Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Sundarakāṇḍa

Sarga 19: Sītā Rāvaṇa Darśanam Sītā erblickt Rāvaṇa

tasminneva tataḥ kāle rājaputrī tv aninditā | rūpayauvanasampannaṃ bhūṣaṇottamabhūṣitam

In eben jenem Augenblick aber sah die makellose Königstochter den an Schönheit und Jugend reichen, mit erlesenstem Schmuck geschmückten Rāvaṇa.

Wort für Wort
tasminneva tataḥ kāle
in eben jenem Augenblick
rājaputrī tv aninditā
die makellose Königstochter aber
rūpayauvanasampannaṃ
den an Schönheit und Jugend reichen
bhūṣaṇottamabhūṣitam
mit erlesenstem Schmuck geschmückten

tato dṛṣṭvaiva vaidehī rāvaṇam rākṣasādhipam | prāvepata varārohā pravāte kadalī yathā

Als die Vaidehī den Rāvaṇa, den Herrn der Rākṣasas, erblickte, erzitterte die Schönhüftige, wie eine Bananenstaude im Wind.

Wort für Wort
tato dṛṣṭvaiva vaidehī
als die Vaidehī sogleich erblickte
rāvaṇam rākṣasādhipam
Rāvaṇa, den Herrn der Rākṣasas
prāvepata varārohā
erzitterte die Schönhüftige
pravāte kadalī yathā
wie eine Bananenstaude im Wind

ācchādya udaram ūrubhyām bāhubhyām ca payodharau | upaviṣṭā viśāla-akṣī rudantī vara-varṇinī

Ihren Leib mit den Schenkeln und ihre Brüste mit den Armen bedeckend, saß die Großäugige, Schönfarbene, weinend.

Wort für Wort
ācchādya udaram ūrubhyām
den Leib mit den Schenkeln bedeckend
bāhubhyām ca payodharau
und die Brüste mit den Armen
upaviṣṭā viśāla-akṣī
saß die Großäugige
rudantī vara-varṇinī
weinend, die Schönfarbene

daśagrīvastu vaidehīm rakṣitām rākṣasī-gaṇaiḥ | dadarśa dīnām duḥkha-ārtām nāvam sannām iva arṇave

Der Zehnhalsige aber sah die Vaidehī, bewacht von den Rākṣasī-Scharen, elend, vom Leid gequält, wie ein im Ozean gesunkenes Schiff.

Wort für Wort
daśagrīvastu vaidehīm
der Zehnhalsige aber die Vaidehī
rakṣitām rākṣasī-gaṇaiḥ
bewacht von den Rākṣasī-Scharen
dadarśa dīnām duḥkha-ārtām
sah er, elend, vom Leid gequält
nāvam sannām iva arṇave
wie ein im Ozean gesunkenes Schiff

asaṃvṛtāyām āsīnām dharaṇyām saṃśita-vratām | chinnām prapatitām bhūmau śākhām iva vanaspateḥ

auf dem ungedeckten Boden sitzend, streng in ihrem Gelübde, wie ein abgeschnittener, zu Boden gefallener Zweig eines Waldbaumes.

Wort für Wort
asaṃvṛtāyām āsīnām dharaṇyām
auf dem ungedeckten Boden sitzend
saṃśita-vratām
streng in ihrem Gelübde
chinnām prapatitām bhūmau
abgeschnitten, zu Boden gefallen
śākhām iva vanaspateḥ
wie ein Zweig eines Waldbaumes

mala-maṇḍana-citra-āngīm maṇḍana-arhām amaṇḍitām | mṛṇālī paṅka-digdhā iva vibhāti na vibhāti ca

mit vom Schmutz bunt gewordenen Gliedern, des Schmuckes würdig, doch ungeschmückt, wie ein mit Schlamm bedeckter Lotosstängel erstrahlend und doch nicht erstrahlend.

Wort für Wort
mala-maṇḍana-citra-āngīm
mit vom Schmutz bunt gewordenen Gliedern
maṇḍana-arhām amaṇḍitām
des Schmuckes würdig, doch ungeschmückt
mṛṇālī paṅka-digdhā iva
wie ein mit Schlamm bedeckter Lotosstängel
vibhāti na vibhāti ca
erstrahlt sie und erstrahlt doch nicht

samīpam rāja-simhasya rāmasya vidita-ātmanaḥ | saṅkalpa-haya-samyuktair yāntīm iva manorathaiḥ

gleichsam mit Wunschwagen, angeschirrt mit den Rossen ihres Sehnens, zur Nähe des Löwen unter den Königen, des wohlbekannten Rāma, fahrend,

Wort für Wort
samīpam rāja-simhasya
zur Nähe des Löwen unter den Königen
rāmasya vidita-ātmanaḥ
des wohlbekannten Rāma
saṅkalpa-haya-samyuktaiḥ
angeschirrt mit den Rossen ihres Sehnens
yāntīm iva manorathaiḥ
gleichsam mit Wunschwagen fahrend

śuṣyantīm rudatīm ekām dhyāna-śoka-parāyaṇām | duḥkhasya antam apaśyantīm rāmām rāma-anuvratām

verwelkend, allein weinend, versunken in Grübeln und Kummer, kein Ende ihres Leids sehend, die Rāmā, dem Rāma treu ergeben.

Wort für Wort
śuṣyantīm rudatīm ekām
verwelkend, allein weinend
dhyāna-śoka-parāyaṇām
versunken in Grübeln und Kummer
duḥkhasya antam apaśyantīm
kein Ende ihres Leids sehend
rāmām rāma-anuvratām
die Rāmā, dem Rāma treu ergeben

ceṣṭamānām tathā-viṣṭām pannaga-indra-vadhūm iva | dhūpyamānām graheṇa iva rohiṇīm dhūmaketunā

sich windend, so ergriffen, wie die Gattin eines Schlangenfürsten, wie von einem Kometen-Planeten verräuchert, wie Rohiṇī.

Wort für Wort
ceṣṭamānām tathā-viṣṭām
sich windend, so ergriffen
pannaga-indra-vadhūm iva
wie die Gattin eines Schlangenfürsten
dhūpyamānām graheṇa iva
wie von einem Planeten verräuchert
rohiṇīm dhūmaketunā
Rohiṇī, von einem Kometen

vṛtta-śīla-kule jātām ācāravati dhārmike | punaḥ saṃskāram āpannām jātām iva ca duṣkule

in einer Familie von gutem Wandel und Rechtschaffenheit geboren, doch nun wie eine, die abermals eine Umbildung erfahren hat, gleichsam in einem niederen Geschlecht geboren.

Wort für Wort
vṛtta-śīla-kule jātām
in einer Familie von gutem Wandel geboren
ācāravati dhārmike
von rechtschaffener Sitte
punaḥ saṃskāram āpannām
doch abermals eine Umbildung erfahren habend
jātām iva ca duṣkule
gleichsam in einem niederen Geschlecht geboren

abhūtena apavādena kīrtīm nipatitām iva | amnāyānām ayogena vidyām praśithilām iva

wie einen durch unwahre Verleumdung gefallenen Ruhm, wie ein durch Vernachlässigung des Studiums nachlässig gewordenes Wissen.

Wort für Wort
abhūtena apavādena
durch unwahre Verleumdung
kīrtīm nipatitām iva
wie einen gefallenen Ruhm
amnāyānām ayogena
durch Vernachlässigung des Studiums
vidyām praśithilām iva
wie ein nachlässig gewordenes Wissen

sannām iva mahā-kīrtim śraddhām iva vimānitām | prajñām iva parikṣīṇām āśām pratihatām iva

wie einen erschöpften großen Ruhm, wie einen missachteten Glauben, wie eine erschöpfte Weisheit, wie eine zunichtegemachte Hoffnung.

Wort für Wort
sannām iva mahā-kīrtim
wie einen erschöpften großen Ruhm
śraddhām iva vimānitām
wie einen missachteten Glauben
prajñām iva parikṣīṇām
wie eine erschöpfte Weisheit
āśām pratihatām iva
wie eine zunichtegemachte Hoffnung

āyatīm iva vidhvastām ājñām pratihatām iva | dīptām iva diśam kāle pūjām apahṛtām iva

wie eine zerstörte Zukunft, wie einen missachteten Befehl, wie eine zur rechten Zeit erleuchtete Himmelsrichtung, wie eine weggenommene Ehrung.

Wort für Wort
āyatīm iva vidhvastām
wie eine zerstörte Zukunft
ājñām pratihatām iva
wie einen missachteten Befehl
dīptām iva diśam kāle
wie eine zur rechten Zeit erleuchtete Himmelsrichtung
pūjām apahṛtām iva
wie eine weggenommene Ehrung

padminīm iva vidhvastām hata-śūrām camūm iva | prabhām iva tamo-dhvastām upakṣīṇām iva āpagām

wie einen zerstörten Lotosteich, wie ein Heer, dessen Helden gefallen sind, wie einen von Dunkelheit vernichteten Glanz, wie einen versiegenden Fluss.

Wort für Wort
padminīm iva vidhvastām
wie einen zerstörten Lotosteich
hata-śūrām camūm iva
wie ein Heer, dessen Helden gefallen sind
prabhām iva tamo-dhvastām
wie einen von Dunkelheit vernichteten Glanz
upakṣīṇām iva āpagām
wie einen versiegenden Fluss

vedīm iva parāmṛṣṭām śāntām agni-śikhām iva | paurṇamāsīm iva niśām rāhu-grasta-indu-maṇḍalām

wie einen entweihten Altar, wie eine erloschene Feuerflamme, wie eine Vollmondnacht, deren Mondscheibe von Rāhu verschlungen ist.

Wort für Wort
vedīm iva parāmṛṣṭām
wie einen entweihten Altar
śāntām agni-śikhām iva
wie eine erloschene Feuerflamme
paurṇamāsīm iva niśām
wie eine Vollmondnacht
rāhu-grasta-indu-maṇḍalām
deren Mondscheibe von Rāhu verschlungen ist

utkṛṣṭa-parṇa-kamalām vitrāsita-vihaṅgamām | hasti-hasta-parāmṛṣṭam ākulām padminīm iva

wie einen Lotosteich, dessen Blätter und Blüten herausgerissen sind, dessen Vögel verscheucht wurden, vom Elefantenrüssel zertreten, aufgewühlt.

Wort für Wort
utkṛṣṭa-parṇa-kamalām
dessen Blätter und Lotosblüten herausgerissen sind
vitrāsita-vihaṅgamām
dessen Vögel verscheucht wurden
hasti-hasta-parāmṛṣṭam
vom Elefantenrüssel zertreten
ākulām padminīm iva
wie einen aufgewühlten Lotosteich

pati-śoka-āturām śuṣkām nadīm visrāvitām iva | parayā mṛjayā hīnām kṛṣṇa-pakṣa-niśām iva

gequält vom Kummer um den Gatten, wie einen ausgetrockneten, versiegten Fluss, ohne höchste Reinheit, wie eine Nacht der dunklen Monatshälfte.

Wort für Wort
pati-śoka-āturām
gequält vom Kummer um den Gatten
śuṣkām nadīm visrāvitām iva
wie einen ausgetrockneten, versiegten Fluss
parayā mṛjayā hīnām
ohne höchste Reinheit
kṛṣṇa-pakṣa-niśām iva
wie eine Nacht der dunklen Monatshälfte

sukumārīm sujāta-āngīm ratna-garbha-gṛha-ucitām | tapyamānām iva uṣṇena mṛṇālīm aciroddhṛtām

die Zartgliedrige, wohlgestaltete, für ein juwelengeschmücktes Gemach geeignete, gleichsam von Hitze gequält wie ein eben erst herausgezogener Lotosstängel.

Wort für Wort
sukumārīm sujāta-āngīm
die Zartgliedrige, wohlgestaltete
ratna-garbha-gṛha-ucitām
für ein juwelengeschmücktes Gemach geeignete
tapyamānām iva uṣṇena
gleichsam von Hitze gequält
mṛṇālīm aciroddhṛtām
wie ein eben erst herausgezogener Lotosstängel

gṛhītām ālditām stambhe yūthapena vinā-kṛtām | niḥśvasantīm su-duḥkha-ārtām gaja-rāja-vadhūm iva

gefangen, an einen Pfahl gebunden, ihres Herdenführers beraubt, seufzend, von großem Leid gequält, wie eine Elefantenkönigsgattin.

Wort für Wort
gṛhītām ālditām stambhe
gefangen, an einen Pfahl gebunden
yūthapena vinā-kṛtām
ihres Herdenführers beraubt
niḥśvasantīm su-duḥkha-ārtām
seufzend, von großem Leid gequält
gaja-rāja-vadhūm iva
wie eine Elefantenkönigsgattin

ekayā dīrghayā veṇyā śobhamānām ayatnataḥ | nīlayā nīrada-apāye vana-rājyā mahīm iva

durch einen einzigen langen Zopf ohne Mühe erstrahlend, wie die Erde durch eine dunkle Waldreihe, wenn die Regenwolken vergangen sind.

Wort für Wort
ekayā dīrghayā veṇyā
durch einen einzigen langen Zopf
śobhamānām ayatnataḥ
ohne Mühe erstrahlend
nīlayā nīrada-apāye
durch eine dunkle, wenn die Wolken vergangen sind
vana-rājyā mahīm iva
wie die Erde durch eine Waldreihe

upavāsena śokena dhyānena ca bhayena ca | parikṣīṇām kṛśām dīnām alpa-āhārām tapodhanām

durch Fasten, Kummer, Grübeln und Furcht erschöpft, abgemagert, elend, mit spärlicher Nahrung, an Buße reich.

Wort für Wort
upavāsena śokena
durch Fasten, durch Kummer
dhyānena ca bhayena ca
und durch Grübeln und Furcht
parikṣīṇām kṛśām dīnām
erschöpft, abgemagert, elend
alpa-āhārām tapodhanām
mit spärlicher Nahrung, an Buße reich

āyācamānām duḥkha-ārtām prāñjalim devatām iva | bhāvena raghu-mukhyasya daśagrīva-parābhavam

bittend, vom Leid gequält, mit gefalteten Händen wie eine Gottheit, mit ihrem ganzen Herzen die Niederlage des Zehnhalsigen durch den Ersten der Raghus erflehend.

Wort für Wort
āyācamānām duḥkha-ārtām
bittend, vom Leid gequält
prāñjalim devatām iva
mit gefalteten Händen wie eine Gottheit
bhāvena raghu-mukhyasya
mit ihrem Herzen, dass des Ersten der Raghus
daśagrīva-parābhavam
die Niederlage des Zehnhalsigen geschehe

samīkṣamāṇām rudatīm aninditām | supakṣma-tāmra-āyata-śukla-locanām | anuvratām rāmam atīva maithilīm | pralobhayām āsa vadhāya rāvaṇaḥ

Die makellose Maithilī, weinend, umherblickend, mit langbewimperten, rötlich-weiß gerandeten, länglichen Augen, aufs Äußerste dem Rāma treu ergeben — sie suchte Rāvaṇa zu ihrem Verderben zu verführen.

Wort für Wort
samīkṣamāṇām rudatīm aninditām
die makellose, weinende, umherblickende
supakṣma-tāmra-āyata-śukla-locanām
mit langbewimperten, rötlich-weißen, länglichen Augen
anuvratām rāmam atīva maithilīm
die Maithilī, aufs Äußerste dem Rāma treu ergeben
pralobhayām āsa vadhāya rāvaṇaḥ
suchte Rāvaṇa zu ihrem Verderben zu verführen

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