Kapitel 37: saptasārasvatamāhātmya
Die sieben Sarasvatīs, Maṅkaṇaka und Śivas Tanz
Auf Janamejayas Frage erzählt Vaiśaṃpāyana, wie die Sarasvatī in sieben Gestalten an verschiedenen Opferstätten erschien, und dann von Maṅkaṇaka, seinem Tanz und der Erscheinung Śivas.
janamejaya uvāca; saptasārasvataṃ kasmāt kaś ca maṅkaṇako muniḥ; kathaṃ siddhaś ca bhagavān kaś cāsya niyamo 'bhavat
Janamejaya sprach: Weshalb [heißt es] „Saptasārasvata“, und wer ist der Weise Maṅkaṇaka? Wie wurde der Erhabene ein Vollendeter (Siddha), und welche Regel [der Lebensführung] hatte er?
Wort für Wort
janamejaya uvāca
Janamejaya sprach (Perf.)
saptasārasvataṃ kasmāt
[das Saptasārasvata] weshalb? (Abl. interrogativ)
kaḥ ca maṅkaṇakaḥ muniḥ
und wer [ist] Maṅkaṇaka, der Weise (Nom.)
kathaṃ siddhaḥ ca bhagavān
und wie [wurde] der Erhabene ein Vollendeter (Nom.)
In wessen Geschlecht wurde er geboren, und was hat er [an Wissen] studiert, du Bester der Zweimalgeborenen? Dies möchte ich vorschriftsgemäß hören, du Vortrefflichster der Zweimalgeborenen.
Wort für Wort
kasya vaṃśe samutpannaḥ
in wessen Geschlecht geboren (Gen./Lok./Part. Perf. Pass.)
kim ca adhītam
und was studiert (Akk./Part. Perf. Pass.)
dvijottama
o Bester der Zweimalgeborenen (Vok.)
etad icchāmi aham śrotum
dies will ich hören (Akk., 1.Sg.Präs., Inf.)
vidhivat dvijasattama
vorschriftsgemäß, o Vortrefflichster der Zweimalgeborenen (Adv./Vok.)
vaiśaṃpāyana uvāca; rājan sapta sarasvatyo yābhir vyāptam idaṃ jagat; āhūtā balavadbhir hi tatra tatra sarasvatī
Vaiśaṃpāyana sprach: König, es gibt sieben Sarasvatīs, von denen diese Welt durchdrungen ist; denn von Mächtigen wurde die Sarasvatī jeweils hier und dort herbeigerufen.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach
rājan sapta sarasvatyaḥ
König, sieben Sarasvatīs (Vok./Nom.Pl.)
yābhiḥ vyāptam idaṃ jagat
von denen diese Welt durchdrungen ist (Instr.Pl./Part. Pass.)
āhūtā balavadbhiḥ hi
herbeigerufen von Mächtigen, denn (Part. Pass./Instr.Pl.)
pitāmahasya mahato vartamāne mahītale; vitate yajñavāṭe vai sameteṣu dvijātiṣu
Als das Opfer des großen Urvaters (Brahmā) auf der Erde im Gange war, auf dem weit ausgedehnten Opferplatz, als sich die Zweimalgeborenen versammelt hatten,
Wort für Wort
pitāmahasya mahataḥ
des großen Urvaters (Gen.Sg.)
vartamāne mahītale
als [es] im Gange war auf der Erde (Lok. abs./Lok.)
vitate yajñavāṭe vai
auf dem weit ausgedehnten Opferplatz, fürwahr (Lok.)
sameteṣu dvijātiṣu
als die Zweimalgeborenen versammelt waren (Lok. abs., Part. Perf. Pass.)
manasā cintitā hy arthā dharmārthakuśalais tadā; upatiṣṭhanti rājendra dvijātīṃs tatra tatra ha
da erschienen damals die mit dem Geist erdachten Dinge, die Kundige in Dharma und Nutzen [sich wünschten], den Zweimalgeborenen, König der Könige, hier und dort.
Wort für Wort
manasā cintitāḥ hi arthāḥ
mit dem Geist erdachte Dinge (Instr./Part. Pass./Nom.Pl.)
dharmārthakuśalaiḥ tadā
von den in Dharma und Nutzen Kundigen damals (Instr.Pl.)
upatiṣṭhanti rājendra
sie treten herzu, Fürst der Könige (3.Pl.Präs./Vok.)
dvijātīn tatra tatra ha
den Zweimalgeborenen hier und dort, fürwahr (Akk.Pl.)
tasya yajñasya saṃpattyā tutuṣur devatā api; vismayaṃ paramaṃ jagmuḥ kim u mānuṣayonayaḥ
Durch die Vollendung jenes Opfers wurden sogar die Götter zufrieden; sie gerieten in höchstes Staunen – wie viel mehr erst die aus menschlichem Schoß Geborenen!
Als das Opfer so im Gange war und der Urvater in Puṣkara weilte, sprachen die Seher, König: „Dieses Opfer hat keine große Frucht, weil hier die beste der Flüsse, die Sarasvatī, nicht zu sehen ist.“
Wort für Wort
vartamāne tathā yajñe
als das Opfer so im Gange war (Lok. abs.)
puṣkarasthe pitāmahe
als der Urvater in Puṣkara weilte (Lok. abs.)
abruvan ṛṣayaḥ rājan
die Seher sprachen, König (3.Pl.Impf./Vok.)
na ayaṃ yajñaḥ mahāphalaḥ
dieses Opfer ist nicht von großer Frucht (Nom.)
na dṛśyate saricchreṣṭhā
nicht wird gesehen die beste der Flüsse (3.Sg.Pass./Nom.f.)
Als der Erhabene das hörte, war er erfreut und dachte darauf an die Sarasvatī. Vom opfernden Urvater in Puṣkara herbeigerufen, [kam] dort, Fürst der Könige, die Sarasvatī namens Suprabhā.
Wort für Wort
tat śrutvā bhagavān prītaḥ
als der Erhabene dies gehört hatte, erfreut (Abs./Nom.)
sasmāra atha sarasvatīm
gedachte darauf der Sarasvatī (3.Sg.Perf./Akk.)
pitāmahena yajatā āhūtā
vom opfernden Urvater herbeigerufen (Instr./Part. Präs./Part. Pass.f.)
puṣkareṣu vai
in Puṣkara, fürwahr (Lok.Pl.)
suprabhā nāma rājendra
namens Suprabhā, Fürst der Könige (Nom./Vok.)
nāmnā tatra sarasvatī
dort die Sarasvatī, dem Namen nach (Instr./Nom.)
Der Halbvers „nāmnā tatra sarasvatī“ ist im Deutschen mit dem Vorigen verschmolzen; das Verb „kam“ ist ergänzt.
Als die Weisen sie sahen, die mit Schwung dahineilende Sarasvatī, die den Urvater ehrte, waren sie zufrieden und hielten das Opfer für sehr [wertvoll].
Wort für Wort
tāṃ dṛṣṭvā munayaḥ tuṣṭāḥ
als die Weisen sie sahen, zufrieden (Abs./Nom.Pl.)
sā tu dhyātā mahārāja ṛṣibhiḥ satrayājibhiḥ; samāgatānāṃ rājendra sahāyārthaṃ mahātmanām; ājagāma mahābhāgā tatra puṇyā sarasvatī
Sie, an die die Seher, die Opferfeiernden, gedacht hatten, großer König, kam als Beistand für die dort versammelten Hochgesinnten, Fürst der Könige, die hochbeglückte, heilige Sarasvatī dorthin.
Wort für Wort
sā tu dhyātā mahārāja
sie aber, an die gedacht worden war, großer König (Part. Pass.f./Vok.)
ājagāma saricchreṣṭhā taṃ deśam ṛṣikāraṇāt; pūjyamānā munigaṇair valkalājinasaṃvṛtaiḥ; manohradeti vikhyātā sā hi tair manasā hṛtā
[und] die beste der Flüsse kam um der Seher willen an diesen Ort. Von Scharen von Weisen, die in Rindenbast und Antilopenfell gekleidet waren, verehrt, wurde sie „Manohradā“ (Geistes-Teich) genannt, denn sie wurde von ihnen mit dem Geist herbeigeführt.
Wort für Wort
ājagāma saricchreṣṭhā
kam, die beste der Flüsse (3.Sg.Perf.)
tam deśam ṛṣikāraṇāt
an diesen Ort um der Seher willen (Akk./Abl.)
pūjyamānā munigaṇaiḥ
verehrt von Weisenscharen (Part. Präs. Pass.f./Instr.Pl.)
valkalājinasaṃvṛtaiḥ
in Bast und Fell gekleidet (Instr.Pl.)
manohradā iti vikhyātā
„Manohradā“ genannt (Nom.f./Part. Pass.)
sā hi taiḥ manasā hṛtā
denn sie wurde von ihnen mit dem Geist herbeigeholt (Instr./Part. Pass.f.)
Die Suveṇu kam auf der heiligen, von Königsehern besuchten Ṛṣabha-Insel, und, hochbeglückt, die beste der Flüsse, die Sarasvatī, kam nach Kurukṣetra zum Opfer des hochgesinnten Kuru.
Wort für Wort
suveṇuḥ ṛṣabhadvīpe
Suveṇu auf der Ṛṣabha-Insel (Nom./Lok.)
puṇye rājarṣisevite
der heiligen, von Königsehern besuchten (Lok.)
kuroḥ ca yajamānasya
und des opfernden Kuru (Gen.)
kurukṣetre mahātmanaḥ
in Kurukṣetra, des Hochgesinnten (Lok./Gen.)
ājagāma mahābhāgā
kam, die Hochbeglückte (3.Sg.Perf.)
saricchreṣṭhā sarasvatī
die beste der Flüsse, Sarasvatī (Nom.f.)
Zuordnung von „suveṇuḥ“ zu ājagāma über die Zeilen hinweg [?].
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Lücken- bzw. Zuordnungsfragen: Subjekt ist die Sarasvatī der vorigen Zeile [?].
Als er dort zufällig im Wasser eine Frau sah, Bhārata – sie badete, mit schönen Augenwinkeln, nackt, untadelig – da fiel, großer König, in der Sarasvatī sein Same ins Wasser.
Wort für Wort
dṛṣṭvā yadṛcchayā tatra
gesehen habend, zufällig, dort (Abs./Adv.)
striyam ambhasi bhārata
eine Frau im Wasser, Bhārata (Akk./Lok./Vok.)
snāyantīm rucirāpāṅgīm
badend, mit schönen Augenwinkeln (Part. Präs. Akk.f.)
In sieben Teile geteilt, ging er [der Samen] im Krug ruhend [in die Entwicklung] über; dort wurden sieben Seher geboren, die Scharen der Marut entstanden.
Wort für Wort
saptadhā pravibhāgaṃ tu
in siebenfacher Teilung aber (Adv./Akk.Sg.m.)
kalaśasthaṃ jagāma ha
im Krug befindlich ging er (Akk.; 3.Sg.Perf.)
tatra ṛṣayaḥ sapta
dort sieben Seher (Nom.Pl.)
jātā jajñire
geboren wurden sie, entstanden (PPP; 3.Pl.Perf.Med.)
marutāṃ gaṇāḥ
die Scharen der Marut (Gen.Pl./Nom.Pl.)
Der Halbvers „kalaśasthaṃ jagāma“ ist syntaktisch knapp; die Ergänzung „[in die Entwicklung]“ ist Deutung.
purā maṅkaṇakaḥ siddhaḥ kuśāgreṇeti naḥ śrutam; kṣataḥ kila kare rājaṃs tasya śākaraso 'sravat; sa vi śākarasaṃ dṛṣṭvā harṣāviṣṭaḥ pranṛttavān
Einst, so haben wir gehört, floss dem vollkommenen Maṅkaṇaka, als er sich mit einer Kuśa-Spitze verletzt hatte, o König, an der Hand Pflanzensaft. Als er den Pflanzensaft sah, tanzte er, von Freude erfüllt.
Wort für Wort
purā maṅkaṇakaḥ siddhaḥ
einst Maṅkaṇaka, der Vollendete (Nom.Sg.m.)
kuśāgreṇa iti naḥ śrutam
mit der Kuśa-Spitze, so von uns gehört (Instr.; PPP)
kṣataḥ kila kare rājan
verletzt, wie es heißt, an der Hand, König (PPP; Lok.; Vok.)
tasya śākarasaḥ asravat
ihm floss Pflanzensaft (Gen.; Impf.3.Sg.)
sa vi śākarasaṃ dṛṣṭvā
er [?] den Pflanzensaft gesehen habend (Absol.)
harṣāviṣṭaḥ pranṛttavān
von Freude erfüllt, tanzte er (PPP; PAP)
„sa vi“ ist vermutlich verderbt (etwa „sa tu“ oder „sa hi“); sinngemäß „er“ wiedergegeben.
brahmādibhiḥ surai rājann ṛṣibhiś ca tapodhanaiḥ; vijñapto vai mahādeva ṛṣer arthe narādhipa; nāyaṃ nṛtyed yathā deva tathā tvaṃ kartum arhasi
Von Brahmā und den anderen Göttern, o König, und von den an Askese reichen Sehern wurde Mahādeva, o Herrscher der Menschen, um des Sehers willen gebeten: „Du solltest es so einrichten, o Gott, dass dieser nicht tanzt.“
Wort für Wort
brahmādibhiḥ suraiḥ rājan
von Brahmā und den anderen Göttern, König (Instr.Pl.; Vok.)
ṛṣibhiḥ ca tapodhanaiḥ
und von Sehern, reich an Askese (Instr.Pl.)
vijñaptaḥ vai mahādeva
angegangen wurde Mahādeva (PPP Nom.Sg.)
ṛṣeḥ arthe narādhipa
um des Sehers willen, Herrscher der Menschen (Lok.; Vok.)
„Heda, heda, Brahmane, der du das Recht kennst, weshalb tanzt du ungestüm? Weshalb ist dies der Anlass deiner Freude, bester der Weisen? Du bist ein Asket und stehst auf dem Pfad des Rechts, bester der Zweimalgeborenen.“
Wort für Wort
bho bho brāhmaṇa dharmajña
heda, Brahmane, Rechtskundiger (Vok.)
kimartham narinartsi vai
weshalb tanzt du heftig (Intensiv 2.Sg.)
harṣasthānam kimartham vai
Anlass der Freude weshalb (Nom.Sg.n.)
tava idam munisattama
dein dies, bester der Weisen (Gen.; Vok.)
tapasvinaḥ dharmapathe sthitasya
des Asketen, der auf dem Rechtspfad steht (Gen.Sg.; PPP)
dvijasattama
bester der Zweimalgeborenen (Vok.)
„narinartsi“ als Intensivform von √nṛt („heftig/immerfort tanzen“) gedeutet; der Genitiv „tapasvinaḥ … sthitasya“ hängt lose vom Satz ab.
ṛṣir uvāca; kiṃ na paśyasi me brahman karāc chākarasaṃ srutam; yaṃ dṛṣṭvā vai pranṛtto 'haṃ harṣeṇa mahatā vibho
Der Seher sprach: „Siehst du nicht, Brahmane, den Pflanzensaft, der mir aus der Hand geflossen ist? Als ich ihn sah, tanzte ich vor großer Freude, o Herr.“
Wort für Wort
ṛṣiḥ uvāca
der Seher sprach (Perf.3.Sg.)
kiṃ na paśyasi me brahman
siehst du nicht mein, Brahmane (2.Sg.Präs.; Gen.; Vok.)
karāt śākarasaṃ sṛtam
aus der Hand Pflanzensaft geflossen (Abl.; PPP)
yaṃ dṛṣṭvā vai pranṛttaḥ aham
den gesehen habend tanzte ich (Absol.; PPP)
harṣeṇa mahatā vibho
vor großer Freude, o Herr (Instr.; Vok.)
Überliefert „srutam“; als „sṛtam“ (geflossen) gelesen.
Nachdem der weise Mahādeva so zu dem besten der Weisen gesprochen hatte, wurde, o König der Könige, mit der Fingerspitze sein eigener Daumen angeschlagen.
Wort für Wort
evam uktvā
so gesprochen habend (Absol.)
muniśreṣṭham
zum besten der Weisen (Akk.)
mahādevena dhīmatā
von Mahādeva, dem Weisen (Instr.Sg.)
aṅgulyagreṇa rājendra
mit der Fingerspitze, König der Könige (Instr.; Vok.)
svāṅguṣṭhaḥ tāḍitaḥ abhavat
der eigene Daumen geschlagen wurde (PPP; Impf.3.Sg.)
Der Daumen ist der des Gottes (svāṅguṣṭha, „sein eigener Daumen“); der Gott schlug ihn mit der Spitze des Fingers an.
Der Seher sprach: „Ich halte keinen anderen für größer als den Gott Rudra. Du bist die Zuflucht der Welt der Götter und Asuras, o Träger des Dreizacks.
Wort für Wort
ṛṣiḥ uvāca
der Seher sprach
na anyam devāt aham manye
keinen anderen als den Gott halte ich (1.Sg.Präs.Med.)
rudrāt parataram mahat
als Rudra höher, größer (Abl.; Komp.)
surāsurasya jagataḥ gatiḥ
Zuflucht der Welt von Göttern und Asuras (Gen.Sg.; Nom.Sg.)
**** **** bhāvā ye jagati sthitāḥ; tvām upāsanta varadaṃ
[Lücke] … die Wesen, die in der Welt bestehen; dich verehren sie, den Gabenspender.
Wort für Wort
**** ****
[Lücke im Text]
bhāvāḥ ye jagati sthitāḥ
die Wesen, die in der Welt stehen (Nom.Pl.m.; Lok.; PPP)
tvām upāsanta
dich verehren sie (3.Pl.Impf./Präs.Med.)
varadam
den Gabenspender (Akk.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Vers ist lückenhaft überliefert und bricht ab; Subjekt und Zusammenhang sind unsicher.
tvaṃ prabhuḥ paramaiśvaryād adhikaṃ bhāsi śaṃkara; tvayi brahmā ca viṣṇuś ca lokān saṃdhārya tiṣṭhataḥ; tvanmūlaṃ ca jagat sarvaṃ tvadantaṃ ca maheśvara; tvayā hi vitatā lokā sapteme sarvasaṃbhava; sarvathā sarvabhūteśa tvām evārcanti daivatam; tvanmayaṃ hi jagat sarvaṃ bhūtaṃ sthāvarajaṅgamam; svargaṃ ca paramasthānaṃ nṛṇām abhyudayārthinām; dadāsi ca prasannas tvaṃ bhaktānāṃ parameśvara; anāvṛttipadaṃ nṝṇāṃ nityaṃ niḥśreyasārthinām; dadāsi karmiṇāṃ karma bhāvayan dhyānayogataḥ; na vṛthāsti mahādeva prasādas te maheśvara; yasmāt tvayopakaraṇāt karomi kamalekṣaṇa; prapadye śaraṇaṃ śaṃbhuṃ sarvadā sarvataḥ sthitam; karmaṇā manasā vācā tam evābhijagāma ha
Du bist der Herr; durch deine höchste Herrschermacht strahlst du noch über [sie] hinaus, o Śaṃkara. In dir stehen Brahmā und Viṣṇu und tragen die Welten. Dein Ursprung ist die ganze Welt, und sie hat in dir ihr Ende, o Maheśvara. Von dir sind diese sieben Welten ausgespannt, o Ursprung von allem. In jeder Weise verehren sie dich allein als Gottheit, o Herr aller Wesen. Aus dir besteht diese ganze Welt, das Seiende, Unbewegliche und Bewegliche. Den Himmel, den höchsten Ort für die Menschen, die nach Aufstieg streben, gewährst du, gnädig gesinnt, o höchster Herr, den Ergebenen; den Ort ohne Wiederkehr gewährst du den Menschen, die stets nach dem höchsten Heil trachten. Den Handelnden gewährst du die Tat, indem du [sie] durch Versenkung [in dich] hervorbringst. Nicht vergeblich ist, Mahādeva, deine Gnade, o Maheśvara; weil ich durch dich als Hilfsmittel [handle], tue ich es, o Lotosäugiger. Ich nehme Zuflucht zu Śaṃbhu, der zu allen Zeiten und überall gegenwärtig ist; mit Tat, Sinn und Wort ging ich eben zu ihm hin.
Wort für Wort
tvam prabhuḥ paramaiśvaryāt
du Herr, durch höchste Herrschermacht (Nom.; Abl.)
adhikam bhāsi śaṃkara
darüber hinaus strahlst du, Śaṃkara (2.Sg.Präs.; Vok.)
tvayi brahmā ca viṣṇuḥ ca
in dir Brahmā und Viṣṇu (Lok.; Nom.)
lokān saṃdhārya tiṣṭhataḥ
die Welten tragend stehen sie (Absol.; 3.Du.Präs.)
tvanmūlam ca jagat sarvam
dich als Wurzel habend und die ganze Welt (Komp.)
tvadantam ca maheśvara
dich als Ende habend, Großer Herr (Komp.; Vok.)
tvayā hi vitatāḥ lokāḥ
von dir ausgebreitet die Welten (Instr.; PPP Nom.Pl.)
sapta ime sarvasaṃbhava
diese sieben, Ursprung von allem (Vok.)
sarvathā sarvabhūteśa
in jeder Weise, Herr aller Wesen (Adv.; Vok.)
tvām eva arcanti daivatam
dich allein verehren sie als Gottheit (3.Pl.Präs.; Akk.)
tvanmayam hi jagat sarvam
aus dir bestehend die ganze Welt (Nom.Sg.n.)
bhūtam sthāvarajaṅgamam
das Seiende, Unbewegliches und Bewegliches (Nom.)
svargam ca paramasthānam
den Himmel, höchsten Ort (Akk.)
nṛṇām abhyudayārthinām
für die Menschen, die Aufstieg erstreben (Gen.Pl.)
dadāsi ca prasannaḥ tvam
und du gewährst gnädig (2.Sg.Präs.; Nom.)
bhaktānām parameśvara
den Ergebenen, höchster Herr (Gen.Pl.; Vok.)
anāvṛttipadam nṝṇām
den Ort ohne Wiederkehr den Menschen (Akk.; Gen.Pl.)
nityam niḥśreyasārthinām
stets Heilsuchenden (Gen.Pl.)
dadāsi karmiṇām karma
du gibst den Handelnden die Tat (Gen.Pl.; Akk.)
bhāvayan dhyānayogataḥ
hervorbringend durch Versenkung (Part.Kaus.; Adv.)
na vṛthā asti mahādeva
nicht vergeblich ist, Mahādeva
prasādaḥ te maheśvara
deine Gnade, Maheśvara (Nom.; Gen.)
yasmāt tvayā upakaraṇāt
weil durch dich als Hilfsmittel (Abl.; Instr.)
karomi kamalekṣaṇa
tue ich, Lotosäugiger (1.Sg.Präs.; Vok.)
prapadye śaraṇam śaṃbhum
ich nehme Zuflucht zu Śaṃbhu (1.Sg.Präs.Med.)
sarvadā sarvataḥ sthitam
stets allseits gegenwärtig (Akk.; PPP)
karmaṇā manasā vācā
mit Tat, Sinn, Wort (Instr.)
tam eva abhijagāma ha
zu ihm eben ging er hin (Perf.3.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Langer Zusatztext der Handschriften (star), teils syntaktisch und inhaltlich unsicher: „yasmāt tvayopakaraṇāt karomi“ ist schwer zu deuten [?]; die letzte Zeile wechselt von 1. zu 3. Person.
„Dass ich, o Gott, dieses Ungestüm begangen habe, dieses Staunen und dergleichen,
Wort für Wort
yat idam cāpalam deva
dass dieses Ungestüm, Gott (Nom.Sg.n.; Vok.)
kṛtam etat
getan, dies (PPP; Nom.)
smayādikam
Staunen und dergleichen (Nom.Sg.n.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Satz ist ohne Fortsetzung und wird in der nächsten Einheit weitergeführt.
tato devaḥ prītamanās tam ṛṣiṃ punar abravīt; tapas te vardhatāṃ vipra matprasādāt sahasradhā; āśrame ceha vatsyāmi tvayā sārdham ahaṃ sadā
Da sprach der Gott, wohlgesinnt, wieder zu jenem Seher: „Deine Askese soll durch meine Gnade um das Tausendfache wachsen, Brahmane. Und in [deiner] Einsiedelei hier werde ich immer bei dir wohnen.
Wort für Wort
tataḥ devaḥ prītamanāḥ
da der Gott, wohlgesinnt (Nom.)
tam ṛṣim punaḥ abravīt
zu jenem Seher wieder sprach er
tapaḥ te vardhatām vipra
deine Askese wachse, Brahmane (Imp.3.Sg.)
matprasādāt sahasradhā
durch meine Gnade tausendfach (Abl.; Adv.)
āśrame ca iha vatsyāmi
und in der Einsiedelei hier werde ich wohnen (Fut.1.Sg.)
saptasārasvate cāsmin yo mām arciṣyate naraḥ; na tasya durlabhaṃ kiṃ cid bhaviteha paratra ca; sārasvataṃ ca lokaṃ te gamiṣyanti na saṃśayaḥ
Und wer, als Mensch, mich hier im Saptasārasvata verehrt, dem wird weder hier noch im Jenseits etwas schwer zu erlangen sein; und sie werden in die Welt der Sarasvatī gehen, ohne Zweifel.“
Wort für Wort
saptasārasvate ca asmin
und in diesem Saptasārasvata (Lok.)
yaḥ mām arciṣyate naraḥ
welcher Mensch mich verehren wird (Fut.3.Sg.Med.)
na tasya durlabham kiṃ cit
für ihn nichts schwer Erreichbares (Gen.; Nom.)
bhaviteha paratra ca
wird sein hier und jenseits (Fut.3.Sg.)
sārasvatam ca lokam
und in die Sarasvatī-Welt (Akk.)
te gamiṣyanti na saṃśayaḥ
sie werden gehen, kein Zweifel (Fut.3.Pl.)
„te“ (Plural) ist nach dem Singular „yaḥ … naraḥ“ auffällig; als „sie“ im Sinne solcher Menschen wiedergegeben.