Kapitel 21: duryodhanaparākramo dvandvayuddhāni ca
Duryodhanas Heldentat gegen die Pāṇḍavas und die Zweikämpfe am Mittag
Saṃjaya schildert Dhṛtarāṣṭra, wie Duryodhana allein den vereinten Pāṇḍavas standhält; danach lösen sich die Kämpfe in Einzelduelle auf, bis der Staub der Schlacht sich legt und im Mittagslicht die Zweikämpfe sichtbar werden.
[war] ein schwer zu bändigender Mann gegenüber den Pāṇḍavas, o Bhārata,
Wort für Wort
durdharaḥ
schwer zu bändigen, unbezwinglich (Nom.Sg.m.)
sa pumān kaś cit
er, ein Mann, irgendein [?] (Nom.Sg.)
pāṇḍavān prati
gegenüber den Pāṇḍavas (Akk.Pl. + Postposition)
bhārata
o Bhārata (Vok.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; der Text ist knapp, der Bezug von „kaś cit“ (irgendein / gewisser) unsicher.
na ca so 'sti pumān kaś cit pāṇḍavānāṃ mahāhave; hayo gajo ratho vāpi yo 'sya bāṇair avikṣataḥ
Und es gab unter den Pāṇḍavas in der großen Schlacht keinen einzigen Mann, kein Pferd, keinen Elefanten und keinen Wagen, der von seinen Pfeilen nicht verwundet worden wäre.
Wort für Wort
na ca so 'sti pumān kaś cit
und es gibt nicht irgendeinen Mann (3.Sg.Präs. / Nom.Sg.)
pāṇḍavānāṃ mahāhave
unter den Pāṇḍavas in der großen Schlacht (Gen.Pl. / Lok.Sg.)
hayo gajo ratho vāpi
Pferd, Elefant oder auch Wagen (Nom.Sg.)
yo 'sya bāṇair
der von seinen Pfeilen (Rel.Nom.Sg. / Gen.Sg. / Instr.Pl.)
nakulaṃ ca catuḥṣaṣṭyā dhṛṣṭadyumnaṃ ca pañcabhiḥ; saptabhir draupadeyāṃś ca tribhir vivyādha sātyakim; dhanuś ciccheda bhallena sahadevasya māriṣa
Nakula mit vierundsechzig, Dhṛṣṭadyumna mit fünf; die Draupadī-Söhne mit je sieben und Sātyaki mit drei durchbohrte er; und mit einem Breitpfeil zerschnitt er Sahadevas Bogen, o Ehrwürdiger.
Wort für Wort
nakulaṃ ca catuḥṣaṣṭyā
und Nakula mit vierundsechzig (Akk.Sg. / Instr.Sg.)
dhṛṣṭadyumnaṃ ca pañcabhiḥ
und Dhṛṣṭadyumna mit fünf (Akk.Sg. / Instr.Pl.)
saptabhir draupadeyāṃś ca
mit sieben die Draupadī-Söhne (Instr.Pl. / Akk.Pl.)
tribhir vivyādha sātyakim
mit drei durchbohrte er Sātyaki (Instr.Pl. / Perf. 3.Sg. / Akk.Sg.)
dhanuś ciccheda bhallena
den Bogen zerschnitt er mit einem Breitpfeil (Akk.Sg. / Perf. 3.Sg. / Instr.Sg.)
tad apāsya dhanuś chinnaṃ mādrīputraḥ pratāpavān; abhyadhāvata rājānaṃ pragṛhyānyan mahad dhanuḥ; tato duryodhanaṃ saṃkhye vivyādha daśabhiḥ śaraiḥ
Diesen zerschnittenen Bogen wegwerfend, stürmte der glühende Sohn der Mādrī auf den König zu, nachdem er einen anderen großen Bogen ergriffen hatte; dann durchbohrte er Duryodhana im Kampf mit zehn Pfeilen.
Wort für Wort
tad apāsya dhanuś chinnaṃ
diesen zerschnittenen Bogen wegwerfend (Gerundium / Akk.Sg.n. / Part.Pass.)
mādrīputraḥ pratāpavān
der Sohn der Mādrī, der glühende (Nom.Sg.)
abhyadhāvata rājānaṃ
stürmte auf den König zu (Impf. 3.Sg. Med. / Akk.Sg.)
pragṛhyānyan mahad dhanuḥ
einen anderen großen Bogen ergreifend (Gerundium / Akk.Sg.n.)
tato duryodhanaṃ saṃkhye
dann Duryodhana im Kampf (Akk.Sg. / Lok.Sg.)
vivyādha daśabhiḥ śaraiḥ
durchbohrte er mit zehn Pfeilen (Perf. 3.Sg. / Instr.Pl.)
sātyakiś cāpi rājānaṃ śareṇānataparvaṇā; draupadeyās trisaptatyā dharmarājaś ca saptabhiḥ; aśītyā bhīmasenaś ca śarai rājānam ārdayat
Auch Sātyaki [traf] den König mit einem Pfeil mit geraden Gelenken, die Draupadī-Söhne mit dreiundsiebzig, der Dharmakönig mit sieben; und mit achtzig Pfeilen quälte Bhīmasena den König.
Wort für Wort
sātyakiś cāpi rājānaṃ
und auch Sātyaki den König (Nom.Sg. / Akk.Sg.)
śareṇānataparvaṇā
mit einem Pfeil mit gebogenen bzw. geraden Gelenken [?] (Instr.Sg.)
draupadeyās trisaptatyā
die Draupadī-Söhne mit dreiundsiebzig (Nom.Pl. / Instr.Sg.)
dharmarājaś ca saptabhiḥ
und der Dharmakönig mit sieben (Nom.Sg. / Instr.Pl.)
aśītyā bhīmasenaś ca
und Bhīmasena mit achtzig (Instr.Sg. / Nom.Sg.)
śarai rājānam ārdayat
mit Pfeilen den König quälte er (Instr.Pl. / Akk.Sg. / Impf. 3.Sg.)
Die Sätze sind elliptisch; das Verb „ārdayat“ steht am Ende und gilt für alle Genannten.
bhīmasenaṃ raṇe kruddhaṃ droṇaputro nyavārayat; tato bāṇair mahārāja pramuktaiḥ sarvatodiśam; nājñāyanta raṇe vīrā na diśaḥ pradiśas tathā
Bhīmasena, der im Kampf zornig war, hielt der Sohn Droṇas auf; dann, o Großkönig, erkannte man durch die nach allen Richtungen abgeschossenen Pfeile im Kampf die Helden nicht mehr, weder die Himmelsrichtungen noch die Zwischenrichtungen.
Wort für Wort
bhīmasenaṃ raṇe kruddhaṃ
Bhīmasena im Kampf zornig (Akk.Sg. / Lok.Sg. / Part.Pass. Akk.Sg.)
droṇaputro nyavārayat
der Sohn Droṇas hielt zurück (Nom.Sg. / Impf. 3.Sg.)
tato bāṇair mahārāja
dann durch Pfeile, o Großkönig (Instr.Pl. / Vok.)
pramuktaiḥ sarvatodiśam
abgeschossenen, nach allen Richtungen (Part.Pass. Instr.Pl. / Adv.)
nājñāyanta raṇe vīrā
nicht erkannt wurden im Kampf die Helden (Impf. Pass. 3.Pl. / Nom.Pl.)
na diśaḥ pradiśas tathā
weder Himmelsrichtungen noch Zwischenrichtungen (Nom.Pl.)
Diese beiden, grausam im Tun, beide, o Bhārata, schwer zu ertragen, kämpften furchtbar miteinander, Tat und Vergeltung suchend, die ganze Welt erschreckend, ihre Haut [am Arm] vom Schnalzen der Bogensehne wund.
Wort für Wort
tāv ubhau krūrakarmāṇāv
diese beiden, grausam im Tun (Nom.Du.)
ubhau bhārata duḥsahau
beide, o Bhārata, schwer zu ertragen (Nom.Du. / Vok. / Nom.Du.)
ghorarūpam ayudhyetāṃ
furchtbar kämpften sie (Adv. / Impf. 3.Du. Med.)
kṛtapratikṛtaiṣiṇau
Tat und Vergeltung suchend (Nom.Du.)
trāsayantau jagat sarvaṃ
die ganze Welt erschreckend (Part.Präs.Kaus. Nom.Du. / Akk.Sg.)
jyākṣepavihatatvacau
deren Haut von den Sehnenschlägen wund ist (Nom.Du., Bahuvrīhi)
„jyākṣepavihatatvacau“: wörtlich „deren Haut von den Schlägen der Sehne verletzt ist“; gemeint ist wohl die Haut am Unterarm bzw. Handschutz.
yantreṇa hanyamānau tu rathāṅgāv api cicchide; maṇḍalāgraṃ dhanuś cāpi niśitāṃs tomarān api; nārācān ardhanārācān supuṇyān mudgarān api; svarṇadaṇḍāṃ ca śaktiṃ ca bhiṇḍipālān parasvadhān; nirundhayan satyadhṛtiṃ kṛtvaitat karma dāruṇam
Mit einer Vorrichtung [?] zerschlug er auch die Wagenräder, die zerschlagen wurden [?]; ein Schwert, einen Bogen und scharfe Wurfspieße, Nārācas und Halb-Nārācas, [ebenso] „supuṇya“-Keulen [?], eine goldschaftige Lanze, Bhiṇḍipālas und Äxte – [er zerschlug/hemmte dies alles], den Satyadhṛti hindernd, nachdem er diese furchtbare Tat vollbracht hatte.
Wort für Wort
yantreṇa hanyamānau tu
mit einer Vorrichtung [?], die getroffen werden (Instr.Sg. / Part.Präs.Pass. Nom.Du.)
rathāṅgāv api cicchide
auch die Wagenräder / -teile zerschnitt er [?] (Akk.Du. / Perf. 3.Sg. Med.)
nachdem er diese furchtbare Tat getan (Gerundium / Akk.Sg.n.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; der Text ist offensichtlich verderbt oder elliptisch (unklarer Bezug von „yantreṇa“, „supuṇyān“ und des Verbs zu den Waffenobjekten). Übersetzung nur behelfsmäßig.
Dann bestieg Yudhiṣṭhira, der Gerechtigkeitskönig, einen anderen Wagen, durchbohrte Śakuni mit neun [Pfeilen] und traf [ihn] wieder mit fünf; und er, der Beste aller Bogenkämpfer, stieß ein gewaltiges Gebrüll aus.
Wort für Wort
athānyaṃ ratham āsthāya
dann einen anderen Wagen bestiegen habend (Abs. Ger.; Akk. Sg.)
dharmarājo yudhiṣṭhiraḥ
der Gerechtigkeitskönig Yudhiṣṭhira (Nom. Sg.)
śakuniṃ navabhir viddhvā
Śakuni mit neun durchbohrt habend (Akk./Instr. Pl.; Abs. Ger.)
punar vivyādha pañcabhiḥ
wieder traf er mit fünf (Perf. 3.Sg./Instr. Pl.)
nanāda ca mahānādaṃ
und er brüllte ein großes Gebrüll (Perf. 3.Sg./Akk. Sg.)
durchbohrte [ihn] mit fünf scharfen, spitzen Pfeilen, [es] duldend [?].
Wort für Wort
pañcabhir niśitais tīkṣṇaiḥ
mit fünf geschliffenen, spitzen (Instr. Pl.)
śarair vivyādha
mit Pfeilen durchbohrte er (Instr. Pl./Perf. 3.Sg.)
marṣayan
duldend [?] (Part. Präs. Kaus., Nom. Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. marṣayan (Part. Präs. Kaus.) hier unklar, wohl „unnachgiebig/ungeduldig“ o. ä.
Zwischen den beiden entstand ein gewaltiger Kampf in der Schlacht, o Stier der Bharatas, so wie er bei zwei brünstigen, ineinander verbissenen Elefantenbullen [ist].
Wort für Wort
tayor yuddhaṃ mahac cāsīt
zwischen den beiden war ein großer Kampf (Gen. Du./Nom. Sg./Impf. 3.Sg.)
saṃgrāme bharatarṣabha
in der Schlacht, o Stier der Bharatas (Lok. Sg./Vok. Sg.)
prabhinnayor yathā saktaṃ
wie [er] bei brünstigen [Elefanten] verstrickt [ist] (Gen. Du./Part. Pass.)
mattayor varahastinoḥ
bei zwei rasenden prächtigen Elefanten (Gen. Du.)
varahastin wörtlich „Elefant mit vorzüglichem Rüssel“, d. h. prächtiger Elefant.
tasya tair abhavad yuddham indriyair iva dehinaḥ; ghorarūpam asaṃvāryaṃ nirmaryādam atīva ca
Sein Kampf mit ihnen war wie [der Kampf] eines Verkörperten mit den Sinnen: von schrecklicher Gestalt, nicht zu bändigen und über die Maßen ohne Schranke.
Wort für Wort
tasya tair abhavad yuddham
sein Kampf mit ihnen entstand (Gen. Sg./Instr. Pl./Impf. 3.Sg.)
indriyair iva dehinaḥ
wie der eines Verkörperten mit den Sinnen (Instr. Pl./Gen. Sg.)
ghorarūpam asaṃvāryaṃ
von schrecklicher Gestalt, unabwehrbar (Nom. Sg. n.)
Männer [kämpften] mit Männern, Elefanten ebenso mit Elefanten, Pferde in Pferden verwickelt, ebenso Wagenkämpfer mit Wagenkämpfern; und noch mehr wurde es ein Gedränge von schrecklicher Gestalt, o Herr der Menschen.
Wort für Wort
narāś caiva naraiḥ sārdhaṃ
und Männer mit Männern (Nom. Pl./Instr. Pl./Adv.)
dantino dantibhis tathā
Elefanten mit Elefanten ebenso (Nom. Pl./Instr. Pl.)
hayā hayaiḥ samāsaktā
Pferde mit Pferden verwickelt (Nom. Pl./Instr. Pl./Part. Pass.)
rathino rathibhis tathā
Wagenkämpfer mit Wagenkämpfern ebenso (Nom. Pl./Instr. Pl.)
saṃkulaṃ cābhavad bhūyo
und es wurde ein Gedränge noch mehr (Nom. Sg. n./Impf. 3.Sg./Adv.)
ghorarūpaṃ viśāṃ pate
von schrecklicher Gestalt, o Herr der Menschen (Nom. Sg. n./Vok. Sg.)
Der von den Wagenradkränzen aufgewirbelte und auch vom Schnauben der Elefanten [erzeugte] Staub, abendwolkenbraun, ging zur Bahn des Tagesbringers [der Sonne].
Wort für Wort
rathanemisamudbhūtaṃ
von Wagenradkränzen aufgewirbelt (Kompositum, Nom. Sg. n.)
niḥśvāsaiś cāpi dantinām
und auch von den Atemstößen der Elefanten (Instr. Pl./Gen. Pl.)
rajaḥ saṃdhyābhrakapilaṃ
der Staub, abendwolkenbraun (Nom. Sg. n./Kompositum)
Nach einem Augenblick war es ringsum gleichsam staubfrei geworden; auf dem von Heldenblut getränkten Boden, o Bester der Bharatas, legte sich dann jener heftige, furchtbar anzusehende Staub.
Wort für Wort
muhūrtād iva saṃvṛttaṃ
nach einem Augenblick gleichsam geworden (Abl. Sg./Part. Pass.)
nīrajaskaṃ samantataḥ
staubfrei ringsum (Nom. Sg. n./Adv.)
vīraśoṇitasiktāyāṃ bhūmau
auf dem mit Heldenblut besprengten Boden (Lok. Sg. f.)
tato 'paśyaṃ mahārāja dvaṃdvayuddhāni bhārata; yathāprāgryaṃ yathājyeṣṭhaṃ madhyāhne vai sudāruṇe; varmaṇāṃ tatra rājendra vyadṛśyantojjvalāḥ prabhāḥ
Da sah ich, o Großkönig, Bhārata, Zweikämpfe, nach Rang und nach Alter [geordnet], in der überaus furchtbaren Mittagszeit; und dort, o König der Könige, sah man die leuchtenden Strahlen der Panzer.
Wort für Wort
tato 'paśyaṃ mahārāja
da sah ich, o Großkönig (Adv./Impf. 1.Sg./Vok. Sg.)
dvaṃdvayuddhāni bhārata
Zweikämpfe, o Bhārata (Akk. Pl. n./Vok. Sg.)
yathāprāgryaṃ yathājyeṣṭhaṃ
nach Rang, nach Alter (Adv.)
madhyāhne vai sudāruṇe
in der Mittagszeit, der überaus furchtbaren (Lok. Sg.)
varmaṇāṃ tatra rājendra
der Panzer dort, o Königsfürst (Gen. Pl./Adv./Vok. Sg.)
vyadṛśyantojjvalāḥ prabhāḥ
wurden gesehen leuchtende Strahlen (Impf. Pass. 3.Pl./Nom. Pl.)