Sie, das unliebsame Wort des Rākṣasa-Herrn Rāvaṇa vernehmend, von Unlust gequält, erschrak Sītā, wie am Waldesrand die Tochter des Elefantenkönigs, von einem Löwen angefallen.
Wort für Wort
sā rākṣasa-indrasya vacaḥ niśamya
sie, das Wort des Rākṣasa-Herrn vernehmend
tat rāvaṇasya apriyam apriya-ārtā
jenes unliebsame Wort Rāvaṇas, von Unlust gequält
sītā vitatrāsa yathā vana-ante
Sītā erschrak, wie am Waldesrand
siṃha-abhipannā gaja-rāja-kanyā
die Tochter des Elefantenkönigs, von einem Löwen angefallen
Wahr ist fürwahr dies Wort, das die Guten in der Welt sprechen: 'Es gibt keinen Tod zur Unzeit' – da ich, so bedroht, elend, unverdienstvoll, doch auch nur einen Augenblick weiterlebe.
Wort für Wort
satyam bata idam pravadanti loke
wahr ist fürwahr dies, sprechen sie in der Welt
na akāla-mṛtyuḥ bhavati iti santaḥ
'kein Tod zur Unzeit gibt es' sagen die Guten
yatra aham evam paribhartsyamānā
da ich, so bedroht
jīvāmi dīnā kṣaṇam api apuṇyā
lebe ich, elend, auch nur einen Augenblick, unverdienstvoll
sukhādvihīnaṃ bahuduḥkhapūrṇa |
midaṃ tu nūnaṃ hṛdayaṃ sthiraṃ me |
viśīryate yanna sahasradhādya |
vajrāhataṃ śṛṅgamivācalasya ||
Dieses mein Herz, des Glücks beraubt, von vielem Leid erfüllt, muss wohl fest sein, da es heute nicht in tausend Stücke zerbricht, wie der vom Blitz getroffene Gipfel eines Berges.
vaivāsti doṣo mama nūnamatra |
vadhyāhamasyāpriyadarśanasya |
bhāvaṃ na cāsyāhamanupradātu |
malaṃ dvijo mantramivādvijāya ||
Fürwahr, es ist wohl meine eigene Schuld hierbei, dass ich diesem, dessen Anblick mir zuwider ist, zum Tode bestimmt bin, und ihm doch nicht meine Zuneigung schenken kann, so wie ein Zweifachgeborener sein Mantra keinem Nicht-Zweifachgeborenen gibt.
Wort für Wort
vā eva asti doṣaḥ mama nūnam atra
fürwahr, es ist wohl meine Schuld hierbei
vadhyā aham asya apriya-darśanasya
zum Tode bestimmt bin ich diesem, dessen Anblick mir zuwider ist
bhāvam na ca asya aham anupradātum
und ihm meine Zuneigung nicht schenken kann
dvijaḥ mantram iva a-dvijāya
wie ein Zweifachgeborener sein Mantra keinem Nicht-Zweifachgeborenen
Gewiss wird bald der unedle Rākṣasa-Herr meine Glieder mit scharfen Waffen zerschneiden, während jener Herr der Welt nicht kommt – wie ein Wundarzt, der eine Leibesfrucht im Mutterleib zerschneidet.
Wort für Wort
nūnam mama aṅgāni acirāt anāryaḥ
gewiss wird bald der Unedle meine Glieder
śastraiḥ śitaiḥ chetsyati rākṣasa-indraḥ
mit scharfen Waffen zerschneiden, der Rākṣasa-Herr
tasmin anāgacchati loka-nāthe
während jener Herr der Welt nicht kommt
garbha-stha-jantoḥ iva śalya-kṛntaḥ
wie ein Wundarzt, der die Leibesfrucht im Mutterleib zerschneidet
Welch Leid ist dies für mich, die Leidende: zwei Monate werden noch nach langer Zeit vergehen müssen, so wie für einen gebundenen, zum Tode Verurteilten am Ende der Nacht, durch des Königs Urteil, wie für einen Dieb.
Wort für Wort
duḥkham bata idam mama duḥkhitāyāḥ
welch Leid ist dies für mich, die Leidende
māsau cirāt adhigamiṣyataḥ dvau
zwei Monate werden nach langer Zeit noch vergehen
baddhasya vadhyasya tathā niśā-ante
für einen gebundenen, zum Tode Verurteilten am Ende der Nacht
hā rāma hā lakṣmaṇa hā sumitre |
hā rāmamātaḥ saha me jananyā |
eṣā vipadyāmyahamalpabhāgyā |
mahārṇave nauriva mūḍhavātā ||
O Rāma! O Lakṣmaṇa! O Sumitrā! O Mutter Rāmas, samt meiner eigenen Mutter – ich, vom Glück wenig gesegnete, gehe zugrunde, wie ein Schiff im großen Ozean, von wirren Winden getrieben.
Die beiden tatkräftigen Königssöhne, die durch die Kraft eines Rehs getäuscht wurden – gewiss sind sie meinetwegen erschlagen worden, wie zwei Löwenstiere vom Blitz.
Wort für Wort
tarasvinau manuja-indra-putrau
die beiden tatkräftigen Königssöhne
dhārayatā mṛgasya sattvena rūpam
durch die Kraft eines Rehs, das die Gestalt annahm
nūnaṃ sa kālo mṛgarūpadhārī |
māmalpabhāgyāṃ lulubhe tadānīm |
yatrāryaputraṃ visasarja mūḍhā |
rāmānujaṃ lakṣmaṇapūrvajaṃ ca ||
Gewiss war jener todbringende, die Gestalt eines Rehs tragende Dämon es, der mich, die vom Glück wenig Gesegnete, damals verführte, als ich törichterweise den edlen Gatten und den jüngeren Bruder Lakṣmaṇas fortschickte.
Wort für Wort
nūnam sa kālaḥ mṛga-rūpa-dhārī
gewiss war jener todbringende, ein Rehgestalt tragende
mām alpa-bhāgyām lulubhe tadānīm
verführte mich, die wenig Gesegnete, damals
yatra ārya-putram visasarja mūḍhā
als ich törichterweise den edlen Gatten fortschickte
rāma-anujam lakṣmaṇa-pūrvajam ca
den jüngeren Bruder Rāmas, den älteren Bruder Lakṣmaṇas
hā rāma satyavrata dīrghabāho |
hā pūrṇacandrapratimānavaktra |
hā jīvalokasya hitaḥ priyaśca |
vadhyāṃ na māṃ vetsi hi rākṣasānām ||
O Rāma, wahrhaftig in deinem Gelübde, langarmiger! O du, dessen Antlitz dem vollen Mond gleicht! O du, der Welt der Lebenden Wohltäter und Liebling – du weißt nicht, dass ich den Rākṣasas zum Tode bestimmt bin.
Wort für Wort
hā rāma satya-vrata dīrgha-bāho
o Rāma, wahrhaftig im Gelübde, langarmiger
hā pūrṇa-candra-pratimāna-vaktra
o du, dessen Antlitz dem vollen Mond gleicht
hā jīva-lokasya hitaḥ priyaḥ ca
o der Welt der Lebenden Wohltäter und Liebling
vadhyām na mām vetsi hi rākṣasānām
du weißt nicht, dass ich den Rākṣasas zum Tode bestimmt bin
ananyadaivatvamiyaṃ kṣamā ca |
bhūmau ca śayyā niyamaśca dharme |
pativratātvaṃ viphalaṃ mamedam |
kṛtaṃ kṛtaghneṣviva mānuṣāṇām ||
Diese meine Hingabe an keinen anderen Gott, meine Geduld, mein Lager auf der Erde, meine Standhaftigkeit im Recht, meine Gattentreue – all dies ist fruchtlos geworden, wie eine Wohltat, erwiesen undankbaren Menschen.
Wort für Wort
ananya-daivatvam iyam kṣamā ca
diese Hingabe an keinen anderen Gott, und Geduld
bhūmau ca śayyā niyamaḥ ca dharme
und das Lager auf der Erde, und Standhaftigkeit im Recht
mogho hi dharmaścarito mayāyaṃ |
tathaikapatnītvamidaṃ nirartham |
yā tvāṃ na paśyāmi kṛśā vivarṇā |
hīnā tvayā saṃgamane nirāśā ||
Vergeblich ist fürwahr diese von mir geübte Rechtschaffenheit, ebenso sinnlos diese Einehe, da ich dich nicht sehe, abgemagert, bleich, ohne Hoffnung auf Wiedervereinigung, von dir getrennt.
Wort für Wort
moghaḥ hi dharmaḥ caritaḥ mayā ayam
vergeblich ist fürwahr diese von mir geübte Rechtschaffenheit
tathā eka-patnītvam idam nirartham
ebenso sinnlos diese Einehe
yā tvām na paśyāmi kṛśā vivarṇā
da ich dich nicht sehe, abgemagert, bleich
hīnā tvayā saṃgamane nirāśā
von dir getrennt, ohne Hoffnung auf Wiedervereinigung
Nachdem du deines Vaters Gebot pflichtgemäß erfüllt und dein Gelübde vollendet hast, aus dem Wald zurückgekehrt, wirst du wohl, so denke ich, mit großäugigen Frauen dich vergnügen, frei von Furcht, dein Ziel erreicht habend.
Wort für Wort
pituḥ nideśam niyamena kṛtvā
des Vaters Gebot pflichtgemäß erfüllend
vanāt nivṛttaḥ carita-vrataḥ ca
aus dem Wald zurückgekehrt, das Gelübde vollendet
strībhiḥ tu manye vipula-īkṣaṇābhiḥ
mit großäugigen Frauen, so denke ich
tvam raṃsyase vīta-bhayaḥ kṛta-arthaḥ
wirst du dich vergnügen, furchtlos, dein Ziel erreicht
ahaṃ tu rāma tvayi jātakāmā ciraṃ vināśāya nibaddhabhāvā |
moghaṃ caritvātha tapo vratañca tyakṣyāmi dhigjīvitamalpabhāgyām ||
Ich aber, o Rāma, die in dich verliebte, seit langem an dich gebundenen Herzens, zum Untergang bestimmt, werde, nachdem ich vergeblich Buße und Gelübde geübt habe, mein Leben lassen – Schande über mein glückloses Dasein.
Wort für Wort
aham tu rāma tvayi jāta-kāmā
ich aber, o Rāma, in dich verliebte
ciram vināśāya nibaddha-bhāvā
seit langem zum Untergang gebundenen Herzens
mogham caritvā atha tapaḥ vratam ca
nachdem ich vergeblich Buße und Gelübde geübt
tyakṣyāmi dhik jīvitam alpa-bhāgyām
werde ich das Leben lassen, Schande über die Glücklose
Ich würde schnell mein Leben lassen, durch Gift oder durch eine scharfe Waffe; doch es gibt keinen, der mir Gift oder eine Waffe im Hause des Rākṣasa reichte.
So klagte die Göttin auf mannigfache Weise, mit ganzer Seele an Rāma denkend, zitternd, mit ausgetrocknetem Antlitz, und trat an den vortrefflichen, blühenden Baum heran.
Sie, vom Kummer verzehrt, auf mancherlei Weise sinnend, ergriff Sītā dann das Ende ihres geflochtenen Zopfes: 'Mit dem Zopfband will ich mich rasch erhängen und zu Yamas Reich gehen.'
Wort für Wort
sā śoka-taptā bahudhā vicintya
sie, vom Kummer verzehrt, auf mancherlei Weise sinnend
sītā atha veṇī-udgrathanam gṛhītvā
Sītā dann das Ende des geflochtenen Zopfes ergreifend
Sie, an allen Gliedern zart, trat heran und ergriff einen Ast jenes Baumes; während sie, die Schönleibige, an Rāma dachte, an Rāmas jüngeren Bruder und an ihr eigenes Geschlecht,
Wort für Wort
upasthitā sā mṛdu-sarva-gātrī
sie, an allen Gliedern zart, trat heran
śākhām gṛhītvā atha nagasya tasya
und ergriff einen Ast jenes Baumes
tasyāḥ tu rāmam pravicintayantyāḥ
während sie an Rāma dachte
rāma-anujam svam ca kulam śubha-aṅgyāḥ
an Rāmas jüngeren Bruder und ihr eigenes Geschlecht, der Schönleibigen
da zeigten sich ihr zugleich viele Vorzeichen, die Kummer verheißen, doch durch Standhaftigkeit erworbene, in der Welt als vortrefflich bekannte, die schon früher als untrüglich erkannt worden waren.
Wort für Wort
śoka-nimittāni tathā bahūni
viele Vorzeichen, die Kummer verheißen
dhairya-arjitāni pravarāṇi loke
durch Standhaftigkeit erworbene, vortreffliche in der Welt