Rāmāyaṇa · Sundarakāṇḍa
Sarga 26: Sītāyā Vilāpaḥ
Sītās Wehklage
prasaktāśrumukhī tvevaṃ bruvatī janakātmajā |
adhogatamukhī bālā vilaptumupacakrame ||
Mit stets tränenüberströmtem Gesicht, so sprechend, begann die Tochter Janakas, das Antlitz gesenkt, die junge Frau, zu klagen.
Wort für Wort prasakta-aśru-mukhī mit stets tränenüberströmtem Gesicht evam bruvatī so sprechend janaka-ātmajā die Tochter Janakas adhogata-mukhī bālā die junge Frau, das Antlitz gesenkt vilaptum upacakrame begann zu klagen unmatteva pramatteva bhrāntacitteva śocatī |
upāvṛttā kiśorīva viveṣṭantī mahītale ||
Wie eine Verwirrte, wie eine Betörte, wie eine im Geiste Verstörte klagend, wälzte sie sich wie ein junges Reh auf dem Erdboden.
Wort für Wort unmattā iva wie eine Verwirrte pramattā iva wie eine Betörte bhrānta-cittā iva śocatī wie eine im Geiste Verstörte, klagend upāvṛttā kiśorī iva wie ein zurückweichendes junges Reh viveṣṭantī mahītale sich wälzend auf dem Erdboden rāghavasya pramattasya rakṣasā kāmarūpiṇā |
rāvaṇena pramathyāhamānītā krośatī balāt ||
Während der Rāghava-Sohn unachtsam war, ward ich von dem gestaltwandelnden Rākṣasa Rāvaṇa mit Gewalt geraubt und schreiend hierher gebracht.
Wort für Wort rāghavasya pramattasya während der Rāghava unachtsam war rakṣasā kāma-rūpiṇā rāvaṇena von dem gestaltwandelnden Rākṣasa Rāvaṇa pramathya gewaltsam raubend aham ānītā krośatī balāt ich, schreiend, ward mit Gewalt gebracht rākṣasīvaśamāpannā bhartsyamānā sudāruṇam |
cintayantī suduḥkhārtā nāhaṃ jīvitumutsahe ||
In die Gewalt der Rākṣasīs geraten, aufs furchtbarste bedroht, sinnend, von tiefem Schmerz gequält, vermag ich nicht mehr zu leben.
Wort für Wort rākṣasī-vaśam āpannā in die Gewalt der Rākṣasīs geraten bhartsyamānā su-dāruṇam aufs furchtbarste bedroht cintayantī su-duḥkha-ārtā sinnend, von tiefem Schmerz gequält na aham jīvitum utsahe ich vermag nicht zu leben na hi me jīvite nārtho nai vārthairna ca bhūṣaṇaiḥ |
vasantyā rākṣasīmadhye vinā rāmaṃ mahāratham ||
Denn weder am Leben noch an Reichtum noch an Schmuck habe ich Verlangen, da ich inmitten der Rākṣasīs weile, ohne den großen Wagenkämpfer Rāma.
Wort für Wort na hi me jīvite arthaḥ denn nicht habe ich Verlangen am Leben na vā arthaiḥ na ca bhūṣaṇaiḥ noch an Reichtum noch an Schmuck vasantyā rākṣasī-madhye weilend inmitten der Rākṣasīs vinā rāmam mahā-ratham ohne Rāma, den großen Wagenkämpfer aśmasāramidaṃ nūnathavāpyajarāmaram |
hṛdayaṃ mama yenedaṃ na duḥkhenāvaśīryate ||
Wahrlich, aus Stein muss dieses mein Herz sein, oder unvergänglich und unsterblich, da es durch solchen Schmerz nicht zerbricht.
Wort für Wort aśma-sāram idam nūnam aus Stein ist dies gewiss athavā api ajara-amaram oder auch unvergänglich, unsterblich hṛdayam mama mein Herz yena idam na duḥkhena avaśīryate durch das es nicht vor Schmerz zerbricht dhiṅmāmanāryāmasatīṃ yāhaṃ tena vinā kṛtā |
muhūrtamapi rakṣāmi jīvitaṃ pāpajīvitā ||
Schande über mich, die Unedle, Untreue, die ich, von ihm getrennt, auch nur einen Augenblick mein sündiges Leben bewahre.
Wort für Wort dhik mām anāryām asatīm Schande über mich, die Unedle, Untreue yā aham tena vinā kṛtā die ich, von ihm getrennt gemacht muhūrtam api rakṣāmi jīvitam auch nur einen Augenblick bewahre ich das Leben pāpa-jīvitā mit sündigem Leben kā ca me jīvite śraddhā sukhe vā taṃ priyaṃ vinā |
bhartāraṃ sāgarāntāyā vasudhāyāḥ priyaṃvadam ||
Welch Vertrauen habe ich noch zum Leben oder zum Glück, ohne jenen geliebten, freundlich redenden Gemahl der bis zum Meer reichenden Erde?
Wort für Wort kā ca me jīvite śraddhā welch Vertrauen habe ich noch zum Leben sukhe vā oder zum Glück tam priyam vinā ohne jenen Geliebten bhartāram sāgara-antāyā vasudhāyāḥ priyaṃ-vadam den freundlich redenden Gemahl der bis zum Meer reichenden Erde bhidyatāṃ bhakṣyatāṃ vāpi śarīraṃ visṛjāmyaham |
na cāpyahaṃ ciraṃ kuḥkhaṃ saheyaṃ priyavarjitā ||
Mag mein Leib zerschnitten oder gefressen werden – ich gebe ihn preis; doch werde ich nicht lange dieses Leid ertragen, des Geliebten beraubt.
Wort für Wort bhidyatām bhakṣyatām vā api śarīram mag der Leib zerschnitten oder gefressen werden visṛjāmi aham ich gebe ihn preis na ca api aham ciram duḥkham saheyam und ich werde das Leid nicht lange ertragen priya-varjitā des Geliebten beraubt caraṇenāpi savyena na spṛśeyaṃ niśācaram |
rāvaṇaṃ kiṃ punarahaṃ kāvayeyaṃ vigarhatam ||
Nicht einmal mit dem linken Fuß würde ich den Nachtwandler berühren – wie sollte ich dann den verabscheuungswürdigen Rāvaṇa gar begehren?
Wort für Wort caraṇena api savyena selbst mit dem linken Fuß na spṛśeyam niśā-caram würde ich den Nachtwandler nicht berühren kim punaḥ aham wie viel weniger würde ich rāvaṇam vigarhatam kāmayeyam den verabscheuungswürdigen Rāvaṇa begehren pratyākhyātaṃ na jānāti nātmānaṃ nātmanaḥ kulam |
yo nṛśaṃsasvabhāvena māṃ prārthayitumicchati ||
Er weiß nicht, dass er zurückgewiesen ist, nicht sich selbst, nicht seiner Familie Wesen, der von grausamer Natur mich zu begehren wünscht.
Wort für Wort pratyākhyātam na jānāti er weiß die Zurückweisung nicht na ātmānam na ātmanaḥ kulam weder sich selbst noch seiner Familie Wesen yaḥ nṛśaṃsa-sva-bhāvena der von grausamer Natur mām prārthayitum icchati mich zu begehren wünscht cinnā bhinnā vibhaktā vā dīptevāgnau pradīpitā |
rāvaṇaṃ nopatiṣṭheyaṃ kiṃ pralāpena vaściram ||
Zerschnitten, zerteilt, zerstückelt, oder ins lodernde Feuer geworfen – ich würde Rāvaṇa nicht zu Diensten sein; was nützt langes Gerede?
Wort für Wort chinnā bhinnā vibhaktā vā zerschnitten, zerteilt, zerstückelt dīptā iva agnau pradīpitā oder ins lodernde Feuer geworfen rāvaṇam na upatiṣṭheyam ich würde Rāvaṇa nicht zu Diensten sein kim pralāpena ciram was nützt langes Gerede khyātaḥ prājñaḥ kṛtajñśaśca rāghavaḥ sadvṛtto niranukrośaḥ śaṅke madbhāgyasaṃkṣayāt ||
Berühmt, weise und dankbar, von gutem Wandel ist der Rāghava – doch ohne Mitleid, so vermute ich, durch den Verfall meines Glücks.
Wort für Wort khyātaḥ prājñaḥ kṛtajñaḥ ca rāghavaḥ berühmt, weise, dankbar ist der Rāghava sat-vṛttaḥ von gutem Wandel niranukrośaḥ śaṅke ohne Mitleid, vermute ich mad-bhāgya-saṃkṣayāt durch den Verfall meines Glücks rākṣasānāṃ sahasrāṇi janasthāne caturdaśa |
yenaikena nirastāni sa māṃ kiṃ nābhipadyate ||
Vierzehntausend Rākṣasas hat er allein in Janasthāna vernichtet – warum erreicht er mich dann nicht?
Wort für Wort rākṣasānām sahasrāṇi caturdaśa vierzehntausend Rākṣasas janasthāne in Janasthāna yena ekena nirastāni von ihm allein vernichtet sa mām kim na abhipadyate warum erreicht er mich nicht niruddhā rāvaṇenāhamalpavīryeṇa rakṣasā |
samarthaḥ khalu me bhartā rāvaṇaṃ hantumāhave ||
Ich bin von Rāvaṇa, diesem Rākṣasa geringer Kraft, gefangen gehalten; doch mein Gemahl ist fürwahr fähig, Rāvaṇa im Kampf zu töten.
Wort für Wort niruddhā rāvaṇena aham ich bin von Rāvaṇa gefangen gehalten alpa-vīryeṇa rakṣasā von diesem Rākṣasa geringer Kraft samarthaḥ khalu me bhartā fürwahr fähig ist mein Gemahl rāvaṇam hantum āhave Rāvaṇa im Kampf zu töten virādho daṇḍakāraṇye yena rākṣasapuṅgavaḥ |
raṇe rāmeṇa nihataḥ sa māṃ kiṃ nābhipadyate ||
Virādha, der Stier unter den Rākṣasas, ward im Daṇḍaka-Wald von Rāma im Kampf erschlagen – warum erreicht er mich dann nicht?
Wort für Wort virādhaḥ daṇḍaka-araṇye Virādha im Daṇḍaka-Wald rākṣasa-puṅgavaḥ der Stier unter den Rākṣasas raṇe rāmeṇa nihataḥ im Kampf von Rāma erschlagen sa mām kim na abhipadyate warum erreicht er mich nicht kāmaṃ madhye samudrasya laṅkeyaṃ duṣpradharṣaṇā |
na tu rāghavabāṇānāṃ gatirodho bhaviṣyati ||
Mag Laṅkā auch mitten im Meer, schwer angreifbar, liegen – doch wird es den Pfeilen des Rāghava keinen Weg versperren.
Wort für Wort kāmam madhye samudrasya mag es auch mitten im Meer liegen laṅkā iyam duṣpradharṣaṇā dieses Laṅkā, schwer angreifbar na tu rāghava-bāṇānām doch nicht den Pfeilen des Rāghava gati-rodhaḥ bhaviṣyati wird ein Wegversperren sein kiṃ nu tatkāraṇaṃ yena rāmo dṛḍhaparākramaḥ |
rakṣasāpahṛtāṃ bhāryāmiṣṭāṃ nābhyavapadyate ||
Was ist der Grund, weshalb Rāma, von festem Mut, seine vom Rākṣasa geraubte, geliebte Gattin nicht erreicht?
Wort für Wort kim nu tat kāraṇam was ist wohl der Grund yena rāmaḥ dṛḍha-parākramaḥ weshalb Rāma, von festem Mut rakṣasā apahṛtām bhāryām iṣṭām die vom Rākṣasa geraubte, geliebte Gattin na abhyavapadyate nicht erreicht ihasthāṃ māṃ na jānīte śaṅke lakṣmaṇapūrvajaḥ |
jānannapi sa tejasvī dharṣaṇaṃ marṣayiṣyati ||
Ich vermute, der ältere Bruder Lakṣmaṇas weiß nicht, dass ich hier weile; wüsste er es, würde der Glanzvolle diese Kränkung nicht dulden.
Wort für Wort iha-sthām mām na jānīte er weiß nicht, dass ich hier weile śaṅke lakṣmaṇa-pūrvajaḥ vermute ich, der ältere Bruder Lakṣmaṇas jānan api sa tejasvī auch wenn er es wüsste, der Glanzvolle dharṣaṇam na marṣayiṣyati würde er die Kränkung nicht dulden hṛteti yo.adhigatvā māṃ rāghavāya nivedayet |
gṛdhrārajo.api sa raṇe rāvaṇena nipātitaḥ ||
Wer, erfahrend, dass ich geraubt sei, es dem Rāghava melden würde – auch der König der Geier ward im Kampf von Rāvaṇa gefällt.
Wort für Wort hṛtā iti yaḥ adhigatvā wer, erfahrend, 'sie ist geraubt' mām rāghavāya nivedayet es dem Rāghava melden würde gṛdhra-rājaḥ api auch der König der Geier sa raṇe rāvaṇena nipātitaḥ er ward im Kampf von Rāvaṇa gefällt kṛtaṃ karma mahattena māṃ tathābhyavapadyatā |
tiṣṭhatā rāvaṇadvandve vṛddhenāpi jaṭāyuṣā ||
Eine große Tat vollbrachte jener, indem er mir so beistand, im Zweikampf mit Rāvaṇa standhaltend, obwohl er, Jaṭāyus, schon alt war.
Wort für Wort kṛtam karma mahat tena eine große Tat vollbrachte jener mām tathā abhyavapadyatā der mir so beistand tiṣṭhatā rāvaṇa-dvandve im Zweikampf mit Rāvaṇa standhaltend vṛddhena api jaṭāyuṣā obwohl er, Jaṭāyus, alt war yadi māmiha jānīyādvartamānāṃ sa rāghavaḥ |
adya bāṇairabhikruddhaḥ kuryāllokamarākṣasam ||
Wüsste der Rāghava, dass ich hier weile, würde er noch heute, von Zorn entbrannt, mit seinen Pfeilen die Welt von Rākṣasas befreien.
Wort für Wort yadi mām iha jānīyāt vartamānām wenn er wüsste, dass ich hier weile sa rāghavaḥ jener Rāghava adya bāṇaiḥ abhikruddhaḥ noch heute, von Zorn entbrannt, mit Pfeilen kuryāt lokam arākṣasam würde er die Welt frei von Rākṣasas machen vidhamecca purīṃ laṅkāṃ śoṣayecca mahodadhim |
rāvaṇasya ca nīcasya kīrtiṃ nāma ca nāśayet ||
Er würde die Stadt Laṅkā zerstören und das große Meer austrocknen, und des niederträchtigen Rāvaṇa Ruhm und Namen vernichten.
Wort für Wort vidhamet ca purīm laṅkām er würde die Stadt Laṅkā zerstören śoṣayet ca mahā-udadhim und das große Meer austrocknen rāvaṇasya ca nīcasya und des niederträchtigen Rāvaṇa kīrtim nāma ca nāśayet Ruhm und Namen vernichten tato nihatanāthānāṃ rākṣasīnāṃ gṛhe gṛhe |
yathāhamevaṃ rudatī tathā bhuyo na saṃśayaḥ ||
Dann würde in jedem Haus der Rākṣasīs, deren Herren erschlagen sind, ebenso geweint werden wie ich jetzt weine – daran ist kein Zweifel.
Wort für Wort tataḥ nihata-nāthānām rākṣasīnām dann, der Rākṣasīs, deren Herren erschlagen sind gṛhe gṛhe in jedem Haus yathā aham evam rudatī wie ich so weine tathā bhūyaḥ na saṃśayaḥ so ebenso, ohne Zweifel anviṣya rakṣasāṃ laṅkāṃ kuryādrāmaḥ salakṣmaṇaḥ |
na hi tābhyāṃ ripurdṛṣṭo muhūrtamapi jīvati ||
Rāma würde mit Lakṣmaṇa Laṅkā, der Rākṣasas Stadt, durchsuchen – denn kein von ihnen beiden erblickter Feind lebt auch nur einen Augenblick.
Wort für Wort anviṣya rakṣasām laṅkām durchsuchend Laṅkā, der Rākṣasas Stadt kuryāt rāmaḥ sa-lakṣmaṇaḥ würde Rāma mit Lakṣmaṇa tun na hi tābhyām ripuḥ dṛṣṭaḥ denn kein von ihnen beiden erblickter Feind muhūrtam api jīvati lebt auch nur einen Augenblick citādhumākulapathā gṛdhramaṇḍalasaṃkulā |
acireṇa tu laṅkeyaṃ śmaśānasadṛśī bhavet ||
Von Scheiterhaufenrauch verhangene Wege, von Geierschwärmen erfüllt – bald schon würde dieses Laṅkā einem Leichenfeld gleichen.
Wort für Wort citā-dhūma-ākula-pathā mit von Scheiterhaufenrauch verhangenen Wegen gṛdhra-maṇḍala-saṃkulā von Geierschwärmen erfüllt acireṇa tu laṅkā iyam bald schon würde dieses Laṅkā śmaśāna-sadṛśī bhavet einem Leichenfeld gleichen acireṇaiva kālena prāpsyāmyeva manoratham |
duṣprasthāno.ayamākhyāti sarveṣām vo viparyayam ||
In kurzer Zeit werde ich gewiss mein Herzensziel erlangen – dieser üble Aufbruch kündet euch allen den Umschwung an.
Wort für Wort acireṇa eva kālena in kurzer Zeit prāpsyāmi eva manoratham werde ich gewiss mein Herzensziel erlangen duṣprasthānaḥ ayam dieser üble Aufbruch ākhyāti sarveṣām vaḥ viparyayam kündet euch allen den Umschwung an yādṛśānīha dṛśente laṅkāyāmaśubhāni vai |
acireṇaiva kālena bhaviṣyati hataprabhā ||
So wie hier in Laṅkā üble Vorzeichen sichtbar sind, so wird es in kurzer Zeit seines Glanzes beraubt sein.
Wort für Wort yādṛśāni iha dṛśyante was für welche hier sichtbar sind laṅkāyām aśubhāni vai in Laṅkā üble Vorzeichen acireṇa eva kālena in kurzer Zeit bhaviṣyati hata-prabhā wird es glanzlos sein nūnaṃ laṅkā hate pāpe rāvaṇe rākṣasādhame |
śoṣaṃ yāsyati durdharṣā pramadā vidhava yathā ||
Gewiss wird Laṅkā, wenn der sündige Rāvaṇa, der niederträchtigste der Rākṣasas, erschlagen ist, verdorren wie eine unbezwingbare, nun verwitwete junge Frau.
Wort für Wort nūnam laṅkā gewiss wird Laṅkā hate pāpe rāvaṇe rākṣasa-adhame wenn der sündige, niederträchtigste Rāvaṇa erschlagen ist śoṣam yāsyati verdorren durdharṣā pramadā vidhavā yathā wie eine unbezwingbare, verwitwete junge Frau puṇyotsava samṛddhā ca naṣṭabharrtī sarākṣasī |
bhaviṣyati purī laṅkā naṣṭabhartrī yathāṅganā ||
Die Stadt Laṅkā, reich an frommen Festen, samt ihren Rākṣasas, wird ihres Herrn beraubt sein, wie eine Frau, die ihren Gatten verloren hat.
Wort für Wort puṇya-utsava-samṛddhā ca reich an frommen Festen sa-rākṣasī samt ihren Rākṣasas bhaviṣyati purī laṅkā naṣṭa-bhartṛkā wird die Stadt Laṅkā ihres Herrn beraubt sein naṣṭa-bhartrī yathā aṅganā wie eine Frau, die ihren Gatten verloren hat nūnaṃ rākṣasakanyānāṃ rudantīnāṃ gṛhe gṛhe |
śroṣyāmi nacirādeva duḥkhārtānāmiha dhvanim ||
Gewiss werde ich bald in jedem Haus das Wehklagen der weinenden, schmerzgequälten Rākṣasa-Töchter hier vernehmen.
Wort für Wort nūnam rākṣasa-kanyānām rudantīnām gewiss der weinenden Rākṣasa-Töchter gṛhe gṛhe in jedem Haus śroṣyāmi na cirāt eva werde ich bald vernehmen duḥkha-ārtānām iha dhvanim hier den Klageton der Schmerzgequälten sāndhakārā hatadyotā hatarākṣasapuṅgavā |
bhaviṣyati purī laṅkā nirdagdhā rāmasāyakaiḥ ||
In Finsternis gehüllt, ihres Lichtes beraubt, ihrer besten Rākṣasas beraubt, wird die Stadt Laṅkā von Rāmas Pfeilen verbrannt sein.
Wort für Wort sa-andhakārā hata-dyotā in Finsternis gehüllt, des Lichtes beraubt hata-rākṣasa-puṅgavā ihrer besten Rākṣasas beraubt bhaviṣyati purī laṅkā wird die Stadt Laṅkā sein nirdagdhā rāma-sāyakaiḥ verbrannt von Rāmas Pfeilen yadi nāma sa śūro māṃ rāmo raktāntālocanaḥ |
jānīyadvartamānāṃ hi rāvaṇasya niveśane ||
Wenn nur jener Held Rāma, dessen Augen an den Winkeln gerötet sind, wüsste, dass ich in Rāvaṇas Wohnstatt weile.
Wort für Wort yadi nāma sa śūraḥ wenn nur jener Held mām rāmaḥ rakta-anta-locanaḥ Rāma, dessen Augenwinkel gerötet sind, um mich jānīyāt vartamānām hi wüsste, dass ich weile rāvaṇasya niveśane in Rāvaṇas Wohnstatt anena tu nṛśaṃsena rāvaṇenādhamena me |
samayo yastu nirdiṣṭastasya kālo.ayamāgataḥ ||
Doch von diesem grausamen, niedrigsten Rāvaṇa: die Frist, die mir gesetzt wurde – ihre Zeit ist nun gekommen.
Wort für Wort anena tu nṛśaṃsena doch von diesem grausamen rāvaṇena adhamena me von diesem niedrigsten Rāvaṇa mir samayaḥ yaḥ tu nirdiṣṭaḥ die Frist, die gesetzt wurde tasya kālaḥ ayam āgataḥ ihre Zeit ist nun gekommen sa ca me vihito mṛtyurasmin duṣṭe na vartate |
akāryaṃ ye na jānanti nairṛtāḥ pāpakāriṇaḥ ||
Und doch tritt der mir bestimmte Tod inmitten dieses Bösewichts nicht ein; jene Rākṣasas, die Übeltäter, wissen nicht, was untunlich ist.
Wort für Wort sa ca me vihitaḥ mṛtyuḥ und doch der mir bestimmte Tod asmin duṣṭe na vartate tritt bei diesem Bösewicht nicht ein akāryam ye na jānanti die, die nicht wissen, was untunlich ist nairṛtāḥ pāpa-kāriṇaḥ die Rākṣasas, die Übeltäter adharmāttu mahotpāto bhaviṣyati hi sāṃpratam |
naite dharmaṃ vijānanti rākṣasāḥ piśitāśanāḥ ||
Durch solches Unrecht wird gewiss bald ein großes Unheil geschehen; denn diese fleischfressenden Rākṣasas kennen die Rechtschaffenheit nicht.
Wort für Wort adharmāt tu mahā-utpātaḥ durch das Unrecht ein großes Unheil bhaviṣyati hi sāṃpratam wird gewiss bald geschehen na ete dharmam vijānanti diese kennen die Rechtschaffenheit nicht rākṣasāḥ piśita-aśanāḥ die fleischfressenden Rākṣasas dhruvaṃ māṃ prātarāśārthe rākṣasaḥ kalpayisyati |
sāhaṃ kathaṃ kariṣyāmi taṃ vinā priyadarśanam |
rāmam raktāntanayanamapaśyantī sukuḥkhitā ||
Gewiss wird der Rākṣasa mich zu seinem Frühmahl bestimmen; wie soll ich, tief betrübt, ohne jenen lieblich anzuschauenden, rotäugigen Rāma zu erblicken, weiterleben?
Wort für Wort dhruvam mām prātar-āśa-arthe gewiss mich, zum Zweck des Frühmahls rākṣasaḥ kalpayiṣyati wird der Rākṣasa bestimmen sā aham katham kariṣyāmi wie soll ich das ertragen tam vinā priya-darśanam ohne jenen lieblich anzuschauenden rāmam rakta-anta-nayanam apaśyantī su-duḥkhitā Rāma, den rotäugigen, nicht erblickend, tief betrübt yadi kaścit pradātā me viṣasyādya bhavediha |
kṣipraṃ vaivasvataṃ devaṃ paśyeyaṃ patinā vinā ||
Wenn mir hier nur jemand heute Gift reichen wollte, würde ich bald den Gott Vaivasvata sehen, ohne meinen Gemahl.
Wort für Wort yadi kaścit pradātā me wenn mir jemand ein Geber viṣasya adya bhavet iha des Giftes heute hier wäre kṣipram vaivasvatam devam paśyeyam würde ich bald den Gott Vaivasvata (Yama) sehen patinā vinā ohne meinen Gemahl nājānājjivatīṃ rāmaḥ sa māṃ lakṣmaṇapūrvajaḥ |
jānantau tau na kuryātāṃ noryvāṃ hi mama mārgaṇam ||
Rāma, der ältere Bruder Lakṣmaṇas, weiß nicht, dass ich lebe; wüssten sie beide es, würden sie nicht säumen, nach mir zu suchen.
Wort für Wort na ājānāt jīvatīm rāmaḥ Rāma weiß nicht, dass ich lebe sa mām lakṣmaṇa-pūrvajaḥ jener ältere Bruder Lakṣmaṇas, mich jānantau tau na kuryātām na uryam wüssten sie beide es, würden sie nicht säumen hi mama mārgaṇam nach mir zu suchen nūnaṃ mamaiva śokena sa vīro lakṣmaṇāgrajaḥ |
devalokamito yātastyaktvā dehaṃ mahītale ||
Gewiss ist, aus Kummer über mich, jener Held, der ältere Bruder Lakṣmaṇas, seinen Leib auf Erden verlassend, in die Götterwelt gegangen.
Wort für Wort nūnam mama eva śokena gewiss aus Kummer über mich allein sa vīraḥ lakṣmaṇa-agrajaḥ jener Held, der ältere Bruder Lakṣmaṇas deva-lokam itaḥ yātaḥ ist von hier in die Götterwelt gegangen tyaktvā deham mahītale seinen Leib auf Erden verlassend dhanyā devāh sagandharvāḥ siddhāśca paramarṣayaḥ |
mama paśyanti ye nāthaṃ rāmaṃ rājīvalocanam ||
Glücklich sind die Götter samt den Gandharvas, die Siddhas und die höchsten Weisen, die meinen Herrn Rāma, den lotusäugigen, erblicken.
Wort für Wort dhanyāḥ devāḥ sa-gandharvāḥ glücklich die Götter samt den Gandharvas siddhāḥ ca parama-ṛṣayaḥ und die Siddhas, die höchsten Weisen mama paśyanti ye nātham die meinen Herrn erblicken rāmam rājīva-locanam Rāma, den lotusäugigen athavā na hi tasyārtho dharmakāmasya dhīmataḥ |
mayā rāmasya rājarṣerbhāryayā paramātmanaḥ ||
Oder aber: er, der weise, nach Recht und Wunsch handelnde königliche Weise, der höchste Seelenvolle, hat wohl kein Verlangen mehr nach mir als seiner Gattin.
Wort für Wort athavā na hi tasya arthaḥ oder aber, er hat kein Verlangen mehr dharma-kāmasya dhīmataḥ des weisen, nach Recht Verlangenden mayā rāmasya rājarṣeḥ bhāryayā nach mir, des königlichen Weisen Rāma Gattin parama-ātmanaḥ des höchsten Seelenvollen dṛśyamāne bhavetprītiḥ sauhṛdaṃ nāstyapaśyataḥ |
nāśayanti kṛtaghnāstu na rāmo nāśayiṣyati ||
Beim Anblick entsteht Zuneigung, ohne Anblick keine Freundschaft mehr; doch nur die Undankbaren lassen sie schwinden – Rāma wird sie nicht schwinden lassen.
Wort für Wort dṛśyamāne bhavet prītiḥ beim Anblick entsteht Zuneigung sauhṛdam na asti apaśyataḥ ohne Anblick besteht keine Freundschaft nāśayanti kṛtaghnāḥ tu doch nur die Undankbaren lassen sie schwinden na rāmaḥ nāśayiṣyati Rāma wird sie nicht schwinden lassen kiṃ nu me na guṇāḥ kecitkiṃ vā bhāgyakṣayo mama |
yāhaṃ sīdāmi rāmeṇa hīnā mukhyena bhāminī ||
Fehlt es mir wohl an irgendwelchen Tugenden, oder ist es der Verfall meines Glücks, dass ich, die schöne Frau, von dem vortrefflichen Rāma getrennt, dahinsieche?
Wort für Wort kim nu me na guṇāḥ kecit fehlt es mir wohl an irgendwelchen Tugenden kim vā bhāgya-kṣayaḥ mama oder ist es der Verfall meines Glücks yā aham sīdāmi dass ich dahinsieche rāmeṇa hīnā mukhyena bhāminī von dem vortrefflichen Rāma getrennt, die schöne Frau śreyo hi jīvitānmartuṃ vihīnāyā mahātmanaḥ |
rāmādakliṣṭacāritrācchūrācchatrunibarhaṇāt ||
Besser wäre es fürwahr zu sterben für die, die von jenem hochgesinnten, in seinem Wandel unbefleckten, heldenhaften, die Feinde vernichtenden Rāma getrennt ist.
Wort für Wort śreyaḥ hi jīvitāt martum besser wäre fürwahr zu sterben als zu leben vihīnāyāḥ mahātmanaḥ für die Getrennte von jenem Hochgesinnten rāmāt akliṣṭa-cāritrāt von Rāma, unbefleckten Wandels śūrāt śatru-nibarhaṇāt dem Helden, dem Feindevernichter athavā nyastaśastrau tau vane mūlaphalāśinau |
bhrātarau hi naraśreṣṭhau saṃvṛttau vanagocarau ||
Oder aber: jene beiden Brüder, die Besten der Männer, haben, die Waffen niedergelegt, im Wald wandelnd, sich von Wurzeln und Früchten nährend, sich ganz dem Waldleben zugewandt.
Wort für Wort athavā nyasta-śastrau tau oder aber jene beiden, die Waffen niedergelegt vane mūla-phala-aśinau im Wald, sich von Wurzeln und Früchten nährend bhrātarau hi nara-śreṣṭhau die beiden Brüder, die Besten der Männer saṃvṛttau vana-gocarau sind ganz dem Waldleben zugewandt athavā rākṣasendreṇa rāvaṇena durātmanā |
chadmanā ghātitau śūrau bhrātarau rāmalakṣmaṇau ||
Oder aber: die beiden heldenhaften Brüder Rāma und Lakṣmaṇa wurden von dem bösgesinnten Herrn der Rākṣasas, Rāvaṇa, durch Hinterlist getötet.
Wort für Wort athavā rākṣasa-indreṇa oder aber von dem Herrn der Rākṣasas rāvaṇena durātmanā von dem bösgesinnten Rāvaṇa chadmanā ghātitau śūrau durch Hinterlist getötet, die beiden Helden bhrātarau rāma-lakṣmaṇau die Brüder Rāma und Lakṣmaṇa sāhamevaṃgate kāle martumicchāmi sarvathā |
na ca me vihito mṛtyurasmin duḥkhe.api vartate ||
So, da die Zeit derart vergangen ist, wünsche ich gänzlich zu sterben; doch der mir bestimmte Tod tritt selbst in diesem Leid nicht ein.
Wort für Wort sā aham evam gate kāle so, da die Zeit derart vergangen ist martum icchāmi sarvathā wünsche ich gänzlich zu sterben na ca me vihitaḥ mṛtyuḥ doch der mir bestimmte Tod asmin duḥkhe api vartate tritt selbst in diesem Leid nicht ein dhanyāḥ khalu mahātmāno munayastyaktakilbiṣāḥ |
jitātmano mahābhāgā yeṣāṃ na staḥ priyāpriye ||
Glücklich fürwahr sind die hochgesinnten Weisen, von Schuld befreit, selbstbezwungen, hochgesegnet, denen Liebes und Unliebes gleich gelten.
Wort für Wort dhanyāḥ khalu mahātmānaḥ munayaḥ glücklich fürwahr die hochgesinnten Weisen tyakta-kilbiṣāḥ von Schuld befreit jita-ātmanaḥ mahā-bhāgāḥ selbstbezwungen, hochgesegnet yeṣām na staḥ priya-apriye denen Liebes und Unliebes nicht gelten priyānna saṃbhavedduḥkhamapriyādadhikaṃ bhayam |
tābhyāṃ hi ye viyujyante namasteṣāṃ mahātmanām ||
Aus Liebem entsteht kein Leid, aus Unliebem keine größere Furcht mehr – Verehrung jenen hochgesinnten Seelen, die von beidem frei sind.
Wort für Wort priyāt na saṃbhavet duḥkham aus Liebem entsteht kein Leid apriyāt adhikam bhayam aus Unliebem keine größere Furcht tābhyām hi ye viyujyante denen, die von beidem frei sind namaḥ teṣām mahātmanām Verehrung jenen hochgesinnten Seelen sāhaṃtyuktā priyeṇaiva rāmena viditātmanā |
prāṇāṃstyakṣyāmi pāpasya rāvanasya gatā vaśam ||
So, von meinem geliebten, seelenkundigen Rāma verlassen, werde ich, in die Gewalt des sündigen Rāvaṇa geraten, mein Leben lassen.
Wort für Wort sā aham tu uktā so, ich, verlassen priyeṇa eva rāmeṇa vidita-ātmanā von dem geliebten, seelenkundigen Rāma prāṇān tyakṣyāmi werde ich mein Leben lassen pāpasya rāvaṇasya gatā vaśam in die Gewalt des sündigen Rāvaṇa geraten
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