Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Sundarakāṇḍa

Sarga 41: Aśoka Vana Vidhvaṃsanam Die Verwüstung des Aśoka-Gartens

sa ca vāgbhiḥ praśastābhiḥ gamiṣyan pūjitaḥ tayā | tasmāt deśāt apakramya cintayāmāsa vānaraḥ ||

Und er, im Aufbruch von ihr mit lobenden Worten geehrt, entfernte sich von jenem Ort und begann nachzudenken, der Affe.

Wort für Wort
sa ca vāgbhiḥ praśastābhiḥ
und er mit lobenden Worten
gamiṣyan pūjitaḥ tayā
im Aufbruch von ihr geehrt
tasmāt deśāt apakramya
von jenem Ort sich entfernend
cintayāmāsa vānaraḥ
begann der Affe nachzudenken

alpa śeṣam idam kāryam dṛṣṭā iyam asita īkṣaṇā | trīn upāyān atikramya caturtha iha dṛśyate ||

Nur wenig ist von dieser Aufgabe noch übrig, da diese Schwarzäugige gesehen ward; nach den drei ersten Mitteln zeigt sich hier nun das vierte.

Wort für Wort
alpa śeṣam idam kāryam
nur wenig ist übrig von dieser Aufgabe
dṛṣṭā iyam asita īkṣaṇā
da diese Schwarzäugige gesehen wurde
trīn upāyān atikramya
nach Überschreiten der drei Mittel
caturtha iha dṛśyate
zeigt sich hier das vierte

na sāma rakṣahsu guṇāya kalpate | na danam artha upaciteṣu vartate | na bheda sādhyā bala darpitā janāḥ | parākramaḥ tu eṣa mama iha rocate ||

Milde nützt bei den Rākṣasas nichts; Geschenke wirken nicht bei denen, die an Reichtum überfüllt sind; durch Zwietracht sind vor Kraft übermütige Leute nicht zu gewinnen – Tapferkeit allein gefällt mir hier.

Wort für Wort
na sāma rakṣahsu guṇāya kalpate
Milde nützt bei den Rākṣasas nicht
na danam artha upaciteṣu vartate
Geschenke wirken nicht bei den an Reichtum Überfüllten
na bheda sādhyā bala darpitā janāḥ
durch Zwietracht sind vor Kraft übermütige Leute nicht zu gewinnen
parākramaḥ tu eṣa mama iha rocate
Tapferkeit allein gefällt mir hier

na ca asya kāryasya parākramāt ṛte | viniścayaḥ kaścit iha upapadyate | hṛta pravīrāḥ tu raṇe hi rākṣasāḥ | kathaṃcit īyuḥ yat iha adya mārdavam ||

Und ohne Tapferkeit gibt es für diese Aufgabe hier keinen sicheren Ausgang; nur wenn den Rākṣasas ihre Helden im Kampf entrissen werden, mögen sie auf irgendeine Weise heute hier Milde zeigen.

Wort für Wort
na ca asya kāryasya parākramāt ṛte
und ohne Tapferkeit für diese Aufgabe
viniścayaḥ kaścit iha upapadyate
gibt es hier keinen sicheren Ausgang
hṛta pravīrāḥ tu raṇe hi rākṣasāḥ
nur wenn den Rākṣasas die Helden im Kampf entrissen werden
kathaṃcit īyuḥ yat iha adya mārdavam
mögen sie irgendwie heute hier Milde zeigen

kārye karmaṇi nirdiṣṭaḥ yo bahūni api sādhayet | pūrva kārya virodhena sa kāryam kartum arhati ||

Wer, mit einer Aufgabe betraut, noch viele weitere vollbringen kann, ohne der ursprünglichen Aufgabe zu widersprechen, der ist würdig, die Aufgabe zu erfüllen.

Wort für Wort
kārye karmaṇi nirdiṣṭaḥ
mit einer Aufgabe betraut
yo bahūni api sādhayet
wer auch viele weitere vollbringen kann
pūrva kārya virodhena
ohne der ursprünglichen Aufgabe zu widersprechen
sa kāryam kartum arhati
der ist würdig die Aufgabe zu erfüllen

na hi ekaḥ sādhako hetuḥ svalpasya api iha karmaṇaḥ | yo hi artham bahudhā veda sa samartho artha sādhane ||

Denn ein einziger Grund reicht nicht aus, selbst um eine kleine Aufgabe zu vollbringen; wer aber den Zweck auf vielerlei Weise erkennt, der ist fähig, den Zweck zu erreichen.

Wort für Wort
na hi ekaḥ sādhako hetuḥ
denn ein einziger Grund genügt nicht
svalpasya api iha karmaṇaḥ
selbst für eine kleine Aufgabe hier
yo hi artham bahudhā veda
wer aber den Zweck auf vielerlei Weise erkennt
sa samartho artha sādhane
der ist fähig, den Zweck zu erreichen

iha eva tāvat kṛta niścayo hi aham | yadi vrajeyam plavaga īśvara ālayam | para ātma sammarda viśeṣa tattvavit | tataḥ kṛtam syān mama bhartṛ śāsanam ||

Hier zunächst, so bin ich fest entschlossen: wenn ich zur Wohnstatt des Affenfürsten zurückkehrte, kundig der Besonderheiten im Vergleich der eigenen und der fremden Kräfte, dann wäre der Befehl meines Herrn erfüllt.

Wort für Wort
iha eva tāvat kṛta niścayo hi aham
hier zunächst bin ich fest entschlossen
yadi vrajeyam plavaga īśvara ālayam
wenn ich zur Wohnstatt des Affenfürsten ginge
para ātma sammarda viśeṣa tattvavit
kundig der Besonderheiten im Vergleich eigener und fremder Kraft
tataḥ kṛtam syān mama bhartṛ śāsanam
dann wäre der Befehl meines Herrn erfüllt

katham nu khalv adya bhavet sukha āgatam | prasahya yuddham mama rākṣasaiḥ saha | tathaiva khalv ātma balam ca sāravat | samānayen mām ca raṇe daśa ānanaḥ ||

Wie könnte es heute leicht geschehen, dass ich mit den Rākṣasas gewaltsam kämpfe, und dass ebenso der Zehnköpfige seine eigene Kraft und Stärke gegen mich in der Schlacht zusammenbringt?

Wort für Wort
katham nu khalv adya bhavet sukha āgatam
wie könnte es heute leicht geschehen
prasahya yuddham mama rākṣasaiḥ saha
dass ich mit den Rākṣasas gewaltsam kämpfe
tathaiva khalv ātma balam ca sāravat
und ebenso seine eigene starke Kraft
samānayen mām ca raṇe daśa ānanaḥ
der Zehnköpfige gegen mich in der Schlacht zusammenbringt

tataḥ samāsādya raṇe daśānanaṃ | samantrivargam sabalaprayāyinam | hṛdi sthitam tasya matam balaṃ ca vai | sukhena mattvā.ahamitaḥ punarvraje ||

Dann, nachdem ich in der Schlacht dem Zehnköpfigen begegnet bin, samt seinem Ministerrat und dem heranrückenden Heer, und seine im Herzen verborgene Absicht und seine Kraft erkannt habe, will ich beruhigt von hier zurückkehren.

Wort für Wort
tataḥ samāsādya raṇe daśānanaṃ
dann, dem Zehnköpfigen in der Schlacht begegnend
samantrivargam sabalaprayāyinam
samt Ministerrat und heranrückendem Heer
hṛdi sthitam tasya matam balaṃ ca vai
und seine im Herzen verborgene Absicht und Kraft fürwahr
sukhena mattvā ahamitaḥ punarvraje
erkannt habend will ich beruhigt von hier zurückkehren

idam asya nṛśaṃsasya nandana upamam uttamam | vanam netra manaḥ kāntam nānā druma latā yutam ||

Dieser vortreffliche, dem Nandana-Hain gleichende Garten des Grausamen, der Auge und Sinn erfreut, reich an mancherlei Bäumen und Schlingpflanzen –

Wort für Wort
idam asya nṛśaṃsasya
dieser, des Grausamen
nandana upamam uttamam
vortrefflich, dem Nandana-Hain gleich
vanam netra manaḥ kāntam
der Garten, Auge und Sinn erfreuend
nānā druma latā yutam
reich an mancherlei Bäumen und Schlingpflanzen

idam vidhvaṃsayiṣyāmi śuṣkam vanam iva analaḥ | asmin bhagne tataḥ kopam kariṣyati sa rāvaṇaḥ ||

diesen werde ich verwüsten, wie Feuer einen dürren Wald; wenn dieser zerstört ist, wird Rāvaṇa in Zorn geraten.

Wort für Wort
idam vidhvaṃsayiṣyāmi
diesen werde ich verwüsten
śuṣkam vanam iva analaḥ
wie Feuer einen dürren Wald
asmin bhagne
wenn dieser zerstört ist
tataḥ kopam kariṣyati sa rāvaṇaḥ
dann wird Rāvaṇa in Zorn geraten

tato mahat sāśva mahāratha dvipam | balam samāneṣv api rākṣasa adhipaḥ | triśūla kāla āyasa paṭṭiśa āyudham | tato mahat yuddham idam bhaviṣyati ||

Dann wird der Herrscher der Rākṣasas ein großes Heer aus Pferden, großen Wagen und Elefanten heranführen, bewaffnet mit Dreizack, schwarzem Eisen und Streitäxten; dann wird dieser große Kampf entstehen.

Wort für Wort
tato mahat sāśva mahāratha dvipam
dann ein großes Heer aus Pferden, Wagen und Elefanten
balam samāneṣv api rākṣasa adhipaḥ
wird der Herrscher der Rākṣasas heranführen
triśūla kāla āyasa paṭṭiśa āyudham
bewaffnet mit Dreizack, schwarzem Eisen, Streitäxten
tato mahat yuddham idam bhaviṣyati
dann wird dieser große Kampf entstehen

aham tu taiḥ samyati caṇḍa vikramaiḥ | sametya rakṣobhiḥ asamga vikramaḥ | nihatya tat rāvaṇa coditam balam | sukham gamiṣyāmi kapi īśvara ālayam ||

Ich aber, von unbehinderter Kraft, werde jenen von Rāvaṇa entsandten Heeren, den von wildem Mut Erfüllten, im Kampf begegnen, sie vernichten, und froh zur Wohnstatt des Affenfürsten zurückkehren.

Wort für Wort
aham tu taiḥ samyati caṇḍa vikramaiḥ
ich aber jenen im Kampf, von wildem Mut
sametya rakṣobhiḥ asamga vikramaḥ
begegnend den Rākṣasas, von unbehinderter Kraft
nihatya tat rāvaṇa coditam balam
nachdem ich das von Rāvaṇa entsandte Heer vernichtet habe
sukham gamiṣyāmi kapi īśvara ālayam
werde ich froh zur Wohnstatt des Affenfürsten gehen

tato mārutavat kruddho mārutiḥ bhīma vikramaḥ | ūru vegena mahatā drumān kṣeptum atha ārabhat ||

Da, zornig wie der Sturmwind, begann der Sohn des Windgottes, von furchtbarer Kraft, mit gewaltiger Wucht seiner Schenkel die Bäume niederzureißen.

Wort für Wort
tato mārutavat kruddho
da zornig wie der Sturmwind
mārutiḥ bhīma vikramaḥ
der Sohn des Windgottes, von furchtbarer Kraft
ūru vegena mahatā
mit gewaltiger Wucht der Schenkel
drumān kṣeptum atha ārabhat
begann er, Bäume niederzureißen

tataḥ tadt hanumān vīro babhanja pramadā vanam | matta dvija samāghuṣṭam nānā druma latā yutam ||

Da zerstörte der Held Hanumān jenen Lustgarten, der von berauschten Vögeln widerhallte, reich an mancherlei Bäumen und Schlingpflanzen.

Wort für Wort
tataḥ tat hanumān vīro babhanja
da zerstörte der Held Hanumān jenen
pramadā vanam
Lustgarten
matta dvija samāghuṣṭam
von berauschten Vögeln widerhallend
nānā druma latā yutam
reich an mancherlei Bäumen und Schlingpflanzen

tat vanam mathitaiḥ vṛkṣaiḥ bhinnaiḥ ca salila āśayaiḥ | cūrṇitaiḥ parvata agraiḥ ca babhūva apriya darśanam ||

Jener Garten wurde, mit zerwühlten Bäumen, zerstörten Wasserbecken und zermalmten Berggipfeln, ein unschöner Anblick.

Wort für Wort
tat vanam
jener Garten
mathitaiḥ vṛkṣaiḥ
mit zerwühlten Bäumen
bhinnaiḥ ca salila āśayaiḥ
und zerstörten Wasserbecken
cūrṇitaiḥ parvata agraiḥ ca
und zermalmten Berggipfeln
babhūva apriya darśanam
wurde ein unschöner Anblick

nānāśakuntavirutaiḥ prabhinnaiḥ salilāśayaiḥ | tāmraiḥ kilasayaiḥ klāntaiḥ klāntadrumalatāyitam ||

Vom Geschrei mancherlei Vögel, mit zerstörten Wasserbecken, mit kupferrot verfärbten, erschöpften Fluren, ward der Garten mit ermatteten Bäumen und Schlingpflanzen bedeckt.

Wort für Wort
nānā śakunta virutaiḥ
vom Geschrei mancherlei Vögel
prabhinnaiḥ salila āśayaiḥ
mit zerstörten Wasserbecken
tāmraiḥ kilasayaiḥ klāntaiḥ
mit kupferrot verfärbten, erschöpften Stellen
klānta druma latā yitam
mit ermatteten Bäumen und Schlingpflanzen bedeckt

na babhau tadvanam tatra dāvānalahatam yathā | vyākulāvaraṇā rejurvihvalā iva tā latāḥ ||

Jener Garten glänzte dort nicht mehr, wie von Waldbrand versehrt; verwirrt in ihrer Umhüllung erschienen jene Schlingpflanzen wie verstört.

Wort für Wort
na babhau tadvanam tatra
jener Garten glänzte dort nicht mehr
dāvānalahatam yathā
wie von Waldbrand versehrt
vyākulā āvaraṇā rejuḥ
verwirrt in ihrer Umhüllung erschienen
vihvalā iva tā latāḥ
jene Schlingpflanzen wie verstört

latā gṛhaiḥ citra gṛhaiḥ ca nāśitaiḥ | mahāuragaiḥ vyāla mṛgaiḥ ca nirdhutaiḥ | śilā gṛhaiḥ unmathitaiḥ tathā gṛhaiḥ | pranaṣṭa rūpam tat abhūn mahat vanam ||

Mit zerstörten Lauben aus Schlingpflanzen und bunten Häuschen, mit vertriebenen großen Schlangen und wilden Tieren, mit zerwühlten Felsenhäusern und anderen Bauten, verlor jener große Garten seine Gestalt.

Wort für Wort
latā gṛhaiḥ citra gṛhaiḥ ca nāśitaiḥ
mit zerstörten Schlingpflanzenlauben und bunten Häuschen
mahā uragaiḥ vyāla mṛgaiḥ ca nirdhutaiḥ
mit vertriebenen großen Schlangen und wilden Tieren
śilā gṛhaiḥ unmathitaiḥ tathā gṛhaiḥ
mit zerwühlten Felsenhäusern und anderen Bauten
pranaṣṭa rūpam tat abhūn mahat vanam
verlor jener große Garten seine Gestalt

sāvihvalā.aśokalatāpratānā | vanasthalī śokalatāpratānā | jātā daśāsyapramadāvanasya | kaperbalāddhi pramadāvanasya ||

Verstört, ihrer Aśoka-Rankenpracht beraubt, ward die Waldflur zu einer Flur voll rankender Trauer – so erging es dem Lustgarten des Zehnköpfigen durch die Kraft des Affen.

Wort für Wort
sā vihvalā aśoka latā pratānā
sie, verstört, ihrer Aśoka-Rankenpracht beraubt
vanasthalī śoka latā pratānā
die Waldflur, zu rankender Trauer geworden
jātā daśāsya pramadā vanasya
geworden vom Lustgarten des Zehnköpfigen
kaper balāt hi pramadā vanasya
durch die Kraft des Affen, jenem Lustgarten

sa tasya kṛtvā jagatīpatermahā | nmahat vyalīkam manaso mahātmanaḥ | yuyutsuḥ eko bahubhiḥ mahābalaiḥ | śriyā jvalan toraṇam āśritaḥ kapiḥ ||

Nachdem er dem Herrn der Welt diese große Kränkung seines hochgesinnten Sinnes zugefügt hatte, ergriff der Affe, allein kampfbereit gegen die Vielen von großer Kraft, in Glanz erstrahlend, das Torbogen-Gebäude als Zuflucht.

Wort für Wort
sa tasya kṛtvā jagatī pateḥ mahat
er, nachdem er dem Herrn der Welt eine große getan hatte
mahat vyalīkam manaso mahātmanaḥ
eine große Kränkung seines hochgesinnten Sinnes
yuyutsuḥ eko bahubhiḥ mahābalaiḥ
allein kampfbereit gegen die Vielen von großer Kraft
śriyā jvalan toraṇam āśritaḥ kapiḥ
in Glanz erstrahlend nahm der Affe das Torbogen-Gebäude zur Zuflucht

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