Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Sundarakāṇḍa

Sarga 3: Laṅkā Praveśa Hanumān betritt Laṅkā und besiegt die Stadtgöttin Laṅkā

sa lamba śikhare lambe lamba toyada saṃnibhe | sattvam āsthāya medhāvī hanumān māruta ātmajaḥ

Er, auf dem hoch aufragenden Gipfel, der einer hängenden Regenwolke glich, fasste Mut — der kluge Hanumān, der Sohn des Windgottes.

Wort für Wort
sa
er
lamba śikhare
auf dem herabhängenden/hochragenden Gipfel
lamba toyada saṃnibhe
der einer hängenden Regenwolke ähnelte
sattvam āsthāya
Mut fassend
medhāvī
der Kluge
hanumān
Hanumān
māruta-ātmajaḥ
der Sohn des Windgottes

niśi laṅkāṃ mahāsattvaḥ viveśa kapikuñjaraḥ | ramya kānana toyāḍhyāṃ purīṃ rāvaṇa pālitām

Bei Nacht betrat der große, kraftvolle Affenfürst Laṅkā, die von Rāvaṇa beherrschte Stadt, reich an lieblichen Wäldern und Gewässern.

Wort für Wort
niśi
bei Nacht
laṅkām
Laṅkā
mahā-sattvaḥ
der Großmütige, Kraftvolle
viveśa
betrat
kapi-kuñjaraḥ
der Elefant unter den Affen
ramya kānana toya āḍhyām
reich an lieblichen Wäldern und Wasser
purīm
die Stadt
rāvaṇa pālitām
von Rāvaṇa beherrscht

śārada ambudhara prakhyaiḥ bhavanaiḥ upaśobhitāṃ | sāgaropama nirghoṣāṃ sāgara anila sevitām

geschmückt mit Palästen, die herbstlichen Wolken glichen, mit einem Rauschen wie das Meer, umweht vom Wind des Ozeans.

Wort für Wort
śārada ambudhara prakhyaiḥ
gleich herbstlichen Wolken
bhavanaiḥ upaśobhitām
geschmückt mit Palästen
sāgara-upama nirghoṣām
mit meeresgleichem Rauschen
sāgara anila sevitām
vom Meereswind umweht

supuṣṭa bala saṃguptāṃ yathaiva viṭapāvatīm | cāru toraṇa niryūhāṃ pāṇḍura dvāra toraṇām

wohlgenährt und von Kraft geschützt wie eine Stadt voller (Schlangen-)Zweige, mit schönen Torbögen und Vorbauten, mit hellen Toren und Bögen.

Wort für Wort
supuṣṭa bala saṃguptām
wohlgenährt und von Kraft beschützt
yathaiva viṭapāvatīm
gleichwie jene mit Zweigen (Bhogavatī)
cāru toraṇa niryūhām
mit schönen Torbögen und Vorbauten
pāṇḍura dvāra toraṇām
mit hellen Toren und Bögen

bhujaga ācaritāṃ guptāṃ śubhāṃ bhogavatīm iva | tāṃ savidyut ghana ākīrṇāṃ jyotiḥ mārga niṣevitām

von Schlangen durchwandert, wohlbehütet, schön wie Bhogavatī — jene Stadt, erfüllt von blitzdurchzuckten Wolken, von der Sternenbahn besucht.

Wort für Wort
bhujaga ācaritām
von Schlangen durchwandert
guptām śubhām
behütet und schön
bhogavatīm iva
wie Bhogavatī
tām
jene
savidyut ghana ākīrṇām
erfüllt von blitzdurchzuckten Wolken
jyotiḥ mārga niṣevitām
von der Sternenbahn besucht

caṇḍa māruta nirhrādāṃ yathā indrasya amarāvatīm | śātakumbhena mahatā prākāreṇa abhisamvṛtām

widerhallend vom heftigen Wind, gleich Indras Amarāvatī, umgeben von einer gewaltigen Mauer aus Gold.

Wort für Wort
caṇḍa māruta nirhrādām
widerhallend vom heftigen Wind
yathā indrasya amarāvatīm
wie Indras Amarāvatī
śātakumbhena mahatā prākāreṇa
von einer gewaltigen goldenen Mauer
abhisamvṛtām
umgeben

kiṅkiṇī jāla ghoṣābhiḥ patākābhiḥ alaṃkṛtāṃ | āsādya sahasā hṛṣṭaḥ prākāram abhipedivān

geschmückt mit Fahnen und dem Klingen von Glöckchennetzen — als er sie erreichte, sprang er, voller Freude, plötzlich auf die Mauer.

Wort für Wort
kiṅkiṇī jāla ghoṣābhiḥ
mit dem Klang von Glöckchennetzen
patākābhiḥ alaṃkṛtām
mit Fahnen geschmückt
āsādya
erreichend
sahasā hṛṣṭaḥ
plötzlich voller Freude
prākāram abhipedivān
stieg er auf die Mauer

vismaya āviṣṭa hṛdayaḥ purīm ālokya sarvataḥ | jāmbūnadamayaiḥ dvāraiḥ vaidūrya kṛta vedikaiḥ

das Herz von Staunen erfüllt, betrachtete er die Stadt von allen Seiten — mit Toren aus Gold und Terrassen aus Beryll.

Wort für Wort
vismaya āviṣṭa hṛdayaḥ
das Herz von Staunen erfüllt
purīm ālokya sarvataḥ
die Stadt von allen Seiten betrachtend
jāmbūnadamayaiḥ dvāraiḥ
mit Toren aus Gold
vaidūrya kṛta vedikaiḥ
mit aus Beryll gefertigten Terrassen

maṇi sphaṭika muktābhiḥ maṇi kuṭṭima bhūṣitaiḥ | tapta hāṭaka niryūhaiḥ rājata amala pāṇḍuraiḥ

mit Edelsteinen, Kristall und Perlen, geschmückt mit Fußböden aus Juwelen, mit Vorbauten aus geschmolzenem Gold, rein weiß wie Silber.

Wort für Wort
maṇi sphaṭika muktābhiḥ
mit Edelsteinen, Kristall, Perlen
maṇi kuṭṭima bhūṣitaiḥ
mit juwelenbesetzten Fußböden geschmückt
tapta hāṭaka niryūhaiḥ
mit Vorbauten aus geschmolzenem Gold
rājata amala pāṇḍuraiḥ
rein weiß wie Silber

vaidūrya tala sopānaiḥ sphāṭika antara pāṃsubhiḥ | cāru saṃjavana upetaiḥ kham iva utpatitaiḥ śubhaiḥ

mit Treppenstufen aus Beryll, mit Kristallstaub dazwischen, mit schönem, leichtem Zugang, schön, als flögen sie zum Himmel auf.

Wort für Wort
vaidūrya tala sopānaiḥ
mit Treppenstufen aus Beryll
sphāṭika antara pāṃsubhiḥ
mit Kristallstaub dazwischen
cāru saṃjavana upetaiḥ
mit schönem, raschem Zugang versehen
kham iva utpatitaiḥ śubhaiḥ
schön, als flögen sie zum Himmel auf

krauñca barhiṇa saṃghuṣṭe rāja haṃsa niṣevitaiḥ | tūrya ābharaṇa nirghoṣaiḥ sarvataḥ pratināditām

widerhallend vom Ruf der Kraniche und Pfauen, bewohnt von königlichen Schwänen, von allen Seiten erklingend vom Klang der Instrumente und des Schmucks.

Wort für Wort
krauñca barhiṇa saṃghuṣṭe
widerhallend vom Ruf der Kraniche und Pfauen
rāja haṃsa niṣevitaiḥ
von königlichen Schwänen bewohnt
tūrya ābharaṇa nirghoṣaiḥ
vom Klang der Instrumente und Schmuckstücke
sarvataḥ pratināditām
von allen Seiten widerhallend

vasvokasārā pratimāṃ samīkṣya nagarīṃ tataḥ | kham iva utpatitāṃ laṅkāṃ jaharṣa hanumān kapiḥ

Als er die Stadt sah, die der Götterstadt Vasvokasārā glich, wie zum Himmel emporgeflogen, freute sich der Affe Hanumān über Laṅkā.

Wort für Wort
vasvokasārā pratimām
gleich der Götterstadt Vasvokasārā
samīkṣya
erblickend
nagarīm tataḥ
die Stadt daraufhin
kham iva utpatitām
als sei sie zum Himmel emporgeflogen
laṅkām
Laṅkā
jaharṣa
freute sich
hanumān kapiḥ
der Affe Hanumān

tāṃ samīkṣya purīṃ laṅkāṃ rākṣasa adhipateḥ śubhāṃ | anuttamām ṛddhi yutāṃ cintayām āsa vīryavān

Als er jene schöne Stadt Laṅkā des Rākṣasa-Herrschers erblickte, die unübertreffliche, von Wohlstand erfüllte, begann der Tapfere zu überlegen.

Wort für Wort
tām samīkṣya
jene erblickend
purīm laṅkām
die Stadt Laṅkā
rākṣasa adhipateḥ
des Herrschers der Rākṣasas
śubhām
die schöne
anuttamām
die unübertreffliche
ṛddhi yutām
von Wohlstand erfüllt
cintayām āsa
begann zu überlegen
vīryavān
der Tapfere

na iyaṃ anyena nagarī śakyā dharṣayituṃ balāt | rakṣitā rāvaṇa balaiḥ udyata āyudha dhāribhiḥ

Diese Stadt kann von niemand anderem mit Gewalt bezwungen werden, bewacht von Rāvaṇas Truppen, die erhobene Waffen tragen.

Wort für Wort
na iyam anyena
nicht von einem anderen
nagarī
die Stadt
śakyā dharṣayitum balāt
kann mit Gewalt bezwungen werden
rakṣitā rāvaṇa balaiḥ
bewacht von Rāvaṇas Truppen
udyata āyudha dhāribhiḥ
die erhobene Waffen tragen

kumuda aṅgadayoḥ vā api suṣeṇasya mahā kapeḥ | prasiddhā iyaṃ bhavet bhūmiḥ mainda dvividayoḥ api

Vielleicht wäre dieser Ort erreichbar für Kumuda und Aṅgada, oder für den großen Affen Suṣeṇa, oder auch für Mainda und Dvivida,

Wort für Wort
kumuda aṅgadayoḥ vā api
oder auch für Kumuda und Aṅgada
suṣeṇasya mahā kapeḥ
für den großen Affen Suṣeṇa
prasiddhā iyam bhavet bhūmiḥ
bekannt/erreichbar könnte dieser Ort sein
mainda dvividayoḥ api
auch für Mainda und Dvivida

vivasvataḥ tanūjasya hareḥ ca kuśa parvaṇaḥ | ṛkṣasya ketu mālasya mama caiva gatiḥ bhavet

für den Sohn der Sonne, für den Affen Kuśaparvan, für den Bären, für Ketumāla — und auch für mich könnte der Zugang möglich sein.

Wort für Wort
vivasvataḥ tanūjasya
für den Sohn der Sonne
hareḥ ca kuśaparvaṇaḥ
und für den Affen Kuśaparvan
ṛkṣasya ketumālasya
für den Bären, für Ketumāla
mama caiva gatiḥ bhavet
und auch für mich könnte der Zugang sein

samīkṣya tu mahā bāhaḥ rāghavasya parākramam | lakṣmaṇasya ca vikrāntam abhavat prītimān kapiḥ

Doch als der Starkarmige an Rāghavas Tapferkeit und Lakṣmaṇas Kühnheit dachte, wurde der Affe froh.

Wort für Wort
samīkṣya tu
doch bedenkend
mahā bāhaḥ
der Starkarmige
rāghavasya parākramam
Rāghavas Tapferkeit
lakṣmaṇasya ca vikrāntam
und Lakṣmaṇas Kühnheit
abhavat prītimān kapiḥ
wurde der Affe froh

tāṃ ratna vasana upetāṃ koṣṭha āgāra avataṃsakāṃ | yantra agāra stanīṃ ṛddhāṃ pramadām iva bhūṣitām

jene Stadt, geschmückt wie mit juwelenbesetzten Gewändern, mit Kornspeichern als Ohrschmuck, mit Wehrtürmen wie Brüsten, reich, geschmückt wie eine junge Frau.

Wort für Wort
tām ratna vasana upetām
jene mit juwelenbesetzten Gewändern versehene
koṣṭha āgāra avataṃsakām
mit Vorratshäusern als Ohrschmuck
yantra agāra stanīm
mit Wehrhäusern als Brüsten
ṛddhām
reiche
pramadām iva bhūṣitām
geschmückt wie eine junge Frau

tāṃ naṣṭa timirāṃ dīpaiḥ bhāsvaraiḥ ca mahā gṛhaiḥ | nagarīṃ rākṣasa indrasya dadarśa sa mahā kapiḥ

jene Stadt, deren Dunkel durch Lampen vertrieben war, strahlend von großen Häusern, die Stadt des Rākṣasa-Fürsten, erblickte der große Affe.

Wort für Wort
tām naṣṭa timirām dīpaiḥ
jene, deren Dunkel durch Lampen vertrieben war
bhāsvaraiḥ ca mahā gṛhaiḥ
und strahlend von großen Häusern
nagarīm rākṣasa indrasya
die Stadt des Rākṣasa-Fürsten
dadarśa sa mahā kapiḥ
erblickte der große Affe

atha sā hariśārdūlaṃ praviśantim mahābalam | nagarī svena rūpeṇa dadarśa pavanātmajam

Da erblickte jene Stadt selbst, in eigener Gestalt, den Sohn des Windgottes, den mächtigen Tiger unter den Affen, wie er eintrat.

Wort für Wort
atha sā
da jene
hariśārdūlam
den Tiger unter den Affen
praviśantim mahābalam
den mächtigen Eintretenden
nagarī svena rūpeṇa
die Stadt in eigener Gestalt
dadarśa pavanātmajam
erblickte den Sohn des Windgottes

sā taṃ harivaraṃ dṛṣṭvā laṅkā rāvaṇapālitā | svayamevotthitā tatra vikṛtānanadarśanā

Als sie, Laṅkā, von Rāvaṇa beherrscht, jenen besten der Affen sah, erhob sie sich dort von selbst, mit entstelltem, schrecklichem Antlitz.

Wort für Wort
sā tam harivaram dṛṣṭvā
sie, jenen besten der Affen erblickend
laṅkā rāvaṇapālitā
Laṅkā, von Rāvaṇa beherrscht
svayam eva utthitā tatra
erhob sich dort von selbst
vikṛta ānana darśanā
mit entstelltem, furchterregendem Antlitz

purastāt kaḥ pīvaryasya vāyusūnoratiṣṭhata | muñcamānā mahānādamabravītpavanātmajam

Sie trat vor den kräftigen Sohn des Windes, stieß ein gewaltiges Gebrüll aus und sprach zu dem Windessohn:

Wort für Wort
purastāt
vor ihm
pīvaryasya vāyusūnoḥ
des kräftigen Sohnes des Windes
atiṣṭhata
trat sie hin
muñcamānā mahānādam
ein gewaltiges Gebrüll ausstoßend
abravīt pavanātmajam
sprach sie zum Windessohn

kastvaṃ kena ca kāryeṇa iha prāpto vanālaya | kathaya sveha yattattvaṃ yāvatprāṇā dharanti te

„Wer bist du, und mit welchem Anliegen bist du hierhergekommen, Waldbewohner? Sage mir sogleich die Wahrheit, solange dir noch Lebensatem bleibt!“

Wort für Wort
kaḥ tvam
wer bist du
kena ca kāryeṇa
und mit welchem Anliegen
iha prāptaḥ vanālaya
hierher gekommen, Waldbewohner
kathaya sva iha yat tattvam
sage hier sogleich die Wahrheit
yāvat prāṇāḥ dharanti te
solange dein Lebensatem noch währt

na śakyaṃ khalviyaṃ laṅkā praveṣṭuṃ vānara tvayā | rakṣitā rāvaṇabalairabhiguptā samantataḥ

Diese Laṅkā kann von dir, Affe, wahrlich nicht betreten werden — sie wird von Rāvaṇas Truppen bewacht, von allen Seiten behütet.“

Wort für Wort
na śakyam khalu iyam laṅkā
diese Laṅkā kann wahrlich nicht
praveṣṭum vānara tvayā
von dir, Affe, betreten werden
rakṣitā rāvaṇabalaiḥ
bewacht von Rāvaṇas Truppen
abhiguptā samantataḥ
von allen Seiten behütet

atha tāmabravīdvīro hanumānagrataḥ sthitām | kathayiṣyāmi te tattvaṃ yanmāṃ tvaṃ paripṛcchasi

Da sprach der Held Hanumān zu ihr, die vor ihm stand: „Ich werde dir die Wahrheit sagen, wonach du mich fragst.

Wort für Wort
atha tām abravīt vīraḥ hanumān
da sprach der Held Hanumān zu ihr
agrataḥ sthitām
die vor ihm stand
kathayiṣyāmi te tattvam
ich werde dir die Wahrheit sagen
yat mām tvam paripṛcchasi
wonach du mich fragst

kā tvaṃ virūpanayanā puradvāre.avatiṣṭhasi | kimartham cāpi māṃ ruddhvā nirbhartsayasi dāruṇā

Doch wer bist du, mit entstellten Augen, die du am Stadttor stehst? Und warum hältst du mich auf und schmähst mich so grausam?“

Wort für Wort
kā tvam
wer bist du
virūpa nayanā
mit entstellten Augen
puradvāre avatiṣṭhasi
du stehst am Stadttor
kimartham ca api
und warum
mām ruddhvā
mich aufhaltend
nirbhartsayasi dāruṇā
schmähst du, Grausame

hanumadvacanaṃ śrutvā laṅkā sā kāmarūpiṇī | uvāca vacanaṃ kruddhā paruṣaṃ pavanātmajam

Als sie Hanumāns Worte hörte, sprach Laṅkā, die Gestaltwandlerin, voller Zorn harte Worte zum Windessohn:

Wort für Wort
hanumat vacanam śrutvā
Hanumāns Worte hörend
laṅkā sā kāmarūpiṇī
jene Laṅkā, die nach Belieben ihre Gestalt wandelt
uvāca vacanam kruddhā
sprach zornig
paruṣam pavanātmajam
harte Worte zum Windessohn

ahaṃ rākṣasarājasya rāvaṇasya mahātmanaḥ | ājñāpratīkṣā durdharṣā rakṣāmi nagarīmimām

„Ich, unbezwingbar, dem Befehl des hochgesinnten Rākṣasa-Königs Rāvaṇa gehorchend, bewache diese Stadt.

Wort für Wort
aham
ich
rākṣasarājasya rāvaṇasya mahātmanaḥ
des hochgesinnten Rākṣasa-Königs Rāvaṇa
ājñā pratīkṣā
seinem Befehl gehorsam
durdharṣā
unbezwingbar
rakṣāmi nagarīm imām
ich bewache diese Stadt

na śakyā māmavajñāya praveṣṭuṃ nagarī tvayā | adya prāṇaiḥ parityaktaḥ svapsyase nihato mayā

Diese Stadt kann nicht betreten werden von dir, indem du mich missachtest — heute, deines Lebens beraubt, wirst du von mir erschlagen daliegen.

Wort für Wort
na śakyā mām avajñāya
nicht kann, mich missachtend
praveṣṭum nagarī tvayā
die Stadt von dir betreten werden
adya prāṇaiḥ parityaktaḥ
heute, deines Lebens beraubt
svapsyase nihato mayā
wirst du erschlagen von mir liegen

ahaṃ hi nagarī laṅkā svayameva plavaṅgama | sarvataḥ parirakṣāmi hyetatte kathitaṃ mayā

Denn ich selbst bin die Stadt Laṅkā, o Affe, ich beschütze sie von allen Seiten — das habe ich dir gesagt.“

Wort für Wort
aham hi nagarī laṅkā
denn ich bin die Stadt Laṅkā
svayam eva plavaṅgama
selbst, o Affe
sarvataḥ parirakṣāmi
ich beschütze sie von allen Seiten
hi etat te kathitam mayā
dies habe ich dir wahrlich gesagt

laṅkāyā vacanaṃ śrutvā hanumān mārutātmajaḥ | yatnavānsa hariśreṣṭhaḥ sthitaśśaila ivāparaḥ

Als er Laṅkās Worte hörte, stand Hanumān, der Sohn des Windes, der beste der Affen, entschlossen da, unbeweglich wie ein zweiter Berg.

Wort für Wort
laṅkāyā vacanam śrutvā
Laṅkās Worte hörend
hanumān mārutātmajaḥ
Hanumān, der Sohn des Windes
yatnavān sa hariśreṣṭhaḥ
jener entschlossene beste der Affen
sthitaḥ śaila iva aparaḥ
stand da wie ein zweiter Berg

sa tāṃ strīrūpavikṛtāṃ dṛṣṭvā vānarapuṅgavaḥ | ābabhāṣe.atha medhāvi sattvān plavagarṣabhaḥ

Als der Stier unter den Affen sie sah, in entstellter Frauengestalt, sprach der kluge, kraftvolle Stier unter den Affen zu ihr:

Wort für Wort
sa tām strī rūpa vikṛtām dṛṣṭvā
jene in entstellter Frauengestalt erblickend
vānarapuṅgavaḥ
der Stier unter den Affen
ābabhāṣe atha
sprach da
medhāvi
der Kluge
sattvān
der Kraftvolle
plavagarṣabhaḥ
der Stier unter den Affen

drakṣyāmi nagarīṃ laṅkāṃ sāṭṭaprākāratoraṇāṃ | ityarthamiha samprāptaḥ paraṃ kautūhalaṃ hi me

„Ich möchte die Stadt Laṅkā sehen, mit ihren Wachtürmen, Mauern und Torbögen — deswegen bin ich hergekommen, denn große Neugier treibt mich.

Wort für Wort
drakṣyāmi nagarīm laṅkām
ich möchte die Stadt Laṅkā sehen
sāṭṭa prākāra toraṇām
mit Wachtürmen, Mauern und Torbögen
iti artham iha samprāptaḥ
aus diesem Grund bin ich hierher gekommen
param kautūhalam hi me
denn große Neugier ist in mir

vanānyupavanānīha laṅkāyāḥ kānanāni ca | sarvato gṛhamukhyāni draṣṭumāgamanaṃ hi me

Die Wälder und Haine, die Gehölze Laṅkās, und überall die vornehmsten Häuser zu sehen, dafür bin ich gekommen.“

Wort für Wort
vanāni upavanāni iha
die Wälder und Haine hier
laṅkāyāḥ kānanāni ca
und die Gehölze Laṅkās
sarvataḥ gṛha mukhyāni
überall die vornehmsten Häuser
draṣṭum āgamanam hi me
zu sehen ist wahrlich mein Kommen

tasya tadvacanaṃ śrutvā laṅkā sā kāmarūpiṇī | bhūya eva punarvākyaṃ babhāṣe paruṣākṣaram

Als sie diese seine Worte hörte, sprach Laṅkā, die Gestaltwandlerin, abermals mit harten Worten:

Wort für Wort
tasya tat vacanam śrutvā
seine Worte hörend
laṅkā sā kāmarūpiṇī
jene gestaltwandelnde Laṅkā
bhūyaḥ eva punaḥ vākyam
abermals wiederum ein Wort
babhāṣe paruṣa akṣaram
sprach sie mit harten Silben

māmanirjatya durbaddhe rākṣaseśvarapālitā | na śakyamadya te draṣṭuṃ purīyaṃ vanarādhama

„Ohne mich zu bezwingen, du Übler, kannst du diese vom Herrn der Rākṣasas beschützte Stadt heute nicht sehen, du Niedrigster der Waldbewohner!“

Wort für Wort
mām anirjitya durbaddhe
ohne mich zu besiegen, du Übler
rākṣasa īśvara pālitā
von dem Herrn der Rākṣasas beschützte
na śakyam adya te draṣṭum
kann heute nicht von dir gesehen werden
purī iyam vanara adhama
diese Stadt, du niedrigster der Waldbewohner

tataḥ sa kapiśārdūlastāmuvāca niśācarīm | dṛṣṭvā purīmimāṃ bhadre punaryāsye yathāgatam

Da sprach der Tiger unter den Affen zu jener Nachtwandlerin: „Wenn ich diese Stadt gesehen habe, o Gute, werde ich zurückkehren, wie ich gekommen bin.“

Wort für Wort
tataḥ sa kapiśārdūlaḥ
da jener Tiger unter den Affen
tām uvāca niśācarīm
sprach zu jener Nachtwandlerin
dṛṣṭvā purīm imām bhadre
wenn ich diese Stadt gesehen habe, o Gute
punaḥ yāsye yathāgatam
werde ich zurückkehren, wie ich gekommen bin

tataḥ kṛtvā mahānādaṃ sā vai laṅkā bhayāvahaṃ | talena vānaraśreṣṭhaṃ tāḍayāmāsa vegitā

Da stieß Laṅkā ein furchterregendes, gewaltiges Gebrüll aus und schlug den besten der Affen heftig mit der flachen Hand.

Wort für Wort
tataḥ kṛtvā mahānādam
da ein gewaltiges Gebrüll ausstoßend
sā vai laṅkā bhayāvaham
jene furchterregende Laṅkā
talena vānaraśreṣṭham
mit der flachen Hand den besten der Affen
tāḍayāmāsa vegitā
schlug sie heftig

tataḥ sa kapiśārdulo laṅkāyā tāḍito bhṛśaṃ | nanāda sumahānādaṃ vīryavān pavanātmajaḥ

Da, von Laṅkā heftig geschlagen, brüllte der Tiger unter den Affen, der tapfere Sohn des Windes, ein gewaltiges Gebrüll.

Wort für Wort
tataḥ sa kapiśārdulaḥ
da jener Tiger unter den Affen
laṅkāyā tāḍitaḥ bhṛśam
von Laṅkā heftig geschlagen
nanāda sumahānādam
brüllte ein gewaltiges Gebrüll
vīryavān pavanātmajaḥ
der tapfere Sohn des Windes

tataḥ saṃvartayāmāsa vāmahastasya so.aṅguldīḥ | muṣṭinābhijaghānainaṃ hanumān krodhamūrcitaḥ | strī ceti manyamānena nātikrodhaḥ svayaṃ kṛtaḥ

Da ballte er die Finger seiner linken Hand und schlug sie mit der Faust — Hanumān, von Zorn erfüllt; doch da er bedachte, dass sie eine Frau war, hielt er seinen Zorn selbst zurück, nicht allzu groß.

Wort für Wort
tataḥ saṃvartayāmāsa
da ballte er
vāma hastasya saḥ aṅguldīḥ
die Finger seiner linken Hand
muṣṭinā abhijaghāna enām
mit der Faust schlug er sie
hanumān krodha mūrcitaḥ
Hanumān, von Zorn erfüllt
strī ca iti manyamānena
doch bedenkend, dass sie eine Frau sei
na atikrodhaḥ svayam kṛtaḥ
machte er seinen Zorn nicht allzu groß

sā tu tena prahāreṇa vihvalāṅgī nīśācarī | papāta sahasā bhūmau vikṛtānanadarśanā

Doch durch jenen Schlag, mit erschütterten Gliedern, fiel die Nachtwandlerin mit dem entstellten Antlitz plötzlich zu Boden.

Wort für Wort
sā tu tena prahāreṇa
sie aber durch jenen Schlag
vihvala aṅgī nīśācarī
die Nachtwandlerin mit erschütterten Gliedern
papāta sahasā bhūmau
fiel plötzlich zu Boden
vikṛta ānana darśanā
mit entstelltem Antlitz

tatastu hanumān prājñastāṃ dṛṣṭvā vinipātitām | kṛpāṃ cakāra tejasvī manyamānaḥ striyaṃ tu tām

Da, sie so zu Boden gestürzt sehend, empfand der weise, glanzvolle Hanumān Mitleid, da er bedachte, dass sie eine Frau war.

Wort für Wort
tataḥ tu hanumān prājñaḥ
da aber der weise Hanumān
tām dṛṣṭvā vinipātitām
sie zu Boden gestürzt sehend
kṛpām cakāra tejasvī
empfand der Glanzvolle Mitleid
manyamānaḥ striyam tu tām
da er sie als Frau bedachte

tato vai bhṛśasaṃvignā laṅkā gadgadākṣaraṃ | uvācāgarvitaṃ vākyaṃ hanūmantaṃ plavaṅgamam

Da sprach die zutiefst erschütterte Laṅkā mit stockender Stimme demütige Worte zu dem Affen Hanumān:

Wort für Wort
tataḥ vai bhṛśa saṃvignā laṅkā
da die zutiefst erschütterte Laṅkā
gadgada akṣaram
mit stockender Stimme
uvāca agarvitam vākyam
sprach demütige Worte
hanūmantam plavaṅgamam
zum Affen Hanumān

prasīda sumahābāho trāyasva harisattama | samaye saumya tiṣṭhanti sattvavanto mahābalāḥ

„Sei gnädig, du Starkarmiger, beschütze mich, du Bester der Affen! Zur rechten Zeit halten sich die Kraftvollen und Mächtigen an das rechte Maß.

Wort für Wort
prasīda sumahābāho
sei gnädig, du Starkarmiger
trāyasva harisattama
beschütze mich, du Bester der Affen
samaye saumya tiṣṭhanti
zur rechten Zeit halten sich, Sanftmütiger
sattvavantaḥ mahābalāḥ
die Kraftvollen und Mächtigen

ahaṃ tu nagarī laṅkā svayameva plavaṅgama | nirjitāhaṃ tvayā vīra vikrameṇa mahābala

Ich bin die Stadt Laṅkā selbst, o Affe — von dir, o Held, o Mächtiger, bin ich durch deine Tapferkeit besiegt worden.

Wort für Wort
aham tu nagarī laṅkā
ich aber bin die Stadt Laṅkā
svayam eva plavaṅgama
selbst, o Affe
nirjitā aham tvayā vīra
besiegt bin ich von dir, o Held
vikrameṇa mahābala
durch deine Tapferkeit, o Mächtiger

idaṃ tu tathyaṃ śṛṇu vai bruvantyā me harīśvara | svayambhuvā purā dattaṃ varadānaṃ yathā mama

Höre nun die Wahrheit, die ich dir sage, o Herr der Affen: einst wurde mir von dem Selbstentstandenen eine Gabe gewährt —

Wort für Wort
idam tu tathyam śṛṇu vai
höre nun wahrlich diese Wahrheit
bruvantyā me harīśvara
die ich dir sage, o Herr der Affen
svayambhuvā purā dattam
einst von dem Selbstentstandenen gewährt
varadānam yathā mama
eine Gnadengabe, wie sie mir gegeben wurde

yadā tvāṃ vānaraḥ kaścidvikramādvaśamānayet | tadā tvayā hi vijñeyaṃ rakṣasāṃ bhayamāgatam

— dass, wenn irgendein Affe dich durch Tapferkeit bezwingen würde, dann dir bekannt sein solle, dass den Rākṣasas Gefahr gekommen ist.

Wort für Wort
yadā tvām vānaraḥ kaścit
wenn dich irgendein Affe
vikramāt vaśam ānayet
durch Tapferkeit unterwerfen würde
tadā tvayā hi vijñeyam
dann sollte von dir gewusst werden
rakṣasām bhayam āgatam
dass den Rākṣasas Gefahr gekommen ist

sa hi me samayaḥ saumya prāpto.ayaṃ tava darśanāt | svayambhūvihitaḥ satyo na tasyāsti vyatikramaḥ

Diese von mir erwartete Zeit, o Sanftmütiger, ist nun durch deinen Anblick gekommen — die vom Selbstentstandenen verfügte Wahrheit lässt sich nicht überschreiten.“

Wort für Wort
sa hi me samayaḥ saumya
diese meine Zeit, o Sanftmütiger
prāptaḥ ayam tava darśanāt
ist nun gekommen durch deinen Anblick
svayambhū vihitaḥ satyaḥ
die vom Selbstentstandenen verfügte Wahrheit
na tasya asti vyatikramaḥ
hat kein Überschreiten

sītānimittaṃ rājñastu rāvaṇasya durātmanaḥ | vidhatsva sarvakāryāṇi yāni yānīha vāñchasi

Um Sītās willen, wegen des bösgesinnten Königs Rāvaṇa, vollbringe alle Werke, die du hier wünschst.

Wort für Wort
sītā nimittam
um Sītās willen
rājñaḥ tu rāvaṇasya durātmanaḥ
wegen des bösgesinnten Königs Rāvaṇa
vidhatsva sarva kāryāṇi
vollbringe alle Taten
yāni yāni iha vāñchasi
welche auch immer du hier wünschst

tatpraviśya hariśreṣṭha purīṃ rāvaṇapālitām | vidhatsva sarvakāryāṇi yāni yānīha vāñchasi

So betritt denn, du Bester der Affen, die von Rāvaṇa beherrschte Stadt und vollbringe alle Werke, die du hier wünschst.

Wort für Wort
tat praviśya hariśreṣṭha
so denn eintretend, du Bester der Affen
purīm rāvaṇapālitām
die von Rāvaṇa beherrschte Stadt
vidhatsva sarva kāryāṇi
vollbringe alle Taten
yāni yāni iha vāñchasi
welche auch immer du hier wünschst

praviśya śāpopahatāṃ harīśvara | śubhāṃ purīṃ rākṣasarājapālitām | yadṛcchayā tvaṃ janakātmajāṃ satīṃ | vimārga sarvatra gato yathāsukham

Betritt, o Herr der Affen, diese schöne, vom Fluch getroffene Stadt, die vom Rākṣasa-König beherrscht wird, und suche, überall wandelnd, wie es dir beliebt, nach der tugendhaften Tochter Janakas.“

Wort für Wort
praviśya śāpa upahatām harīśvara
betretend, o Herr der Affen, die vom Fluch getroffene
śubhām purīm rākṣasarāja pālitām
die schöne, vom Rākṣasa-König beherrschte Stadt
yadṛcchayā tvam janaka ātmajām satīm
nach eigenem Belieben die tugendhafte Tochter Janakas
vimārga sarvatra gataḥ yathāsukham
suche, überall wandelnd, wie es dir beliebt

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