tataḥ sa madhyaṃgatam aṃśumantaṃ jyotsnāvitānam mahat udvamantam | dadarśa dhīmān divi bhānumantaṃ goṣṭhe vṛṣaṃ mattam iva bhrāmantam
Da erblickte der Kluge am Himmel den strahlenden Mond, der die Mitte des Himmels erreicht hatte, ein gewaltiges Zelt von Mondlicht ausströmend, wie einen brünstigen Stier, der auf der Weide umherstreift.
Wort für Wort
tataḥ sa
da er
madhyaṃgatam aṃśumantam
den die Mitte erreichenden Strahlenden
jyotsnāvitānam mahat udvamantam
der ein gewaltiges Zelt von Mondlicht ausströmte
dadarśa dhīmān divi bhānumantam
der Kluge sah am Himmel den Leuchtenden
goṣṭhe vṛṣam mattam iva bhrāmantam
wie einen brünstigen Stier, der auf der Weide umherstreift
yā bhāti lakṣmīḥ bhuvi mandarasthā tathā pradoṣeṣu ca sāgarasthā | tathaiva toyeṣu ca puṣkarasthā rarāja sā cāru niśākarasthā
Die Pracht, die auf der Erde am Berg Mandara erstrahlt, ebenso in der Abenddämmerung über dem Ozean, ebenso im Wasser auf der Lotusblüte — jene Schönheit erglänzte nun am lieblichen Mond.
Wie ein Schwan in einem silbernen Käfig, wie ein Löwe in einer Höhle des Mandara, wie ein Held auf einem stolzen Elefanten — so erstrahlte der Mond am Himmel.
Wie ein dastehender Stier mit scharfem Höcker, wie ein großer weißer Berg mit hohem Gipfel, wie ein Elefant mit goldbeschlagenen Stoßzähnen — so erstrahlte der vollrunde Mond.
Frei vom Schmutz kalten Wassers und Reifs, frei von der Bedrohung großer Planeten und Krokodile, ein Zufluchtsort strahlender Pracht mit reinem Mal — so erglänzte der erhabene Mond, der Hasenträger.
Wort für Wort
vinaṣṭaśītāmbutuṣārapaṅkaḥ
frei vom Schmutz kalten Wassers und Reifs
mahāgrahagrāhavinaṣṭapaṅkaḥ
frei von der Bedrohung großer Planeten und Krokodile
prakāśalakṣmyāśrayanirmalāṅkaḥ
ein Zufluchtsort strahlender Pracht mit reinem Mal
Wie ein Löwe, der einen Felsplatz erreicht hat, wie ein Elefantenfürst, der die große Schlacht erreicht hat, wie ein König, der sein Reich erlangt hat — so erstrahlte glänzend der Mond.
Wort für Wort
śīlātalam prāpya yathā mṛgendraḥ
wie ein Löwe, der einen Felsplatz erreicht hat
mahāraṇam prāpya yathā gajendraḥ
wie ein Elefantenfürst, der die große Schlacht erreicht hat
Mit dem Aufgang des strahlenden Mondes schwand das Dunkel, doch begann das Laster der fleischgierigen Rākṣasas; das durch Liebesfreuden erregte Übel der Herzen entstand — so war die erhabene Dämmerung ein Abglanz des Himmels.
Wort für Wort
prakāśacandrodayanaṣṭadoṣaḥ
durch den Aufgang des strahlenden Mondes schwand das Dunkel
pravṛttarakṣaḥpiśitāśadoṣaḥ
das Laster der nach Fleisch verlangenden Rākṣasas begann
tantrīsvanāḥ karṇasukhāḥ pravṛttāḥ svapanti nāryaḥ patibhiḥ suvṛttāḥ | naktaṃcarāḥ ca api tathā pravṛttā vihartum atyadbhutaraudravṛttāḥ
Saitenklänge erklangen, dem Ohr wohltuend; tugendhafte Frauen schliefen bei ihren Gatten; und die Nachtwandler machten sich auf, um sich in höchst schauerlichem, grausigem Treiben zu ergehen.
Wort für Wort
tantrīsvanāḥ karṇasukhāḥ pravṛttāḥ
Saitenklänge, dem Ohr wohltuend, erklangen
svapanti nāryaḥ patibhiḥ suvṛttāḥ
tugendhafte Frauen schliefen bei ihren Gatten
naktaṃcarāḥ ca api tathā pravṛttāḥ
und auch die Nachtwandler machten sich auf
vihartum atyadbhutaraudravṛttāḥ
um sich in höchst schauerlichem, grausigem Treiben zu ergehen
parasparaṃ ca adhikam ākṣipanti bhujān ca pīnān adhinikṣipanti | mattapralāpān adhikaṃ kṣipanti mattāni ca anyonyam adhikṣipanti
Sie überboten einander mit Vorwürfen, warfen ihre kräftigen Arme umeinander, stießen berauschtes Geschwätz im Übermaß aus, und die Berauschten schmähten einander.
rakṣāṃsi vakṣāṃsi ca vikṣipanti gātrāṇi kāntāsu ca vikṣipanti | rūpāṇi citrāṇi ca vikṣipanti dṛḍhāni ca āpāni ca vikṣipanti
Die Rākṣasas warfen ihre Brüste vor, schleuderten ihre Glieder auf ihre Geliebten, entfalteten mannigfaltige Gestalten, warfen ihre festen Trinkgefäße umher.
dadarśa kāntāḥ ca samālabhantyaḥ tathā parāḥ tatra punaḥ svapantyaḥ | surūpavaktrāḥ ca tathā hasantyaḥ kruddhāḥ parāḥ ca api viniḥśvasantyaḥ
Er sah Geliebte, die einander berührten, und andere, die dort wiederum schliefen, schönmündige, die lachten, und andere, zornige, die schwer aufseufzten.
mahāgajaiḥ ca api tathā nadadbhiḥ supūjitaiḥ ca api tathā susadbhiḥ | rarāja vīraiḥ ca viniḥśvasadbhiḥ hradaḥ bhujaṅgaiḥ iva niḥśvasadbhiḥ
Mit großen, trompetenden Elefanten, mit wohlgeehrten guten Männern, mit schwer atmenden Helden erglänzte die Stadt, wie ein Weiher mit zischenden Schlangen.
Er sah in jener Stadt Rākṣasas, die an Weisheit die Ersten waren, mit schönen Namen, vertrauenswürdig, die Ersten der Welt, von mannigfaltiger Art, mit anmutigen Namen.
nananda dṛṣṭvā sa ca tān surūpān nānāguṇān ātmaguṇānurūpān | vidyotamānān sa tadānurūpān dadarśa kāṃścit ca punarvirūpān
Er freute sich, als er jene wohlgestalteten sah, mit mannigfaltigen, ihrer Natur entsprechenden Tugenden, strahlend und ihrem Rang gemäß — und er sah auch manche, die missgestaltet waren.
Wort für Wort
nananda dṛṣṭvā sa ca tān surūpān
er freute sich, jene Wohlgestalteten sehend
nānāguṇān ātmaguṇānurūpān
mit mannigfaltigen, der eigenen Natur entsprechenden Tugenden
Er sah manche, von Schönheit erglänzend, verhüllt von Scham, um Mitternacht von ihren Liebhabern umarmt, in Freude umschlossen, wie Vögel, die von Blüten umschlossen sind.
Andere wiederum sah der Kluge auf den Terrassen der Paläste sitzend, dort behaglich im Schoß ihrer Geliebten ruhend, ihren Gatten zugetan, der Tugend ergeben, von Liebesverlangen erfüllt.
Manche, unbekleidet, von goldglänzender Hautfarbe, kostbar, mit der Farbe geschmolzenen Goldes; und wieder andere, von der Farbe des Hasenflecks im Mond, ihres Geliebten beraubt, mit anmutigen Gliedern.
Wort für Wort
aprāvṛtāḥ kāñcanarājivarṇāḥ
unbekleidet, von goldglänzender Farbe
kāścitparārthyāstapanīyavarṇāḥ
manche kostbare, von der Farbe geschmolzenen Goldes
Dann sah der tapfere Affenheld die schönen Frauen, die ihre dem Herzen erfreulichen Geliebten gefunden hatten, von Freude erfüllt, sanftmütig und erfreulich, in ihren Häusern glücklich, überaus reizend.
Wort für Wort
tataḥ priyān prāpya manobhirāmān
dann ihre dem Herzen erfreulichen Geliebten gefunden habend
candraprakāśāḥ ca hi vaktramālāḥ vakrākṣipakṣmāḥ ca sunetramālāḥ | vibhūṣaṇānāṃ ca dadarśa mālāḥ śatahradānāmiva cārumālāḥ
Er sah Reihen von mondgleich strahlenden Gesichtern, mit geschwungenen Wimpern und Reihen schöner Augen, und Reihen von Schmuckstücken, gleich schönen Blitzreihen.
Wort für Wort
candraprakāśāḥ ca hi vaktramālāḥ
mondgleich strahlende Reihen von Gesichtern
vakrākṣipakṣmāḥ ca sunetramālāḥ
mit geschwungenen Wimpern und Reihen schöner Augen
Doch Sītā, die höchst edelgeborene, im rechtmäßigen Königsgeschlecht Erzeugte, gleich einer schön erblühten Ranke wohlgeboren, die Zarte, dem Geiste nach Edle — sie fand er nirgends.
sie, die auf dem ewigen Pfad der Tugend feststand, die Rāma-gleiche Augen hatte, von Liebe erfüllt, die in das glanzerfüllte Herz ihres Gatten eingegangen war, stets ausgezeichnet vor den edelsten Frauen.
Wort für Wort
sanātane vartmāni saṃniviṣṭām
die auf dem ewigen Pfad feststand
rāmekṣaṇāṃ tāṃ madanābhiviṣṭām
jene mit Rāma-gleichen Augen, von Liebe erfüllt
bharturmanaḥ śrīmadanupraviṣṭām
die in das glanzerfüllte Herz ihres Gatten eingegangen war
sie, von der Hitze gequält, mit Tränenspuren am Hals, die einst einen kostbaren, edlen Halsschmuck trug, mit wohlgeformten Wimpern und gerötetem Hals, gleich einer Pfauenhenne, die im Wald nicht mehr tanzt.
Wort für Wort
uṣṇārditāṃ sānusṛtāsrakaṇṭhīm
von Hitze gequält, mit Tränenspuren am Hals
purā varārhottamaniṣkakaṇṭhīm
die einst einen edlen, kostbaren Halsschmuck trug
sujātapakṣmāmabhiraktakaṇṭhīm
mit wohlgeformten Wimpern und gerötetem Hals
vane apravṛttāmiva nīlakaṇṭhīm
wie eine Pfauenhenne, die im Wald nicht mehr tanzt
sie, gleich einer undeutlichen Mondsichel, gleich einem staubbedeckten Goldstreifen, gleich einer verheilenden Pfeilwunde, gleich einer vom Wind zerteilten Wolkenlinie —
— Sītā, die Gattin Rāmas, des besten unter den Rednern, des Herrn der Menschen, nicht erblickend, wurde der Affe, lange schon von Schmerz getroffen, plötzlich wie erschlafft.
Wort für Wort
sītāmapaśyan manujeśvarasya
Sītā nicht erblickend, die Gattin des Herrn der Menschen