Zu einem Entschluss gelangt, ehrte er darauf mit versöhnlichen Worten den älteren Bruder, den Bezwinger der Feinde, und sprach, der Redekundige, ein überaus heilsames Wort.
Übe Nachsicht, lege den Zorn ab, o Herrscher der Rākṣasas! Sei gnädig, höre dieses mein Wort: Die Guten unter den Herrschern der Erde, kundig des Höheren und Niederen, töten keinen Boten.
Nachdem er das im Unrecht wurzelnde, fehlerreiche, den Edlen nicht geziemende Wort vernommen hatte, sprach Vibhīṣaṇa, der Erste der Weisen, ein Wort von höchster Wahrheit.
Sei gnädig, o Herr von Laṅkā, Herrscher der Rākṣasas, höre ein mit Dharma und Nutzen verbundenes Wort: Boten seien unverletzlich in allen Übereinkünften, o König, so sagen die Guten überall und immer.
Wort für Wort
prasīda laṅkeśvara rākṣasendra
sei gnädig, o Herr von Laṅkā, Herrscher der Rākṣasas
dharmārthayuktam vacanam śṛṇuṣva
höre ein mit Dharma und Nutzen verbundenes Wort
dūtānavadhyān samayeṣu rājan
Boten seien unverletzlich in Übereinkünften, o König
asaṃśayam śatruḥ ayam pravṛddhaḥ |
kṛtam hi anena apriyam aprameyam |
na dūta vadhyām pravadanti santo |
dūtasya dṛṣṭā bahavo hi daṇḍāḥ ||
Ohne Zweifel ist dieser ein mächtig gewordener Feind, denn Unmessbares an Unliebem hat er getan; doch die Guten sagen nicht, dass ein Bote zu töten sei – viele Strafen für einen Boten sind bezeugt.
Wort für Wort
asaṃśayam śatruḥ ayam pravṛddhaḥ
ohne Zweifel ist dieser ein mächtig gewordener Feind
vairūpyām angeṣu kaśa abhighāto |
mauṇḍyam tathā lakṣmaṇa samnipātaḥ |
etān hi dūte pravadanti daṇḍān |
vadhaḥ tu dūtasya na naḥ śruto api ||
Entstellung der Glieder, Peitschenhieb, ebenso Kahlscheren und Brandzeichen – diese Strafen nennt man für einen Boten; doch die Tötung eines Boten haben wir nicht einmal gehört.
katham ca dharma artha vinīta buddhiḥ |
para avara pratyaya niścita arthaḥ |
bhavat vidhaḥ kopa vaśe hi tiṣṭhet |
kopam niyacchanti hi sattvavantaḥ ||
Und wie könnte einer, dessen Sinn in Dharma und Nutzen geschult ist, dessen Entschluss durch die Gewissheit über Höheres und Niederes gefestigt ist, deinesgleichen, in der Gewalt des Zorns verharren? Die Wesenhaften bezähmen wahrlich den Zorn.
Wort für Wort
katham ca
und wie
dharma artha vinīta buddhiḥ
dessen Sinn in Dharma und Nutzen geschult ist
para avara pratyaya niścita arthaḥ
dessen Entschluss durch Gewissheit über Höheres und Niederes gefestigt ist
na dharma vāde na ca loka vṛtte |
na śāstra buddhi grahaṇeṣu vā api |
vidyeta kaścit tava vīra tulyaḥ |
tvam hi uttamaḥ sarva sura asurāṇām ||
Weder in der Rede über den Dharma noch im Weltbrauch, noch auch im Erfassen der Lehrschrift-Weisheit gäbe es irgendeinen dir Gleichen, o Held – du bist ja der Höchste aller Götter und Dämonen.
Von dir, dem Tapferen, dem Helden, o Herrscher der Nachtwandler, dem selbst für Götter und Dämonen Unbezwingbaren, dem Kühnen, wurden die Scharen der Götter und Daityas und wiederholt Könige der Menschen in Schlachten besiegt.
Wort für Wort
śūreṇa vīreṇa
von dem Tapferen, dem Helden
niśācarendra
o Herrscher der Nachtwandler
surāsurāṇāmapi durjayena
dem selbst für Götter und Dämonen Unbezwingbaren
tvayā pragalbhāḥ
von dir, dem Kühnen
suradaityasamghā
die Scharen der Götter und Daityas
jitāśca yuddheṣvasakṛnnarendrāḥ
und wiederholt in Schlachten besiegte Könige der Menschen
sādhuḥ vā yadi vā asādhuḥ paraiḥ eṣa samarpitaḥ |
bruvan para artham paravān na dūto vadham arhati ||
Ob gut oder ob nicht gut, von anderen ist er beauftragt worden; das Anliegen eines anderen vortragend, einem anderen unterstehend, verdient ein Bote nicht den Tod.
Wort für Wort
sādhuḥ vā yadi vā asādhuḥ
ob gut oder ob nicht gut
paraiḥ eṣa samarpitaḥ
von anderen ist er beauftragt
bruvan para artham
das Anliegen eines anderen vortragend
paravān na dūto vadham arhati
einem anderen unterstehend, verdient ein Bote nicht den Tod
api ca asmin hate rājan na anyam paśyāmi khe caram |
iha yaḥ punaḥ āgacchet param pāram mahāudadhiḥ ||
Und wenn dieser getötet ist, o König, sehe ich keinen anderen Himmelswanderer, der hierher zurückkehren könnte über das jenseitige Ufer des großen Ozeans.
tasmān na asya vadhe yatnaḥ kāryaḥ para puram jaya |
bhavān sa indreṣu deveṣu yatnam āsthātum arhati ||
Darum soll keine Mühe auf seine Tötung verwendet werden, o Bezwinger feindlicher Städte; du solltest die Mühe vielmehr gegen die Götter samt Indra richten.
Wort für Wort
tasmān na asya vadhe yatnaḥ kāryaḥ
darum soll keine Mühe auf seine Tötung verwendet werden
asmin vinaṣṭe na hi dūtam anyam |
paśyāmi yaḥ tau nara rāja putrau |
yuddhāya yuddha priya durvinītāv |
udyojayet dīrgha patha avaruddhau ||
Ist dieser vernichtet, so sehe ich keinen anderen Boten, der jene beiden Königssöhne der Menschen, die schlachtenfrohen, unbezähmbaren, durch den weiten Weg Aufgehaltenen, zur Schlacht anspornen könnte.
Wort für Wort
asmin vinaṣṭe
ist dieser vernichtet
na hi dūtam anyam paśyāmi
sehe ich wahrlich keinen anderen Boten
yaḥ tau nara rāja putrau
der jene beiden Königssöhne der Menschen
yuddhāya yuddha priya durvinītāv
schlachtenfroh, unbezähmbar, zur Schlacht
udyojayet dīrgha patha avaruddhau
anspornen könnte, durch den weiten Weg aufgehalten
parākrama utsāha manasvinām ca |
sura asurāṇām api durjayena |
tvayā mano nandana nairṛtānām |
yuddha āyatiḥ nāśayitum na yuktā ||
Von dir, dem für Götter und Dämonen Unbezwingbaren, o Freude des Herzens der Rākṣasas, sollte die künftige Schlacht nicht vernichtet werden – die Tapferkeit und der Eifer der Hochgesinnten.
Wort für Wort
parākrama utsāha manasvinām ca
und die Tapferkeit, der Eifer der Hochgesinnten
sura asurāṇām api durjayena
von dem selbst für Götter und Dämonen Unbezwingbaren
tvayā mano nandana nairṛtānām
von dir, o Freude des Herzens der Rākṣasas
yuddha āyatiḥ nāśayitum na yuktā
die künftige Schlacht sollte nicht vernichtet werden
hitāḥ ca śūrāḥ ca samāhitāḥ ca |
kuleṣu jātāḥ ca mahāguṇeṣu |
manasvinaḥ śastrabhṛtām variṣṭhāḥ |
koṭi agra śaste subhṛtāḥ ca yodhāḥ ||
Wohlwollende, tapfere, gesammelte, in Geschlechtern großer Tugend geborene, hochgesinnte, die Ersten der Waffenträger, in der Spitzenlanze wohlbewanderte Krieger gibt es genug.
tat eka deśena balasya tāvat |
kecit tava ādeśa kṛto apayāntu |
tau rāja putrau vinigṛhya mūḍhau |
pareṣu te bhāvayitum prabhāvam ||
So mögen denn mit einem Teil des Heeres einige, deinem Befehl gehorchend, ausziehen, um jene beiden törichten Königssöhne zu fesseln und deine Macht gegenüber den Feinden zu erweisen.
Der Herr der Nachtwandler, der Erste der Rākṣasakönige, der Feind der Götterwelt, der Gewaltige, nahm mit Bedacht das treffliche, vortreffliche Wort seines jüngeren Bruders Vibhīṣaṇa an.