Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Sundarakāṇḍa

Sarga 38: Cūḍāmaṇi Pradānam Die Übergabe des Kronjuwels

tataḥ sa kapi śārdūlaḥ tena vākyena harṣitaḥ | sītām uvāca tat śrutvā vākyam vākya viśāradaḥ ||

Da, jener Tiger unter den Affen, durch dieses Wort erfreut, sprach zu Sītā, nachdem er dieses Wort gehört hatte, er, der Wortkundige.

Wort für Wort
tataḥ
da
sa kapi śārdūlaḥ
jener Tiger unter den Affen (Hanumān)
tena vākyena harṣitaḥ
durch dieses Wort erfreut
sītām uvāca
sprach zu Sītā
tat śrutvā
nachdem er das gehört hatte
vākyam
das Wort
vākya viśāradaḥ
der Wortkundige

yukta rūpam tvayā devi bhāṣitam śubha darśane | sadṛśam strī svabhāvasya sādhvīnām vinayasya ca ||

Angemessen ist, o Herrin, was du gesagt hast, du mit dem schönen Antlitz; es entspricht dem Wesen einer Frau und der Bescheidenheit der Tugendhaften.

Wort für Wort
yukta rūpam
angemessen
tvayā devi bhāṣitam
von dir, o Herrin, gesprochen
śubha darśane
du mit schönem Anblick
sadṛśam
entsprechend
strī svabhāvasya
dem Wesen der Frau
sādhvīnām vinayasya ca
und der Bescheidenheit der Tugendhaften

strītvam na tu samartham hi sāgaram vyativartitum | mām adhiṣṭhāya vistīrṇam śata yojanam āyatam ||

Doch das Frausein vermag nicht, das Meer zu durchqueren, das hundert Yojana weit und ausgedehnt ist, selbst wenn du auf mir stündest.

Wort für Wort
strītvam
das Frausein
na tu samartham hi
vermag ja wahrlich nicht
sāgaram vyativartitum
das Meer zu überqueren
mām adhiṣṭhāya
auf mich gestützt
vistīrṇam śata yojanam āyatam
hundert Yojana lang und ausgedehnt

dvitīyam kāraṇam yac ca bravīṣi vinaya anvite | rāmāt anyasya na arhāmi saṃsparśam iti jānaki ||

Und der zweite Grund, den du nennst, o Wohlerzogene: 'Außer von Rāma darf ich von keinem anderen berührt werden' – o Jānakī,

Wort für Wort
dvitīyam kāraṇam
der zweite Grund
yat ca bravīṣi
den du sagst
vinaya anvite
o Wohlerzogene
rāmāt anyasya
eines anderen als Rāma
na arhāmi saṃsparśam
darf ich keine Berührung erfahren
iti jānaki
so, o Jānakī

etat te devi sadṛśam patnyāḥ tasya mahātmanaḥ | kā hi anyā tvām ṛte devi brūyāt vacanam īdṛśam ||

das ziemt dir, o Herrin, als der Gattin jenes Hochgesinnten; welche andere außer dir, o Herrin, könnte solch ein Wort sprechen?

Wort für Wort
etat te devi sadṛśam
das ziemt dir, o Herrin
patnyāḥ tasya mahātmanaḥ
als der Gattin jenes Hochgesinnten
kā hi anyā tvām ṛte
welche andere denn außer dir
devi brūyāt vacanam īdṛśam
o Herrin, könnte ein solches Wort sprechen

śroṣyate caiva kākutsthaḥ sarvam niravaśeṣataḥ | ceṣṭitam yat tvayā devi bhāṣitam mama ca agrataḥ ||

Und der Kākutstha-Sproß wird alles vollständig erfahren, das Verhalten, das du gezeigt hast, und was du vor mir gesprochen hast, o Herrin.

Wort für Wort
śroṣyate ca eva kākutsthaḥ
und der Kākutstha-Sproß wird hören
sarvam niravaśeṣataḥ
alles ohne Rest
ceṣṭitam yat tvayā
das Verhalten, das von dir
devi bhāṣitam mama ca agrataḥ
o Herrin, gesprochen wurde, auch vor mir

kāraṇaiḥ bahubhiḥ devi rāma priya cikīrṣayā | sneha praskanna manasā mayā etat samudīritam ||

Aus vielen Gründen, o Herrin, im Wunsch, Rāma etwas Liebes zu erweisen, mit von Zuneigung überströmendem Herzen habe ich dies gesagt.

Wort für Wort
kāraṇaiḥ bahubhiḥ devi
aus vielen Gründen, o Herrin
rāma priya cikīrṣayā
im Wunsch, Rāma Liebes zu tun
sneha praskanna manasā
mit von Zuneigung überflutetem Sinn
mayā etat samudīritam
habe ich dies gesagt

lankāyā duṣpraveśatvāt dustaratvān mahāudadheḥ | sāmarthyāt ātmanaḥ caiva mayā etat samudāhṛtam ||

Weil Laṅkā schwer zu betreten ist, weil das große Meer schwer zu durchqueren ist, und aus Vertrauen auf meine eigene Kraft habe ich dies gesagt.

Wort für Wort
lankāyā duṣpraveśatvāt
weil Laṅkā schwer zu betreten ist
dustaratvāt mahā udadheḥ
weil das große Meer schwer zu durchqueren ist
sāmarthyāt ātmanaḥ ca eva
und aus eigener Fähigkeit
mayā etat samudāhṛtam
habe ich dies gesagt

icchāmi tvām samānetum adya eva raghu bandhunā | guru snehena bhaktyā ca na anyathā tat udāhṛtam ||

Ich wünsche, dich noch heute mit dem Verwandten der Raghus zu vereinen; aus tiefer Zuneigung und Hingabe, aus keinem anderen Grund, wurde dies gesagt.

Wort für Wort
icchāmi tvām samānetum
ich wünsche, dich zu vereinen
adya eva raghu bandhunā
noch heute mit dem Verwandten der Raghus
guru snehena bhaktyā ca
aus tiefer Zuneigung und Hingabe
na anyathā tat udāhṛtam
aus keinem anderen Grund wurde das gesagt

yadi na utsahase yātum mayā sārdham anindite | abhijñānam prayaccha tvam jānīyāt rāghavo hi yat ||

Wenn du nicht wagst, mit mir zu gehen, o Makellose, so gib mir ein Erkennungszeichen, an dem Rāghava dich wiedererkennen möge.

Wort für Wort
yadi na utsahase yātum
wenn du nicht wagst zu gehen
mayā sārdham anindite
mit mir, o Makellose
abhijñānam prayaccha tvam
gib du ein Erkennungszeichen
jānīyāt rāghavo hi yat
woran ja Rāghava erkennen möge

evam uktā hanumatā sītā sura suta upamā | uvāca vacanam mandam bāṣpa pragrathita akṣaram ||

So von Hanumān angesprochen, sprach Sītā, einer Göttertochter gleich, langsam ein Wort, dessen Silben von Tränen durchwoben waren.

Wort für Wort
evam uktā hanumatā
so von Hanumān angesprochen
sītā sura suta upamā
Sītā, einer Göttertochter gleich
uvāca vacanam mandam
sprach ein langsames Wort
bāṣpa pragrathita akṣaram
mit von Tränen durchwobenen Silben

idam śreṣṭham abhijñānam brūyāḥ tvam tu mama priyam | śailasya citra kūṭasya pāde pūrva uttare tadā ||

Dies vortreffliche Erkennungszeichen sollst du mir zuliebe sprechen: Am Fuße des Berges Citrakūṭa, damals im Nordosten –

Wort für Wort
idam śreṣṭham abhijñānam
dieses vortreffliche Erkennungszeichen
brūyāḥ tvam tu mama priyam
sollst du mir zuliebe sagen
śailasya citra kūṭasya pāde
am Fuß des Berges Citrakūṭa
pūrva uttare tadā
im Nordosten, damals

tāpasa āśrama vāsinyāḥ prājya mūla phala udake | tasmin siddha āśrame deśe mandākinyā adūrataḥ ||

wo ich als Asketin in der Einsiedelei wohnte, die reich war an Wurzeln, Früchten und Wasser, an jenem heiligen Ort der Einsiedelei, nicht fern von der Mandākinī –

Wort für Wort
tāpasa āśrama vāsinyāḥ
der in der Asketen-Einsiedelei Wohnenden
prājya mūla phala udake
reich an Wurzeln, Früchten und Wasser
tasmin siddha āśrame deśe
an jenem vollkommenen Einsiedeleiort
mandākinyā adūrataḥ
nicht weit von der Mandākinī

tasya upavana ṣaṇḍeṣu nānā puṣpa sugandhiṣu | vihṛtya salila klinnā tava anke samupāviśam ||

dort, nachdem ich in den nahen Wäldchen, duftend von mancherlei Blumen, umhergestreift war, setzte ich mich, vom Wasser benetzt, in deinen Schoß.

Wort für Wort
tasya upavana ṣaṇḍeṣu
in dessen nahen Waldstücken
nānā puṣpa sugandhiṣu
duftend von mancherlei Blumen
vihṛtya
nachdem ich umhergestreift war
salila klinnā
vom Wasser benetzt
tava anke samupāviśam
setzte ich mich in deinen Schoß

tato māṃsa samāyukto vāyasaḥ paryatuṇḍayat | tam aham loṣṭam udyamya vārayāmi sma vāyasam ||

Da kam eine nach Fleisch gierige Krähe und pickte nach mir; ich hob eine Erdscholle und versuchte, die Krähe zu vertreiben.

Wort für Wort
tataḥ māṃsa samāyuktaḥ
da fleischgierig
vāyasaḥ paryatuṇḍayat
pickte die Krähe umher
tam aham loṣṭam udyamya
ich, eine Erdscholle erhebend
vārayāmi sma vāyasam
versuchte die Krähe abzuwehren

dārayan sa ca mām kākaḥ tatra eva parilīyate | na ca api uparaman māṃsāt bhakṣa arthī bali bhojanaḥ ||

Und die Krähe, mich verletzend, verharrte gerade dort; und sie ließ nicht ab vom Fleisch, gierig nach Nahrung, kräftig fressend.

Wort für Wort
dārayan sa ca mām kākaḥ
und jene Krähe, mich verletzend
tatra eva parilīyate
verweilte gerade dort
na ca api uparaman māṃsāt
und ließ auch nicht ab vom Fleisch
bhakṣa arthī bali bhojanaḥ
nach Nahrung verlangend, kräftig fressend

utkarṣantyām ca raśanām kruddhāyām mayi pakṣiṇe | sraṃsamāne ca vasane tato dṛṣṭā tvayā hi aham ||

Während ich, zornig auf den Vogel, an meinem Gürtel zerrte und mein Gewand herabglitt, wurde ich da von dir gesehen.

Wort für Wort
utkarṣantyām ca raśanām
während ich am Gürtel zerrte
kruddhāyām mayi pakṣiṇe
während ich zornig war auf den Vogel
sraṃsamāne ca vasane
und während das Gewand herabglitt
tataḥ dṛṣṭā tvayā hi aham
da wurde ich wahrlich von dir gesehen

tvayā vihasitā ca aham kruddhā samlajjitā tadā | bhakṣya gṛddhena kālena dāritā tvām upāgatā ||

Und von dir wurde ich verlacht, ich, damals zornig und beschämt; von der nach Fraß gierigen Krähe verletzt, kam ich zu dir.

Wort für Wort
tvayā vihasitā ca aham
und von dir verlacht ich
kruddhā samlajjitā tadā
damals zornig und beschämt
bhakṣya gṛddhena kālena
von der nach Fraß gierigen Krähe
dāritā tvām upāgatā
verletzt kam ich zu dir

āsīnasya ca te śrāntā punaḥ utsangam āviśam | krudhyantī ca prahṛṣṭena tvayā aham parisāntvitā ||

Und erschöpft setzte ich mich wieder in deinen Schoß, während du saßest; und ich, zornig, wurde von dir, dem Erfreuten, besänftigt.

Wort für Wort
āsīnasya ca te
während du saßest
śrāntā punaḥ utsangam āviśam
erschöpft setzte ich mich wieder in den Schoß
krudhyantī ca
und zornig
prahṛṣṭena tvayā aham parisāntvitā
von dir, dem Erfreuten, wurde ich besänftigt

bāṣpa pūrṇa mukhī mandam cakṣuṣī parimārjatī | lakṣitā aham tvayā nātha vāyasena prakopitā ||

Mit tränenerfülltem Antlitz, sanft meine Augen wischend, wurde ich von dir bemerkt, o Herr, durch die Krähe erzürnt.

Wort für Wort
bāṣpa pūrṇa mukhī
mit tränenerfülltem Gesicht
mandam cakṣuṣī parimārjatī
sanft die Augen wischend
lakṣitā aham tvayā nātha
ich wurde von dir bemerkt, o Herr
vāyasena prakopitā
durch die Krähe erzürnt

pariśramāt prasuptā ca rāghavāṅke api aham ciram | paryāṇa prasuptaśca mama aṅke bharata agrajaḥ ||

Und vor Erschöpfung schlief ich lange in Rāghavas Schoß ein, und auch der ältere Bruder Bharatas schlief in meinem Schoß ein.

Wort für Wort
pariśramāt prasuptā ca
und aus Ermüdung eingeschlafen
rāghava aṅke api aham ciram
ich lange in Rāghavas Schoß
paryāṇa prasuptaḥ ca
und ebenso eingeschlafen
mama aṅke bharata agrajaḥ
in meinem Schoß der ältere Bruder Bharatas

sa tatra punar eva atha vāyasaḥ samupāgamat | tataḥ supta prabuddhām mām rāmasya aṅkāt samutthitām ||

Da kam wiederum jene Krähe dorthin; dann mich, die ich aus dem Schlaf erwacht war und mich aus Rāmas Schoß erhoben hatte –

Wort für Wort
sa tatra punaḥ eva atha
da wieder eben dorthin
vāyasaḥ samupāgamat
kam die Krähe heran
tataḥ supta prabuddhām mām
dann mich, aus dem Schlaf erwacht
rāmasya aṅkāt samutthitām
die sich aus Rāmas Schoß erhoben hatte

vāyasaḥ sahasā āgamya vidadāra stana antare | punaḥ punaḥ atha utpatya vidadāra sa mām bhṛśam ||

die Krähe kam plötzlich herbei und zerriss mich zwischen den Brüsten; immer wieder aufflatternd zerriss sie mich heftig.

Wort für Wort
vāyasaḥ sahasā āgamya
die Krähe plötzlich herankommend
vidadāra stana antare
zerriss zwischen den Brüsten
punaḥ punaḥ atha utpatya
immer wieder auffliegend
vidadāra sa mām bhṛśam
zerriss sie mich heftig

tataḥ samukṣito rāmo muktaiḥ śoṇita bindubhiḥ | vāyasena tatas tena balavat kliśyamānayā | sa mayā bodhitaḥ śrīmān sukha suptaḥ param tapaḥ ||

Da wurde Rāma von den vergossenen Blutstropfen benetzt, während ich von jener Krähe heftig gequält wurde; ich weckte den glücklich Schlafenden, den glanzvollen Feindebezwinger.

Wort für Wort
tataḥ samukṣitaḥ rāmaḥ
da wurde Rāma benetzt
muktaiḥ śoṇita bindubhiḥ
von den vergossenen Blutstropfen
vāyasena tatas tena balavat kliśyamānayā
während ich von jener Krähe heftig gequält wurde
sa mayā bodhitaḥ śrīmān
der wurde von mir geweckt, der Glanzvolle
sukha suptaḥ param tapaḥ
der glücklich Schlafende, der Feindebezwinger

sa mām dṛṣṭvā mahā bāhuḥ vitunnām stanayoḥ tadā | āśī viṣa iva kruddhaḥ śvasān vākyam abhāṣathāḥ ||

Als der Starkarmige mich damals verletzt an den Brüsten sah, sprachst du, zornig wie eine Giftschlange zischend, das Wort:

Wort für Wort
sa mahā bāhuḥ
jener Starkarmige
mām dṛṣṭvā
mich sehend
vitunnām stanayoḥ tadā
damals an den Brüsten verletzt
āśī viṣa iva kruddhaḥ
zornig wie eine Giftschlange
śvasān vākyam abhāṣathāḥ
zischend sprachst du das Wort

kena te nāga nāsa ūru vikṣatam vai stana antaram | kaḥ krīḍati sa roṣeṇa panca vaktreṇa bhoginā ||

'Von wem, o du mit den Schenkeln wie Elefantenrüssel, ist dein Busen verletzt worden? Wer spielt hier zornentbrannt mit einer fünfköpfigen Schlange?'

Wort für Wort
kena te nāga nāsa ūru
von wem, o du mit Schenkeln wie Elefantenrüssel
vikṣatam vai stana antaram
ist der Busen verletzt worden
kaḥ krīḍati sa roṣeṇa
wer spielt zornentbrannt
panca vaktreṇa bhoginā
mit einer fünfköpfigen Schlange

vīkṣamāṇaḥ tataḥ tam vai vāyasam samavaikṣathāḥ | nakhaiḥ sa rudhiraiḥ tīkṣṇaiḥ mām eva abhimukham sthitam ||

Umherblickend erblicktest du dann jene Krähe mit ihren scharfen, blutigen Krallen, die mir gegenüber stand.

Wort für Wort
vīkṣamāṇaḥ
umherblickend
tataḥ tam vai vāyasam samavaikṣathāḥ
dann erblicktest du jene Krähe
nakhaiḥ sa rudhiraiḥ tīkṣṇaiḥ
mit scharfen, blutigen Krallen
mām eva abhimukham sthitam
die mir gegenüber stand

putraḥ kila sa śakrasya vāyasaḥ patatām varaḥ | dharā antara caraḥ śīghram pavanasya gatau samaḥ ||

Jene Krähe war der Sohn Indras, der beste unter den Vögeln, der schnell durch die Regionen streift, dem Wind gleich in der Bewegung.

Wort für Wort
putraḥ kila sa śakrasya
der Sohn, so heißt es, Indras
vāyasaḥ patatām varaḥ
die Krähe, die beste der Vögel
dharā antara caraḥ śīghram
schnell zwischen den Regionen wandelnd
pavanasya gatau samaḥ
dem Wind im Lauf gleich

tataḥ tasmin mahā bāhuḥ kopa samvartita īkṣaṇaḥ | vāyase kṛtavān krūrām matim mati matām vara ||

Da fasste der Starkarmige, dessen Augen sich vor Zorn zusammenzogen, einen grausamen Entschluss gegen die Krähe, o Bester der Verständigen.

Wort für Wort
tataḥ tasmin
darauf gegen jene
mahā bāhuḥ
der Starkarmige
kopa samvartita īkṣaṇaḥ
mit vor Zorn zusammengezogenen Augen
vāyase kṛtavān krūrām matim
fasste gegen die Krähe einen grausamen Entschluss
mati matām vara
o Bester der Verständigen

sa darbha saṃstarāt gṛhya brahmaṇaḥ astreṇa yojayat | sa dīpta iva kāla agniḥ jajvāla abhimukhaḥ dvijam ||

Er nahm einen Grashalm vom Sitzpolster und belegte ihn mit dem Brahmā-Geschoß; jener loderte, dem Feuer des Weltuntergangs gleich, dem Vogel entgegen auf.

Wort für Wort
sa darbha saṃstarāt gṛhya
einen Grashalm vom Sitz nehmend
brahmaṇaḥ astreṇa yojayat
belegte er ihn mit dem Brahmā-Geschoß
sa dīptaḥ iva kāla agniḥ
jener, wie das lodernde Weltuntergangsfeuer
jajvāla abhimukhaḥ dvijam
loderte auf, dem Vogel zugewandt

sa tam pradīptam cikṣepa darbham tam vāyasam prati | tatas tam vāyasam darbhaḥ sa ambare anujagāma ha ||

Er schleuderte jenen brennenden Grashalm gegen die Krähe; und der Grashalm verfolgte die Krähe droben am Himmel.

Wort für Wort
sa tam pradīptam cikṣepa darbham
er schleuderte jenen brennenden Grashalm
tam vāyasam prati
gegen jene Krähe
tataḥ tam vāyasam darbhaḥ
dann jene Krähe der Grashalm
sa ambare anujagāma ha
verfolgte sie am Himmel

anusṛṣṭaḥ tadā kālaḥ jagāma vividhām gatim | trāṇa kāmaḥ imam lokam sarvam vai vicacāra ha ||

Verfolgt von jenem Verhängnis, nahm sie mancherlei Wege; nach Rettung verlangend durchstreifte sie fürwahr die ganze Welt.

Wort für Wort
anusṛṣṭaḥ tadā kālaḥ
verfolgt von jenem Verhängnis
jagāma vividhām gatim
nahm sie mancherlei Wege
trāṇa kāmaḥ
nach Rettung verlangend
imam lokam sarvam vai vicacāra ha
durchstreifte sie fürwahr diese ganze Welt

sa pitrā ca parityaktaḥ suraiḥ sarvaiḥ maharṣibhiḥ | trīn lokān samparikramya tvām eva śaraṇam gataḥ ||

Von seinem Vater verlassen, von allen Göttern und großen Sehern, durchwanderte er die drei Welten und suchte schließlich bei dir Zuflucht.

Wort für Wort
sa pitrā ca parityaktaḥ
von seinem Vater verlassen
suraiḥ sarvaiḥ maharṣibhiḥ
von allen Göttern und großen Sehern
trīn lokān samparikramya
nachdem er die drei Welten durchwandert hatte
tvām eva śaraṇam gataḥ
suchte er Zuflucht gerade bei dir

sa tam nipatitam bhūmau śaraṇyaḥ śaraṇāgatam | vadha arham api kākutstha kṛpayā paryapālayat ||

Du, der Zufluchtgewährer, o Kākutstha-Sproß, beschütztest ihn, der auf die Erde gefallen war und, obgleich tötungswürdig, um Zuflucht bat, aus Mitleid.

Wort für Wort
sa tam nipatitam bhūmau
ihn, der auf die Erde gefallen war
śaraṇyaḥ
der Zufluchtgewährende
śaraṇa āgatam
der um Zuflucht kam
vadha arham api kākutstha
obgleich tötungswürdig, o Kākutstha-Sproß
kṛpayā paryapālayat
beschütztest du aus Mitleid

paridyūnam viṣaṇṇam ca sa tvam āyāntam uktavān | mogham kartum na śakyam tu brāhmam astram tat ucyatām | hinastu dakṣiṇa akṣi tvat śara iti atha saḥ abravīt ||

Zu ihm, der elend und niedergeschlagen herankam, sprachst du: 'Wirkungslos machen kann man dieses Brahmā-Geschoß nicht, doch sage, wie es eingesetzt werden soll' – da sagte er: 'So möge dein Pfeil das rechte Auge treffen.'

Wort für Wort
paridyūnam viṣaṇṇam ca
elend und niedergeschlagen
sa tvam āyāntam uktavān
sprachst du zu ihm, der herankam
mogham kartum na śakyam tu
doch wirkungslos machen kann man nicht
brāhmam astram tat ucyatām
jenes Brahmā-Geschoß, so sei gesagt
hinastu dakṣiṇa akṣi
so möge es das rechte Auge treffen
tvat śaraḥ iti atha saḥ abravīt
dein Pfeil, so sprach er darauf

tataḥ tasya akṣi kākasya hinasti sma sa dakṣiṇam | dattvā sa dakṣiṇam netram prāṇebhyaḥ parirakṣitaḥ ||

Da traf jener Pfeil das rechte Auge der Krähe; nachdem er sein rechtes Auge hingegeben hatte, wurde er in seinem Leben bewahrt.

Wort für Wort
tataḥ tasya akṣi kākasya
da das Auge jener Krähe
hinasti sma sa dakṣiṇam
traf er, das rechte
dattvā sa dakṣiṇam netram
nachdem er das rechte Auge hingegeben hatte
prāṇebhyaḥ parirakṣitaḥ
wurde er am Leben bewahrt

sa rāmāya namaskṛtvā rājñe daśarathāya ca | visṛṣṭaḥ tena vīreṇa pratipede sva ālayam ||

Er verneigte sich vor Rāma und vor König Daśaratha, und, von jenem Helden entlassen, kehrte er in seine eigene Behausung zurück.

Wort für Wort
sa rāmāya namaskṛtvā
er, nachdem er sich vor Rāma verneigt hatte
rājñe daśarathāya ca
und vor König Daśaratha
visṛṣṭaḥ tena vīreṇa
von jenem Helden entlassen
pratipede sva ālayam
kehrte er zu seiner eigenen Wohnstatt zurück

mat kṛte kāka mātre api brahma astram samudīritam | kasmāt yaḥ mām harat tvattaḥ kṣamase tam mahī pate ||

Meinetwegen wurde selbst gegen eine bloße Krähe das Brahmā-Geschoß eingesetzt – warum verzeihst du dann jenem, o Herr der Erde, der mich dir entrissen hat?

Wort für Wort
mat kṛte
meinetwegen
kāka mātre api
selbst gegen eine bloße Krähe
brahma astram samudīritam
wurde das Brahmā-Geschoß eingesetzt
kasmāt
warum
yaḥ mām harat tvattaḥ
der, der mich von dir raubte
kṣamase tam mahī pate
verzeihst du dem, o Herr der Erde

sa kuruṣva mahā utsāham kṛpām mayi nara ṛṣabha | tvayā nātha vatī nātha hi anāthā iva dṛśyate ||

So fasse großen Eifer, habe Mitleid mit mir, o Stier unter den Männern; durch dich habe ich einen Beschützer, o Herr, und doch erscheine ich wie schutzlos.

Wort für Wort
sa kuruṣva mahā utsāham
so fasse großen Eifer
kṛpām mayi nara ṛṣabha
Mitleid mit mir, o Stier unter den Männern
tvayā nātha vatī
durch dich, o Herr, habe ich einen Schützer
hi anāthā iva dṛśyate
und doch erscheine ich wie eine Schutzlose

ānṛśaṃsyam paro dharmaḥ tvattaḥ eva mayā śrutaḥ | jānāmi tvām mahā vīryam mahā utsāham mahā balam ||

Dass Güte die höchste Tugend sei, habe ich von dir selbst gehört; ich kenne dich als von großer Kraft, großem Eifer, großer Stärke.

Wort für Wort
ānṛśaṃsyam paraḥ dharmaḥ
Güte ist die höchste Tugend
tvattaḥ eva mayā śrutaḥ
eben von dir habe ich gehört
jānāmi tvām
ich kenne dich
mahā vīryam mahā utsāham mahā balam
von großer Kraft, großem Eifer, großer Stärke

apāra pāram akṣobhyam gāmbhīryāt sāgara upamam | bhartāram sa samudrāyāḥ dharaṇyāḥ vāsava upamam ||

Unermesslich in Tiefe und Ufer, unerschütterlich, dem Meer an Tiefe gleich – dich, den Gemahl der Erde samt ihren Meeren, Indra gleich –

Wort für Wort
apāra pāram
ohne fernes Ufer
akṣobhyam
unerschütterlich
gāmbhīryāt sāgara upamam
an Tiefe dem Meer gleich
bhartāram sa samudrāyāḥ dharaṇyāḥ
den Gemahl der Erde samt Meer
vāsava upamam
Indra gleich

evam astra vidām śreṣṭhaḥ sattva vān bala vān api | kim artham astram rakṣaḥsu na yojayasi rāghava ||

warum, o Rāghava, der du so der Beste der Waffenkundigen bist, tugendhaft und stark, setzt du deine Waffe nicht gegen die Rākṣasas ein?

Wort für Wort
evam astra vidām śreṣṭhaḥ
so der Beste der Waffenkundigen
sattva vān bala vān api
tugendhaft und auch stark
kim artham
warum
astram rakṣaḥsu na yojayasi
setzt du die Waffe nicht gegen die Rākṣasas ein
rāghava
o Rāghava

na nāgāḥ na api gandharvāḥ na asurāḥ na marut gaṇāḥ | rāmasya samare vegam śaktāḥ prati samādhitum ||

Weder Nāgas noch Gandharvas, weder Asuras noch die Schar der Marut-Götter vermögen es, Rāmas Ansturm in der Schlacht standzuhalten.

Wort für Wort
na nāgāḥ
nicht die Nāgas
na api gandharvāḥ
auch nicht die Gandharvas
na asurāḥ
nicht die Asuras
na marut gaṇāḥ
nicht die Schar der Marut
rāmasya samare vegam
Rāmas Ansturm in der Schlacht
śaktāḥ prati samādhitum
vermögen zu widerstehen

tasya vīrya vataḥ kaścit yadi asti mayi sambhramaḥ | kim artham na śaraiḥ tīkṣṇaiḥ kṣayam nayati rākṣasān ||

Wenn jener Kraftvolle wirklich Sorge um mich hegt, warum vernichtet er dann nicht mit scharfen Pfeilen die Rākṣasas?

Wort für Wort
tasya vīrya vataḥ
jenes Kraftvollen
kaścit yadi asti mayi sambhramaḥ
wenn irgendeine Sorge um mich besteht
kim artham
warum
na śaraiḥ tīkṣṇaiḥ
nicht mit scharfen Pfeilen
kṣayam nayati rākṣasān
bringt er die Rākṣasas zur Vernichtung

bhrātuḥ ādeśam ādāya lakṣmaṇaḥ vā param tapaḥ | kasya hetoḥ na mām vīraḥ paritrāti mahā balaḥ ||

Oder, den Befehl seines Bruders empfangend, warum rettet mich nicht Lakṣmaṇa, der Feindebezwinger, der Held von großer Kraft?

Wort für Wort
bhrātuḥ ādeśam ādāya
den Befehl des Bruders empfangend
lakṣmaṇaḥ vā param tapaḥ
oder Lakṣmaṇa, der Feindebezwinger
kasya hetoḥ
aus welchem Grund
na mām vīraḥ paritrāti
rettet mich der Held nicht
mahā balaḥ
der von großer Kraft

yadi tau puruṣa vyāghrau vāyu indra sama tejasau | surāṇām api durdharṣau kim artham mām upekṣataḥ ||

Wenn jene beiden Tiger unter den Männern, an Glanz Vāyu und Indra gleich, selbst für die Götter unbezwingbar sind – warum vernachlässigen sie mich dann?

Wort für Wort
yadi tau puruṣa vyāghrau
wenn jene beiden Tiger unter den Männern
vāyu indra sama tejasau
an Glanz Vāyu und Indra gleich
surāṇām api durdharṣau
selbst für die Götter unbezwingbar
kim artham mām upekṣataḥ
warum vernachlässigen sie mich

mama eva duṣkṛtam kiṃcit mahat asti na saṃśayaḥ | samarthau api tau yat mām na avekṣete param tapau ||

Es muss wohl irgendeine große Verfehlung von mir selbst sein, kein Zweifel, dass jene beiden Feindebezwinger, obwohl fähig, mich nicht beachten.

Wort für Wort
mama eva duṣkṛtam kiṃcit mahat
irgendeine große Verfehlung eben von mir
asti na saṃśayaḥ
besteht, kein Zweifel
samarthau api tau
obwohl jene beiden fähig sind
yat mām na avekṣete
dass sie mich nicht beachten
param tapau
die Feindebezwinger

vaidehyāḥ vacanam śrutvā karuṇam sa aśubha bhāṣitam | atha abravīt mahā tejā hanumān māruta ātmajaḥ ||

Nachdem er Vaidehīs Wort gehört hatte, mitleiderregend und von unheilvoller Rede, sprach da der glanzvolle Hanumān, der Sohn des Windgottes:

Wort für Wort
vaidehyāḥ vacanam śrutvā
nachdem er Vaidehīs Wort gehört hatte
karuṇam sa aśubha bhāṣitam
mitleiderregend, von unheilvoller Rede
atha abravīt mahā tejā hanumān
da sprach der glanzvolle Hanumān
māruta ātmajaḥ
der Sohn des Windgottes

tvat śoka vimukho rāmo devi satyena te śape | rāme duḥkha abhipanne ca lakṣmaṇaḥ paritapyate ||

Rāma ist nicht abgelenkt von der Trauer um dich, o Herrin – bei der Wahrheit schwöre ich dir; und wenn Rāma vom Leid ergriffen ist, leidet auch Lakṣmaṇa mit.

Wort für Wort
tvat śoka vimukhaḥ rāmaḥ
Rāma, nicht abgewandt von der Trauer um dich
devi satyena te śape
o Herrin, bei der Wahrheit schwöre ich dir
rāme duḥkha abhipanne ca
und wenn Rāma vom Leid ergriffen ist
lakṣmaṇaḥ paritapyate
leidet Lakṣmaṇa mit

katham cit bhavatī dṛṣṭā na kālaḥ paridevitum | imam muhūrtam duḥkhānām drakṣyasi antam anindite ||

Endlich bist du gefunden – jetzt ist nicht die Zeit zum Klagen; in diesem Augenblick wirst du das Ende deiner Leiden sehen, o Makellose.

Wort für Wort
katham cit bhavatī dṛṣṭā
endlich bist du gesehen worden
na kālaḥ paridevitum
jetzt ist nicht die Zeit zum Klagen
imam muhūrtam
in diesem Augenblick
duḥkhānām antam drakṣyasi
wirst du das Ende der Leiden sehen
anindite
o Makellose

tau ubhau puruṣa vyāghrau rāja putrau mahā balau | tvat darśana kṛta utsāhau lankām bhasmī kariṣyataḥ ||

Jene beiden Tiger unter den Männern, die Königssöhne von großer Kraft, werden, durch den Anblick von dir zu neuem Eifer entflammt, Laṅkā zu Asche machen.

Wort für Wort
tau ubhau puruṣa vyāghrau
jene beiden Tiger unter den Männern
rāja putrau mahā balau
die Königssöhne von großer Kraft
tvat darśana kṛta utsāhau
durch deinen Anblick zu Eifer entflammt
lankām bhasmī kariṣyataḥ
werden Laṅkā zu Asche machen

hatvā ca samare krūram rāvaṇam saha bāndhavam | rāghavaḥ tvām viśāla akṣi neṣyati svām purīm prati ||

Und nachdem er den grausamen Rāvaṇa samt seinen Verwandten in der Schlacht erschlagen hat, wird Rāghava dich, o Großäugige, in seine eigene Stadt zurückführen.

Wort für Wort
hatvā ca samare krūram
und nachdem er in der Schlacht den Grausamen erschlagen hat
rāvaṇam saha bāndhavam
Rāvaṇa samt seinen Verwandten
rāghavaḥ tvām
Rāghava dich
viśāla akṣi
o Großäugige
neṣyati svām purīm prati
wird er in seine eigene Stadt führen

brūhi yat rāghavaḥ vācyaḥ lakṣmaṇaḥ ca mahā balaḥ | sugrīvaḥ vā api tejasvī harayaḥ api samāgatāḥ ||

Sage mir, was Rāghava mitzuteilen ist, und Lakṣmaṇa, der Starkkräftige, und auch der glanzvolle Sugrīva, und die versammelten Affen.

Wort für Wort
brūhi
sage
yat rāghavaḥ vācyaḥ
was Rāghava zu sagen ist
lakṣmaṇaḥ ca mahā balaḥ
und Lakṣmaṇa, der Starkkräftige
sugrīvaḥ vā api tejasvī
oder auch der glanzvolle Sugrīva
harayaḥ api samāgatāḥ
auch die versammelten Affen

iti uktavati tasmin tu sītā sura suta upamā | uvāca śoka saṃtaptā hanumantam plavaṃgamam ||

Als er so gesprochen hatte, sprach Sītā, einer Göttertochter gleich, von Kummer versengt, zu dem Affen Hanumān:

Wort für Wort
iti uktavati tasmin tu
als er so gesprochen hatte
sītā sura suta upamā
Sītā, einer Göttertochter gleich
uvāca śoka saṃtaptā
sprach, von Kummer versengt
hanumantam plavaṃgamam
zu dem Affen Hanumān

kausalyā loka bhartāram suṣuve yam manasvinī | tam mama arthe sukham pṛccha śirasā ca abhivādaya ||

Frage jenen, den die weise Kausalyā als den Beherrscher der Welt geboren hat, um meinetwillen nach seinem Wohlergehen, und grüße ihn mit gebeugtem Haupt.

Wort für Wort
kausalyā loka bhartāram
den Beherrscher der Welt
suṣuve yam manasvinī
den die weise Kausalyā geboren hat
tam mama arthe
jenen um meinetwillen
sukham pṛccha
frage nach dem Wohlergehen
śirasā ca abhivādaya
und grüße mit dem Haupt

srajaḥ ca sarva ratnāni priyāḥ yāḥ ca vara anganāḥ | aiśvaryam ca viśālāyām pṛthivyām api durlabham ||

Kränze und alle Juwelen, geliebte und vortreffliche Frauen, und Herrschaft, wie sie selbst auf der weiten Erde selten zu finden ist –

Wort für Wort
srajaḥ ca sarva ratnāni
Kränze und alle Juwelen
priyāḥ yāḥ ca vara anganāḥ
und geliebte, vortreffliche Frauen
aiśvaryam ca
und Herrschaft
viśālāyām pṛthivyām api durlabham
selbst auf der weiten Erde selten

pitaram mātaram caiva sammānya abhiprasādya ca | anupravrajitaḥ rāmam sumitrā yena su prajāḥ ||

Vater und Mutter geehrt und ihre Gunst gewonnen habend, folgte er Rāma – er, durch den Sumitrā zur Mutter guter Söhne wurde.

Wort für Wort
pitaram mātaram ca eva
Vater und Mutter
sammānya abhiprasādya ca
geehrt und ihre Gunst gewonnen habend
anupravrajitaḥ rāmam
folgte er Rāma
sumitrā yena su prajāḥ
durch den Sumitrā zur Mutter guter Nachkommen wurde

ānukūlyena dharma ātmā tyaktvā sukham anuttamam | anugacchati kākutstham bhrātaram pālayan vane ||

Der Tugendgesinnte, der höchstes Glück willig aufgab, folgt dem Kākutstha-Sproß und behütet seinen Bruder im Wald.

Wort für Wort
ānukūlyena
aus Zuneigung, willig
dharma ātmā
der Tugendgesinnte
tyaktvā sukham anuttamam
nachdem er höchstes Glück aufgegeben hatte
anugacchati kākutstham
folgt er dem Kākutstha-Sproß
bhrātaram pālayan vane
den Bruder im Wald behütend

simha skandhaḥ mahā bāhuḥ manasvī priya darśanaḥ | pitṛvat vartate rāme mātṛvat mām samācaran ||

Mit Schultern wie ein Löwe, starkarmig, hochgesinnt, von lieblichem Anblick, verhält er sich zu Rāma wie zu einem Vater, zu mir wie zu einer Mutter.

Wort für Wort
simha skandhaḥ
mit Löwenschultern
mahā bāhuḥ
starkarmig
manasvī priya darśanaḥ
hochgesinnt, lieblich anzusehen
pitṛvat vartate rāme
verhält sich zu Rāma wie zu einem Vater
mātṛvat mām samācaran
mich wie eine Mutter behandelnd

priyamāṇām tadā vīraḥ na tu mām veda lakṣmaṇaḥ | vṛddha upasevī lakṣmī vān śaktaḥ na bahu bhāṣitā | rāja putraḥ priya śreṣṭhaḥ sadṛśaḥ śvaśurasya me ||

Doch der Held Lakṣmaṇa erkennt mich, so geliebt ich ihm auch bin, kaum in die Augen sehend an, aus Ehrfurcht – den Alten ergeben, glückbegabt, fähig, nicht vielredend, der Königssohn, der vortreffliche, meinem Schwiegervater ebenbürtig.

Wort für Wort
priyamāṇām tadā
als geliebt damals
vīraḥ na tu mām veda lakṣmaṇaḥ
erkennt der Held Lakṣmaṇa mich kaum (aus Ehrfurcht den Blick meidend)
vṛddha upasevī
den Alten ergeben
lakṣmī vān
glückbegabt
śaktaḥ na bahu bhāṣitā
fähig, nicht vielredend
rāja putraḥ priya śreṣṭhaḥ
der Königssohn, der vortrefflichste Geliebte
sadṛśaḥ śvaśurasya me
meinem Schwiegervater ebenbürtig

mattaḥ priya taraḥ nityam bhrātā rāmasya lakṣmaṇaḥ | niyuktaḥ dhuri yasyām tu tām udvahati vīryavān ||

Stets ist Lakṣmaṇa, der Bruder Rāmas, mir lieber noch als sich selbst; welche Last ihm auch auferlegt wird, die trägt der Kraftvolle.

Wort für Wort
mattaḥ priya taraḥ nityam
mir stets lieber
bhrātā rāmasya lakṣmaṇaḥ
Rāmas Bruder Lakṣmaṇa
niyuktaḥ dhuri yasyām tu
welche Last ihm auch auferlegt wird
tām udvahati vīryavān
die trägt der Kraftvolle

yam dṛṣṭvā rāghavaḥ na eva vṛddham āryam anusmarat | sa mama arthāya kuśalam vaktavyaḥ vacanān mama ||

Bei dessen Anblick Rāghava sich nicht einmal mehr an den ehrwürdigen Alten erinnert – ihm soll in meinem Namen Wohlergehen gewünscht werden, mit meinen Worten.

Wort für Wort
yam dṛṣṭvā
bei dessen Anblick
rāghavaḥ na eva vṛddham āryam anusmarat
Rāghava sich nicht einmal an den ehrwürdigen Alten erinnert
sa mama arthāya
ihm um meinetwillen
kuśalam vaktavyaḥ
soll Wohlergehen gesagt werden
vacanān mama
mit meinen Worten

mṛduḥ nityam śuciḥ dakṣaḥ priyaḥ rāmasya lakṣmaṇaḥ ||

Sanftmütig stets, rein, geschickt, dem Rāma lieb – so ist Lakṣmaṇa.

Wort für Wort
mṛduḥ nityam
stets sanftmütig
śuciḥ
rein
dakṣaḥ
geschickt
priyaḥ rāmasya lakṣmaṇaḥ
Lakṣmaṇa, Rāma lieb

yathā hi vānara śreṣṭha duḥkha kṣaya karaḥ bhavet | tvam asmin kārya niryoge pramāṇam hari sattama ||

Damit, o Bester der Affen, ein Ende meiner Leiden herbeigeführt werde, sei du, o Trefflichster der Affen, in dieser Angelegenheit maßgebend.

Wort für Wort
yathā hi vānara śreṣṭha
damit, o Bester der Affen
duḥkha kṣaya karaḥ bhavet
ein Ende der Leiden herbeigeführt werde
tvam asmin kārya niryoge
du in dieser Angelegenheit
pramāṇam hari sattama
sei maßgebend, o Trefflichster der Affen

rāghavaḥ tvat samārambhāt mayi yatna paraḥ bhavet | idam brūyāḥ ca me nātham śūram rāmam punaḥ punaḥ ||

Durch dein Handeln möge Rāghava sich noch eifriger um mich bemühen; und dies sollst du meinem Herrn, dem tapferen Rāma, immer wieder sagen:

Wort für Wort
rāghavaḥ tvat samārambhāt
durch dein Unternehmen
mayi yatna paraḥ bhavet
möge er sich eifrig um mich bemühen
idam brūyāḥ ca me nātham
und dies sollst du meinem Herrn sagen
śūram rāmam punaḥ punaḥ
dem tapferen Rāma, immer wieder

jīvitam dhārayiṣyāmi māsam daśaratha ātmaja | ūrdhvam māsāt na jīveyam satyena aham bravīmi te ||

Ich werde mein Leben noch einen Monat lang bewahren, o Sohn des Daśaratha; über einen Monat hinaus würde ich nicht mehr leben – bei der Wahrheit sage ich dir dies.

Wort für Wort
jīvitam dhārayiṣyāmi māsam
ich werde das Leben einen Monat lang bewahren
daśaratha ātmaja
o Sohn des Daśaratha
ūrdhvam māsāt na jīveyam
über einen Monat hinaus würde ich nicht leben
satyena aham bravīmi te
bei der Wahrheit sage ich dir

rāvaṇena uparuddhām mām nikṛtyā pāpa karmaṇā | trātum arhasi vīra tvam pātālāt iva kauśikīm ||

Mich, die von Rāvaṇa durch Betrug festgehalten wird, dem Übeltäter – rette du mich, o Held, wie man Kauśikī aus der Unterwelt gerettet hätte.

Wort für Wort
rāvaṇena uparuddhām mām
mich, von Rāvaṇa festgehalten
nikṛtyā pāpa karmaṇā
durch Betrug, dem Übeltäter
trātum arhasi vīra tvam
du sollst retten, o Held
pātālāt iva kauśikīm
wie Kauśikī aus der Unterwelt

tataḥ vastra gatam muktvā divyam cūḍā maṇim śubham | pradeyaḥ rāghavāya iti sītā hanumate dadau ||

Dann löste sie den herrlichen, göttlichen Kopfschmuck-Edelstein aus ihrem Gewand und gab ihn Hanumān mit den Worten: 'Dies soll Rāghava übergeben werden.'

Wort für Wort
tataḥ vastra gatam muktvā
dann, aus dem Gewand gelöst
divyam cūḍā maṇim śubham
den herrlichen göttlichen Kopfschmuck-Edelstein
pradeyaḥ rāghavāya iti
'dies soll Rāghava gegeben werden', so
sītā hanumate dadau
gab Sītā ihn Hanumān

pratigṛhya tataḥ vīraḥ maṇi ratnam anuttamam | angulyā yojayām āsa na hi asyāḥ prābhavat bhujaḥ ||

Nachdem der Held das unvergleichliche Juwel entgegengenommen hatte, steckte er es an seinen Finger, denn ihr Arm hätte es nicht zu tragen vermocht.

Wort für Wort
pratigṛhya tataḥ vīraḥ
nachdem der Held entgegengenommen hatte
maṇi ratnam anuttamam
das unvergleichliche Juwel
angulyā yojayām āsa
steckte er es an den Finger
na hi asyāḥ prābhavat bhujaḥ
denn ihr Arm vermochte es nicht (zu tragen)

maṇi ratnam kapi varaḥ pratigṛhya abhivādya ca | sītām pradakṣiṇam kṛtvā praṇataḥ pārśvataḥ sthitaḥ ||

Nachdem der beste der Affen das Juwel entgegengenommen und sie gegrüßt hatte, umschritt er Sītā respektvoll und stand verneigt zu ihrer Seite.

Wort für Wort
maṇi ratnam kapi varaḥ pratigṛhya
nachdem der beste der Affen das Juwel entgegengenommen hatte
abhivādya ca
und gegrüßt hatte
sītām pradakṣiṇam kṛtvā
Sītā rechtsherum umschreitend
praṇataḥ pārśvataḥ sthitaḥ
stand er verneigt an ihrer Seite

harṣeṇa mahatā yuktaḥ sītā darśana jena saḥ | hṛdayena gataḥ rāmam śarīreṇa tu viṣṭhitaḥ ||

Erfüllt von großer Freude durch den Anblick Sītās, war er im Herzen bereits bei Rāma, doch mit dem Leib noch verweilend.

Wort für Wort
harṣeṇa mahatā yuktaḥ
erfüllt von großer Freude
sītā darśana jena
entstanden aus dem Anblick Sītās
saḥ hṛdayena gataḥ rāmam
er, im Herzen zu Rāma gegangen
śarīreṇa tu viṣṭhitaḥ
doch mit dem Körper noch verweilend

maṇi varam upagṛhya tam mahā arham | janaka nṛpa ātmajayā dhṛtam prabhāvāt | giri vara pavana avadhūta muktaḥ | sukhita manāḥ pratisamkramam prapede ||

Nachdem er den vortrefflichen, hochwertigen Edelstein empfangen hatte, den die Tochter des Königs Janaka kraft ihrer Macht getragen hatte, machte er sich, befreit wie vom Wind auf dem herrlichsten Berg emporgewirbelt, frohen Sinnes auf den Rückweg.

Wort für Wort
maṇi varam upagṛhya tam mahā arham
nachdem er jenes vortreffliche, hochwertige Juwel empfangen hatte
janaka nṛpa ātmajayā
von der Tochter des Königs Janaka
dhṛtam prabhāvāt
getragen kraft ihrer Macht
giri vara pavana avadhūta muktaḥ
befreit, wie vom Wind auf dem besten Berg aufgewirbelt
sukhita manāḥ
frohen Sinnes
pratisamkramam prapede
trat er den Rückweg an

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