricht die Zuneigung selbst wegen Geringem

ato nimittam trasto aham rāmeṇa tu mahātmanā | yan mama upakṛtam śakyam pratikartum na tan mayā ||

Aus diesem Grund fürchte ich mich; denn die Wohltat, die mir der grossmütige Rāma erwiesen hat, kann von mir nicht angemessen vergolten werden.»

Wort für Wort
ato nimittam trasto aham
aus diesem Grund fürchte ich mich
rāmeṇa tu mahātmanā
vom grossmütigen Rāma aber
yan mama upakṛtam
was mir an Wohltat erwiesen wurde
śakyam pratikartum na tan mayā
kann von mir nicht vergolten werden

sugrīveṇa evam ukte tu hanumān hari puṃgavaḥ | uvāca svena tarkeṇa madhye vānara maṃtriṇām ||

Als Sugrīva so gesprochen hatte, sprach Hanumān, der beste der Affen, mit eigener Überlegung inmitten der Affenminister:

Wort für Wort
sugrīveṇa evam ukte tu
als Sugrīva so gesprochen hatte
hanumān hari puṃgavaḥ
Hanumān, der beste der Affen
uvāca svena tarkeṇa
sprach mit eigener Überlegung
madhye vānara maṃtriṇām
inmitten der Affenminister

sarvathā na etad āścaryam yat tvam harigaṇeśvara | na vismarasi susnigdham upakāram kṛtam śubham ||

«Es ist gar nicht verwunderlich, o Herr der Affenschar, dass du die überaus liebevolle, gute Wohltat, die dir erwiesen wurde, nicht vergisst.

Wort für Wort
sarvathā na etad āścaryam
es ist gar nicht verwunderlich
yat tvam harigaṇeśvara
dass du, Herr der Affenschar
na vismarasi susnigdham
nicht vergisst die überaus liebevolle
upakāram kṛtam śubham
die erwiesene, gute Wohltat

rāghaveṇa tu vīreṇa bhayam utsṛjya dūrataḥ | tvat priya artham hato vālī śakra tulya parākramaḥ ||

Denn vom Helden Rāghava wurde, jede Furcht weit von sich werfend, um dir einen Gefallen zu erweisen, Vālin getötet, der an Kühnheit Indra gleichkam.

Wort für Wort
rāghaveṇa tu vīreṇa
vom Helden Rāghava aber
bhayam utsṛjya dūrataḥ
jede Furcht weit von sich werfend
tvat priya artham hato vālī
um dir zu gefallen wurde Vālin getötet
śakra tulya parākramaḥ
der an Kühnheit Indra gleichkam

sarvathā praṇayāt kruddho rāghavo na atra saṃśayaḥ | bhrātaram saṃprahitavān lakṣmaṇam lakṣmi vardhanam ||

Gewiss ist Rāghava aus Zuneigung zornig geworden, daran besteht kein Zweifel; er hat seinen Bruder Lakṣmaṇa, den Mehrer des Glücks, gesandt.

Wort für Wort
sarvathā praṇayāt kruddho rāghavo
gewiss ist Rāghava aus Zuneigung zornig geworden
na atra saṃśayaḥ
daran kein Zweifel
bhrātaram saṃprahitavān
er hat den Bruder gesandt
lakṣmaṇam lakṣmi vardhanam
Lakṣmaṇa, den Mehrer des Glücks

tvam pramatto na jānīṣe kālam kalavidām vara | phulla sapta cchada śyāmā pravṛttā tu śarat śivā ||

Du, nachlässig geworden, o Bester der Zeitkundigen, erkennst die Zeit nicht: der Herbst, mit blühenden, dunklen Saptacchada-Bäumen, glücksverheissend, ist bereits eingezogen.

Wort für Wort
tvam pramatto na jānīṣe kālam
du, nachlässig, erkennst die Zeit nicht
kalavidām vara
Bester der Zeitkundigen
phulla sapta cchada śyāmā
mit blühenden, dunklen Saptacchada-Bäumen
pravṛttā tu śarat śivā
der glückverheissende Herbst ist eingezogen

nirmala graha nakṣatrā dyauḥ pranaṣṭa balāhakā | prasannāḥ ca diśaḥ sarvāḥ saritaḥ ca sarāṃsi ca ||

Der Himmel ist rein an Planeten und Sternen, seine Wolken sind verschwunden; klar sind alle Himmelsrichtungen, die Flüsse und die Seen.

Wort für Wort
nirmala graha nakṣatrā dyauḥ
der Himmel, rein an Planeten und Sternen
pranaṣṭa balāhakā
seine Wolken verschwunden
prasannāḥ ca diśaḥ sarvāḥ
und klar alle Himmelsrichtungen
saritaḥ ca sarāṃsi ca
und die Flüsse und Seen

prāptam udyoga kālam tu na avaiṣi haripuṃgava | tvam pramatta iti vyaktam lakṣmaṇo ayam iha āgataḥ ||

Doch du erkennst nicht, dass die Zeit des Unternehmens gekommen ist, bester der Affen; deutlich ist, dass du nachlässig warst — deshalb ist dieser Lakṣmaṇa hierher gekommen.

Wort für Wort
prāptam udyoga kālam tu
dass die Zeit des Unternehmens gekommen ist
na avaiṣi haripuṃgava
erkennst du nicht, bester der Affen
tvam pramatta iti vyaktam
deutlich, dass du nachlässig warst
lakṣmaṇo ayam iha āgataḥ
deshalb ist dieser Lakṣmaṇa hierher gekommen

ārtasya hṛta dārasya paruṣam puruṣa antarāt | vacanam marṣaṇīyam te rāghavasya mahātmanaḥ ||

Von dem Leidenden, der seiner Gattin beraubt ist, ist ein hartes Wort — wenn es von einem anderen Menschen käme — unerträglich; doch das Wort des grossmütigen Rāghava sollte von dir ertragen werden.

Wort für Wort
ārtasya hṛta dārasya
des Leidenden, der Gattin beraubten
paruṣam puruṣa antarāt
ein hartes Wort von einem anderen Menschen
vacanam marṣaṇīyam te
das Wort sollte von dir ertragen werden
rāghavasya mahātmanaḥ
das des grossmütigen Rāghava

kṛta aparādhasya hi te na anyat paśyāmi aham kṣamam | aṃtareṇa aṃjalim baddhvā lakṣmaṇasya prasādanāt ||

Denn für dich, der du ein Vergehen begangen hast, sehe ich nichts anderes als angemessen an, als mit gefalteten Händen dazwischenzutreten und um Lakṣmaṇas Gnade zu bitten.

Wort für Wort
kṛta aparādhasya hi te
denn für dich, der du ein Vergehen begangen hast
na anyat paśyāmi aham kṣamam
sehe ich nichts anderes als angemessen
aṃtareṇa aṃjalim baddhvā
als mit gefalteten Händen dazwischenzutreten
lakṣmaṇasya prasādanāt
um Lakṣmaṇas Gnade willen

niyuktaiḥ maṃtribhiḥ vācyo avaśyam pārthivo hitam | ita eva bhayam tyaktvā bravīmi avadhṛtam vacaḥ ||

Von den beauftragten Ministern muss dem Herrscher unbedingt das Zuträgliche gesagt werden; deshalb, jede Furcht ablegend, spreche ich ein wohlbedachtes Wort:

Wort für Wort
niyuktaiḥ maṃtribhiḥ vācyo
von den beauftragten Ministern muss gesagt werden
avaśyam pārthivo hitam
dem Herrscher unbedingt das Zuträgliche
ita eva bhayam tyaktvā
deshalb, jede Furcht ablegend
bravīmi avadhṛtam vacaḥ
spreche ich ein wohlbedachtes Wort

abhikruddhaḥ samartho hi cāpam udyamya rāghavaḥ | sa deva asura gaṃdharvam vaśe sthāpayitum jagat ||

Wenn Rāghava zornig geworden ist, ist er fähig, seinen Bogen erhoben, die ganze Welt mitsamt Göttern, Dämonen und Gandharven sich untertan zu machen.

Wort für Wort
abhikruddhaḥ samartho hi
wenn zornig, ist er fähig
cāpam udyamya rāghavaḥ
Rāghava, den Bogen erhoben
sa deva asura gaṃdharvam
mitsamt Göttern, Dämonen und Gandharven
vaśe sthāpayitum jagat
die Welt sich untertan zu machen

na sa kṣamaḥ kopayitum yaḥ prasādya punar bhavet | pūrva upakāram smaratā kṛtajñena viśeṣataḥ ||

Es ist nicht angemessen, den zum Zorn zu reizen, der nach anfänglicher Gunst danach wieder versöhnlich wäre — besonders für einen, der sich an die frühere Wohltat erinnert und dankbar ist.

Wort für Wort
na sa kṣamaḥ kopayitum
es ist nicht angemessen, den zum Zorn zu reizen
yaḥ prasādya punar bhavet
der wieder versöhnlich wäre
pūrva upakāram smaratā
für den, der sich an die frühere Wohltat erinnert
kṛtajñena viśeṣataḥ
dem Dankbaren, besonders

tasya mūrdhnā praṇamya tvam sa putraḥ sa suhṛt janaḥ | rājan tiṣṭha sva samaye bhartuḥ bhāryā iva tat vaśe ||

Verneige dich vor ihm mit dem Haupte, zusammen mit deinem Sohn und deinen Anhängern, o König, und halte deine Abmachung, wie eine Gattin sich dem Willen ihres Gatten fügt.

Wort für Wort
tasya mūrdhnā praṇamya tvam
verneige dich vor ihm mit dem Haupte
sa putraḥ sa suhṛt janaḥ
mit dem Sohn und den Anhängern
rājan tiṣṭha sva samaye
König, halte deine Abmachung
bhartuḥ bhāryā iva tat vaśe
wie eine Gattin sich dem Willen des Gatten (fügt)

na rāma rāmānuja śāsanam tvayā | kapīndra yuktam manasā api apohitum | mano hi te jñāsyati mānuṣam balam | sa rāghavasya asya surendra varcasaḥ ||

Nicht geziemt es sich, o Herr der Affen, den Befehl Rāmas und des jüngeren Bruders Rāmas auch nur in Gedanken zu missachten; denn dein Sinn wird die menschliche Kraft dieses Rāghava erkennen, der an Glanz dem Herrn der Götter gleichkommt.

Wort für Wort
na rāma rāmānuja śāsanam tvayā
nicht von dir der Befehl Rāmas und des jüngeren Bruders Rāmas
kapīndra yuktam manasā api apohitum
geziemt sich, Herr der Affen, auch nur in Gedanken zu missachten
mano hi te jñāsyati mānuṣam balam
denn dein Sinn wird die menschliche Kraft erkennen
sa rāghavasya asya surendra varcasaḥ
dieses Rāghava, der an Glanz dem Götterherrn gleichkommt

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