Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Sundarakāṇḍa

Sarga 40: Sītāyāḥ Punaḥ Sāntvanam Sītās erneuter Trost und Abschied

śrutvā tu vacanam tasya vāyu sūnoḥ mahātmanaḥ | uvāca ātma hitam vākyam sītā sura suta upamā ||

Nachdem sie das Wort jenes Hochgesinnten, des Sohnes des Windgottes, gehört hatte, sprach Sītā, einer Göttertochter gleich, ein ihr selbst zuträgliches Wort:

Wort für Wort
śrutvā tu vacanam tasya
nachdem sie sein Wort gehört hatte
vāyu sūnoḥ mahātmanaḥ
des Sohnes des Windgottes, des Hochgesinnten
uvāca ātma hitam vākyam
sprach ein ihr selbst zuträgliches Wort
sītā sura suta upamā
Sītā, einer Göttertochter gleich

tvām dṛṣṭvā priya vaktāram samprahṛṣyāmi vānara | ardha samjāta sasya iva vṛṣṭim prāpya vasum dharā ||

Beim Anblick von dir, dem Bringer lieber Worte, freue ich mich, o Affe, wie die halb aufgegangene Saat sich freut, wenn sie Regen empfängt, der die Erde reich macht.

Wort für Wort
tvām dṛṣṭvā priya vaktāram
beim Anblick von dir, dem Bringer lieber Worte
samprahṛṣyāmi vānara
freue ich mich, o Affe
ardha samjāta sasya iva
wie die halb aufgegangene Saat
vṛṣṭim prāpya vasum dharā
Regen empfangend, der die Erde reich macht

yathā tam puruṣa vyāghram gātraiḥ śoka abhikarśitaiḥ | saṃspṛśeyam sakāmā aham tathā kuru dayām mayi ||

Damit ich jenen Tiger unter den Männern mit meinen von Kummer abgezehrten Gliedern berühren kann, meinem Wunsche gemäß, so erweise mir dein Erbarmen.

Wort für Wort
yathā tam puruṣa vyāghram
damit ich jenen Tiger unter den Männern
gātraiḥ śoka abhikarśitaiḥ
mit von Kummer abgezehrten Gliedern
saṃspṛśeyam sakāmā aham
berühren möge ich, nach Wunsch
tathā kuru dayām mayi
so erweise mir Erbarmen

abhijñānam ca rāmasya dattam hari gaṇa uttama | kṣiptām īṣikām kākasya kopāt eka akṣi śātanīm ||

Und das Erkennungszeichen für Rāma habe ich gegeben, o Bester der Affenscharen: den aus Zorn geschleuderten Grashalm, der der Krähe ein Auge zerstörte.

Wort für Wort
abhijñānam ca rāmasya dattam
und das Erkennungszeichen für Rāma habe ich gegeben
hari gaṇa uttama
o Bester der Affenscharen
kṣiptām īṣikām kākasya
den geschleuderten Grashalm gegen die Krähe
kopāt eka akṣi śātanīm
aus Zorn, der ein Auge zerstörte

manaḥ śilāyāḥ tikalo gaṇḍa pārśve niveśitaḥ | tvayā pranaṣṭe tilake tam kila smartum arhasi ||

Ein Schönheitsfleck aus Manaḥśilā-Farbe war an meiner Wange gesetzt; wenn dieser Fleck verblasst ist, sollst du ihn dennoch erinnern.

Wort für Wort
manaḥ śilāyāḥ tilakaḥ
ein Schönheitsfleck aus Manaḥśilā-Farbe
gaṇḍa pārśve niveśitaḥ
an der Wangenseite gesetzt
tvayā pranaṣṭe tilake
auch wenn der Fleck verblasst ist bei dir
tam kila smartum arhasi
sollst du dich fürwahr daran erinnern

sa vīryavān katham sītām hṛtām samanumanyase | vasantīm rakṣasām madhye mahāindra varuṇa upama ||

Wie kannst du, der Kraftvolle, es zulassen, dass Sītā, geraubt, inmitten der Rākṣasas weilt, o du, Indra und Varuṇa gleich?

Wort für Wort
sa vīryavān
du, der Kraftvolle
katham sītām hṛtām samanumanyase
wie kannst du es zulassen, dass Sītā geraubt ist
vasantīm rakṣasām madhye
die inmitten der Rākṣasas weilt
mahāindra varuṇa upama
o du, Indra und Varuṇa gleich

eṣa cūḍā maṇiḥ divyo mayā suparirakṣitaḥ | etam dṛṣṭvā prahṛṣyāmi vyasane tvām iva anagha ||

Dieser göttliche Kronjuwel wurde von mir sorgsam gehütet; ihn sehend, freue ich mich in meinem Unglück, wie beim Anblick von dir selbst, o Makelloser.

Wort für Wort
eṣa cūḍā maṇiḥ divyo
dieser göttliche Kronjuwel
mayā suparirakṣitaḥ
wurde von mir sorgsam gehütet
etam dṛṣṭvā prahṛṣyāmi
ihn sehend freue ich mich
vyasane tvām iva anagha
in meinem Unglück wie bei dir, o Makelloser

eṣa niryātitaḥ śrīmān mayā te vāri sambhavaḥ | ataḥ param na śakṣyāmi jīvitum śoka lālasā ||

Dieser glanzvolle, aus dem Wasser entstandene Edelstein wurde dir nun von mir übergeben; darüber hinaus werde ich, von Kummer verzehrt, nicht mehr leben können.

Wort für Wort
eṣa niryātitaḥ śrīmān
dieser übergebene glanzvolle
mayā te vāri sambhavaḥ
von mir dir, der aus dem Wasser entstandene
ataḥ param na śakṣyāmi jīvitum
darüber hinaus werde ich nicht leben können
śoka lālasā
von Kummer verzehrt

asahyāni ca duhkhāni vācaḥ ca hṛdayac cidaḥ | rākṣasīnām sughorāṇām tvat kṛte marṣayāmi aham ||

Unerträgliche Leiden und herzzerreißende Worte der überaus furchtbaren Rākṣasīs ertrage ich deinetwegen.

Wort für Wort
asahyāni ca duhkhāni
unerträgliche Leiden
vācaḥ ca hṛdayac cidaḥ
und herzzerreißende Worte
rākṣasīnām sughorāṇām
der überaus furchtbaren Rākṣasīs
tvat kṛte marṣayāmi aham
deinetwegen ertrage ich

dhārayiṣyāmi māsam tu jīvitam śatru sūdana | māsāt ūrdhvam na jīviṣye tvayā hīnā nṛpa ātmaja ||

Ich werde mein Leben noch einen Monat bewahren, o Vernichter der Feinde; über einen Monat hinaus werde ich, ohne dich, nicht mehr leben, o Königssohn.

Wort für Wort
dhārayiṣyāmi māsam tu jīvitam
ich werde das Leben noch einen Monat bewahren
śatru sūdana
o Vernichter der Feinde
māsāt ūrdhvam na jīviṣye
über einen Monat hinaus werde ich nicht leben
tvayā hīnā nṛpa ātmaja
ohne dich, o Königssohn

ghoro rākṣasa rājo ayam dṛṣṭiḥ ca na sukhā mayi | tvām ca śrutvā vipadyantam na jīveyam aham kṣaṇam ||

Furchtbar ist dieser Rākṣasa-König, und sein Blick auf mich ist mir keine Freude; und hörte ich, dass dir Unheil widerfahren wäre, könnte ich nicht einmal einen Augenblick weiterleben.

Wort für Wort
ghoro rākṣasa rājo ayam
furchtbar ist dieser Rākṣasa-König
dṛṣṭiḥ ca na sukhā mayi
und sein Blick auf mich ist keine Freude
tvām ca śrutvā vipadyantam
und wenn ich hörte, dass dir Unheil widerfährt
na jīveyam aham kṣaṇam
könnte ich nicht einen Augenblick leben

vaidehyā vacanam śrutvā karuṇam sa aśru bhāṣitam | atha abravīn mahātejā hanumān māruta ātmajaḥ ||

Nachdem er Vaidehīs mitleiderregendes, unter Tränen gesprochenes Wort gehört hatte, sprach der glanzvolle Hanumān, der Sohn des Windgottes:

Wort für Wort
vaidehyā vacanam śrutvā
nachdem er Vaidehīs Wort gehört hatte
karuṇam sa aśru bhāṣitam
mitleiderregend, unter Tränen gesprochen
atha abravīn mahātejā hanumān
da sprach der glanzvolle Hanumān
māruta ātmajaḥ
der Sohn des Windgottes

tvat śoka vimukho rāmo devi satyena te śape | rāme śoka abhibhūte tu lakṣmaṇaḥ paritapyate ||

Rāma ist, o Herrin, nicht abgewandt von der Trauer um dich – bei der Wahrheit schwöre ich dir; und wenn Rāma vom Leid überwältigt ist, leidet auch Lakṣmaṇa mit.

Wort für Wort
tvat śoka vimukho rāmo
Rāma, nicht abgewandt von der Trauer um dich
devi satyena te śape
o Herrin, bei der Wahrheit schwöre ich dir
rāme śoka abhibhūte tu
und wenn Rāma vom Leid überwältigt ist
lakṣmaṇaḥ paritapyate
leidet Lakṣmaṇa mit

kathaṃcit bhavatī dṛṣṭā na kālaḥ pariśocitum | imam muhūrtam duhkhānām antam drakṣyasi bhāmini ||

Endlich bist du gefunden – jetzt ist nicht die Zeit zum Klagen; in diesem Augenblick wirst du das Ende deiner Leiden sehen, o Zornige.

Wort für Wort
kathaṃcit bhavatī dṛṣṭā
endlich bist du gefunden
na kālaḥ pariśocitum
jetzt ist nicht die Zeit zum Klagen
imam muhūrtam
in diesem Augenblick
duhkhānām antam drakṣyasi bhāmini
wirst du das Ende der Leiden sehen, o Zornige

tāv ubhau puruṣa vyāghrau rāja putrāv aninditau | tvat darśana kṛta utsāhau lankām bhasmī kariṣyataḥ ||

Jene beiden Tiger unter den Männern, die makellosen Königssöhne, werden, durch deinen Anblick zu neuem Eifer entflammt, Laṅkā zu Asche machen.

Wort für Wort
tāv ubhau puruṣa vyāghrau
jene beiden Tiger unter den Männern
rāja putrāv aninditau
die makellosen Königssöhne
tvat darśana kṛta utsāhau
durch deinen Anblick zu Eifer entflammt
lankām bhasmī kariṣyataḥ
werden Laṅkā zu Asche machen

hatvā tu samare krūram rāvaṇam saha bāndhavam | rāghavau tvām viśāla akṣi svām purīm prāpayiṣyataḥ ||

Nachdem sie den grausamen Rāvaṇa samt seinen Verwandten in der Schlacht erschlagen haben, werden die beiden Rāghava-Söhne dich, o Großäugige, in ihre eigene Stadt geleiten.

Wort für Wort
hatvā tu samare krūram
und nachdem sie in der Schlacht den Grausamen erschlagen haben
rāvaṇam saha bāndhavam
Rāvaṇa samt Verwandten
rāghavau tvām viśāla akṣi
die beiden Rāghava-Söhne dich, o Großäugige
svām purīm prāpayiṣyataḥ
werden in ihre eigene Stadt geleiten

yat tu rāmo vijānīyāt abhijñānam anindite | prīti samjananam tasya bhūyaḥ tvam dātum arhasi ||

Doch damit Rāma es als Erkennungszeichen wisse, o Makellose, sollst du mir noch ein weiteres geben, das seine Freude erwecken wird.

Wort für Wort
yat tu rāmo vijānīyāt
doch damit Rāma es erkenne
abhijñānam anindite
als Erkennungszeichen, o Makellose
prīti samjananam tasya
das seine Freude erweckt
bhūyaḥ tvam dātum arhasi
sollst du mir noch weiteres geben

sā abravīt dattam eva iha mayā abhijñānam uttamam | etat eva hi rāmasya dṛṣṭvā mat keśa bhūṣaṇam | śraddheyam hanuman vākyam tava vīra bhaviṣyati ||

Sie sprach: 'Gegeben ist von mir hier bereits das vortrefflichste Erkennungszeichen; eben dieser mein Haarschmuck, wenn Rāma ihn sieht, wird deinem Wort, Hanumān, o Held, Glaubwürdigkeit verleihen.'

Wort für Wort
sā abravīt
sie sprach
dattam eva iha mayā
gegeben schon von mir hier
abhijñānam uttamam
das vortrefflichste Erkennungszeichen
etat eva hi rāmasya dṛṣṭvā
eben dies, wenn Rāma es sieht
mat keśa bhūṣaṇam
mein Haarschmuck
śraddheyam hanuman vākyam
glaubwürdig wird das Wort, Hanumān
tava vīra bhaviṣyati
für dich, o Held, sein

sa tam maṇi varam gṛhya śrīmān plavaga sattamaḥ | praṇamya śirasā devīm gamanāya upacakrame ||

Er, der glanzvolle Beste der Springenden, nahm jenen vortrefflichen Edelstein, verneigte sich mit dem Haupt vor der Herrin und schickte sich zum Aufbruch an.

Wort für Wort
sa tam maṇi varam gṛhya
er, jenen vortrefflichen Edelstein nehmend
śrīmān plavaga sattamaḥ
der glanzvolle Beste der Springenden
praṇamya śirasā devīm
sich mit dem Haupt vor der Herrin verneigend
gamanāya upacakrame
schickte er sich zum Aufbruch an

tam utpāta kṛta utsāham avekṣya hari pumgavam | vardhamānam mahāvegam uvāca janaka ātmajā | aśru pūrṇa mukhī dīnā bāṣpa gadgadayā girā ||

Als sie den Stier unter den Affen sah, wie er sich zum Sprung anschickte, wachsend an gewaltiger Geschwindigkeit, sprach die Tochter Janakas, elend, mit tränenerfülltem Antlitz, mit von Tränen erstickter Stimme:

Wort für Wort
tam utpāta kṛta utsāham avekṣya
als sie ihn sah, wie er sich zum Sprung anschickte
hari pumgavam
den Stier unter den Affen
vardhamānam mahāvegam
wachsend an gewaltiger Geschwindigkeit
uvāca janaka ātmajā
sprach die Tochter Janakas
aśru pūrṇa mukhī dīnā
elend, mit tränenerfülltem Antlitz
bāṣpa gadgadayā girā
mit von Tränen erstickter Stimme

hanūman simha samkāśau bhrātarau rāma lakṣmaṇau | sugrīvam ca saha amātyam sarvān brūyā anāmayam ||

Hanumān, den beiden Brüdern Rāma und Lakṣmaṇa, löwengleich, und Sugrīva samt seinen Ministern, allen sollst du Wohlergehen überbringen.

Wort für Wort
hanūman
Hanumān
simha samkāśau bhrātarau rāma lakṣmaṇau
den löwengleichen Brüdern Rāma und Lakṣmaṇa
sugrīvam ca saha amātyam
und Sugrīva samt Minister
sarvān brūyā anāmayam
allen sollst du Wohlergehen sagen

yathā ca sa mahābāhuḥ mām tārayati rāghavaḥ | asmāt duhkha ambu samrodhāt tat samādhātum arhasi ||

Und damit jener Starkarmige, Rāghava, mich aus dieser Flut des Leides errette, sollst du dafür Sorge tragen.

Wort für Wort
yathā ca sa mahābāhuḥ
und damit jener Starkarmige
mām tārayati rāghavaḥ
Rāghava mich errette
asmāt duhkha ambu samrodhāt
aus dieser Flut des Leides
tat samādhātum arhasi
sollst du dafür Sorge tragen

imam ca tīvram mama śoka vegam | rakṣobhiḥ ebhiḥ paribhartsanam ca | brūyāḥ tu rāmasya gataḥ samīpam | śivaḥ ca te adhvā astu hari pravīra ||

Und diese heftige Woge meines Kummers und die Drohungen dieser Rākṣasas sollst du, zu Rāma gelangt, ihm berichten; und heilvoll sei dein Weg, o Held der Affen.

Wort für Wort
imam ca tīvram mama śoka vegam
und diese heftige Woge meines Kummers
rakṣobhiḥ ebhiḥ paribhartsanam ca
und die Drohungen dieser Rākṣasas
brūyāḥ tu rāmasya gataḥ samīpam
sollst du, zu Rāma gelangt, berichten
śivaḥ ca te adhvā astu
und heilvoll sei dein Weg
hari pravīra
o Held der Affen

sa rāja putryā prativedita arthaḥ | kapiḥ kṛta arthaḥ parihṛṣṭa cetāḥ | tat alpa śeṣam prasamīkṣya kāryam | diśam hi udīcīm manasā jagāma ||

Er, dem von der Königstochter der Auftrag mitgeteilt worden war, der Affe, der sein Ziel erreicht hatte, hocherfreuten Herzens, erwog, dass von seiner Aufgabe nur noch wenig übrig war, und wandte seinen Sinn der Nordrichtung zu.

Wort für Wort
sa rāja putryā prativedita arthaḥ
er, dem von der Königstochter der Auftrag mitgeteilt worden war
kapiḥ kṛta arthaḥ
der Affe, der sein Ziel erreicht hatte
parihṛṣṭa cetāḥ
hocherfreuten Herzens
tat alpa śeṣam prasamīkṣya kāryam
erwog, dass von der Aufgabe nur wenig übrig war
diśam hi udīcīm manasā jagāma
und wandte seinen Sinn der Nordrichtung zu

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