Rāmāyaṇa · Sundarakāṇḍa
Sarga 22: Rāvaṇasya Sītā Tarjanam
Rāvaṇas Drohung gegen Sītā
sītāya vacanaṃ śrutvā paruṣaṃ rākṣaseśvaraḥ | pratyuvāca tataḥ sītāṃ vipriyaṃ priyadarśanam
Nachdem er Sītās scharfe Worte gehört hatte, erwiderte der Herr der Rākṣasas, dessen Anblick angenehm war, der Sītā etwas Unerfreuliches:
Wort für Wort sītāya vacanaṃ śrutvā nachdem er Sītās Worte gehört hatte paruṣaṃ rākṣaseśvaraḥ die scharfen, der Herr der Rākṣasas pratyuvāca tataḥ sītāṃ erwiderte da der Sītā vipriyaṃ priyadarśanam etwas Unerfreuliches, der von angenehmem Anblick yathā yathā sāntvayitā vaśyaḥ strīṇāṃ tathā tathā | yathā yathā priyam vaktā paribhūtastathā tathā
'Je mehr man Frauen besänftigt, desto unterwürfiger werden sie; je mehr man ihnen Angenehmes sagt, desto mehr wird man verachtet.'
Wort für Wort yathā yathā sāntvayitā je mehr man besänftigt vaśyaḥ strīṇāṃ tathā tathā desto unterwürfiger werden Frauen yathā yathā priyam vaktā je mehr man Angenehmes sagt pariBhūtastathā tathā desto mehr wird man verachtet saṃniyacchati me krodhaṃ tvayi kāmaḥ samutthitaḥ | dravato.amārgamāsādya hayāniva susārathiḥ
'Meinen aufsteigenden Zorn hält das für dich erwachte Verlangen zurück, wie ein guter Wagenlenker die auf falschem Weg dahinstürmenden Rosse.'
Wort für Wort saṃniyacchati me krodhaṃ hält meinen Zorn zurück tvayi kāmaḥ samutthitaḥ das für dich erwachte Verlangen dravato.amārgamāsādya dahinstürmend, auf falschen Weg geraten hayāniva susārathiḥ wie ein guter Wagenlenker die Rosse vāmaḥ kāmo manuṣyāṇām yasmin kila nibadhyate | jane tasmiṃstvanukrośaḥ snehaśca kila jāyate
'Das Verlangen, so widrig es für die Menschen ist — an wen es sich auch bindet, gegenüber jener Person entsteht Mitleid und Zuneigung.'
Wort für Wort vāmaḥ kāmo manuṣyāṇām das Verlangen, widrig für die Menschen yasmin kila nibadhyate an wen es sich auch bindet jane tasmiṃstvanukrośaḥ gegenüber jener Person Mitleid snehaśca kila jāyate und Zuneigung entsteht etasmātkāraṇānna tvāṃ ghātayāmi varānane | vadhārhamavamānārhāṃ mithyāpravrajite ratām
'Aus diesem Grund töte ich dich nicht, Schönantlitzige, obwohl du, an Verachtung geschmiedete, den Tod verdient hast, obwohl du an falschen Reden Gefallen findest.'
Wort für Wort etasmātkāraṇānna tvāṃ aus diesem Grund dich nicht ghātayāmi varānane töte ich, Schönantlitzige vadhārhamavamānārhāṃ die den Tod, die Verachtung verdient mithyāpravrajite ratām die an falscher Rede Gefallen findet paruṣāṇīha vākyāni yāni yāni bravīṣi mām | teṣu teṣu vadho yuktastava maithili dāruṇaḥ
'Für jedes scharfe Wort, das du gegen mich sprichst, wäre ein schrecklicher Tod angemessen, Maithilī.'
Wort für Wort paruṣāṇīha vākyāni die scharfen Worte hier yāni yāni bravīṣi mām welche auch immer du zu mir sprichst teṣu teṣu vadho yuktas für jedes davon wäre der Tod angemessen tava maithili dāruṇaḥ für dich, Maithilī, der schreckliche ekamuktvā tu vaidehīṃ rāvaṇo rākṣasādhipaḥ | krodhasaṃrambhasamyuktaḥ sītāmuttaramabravīt
Nachdem er dies zur Vaidehī gesprochen hatte, sprach Rāvaṇa, der Herr der Rākṣasas, von Zorn und Erregung ergriffen, weitere Worte zu Sītā:
Wort für Wort ekamuktvā tu vaidehīṃ nachdem er dies zur Vaidehī gesprochen hatte rāvaṇo rākṣasādhipaḥ Rāvaṇa, der Herr der Rākṣasas krodhasaṃrambhasamyuktaḥ von Zorn und Erregung ergriffen sītāmuttaramabravīt sprach er zu Sītā weitere Worte dvau māsau rakṣitavyau me yo.avadhiste mayā kṛtaḥ | tataḥ śayanamāroha mama tvaṃ varavarṇini
'Zwei Monate sind mir als Frist gesetzt, die ich dir gewährt habe — danach besteige du mein Lager, du Schönfarbene.'
Wort für Wort dvau māsau rakṣitavyau me zwei Monate sind von mir zu wahren yo.avadhiste mayā kṛtaḥ welche Frist von mir dir gesetzt wurde tataḥ śayanamāroha danach besteige das Lager mama tvaṃ varavarṇini mein, du Schönfarbene ūrdhvaṃ dvābhyāṃ tu māsābhyāṃ bhartāram māmaniccatīm | mama tvāṃ prātarāśārthamālabhante mahānase
'Nach Ablauf der zwei Monate, wenn du mich nicht als Gatten wünschst, werden meine Küchendiener dich für mein Morgenmahl in der Küche schlachten.'
Wort für Wort ūrdhvaṃ dvābhyāṃ tu māsābhyāṃ nach Ablauf von zwei Monaten bhartāram māmaniccatīm wenn du mich als Gatten nicht wünschst mama tvāṃ prātarāśārtham für mein Frühmahl dich ālabhante mahānase werden sie schlachten in der Küche tāṃ tarjyamānāṃ samprekṣya rākṣasendreṇa jānakīm | devagandharvakanyāstā viṣedurvikṛtekṣaṇāḥ
Als die Töchter der Götter und Gandharvas jene Jānakī sahen, wie sie vom Herrn der Rākṣasas bedroht wurde, wurden sie voller Kummer, mit entstelltem Blick.
Wort für Wort tāṃ tarjyamānāṃ samprekṣya sie sehend, die bedrohte rākṣasendreṇa jānakīm von dem Herrn der Rākṣasas, die Jānakī devagandharvakanyāstā jene Töchter der Götter und Gandharvas viṣedurvikṛtekṣaṇāḥ wurden voller Kummer, mit entstelltem Blick auṣṭhaprakārairaparā vaktranetraistathāparāḥ | sītāmāśvāsayāmāsustarjitāṃ tena rakṣasā
Manche mit Zeichen der Lippen, andere mit Zeichen von Gesicht und Augen trösteten sie, Sītā, die von jenem Rākṣasa Bedrohte.
Wort für Wort auṣṭhaprakārairaparā manche mit Zeichen der Lippen vaktranetraistathāparāḥ andere ebenso mit Gesicht und Augen sītāmāśvāsayāmāsus trösteten sie Sītā tarjitāṃ tena rakṣasā die von jenem Rākṣasa Bedrohte tābhirāśvāsitā sītā rāvaṇam rākṣasādhipam | uvācātmahitaṃ vākyaṃ vṛttaśauṇḍīryagarvitam
Von ihnen getröstet, sprach Sītā zu Rāvaṇa, dem Herrn der Rākṣasas, ein Wort zu ihrem eigenen Heil, voll Stolz auf ihre feste Tugend:
Wort für Wort tābhirāśvāsitā sītā von ihnen getröstet, Sītā rāvaṇam rākṣasādhipam zu Rāvaṇa, dem Herrn der Rākṣasas uvācātmahitaṃ vākyaṃ sprach ein Wort zu ihrem eigenen Heil vṛttaśauṇḍīryagarvitam voll Stolz auf ihre feste Tugend nūnam na te janaḥ kaścidasti niḥśreyase sthitaḥ | nivārayati yo na tvāṃ karmaṇo.asmādvigarhitāt
'Gewiss gibt es niemanden unter deinen Leuten, der im höchsten Wohl steht, der dich nicht von dieser verwerflichen Tat abhielte.'
Wort für Wort nūnam na te janaḥ kaścid gewiss gibt es niemanden von deinen Leuten asti niḥśreyase sthitaḥ der im höchsten Wohl steht nivārayati yo na tvāṃ der dich nicht abhielte karmaṇo.asmādvigarhitāt von dieser verwerflichen Tat māṃ hi dharmātmanaḥ patnīṃ śacīmiva śacīpateḥ | tvadanyastriṣu lokeṣu prārthayenmanasāpi kaḥ
'Mich, die Gattin des Rechtschaffenen, wie Śacī die Gattin des Śacī-Gemahls — welcher Mann in den drei Welten außer dir würde mich auch nur in Gedanken begehren?'
Wort für Wort māṃ hi dharmātmanaḥ patnīṃ mich, die Gattin des Rechtschaffenen śacīmiva śacīpateḥ wie Śacī, die des Śacī-Gemahls tvadanyastriṣu lokeṣu ein anderer als du, in den drei Welten prārthayenmanasāpi kaḥ welcher würde mich auch nur in Gedanken begehren rākṣasādhama rāmasya bhāryāmamitatejasaḥ | uktavānasi yatpāpaṃ kva gatastasya mokṣyase
'Niedrigster der Rākṣasas, du hast eine Sünde begangen, indem du von der Gattin des an unermesslicher Macht reichen Rāma gesprochen hast — wohin auch geflohen, wirst du davon befreit sein?'
Wort für Wort rākṣasādhama rāmasya du Niedrigster der Rākṣasas, Rāmas bhāryāmamitatejasaḥ Gattin, des an unermesslicher Macht reichen uktavānasi yatpāpaṃ du hast die Sünde begangen, die kva gatastasya mokṣyase wohin auch geflohen, wirst du davon befreit sein? yathā dṛptaśca mātaṅgaḥ śaśaśca sahitau vane | tathā dviradavadrāmastvaṃ nīca śaśavat smṛtaḥ
'Wie ein stolzer Elefant und ein Hase im Wald zusammen sind, so ist, verglichen mit dem elefantengleichen Rāma, du Niedriger, du als hasegleich anzusehen.'
Wort für Wort yathā dṛptaśca mātaṅgaḥ wie ein stolzer Elefant śaśaśca sahitau vane und ein Hase zusammen im Wald tathā dviradavadrāmas so ist Rāma dem Elefanten gleich tvaṃ nīca śaśavat smṛtaḥ du, Niedriger, giltst als hasegleich sa tvamikṣvākunātham vai kṣipanniha na lajjase | cakṣuṣorviṣayam tasya na tāvadupagacchasi
'Du, der den Herrn der Ikṣvākus hier schmähst, schämst dich nicht — nicht einmal in den Bereich seiner Augen kannst du treten.'
Wort für Wort sa tvamikṣvākunātham vai du, den Herrn der Ikṣvākus kṣipanniha na lajjase hier schmähend, schämst du dich nicht cakṣuṣorviṣayam tasya in den Bereich seiner Augen na tāvadupagacchasi kannst du gar nicht erst gelangen ive te nayane krūre virūpe kṛṣṇapiṅgale | kṣitau na patite kasmānmāmanārya nirīkṣataḥ
'Warum, du Unedler, fallen deine grausamen, entstellten, dunkel-braunen Augen, mit denen du mich anblickst, nicht zu Boden?'
Wort für Wort ive te nayane krūre diese deine grausamen Augen virūpe kṛṣṇapiṅgale entstellt, dunkel-braun kṣitau na patite kasmān warum fallen sie nicht auf den Boden māmanārya nirīkṣataḥ während du mich anblickst, du Unedler tasya dharmātmanaḥ patnīṃ snuṣāṃ daśarathasya ca | kathaṃ vyāharato māṃ te na jihvā vyavaśīryate
'Wenn du von mir sprichst, der Gattin jenes Rechtschaffenen, der Schwiegertochter Daśarathas, wie zerfällt dann nicht deine Zunge?'
Wort für Wort tasya dharmātmanaḥ patnīṃ die Gattin jenes Rechtschaffenen snuṣāṃ daśarathasya ca und die Schwiegertochter Daśarathas kathaṃ vyāharato māṃ te wie, wenn du von mir sprichst na jihvā vyavaśīryate zerfällt deine Zunge nicht asaṃdeśāttu rāmasya tapasaścāpramādataḥ | na tvāṃ kurmi daśagrīva bhasma bhasmārha tejasā
'Nur weil Rāma es nicht befahl und aus Wahrung meiner Buße töte ich dich nicht durch meine Macht zu Asche, Zehnhalsiger, obwohl du der Asche würdig bist.'
Wort für Wort asaṃdeśāttu rāmasya nur weil Rāma es nicht befahl tapasaścāpramādataḥ und aus Unachtsamkeit gegenüber meiner Buße nicht na tvāṃ kurmi daśagrīva mache ich dich nicht, Zehnhalsiger bhasma bhasmārha tejasā zu Asche durch meine Macht, du der Asche Würdiger nāpahartumahaṃ śakyā tvayā rāmasya dhīmataḥ | vidhistava vadhārthāya vihito nātra saṃśayaḥ
'Ich kann von dir nicht dem klugen Rāma entrissen werden — ohne Zweifel ist deine Vernichtung bereits beschlossen.'
Wort für Wort nāpahartumahaṃ śakyā ich kann nicht entrissen werden tvayā rāmasya dhīmataḥ von dir, dem klugen Rāma vidhistava vadhārthāya der Beschluss zu deiner Vernichtung vihito nātra saṃśayaḥ ist gefasst, hier ist kein Zweifel śūreṇa dhanadabhrātrā balaiḥ samuditena ca | apihya rāmaṃ kasmāddhi dāracauryaṃ tvayā kṛtam
'Weshalb hast du, statt dem heldenhaften Bruder Kuberas oder Rāma selbst mit vereinten Kräften entgegenzutreten, stattdessen diesen Frauenraub begangen?'
Wort für Wort śūreṇa dhanadabhrātrā mit dem heldenhaften Bruder Kuberas balaiḥ samuditena ca und mit vereinten Kräften apihya rāmaṃ kasmāddhi weshalb, Rāma meidend dāracauryaṃ tvayā kṛtam wurde von dir Frauenraub begangen sītāyā vacanaṃ śrutvā rāvaṇo rākṣasādhipaḥ | vinṛtya nayane krūre jānakīmanvavaikṣata
Als er Sītās Worte gehört hatte, verzog Rāvaṇa, der Herr der Rākṣasas, seine grausamen Augen und blickte die Jānakī an.
Wort für Wort sītāyā vacanaṃ śrutvā als er Sītās Worte gehört hatte rāvaṇo rākṣasādhipaḥ Rāvaṇa, der Herr der Rākṣasas vinṛtya nayane krūre seine grausamen Augen verzerrend jānakīmanvavaikṣata blickte er die Jānakī an nīlajīmūtasamkāśo mahābhujaśirodharaḥ | siṃhasattvagatiḥ śrīmān dīptajihvāgralocanaḥ
wolkendunkel wie eine dunkelblaue Regenwolke, mit gewaltigen Armen und Hals, mit dem Gang und der Kraft eines Löwen, glanzvoll, mit feurig-flammenden Augenwinkeln,
Wort für Wort nīlajīmūtasamkāśo wolkendunkel, einer dunklen Regenwolke gleich mahābhujaśirodharaḥ mit gewaltigen Armen und Hals siṃhasattvagatiḥ śrīmān mit Löwenwesen und -gang, glanzvoll dīptajihvāgralocanaḥ mit feurig-flammender Zungenspitze und Augen calāgramakuṭaprāṃśuścitramālyānulepanaḥ | raktamālyāmbaradharastaptāṅgadavibhūṣaṇaḥ
mit hoch aufragender, leicht schwankender Krone, mit buntem Blumenschmuck und Salben, in rote Blumenkränze und Gewänder gekleidet, mit geschmolzenem Gold geschmückten Armreifen,
Wort für Wort calāgramakuṭaprāṃśuś mit hoch aufragender, an der Spitze schwankender Krone citramālyānulepanaḥ mit buntem Blumenschmuck und Salben raktamālyāmbaradharas in rote Blumenkränze und Gewänder gekleidet taptāṅgadavibhūṣaṇaḥ mit aus geschmolzenem Gold geschmückten Armreifen śroṇisūtreṇa mahatā mecakena susamvṛtaḥ | amṛtotpādanaddhena bhujageneva mandaraḥ
mit einem großen, dunkelblauen Hüftgürtel wohlumgürtet, wie der Berg Mandara mit der zum Quirlen des Nektars gebrauchten Schlange umwunden,
Wort für Wort śroṇisūtreṇa mahatā mit einem großen Hüftgürtel mecakena susamvṛtaḥ dunkelblau, wohlumgürtet amṛtotpādanaddhena mit dem zur Erzeugung des Nektars verwendeten bhujageneva mandaraḥ wie der Mandara mit der Schlange tābhyāṃ sa paripūrṇābhyāṃ bhujābhyāṃ rākṣaseśvaraḥ | śuśubhe.acalasaṃkāśaḥ śṛṅgābhyāmiva mandaraḥ
Mit jenen beiden vollen Armen erstrahlte der Herr der Rākṣasas, einem Berg gleich, wie der Mandara mit seinen beiden Gipfeln.
Wort für Wort tābhyāṃ sa paripūrṇābhyāṃ mit jenen beiden vollen bhujābhyāṃ rākṣaseśvaraḥ Armen, der Herr der Rākṣasas śuśubhe.acalasaṃkāśaḥ erstrahlte, einem Berg gleich śṛṅgābhyāmiva mandaraḥ wie der Mandara mit seinen Gipfeln taruṇādityavarṇābhyāṃ kuṇḍalābhyāṃ vibhūṣitaḥ | raktapallavapuṣpābhyāmaśokābhyāmivācalaḥ
geschmückt mit zwei Ohrringen von der Farbe der jungen Sonne, wie ein Berg mit zwei Aśoka-Bäumen voll roter Sprossen und Blüten,
Wort für Wort taruṇādityavarṇābhyāṃ von der Farbe der jungen Sonne kuṇḍalābhyāṃ vibhūṣitaḥ mit zwei Ohrringen geschmückt raktapallavapuṣpābhyām mit roten Sprossen und Blüten aśokābhyāmivācalaḥ wie ein Berg mit zwei Aśoka-Bäumen sa kalpavṛkṣapratimo vasanta iva mūrtimān | śmaśānacaityapratimo bhūṣito.api bhayamkaraḥ
er, dem Wunschbaum gleich, wie der leibhaftige Frühling, dem Grabmal auf dem Leichenfeld gleich, obwohl geschmückt, dennoch Furcht erregend,
Wort für Wort sa kalpavṛkṣapratimo er, dem Wunschbaum gleich vasanta iva mūrtimān wie der leibhaftige Frühling śmaśānacaityapratimo dem Grabmal auf dem Leichenfeld gleich bhūṣito.api bhayamkaraḥ obwohl geschmückt, Furcht erregend avekṣamāṇo vaidehīṃ kopasamraktalocanaḥ | uvāca rāvaṇaḥ sītāṃ bhujaṅga iva niḥśvasan
die Vaidehī betrachtend, mit vor Zorn geröteten Augen, sprach Rāvaṇa zu Sītā, wie eine Schlange zischend:
Wort für Wort avekṣamāṇo vaidehīṃ die Vaidehī betrachtend kopasamraktalocanaḥ mit vor Zorn geröteten Augen uvāca rāvaṇaḥ sītāṃ sprach Rāvaṇa zu Sītā bhujaṅga iva niḥśvasan wie eine Schlange zischend anayenābhisampannamarthahīnamanuvrate | nāśayāmyahamadya tvāṃ sūryaḥ sandhyāmivaujasā
'Dich, die diesem Unheil verfallen ist, wertlos, weil du deinem Gelübde treu bleibst — dich vernichte ich heute, wie die Sonne mit ihrer Kraft die Dämmerung.'
Wort für Wort anayenābhisampannam diesem Unheil verfallene arthahīnamanuvrate wertlos, in deinem Gelübde treu nāśayāmyahamadya tvāṃ dich vernichte ich heute sūryaḥ sandhyāmivaujasā wie die Sonne mit Kraft die Dämmerung ityuktvā maithilīm rājā rāvaṇaḥ śatrurāvaṇaḥ | saṃdideśa tataḥ sarvā rākṣasīrghoradarśanāḥ
Nachdem er dies zur Maithilī gesagt hatte, befahl König Rāvaṇa, der Feindeschrecker, allen furchtbar anzusehenden Rākṣasīs:
Wort für Wort ityuktvā maithilīm rājā nachdem er dies zur Maithilī gesagt hatte, der König rāvaṇaḥ śatrurāvaṇaḥ Rāvaṇa, der die Feinde zum Weinen bringt saṃdideśa tataḥ sarvā befahl er dann allen rākṣasīrghoradarśanāḥ furchtbar anzusehenden Rākṣasīs ekākṣīmekakarṇāṃ ca karṇaprāvaraṇāṃ tathā | gokarṇīṃ hastikarṇīm ca lambakarṇīmakarṇikām
der Einäugigen, der Einohrigen, der mit den Ohren wie Umhang, der Kuhohrigen, der Elefantenohrigen, der Hängeohrigen, der Ohrenlosen,
Wort für Wort ekākṣīmekakarṇāṃ ca der Einäugigen und der Einohrigen karṇaprāvaraṇāṃ tathā und der mit den Ohren wie Umhang gokarṇīṃ hastikarṇīm ca der Kuhohrigen und der Elefantenohrigen lambakarṇīmakarṇikām der Hängeohrigen, der Ohrenlosen hastipādyaśvapādyau ca gopādīṃ pādacūlikām | ekākṣīmekapādīṃ ca pṛthupādīmapādikām
der mit Elefanten- und Pferdefüßen, der Kuhfüßigen, der büschelfüßigen, der Einäugigen, der Einfüßigen, der Breitfüßigen, der Fußlosen,
Wort für Wort hastipādyaśvapādyau ca der mit Elefanten- und der mit Pferdefüßen gopādīṃ pādacūlikām der Kuhfüßigen, der büschelfüßigen ekākṣīmekapādīṃ ca der Einäugigen und der Einfüßigen pṛthupādīmapādikām der Breitfüßigen, der Fußlosen atimātraśirogrīvāmatimātrakucodarīm | atimātrāsyanetrām ca dīrghajihvamajihvikām
der mit übermäßig großem Kopf und Hals, der mit übermäßig großen Brüsten und Bauch, der mit übermäßig großem Gesicht und Augen, der Langzüngigen, der Zungenlosen,
Wort für Wort atimātraśirogrīvām der mit übermäßig großem Kopf und Hals atimātrakucodarīm der mit übermäßig großen Brüsten und Bauch atimātrāsyanetrām ca und der mit übermäßig großem Gesicht und Augen dīrghajihvamajihvikām der Langzüngigen, der Zungenlosen anāsikāṃ simhamukhīṃ gomukhīm sūkarīmukhīm
der Nasenlosen, der Löwengesichtigen, der Kuhgesichtigen, der Schweinsgesichtigen —
Wort für Wort anāsikāṃ simhamukhīṃ der Nasenlosen, der Löwengesichtigen gomukhīm sūkarīmukhīm der Kuhgesichtigen, der Schweinsgesichtigen yathā madvaśagā sītā kṣipraṃ bhavati jānakī | tathā kuruta rākṣasyaḥ sarvāḥ kṣipraṃ sametya ca
'Wie Sītā, die Jānakī, rasch mir gehorsam wird, so verfahret alle, ihr Rākṣasīs, indem ihr euch rasch zusammentut.'
Wort für Wort yathā madvaśagā sītā wie Sītā mir gehorsam wird kṣipraṃ bhavati jānakī rasch die Jānakī tathā kuruta rākṣasyaḥ so verfahret, Rākṣasīs sarvāḥ kṣipraṃ sametya ca alle, rasch euch zusammentuend pratilomānulomaiśca sāmadānādibhedanaiḥ | avarjayata vaidehīṃ daṇḍasyodyamanena ca
Mit Gegensätzlichem und Übereinstimmendem, mit Besänftigung, Geschenken und dergleichen Mitteln der Spaltung, und auch mit angedrohter Bestrafung sollt ihr die Vaidehī umstimmen.
Wort für Wort pratilomānulomaiśca mit Gegensätzlichem und Übereinstimmendem sāmadānādibhedanaiḥ mit Besänftigung, Geschenken und Spaltung avarjayata vaidehīṃ stimmt um die Vaidehī daṇḍasyodyamanena ca und mit angedrohter Bestrafung iti pratisamādiśya rākṣasendraḥ punaḥ punaḥ | kāmamanyuparītātmā jānakīṃ paryatarjayat
So immer wieder Befehle erteilend, bedrohte der Herr der Rākṣasas, von Verlangen und Zorn überwältigt, die Jānakī.
Wort für Wort iti pratisamādiśya so immer wieder Befehle erteilend rākṣasendraḥ punaḥ punaḥ der Herr der Rākṣasas, immer wieder kāmamanyuparītātmā von Verlangen und Zorn überwältigt in seinem Sinn jānakīṃ paryatarjayat bedrohte er die Jānakī upagamya tataḥ śīghraṃ rākṣasī dhānyamālinī | pariṣvajya daśagrīvamidaṃ vacanamabravīt
Da trat rasch die Rākṣasī Dhānyamālinī heran, umarmte den Zehnhalsigen und sprach dieses Wort:
Wort für Wort upagamya tataḥ śīghraṃ da rasch herantretend rākṣasī dhānyamālinī die Rākṣasī Dhānyamālinī pariṣvajya daśagrīvam den Zehnhalsigen umarmend idaṃ vacanamabravīt sprach sie dieses Wort mayā krīḍa mahārāja sītayā kiṃ tavānayā | vivarṇayā kṛpaṇayā mānuṣyā rākṣaseśvara
'Ergötze dich mit mir, großer König — was hast du mit dieser Sītā zu tun, mit der Blassen, Erbärmlichen, dieser Menschenfrau, Herr der Rākṣasas?'
Wort für Wort mayā krīḍa mahārāja ergötze dich mit mir, großer König sītayā kiṃ tavānayā was hast du mit dieser Sītā zu tun vivarṇayā kṛpaṇayā mit der Blassen, Erbärmlichen mānuṣyā rākṣaseśvara der Menschenfrau, Herr der Rākṣasas nūnamasyā mahārāja na divyān bhogasattamān | vidadhātyamaraśreṣṭhastava bāhubalārjitān
'Gewiss gewährt ihr der beste der Unsterblichen nicht die göttlichen, vortrefflichsten Genüsse, die durch die Kraft deiner Arme erworben wurden, großer König.'
Wort für Wort nūnamasyā mahārāja gewiss ihr, großer König na divyān bhogasattamān nicht die göttlichen, vortrefflichsten Genüsse vidadhātyamaraśreṣṭhas gewährt der beste der Unsterblichen tava bāhubalārjitān die durch deiner Arme Kraft erworbenen akāmāṃ kāmayānasya śarīramupatapyate | icchantīṃ kāmayānasya prītirbhavati śobhanā
'Wer eine Unwillige begehrt, dessen Leib wird gequält; wer eine Willige begehrt, dessen Freude wird schön.'
Wort für Wort akāmāṃ kāmayānasya dessen, der eine Unwillige begehrt śarīramupatapyate wird der Leib gequält icchantīṃ kāmayānasya dessen, der eine Willige begehrt prītirbhavati śobhanā wird die Freude schön evamuktastu rākṣasyā samutkṣiptastato balī | prahasanmeghasamkāśo rākṣasaḥ sa nyavartata
So von der Rākṣasī angesprochen, ließ sich der starke Rākṣasa, lachend, wie eine Wolke anzusehen, davon fortführen und wandte sich ab.
Wort für Wort evamuktastu rākṣasyā so von der Rākṣasī angesprochen samutkṣiptastato balī davon fortgeführt, der Starke prahasanmeghasamkāśo lachend, einer Wolke gleich rākṣasaḥ sa nyavartata jener Rākṣasa wandte sich ab prasthitaḥ sa daśagrīvaḥ kampayanniva medinīm | jvaladbhāskaravarṇābham praviveśa niveśanam
Der Zehnhalsige, aufbrechend, wie die Erde erschütternd, glänzend wie die aufflammende Sonne, betrat sein Gemach.
Wort für Wort prasthitaḥ sa daśagrīvaḥ er, der Zehnhalsige, aufbrechend kampayanniva medinīm gleichsam die Erde erschütternd jvaladbhāskaravarṇābham glänzend wie die aufflammende Sonne praviveśa niveśanam betrat er sein Gemach devagandharvakanyāśca nāgakanyāśca sarvataḥ | parivārya daśagrīvaṃ viviśustaṃ gṛhottamam
Die Töchter der Götter und Gandharvas und die Nāga-Töchter, von überall her, umringten den Zehnhalsigen und betraten mit ihm jenes erhabene Haus.
Wort für Wort devagandharvakanyāśca die Töchter der Götter und Gandharvas nāgakanyāśca sarvataḥ und die Nāga-Töchter, von überall parivārya daśagrīvaṃ den Zehnhalsigen umringend viviśustaṃ gṛhottamam betraten sie jenes erhabene Haus sa maithilīṃ dharma parāmavasthitāṃ | pravepamānāṃ paribhartsya rāvaṇaḥ | vihāya sītāṃ madanena mohitaḥ | svameva veśma praviveśa bhāsvaram
Nachdem Rāvaṇa die Maithilī, die fest in höchster Rechtschaffenheit verharrende, zitternde, bedroht hatte, verließ er, von Liebesverlangen betört, Sītā und betrat sein eigenes glänzendes Gemach.
Wort für Wort sa maithilīṃ dharma parāmavasthitāṃ er, die Maithilī, die in höchster Rechtschaffenheit verharrende pravepamānāṃ paribhartsya rāvaṇaḥ die zitternde, Rāvaṇa, bedroht habend vihāya sītāṃ madanena mohitaḥ Sītā verlassend, von Liebesverlangen betört svameva veśma praviveśa bhāsvaram betrat er sein eigenes glänzendes Gemach
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