Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Kiṣkindhākāṇḍa

Sarga 27: Prasravaṇa Giri Varṇanam Der Berg Prasravaṇa und Rāmas Sehnsucht

abhiṣikte tu sugrīve praviṣṭe vānare guhām | ājagāma saha bhrātrā rāmaḥ prasravaṇam girim ||

Als Sugrīva geweiht war und der Affe in die Höhle eingetreten war, kam Rāma mit seinem Bruder zum Berg Prasravaṇa.

Wort für Wort
abhiṣikte sugrīve
als Sugrīva geweiht war
praviṣṭe vānare guhām
als der Affe in die Höhle eingetreten war
ājagāma saha bhrātrā
kam mit seinem Bruder
rāmaḥ prasravaṇam girim
Rāma zum Berg Prasravaṇa

śārdūla mṛga saṃghuṣṭam siṃhaiḥ bhīma ravaiḥ vṛtam | nānā gulma latā gūḍham bahu pādapa saṃkulam ||

(zu jenem Berg,) der vom Gebrüll der Tiger und Wildtiere widerhallte, von Löwen mit furchtbarem Gebrüll umgeben war, dicht von mancherlei Gestrüpp und Schlingpflanzen verborgen und reich an vielen Bäumen war.

Wort für Wort
śārdūla mṛga saṃghuṣṭam
widerhallend vom Gebrüll der Tiger und Wildtiere
siṃhaiḥ bhīma ravaiḥ vṛtam
von Löwen mit furchtbarem Gebrüll umgeben
nānā gulma latā gūḍham
verborgen von mancherlei Gestrüpp und Ranken
bahu pādapa saṃkulam
reich an vielen Bäumen

ṛkṣa vānara gopucchaiḥ mārjāraiḥ ca niṣevitam | megha rāśi nibham śailam nityam śucikaram śivam ||

bewohnt von Bären, Affen, Gopucchas und wilden Katzen, dem Berg, der einer Wolkenmasse glich, stets rein machend und heilbringend war.

Wort für Wort
ṛkṣa vānara gopucchaiḥ
von Bären, Affen, Gopucchas
mārjāraiḥ ca niṣevitam
und wilden Katzen bewohnt
megha rāśi nibham śailam
der Berg, einer Wolkenmasse gleich
nityam śucikaram śivam
stets rein machend und heilbringend

tasya śailasya śikhare mahatīm āyatām guhām | pratyagṛhṇīta vāsārtham rāmaḥ saumitriṇā saha ||

Auf dem Gipfel jenes Berges nahm Rāma zusammen mit dem Sohn der Sumitrā eine grosse, weite Höhle zum Wohnen in Besitz.

Wort für Wort
tasya śailasya śikhare
auf dem Gipfel jenes Berges
mahatīm āyatām guhām
eine grosse, weite Höhle
pratyagṛhṇīta vāsārtham
nahm zum Wohnen in Besitz
rāmaḥ saumitriṇā saha
Rāma zusammen mit dem Sohn der Sumitrā

kṛtvā ca samayam rāmaḥ sugrīveṇa saha anagha | kāla yuktam mahad vākyam uvāca raghunandana ||

Nachdem er mit Sugrīva eine Abmachung getroffen hatte, o Sündloser, sprach der Freude-der-Raghus (Rāma) ein bedeutendes, der Zeit angemessenes Wort.

Wort für Wort
kṛtvā samayam
eine Abmachung getroffen habend
rāmaḥ sugrīveṇa saha anagha
Rāma mit Sugrīva, o Sündloser
kāla yuktam mahad vākyam
ein bedeutendes, der Zeit angemessenes Wort
uvāca raghunandana
sprach der Freude der Raghus

vinītam bhrātaram bhrātā lakṣmaṇam lakṣmi vardhanam | iyam giri guhā ramyā viśālā yukta mārutā ||

zu seinem gehorsamen Bruder Lakṣmaṇa, dem Mehrer des Glücks: «Diese Berghöhle ist lieblich, weit und von (angenehmem) Wind durchzogen.

Wort für Wort
vinītam bhrātaram bhrātā
der Bruder zum gehorsamen Bruder
lakṣmaṇam lakṣmi vardhanam
zu Lakṣmaṇa, dem Mehrer des Glücks
iyam giri guhā ramyā
diese liebliche Berghöhle
viśālā yukta mārutā
weit, mit Wind versehen

asyām vastyāma saumitre varṣa rātram ariṃdama | giri śṛṃgam idam ramyam uttamam pārthivātmaja ||

In ihr wollen wir wohnen, Sohn der Sumitrā, während der Regennächte, Bezwinger der Feinde. Dieser Berggipfel ist lieblich und vortrefflich, Königssohn.

Wort für Wort
asyām vastyāma saumitre
in ihr wollen wir wohnen, Sohn der Sumitrā
varṣa rātram ariṃdama
während der Regennächte, Feindebezwinger
giri śṛṃgam idam ramyam
dieser liebliche Berggipfel
uttamam pārthivātmaja
vortrefflich, Königssohn

śvetābhiḥ kṛṣṇa tāmrābhiḥ śilābhiḥ upaśobhitam | nānā dhātu samākīrṇam nadī dardura saṃyutam ||

geschmückt mit weissen, schwarzen und kupferfarbenen Felsen, übersät mit mancherlei Mineralien, versehen mit Fluss und Fröschen,

Wort für Wort
śvetābhiḥ kṛṣṇa tāmrābhiḥ śilābhiḥ
mit weissen, schwarzen, kupferfarbenen Felsen
upaśobhitam
geschmückt
nānā dhātu samākīrṇam
übersät mit mancherlei Mineralien
nadī dardura saṃyutam
versehen mit Fluss und Fröschen

vividhaiḥ vṛkṣa ṣaṇḍaiḥ ca cāru citra latā yutam | nānā vihaga saṃghuṣṭam mayūra vara nāditam ||

mit mancherlei Baumgruppen und schönen, bunten Schlingpflanzen versehen, widerhallend vom mancherlei Vogelgezwitscher, ertönend vom Ruf der vortrefflichen Pfauen,

Wort für Wort
vividhaiḥ vṛkṣa ṣaṇḍaiḥ ca
mit mancherlei Baumgruppen
cāru citra latā yutam
mit schönen, bunten Ranken versehen
nānā vihaga saṃghuṣṭam
widerhallend von mancherlei Vögeln
mayūra vara nāditam
ertönend von den vortrefflichen Pfauen

mālatī kuṃda gulmaiḥ ca siṃduvāraiḥ śirīṣakaiḥ | kadaṃba arjuna sarjaiḥ ca puṣpitaiḥ upaśobhitam ||

geschmückt mit blühenden Mālatī- und Kunda-Sträuchern, Siṃduvāra- und Śirīṣa-Bäumen, Kadamba-, Arjuna- und Sarja-Bäumen —

Wort für Wort
mālatī kuṃda gulmaiḥ ca
mit Mālatī- und Kunda-Sträuchern
siṃduvāraiḥ śirīṣakaiḥ
mit Siṃduvāra- und Śirīṣa-Bäumen
kadaṃba arjuna sarjaiḥ ca
mit Kadamba-, Arjuna- und Sarja-Bäumen
puṣpitaiḥ upaśobhitam
geschmückt mit blühenden (Bäumen)

iyam ca nalini ramyā phulla paṃkaja maṇḍitaiḥ | na ati dūre guhāyā nau bhaviṣyati nṛpātmaja ||

und dieser liebliche Lotusteich, geschmückt mit erblühten Lotusblüten, wird nicht allzu weit von unserer Höhle entfernt sein, Königssohn.

Wort für Wort
iyam nalini ramyā
dieser liebliche Lotusteich
phulla paṃkaja maṇḍitaiḥ
geschmückt mit erblühten Lotusblüten
na ati dūre guhāyā naḥ
nicht allzu weit von unserer Höhle
bhaviṣyati nṛpātmaja
wird sein, Königssohn

prāg udak pravaṇe deśe guhā sādhu bhaviṣyati | paścāt ca eva unnatā saumya nivāte ayam bhaviṣyati ||

An einem nach Osten und Norden geneigten Ort wird die Höhle gut gelegen sein; und nach Westen hin erhöht, Sanfter, wird sie windgeschützt sein.

Wort für Wort
prāg udak pravaṇe deśe
an einem nach Osten und Norden geneigten Ort
guhā sādhu bhaviṣyati
wird die Höhle gut sein
paścāt unnatā saumya
nach Westen erhöht, Sanfter
nivāte ayam bhaviṣyati
sie wird windgeschützt sein

guhā dvāre ca saumitre śilā sama talā śivā | kṛṣṇā ca eva āyatā caiva bhinna aṃjana caya upamamā ||

Und am Höhleneingang, Sohn der Sumitrā, gibt es einen glücksverheissenden Felsen mit ebener Fläche, schwarz und ausgedehnt, gleich einem aufgebrochenen Haufen Augensalbe.

Wort für Wort
guhā dvāre saumitre
am Höhleneingang, Sohn der Sumitrā
śilā sama talā śivā
ein glückverheissender Fels mit ebener Fläche
kṛṣṇā āyatā ca
schwarz und ausgedehnt
bhinna aṃjana caya upamā
gleich einem aufgebrochenen Haufen Augensalbe

giri śṛṃgam idam tāta paśya ca uttarataḥ subham | bhinna aṃjana caya ākāram aṃbhodharam iva uditam ||

Sieh, lieber Bruder, diesen schönen Berggipfel im Norden, gestaltet wie ein aufgebrochener Haufen Augensalbe, wie eine aufgestiegene Regenwolke.

Wort für Wort
giri śṛṃgam idam tāta
diesen Berggipfel, lieber Bruder
paśya uttarataḥ subham
sieh im Norden, den schönen
bhinna aṃjana caya ākāram
in Gestalt eines aufgebrochenen Haufens Augensalbe
aṃbhodharam iva uditam
wie eine aufgestiegene Regenwolke

dakṣiṇasyām api diśa sthitam śvetam iva aṃbaram | kailāsa śikhara prakhyam nānā dhātu virājitam ||

Und im Süden steht (ein Gipfel), weiss wie ein Gewand, dem Gipfel des Kailāsa gleichend, strahlend von mancherlei Mineralien.

Wort für Wort
dakṣiṇasyām diśa sthitam
im Süden stehend
śvetam iva aṃbaram
weiss wie ein Gewand
kailāsa śikhara prakhyam
dem Gipfel des Kailāsa gleichend
nānā dhātu virājitam
strahlend von mancherlei Mineralien

prācīna vāhinīm caiva nadīm bhṛśam akardamam | guhāyāḥ parataḥ paśya trikūṭe jahnavīm iva ||

Und sieh den ostwärts fliessenden, ganz schlammlosen Fluss jenseits der Höhle, wie die Jāhnavī (Gaṅgā) am Trikūṭa.

Wort für Wort
prācīna vāhinīm nadīm
den ostwärts fliessenden Fluss
bhṛśam akardamam
ganz schlammlos
guhāyāḥ parataḥ paśya
sieh jenseits der Höhle
trikūṭe jahnavīm iva
wie die Jāhnavī am Trikūṭa

candanaiḥ tilakaiḥ sālaiḥ tamālaiḥ atimuktakaiḥ | padmakaiḥ saralaiḥ caiva aśokaiḥ caiva śobhitam ||

Geschmückt mit Sandelbäumen, Tilaka-, Sāla-, Tamāla- und Atimuktaka-Bäumen, mit Padmaka-, Sarala- und Aśoka-Bäumen —

Wort für Wort
candanaiḥ tilakaiḥ sālaiḥ
mit Sandel-, Tilaka-, Sāla-Bäumen
tamālaiḥ atimuktakaiḥ
mit Tamāla- und Atimuktaka-Bäumen
padmakaiḥ saralaiḥ ca
mit Padmaka- und Sarala-Bäumen
aśokaiḥ ca śobhitam
und mit Aśoka-Bäumen geschmückt

vānīraiḥ timidaiḥ caiva vakulaiḥ ketakaiḥ api | hintālaiḥ tiniśaiḥ nīpaiḥ vetasaiḥ kṛtamālakaiḥ ||

mit Vānīra-, Timida-, Vakula- und Ketaka-Bäumen, Hintāla-, Tiniśa-, Nīpa-, Vetasa- und Kṛtamālaka-Bäumen

Wort für Wort
vānīraiḥ timidaiḥ ca
mit Vānīra- und Timida-Bäumen
vakulaiḥ ketakaiḥ api
auch mit Vakula- und Ketaka-Bäumen
hintālaiḥ tiniśaiḥ nīpaiḥ
mit Hintāla-, Tiniśa-, Nīpa-Bäumen
vetasaiḥ kṛtamālakaiḥ
mit Vetasa- und Kṛtamālaka-Bäumen

tīrajaiḥ śobhitā bhāti nānā rūpaiḥ tataḥ tataḥ | vasana ābharaṇa upeta pramada eva abhyalaṃkṛtā ||

— mit diesen an ihren Ufern wachsenden, mancherlei Gestalten hier und dort geschmückt, erstrahlt sie wie eine mit Kleidern und Schmuck versehene, geschmückte junge Frau.

Wort für Wort
tīrajaiḥ śobhitā bhāti
geschmückt mit Uferpflanzen erstrahlt sie
nānā rūpaiḥ tataḥ tataḥ
mit mancherlei Gestalten hier und dort
vasana ābharaṇa upeta
mit Kleidern und Schmuck versehen
pramada eva abhyalaṃkṛtā
wie eine geschmückte junge Frau

śataśaḥ pakṣi sanghaiḥ ca nānā nāda vināditā | ekaikam anuraktaiḥ ca cakravākaiḥ alaṃkṛtā ||

Von hunderten Vogelscharen mit mancherlei Rufen erklingend, geschmückt mit Cakravāka-Vögeln, die einander (paarweise) zugetan sind,

Wort für Wort
śataśaḥ pakṣi sanghaiḥ
von hunderten Vogelscharen
nānā nāda vināditā
mit mancherlei Rufen erklingend
ekaikam anuraktaiḥ
einander (paarweise) zugetan
cakravākaiḥ alaṃkṛtā
geschmückt mit Cakravāka-Vögeln

pulinaiḥ ati ramyaiḥ ca haṃsa sārasa sevitā | prahasaṃtī iva bhāti eṣā nārī ratna vibhūṣitā ||

mit überaus lieblichen Sandbänken, von Gänsen und Kranichen bewohnt, erstrahlt sie wie lachend, diese mit Juwelen geschmückte Frau (der Fluss).

Wort für Wort
pulinaiḥ ati ramyaiḥ
mit überaus lieblichen Sandbänken
haṃsa sārasa sevitā
von Gänsen und Kranichen bewohnt
prahasaṃtī iva bhāti
erstrahlt wie lachend
eṣā nārī ratna vibhūṣitā
diese mit Juwelen geschmückte Frau

kvacit nīlotpalaiḥ cchanna bhāti raktotpalaiḥ kvacit | kvacit bhāti śuklaiḥ ca divyaiḥ kumuda kuḍmalaiḥ ||

Hier bedeckt mit blauen Lotusblüten, dort erstrahlt sie mit roten Lotusblüten, dort erstrahlt sie mit weissen, göttlichen Kumuda-Knospen.

Wort für Wort
kvacit nīlotpalaiḥ cchanna
hier mit blauen Lotusblüten bedeckt
bhāti raktotpalaiḥ kvacit
dort erstrahlt mit roten Lotusblüten
kvacit bhāti śuklaiḥ divyaiḥ
dort erstrahlt mit weissen, göttlichen
kumuda kuḍmalaiḥ
mit Kumuda-Knospen

pāriplava śataiḥ juṣṭā barhi kraunca vināditā | ramaṇiyā nadī saumya muni saṃgha niṣevitā ||

Besucht von hunderten Wasservögeln, ertönend von Pfauen und Kraunca-Vögeln, ist dieser liebliche Fluss, Sanfter, von Scharen von Weisen bewohnt.

Wort für Wort
pāriplava śataiḥ juṣṭā
besucht von hunderten Wasservögeln
barhi kraunca vināditā
ertönend von Pfauen und Kraunca-Vögeln
ramaṇiyā nadī saumya
der liebliche Fluss, Sanfter
muni saṃgha niṣevitā
von Scharen von Weisen bewohnt

paśya caṃdana vṛkṣāṇām paṃktī surucirā iva | kakubhānam ca dṛśyante manasā iva uditāḥ samam ||

Sieh die überaus schönen Reihen der Sandelbäume, und die Kakubha-Bäume, die man sieht, als wären sie zugleich aus dem Gedanken heraus entstanden.

Wort für Wort
paśya caṃdana vṛkṣāṇām
sieh der Sandelbäume
paṃktī surucirā iva
die Reihen, wie überaus schön
kakubhānam ca dṛśyante
und man sieht der Kakubha-Bäume
manasā iva uditāḥ samam
als wären sie zugleich aus dem Sinn entstanden

aho suramaṇīyo ayam deśaḥ śatru niṣūdana | dṛḍham raṃsyāva saumitre sādhu atra nivasāvahe ||

Ach, wie überaus reizvoll ist dieser Ort, Feindebezwinger! Wir werden uns hier gewiss erfreuen, Sohn der Sumitrā; lasst uns hier gut wohnen.

Wort für Wort
aho suramaṇīyo ayam deśaḥ
ach, wie überaus reizvoll ist dieser Ort
śatru niṣūdana
Feindebezwinger
dṛḍham raṃsyāva saumitre
wir werden uns gewiss erfreuen, Sohn der Sumitrā
sādhu atra nivasāvahe
lasst uns hier gut wohnen

itaḥ ca na ati dūre sā kiṣkiṃdhā citra kānanā | sugrīvasya purī ramyā bhaviṣyati nṛpātmaja ||

Und von hier nicht allzu weit entfernt wird jene Kiṣkindhā mit ihrem bunten Wald, die liebliche Stadt Sugrīvas, sein, Königssohn.

Wort für Wort
itaḥ na ati dūre
von hier nicht allzu weit
sā kiṣkiṃdhā citra kānanā
jene Kiṣkindhā mit ihrem bunten Wald
sugrīvasya purī ramyā
Sugrīvas liebliche Stadt
bhaviṣyati nṛpātmaja
wird sein, Königssohn

gīta vāditra nirghoṣaḥ śrūyate jayatām vara | nadatām vānarāṇām ca mṛdaṃga āḍaṃbaraiḥ saha ||

Man hört den Klang von Gesang und Musikinstrumenten, o Bester der Sieger, zusammen mit dem Lärm der brüllenden Affen und dem Getöse der Trommeln.

Wort für Wort
gīta vāditra nirghoṣaḥ
der Klang von Gesang und Musikinstrumenten
śrūyate jayatām vara
man hört, o Bester der Sieger
nadatām vānarāṇām ca
und der brüllenden Affen
mṛdaṃga āḍaṃbaraiḥ saha
zusammen mit dem Getöse der Trommeln

labdhvā bhāryām kapivaraḥ prāpya rājyam suhṛt vṛtaḥ | dhruvam naṃdati sugrīvaḥ saṃprāpya mahatīm śriyam ||

Nachdem er seine Gattin wiedererlangt und das Reich erhalten hat, umgeben von Freunden, freut sich der beste der Affen, Sugrīva, gewiss, da er grosses Glück erlangt hat.»

Wort für Wort
labdhvā bhāryām kapivaraḥ
der beste der Affen, die Gattin wiedererlangt habend
prāpya rājyam suhṛt vṛtaḥ
das Reich erhalten, von Freunden umgeben
dhruvam naṃdati sugrīvaḥ
gewiss freut sich Sugrīva
saṃprāpya mahatīm śriyam
grosses Glück erlangt habend

iti uktvā nyavasat tatra rāghavaḥ saha lakṣmaṇaḥ | bahu dṛśya darī kuṃje tasmin prasravaṇe girau ||

Nach diesen Worten liess sich Rāghava zusammen mit Lakṣmaṇa dort nieder, in jenem sehenswerten Talgebüsch auf dem Berg Prasravaṇa.

Wort für Wort
iti uktvā nyavasat tatra
dies gesagt habend, liess sich dort nieder
rāghavaḥ saha lakṣmaṇaḥ
Rāghava zusammen mit Lakṣmaṇa
bahu dṛśya darī kuṃje
in dem sehenswerten Talgebüsch
tasmin prasravaṇe girau
auf jenem Berg Prasravaṇa

susukhe hi bahu dravye tasmin hi dharaṇī dhare | vasataḥ tasya rāmasya ratiḥ alpā api na abhavat ||

Doch obwohl es dort auf jenem Berg sehr angenehm und reich an guten Dingen war, empfand Rāma, der dort wohnte, nicht die geringste Freude,

Wort für Wort
susukhe bahu dravye
sehr angenehm, reich an Dingen
tasmin dharaṇī dhare
auf jenem Berg
vasataḥ tasya rāmasya
des dort wohnenden Rāma
ratiḥ alpā api na abhavat
auch nicht die geringste Freude war

hṛtām hi bhāryām smarataḥ prāṇebhyo api garīyasīm | udaya abhyuditam dṛṣṭvā śaśāṃkam ca viśeṣataḥ ||

denn er dachte an seine geraubte Gattin, die ihm teurer war als das Leben, besonders wenn er den aufgehenden Mond erblickte, wie er im Osten aufstieg.

Wort für Wort
hṛtām bhāryām smarataḥ
der an die geraubte Gattin dachte
prāṇebhyo api garīyasīm
teurer noch als das Leben
udaya abhyuditam dṛṣṭvā
als er den im Osten aufgestiegenen erblickte
śaśāṃkam ca viśeṣataḥ
den Mond, besonders

āviveśa na tam nidrā niśāsu śayanam gatam | tat samutthena śokena bāṣpa upahata cetasam ||

Kein Schlaf kam über ihn, wenn er sich nachts zur Ruhe legte, sein Geist von Tränen überwältigt, die aus jenem Kummer entstanden.

Wort für Wort
āviveśa na tam nidrā
kein Schlaf kam über ihn
niśāsu śayanam gatam
der nachts zur Ruhestatt ging
tat samutthena śokena
durch jenen daraus entstandenen Kummer
bāṣpa upahata cetasam
sein Geist von Tränen überwältigt

tam śocamānam kākutstham nityam śoka parāyaṇam | tulya duḥkho abravīd bhrātā lakṣmaṇo anunayam vacaḥ ||

Zu jenem trauernden Kākutstha, der stets dem Kummer ergeben war, sprach sein im gleichen Leid stehender Bruder Lakṣmaṇa tröstende Worte:

Wort für Wort
tam śocamānam kākutstham
zu jenem trauernden Kākutstha
nityam śoka parāyaṇam
stets dem Kummer ergeben
tulya duḥkho bhrātā lakṣmaṇo
der im gleichen Leid stehende Bruder Lakṣmaṇa
abravīd anunayam vacaḥ
sprach tröstende Worte

alam vīra vyathām gatvā na tvam śocitum arhasi | śocato hi avasīdanti sarva arthā viditam hi te ||

«Genug, Held, gib dich nicht dem Schmerz hin; du solltest nicht trauern. Denn wer trauert, dessen Angelegenheiten alle verkommen, das ist dir doch bekannt.

Wort für Wort
alam vīra vyathām gatvā
genug, Held, dem Schmerz verfallen
na tvam śocitum arhasi
du solltest nicht trauern
śocato avasīdanti sarva arthāḥ
des Trauernden verkommen alle Angelegenheiten
viditam hi te
das ist dir doch bekannt

bhavān kriyā paro loke bhavān deva parāyaṇaḥ | āstiko dharma śīlaḥ ca vyavasāyī ca rāghava ||

Du bist der Tat Ergebenste in der Welt, du bist den Göttern zugetan, gläubig, tugendhaften Wesens und entschlossen, Rāghava.

Wort für Wort
bhavān kriyā paro loke
du bist der Tat höchst ergeben in der Welt
bhavān deva parāyaṇaḥ
du bist den Göttern zugetan
āstiko dharma śīlaḥ ca
gläubig und tugendhaften Wesens
vyavasāyī ca rāghava
und entschlossen, Rāghava

na hi avyavasitaḥ śatrum rākṣasam tam viśeṣataḥ | samarthaḥ tvam raṇe hantum vikramaiḥ jihma kāriṇam ||

Denn ohne Entschlossenheit bist du nicht imstande, jenen Feind, den Rākṣasa, besonders den hinterhältig Handelnden, im Kampf mit deiner Kühnheit zu töten.

Wort für Wort
na avyavasitaḥ
nicht ohne Entschlossenheit
śatrum rākṣasam viśeṣataḥ
den Feind, den Rākṣasa, besonders
samarthaḥ tvam raṇe hantum
bist du imstande, im Kampf zu töten
vikramaiḥ jihma kāriṇam
mit Kühnheit, den hinterhältig Handelnden

samunmūlaya śokam tvam vyavasāyam sthirī kuru | tataḥ saparivāram tam rākṣasam hantum arhasi ||

Reisse den Kummer mit der Wurzel aus, festige deinen Entschluss; dann sollst du jenen Rākṣasa mitsamt seinem Gefolge töten.

Wort für Wort
samunmūlaya śokam tvam
reisse den Kummer aus
vyavasāyam sthirī kuru
festige den Entschluss
tataḥ saparivāram
dann mitsamt dem Gefolge
tam rākṣasam hantum arhasi
solltest du jenen Rākṣasa töten

pṛthivīm api kākutstha sasāgara vana acalām | parivartayitum śaktaḥ kim punaḥ tam hi rāvaṇam ||

Selbst die Erde, o Kākutstha, mitsamt ihren Meeren, Wäldern und Bergen, wärst du imstande umzuwenden — wieviel mehr also jenen Rāvaṇa!

Wort für Wort
pṛthivīm api kākutstha
selbst die Erde, o Kākutstha
sasāgara vana acalām
mitsamt Meeren, Wäldern und Bergen
parivartayitum śaktaḥ
imstande umzuwenden
kim punaḥ tam hi rāvaṇam
wieviel mehr jenen Rāvaṇa

śarat kālam pratīkṣasva prāvṛṭ kālo ayam āgataḥ | tataḥ sa rāṣṭram sa gaṇām rāvaṇam tam vadhiṣyasi ||

Erwarte die Herbstzeit; jetzt ist die Regenzeit gekommen. Dann wirst du jenen Rāvaṇa mitsamt seinem Reich und seiner Schar töten.

Wort für Wort
śarat kālam pratīkṣasva
erwarte die Herbstzeit
prāvṛṭ kālo ayam āgataḥ
diese Regenzeit ist gekommen
tataḥ sa rāṣṭram sa gaṇām
dann mitsamt Reich und Schar
rāvaṇam tam vadhiṣyasi
wirst du jenen Rāvaṇa töten

aham tu khalu te vīryam prasuptam pratibodhaye | dīptaiḥ āhutibhiḥ kāle bhasma cannam iva analam ||

Ich aber werde deine schlummernde Kraft erwecken, wie man zu gegebener Zeit mit lodernden Opferspenden ein von Asche bedecktes Feuer wieder entfacht.»

Wort für Wort
aham tu khalu te vīryam
ich aber werde deine Kraft
prasuptam pratibodhaye
die schlummernde erwecken
dīptaiḥ āhutibhiḥ kāle
mit lodernden Opferspenden zu gegebener Zeit
bhasma cannam iva analam
wie ein von Asche bedecktes Feuer

lakṣmaṇasya hi tad vākyam pratipūjya hitam śubham | rāghavaḥ suhṛdam snigdham idam vacanam abravīt ||

Nachdem Rāghava jenes heilsame, gute Wort des Lakṣmaṇa gewürdigt hatte, sprach er zu seinem liebevollen Freund diese Worte:

Wort für Wort
lakṣmaṇasya tad vākyam
jenes Wort des Lakṣmaṇa
pratipūjya hitam śubham
gewürdigt, das heilsame, gute
rāghavaḥ suhṛdam snigdham
Rāghava zu dem liebevollen Freund
idam vacanam abravīt
sprach dieses Wort

vācyam yad anuraktena snigdhena ca hitena ca | satya vikrama yuktena tad uktam lakṣmaṇa tvayā ||

«Was ein liebevoller, zugetaner und wohlmeinender, mit wahrer Kühnheit begabter (Bruder) sagen sollte, das hast du, Lakṣmaṇa, gesagt.

Wort für Wort
vācyam yad anuraktena
was zu sagen wäre von einem zugetanen
snigdhena hitena ca
liebevollen und wohlmeinenden
satya vikrama yuktena
mit wahrer Kühnheit begabt
tad uktam lakṣmaṇa tvayā
das hast du, Lakṣmaṇa, gesagt

eṣa śokaḥ parityaktaḥ sarva kārya avasādakaḥ | vikrameṣu apratihatam tejaḥ protsāhayāmi aham ||

Dieser Kummer, der alle Vorhaben lähmt, ist aufgegeben; ich will meine im Kühnheit ungehinderte Kraft anspornen.

Wort für Wort
eṣa śokaḥ parityaktaḥ
dieser Kummer ist aufgegeben
sarva kārya avasādakaḥ
der alle Vorhaben lähmende
vikrameṣu apratihatam tejaḥ
die in der Kühnheit ungehinderte Kraft
protsāhayāmi aham
ich will anspornen

śarat kālam pratīkṣiṣye sthito asmi vacane tava | sugrīvasya nadīnām ca prasādam anupālayan ||

Ich werde die Herbstzeit erwarten; ich stehe zu deinem Wort, indem ich Sugrīvas Gunst bewahre, wie ein Fluss seine Ruhe.

Wort für Wort
śarat kālam pratīkṣiṣye
ich werde die Herbstzeit erwarten
sthito asmi vacane tava
ich stehe zu deinem Wort
sugrīvasya prasādam
Sugrīvas Gunst
anupālayan
bewahrend

upakāreṇa viraḥ tu pratikāreṇa yujyate | akṛtajño apratikṛto hanti satvavatām manaḥ ||

Denn eine erwiesene Wohltat wird durch Gegenleistung vergolten; der Undankbare, der nichts vergilt, tötet das Herz der Edelgesinnten.»

Wort für Wort
upakāreṇa vīraḥ tu
eine Wohltat aber, Held,
pratikāreṇa yujyate
wird mit Gegenleistung verbunden
akṛtajño apratikṛto
der Undankbare, der nicht vergilt
hanti satvavatām manaḥ
tötet das Herz der Edelgesinnten

tat eva yuktam praṇidhāya lakṣmaṇaḥ | kṛta aṃjali tat pratipūjaya bhāṣitam | uvāca rāmam svabhirāma darśanam | pradarśayan darśanam ātmanaḥ śubham ||

Nachdem Lakṣmaṇa dies eben als recht erkannt und mit gefalteten Händen jene Rede gewürdigt hatte, sprach er zu dem an sich schon erfreulich anzuschauenden Rāma, indem er seine eigene gute Einsicht darlegte:

Wort für Wort
tat eva yuktam praṇidhāya
dies als eben recht erkannt habend
lakṣmaṇaḥ kṛta aṃjali
Lakṣmaṇa mit gefalteten Händen
tat pratipūjaya bhāṣitam
jene Rede gewürdigt habend
uvāca rāmam svabhirāma darśanam
sprach zu Rāma, dem von sich aus erfreulich Anzusehenden
pradarśayan darśanam ātmanaḥ śubham
seine eigene gute Einsicht darlegend

yathoktam etat tava sarvam īpsitam | narendra kartā na cirāt tu vānara | śarat pratīkṣaḥ kṣamatām imam bhavān | jala prapātam ripu nigrahe dhṛtaḥ ||

«Wie gesagt, wird der Affenfürst all dies, was du wünschst, o Herrscher der Menschen, nicht lange auf sich warten lassend, vollbringen. Du sollst diese Regenzeit erwarten und geduldig ertragen, in der Bezwingung des Feindes fest entschlossen.

Wort für Wort
yathoktam etat tava sarvam īpsitam
wie gesagt, all dies von dir Gewünschte
narendra kartā na cirāt tu vānara
wird der Affenfürst, o Herrscher der Menschen, nicht lange (zögernd) vollbringen
śarat pratīkṣaḥ kṣamatām imam bhavān
du sollst diese Herbstzeit erwarten und geduldig ertragen
jala prapātam ripu nigrahe dhṛtaḥ
den Regenguss, in der Feindbezwingung fest entschlossen

niyamya kopam pratipālyatām śarat | kṣamasva māsām caturo mayā saha | vasa acale asmin mṛga rāja sevite | saṃvartayan śatru vadhe samarthaḥ ||

Zügle deinen Zorn; die Herbstzeit soll erwartet werden. Ertrage geduldig vier Monate zusammen mit mir; wohne auf diesem Berg, der vom Löwen bewohnt wird, während du dich innerlich auf die Fähigkeit zur Feindtötung vorbereitest.»

Wort für Wort
niyamya kopam
den Zorn gezügelt habend
pratipālyatām śarat
die Herbstzeit soll erwartet werden
kṣamasva māsām caturo mayā saha
ertrage vier Monate mit mir
vasa acale asmin mṛga rāja sevite
wohne auf diesem Berg, vom Löwen bewohnt
saṃvartayan śatru vadhe samarthaḥ
dich vorbereitend zur Fähigkeit der Feindtötung

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