Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Sundarakāṇḍa

Sarga 66: Rāmasya Vilāpaḥ Rāmas Klage

evam ukto hanumatā rāmo daśaratha ātmajaḥ | tam maṇim hṛdaye kṛtvā praruroda salakṣmaṇaḥ ||

So von Hanumān angesprochen, brach Rāma, der Sohn des Daśaratha, jenen Edelstein an sein Herz drückend, zusammen mit Lakṣmaṇa in lautes Weinen aus.

Wort für Wort
evam ukto hanumatā
so von Hanumān angesprochen
rāmo daśaratha ātmajaḥ
Rāma, der Sohn des Daśaratha
tam maṇim hṛdaye kṛtvā
jenen Edelstein an sein Herz drückend
praruroda salakṣmaṇaḥ
brach er in lautes Weinen aus, zusammen mit Lakṣmaṇa

tam tu dṛṣṭvā maṇi śreṣṭham rāghavaḥ śoka karśitaḥ | netrābhyām aśru pūrṇābhyām sugrīvam idam abravīt ||

Jenen vorzüglichen Edelstein erblickend, sprach der von Kummer abgezehrte Nachkomme Raghus mit tränengefüllten Augen zu Sugrīva dieses Wort:

Wort für Wort
tam tu dṛṣṭvā maṇi śreṣṭham
jenen vorzüglichen Edelstein erblickend
rāghavaḥ śoka karśitaḥ
der Nachkomme Raghus, von Kummer abgezehrt
netrābhyām aśru pūrṇābhyām
mit tränengefüllten Augen
sugrīvam idam abravīt
sprach er zu Sugrīva dieses Wort

yathaiva dhenuḥ sravati snehāt vatsasya vatsalā | tathā mama api hṛdayam maṇi ratnasya darśanāt ||

'Wie eine liebevolle Kuh vor Zuneigung zu ihrem Kalb Milch fließen lässt, so fließt auch mein Herz über beim Anblick dieses Juwelensteins.'

Wort für Wort
yathaiva dhenuḥ sravati
wie eine Kuh Milch fließen lässt
snehāt vatsasya vatsalā
aus Zuneigung zu ihrem Kalb, die liebevolle
tathā mama api hṛdayam
so auch mein Herz
maṇi ratnasya darśanāt
beim Anblick dieses Juwelensteins

maṇi ratnam idam dattam vaidehyāḥ śvaśureṇa me | vadhū kāle yathā baddham adhikam mūrdhni śobhate ||

'Dieser Juwelenstein wurde Vaidehī von meinem Schwiegervater gegeben - wie er, zur Zeit ihrer Vermählung angelegt, ganz besonders auf ihrem Scheitel erstrahlte.'

Wort für Wort
maṇi ratnam idam dattam
dieser Juwelenstein wurde gegeben
vaidehyāḥ śvaśureṇa me
Vaidehī von meinem Schwiegervater
vadhū kāle yathā baddham
wie er zur Zeit der Vermählung angelegt
adhikam mūrdhni śobhate
besonders auf dem Scheitel erstrahlte

ayam hi jala sambhūto maṇiḥ pravara pūjitaḥ | yajñe parama tuṣṭena dattaḥ śakreṇa dhīmatā ||

'Denn dieser aus dem Wasser stammende, vorzüglich verehrte Edelstein wurde bei einem Opfer von dem höchst zufriedenen, weisen Śakra gegeben.'

Wort für Wort
ayam hi jala sambhūto
denn dieser aus dem Wasser stammende
maṇiḥ pravara pūjitaḥ
der vorzüglich verehrte Edelstein
yajñe parama tuṣṭena
bei einem Opfer, von dem höchst zufriedenen
dattaḥ śakreṇa dhīmatā
gegeben von dem weisen Śakra

imam dṛṣṭvā maṇi śreṣṭham tathā tātasya darśanam | adya asmi avagataḥ saumya vaidehasya tathā vibhoḥ ||

'Diesen vorzüglichen Edelstein erblickend, ist es mir, als sähe ich meinen Vater; heute bin ich gewiss, Sanfter, auch vom mächtigen König Videhas Erlaubnis erhalten zu haben.'

Wort für Wort
imam dṛṣṭvā maṇi śreṣṭham
diesen vorzüglichen Edelstein erblickend
tathā tātasya darśanam
ist es wie ein Anblick des Vaters
adya asmi avagataḥ saumya
heute bin ich gewiss, Sanfter
vaidehasya tathā vibhoḥ
auch vom mächtigen König Videhas

ayam hi śobhate tasyāḥ priyāyā mūrdhni me maṇiḥ | asya darśanena aham prāptām tām iva cintaye ||

'Denn dieser Edelstein erstrahlte auf dem Haupt meiner Geliebten; bei seinem Anblick denke ich, als hätte ich sie selbst wiedererlangt.'

Wort für Wort
ayam hi śobhate tasyāḥ
denn dieser erstrahlte auf ihrem
priyāyā mūrdhni me maṇiḥ
meiner Geliebten Haupt, dieser Edelstein
asya darśanena aham
bei seinem Anblick ich
prāptām tām iva cintaye
denke ich, sie selbst wiedererlangt zu haben

kim āha sītā vaidehī brūhi saumya punaḥ punaḥ | pipāsum iva toyena sincantī vākya vāriṇā ||

'Was sprach Sītā, die Tochter Videhas? Sag es mir, Sanfter, immer wieder, wie einen Durstigen mit Wasser besprengend, mit dem Wasser deiner Worte.'

Wort für Wort
kim āha sītā vaidehī
was sprach Sītā, die Tochter Videhas
brūhi saumya punaḥ punaḥ
sag es, Sanfter, immer wieder
pipāsum iva toyena
wie einen Durstigen mit Wasser
sincantī vākya vāriṇā
besprengend, mit dem Wasser der Worte

itaḥ tu kim duhkhataram yat imam vāri sambhavam | maṇim paśyāmi saumitre vaidehīm āgatam vinā ||

'Was aber ist schmerzlicher als dies, dass ich diesen aus dem Wasser stammenden Edelstein sehe, o Sohn der Sumitrā, ohne dass Vaidehī selbst gekommen ist?'

Wort für Wort
itaḥ tu kim duhkhataram
was aber ist schmerzlicher als dies
yat imam vāri sambhavam
dass diesen aus dem Wasser stammenden
maṇim paśyāmi saumitre
Edelstein ich sehe, o Sohn der Sumitrā
vaidehīm āgatam vinā
ohne dass Vaidehī gekommen ist

ciram jīvati vaidehī yadi māsam dhariṣyati | kṣaṇam saumya na jīveyam vinā tām asita īkṣaṇām ||

'Lange lebt Vaidehī, wenn sie noch einen Monat aushalten wird; ich aber, Sanfter, würde nicht einen Augenblick ohne sie leben, die Dunkeläugige.'

Wort für Wort
ciram jīvati vaidehī
lange lebt Vaidehī
yadi māsam dhariṣyati
wenn sie einen Monat aushalten wird
kṣaṇam saumya na jīveyam
nicht einen Augenblick würde ich leben, Sanfter
vinā tām asita īkṣaṇām
ohne sie, die Dunkeläugige

naya mām api tam deśam yatra dṛṣṭā mama priyā | na tiṣṭheyam kṣaṇam api pravṛttim upalabhya ca ||

'Führe mich doch an jenen Ort, wo meine Geliebte gesehen wurde; nicht würde ich auch nur einen Augenblick verweilen, nachdem ich diese Nachricht erhalten habe.'

Wort für Wort
naya mām api tam deśam
führe mich doch an jenen Ort
yatra dṛṣṭā mama priyā
wo meine Geliebte gesehen wurde
na tiṣṭheyam kṣaṇam api
nicht würde ich auch nur einen Augenblick verweilen
pravṛttim upalabhya ca
nachdem ich diese Nachricht erhalten habe

katham sā mama suśroṇi bhīru bhīruḥ satī tadā | bhaya āvahānām ghorāṇām madhye tiṣṭhati rakṣasām ||

'Wie steht sie, meine Schönhüftige, die Furchtsame, denn nun inmitten der furchterregenden, grausigen Rākṣasas?'

Wort für Wort
katham sā mama suśroṇi
wie steht sie, meine Schönhüftige
bhīru bhīruḥ satī tadā
die Furchtsame, ängstlich, nun
bhaya āvahānām ghorāṇām
der furchterregenden, grausigen
madhye tiṣṭhati rakṣasām
steht sie inmitten der Rākṣasas

śāradaḥ timira unmukho nūnam candra iva ambudaiḥ | āvṛtam vadanam tasyā na virājati rākṣasaiḥ ||

'Gewiss erstrahlt ihr Antlitz nicht, umhüllt von den Rākṣasas, wie ein herbstlicher, von Dunkelheit befreiter Mond, von Wolken verhüllt.'

Wort für Wort
śāradaḥ timira unmukho
der herbstliche, von Dunkelheit befreite
nūnam candra iva ambudaiḥ
gewiss wie ein Mond, von Wolken
āvṛtam vadanam tasyā
umhülltes Antlitz von ihr
na virājati rākṣasaiḥ
erstrahlt nicht, von den Rākṣasas

kim āha sītā hanuman tattvataḥ kathayasva me | etena khalu jīviṣye bheṣajena āturo yathā ||

'Was sprach Sītā, Hanumān? Berichte es mir wahrheitsgemäß; durch dies allein werde ich leben, wie ein Kranker durch eine Arznei.'

Wort für Wort
kim āha sītā hanuman
was sprach Sītā, Hanumān
tattvataḥ kathayasva me
berichte es mir wahrheitsgemäß
etena khalu jīviṣye
durch dies allein werde ich leben
bheṣajena āturo yathā
wie ein Kranker durch eine Arznei

madhurā madhura ālāpā kim āha mama bhāminī | mat vihīnā varāarohā hanuman kathayasva me ||

'Was sprach meine Geliebte von süßer, lieblicher Rede, die Schönhüftige, von mir getrennt? Berichte es mir, Hanumān.'

Wort für Wort
madhurā madhura ālāpā
von süßer, lieblicher Rede
kim āha mama bhāminī
was sprach meine Geliebte
mat vihīnā varāarohā
von mir getrennt, die Schönhüftige
hanuman kathayasva me
berichte es mir, Hanumān

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