Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Sundarakāṇḍa

Sarga 59: Hanumataḥ Vākya Samāptiḥ Der Abschluss von Hanumāns Rede

etat ākhyānam tat sarvam hanūmān māruta ātmajaḥ | bhūyaḥ samupacakrāma vacanam vaktum uttaram ||

Nachdem er jene ganze Erzählung beendet hatte, begann Hanumān, der Sohn des Windes, wieder ein weiteres Wort zu sprechen.

Wort für Wort
etat ākhyānam tat sarvam
jene ganze Erzählung
hanūmān māruta ātmajaḥ
Hanumān, der Sohn des Windes
bhūyaḥ samupacakrāma
begann wieder
vacanam vaktum uttaram
ein weiteres Wort zu sprechen

saphalo rāghava udyogaḥ sugrīvasya ca sambhramaḥ | śīlam āsādya sītāyā mama ca pravaṇam manaḥ ||

'Fruchtbar ist des Rāghava Bemühen und Sugrīvas Eifer, angesichts Sītās Wesensart und meines ihr zugeneigten Sinnes.'

Wort für Wort
saphalo rāghava udyogaḥ
fruchtbar ist des Rāghava Bemühen
sugrīvasya ca sambhramaḥ
und Sugrīvas Eifer
śīlam āsādya sītāyā
angesichts Sītās Wesensart
mama ca pravaṇam manaḥ
und meines ihr zugeneigten Sinnes

tapasā nirdahellokān sruddho vā nirdahedapi | sarvadhātipravṛddho.asau rāvaṇo rākṣasādhipaḥ ||

'Durch Askese könnte er die Welten verbrennen, oder auch im Zorn verbrennen – jener Rāvaṇa, der Herrscher der Rākṣasas, an Macht über alle Wesen erhaben.'

Wort für Wort
tapasā nirdahellokān
durch Askese könnte er die Welten verbrennen
sruddho vā nirdahedapi
oder auch im Zorn verbrennen
sarvadhātipravṛddho.asau
der an Macht über alle Wesen Erhabene
rāvaṇo rākṣasādhipaḥ
Rāvaṇa, der Herrscher der Rākṣasas

tasya tām spṛśato gātram tapasā na vināśitam | na tadagniśikhā kuryātsaṃspṛṣṭā pāṇinā satī || janakasya sutā kuryādyatkrodhakaluṣīkṛtā |

'Doch als er ihren Körper berührte, wurde er nicht durch ihre Askese vernichtet; nicht einmal eine Feuerzunge, von ihrer Hand berührt, würde tun, was die Tugendhafte, die Tochter Janakas, von Zorn getrübt, tun würde.'

Wort für Wort
tasya tām spṛśato gātram
als er ihren Körper berührte
tapasā na vināśitam
wurde er nicht durch Askese vernichtet
na tadagniśikhā kuryātsaṃspṛṣṭā pāṇinā satī
nicht einmal eine von ihrer Hand berührte Feuerzunge, die Tugendhafte, würde tun
janakasya sutā kuryādyatkrodhakaluṣīkṛtā
was die Tochter Janakas, von Zorn getrübt, tun würde

jāmbavatpramukhān sarvānanujñāpya mahāharīn || asminnevam gate kārye bhavatām ca nivedite | nyāyyam sma saha vaidehyā draṣṭum tau pārthivātmajau ||

'Nachdem ich von allen großen Affen, angeführt von Jāmbavān, die Erlaubnis erhalten, und da nun diese Aufgabe so weit gediehen und euch berichtet ist, wäre es angemessen, samt der Vaidehī jene beiden Königssöhne zu sehen.'

Wort für Wort
jāmbavatpramukhān sarvānanujñāpya mahāharīn
von allen großen Affen, angeführt von Jāmbavān, die Erlaubnis erhaltend
asminnevam gate kārye
da diese Aufgabe so weit gediehen ist
bhavatām ca nivedite
und euch berichtet ist
nyāyyam sma saha vaidehyā
wäre es angemessen, samt der Vaidehī
draṣṭum tau pārthivātmajau
jene beiden Königssöhne zu sehen

ahameko.api paryāptaḥ sarākṣasagaṇām purīm | tām laṅkām tarasā hantum rāvaṇam ca mahābalam ||

'Ich allein schon wäre imstande, jene Stadt Laṅkā samt der Schar der Rākṣasas mit Wucht zu vernichten, und auch den gewaltigen Rāvaṇa.'

Wort für Wort
ahameko.api paryāptaḥ
ich allein schon wäre imstande
sarākṣasagaṇām purīm
die Stadt samt der Schar der Rākṣasas
tām laṅkām tarasā hantum
jene Laṅkā mit Wucht zu vernichten
rāvaṇam ca mahābalam
und den gewaltigen Rāvaṇa

kim punaḥ sahito vīrairbalavadbhiḥ kṛtātmabhiḥ | kṛtāstraiḥ plavagaiḥ śūrairbhavadbhirvijayaiṣibhiḥ ||

'Wie viel mehr, wenn ich von euch, den Helden, den kraftvollen, gefestigten, waffenkundigen, tapferen Affen, dem Sieg Verlangenden, begleitet bin?'

Wort für Wort
kim punaḥ sahito vīraiḥ
wie viel mehr, begleitet von den Helden
balavadbhiḥ kṛtātmabhiḥ
den kraftvollen, gefestigten
kṛtāstraiḥ plavagaiḥ śūraiḥ
waffenkundigen, tapferen Affen
bhavadbhirvijayaiṣibhiḥ
von euch, dem Sieg Verlangenden

aham tu rāvaṇam yuddhe sasainyam sapuraḥsaram | sahaputram vadhiṣyāmi sahodarayutam yudhi ||

'Ich aber werde Rāvaṇa im Kampf, samt seinem Heer und seinem Gefolge, samt seinem Sohn und seinem Bruder, im Kampf erschlagen.'

Wort für Wort
aham tu rāvaṇam yuddhe
ich aber Rāvaṇa im Kampf
sasainyam sapuraḥsaram
samt seinem Heer und Gefolge
sahaputram vadhiṣyāmi
samt seinem Sohn werde ich erschlagen
sahodarayutam yudhi
samt seinem Bruder, im Kampf

brahmamaindram ca raudram ca vāyavyam vāruṇam tathā | yadi śakrajoto.a straṇi durnirīkṣāṇi samyuge || tānyaham vidhaṣyāmi haniṣyāmi ca rāvaṇam |

'Das Brahmā-, das Indra-, das Rudra-, das Vāyu-, und ebenso das Varuṇa-Geschoss, und wenn selbst die von Indra entlassenen Waffen im Kampf unerträglich anzuschauen wären – auch diese werde ich abwehren und Rāvaṇa erschlagen.'

Wort für Wort
brahmamaindram ca raudram ca
das Brahmā-, das Indra-, das Rudra-Geschoss
vāyavyam vāruṇam tathā
das Vāyu- und ebenso das Varuṇa-Geschoss
yadi śakrajoto.a straṇi durnirīkṣāṇi samyuge
wenn die von Indra entlassenen Waffen im Kampf unerträglich anzuschauen wären
tānyaham vidhaṣyāmi
auch diese werde ich abwehren
haniṣyāmi ca rāvaṇam
und Rāvaṇa erschlagen

bhavatāmabhyanujñāto vikramo me ruṇaddhi tam || mayātulā visṛṣṭā hi śailavṛṣṭirnirantarā | devānapi raṇe hanyātkim punastānniśācarān ||

'Von euch gebilligt, hält meine Tapferkeit ihn in Schach; denn ein von mir entfesselter, unaufhörlicher Bergregen könnte selbst die Götter im Kampf erschlagen – wie viel mehr jene Nachtwandler.'

Wort für Wort
bhavatāmabhyanujñāto
von euch gebilligt
vikramo me ruṇaddhi tam
hält meine Tapferkeit ihn in Schach
mayātulā visṛṣṭā hi
denn ein von mir entfesselter
śailavṛṣṭirnirantarā
unaufhörlicher Bergregen
devānapi raṇe hanyāt
könnte selbst die Götter im Kampf erschlagen
kim punastānniśācarān
wie viel mehr jene Nachtwandler

sāgaro.apyatiyādvelām mandaraḥ pracaledapi | na jāmbavantam samare kampayedarivāhinī ||

'Selbst der Ozean könnte über sein Ufer hinaustreten, selbst der Mandara-Berg könnte wanken – doch das Heer der Feinde könnte Jāmbavān im Kampf nicht erschüttern.'

Wort für Wort
sāgaro.apyatiyādvelām
selbst der Ozean könnte über sein Ufer hinaustreten
mandaraḥ pracaledapi
selbst der Mandara könnte wanken
na jāmbavantam samare
nicht Jāmbavān im Kampf
kampayedarivāhinī
könnte das Heer der Feinde erschüttern

sarvarākṣasasamghānām rākṣasā ye ca mahātmanaḥ | alameko vināśāya vīro vālisutaḥ kapiḥ ||

'Zur Vernichtung aller Rākṣasascharen und jener hochgesinnten Rākṣasas genügt allein schon der Held, der Sohn Vālins, der Affe.'

Wort für Wort
sarvarākṣasasamghānām
aller Rākṣasascharen
rākṣasā ye ca mahātmanaḥ
und jener hochgesinnten Rākṣasas
alameko vināśāya
zur Vernichtung genügt allein
vīro vālisutaḥ kapiḥ
der Held, der Sohn Vālins, der Affe

panasasyoruvegena nīlasya ca mahātmanaḥ | mandaro.apyavaśīryeta kimpunaryudhi rākṣasāḥ ||

'Durch die gewaltige Wucht des Panasa und des hochgesinnten Nīla könnte selbst der Mandara zerbersten – wie viel mehr die Rākṣasas im Kampf.'

Wort für Wort
panasasyoruvegena
durch die gewaltige Wucht des Panasa
nīlasya ca mahātmanaḥ
und des hochgesinnten Nīla
mandaro.apyavaśīryeta
könnte selbst der Mandara zerbersten
kimpunaryudhi rākṣasāḥ
wie viel mehr die Rākṣasas im Kampf

sadevāsurayakṣeṣu gandharvoragapakṣiṣu | maindasya pratiyoddhāram śaṃsata dvividasya vā ||

'Nennt mir unter den Göttern, Asuras, Yakṣas, Gandharvas, Schlangen und Vögeln einen ebenbürtigen Gegner des Mainda oder des Dvivida.'

Wort für Wort
sadevāsurayakṣeṣu
unter den Göttern, Asuras, Yakṣas
gandharvoragapakṣiṣu
Gandharvas, Schlangen und Vögeln
maindasya pratiyoddhāram
einen ebenbürtigen Gegner des Mainda
śaṃsata dvividasya vā
nennt mir, oder des Dvivida

aśviputrau mahābhāgāvetau plavagasattamau | etayoḥ pratiyoddhāram na paśyāmi raṇājire ||

'Jene beiden hochgesegneten Söhne der Aśvins, die besten der Affen – für sie sehe ich keinen ebenbürtigen Gegner auf dem Kampffeld.'

Wort für Wort
aśviputrau mahābhāgāvetau
jene beiden hochgesegneten Söhne der Aśvins
plavagasattamau
die besten der Affen
etayoḥ pratiyoddhāram
für sie einen ebenbürtigen Gegner
na paśyāmi raṇājire
sehe ich nicht auf dem Kampffeld

pitāmahavarotsekātparamam darpamāsthitau | amṛtaprāśanāvetau sarvavānarasattamau ||

'Durch die Gunst des Großvaters [Brahmā] übermütig geworden, von höchstem Stolz erfüllt, jene beiden, die Nektargetrunkenen, die Besten aller Affen.'

Wort für Wort
pitāmahavarotsekāt
durch die Gunst des Großvaters übermütig
paramam darpamāsthitau
von höchstem Stolz erfüllt, die beiden
amṛtaprāśanāvetau
die beiden Nektargetrunkenen
sarvavānarasattamau
die Besten aller Affen

aśvinormānanārtham hi sarvalokapitāmahaḥ | sarvāvadhyatvamatulamanayordattavān purā ||

'Denn zur Ehre der Aśvins gab der Großvater aller Welten diesen beiden einst unvergleichliche Unverwundbarkeit gegenüber allen.'

Wort für Wort
aśvinormānanārtham hi
denn zur Ehre der Aśvins
sarvalokapitāmahaḥ
der Großvater aller Welten
sarvāvadhyatvamatulam
unvergleichliche Unverwundbarkeit gegenüber allen
anayordattavān purā
gab diesen beiden einst

varotsekena mattau ca pramathya mahatīm camūm | surāṇāmamṛtam vīrau pītavantau plavamgamau ||

'Von der Gunst berauscht, ein großes Heer zerschmetternd, tranken jene beiden Helden, die Affen, den Nektar der Götter.'

Wort für Wort
varotsekena mattau ca
von der Gunst berauscht
pramathya mahatīm camūm
ein großes Heer zerschmetternd
surāṇāmamṛtam vīrau
der Götter Nektar, die beiden Helden
pītavantau plavamgamau
tranken die beiden Affen

etāvena hi samkruddhau savājirathakumjarām | laṅkām nāśayitum śaktau sarve tiṣṭhantu vānarāḥ ||

'Diese beiden, erzürnt, sind imstande, Laṅkā samt seinen Rossen, Wagen und Elefanten zu vernichten – doch mögen alle Affen dabei bleiben.'

Wort für Wort
etāvena hi samkruddhau
diese beiden, erzürnt
savājirathakumjarām
samt Rossen, Wagen und Elefanten
laṅkām nāśayitum śaktau
sind imstande, Laṅkā zu vernichten
sarve tiṣṭhantu vānarāḥ
doch mögen alle Affen dabei bleiben

mayaiva nihatā laṅkā dagdhā bhasmīkṛtā punaḥ | rājamārgeṣu sarvatra nāma viśrāvita mayā ||

'Von mir allein bereits wurde Laṅkā geschlagen, verbrannt, zu Asche gemacht; auf allen Königsstraßen überall wurde mein Name von mir verkündet.'

Wort für Wort
mayaiva nihatā laṅkā
von mir allein wurde Laṅkā geschlagen
dagdhā bhasmīkṛtā punaḥ
verbrannt, zu Asche gemacht
rājamārgeṣu sarvatra
auf allen Königsstraßen überall
nāma viśrāvita mayā
wurde mein Name von mir verkündet

jayatyatibalo rāmo lakṣmaṇaśca mahābalaḥ | rājā jayati sugrīvo rāghaveṇābhipālitaḥ || aham kosalarājasya dāsaḥ pavanasambhavaḥ | hanumāniti sarvatra nāma viśrāvitam mayā ||

'„Es siege der überaus gewaltige Rāma, und Lakṣmaṇa, der Gewaltige; es siege König Sugrīva, vom Rāghava beschützt! Ich bin der Diener des Königs von Kosala, aus dem Wind entsprungen, Hanumān“ – so wurde mein Name überall von mir verkündet.'

Wort für Wort
jayatyatibalo rāmo
es siege der überaus gewaltige Rāma
lakṣmaṇaśca mahābalaḥ
und Lakṣmaṇa, der Gewaltige
rājā jayati sugrīvo
es siege König Sugrīva
rāghaveṇābhipālitaḥ
vom Rāghava beschützt
aham kosalarājasya dāsaḥ
ich bin der Diener des Königs von Kosala
pavanasambhavaḥ hanumān
aus dem Wind entsprungen, Hanumān
iti sarvatra nāma viśrāvitam mayā
so wurde mein Name überall von mir verkündet

aśoka vanikā madhye rāvaṇasya durātmanaḥ | adhastāt śiṃśapā vṛkṣe sādhvī karuṇam āsthitā || rākṣasībhiḥ parivṛtā śoka samtāpa karśitā | megha lekhā parivṛtā candra lekhā iva niṣprabhā || acintayantī vaidehī rāvaṇam bala darpitam |

'Inmitten des Aśoka-Hains des bösgesinnten Rāvaṇa, unter dem Śiṃśapā-Baum, weilt die Tugendhafte kläglich; von Rākṣasīs umringt, von Kummer und Pein abgemagert, wie eine von Wolkenstreifen umhüllte, glanzlose Mondsichel – die Vaidehī, den mit seiner Macht Übermütigen, Rāvaṇa, nicht beachtend.'

Wort für Wort
aśoka vanikā madhye
inmitten des Aśoka-Hains
rāvaṇasya durātmanaḥ
des bösgesinnten Rāvaṇa
adhastāt śiṃśapā vṛkṣe
unter dem Śiṃśapā-Baum
sādhvī karuṇam āsthitā
weilt die Tugendhafte kläglich
rākṣasībhiḥ parivṛtā
von Rākṣasīs umringt
śoka samtāpa karśitā
von Kummer und Pein abgemagert
megha lekhā parivṛtā
von Wolkenstreifen umhüllt
candra lekhā iva niṣprabhā
wie eine glanzlose Mondsichel
acintayantī vaidehī
die Vaidehī, nicht beachtend
rāvaṇam bala darpitam
Rāvaṇa, den mit seiner Macht Übermütigen

pati vratā ca suśroṇī avaṣṭabdhā ca jānakī || anuraktā hi vaidehī rāmam sarva ātmanā śubhā | ananya cittā rāme ca paulomī iva puram dare ||

'Ihrem Gatten treu ergeben, die Schönhüftige, standhaft, ist Jānakī; die Vaidehī, mit ganzem Herzen an Rāma hängend, die Reine, ihre Gedanken einzig auf Rāma gerichtet, wie Paulomī auf den Städtezerstörer.'

Wort für Wort
pati vratā ca suśroṇī
ihrem Gatten treu ergeben, die Schönhüftige
avaṣṭabdhā ca jānakī
und standhaft, Jānakī
anuraktā hi vaidehī
die Vaidehī, hängend
rāmam sarva ātmanā śubhā
mit ganzem Herzen an Rāma, die Reine
ananya cittā rāme ca
ihre Gedanken einzig auf Rāma gerichtet
paulomī iva puram dare
wie Paulomī auf den Städtezerstörer

tat eka vāsaḥ samvītā rajo dhvastā tathaiva ca | śoka samtāpa dīna angī sītā bhartṛ hite ratā ||

'Mit ein und demselben Gewand bekleidet, und ebenso von Staub bedeckt, ihre Glieder von Kummer und Pein niedergeschlagen, ist Sītā, dem Wohl ihres Gatten ergeben.'

Wort für Wort
tat eka vāsaḥ samvītā
mit ein und demselben Gewand bekleidet
rajo dhvastā tathaiva ca
und ebenso von Staub bedeckt
śoka samtāpa dīna angī
ihre Glieder von Kummer und Pein niedergeschlagen
sītā bhartṛ hite ratā
Sītā, dem Wohl ihres Gatten ergeben

sā mayā rākṣasī madhye tarjyamānā muhuḥ muhuḥ | rākṣasībhiḥ virūpābhiḥ dṛṣṭā hi pramadā vane || eka veṇī dharā dīnā bhartṛ cintā parāyaṇā | adhaḥ śayyā vivarṇa angī padminī iva hima āgame | rāvaṇāt vinivṛtta arthā martavya kṛta niścayā ||

'Sie, immer wieder inmitten der Rākṣasīs bedroht, von den entstellten Rākṣasīs, wurde von mir im Garten gesehen, die junge Frau, mit dem einen Haarzopf, elend, ganz dem Gedanken an ihren Gatten hingegeben, auf dem Boden liegend, ihre Glieder entfärbt wie eine Lotosblüte zur Winterzeit, von Rāvaṇa abgewandten Sinnes, zum Sterben entschlossen.'

Wort für Wort
sā mayā rākṣasī madhye
sie, von mir, inmitten der Rākṣasīs
tarjyamānā muhuḥ muhuḥ
immer wieder bedroht
rākṣasībhiḥ virūpābhiḥ
von den entstellten Rākṣasīs
dṛṣṭā hi pramadā vane
wurde die junge Frau im Garten gesehen
eka veṇī dharā dīnā
mit dem einen Haarzopf, elend
bhartṛ cintā parāyaṇā
ganz dem Gedanken an ihren Gatten hingegeben
adhaḥ śayyā vivarṇa angī
auf dem Boden liegend, ihre Glieder entfärbt
padminī iva hima āgame
wie eine Lotosblüte zur Winterzeit
rāvaṇāt vinivṛtta arthā
von Rāvaṇa abgewandten Sinnes
martavya kṛta niścayā
zum Sterben entschlossen

kathaṃcin mṛga śāva akṣī viśvāsam upapāditā || tataḥ sambhāṣitā caiva sarvam artham ca darśitā | rāma sugrīva sakhyam ca śrutvā prītim upāgatā ||

'Endlich wurde die Rehäugige zum Vertrauen gebracht; dann wurde sie von mir angesprochen und ihr die ganze Sachlage dargelegt, und, von Rāmas Bündnis mit Sugrīva hörend, gelangte sie zur Freude.'

Wort für Wort
kathaṃcin mṛga śāva akṣī
endlich die Rehäugige
viśvāsam upapāditā
wurde zum Vertrauen gebracht
tataḥ sambhāṣitā caiva
dann wurde sie angesprochen
sarvam artham ca darśitā
und ihr die ganze Sachlage dargelegt
rāma sugrīva sakhyam ca
von Rāmas Bündnis mit Sugrīva
śrutvā prītim upāgatā
hörend, gelangte sie zur Freude

niyataḥ samudācāro bhaktiḥ bhartari ca uttamā | yan na hanti daśagrīvam sa mahātmā kṛtāgasam ||

'Gefestigt ist ihr Betragen, und höchste ist ihre Hingabe an den Gatten – dass jener Hochgesinnte den Zehnköpfigen, obwohl er sich vergangen hat, nicht tötet, liegt allein an ihm.'

Wort für Wort
niyataḥ samudācāro
gefestigt ist ihr Betragen
bhaktiḥ bhartari ca uttamā
und höchste ihre Hingabe an den Gatten
yan na hanti daśagrīvam
dass er den Zehnköpfigen nicht tötet
sa mahātmā kṛtāgasam
jener Hochgesinnte, den sich Vergangenen

nimitta mātram rāmaḥ tu vadhe tasya bhaviṣyati | sā prakṛtyaiva tanvaṅgī tadviyogāccha karśitā || pratipatpāaṭhaśīlasya vidyeva tanutām gatā |

'Rāma wird nur der auslösende Anlass für dessen Tod sein; sie, von Natur aus schlankgliedrig, ist durch die Trennung von ihm abgemagert, wie die dem nur einmal Übenden entschwindende Wissenschaft dünn geworden.'

Wort für Wort
nimitta mātram rāmaḥ tu
Rāma wird nur der Anlass sein
vadhe tasya bhaviṣyati
für dessen Tod
sā prakṛtyaiva tanvaṅgī
sie, von Natur aus schlankgliedrig
tadviyogāccha karśitā
durch die Trennung von ihm abgemagert
pratipatpāaṭhaśīlasya vidyeva tanutām gatā
wie die dem nur einmal Übenden entschwindende Wissenschaft dünn geworden

evam āste mahābhāgā sītā śoka parāyaṇā || yat atra pratikartavyam tat sarvam upapādyatām |

'So verweilt die hochgesegnete Sītā, ganz dem Kummer hingegeben; was hier nun zu tun ist, das möge alles ins Werk gesetzt werden.'

Wort für Wort
evam āste mahābhāgā
so verweilt die hochgesegnete
sītā śoka parāyaṇā
Sītā, ganz dem Kummer hingegeben
yat atra pratikartavyam
was hier zu tun ist
tat sarvam upapādyatām
das möge alles ins Werk gesetzt werden

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